der ist, wie du siehst, dick durchgestrichen, aber doch noch erkennbar.
Also liegt der Schreiberin daran, daß auf der Post in Gernrode ihre Identität nicht bekannt wird. Uebrigens, da fällt mir ein: Stand nicht vor einiger Zeit die Todesanzeige eines Herrn von Gernsheim auf Gernrode in den Blättern?"
Hopman griff nach der Klingel und läutete.
„Suchen Sie mir aus dem Zeitungsarchiv einmal die Familienannoncen der letzten vierzehn Tage heraus, Werner", sagte er zu dem eintretenden alten Diener, „und stellen Sie fest, ob eine Traueranzeige von Schloß Gernrode darin ist."
Dann wandte sich Hopman wieder zu seinem Freund:
„Die junge Dame, die diesen Brief geschrieben hat, wünscht also erstens nicht, auf dem Postamt gekannt zu sein, zweitens benutzt sie keinen Trauerbriefbogen — was folgt daraus?"
„Entweder, daß sie in keiner nahen verwandtschaftlichen Beziehung zu dem Toten steht —, oder daß sie ihn nicht mochte."
Triumphierend sah der blonde, rosige Martins seinen Freund an. Aber sein Lächeln wurde unsicher, als Hopman ruhig sagte:
„Mein lieber Junge, diese Schlußfolgerung ist zu einfach, als daß ich sie akzeptieren könnte. Es kann auch umgekehrt sein. Vielleicht hing die junge Dame zu sehr an dem Verstorbenen und will durchaus den Gedanken an seinen Tod von sich abschieben."
Martins strich energisch Butter auf sein Brötchen:
„Na, weißt du, das ist doch eine kühne Behauptung und durch nichts zu beweisen."
„Höchstens dadurch", bemerkte Hopman freundlich, „daß diese junge Dame mit den energischen Schriftzügen sich wenige Tage nach dem Tode eines Angehörigen an mich wendet. Irgend etwas stimmt da also nicht. Und sie macht sich Sorgen. Sorgen aber macht man sich nur, wenn man an einem Menschen hängt.
Aber ich gehe in meinen Schlußfolgerungen noch weiter: Ich behaupte, die junge Dame wird sehr bald bei uns erscheinen. Schau dir einmal diesen Brief an. Erst sollte er als gewöhnlicher Brief gehen. Dann hat man das ,Durch Eilboten!' schnell und hastig hinzugefügt. Drittens ist der Brief nicht durch die gewöhnliche Post befördert, sondern ist in einen Bahnpostkasten geworfen worden. Und zwar in den letzten Zug, um zwölf Uhr. Ich nehme an, daß auch das der Absenderin noch nicht genügt hat. Denn sie wird sich in ihrer Unruhe dauernd überlegt haben, wie sie am schnellsten zu ihrem Ziele, mich zu erreichen, kommt. Da ist das mündliche Verfahren immer das schnellste."
Er unterbrach sich. Der Diener kam herein und brachte einen Zeitungsausschnitt, den er vor Hop- man hinlegte.
„Aha, da haben wir es ja."
Hopman nahm das Blatt und las laut vor:
„Heute nacht starb plötzlich unser innigstgeliebter Vater und Pflegevater, Baron Detlef von Gernsheim auf Gernrode. Dies zeigt — zugleich im Namen des im Ausland weilenden Sohnes Doktor Horst von Gernsheim — in tiefstem Schmerz an Helma von Bodenberg."
Hopman legte den Zeitungsausschnitt auf dem Frühstückstisch:
„Also das ist dies Fräulein von Bodenberg, das mir da schreibt."
Ein scharfes Klingeln des Telephonapparats schnitt in seine Rede.
„Vermutlich ist sie das schon." Hopman wies auf den Apparat.
Martins nahm den Hörer ab. Maßlose Verblüffung malte sich auf seinen Zügen. Er reichte den Hörer herüber.
„Tatsächlich, sie ist es", flüsterte er.
Mit einem leichten Lächeln ergriff Hopman jetzt den Telephonhörer.
„Hier Hopman."
Eine angstvolle, aber trotz der Erregung wohllautende Stimme klang an sein Ohr.
„Haben Sie meinen Brief erhalten, Herr Doktor Hopman?"
„Jawohl, gnädiges Fräulein, mit der Frühpost."
Ein erleichtertes Aufatmen. Die Mädchenstimme fragte weiter:
„Und werden Sie mir helfen können?"
„Das hoffe ich. Ihr Brief hat mir ja schon allerlei erzählt. Ich erwarte Sie so bald wie möglich." —
„Sympathische Stimme", bemerkte Hopman, als das Gespräch beendet war, zu seinem Freunde. Der saß mit offenem Munde da.
„Sehr geistvoll siehst du im Augenblick nicht aus, mein guter Martins."
„Dafür hast du wieder einmal um so mehr Geist entwickelt." Martins sah seinen berühmten Freund bewundernd an. „Es ist geradezu fabelhaft, wie du kombinierst. Hast du vielleicht noch etwas 'rausgefunden?"
Hopman schaute nochmals nachdenklich auf die Zeitungsannonce.
„Vielleicht das eine noch, daß dieser Auslandssohn, für den das Fräulein mit der sympathischen Stimme die Todesanzeige mit aufgegeben hat, offenbar nichts zu tun hat mit der Sorge, die sie drückt. Erst glaubte ich an eine Differenz zwischen Sohn und Pflegetochter. Aber ich habe diesen Gedanken ganz aufgegeben. Augenscheinlich fühlt sie sich sehr mit dem Sohne verbunden, denn sie wählt die Fassung: ,unser Vater und Pflegevater'. Würde sie mit diesem jungen Baron nicht gut stehen, so würde sie sich vermutlich auch in der Anzeige von Horst von Gernsheim distanzieren."
„Wenn du es nicht wärst, Hopman, so würde ich sagen, das sind Haarspaltereien. Aber so wage ich nicht mehr, dir zu widersprechen. Doch willst du nicht endlich den Brief der jungen Dame lesen, ehe sie herkommt?"
Hopman lächelte beinah schüchtern:
„Nein, das möchte ich nicht. Ein bißchen eitel sind wir Detektive doch nun einmal. Was meist du, was das kleine Fräulein für Augen machen wird, wenn sie ihr Schreiben uneröffnet sieht? Den kleinen Triumph möcht' ich mir doch gönnen."
Er trat ans Fenster, er hatte ein Auto scharf vor dem Hause bremsen gehört.
„Du, nun mache i ch aber Augen", meinte er lebhaft. „Komm doch mal her, Martins, und schau! Diese junge Dame, dies Fräulein Helma von Bodenberg ist ja eine veritable Schönheit. Das ist ein gutes Omen, wenn einem schon frühmorgens so etwas ins Haus geschneit kommt. Komm ins Arbeitszimmer, Martins! Es ist mir lieb, wenn du bei Ser Unterhaltung wieder zugegen bist. Vielleicht brauche ich dich wieder bei der Durchführung der Aufgabe, die dies schöne junge Fräulein mir übertragen wird."
Er griff nach dem verschlossenen Schreiben und ging mit seinem Freunde zusammen hinüber ins Arbeitszimmer.
2. Kapitel.
Als der Diener die frühe Besucherin meldete, saß Hopman in anscheinend lebhaftem Gespräch mit Martins in der behaglichen Klubecke. Der Brief lag ungeöffnet vor ihm.
Mit einem leisen Rot der Befangenheit trat Helma von Bodenberg ein. Sie war mittelgroß, von der Feingliedrigkeit eines Rehs. Und auch die goldbraunen Augen in dem süßen Oval des zarten Gesichts hatten den scheuen und rührenden Ausdruck eines Rehs mit ihrem feuchten, sanften Schimmer.
Unter dem kleinen Trauerhute drängten sich weiche Wellen goldigen Haares. Der Mund war zart und weich. Aber das überraschend energisch geformte Kinn zeigte, daß in diesem jungen Menschenkinde trotz der hauchfeinen Zerbrechlichkeit ein fester Wille wohnen mochte.
Mit diesem Willen bezwang Helma jetzt ihre Befangenheit, um so mehr, als das kluge, ruhige Gesicht Doktor Hopmans ihr sofort vertrauenerweckend war. Er begrüßte sie mit ein paar höflichen Worten.
„Ich danke Ihnen, Herr Doktor Hopman", sagte Helma von Bodenberg leise, „daß Sie mich schon zu so früher Stunde annehmen."
„Keine Stunde, gnädiges Fräulein, ist zu früh, um einem Menschen mit Rat und Tat beizustehen. Nehmen Sie Platz! Dies ist mein Freund Martins. Es wird Sie hoffentlich nicht stören, wenn er bei unserer Unterredung dabei ist? Er ist mir •ein wertvoller Mitarbeiter: schon oft hat er zur Aufklärung schwieriger Fälle wesentlich beigetragen."
Helma reichte dem sich verbeugenden Martins freimütig die Hand:
„Was Sie für richtig halten, Herr Doktor, werde ich auch richtig finden."
(Fortsetzung folgt!)
Verfolger eindrangen, fanden sie bei dem Toten nichts, was für sie von Wert gewesen wäre. Der Vorfall sprach sich herum, japanische Truppen fair den den toten Kurier, und die Untersuchung der Leiche brachte den heldischen Opfermut dieses Mannes, der lieber auf qualvolle Weife starb, als daß er fein Geheimnis preisgab, zutage. Und nun bewies der japanische Staat, daß auch er den männlichen Geist kriegerischer Selbstauf- Opferung zu ehren versteht. Das blutgetränkte Dokument wurde mit vollen militärischen Ehren nach Japan übergeführt. In der Kaserne eines hauptstädtischen Regimentes in Tokio wurde im Saal, der gleichzeitig Fahnenhalle und religiöse Kultstätte ist, ein Altar errichtet, auf dem unter einem Glassturz das gerettete Schreiben künftighin aufbewahrt wird. In schlichten Worten berichtet ein eingemeißelter Spruch die Tat des Kuriers.
Findet eine Vereidigung statt, so werden die jungen Rekruten, die soeben das Vaterhaus verlassen haben, vor den Glassturz mit dem blutverkrusteten Dokument geführt, und es wird ihnen gesagt: „Dies hier ist in Zukunft der einzige Ort, wo ihr noch weinen dürft!"
Ob das Buschido das Gesetz des Sieges ist, wird die Geschichte er<eifen. Daß es das Gesetz der soldatischen Ehre ist, die hier ein ganzes Volk durchdrungen hat und zur Zentralsonne seines Glaubens geworden ist, das wissen wir. F. W. H.
3um 65. Geburtstag von Prof. Klimsch
Am 10. Februar kann der bekannte Bildhauer Professor Fritz Klimsch, der der Preußischen Akademie der Künste als Mitglied angehört, seinen 65. Geburtstag feiern.
Fußball der Bezirksklaffe, Gruppe Gießeu-Oill.
Am Sonntag, 10. Februar.
1900 Gießen — SV. 05 Wetzlar (Wingenfeld-
BC. Sinn — Tuspielo. Naunheim (H. Lucy-Mar- burg).
Sportvechn 1920 Lollar.
Am Sonntag empfing Lollar die Spielvereinigung Leihgestern zum fälligen.Verbandsspiel. Mit flottem Kampf wurde dos Spiel begonnen. Leihgestern trug manchen schönen Angriff in Lollars Strafraum. Hier war es aber mit der Kraft zu Ende und die Hintermannschaft konnte leicht klären. Lollar sand sich dann besser zusammen und trug Angriff auf Angriff auf das Gästetor, doch kein Treffer wollte gelingen, denn der Gästetorwart hielt alles, was auf den Kasten ging. Sogar einen Elfmeter, der vom Rechtsaußen mit wuchtigem Schuß getreten wurde, konnte er meistern. Lollar greift weiter an und brachte es auch fertig bis zur Halbzeit mit 2:0 in Führung zu gehen. In der zweiten Halbzeit flaute das Tempo ab. Lollar blieb jedoch leicht überlegen und konnte auch durch feinen Halblinken zwei weitere Tore erzielen. Kurz vor Schluß des Spieles kommen die Gäste zu ihrem Ehrentreffer. Der Schiedsrichter war dem Spiel ein gerechter Leiter.
Lollars zweite Mannschaft hatte die 1. Mannschaft von Treis zu Gast, und konnte einen glatten 5:1- Sieg landen. Treis, nur mit zehn Mann angetreten, konnte Lollar nie gefährlich werden.
Zugendfuhball im BfS Reichsbahn.
Am Sonntag weilte die erste Jugend in Nauborn zu einem Freundschaftsspiel gegen die dortige Jugend. Es entwickelte sich ein schönes Spiel, bei dem die Gießener durch ihren Rechtsaußen das Führungstor schießen konnten. Bis zur Halbzeit blieb es dabei. In der zweiten Hälfte schoß Nauborn den Ausgleich. Nun drängten die VfB.er ihren Gegner immer mehr zurück, konnten aber nicht mehr das Siegestor erringen.
Auch die erste Schülerelf weilte in Nauborn. Trotz aufopferungsvollem Spiel errangen sie nur ein 0:0- Refultat.
HanoballimKreisLahn-Oill(GauXU)
Bezirksklaffe.
Kurheffen Marburg — Mtv. .Gießen: Nachdem die Mannschaft der Mtver vergangenen Sonntag durch das Nichtantreten ihres Gegners, des Tufpo. Marburg zu zwei billigen Punkten gekommen ist, muß die Mannschaft nächsten Sonntag in die „Höhle des Löwen". Die Marburaer werden ihre Gäste sicher nicht ungeschoren lassen und einen sicheren Sieg herausholen, dessen Höhe ganz allein von der Gegenleistung der Mtver abhängt. Wenn die Mannschaft sich auf ihr Können besinnt und vor allem die technische Ueberlegenheit ihres Gegners durch eifriges Spiel einigermaßen ausgleichen kann, braucht die Niederlage nicht hoch auszufallen.
Tv. Lützellinden — Tufpo. Marburg: Auch hier liegt die Sache ähnlich wie in der Marburger Begegnung. Die Gastgeber find hier eben* balls haushoher Favorit und haben auch auf Grund ihres Könnens eine Mannschaft wie die des Gegners am Sonntag nicht zu fürchten. Lützellinden benötigt noch Punkte, um im Kampf um den dritten Tabellenplatz entscheidend einzugreifen
kreisklasse I.
Spv. 05 Wetzlar — Tv. Groß-Rechtenbach: Die am Tabellenende hängenden Wetzlarer werden kommenden Sonntag ihr Heil auf eignem Platz versuchen. Der Gegner wird aber sicher keine Chance vergeben wollen und sicher einen glatten Sieg herausholen.
kreisklasse Ila.
Tv. Wißmar — Tv. Launsbach: In Wißmar treffen sich im traditionellen Lokalkampf alte Bekannte, die schon x-mal die Klingen in schönen Spielen gekreuzt haben. War in den früheren Begegnungen die Gästemannschaft stets etwas besser, so hat sich die Situation in dem letzten Jahr zugunsten von Wißmar verschoben. Die Mannschaft hat die letzten Spiele stets für sich entscheiden kön-
!tr.32 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Buschido, das Gesetz des Sieges
politisches Soldatentum, japanisch vorgelebt
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Helma lächelt
Kriminnlrnmnn non KlntkilD«» hon CHe
Kriminalroman von Klothilde von Stegmann
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550 6245 4718 6000 200
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560 6300 5335 6130 200
gen.
Ausgabe 1934 1935
Buschido ist in allen Punkten das Gegenteil dieser Lebensform. Buschido ist Armut an Stelle von Reichtum, Zurückhaltung statt Reklame, Opferfähigkeit, nicht Persönlichkeitskult des Mannes, unermüdlicher, bescheiden-stolzer Pflichteneifer, nicht vorlaute Ueberheblichkeit der Jugend, Selbstaufopferung statt Selbstsucht. Es ist die Sorge um Staatssicherheit und Wohlfahrt des Volkes an Stelle der Sorge um das eigene Ich. Buschido lehrt Unterordnung, die Zurückstellung privater und familiärer /Interessen, es verlangt strenge physische und geizige Disziplin, es entwickelt kriegerischen Geist, Mut, Treue, Selbstenthaltung und ergibt somit einen Jengen Kodex kampfsittlicher Grundsätze nicht nur für den Soldaten und Mann, sondern für das gesamte Volk, also auch für die japanische Frau, gleichgültig ob in Krieg oder Frieden.
Vor sechzig Jahren waren die Samurais die herrschende Kaste im Lande. Sie opferten ihre Vorrechte für die Erhaltung einer besseren Zukunft. Ihr Zurücktreten hinter die staatliche Notwendigkeit war der beste Ausdruck des Buschido. Der
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Schwertadel ging unter das Volk, aber er ließ die Gesinnung und die Seelenwerte des Adels nicht absinken, sondern zog das Volk zu diesen Werten und Tugenden empor. Jetzt wird Buschido in ben Sch ulen regelmäßig gelehrt, es ist das Rückgrat von Armee, Arbeiterschaft und Bauerntum, es ist neben dem Schinto (dem Glauben an die göttliche Substanz und die göttliche Beauftragung des Mikado, d. V.) die Religion aller Japaner."
Wie wirkt sich nun das Buschido, die Religion der Vaterlandsliebe, im täglichen Leben Japans aus? Einige Beispiele, verbürgt und bestätigt, besagen mehr als ein langes Geschichtsstudium oder eine geopolitische Untersuchung der japanischen Lebensbedingungen.
Als kürzlich bei einem Luftalarm die japanische Hauptstadt Tokio verdunkelt wurde, bemerkte ein Luftschutztrupp ein Fenster, hinter dessen blauem Vorhang noch immer eine Lampe brannte. Man sprengte die Haustür, drang bis in das erhellte Zimmer vor und fand einen Arzt bei der Operation seines Kindes, das schwer verunglückt war und nur durch einen sofortigen sehr schwierigen Eingriff gerettet werden konnte. Dennoch drehte der Führer des Trupps das Licht aus und meinte gelassen auf die beschwörenden Bitten des Arztes: „Was würde erst im Kriege werden, wenn jetzt schon im Frieden die Befehle des Mikados mißachtet werden? Kinder werden neu geboren, aber ein nichtausgeführter Befehl des Kaisers bringt unauslöschliche Schande!" Immerhin hat dieses Geschehen einen versöhnenden Abschluß gefunden: Die virtuose Kunst des Arztes vermochte im Dunkeln jene Handgriffe auszuführen, die das Leben des Kindes erhielten.
Ein anderer Beweis für das „Buschido": Vor einigen Monaten mußte ein japanisches Bombenflugzeug in der nördlichen Mandschurei notlanden. Ehe es wieder starten konnte, wurde es von einer starken Streifschar eines chinesischen Freischarführers erspäht. Weder ein Wiederaufstieg, noch eine Flucht erwiesen sich als möglich. So nahten die Chinesen von allen Seiten dem Flugzeug, unter dessen bombenbeladenen Rumps sich die Bemannung zurückgezogen hatte. Führer, Funker, Maschinengewehrschütze und Monteur, ein jeder trug einen Werkzeughammer in der Hand und erwartete mit dem unergründlichen Lächeln des Ostens auf den Lippen das Näherkommen der Chinesen, Es war kein Befehl gegeben worden, und doch wußte jeder, was in dieser Stunde der Erprobung das Buschido yorschrieb. Und als die Chinesen in enger Kette das Flugzeug umgaben und ihr Führer die Besatzung zur Üebergabe aufforderte, sausten mit hartem Schwung vier Stahlwerkzeuge gegen die entsicherten Zünder von vier Sprengbomben. Der aus- brechende Krater von Stahl und Feuer ließ im Umkreis von 200 Meter keinen Menschen am Leben.
Die beiden anderen Fälle ereigneten sich während der schweren Kämpfe um den Schanghaier Stadtteil Tschapei. Ein Zivilkurier, der zwischen dem Hauptquartier und der internationalen Niederlassung ein wichtiges Dokument zu überbringen hatte, geriet plötzlich in einer abgelegenen Straße in den Hinterhalt einer chinesischen bewaffneten Geheim- gesellschaft. Der Kurier flüchtete, ohne daß die geringste Aussicht auf Rettung seines Lebens bestanden Vätte, in das Innere eines Hauses. Es kam ihm allein noch darauf an, Zeit zu gewinnen und einige Minuten allein zu fein. Und während draußen die Haustür krachend in Splitter ging, übte der Kurier drinnen mit äußerster Selbstbeherrschung Harakiri. Ohne feine Kleider irgendwie zu verletzen, schlitzte er sich in der ganzen Länge den Bauch auf und verbarg mit letzter Kraft das geheime Schriftstück im Innern seines blutigen Leibes. Als die
< ^SQQl 1934 i!
Der japanische Vormarsch in China bringt der Welt auf Neue zum Bewußtsein, daß sich ein zielbewußtes soldatisches Volk seinen Lebensraum zu schaffen weiß.
Alle großen Entscheidungen erfolgen aus dem glauben. Alle großen Kriege sind Glaubenskriege eöcfen. Alle großen Erdmächte, die heute einen iiperialen Anspruch erheben und einen imperialen rop als Träger ihres Anspruchs planvoll hercm- id)ten, sind Glaubensmächte. Dem jungen Deut- j)en dieser Zeit ist nichts mehr vonnöten, als den Zlick über die Erde schweifen und verweilen zu assen bei jenen großartigen Ballungen eines Herr- chastswillens, welche die Erfüllung der Prophetie Diedrich Nietzsches ankündigen: „Das zwan - jigfte Jahrhundert wird das Jahrhundert großer Kriege fein!"
Wenn zwischen dem erhobenen Anspruch einer Ration, wenn zwischen dem heroischen Pathos einer Üblichen Forderung und der gelebten und bestätigen Wirklichkeit keine Gegensätze mehr bestehen, ,’ann wachsen die Geschehnisse und Taten heran, ]ie von der Weltgeschichte als Wendepunkte und arffteine des Weltgeschehens ausgezeichnet werden.
Vernehmen wir, die wir das Wort vom „p o l i - lischen Soldaten" nicht leichtfertig im Munde ühren wollen, das „heroische Pathos einer tödlichen Forderung" und prüfen wir es bann an den Vorgängen des Tages nach. Dann wirb zwar nicht ber Sinn, wohl aber bie Bebeutung unb bie Möglichkei- ?n bes Menschentums aufgehen, bas die steigende Sonne im Banner führt: der Japaner:
Prinz Ito, einer Seitenlinie des Kaiserhauses
unb damit der ältesten Dynastie der Erde entstam- nenb, die feit fast 2700 Jahren ununterbrochen Herrschaft ausübt. Prinz Ito, selbst einer der vor- , Üblichsten Führer der japanischen Nation, hat iinem Europäer ben Sinn bes japanischen Lhrengesetzes im Worte zu fassen versucht:
„Buschibo erftanb noch vor ber christlichen Aera, is würbe vorerst - vom Samurai, bem privilegier- len Kämpfer unb Ebelmann Alt-Japans, befolgt. Die Quellen dieses Gesetzes können nicht gesunden »erben. Es hat keinen Gesetzgeber, kein Dokument ,'nthält seine Paragraphen. Es ist eine Lehre, bie liemals in ein System gebracht würbe. Buschibo ist neben ber Person bes Mikabo ber stärkste Faktor Des japanischen Lebens, ber einigenbe Gebanke für Volk unb Reich.
Wenn wir nicht genau erklären können, was Buschibo ist, so können wir boch sagen, was es Milcht ist. Man nehme bas Durchschnittsschema bes Lebens ber Durchschnittsgesellschaft bes Westens:
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Ohrenaus- ille.als un» zusehen unb i. Abgesehen Anwendung e Verfahren sbestimmun- itigung nach ng auch auf och mit du gung polize bestehende! ng derartigek lüßige Unter« ime, Dienst- l), in eiazel- 'rlässigeTier- irschriftea za Ministerin chtigung Ee- sedoch unter ittet, daß die steile, Aster« abgegrenzte» len zur > >n, unter der sicher lieber« icn und mit ' abweichen- nd, daß ih"
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Arheberrechtsschutz: Fünf-Türrne-Verlag, Halle (S.).
(Na'chbruck verboten.)
1. Kapitel.
Doktor Will Hopman saß mit seinem Freunb Martins am Frühstückstisch unb überflog bie Morgenzeitung. Neben ihm lag ein Stapel Poft, ben er achtlos beiseiteschob.
Erst bas Vergnügen, dann die Arbeit!, dachte er und genoß lächelnd die Schilderung eines Bankeinbruchs, der auf einer ganzen Spalte der Mor- qenzeitung geschildert war. Was für Vermutungen Oer Reporter, der sich als zweiter Sherlock Holmes fühlte, dv zum besten gab, war wirklich belustigend. Hopman lachte so herzlich, daß sein Liebling, der schöne Airedaleterrier Grypto, freudig blaffend auf- fprang und aus seiner Ecke hervor auf Hopman zuschoß. Hopman beugte sich freundlich zu dem schonen Tier.
„Nicht wahr, Grypto, da lachen selbst die Hühner", meinte er und wollte ihn streicheln. Dabei stieß er mit dem Ellenbogen an den Briefstapel. Ein Brief loste sich, er wollte herunterfallen.
Aber Grypto apportierte geschickt den Bries.
„Bravo", lobte Hopman. Er nahm den Brief und besah ihn. Sein Gesicht wurde aufmerksamer.
„Na, Martins", sagte er, „das gibt eine interessante Sache."
Martins sah von seiner Lektüre auf:
„Du kommst mir manchmal vor wie ein Hellseher, Will. Da hast du einen geschlossenen Brief in der Hand, und schon weißt du, daß eine interessante Sache daraus wird. Wie machst du das? Witterst du vielleicht den interessanten Fall, so wie Grypto die Fährte feines Herrn?"
, „Vielleicht. Darin liegt etwas Wahres, du! Ein richtiger Detektiv ist eine Art Spürhund und ist Mit einem Instinkt begabt, der den anderen Menschen oerlorenging. Aber in dem vorliegenden Fall war die Folgerung einfach.
Sie hier diesen Bries! Die Dame, die ihn geschrieben hat, ist etwa einundzwanzig Jahre alt." .„Woher weißt du das, du Optimist? Kann sie wcht ebensogut vierzig sein?"
„Dann würde sie nicht diese Art energischer Keilschrift schreiben. Handschriften sind der Mode unterworfen wie alles andere. Diese Art männ- ucher Steilschrift ist die Schrift, die sich aus einer ^chülerinnenschrift von vor etwa sechzehn Jahren Entwickelt haben muß. Diese junge Dame hat bei Schulbeginn eifrig Sütterlinbuchstaben gemalt — das sieht man heÄk- noch, obwohl die Handschrift ausgeschrieben ist. Der Brief trägt als Absender das Wappen des Schlosses Gernrode. Der Absen-
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Donnerstag, 7. Februar 1935
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