Ausgabe 
7.3.1935
 
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Wehrmacht noch einmal auf die politische Bühne. Ihre Stellung war gerade durch ihre innere Geschlossenheit jetzt so stark, daß im Juli 1932 die Geste des Ausnahmezustandes in und um Ber­lin ausreichte, um im raschen Zugriff die Macht in Preußen durch einen Leutnant und wenige Sol­daten den roten Machthabern atnunehrnen und da­mit den Eckpfeiler des marxistischen Regimes in Deutschland zu zerbrechen. Es war historisch ge­sehen die erste große Gleichschaltung.

Als der Führer am 30. Januar 1933 auf legalem Wege die Führung Deutschlands in seine starke Hand nahm, stand in dem sonst an so vie­len Stellen angefaulten Staatswesen eines ge­ordnet zu seiner Verfügung bereit, die deutsche Wehrmacht. Sie brauchte nicht umzulernen. Sie kam als das, was sie war: als das militärische, hochqualifizierte, disziplinierte Machtmittel der Staatsgewalt. Nicht mehr einer Staatsgewalt, die von einem Mehrheitswillen hin und hergescho­ben die Wehrmacht als letzten Halt benutzte, son­dern nun einer starken Staatsführung, eines ziel­bewußten Führerwillens. Was die Vereinigung der beiden Faktoren, nationalsozialistische Bewegung und Wehrmacht für den Staat bedeute, dem hat der Führer selbst Ausdruck gegeben:Die schönste Hoffnung von einst ist in Erfüllung gegangen. Der Nationalsozialismus und das Heer sind eins geworden, haben sich zu einer Einheit zusam­mengefunden, die in Deutschland niemals mehr zerbrechen wird. Mein Dank gilt denen, die die Wehrmacht in den neuen Staat hineingeführt haben."

Mit der Tatsache der Machtergreifung durch Hitler verschob sich auch der Aufgabenkreis der Wehrmacht. Als Instrument der inneren Politik, als ultima ratio der Staatsgewalt, war sie widerwillig auf den exponierten Posten getreten. Nun waren die Voraussetzungen dafür weggefallen. Die Sturmtruppen der nationalsozialistischen Revo­lution, die politischen Soldaten des neuen Deutsch­land, trugen jetzt sicher ihren Staat, den sie sich erkämpft hatten. Diesem Staat brauchte die Wehr­macht nicht mehr den inneren Rückhalt zu geben. Er stand von sich aus fest. Damit traten für die Wehr­macht wieder ausschließlich ihre eigenen, die rein militärischen Aufgaben in den Vordergrund. Diese Verschiebung des äußeren Bil­des, wie sie sich aus der Einschaltung der macht­vollen nationalsozialistischen Bewegung in den Staat als selbstverständlich ergab, bedeutet kein A b - seitsstehen. Wir wissen aus der Rede des Führers am ersten Jahrestage der Revolution, wel­chen Einfluß die' Haltung der Wehrmacht bereits bei seinem Entschluß zur Machtübernahme gehabt hat:Es ist ein einzigartiger geschichtlicher Vor­gang, daß zwischen den Kräften der Revolution und den verantwortlichen Führern einer auf das äußerste disziplinierten Wehrmacht solch herzliche Verbunden­heit im Dienste des Volkes in Erscheinung trat, wie zwischen der Nationalsozialistischen Partei und mir als ihrem Führer einerseits, und den Offizieren und Soldaten des deutschen Reichsheeres und der Marine andererseits... Die Armee und ihre Füh­rung hat in den zwölf Monaten in bedingungsloser Treue und Gefolgschaft zum neuen Staate'gestanden und uns vor der Geschichte Überhaupt erst den Erfolg unserer Arbeit ermöglicht."

Wenn heute die Wehrmacht nach dem Willen des Führers das Hoheitsabzeichen der natio­nalsozialistischen Bewegung an Stahlhelm und Uniform trägt, so vollzog sich damit ein sym­bolischer Akt von historischer Bedeutung. Wehrmacht und Nationalsozialismus haben in den Jahren nach dem Zusammenbruch den Staat der Zukunft, jeder auf seinem Weg mit heißem Herzen gesucht. Sie haben ihr gemeinsames Ziel gefunden im Staate Adolf Hitlers, im Deutschland des Dritten Reiches.

Generalleutnant a. D. Ribbentrop f.

3n Bad Sooden-Allendorf verstarb an den Folgen einer Grippe mit Lungenentzündung im 74. Lebensjahr Generalleutnant a. D. Ribben­trop, im'Kriege Führer einer aus kurhessischen und südhannoverschen Regimentern gebildeten In­fanterie-Division und Ritter des Ordens pour le mgrite. Generalleutnant a. D. Ribbentrop lebte feit 1921 in Bad Sooden-Allendorf im Ruhestand.

Oer rätselhafte Anruf.

Von Olas Bergström

Daß der Zufall auch in der Kriminalistik eine wesentliche, ja entscheidende Rolle zu spielen ver­mag, davon zeugt ein eigenartiger Fall, der sich vor zwei Jahren in der Reichshauptstadt zugetragen hat.

Es war in einer Winternacht, als auf den Glockenschlag zwei das Ueberfallkommando ange- grufen wurde.

..Hier Juwelier Miller, Steinstraße 9!" rief eine heisere, aufgeregte Stimme.Hilfe! Man bricht bei mir ein!" Es folgte ein kurzer Aufschrei und dann war alles still. Der Beamte hängte den Hörer ein.

Hoffentlich nicht zu spät", murmelte er. Dann rief er seme Leute und schon sauste das Polizeiauto durch die Straßen der Weltstadt. In wenigen Mi­nuten war das Ziel erreicht. Die Schupos sprangen ab und stürzten vor den Laden.

Stimmt", sagte der eine und wies auf den eifer- nen Rolladen, der nicht ganz heruntergelassen war. Im Nu war das Ding in die Höhe geschoben. Die Tur war unverschlossen. Im Laden war Licht. Zwei sm tere Burschen waren gerade daran, einen Ju­welenkasten aufzubrechen.

Hände hoch!" Die Beiden waren vollkommen überrascht.

Verdammt!" brüllte der eine und versuchte die Ture im Sprung zu erreichen. Die drohend auf ihn gerichteten Revolverläufe ließen ihn jedoch sein Vorhaben aufgeben. Schimpfend ergab er sich in sein Schicksal. Die Beiden bekamen Handschellen angelegt. Dann suchte man nach dem Ladeninhaber und fand ihn, am Boden liegend und geknebelt in einem hinter dem Laden gelegenen Raum. Es war ein älterer Mann. Man nahm ihm den Knebel und versuchte ihn aufzurichten. Das gelang nicht. Der Mann war bewußtlos, schien einen schweren Schlag auf den Kopf bekommen zu haben. Er wurde ins Krankenhaus gebracht. Es dauerte einige Tage, bis er vernehmungsfähig wurde.

Ich soll das Ueberfallkommando angerufen ha- bcn?" fragte er, aufs höchste überrascht den Kom­missar, der ihn verhörte.Ausgeschlossen."

Aber natürlich, wer soll es denn getan haben? Besinnen Sie sich nur mal richtig", redete ihm der Beamte zu.

Da gibt es nichts zu besinnen. Die Kerle haben mich doch im Schlaf überrascht!"

Im Schlaf überrascht? Der Kommissar stutzte. Das hatten die beiden Burschen auch angegeben. Aber, zum Teufel, wer sollte denn sonst das Ueber­fallkommando angerufen haben? Lag vielleicht ein

ZUM Tode des Staatsministers Schemm

Oie Anordnungen für die Trauerfeierlichkeiten.

B e r l i n , 6. März. (DNB.) Wie die NSK. rnit- teilt, hat der Führer folgende Anordnung er­laßen: Arn Samstag, dem 9. März, dem Tage der Beisetzung meines tödlich verun­glückten Gauleiters Hans Schemm haben die Gebäude sämtlicher Dienst­stellen und Gliederungen der NSDAP.

und ihrer Nebenorganisationen die Flaggen auf Halbmast zu setzen. Der Leichnam des Gauleiters Hans Schemm wurde am Donnerstag um 7.30 Uhr vom Krankenhaus Bayreuth i n d i e Weihehalle des Hauses der Deutschen Erziehung übergeführt. Freitag werden alle Reichsleiter und Gauleiter in Bayreuth eintreffen. Die bayerische Staatsregie­rung wird am Samstag im Sonderzuge von München kommen. Die am Samstag um 11 Uhr im Hause der Deutschen Erziehung beginnende Trauerfeier wird auf den Reichssender München übertragen,- ferner durch Lautsprecher auf die Straßen, durch di« sich der Trauerzug be­

wegen wird und in denen die Bevölkerung Auf­stellung nimmt. Auf dem Wege zum Friedhof wird von sämtlichen Untergliederungen der Partei im Gau bayerische Ostmark Spalier gebildet. Am Sams­tag um 11 Uhr ist am S i tz jeder Kreis­amtsleitung des NSLB. eine würdige Trauerkundgebung zu veranstalten.

*

Reichsminifter R u st richtete an die Reichsleitung des Nationalsozialistischen Lehrerbundes in Bay­reuth folgendes Telegramm: Die deutsche Erzieher­schaft hat mit Hans Schemm einen unersetz­lichen Vorkämpfer, der Nationalsozialistische Lehrerbund seinen Begründer und Füh­rer, wir alle haben einen vorbildlichen Kameraden von seltener Lauterkeit und Gesin­nung verloren. Ich spreche der Reichsleitung des Nationalsozialistischen Lehrerbundes meine herz­lichste Teilnahme aus, in der Hoffnung, daß das Erbe Schemms in uns allen stets lebendig und wirksam bleiben möge, (gez.) Rust, Reichsminifter für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung.

*

Reichswehrminister Generaloberst von Blom­berg hat an die Witwe Minister Schemms fol­gendes Telegramm gerichtet:Tieferschüttert von dem tragischen Ableben Ihres von mir besonders geschätzten Gatten übermittle ich Ihnen mein herz­lichstes Beileid. An der Bahre dieses aufrechten Mannes und vorbildlichen Nationalsozialisten ge­denke ich in Schmerz und Dankbarkeit seiner großen Verdienste für die Erneuerung von Volk und Staat." *

Der Reichsjugendführer sandte zum Ab­leben Hans Schemms das nachstehende Beileids­telegramm an Frau Schemm:Im Namen der -deutschen Jugend spreche ich Ihnen erschüttert un­sere herzliche Teilnahme an ihrem tiefen Leid aus. Das junge Deutschland wird das Andenken Hans Schemms stets in hohen Ehren halten, gez. Baldur von Schirach."

Masaryk und sein Staat.

Zum 85. Geburtstag des Präsidenten der tschechoslowakischen Republik.

Von unserem Ao.-Berichterstaiier.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Prag, den 5. März 1935.

Am 7. März feiert der Präsident der tschechoslo­wakischen Republik, Thomas G. Masaryk, seinen 85. Geburtstag. Das tschechische Volk hat ihm den NamenTatitschek" gegeben, das heißt auf deutsch: das Väterchen. Wie bei allen Staats­oberhäuptern, die ein derartiges Alter erreichen, schwebt auch die Gestalt dieses ehemaligen Kutscher­sohnes, dessen Lebenslauf aus einfachsten Verhält­nissen bis zur menschlich denkbar höchsten Stufe für eine Hönze Reihe neuzeitlicher Staatsführer so kennzeichnend ist, wie ein mystisches Wesen über der Politik seines Staates und seines Volkes. Man könnte darüber philosophieren, ob es für die Ent­wicklung eines Staatswesens mehr nützlich oder mehr schädlich ist, wenn der berufene Lenker seiner Geschicke als solcher bis zu dem Zeitpunkt aus­harrt, wo die Natur einem tatkräftigen Eingreifen selbstverständliche Schranken gesetzt hat. Auch in der Tschechoslowakei wird man feststellen müssen, daß das bloße Dasein des Staatsschöpfers und das ist Masaryk in der Tat gewesen mit zunehmendem Alter ein desto wichtigeres Band wird, das auseinanberftrebenbe Verhältnisse unb Menschen burch bie Notwenbigkeit ber Rücksicht­nahme zusammenhält.

Jedermann in der Tschechoslowakei weiß, daß die ursprüngliche Staatsform, die Demokratie, die Ndasaryk für das Endergebnis einer im Weltkrieg gipfelnden revolutionären Entwicklung hält, wenig- stens formell solange erhalten bleiben

wird, als Masaryk am Leben ist. Nur so ist es zu erklären, daß in dieser Beziehung die Tschechoslowa­kei tatsächlich in gewisser Beziehung eine Insel geblieben ist, wenn auch die geistigen Wellen aus den Staaten rings umher naturgemäß herüber- ge sch lagen haben und auf die staatsrechtliche Ent­wicklung von der ursprünglichen Demokratie zur Parteienherrschaft nicht ohne Einfluß blieben. Längst gibt es in der Tschechoslowakei Ma- saryks nicht mehr die unbedingte Freiheit der poli­tischen Willensbildung und Meinungsäußerung, die der Staatsschöpfer als fein philosophisches Ideal er­hofft hat. Sie konnte hier ebensowenig wie anders­wo erhalten bleiben, weil auch hier den in demo­kratischer Weise die Macht ausübenden Personen die notwendige Einsicht unb innere Disziplin gefehlt hat. Längst ist dem Staats­bürger nur jene Meinung erlaubt, die bie Regie­rung für zulässig hält. Aber ber Grundgedanke, den Ausdruck der Volksmeinung durch ein vielfältiges System parlamentarischer Parteien zu vermitteln, von denen die diesem Staatsgedanken am treuesten Dienenden die Regierungsmehrheit bilden, blieb vor­läufig erhalten.

Niemand glaubt, daß dieser Zustand in der Tsche­choslowakei dauernd sein kann. Die menschliche Ent­wicklung geht überall andere Wege. Wie stets, zeigt auch in der Tschechoslowakei ein ab ft e rbenbcs politisches System seine wenig schönen Sei­ten: Männer und Parteien, die wissen, daß ihre Zeit in Wirklichkeit vorbei ist, geraten in Ver­suchung, die ihnen noch zugemessene Macht nicht im Staats- und Gesamtinteresse, sondern für sich

Racheakt vor? Diesbezügliche Ermittlungen führten zu keinem Resultat. Ein merkwürdiger Fall! Und er wurde noch merkwürdiger, als sich im Verlauf der nächsten 14 Tage noch zwei analoge Fälle er­eigneten. Auch hier war das Ueberfallkommando angerufen, die Täter gefaßt worden, unb auch hier bestritten bie schwer verletzten Geschäbigten, angeru­fen zu haben. Die Polizei stand vor einem Rätsel.

Nach einigen Wochen kam plötzlich Licht in die Affäre. Und zwar in dem Augenblick, als die Juwe­liere aus dem Krankenhaus entlaßen wurden. Denn jetzt stellte sich heraus, daß die wertvollsten Stücke aus den Läden inzwischen entwendet worden waren, das heißt, daß dem ersten ein zweiter Einbruch gefolgt war, der sich nun ohne weiteres mit dem geheimnisvollen Telephonanruf in Verbindung brin­gen ließ. Die gefaßten Verbrecher waren offenbar die Opfer eines anderen geworden. Der Kommissar traf seine Maßnahmen. Jetzt würde ihm der Bursche nicht mehr entwischen. Aber leider war er schon entwischt. Der rätselhafte Anruf wiederholte sich nicht wieder. Und es schien keine Aussicht mehr, dieses Burschen habhaft zu werden. Da trat eines Tages der Zufall in Aktion. Der Kommissar hielt Uch 'u einem anderen Fall gerade in Paris auf.

Ich habe hier einen eigenartigen Fall", erzählte ujm fo nebenbei ein französischer Kollege,da wird neulich nachts das Ueberfallkommando angerufen, oon einem Juwelier, der entsetzt um Hilfe ruft, es |eien Einbrecher bei ihm im Laden. Meine Leute fahren Hin, verhaften richtig zwei Kerle, schaffen £n .?er Juwelier ins Krankenhaus, unb wie la, ihn nach ein paar Tagen verhöre, behauptet

ber BeutfVÄ

mci!Lt.e ?er Franzose betroffen.

«Aber, wie kommen Sie darauf?"

Sehr einfach", lachte ber Kommissar und erzählte seinem Kollegen seine Fälle... Drei Taae sväter wurde ber Verbrecher gefaßt. 9 ,pater

brei Jahrzehnte fang als Lehrer, vor allem aber auch als staatlicher Denkmalpfleger in Hessen und als Kirchenbaumeister der hessischen evangelischen Lan­deskirche eine überaus reiche unb verbienstvolle- tigfeil entfaltet. Von feiner charaktervollen Bau- gefinnung, bie auf eine gute handwerkliche Tradi- tion und ausgezeichnete technische Durchbildung ge­gründet ist, zeugen zahlreiche Wohnbauten und öf­fentlichen Gebäude, besonders in Darmstadt unb Frankfurt a. M. Als einer ber besten Kenner ber hessischen Baukunst unb Baugeschichte hat Geheimrat Walde in jahrzehntelanger unermüdlicher Arbeit das schwierige unb verantwortungsvolle Amt eines hes­sischen Denkmalpflegers verwaltet: zahlreiche ehr­würdige Baudenkmäler besonders in Oberhessen unb Starkenburg verdanken seiner Umsicht und Sach­kenntnis ihre Erhaltung ober eine roürbige Erneue­rung. In vielen Gemeinden unseres Hessenlandes hat Walde so manches alte Gebäude Wohn­häuser, Rathäuser, Kirchen und Kapellen vor dem Untergang gerettet. Von seinen wißenschaft- lichen Arbeiten, die aufs engste mit diesem seinem eigentlichen Lebenswerk verbunden sind, seien vor allem dieKunstdenkmäler im Freistaat Hessen" und Kloster Arnsburg" genannt. Die Leser desGie­ßener Anzeigers" sind mit der schöpferischen und er­haltenden Tätigkeit Waldes aus mancherlei Beiträ­gen in unsererHeimat im Bild" seit langem ver­traut. In neuerer Zeit ist ber umsichtigen Tätigkeit Geheimrat Waldes bie Instandsetzung bes alten Hospitals in Wimpfen unb des alten Mainzer Amts­hofes in Heppenheim, sowie der Lorscher Torhalle zu verdanken. Die Theologische Fakultät der Hessi­schen Landesunioersität in Gießen hat Professor Walde in dankbarer Anerkennung seiner verdienst­vollen Tätigkeit auf dem Gebiete der kirchlichen Denkmalpflege 1932 die Würde eines Ehrendoktors der Theologie verliehen.

»Kommt nach Hessen-Waldeck!"

Geheimrat Professor D. Walbe ZO Jahre alt.

SfUn' QU5 L^ban in Schlesien stammt und in im eXnhrf,ion9neits- gefunden hat, wurde Steilung für Architektur der

Darmstadter Hochschule berufen unb hat hier über

Als einer der ersten deutschen Landesverkehrsver- bänbe übergibt Heßen-Walbeck einen bunten Blu­menstrauß von acht gut ausgestatteten Werbeschriften der Oeffentlichkeit.Kommt nach Hessen- Waldeck, in den schönen Kurgarten im Herzen Deutschlands mit seiner jahrtausendalten Kultur, feinem heimatgebundenen Volks- unb Brauchtum" auf dem Titelblatt ein Schwälmer Bauern­bursche in feiner Festtracht in alle Welt hinaus. komL?nmrut)rt "egt dieser herrliche, große kur- yefsische Bergpark, dessen Tore durch diese Werbe- Ichristen weit geöffnet werden, im uralten katti chen ötammlanb mit seinen bunten Trachtenträgern unb

selbst auszunützen! An der Macht aber tönnett sie sich nur mit Mitteln der Gewalt er­halten, die den auffteigenben Widerspruch jener Kräfte unb neuer Gebauten so lange als möglich zurückzuhalten versucht. Diese Mittel aber, die die Demokratie vermeintlich zu ihrem Schutze anwendet, sind ein Widerspruch in sich und gegen ihr Wesen. Wenn die Mehrheit eines Volkes nur durch Zwang daran verhindert werden kann, seine innere Abkehr von dem herrschenden Staatssystem zum Ausdruck zu bringen, härt natürlich die Demo­kratie auf. Bleibt das System starr, so nähert sich die Gefahr der Explosion. Das ist, unparteiisch betrachtet, der innerpolitische Zustand der Tschecho­slowakei am 85. Geburtstag ihres Präsidenten.

Längst haben führende tschechoslowakische Staats­männer, darunter auch der linksstehende Schüler Masaryks, Dr. B e n e s ch , erkannt und öffentlich ausgesprochen, daß auch für die Tschechoslowakei die Zeit des Liberalismus und des Individualismus vorbei ist. Sie haben ausgesprochen, daß Einzel- interessen hinter das Wohl der Gesamtheit zu tre­ten haben. Gerade in ber letzten Zeit werben von diesen Staatsmännern Vorschläge für wirt­schaftliche Planarbeit ausgesprochen, die, wenn sie durchgeführt werden, ber Wirtschaftsdemo­kratie ein Enbe setzen. Niemanb kann sich einbilben, baß sie bann politisch erhalten bleiben kann.

Auch in ber Tschechoslowakei brängt alles nach größerer Machtvollkommenheit ber bie Herrscher­

gewalt Ausübenben. Da bie Tschechoslowakei ein Nationalitätenstaat ist, barf man anneh­men, baß ein totalitäres Regierungssystem zunächst ausgeschlossen ist. Die Tschechen bilden eine knappe Mehrheit, auch nach ben offiziellen Statistiken. Ohne Staatskrise konnten sie ein System nicht einführen ober erhalten, das hierzulande die Vernichtung der Minderheiten bedeuten müßte. Man darf daher wohl annehmen, daß der gangbare Weg der Entwicklung zu einem Absolutismus einer oder mehrerer herrschender Parteien mit mög­lichster Ausschaltung des Parlaments oder zu einem Präsidentenabsolutismus führen wird. Die nächsten Wahlen werden darüber noch kaum entscheiden, denn die einander widerstrebenden Kräfte halten sich noch zu sehr die Waage. Daß die tschechischen Agrarier Anspruch auf die Diktatur erheben, hat einer ihrer Führer vor kur­zem öffentlich ausgesprochen. Daß die Wahl des jetzigen Außenministers Dr. B e n e s ch zum Nach­folger Masaryks ebenso zu einer mehr oder weniger verhüllten Personaldiktatur führen könnte, fürchten seine Gegner.

Die Tschechen gelten als ein politisch kluges Volk. Es ist daher nicht ausgeschlossen, daß ihre führenden Männer aus allen Lagern versuchen werden, einen Ausgleich zu schaffen, der innere Erschütterungen ausschließt. Ob es nicht besser gewesen wäre, wenn Masaryk selbst mit seinem überraschenden Ein­fluß dieser notwendigen Entwicklung den Weg ge­bahnt hätte, statt dogmatisch an unhaltbaren For­men festzuhalten, wird die kommende Entwicklung zeigen. Die Deutschen der Tschechoslowakei jeden­falls sehen ihr mit gemischten Gefühlen entgegen. Sie fürchten auf der einen Seite, daß sie unter neuen Verhältnissen in noch größerem Maße Objekt der Staatspolitik fein werden, als sie es bisher schon waren. Wenn sie daher, deren Parlamentarier schon bei der Präsiden-

feiner kerndeutschen Bauerngesittung. Jeder Fremde, der ausspannen will, findet das, was er sucht unb braucht, gleichgültig ob er am Steuerrad sitzt, wan­dert, angelt, jagt, paddelt, radelt ober fliegt: In ber kernigen Rhön mit ihrer stolzen weltberühmten Wasserkuppe, in bem burgenreichen romantischen Werratal, im lieblichen Fulbatal, in ber trachtönbunten Schwalm, im fröhlichen Ober- lahntal, im blühenden, lachenden Kinzigtal oder in ber anmutigen Edersee-Landschaft in Wal- d e ck. lieber all diese Erholungsgebiete geben die schönen, farbigen Werbeschriften, bie von bem Lan- besverkehrsverband Heßen-Walbeck in Kassel bezogen werben können, sowie sämtliche örtlichen Reise- unb Verkehrsbüros erschöpfende Auskunft. Unb man wird um so lieber in dieses klimatisch denkbar gün­stige Mittelgebirge fahren, als es dort Pensions­preise schon von 3 Mark an gibt und Hessen-Waldeck von den west-, nord-, mittel- und südwestdeutschen Industriegebieten aus wegen seiner zentralen Lage schnell und billig erreichbar ist. .

Zeitschriften.

Im Märzheft von VelhagenScKlasinas Monatsheften findet sich, was unsere Leser besonders interessieren dürfte, u. a. eine aufschluß­reiche Abhandlung des Historikers unserer Landes- Universität, Professor Dr. Gustav Roloff, über den französischen Minister Kardinal Herzog von Richelieu. In einer gründlichen Schilderung der militärischen unb biplomatischen Lage Europas im 17. Jahrhundert entwickelt Prof. Roloff bas Bild Richelieus als bes ersten französischen Staats­mannes, berEroberungen auf rein deutschem Boben nicht nur geplant, fonbern vollzogen hat; er hat bie Grenzfrage zwischen Deutschland) unb Frank­reich aufgeworfen unb in einer Weife beantwortet, die in Deutschland) als ungerecht unb schmachvoll empfunben werben mußte. So ist er ber Urheber des seitdem bestehenden deutsch-französischen Gegen­satzes geworden, der in allen großen politischen Fragen, nwgen sie scheinbar den rheinischen jmb elsässischen Dingen noch so fernliegen, offen ober verborgen mitschwingt". In ber Schilderung Ro- los s, die so von der Darstellung des historischen Bildes beziehungsvolle Verbindungslinien zu un- t?rer nächsten Gegenwart aufweift, scheint uns die Darstellung der diplomatischen Methoden des Kardi­nals, semer Stellung in den Hugenottenkämpfen, feines Verhältnisses zu Gustav Adolf und zum Herzog Bernhard von Weimar besonders lehrreich für die Geschichte der französischen Annexionspolitik m den deutschen Grenzlanden am Rhein, in Elsaß unb Lothringen.