Ausgabe 
7.3.1935
 
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Donnerstag, 7. März §935

185. Jahrgang

Nr. 5b Erstes Blatt

Gießener Anzeiger

9er Weg der Wehrmacht ins neue Reich.

Weißbuch eine so tadelnde Ermahnung an Deutschland enthalte. Das Heraus- suchen einer einzigen Macht, um ihr eine Art Strafpredigt zu halten, bedeute kerne glückliche Art und Weise, eine schwierige und gefährliche Frage zu behandeln. Es könne auch nicht "gesagt werden, daß das Datum der Ber - ö f f e n t l i ch u n g der Erklärung klug gewählt roor- den sei: unmittelbar vor der Reise Simons nach Berlin und der britischen Abrüstungsdebatte.

über Deutschland absichtlich in das Weißbuch ausgenommen worden seien, um der deutschen Re­gierung und Öffentlichkeit bekanntzugeben, was man in England von der deutschen Aufrüstung denke. Die Veröffentlichung am Vorabend der Ab­reise Simons sei kein zufälliges Zusam­mentreffen, sie habe vielmehr bezweckt, eine Grundlage der Wirklichkeit für die Be- prechungen zu schaffen.

Daily Mail" erklärt sich mit dem Inhalt des Weißbuches einverstanden, fragt aber, warum das

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London,?. März. (DNV.-Funkspruch.)Times" veröffentlicht einen Brief des schottischen Generals Sir John Hamilton, der im Weltkriege den Oberbefehl über die britischen Truppen auf Galli­poli geführt hatte. Der Brief besieht aus einem einzigen Sah:Darf ich mir, nachdem ich seit dem Versailler Vertrag ständig in bescheidener und un­vollkommener Weise für Frieden und Versöhnung gekämpft habe, die Freiheit nehmen zu sagen, daß es d a s s ch l e ch t e st e S t ü ck A r b e i t ist, das seit vielen Jahren für den Frieden gelei- st e l worden ist, wenn die ganze Schuld an der Aufrüstung unter Ausschluß anderer Län­der auf Deutschland geschoben wird?"

Times" erklärt selber, das Weißbuch sei schon vor einiger Zeit vorbereitet worden, kein Teil sei­nes Inhaltes sei durch den geplanten Berliner Be­such britischer Minister veranlaßt worden oder habe Bezug darauf gehabt. Der b r i t i s ch e Wunsch nach einem kollektiven Friedenssy- st e m sei so lebhaft wie je. Dieser Wunsch sei tat­sächlich das wesentliche der Denkschrift und verdiene weiter größere Beachtung als gewisse ver­einzelte Absätze, die in gekürzter oder zusammenge­zogener Form den Leser vielleicht verwirrt hätten. Nichts gehe dadurch verloren, das Bemühungen zur Beseitigung des bestehenden Gefühls der Unsicherheit mit der Feststellung eingeleitet würden, daß dieses Gefühl vorhanden sei. Kurz ge­sagt, die britische Denkschrift sollte als Ganzes behandelt werden. Wenn dies geschehe, dann könne man hoffen, daß der Austausch von Mitteilungen, der jetzt zwischen der britischen und der deutschen Regierung im Gange sei, zu einer offenen und freundschaftlichen Zusammenkunft fuh­ren werde, sobald der Reichskanzler wieder herge-

London, 7. März. (DNB.-Funkspruch.)Dally Telegraph" schreibt, nach der Prüfung der diplo­matischen Lage, die durch den Aufschub der Berliner Besprechungen entstanden sei, habe die britische Re­gierung am Mittwoch Schritte getan, um festzustel­len, ob Sowjetrußland und Polen noch immer ähnliche Besprechungen in Moskau bzw. Warschau wünschten. Es verlaute, daß die Botschaf­ter beider Mächte sich beeilt hätten, die Versicherung zu geben, daß, soweit ihre eigenen Regierungen in Frage kämen, die Lage sich nicht geändert habe. Der britischen Regierung sei es somit möglich, ihre Absicht bekanntzugeben, einen Regie­rung s v e r t r e t e r nach beiden Haupt­städten zu senden, eine entsprechende Mitteilung werde wahrscheinlich vor der Unterhausaussprache am nächsten Montag erfolgen. Der britische Botschafter in Berlin ist beauftragt worden, sich zu erkundigen, wann der Führer in der Lage sein dürfte, ein neues Datum für die deutsch-englischen Besprechungen festzusetzen, falls sie noch gewünscht würden. Es sei möglich, daß angesichts der bedauerlichen Verzögerung eine Art Teilung notwendig sein werde. Vielleicht werde Simon nach Berlin und Eden nach Moskau und Warschau gehen, doch sei über diese Frage noch nicht entschieden worden. Nach einem Reuterbericht über die Kabinettsitzung erwägt man in London, sich an das ursprüngliche Programm zu halten, Berlin zuerst zu be­suchen. Man will einige Zeit ab warten, ob die Gesundheit Hitlers sich bessert, bevor die Reise nach Nordosteuropa endgültig unternommen wird.

Frage ur.dAmwo.timLlÄerhMs

London, 6. März. (DNB.) Der Führer der Opposition, Lansbury, befragte im Unterhaus den Staatssekretär des Aeußeren über die Verschie­bung seines Besuches nach Berlin. Simon erwiderte: Das deutsche Auswärtige Amt hat dem britischen Botschafter in Berlin gestern mitgeteilt, daß der deutsche Kanzler, da er sich während seines Besuches im Saargebiet eine Erkältung zu­gezogen hat, unter großer Heiserkeit leidet und daß daher auf Anordnung seiner Aerzte die Besprechun­gen die diese Woche mit den britischen Ministern in Berlin stattfinden sollten, zum großen Bedauern ; der deutschen Regierung auf einen späteren i Zeitpunkt verschoben werden mußten.

Was w»d aus den Kmißerbrsuchen?

Englische Anfragen in Berlin, Warschau und Moskau.

Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gietzener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle

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teilt sei.

Evening News" (liberal) wendet sich gegen die Auffassung eines deutschen Blattes, daß das britische Weißbuch einunfreund­licher Akt er ff en Ranges" fei, was die Deutschen m i t R e ch t übelnahmen, sei die Tat­sache, daß das Weißbuch das Gefühl der Un­sicherheit in Europa der deutschen Wieder­aufrüstung und demkriegerischen Geist in Deutschland" zuschreibe, während kein der­zeitiger Nachdruck auf die Tätig­keit anderer Länder gelegt werde. Als Beweis dafür nennt das Blatt Italien,wo jeder männliche Italiener von feiner Geburt bis zum Alter von 55 Jahren Soldat fein müsse , und fragt: Sind diese Maßnahmen eine ge­ringere Bedrohung für den europäischen Frieden als die Deutschlands? Weiler erwähnt Evening News" Sowjetrußland, wo die Jugend mit kriegerischem Geist erfüllt werde und wo das Heer vor kurzem auf 950 000 Mann erhöht worden fei.Weshalb", so schließt das Blatt,muh die britische Regierung sich Deutschland allein als eine Quelle internationalen Unbehagens aussuchen?"

MorningPo ft" (konserv.) erklärt im Gegen­satz zu anderen Blättern, daß die Bemerkungen

Einsatz der ersten Truppen in Berlin, im Ruhr­gebiet und in Oberschlesien einem bolschewistischen Ehaos enigegengangen. Im Jahre 1923, also nach wenigen Jahren der Friedensarbeit, stellte die nächste schwere Krise des Staates die Wehrmacht wieder in den Vordergrund. Es war nach dem Zu­sammenbruch des Ruhrwiderstandes, damals, als das Reichsgebäude unter dem inneren und äußeren Ansturm in seinem Gefüge erbebte. In Sachsen und Thüringen schlugen die Flammen des Kom­munismus hoch. Die planmäßig angesetzte Reichs­wehraktion mußte den Aufstand niederwerfen. Da­mit war der nächste Vorstoß der Kommune abge­wogen. Erst neun Jahre später erhob sie wieder ihr Haupt. Die Wehrmacht hatte sich in der Stunde der höchsten Not als die f e st e K l a m m e r des Reiches erwiesen, das ohne sie damals zerfallen wäre. Seine Erhaltung aber war die unerläßliche Vorbedingung für den Aufbau des Deutschland von heute.

Im Frühjahr 1924 trat das Heer wieder in den Hintergrund zurück. Noch war die Zeit nicht reift dem Schicksal eine andere Wendung zu geben. Noch waren die inneren und äußeren Voraussetzungen nicht vorhanden, noch stand Volk gegen Volk, Par­tei gegen Partei im unentschiedenen Ringen. DlS Wehrmacht aber hielt sich bereit im Hinter­grund, als der Garant einer leg a l e it Entwicklung. Sie bewahrte durch ihr Dor« handensein den Staat vor einem gewaltsamen Unv stürz, der seine Wiederaufrichtung in Frage gesiells hätte. Sie hielt damit die Wege offen für die Ent­wicklung einer besseren Zukunft, rote sie 1933 m Erfüllung gegangen ist. Sie hielt das Haus bereit und intakt für den Einzug eines neuen Geistes, der sich draußen unter Adolf Hitlers Führung langsam die Voraussetzungen zur Machtergreifung erkämpft^

Erst als die Weltwirtschaftskrise ihre dunkletz Schatten über Deutschland warf, als unter den eins setzenden Erschütterungen die Arbeitslosenziffern u* die Millionen stiegen, als der Weimarer Staat mW mer augenfälliger seine Unfähigkeit bewies, bei wachsenden Schwierigkeiten Herr zu werden, trat Di*

Reichswehr das Hindernis für die Durchführung ihrer Pläne sahen. Wer in dieser Haltung der Wehr­macht einen Mangel am nationalen Wollen erblickt, der wird der ureigensten militärischen Auffassung nicht gerecht. Der junge Mann, der sich damals im freiwilliaen Entschluß zum Waffendienst drängte, der Soldat, der als lebender Protest gegen den Pazifismus mit Stolz seine Waffe trug, im Herzen die Liebe zum Daterlande, war immer natio­nal im besten Sinne, auch wenn er in chweigender Gehorsamspflicht zunächst abseits stand.

Warum empfand man im Weimarer Staat die Reichswehr immer wieder instinktiv als einen Fremdkörper? Weil man ihrer Wesensart mißtraute, weil sie aus einem anderen Stoffe ge­bildet und von einem anderen Geiste erfüllt war als das verschwommene Wehrideal einer demo­kratischen Wehrmacht, wie es den Vätern der Ver­fassung vorgeschwebt hatte. Man fühlte: Hier wuchs etwas Neues im Staate, auf das man nur bedingten Einfluß hatte, hier waltete soldatischer G"ist der eimm anderen Gesetz untertan war und feine/eigenen Wege ging. Man bekämpfte die Wehr­macht, aber man konnte sie nicht entbehren. Darin lag der springende Punkt. Sie war durch ihre eiserne Geschlossenheit zu einem Machtmittel geworden, das immer mehr ein eigenes Schwergewicht bekam, ie verwirrter die innerpolitischen Zustände des Reiches wurden.

Wenn die Autorität des Staates versagt, tritt als letzter Halt die bewaffnete Macht in den Vor­dergrund des Geschehens-, ob sie es will oder nicht, das ist gleichgültig. So wurde die Reichswehr durch die Entwicklung, die der Staat von Weimar nahm, allmählich zwangsläufig zu einem, zuletzt z u dem ausschlaggebenden Tragerder Staatsgewalt. Wenn sie aber diesen Staat trug, durch die Jahre des Zwischenreiches so tat fie es nicht für den Staat der November-Revolu­tion sondern für ein Ziel, das weiter lag, dem ihre ganze militärische Arbeit diente, für das damals aber die Voraussetzungen erst im Werden waren.

Schon im Jahre 1919 wäre Deutschland ohne den

lange Sicht. , ..

In den ersten zwanziger Jahren, als die Reichs­wehr als Söldnertruppe verfemt, wegen der Unzu­länglichkeit ihrer Zahl und Ausrüstung vergastet, beim Staat und großen Teilen der Bevölkerung keinerlei Verständnis fand, schuf sie sich in strenger Aufbauarbeit ihre militärische Grundlage und damit überhaupt erst die Voraussetzung für jede Nolle, wie sie ihr in Zukunft zufallen konnte. Im Staat herrschte Verständnislosigkeit, Gleichgültig­keit oder Pazifismus, die junge Reichswehr aber, die mit ihren Papptanks und Holzgeschützen in ihre

Wenn man heute seinen Blick zurückwendet auf den Weg, den die deutsche Wehrmacht durch die Jahre des Weimarer Zwischenreichs gegangen ist, so darf man es nicht lediglich aus dem Gesichtswinkel der heute abgeschlossenen Entwicklung tun. Es ist leicht den Entschluß eines Feldherrn aus - der nachträglichen Kenntnis des Operationsverlaufs 1 also gewissermaßen vom sicheren Port aus zu ; kritisieren. Anspruch auf historische Sachlichkeit kann , ein solches Urteil erst dann erheben, wenn es die - Voraussetzungen und die besonderen , Verhältnisse mitberücksichtigt, auf deren ( Grundlage und in bereit Atmosphäre seinerzeit die Entscheidungen getroffen werden mußten.

Die n a t i o n a l s o z i a l i st i s ch e B e w e - ' gung, die heute der Staat ist, und die Wehr- 1 macht, der Waffenträger dieses.Staates, gehen in ihrem Ursprung a u f dieselbe Grund- ; läge zurück, auf jenes Deutschland, dessen Männm viereinhalb Jahre einer Welt von Feinden die Stirne boten. Beide entstanden aus der grauen Schar, die in den dunklen November­tagen von 1918 in eine von Revolte und Umsturz Durchtobte Heimat zurückkehrten, im Stich gelassen, verraten, geschmäht und begeifert. Damals brannte in dem Herzen eines noch namenlosen Frontkriegers, der erblindet in einem der überfüllten Lazarette der zusammengebrochenen Heimat lag, ein Funke auf, der später zum Feuersturm über ganz Deutschland anwachsen sollte. Damals bildeten sich auch in dem Chaos einer hilflos treibenden Staatsgewalt, in der Not der deutschen Grenzlande im Osten, aus den Trümmern der. aufgelösten alten Armee und dem Zustrom opferbereiter Jugend die Ansätze eines neuen militärischen Machtmittels,' Freikorps und Grenzschutzverbände. Sie wurden praktisch das erste Sammelbecken eines neuen natio­nalen Geistes, der nicht gewillt war, zu verzichten und das Spiel endgültig den anderen zu überlasten. In harter soldatischer 'Arbeit, trotz kümmeruchster Mtttel, wurde die erste O r d n u ng im Staate geschaffen und die große-Gefahr des Bolsche­wismus im Lande niedergeworfen. H^er bewies das ungebrochene Kxiegertum der besten Kräfte des Volkes' daß es den verlorenen Krieg und den Um­sturz überstanden hatte und daß es nicht gewillt war, vor Schwäche und vazifistischen Theorien abzutre­ten Hier, in diesen Kräften, die in der größten Not des Vaterlandes in die Bresche traten, lag der Ansatzpunkt einer Bewegung, die, wenn sie sich frei weiter entfalten konnte, aus einer inne­ren zvangsläufigen Entwicklung heraus emftmal den Staat der Novemberrevolution hinwegschwem- men mußte. Der Fehlschlag des Kapp - Put­sch e s bewies, daß zu dieser Entwicklung Z et t gehörte, daß sie erst langsam reifen mutzte. Auch eine Revolution ist an eine äußere Voraus­setzung gebunden, ohne die sie scheitern muß.

Der entscheidende Einschnitt war die Durchfüh­rung der militärischen K l a u s e l d e s V e r - sailler Vertrages, der damit auch aus dieser Ebene Deutschlands vorläufiges Schicksal bestimmte. Die Beschränkung auf ein kleines langdtenendes Be­rufsheer spaltete die hoffnungsvoll anwachsende Be­wegung des ersten nationalen Erwachens zwangs­läufig in zwei Lager, in die Wehrmacht und m den anderen Teil der von glühender Vaterlandsliebe beseelten Dolkskräfte, die nun gezwungenermatzen draußen blieben.

Hinter den Sperrmauern, mit denen Versailles ben Torso der deutschen Wehrmacht umgab, stand der Soldat, Träger einer großen Tradition, inner­lich durchaus volksverbunden, aber eingeengt m seinen Kreis, beschränkt auf seine eigentlichen Be­rufsaufgaben. Jenseits aber blieb die Masse der anderen, denen nun das Recht genommen war, dem Daterlande mit der Waffe zu dienen, denen nber die Not und Schmach des Landes gleichfalls au der Seele brannte/So war die hier abspaltende Bewegung gezwungen, ander e W e g e zu gehen. Die Wehrmacht ging mit bem 6 t a a t an beffen Entwicklung sie ihren unmerklichen Einfluß zu wah­ren wußte. Die nationale Welle draußen blieb zu- Sam?! "aus SUsTi1 iur

Deutschland der Freiheit und der Ehre.

Einhunderttausend Mann, dazu ^nhehntausend Mann Marine, sind wenig inmitten einessechz g Millionenvalkes, zumal wenn sie m Gar­

nisonen über das Land verstreut sind und wenn der häufige, lebendige Kontakt fehlt, wie er s ch s h aus dem jährlichen Wechsel von Rekruten u - servisten ergab. Es galt zunächst, E der uns von Versailles aufgezwungenen Organisation b Hächstmaß an Leistungen herauszuholen. Es galt, etwas gänzlich Neues zu schaffen, ein Berufsheer, für bas ganz anbere Voraussetzungen unb innere Gesetze beftimmenb sind, als mir 1« bisher aus unserer Erfahrung kannten. Dazu mutzte das Führererbe der deutschen Armee hinüber- gerettet werden in eine junge, aber im alten t geschulte Generation. Das bedeutete Arbeit auf

Manöver zog, trug auch in den dunkelsten Zeiten mit sich das stolze Bewußtsein: Nie war einer Armee in der preußisch-deutschen Geschichte e i n e schwerere Ausgabe gestellt worden als ihr, deren Organisation, Bewaffnung und Starke der Feind diktiert hatte, die bei den Trägern des Staates eine entscheidende Unterstützung nicht fand, der ein großer Teil des eigenen Volkes ablehnend gegenüberstand, die aber dennoch ein stolzes Erbe durch die Schmachzeit als Hoffnung mit sich in die Zukunft trug. Was heute oder in künftigen Jahren auf dem Gebiete der Wehrmacht neu geschaffen oder ausgebaut werden kann, wird immer auf der Grundlage der Arbeit stehen, die damals geleistet worden ist, dabei darf nicht vergessen werden, welche fast unüberwindlichen Schwierigkeiten sich ihr in den Weg stellten. Erinnert sei nur an die Arbeit der Kontrollkommission, die bis zum Frühjahr 1927 durch alle Garnisonen fuhren, von den Landesver­rätern aus dem Volke weitestgehend unterstützt.

Für den Soldaten steht die militärische Seite des Berufs im Vordergrund, die Ar­beit für den Schutz des Landes gegen den äußeren Feind. Dieser maßgebende Gesichtspunkt ist wichtig .für das Verständnis der Haltung, die die Wehrmacht in dem innerpolitifchen Ringen des letzten Jahrzehnts eingenommen hat. An dem Kampf der inneren Gegensätze, wie er von den Parteien mit zunächst wechselndem Erfolg ausgetragen wurde, konnte der Soldat als einzelner aktiv nicht teil- nehmen. Auf welcher Seite er mit dem Herzen stand, dürfte er oft genug mit dem Herzen bewiesen haben. Seine politische Pflicht aber erfüllte er da­durch, daß er sich als Soldat bewährte. Ohne Grund ist ihm das Wahlrecht nicht genommen, heute sowohl wie auch in der Vorkriegszeit. Erne Armee ist ein geschlossener Körper. Ihre Starke liegt in der bedingungslosen Disziplin. Jedes Ab­weichen von dieser Linie führt zum Ausemanderfall der Wehrmacht als geschloffenes Organ und wäre mit Jubel von all den zerfetzenden und pazifistisch verseuchten Elementen begrüßt worden, die in der

Widersprechendes Echo der britischen Wehrdenkschrist

Lebhafte Debatte Über die Zweckmäßigkeit der Veröffentlichung des Weißbuches.

Lansbuy fragte hierauf:Ist irgendwie bekannt, wann die Zusammenkunft stattfinden wird?" Si­mon erwiderte:Ich stehe mit der deutschen Re- gierung über diese Frage in Verbindung.

Hieraus fragte Lansbury weiter:Darf ich fragen, ob Simon seinen Kollegen anraten wird, das Weißbuch bis nach Abhaltung der Be­sprechungen zurückzuziehen?" (Beifall bei den Arbeiterabgeordneten.) Simon antwortete unter dem Beifall der Regierungsanhänger:Rein, bestimmt nicht. Ich kann mir kaum umstellen, daß irgend jemand den Vorschlag ernst nehmen würde, eine Erklärung, die man abzugeben hat, zu­rückzuhalten, bis die vorgesehenen Besprechungen stattgesunden haben."

Lansbury fragte hierauf weiter:Glaubt Simon wirklich, daß es für freundschaftliche Der- Handlungen förderlich ist, ein fo un­freundliches Dokument zu veröffent­lichen, wie das, das der Premierminister aus« .legeben hat?" Simon antwortete:Dies ist eine o'rage, die, wie ich glaube, am Montag zur Er­örterung gelangen wird."

Oie Mehrausgaben für die Flotte.

London, 6. März (DNB.) Der Voranschlag für den Marinehaushalt 1935 sieht für die Flotte 60 050 000 Pfund vor, gegenüber dem Vorjahr eine Vermehrung von 3,5 Millionen Pfund. 535 000 Pfund sollen für die Verstärkung der See- f l u g st r e i t k r ä f t e verwandt werden, weitere 2,5 Millionen Pfund für die .Ausbesserung und Modernisierung der G r o ß k a m p f s ch i s f e, die auf Grund des Londoner Flottenvertrages eine längere Lebenszeit haben als unter nor­malen Verhältnissen. Der Personalbestand der Flotte wird um 2000 Mann vergrößert, was teils auf den Ersatz alter Schiffe durch neue Schiffe, teils auf den Ausbau der Seefliegerei zurückzufuh- ren ist.

Das Neubauprogramm für 1935 steht vor: Drei Kreuzer, ein Zerstörer-Führerschiff und drei Zerstörer, drei Unterseeboote und ein Unterseeboot- Mutterschiff sowie zwölf kleinere Fahrzeuge. Dieses verhältnismäßig kleine Bauprogramm wird noch van den Grundsätzen bestimmt, die der noch bis zum 31. März 1936 geltende Londoner Flottenver- traq aufgestellt hat. Die Gesamterhöhung des eng- I lischen Wehrhaushalts beträgt 10,5 Millionen j Pfund, etwa 120 Millionen Mark.

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General-Anzeiger für Oberhessen

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