Das Gericht befaßte sich sodann einem Autofahrer aus der Gegend von Büdingen wegen fahrlässiger Körperverletzung mit tödlichem Ausgang. Der Angeklagte überfuhr im September v. Js. in Bad Selters an einer unübersichtlichen Stelle mit seinem Kraftwagen einen Radfahrer, der erhebliche Verletzungen erlitt, an deren Folgen er starb. Die Beweisaufnahme ergab, daß der Verstorbene den Unfall mitverschuldet hatte. Das Gericht verurteilte unter Würdigung dieses Umstandes den Angeklagten zu 400 Mark Geldstrafe und den Kosten des Verfahrens.
Rundfunkprogramm.
Freitag, 8. Februar.
6 Uhr: Bauernfunk. 6.15: Gymnastik I. 6.30: Gymnastik II. 6.55: Morgenspruch — Choral. 7: Frühkonzert. 8.15 bis 8.35: Gymnastik. 9.15: Kammermusik. 10: Nachrichten. 10.15: Schulfunk. 10.50: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.45:
Sozlakdlenst. tt: Mittagskonzerk I. 13t Nachrichten. 13.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert II. 14.15: Nachrichten. 14.30: Wirtschaftsbericht. 15: Nachrichten. 15.15: Für die Frau. 16: Nachmittagskonzert. 18: Jugendfunk. Volksweisen auf der Handharmonika. 18.15: Humor des Ostens. Witz — und tiefere Bedeutung. Plauderei von Dr. Baron Scott, Frankfurt a. M. 18.30: Was geht in den Vulkanen vor? Zwiegespräch. 18.45: Dr. Heinrich Waffenschmidt spricht über die amtlichen Rundfunk-Zeitschriften. 18.50: Unterhaltungskonzert. 19.45: Das Leben spricht. 20: Nachrichten. 20.15: Stunde der Nation. „Als man noch den Kranz um den Zylinder trug." Bilder von einer alten ostpreußischen Landhochzeit. 21: Musik um Ossian. Ouvertüre von Gade, vier Gesänge von Schubert, Frauenchor von Brahms. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.30: Der Zeitfunk bringt Sportoorschau. 23: Deutsche Kaiser rufen am Rhein. 23.30: Der Vorstadt- Gesangverein. 24 bis 2: Nachtmusik.
Deutsche Arbeitsfront. - Verufsgruppenamt.
Teilnehmer-Bedingungen für den großen Schaufenster-Wettbewerb in der Zeit vom II. bis 24. Februar.
Wer soll sich beteiligen?
Der Aufruf zur Teilnahme ergeht an alle männlichen und weiblichen Lehrlinge, Junggehilfen und Anwärter für Gebrauchswerber vom 15. bis 21. Lebensjahr (Jahrgang 1920 bis 1914 — ganzer Jahrgang), soweit sie arischer Abstammung sind.
Die Zulassung zur Teilnahme spricht die Wettbewerbsleitung aus, wenn die Leistungen der Teilnehmer den Anforderungen voraussichtlich entsprechen. Berücksichtigt werden vor allem alle diejenigen, die sich nachweisbar freiwillig beruflich weitergebildet haben (in der zusätzlichen Berufsschulung usw.), und einer nationalsozialistischen Organisation, Staatsjugend (HI., BdM.), Partei, SA., SS., DAF., Reichskulturkammer u. a. angehören, oder am RBWK. 1934 teilgenommen haben.
Die geht der Wettbewerb vor sich?
Jeder Teilnehmer dekoriert ein Schaufenster, das ihm von der Wettbewerbsleitung zugewiesen wird. Es ist die Aufgabe gestellt, in der Schaufenstergestaltung mit einer guten Werbeidee bei möglichst geringem Kostenaufwand und sauberer technischer Ausführung eine erfolgreiche Werbewirkung zu erzielen. Die Schaufensterdekoration muß in Idee und Ausführung durch die Wettbewerber vollkommen selbständig erfolgen. Mit fremder Hilfe hergerichtete Schaufenster werden von der Bewertung ausgeschlossen. Weitere Richtlinien werden für die Lösung der Dekorationsaufgabe nicht gegeben. Jeder Teilnehmer dekoriert sein Schaufenster nach den besonderen Erfordernissen seines Geschäftszweiges.
Leistungsklassen für die Bewertung.
Der Wettbewerb wird in 3 Leistungsklassen ausgetragen:
A = Lehrlinge im 1. und 2. Lehrjahr B -- Lehrlinge im 3. Lehrjahr
C = Junggehilfen bis einschl. Jahrg. 1914.
Aufgliederung nach Geschäftszweigen.
Die verschiedenen großen Schwierigkeitsstufen bei der Dekoration in den einzelnen Geschäftszweigen werden bei der Bewertung berücksichtigt.
Eröffnung des Wettbewerbes.
Die Schaufenster müssen am ersten Wettbewerbstag vormittags 10 Uhr fertiggestellt sein. Aende- rungen dürfen dann nicht mehr erfolgen. Die Schaufenster bleiben während der Wettbewerbslage unausgewechselt.
Kennzeichnung der Wettbewerbsfenster.
Jedes im Wettbewerb stehende Schaufenster wird mit einem von der Wettbewerbsleitung gelieferten Schild gekennzeichnet, das Leistungsklasse und Name des Schaufenstergestalters aufweist.
Teilaufgabe im 2. Reichsberufswetkkampf.
Die bei der Bewertung erreichten Punktzahlen werden bei der Schlußwertung zum Reichsberufswettkampf angerechnet.
Ehrenurkunden
werden für die Besten jeder Leistungsklaffe und jeder Wettkampfgruppe ausgegeben. Spätestens am letzten Wettbewerbstag gelangen die Urkunden in den ausgezeichneten Wettbewerbsfenstern zur Ausstellung.
Auskunft erteilt die Kreiswaltung des Ve- rufsgruppeuamles in der DAF.» Gießen, Lonystraße 18, Fernruf 3275.
*
Wie bereits mitgeteilt, wird als Teilaufgabe innerhalb des 2. Reichsberufswettkampfes ein Schau- f e n st e r w e t t b e w e r b in der Woche vom 17. bis 24. Februar veranstaltet. Alle jungen Kaufleute, die sich an diesem Wettbewerb beteiligen wollen, werden aufgefordert, sich sofort bei dem Berufsgruppenamt in der DAF., Gießen, Lonystraße 18, zu melden.
Das Reich und die Tschechen.
In einer gut besuchten Versammlung der Ortsgruppe Gießen des VDA. und der Studentenschaft (Grenz- und Auslandsamt), die gestern abend in der Neuen Aula der Universität stattfand, hielt nach kurzen Einführungsworten des Führers der Ortsgruppe Gießen des VDA., Universitätsprofessors Dr. Bechtel, der Lektor für Grenz- und Auslandsdeutschtum an der Universität Halle Dr. R a u p a ch einen Vortrag über das Thema „D a s Reich und die Tschechen".
Der Redner wies einleitend darauf hin, daß das tschechische Volk in unserer Gefühlswelt zur Zeit ej^e sehr ungünstige Stellung einnimmt, vor allem veranlaßt durch die Unterdrückungsmaßnahmen gegen das Sudetendeutschtum, aber auch durch die Vasallenschaft der Tschechoslowakei gegenüber Frank
reich und durch vielerlei unfreundliche Lebensäußerungen des tschechischen Volkes gegenüber dem deutschen Volke. Hinzu kommt noch, daß sich in der Tschechoslowakei das Emigrantentum mit seiner deutschfeindlichen Hetzpresse aufgetan hat und von dort aus den Verleumdungsfeldzug gegen das neue Deutschland führt, die Tschechen selbst bisher aber keinerlei Anlaß genommen haben, das deutsche Volk kennenzulernen und ihm näher zu kommen. Auf den ersten Blick zeigt sich also in den Beziehungen zwischen den Deutschen und den Tschechen ein völliges Vakuum, dieser negative Befund steht aber in keinem Verhältnis zu der Bedeutung des Raumschicksals für das deutsche Volk.
Im weiteren Verlaufe seiner Darlegungen be- tonte der Vortragende, daß er nicht von der Tsche-
koslowake! sprechen hsotte, He fa kein Cmhettsftaat, sondern ein Völkerstaat sei, sondern daß er sich nur mit Böhmen und mit dessen Beziehungen zu den Deutschen beschäftigen möchte, denn Böhmen sei für uns Deutsche als Kernland und ewiggestelltes Problem zu betrachten. Hierauf gab der Redner einen eingehenden geschichtlichen Ueberblick über die Entwicklung Böhmens, aus dem unverkennbar klar heroorging, wie stark in diesem Raume seit vielen Jahrhunderten immer der deutsche Einfluß gewesen ist. Der Redner wies auf die kolonisatorische Betätigung der deutschen Menschen in Böhmen schon vor Jahrhunderten hin, durch die auch die soziale Gestaltung eine starke deutsche Prägung bekam. Er erwähnte weiter, daß trotzdem der tschechische Dolksboden dort zum Durchbruch kommen konnte, erinnerte an die Gründung der deutschen Universität in Prag im Jahre 1345, an den Hussitenkrieg, an den Uebergang Böhmens an das Haus Habsburg und an die dadurch bedingte Loslösung Böhmens von den norddeutschen Bindungen. Sodann wies der Vortragende auf die Folgen der Schlacht am Weißen Serge hin, lenkte die Aufmerksamkeit auf die gewaltige Persönlichkeit Wallensteins, der von den Deutschen damals noch einmal als eine Vorstellung von deutscher Reichseinheit angesehen wurde, während die Tschechen diesen Feldherrn als eine Figur in der Politik Habsburgs betrachteten. Dann traten die Tschechen in den Hintergrund, bis im 19. Jahrhundert von deutscher Seite die Konzeption „Reich und Böhmen" durch das Frankfurter Parlament auftauchte und dazu führte, die Tschechen als Reichsstand zur Teilnahme an dem Frankfurter Parlament aufzufordern, was von diesen aber abgelehnt wurde. Der Redner erwähnte ferner, daß Bismarck 1866 noch einmal die Errichtung eines hämischen Königreiches in Verbindung mit dem Norddeutschen Bund erwogen hat, die Quellen dafür aber der deutschen Geschichtsforschung noch nicht erschlossen sind.
Weiterhin behandelte der Vortragende in großen Zügen die Verhältnisse zwischen den Kulturen Deutschlands und Böhmens, wobei er u. a. betonte,
daß nach dem großen Crweckungsprozeß der tschechk schen Nation im 19. Jahrhundert die Tschechen das Oesterreichische bekämpften und damit zugleich auch das Deutsche. Das 19. Jahrhundert war bei den Tschechen erfüllt von dem Aufbau einer antideutschen Geschichtsauffassung. Von dieser ganzen Entwicklung hatte das deutsche Volk keine rechte Vorstellung, es sah die Dinge nur durch die Augen Oesterreichs. Darauf war auch die furchtbare Ueber» raschung ii? Deutschland beim Kriegsende im Jahre 1918 zurückzuführen, die unser Volk bis heute noch nicht überwunden hat. In jener ganzen Zeit hat sich dagegen bei den Franzosen eine durchaus andere Einstellung gegenüber den Tschechen heraus* gebildet.
Der Redner setzte sich im weiteren Verlauf seiner Darlegungen dafür ein, daß dieses Nichtverstehen des deutschen Volkes überwunden wird. Als beispielgebend wies er auf die bisherige praktische Arbeit der Studenten und der Bünde der Nachkriegszeit hin, wobei er betonte, das böhmische Problem und die tschechische Frage seien Angelegenheiten des deutschen Geistes und der deutschen Volkspolitik. Die Tatsache der politischen Nachbarschaft verpflichte uns, den Blick über den Zaun hinüberzurichten und dort das politische Gelände zu sondieren. Dazu sei erforderlich, daß die Kenntnis der tschechischen Sprache sich in Deutschland mehr ausbreite als bisher, denn ohne diese Kenntnis sei keine ernsthafte Politik in dieser Richtung möglich.
Am Schlüsse feiner fesselnden Ausführungen wies der Redner auf das grundlegende und richtungweisende Wort des Führers hin, daß die deutsche Politik friedfertigen Charakters fei und fremdes Volkstum achte. Von diesem Standpunkt ausgehend, forderte er für die Zukunft eine stärkere Beschäftigung mit den Fragen der Tschechoslowakei im Rah- men der deutschen Universitäten und der Wissenschaft, die dadurch wertvolle Vorarbeit für die Aufgaben der Politik zu leisten hätten.
Der Vortrag wurde mit großer Aufmerksamkeit engegengenommen, dem Redner wurde für feine fesselnden Darlegungen in herzlicher Weise gedankt.
Deutschamerikaner und das neue Deutschland.
Die Akademische Auslands st elle der Universität Gießen, die Dozentenschaft und der Nationalsozialistische Lehrerbund hatten für den gestrigen Mittwoch in die Neue Aula der Universität zu einem Vortrag eingeladen. Redner der Veranstaltung war Pros. Dr. Krüger, der an einer amerikanischen Universität wirkt und gegenwärtig als Gastprofessor an der Hochschule für Politik in Berlin weilt.
Professor Dr. Hummel
eröffnete im Namen der Auslandsstelle der Universität und der Dozentenschaft den Abend, hieß die Teilnehmer, insbesondere aus dem Kreise des NSLB. willkommen und betonte in kurzen Ausführungen die Notwendigkeit der Aufrechterhaltung der Verbindung mit dem Auslandsdeutschtum, um hierdurch die Stimmung im Ausland, dem deutschen Mutterlande gegenüber, kennenzulernen. Mit besonderer Freude begrüßte er den Redner des Abends. Dann sprach
Professor Dr. Krüger
über das Thema „Die Stellung derDeutsch- amerikaner zum neuen Deutschland". Seinen Ausführungen sei folgendes entnommen: Der Begriff des Deutschtums in Amerika müsse richtig begrenzt werden. Dem Blute nach könnten sich viele Millionen amerikanischer Staatsbürger als Deutsche bezeichnen. Eine Reihe dieser „Deutschamerikaner" seien auf Deutschland aber immer nur dann stolz, wenn es dem Vaterland gut gehe. In anderem Falle seien sie „Dänen" oder „Schweizer". Diese Deutschamerikaner scheiden aus dem Kreis der Betrachtungen aus.
Die Amerikanisierung der Ausländer, in den Vereinigten Staaten vollziehe sich in verschiedenen Tempis, könne aber durch Heirat usw. sehr schnell geschehen.
Wichtig für die Beurteilung der Stellung der Deutschamerikaner zum neuen Deutschland seien lediglich jene Deutschen, die noch ihre Mutter
sprache sprechen, die deutsche romantische Canbr schäft kennen, deutsche Sitte üben und die Volkslieder der Heimat singen.
Diese deutschen Amerikaner bildeten eine starke Brücke zwischen den beiden Ländern, die durch vielerlei Beziehungen miteinander verbunden seien. Zum beiderseitigen Wohl müsse hier Verständnis geschaffen werden.
Der Deutschamerikaner dürfe, so betonte der Redner, in politischem Sinne nichts anderes sein, als Amerikaner. Seine Gefühlswelt und feine Gefühlswerte könnten nichtsdestoweniger dem Vaterlands verbunden bleiben. Die Auffassung gehe dahin, daß diese Deutschen, die ihre Art beibehielten, nicht nur nähmen, sondern auch ihrem neuen Vaterlande viel zu geben vemöchten.
Der Deutschamerikaner nehme ganz selbstverständlich größtes Interesse an der deutschen Heimat.
Wenig interessiert sei man an den Parteien gewesen, wohl aber sehr an Würde und an Ansehen des Mutterlandes.
Schmerzlich habe man in Amerika die Zerrissenheit im Stammlande empfunden, wie sie in den Jahren nach dem Kriege in Erscheinung getreten sei. Sehr begrüßt werde die Steigerung des Ansehens, der Würde, des Nationalstolzes und die Stärkung des Familiensinnes in Deutschland. Bewunderung hege man allaemein für die großen sozialen Taten, in denen sich Nationalismus und Sozialismus so überaus glücklich ergänzten. Die Deutschamerikaner seien bemüht, das Verständnis für Deutschland in Amerika zu fördern. Man sei sich dabei darüber klar, daß man den Nationalsozialismus aus sich selbst heraus zu verstehen versuchen müsse. Leider machten die Amerikaner allzuhäufig ihre eigene Anschauung immer wieder zum Maßstab für die Verhältnisse an- derer Länder. In diesen Fehler verfalle fast jeder wirkliche Amerikaner. Diele seien auch am Werke, die Deutschland in böswilliger Absicht nicht verstehen wollten. Die anglo-amerikanische Presse insbesondere bemühe sich durchaus nicht immer um Wahrheit über
3n Rübezahls Reich.
Von Hans Brandenburg.
An Alpenwanderungen gewöhnt, lächelt man vielleicht über das Mittelgebirge, besonders wenn es sich, wie das Riesengebirge, in seinen höheren Lagen „Hochgebirge" nennt. Und ein wenig ironisch war auch ich gestimmt, als ich nach Hirschberg aufbrach, wo mich ein befreundetes Ehepaar zu einem Skitreffen erwartete. Da fuhr mir in Görlitz der Zug vor der Nase weg. War das, sogar mit Fernwirkung, Rübezahls erster Streich? Jedenfalls stand ich wie vom Donner gerührt. Meine Freunde waren von Liegnitz aus bereits unterwegs und würden sich mein Ausbleiben nicht erklären können. Endlich kam ich auf den rettenden Gedanken, ein Zugtelegramm mit der Nachricht meiner späteren Ankunft auszugeben. Es wurde in Hirschberg richtig ausgerufen, aber auch dies Telegramm wirkte wie ein Schlag, doch ebenfalls nur wie ein kalter. Mein Freund nämlich, der Regierungsrat, hatte vor Antritt seines Urlaubs eine schriftliche Arbeit abliefern müssen in einer Angelegenheit, die schlimmstenfalls feine vorzeitige Rückkehr erforderlich machen konnte — nun glaubte er sich schon bei Beginn der Reise heimgerufen. Aber alles ging glücklich aus, wir feierten im Wartesaal heiter unser Wiedersehen und hatten auch noch einen Abendanschluß nach Krummhübel.
Dort stand, Anzeichen lebhafter Winterftische, eine ganze Reihe Pferdeschlitten am Bahnhof, und das Postauto fuhr uns hinauf nach Brückenberg. Dies ehemalige Baudendorf ist ein großer Fremdenort mit Hotels, Pensionen und Privatquartieren, man sah das im Dunkel an den vielen Lichtern, die sich überall verbreiteten, wie aus den Hängen brechend, und da und dort fast großstädtisch 'aufblendeten. Doch die Schneedecke lag dünn, ein Frühlingslüftchen wehte, und die Hänge waren sanft und harmlos. Dor dem Hause, das uns aufnehmen sollte, scherzte ich darüber und sofort fuhr neben mir warnend und drohend eine Dachlawine nieder, die ein gefährlicher Nackenstüber hätte werden können.
Morgenglut und Mondschein in seltsamem Zwielicht weckten mich am nächsten Tage. Eine Wolke sauste über die unsichtbare Schneekoppe, von unten angerötet, von oben grell versilbert. Aber wir ließen uns Zeit, denn Wochen nach Wintersonnwend ist ein Tagesausflug vom Licht schon reichlich bemessen. Als wir endlich untergeschnallt hatten, ging es die halb städtische Dorfstraße hinan, auf der uns mancher Einwohner bei feinen Morgeneinkäufen rodelnd entgegenkam. Oberhalb des Ortes am Waldrand
steht das norwegische Holzkirchlein Wang, das in seiner Heimat abgebrochen und vom Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. in dies schlesische Bergland gerettet wurde, wo es mit seinem alten Schnitzwerk, seiner nordischen Tier- und Flechtornamentik eine neue Heimat fand.
Immerzu ging es durch Fichtenwald, und ich sah wohl, daß Skifahren hier eigentlich nur wie das Nodeln ein Straßenfahren ist. Die Bauden sind stattliche Häuser, mehrstöckige Hotels mit hochgeschwungenen Dächern und ausgebautenMansarden. Skifahrer und Rodler begegneten uns häufig. Es begann leicht zu schneien, aber das machte nicht unsichtiger, sondern klärte nur die höheren Luftregionen: der Kamm trat über dem Wald heraus, wirklich ein Kamm mit Grat, eine kahle, waagerecht aus- gezogene Linie. Hoch schwebte die Prinz-Heinrich- Baude auf ihr, einmal war sie gezackt in Blöcken wie Burgruinen, ein andermal flüftete sie sich mit einem Seitental wie in mächtigen Kristallen. Ein Nebenweg, von unserer Waldstraße biegend, war, durch eine Mulde hindurch, ein kurzer Umweg über die Teichbaude, in deren behaglichem Innern wir Mittagrast hielten. Sie liegt, aus einer Fischerhütte entstanden, am kleinen Teich — er war mit seinem Eis unkenntlich zugeschneit: über ihm, höher im Gebirge, liegt der Große Teich, beides alte Glet cher- becken.
Nach dem Imbiß schlugen wir unseren Bogen zum Hauptweg zurück. Das war hier nun doch Hochgebirge. Latschen krüppelten unter Scheelasten, dazwischen wuchteten ungeheure Granittrümmer, wie von Fäusten eines spielenden Riesen geworfen und getürmt, windschief duckte sich das Kümmerholz neben ihnen. Wir zogen Kopfschützer über Ohren und Kinn, denn es blies gewaltig, und als wir aus der Mulde in Höhe der Hampelbaude ins Freiere traten, schmiß mich eine unsichtbare Hand immer wieder hin.
.Nun kämpften wir uns gipfelwärts den Hang hinauf. Er war nackt, bis auf die zwergigen und zausigen von Wettern verbogenen und verbeulten Fichten. Der Weg, völlig zugeweht, hielt seine Rich- tung nur mit eingepflanzten hohen Stecken. Der Wind, immer toller, je höher wir stiegen packte uns von der Seite. Graue Wirbel stoben über uns hin oder trichterten auf und nieder, blendendes Licht- silder schoß zuweilen hinein, daß weiß siedender Gischt wie in Kesseln um uns strudelte. Und zuweilen barst das Gewölk hoch in einem blauen otrom, der uns zu Häupten raste, aber die Sonne wurde nur für Sekunden sichtbar, ein sausend geschleuderter Ball, ein im Raumlosen rollender, strahlenlos blinder Dollmond.
Das war kein Schneesturm, das war Sturm in einer Salzwüste. Nadelspitze Kristalle fuhren uns mit Backenstreichen um« Gesicht imh fegten und wogten über den Boden in Wanderdünen, unter denen, bald begraben, bald bloßgelegt, die Fichten lagen wie Wracks und wie Rippenkörbe von Kamelen. Die hinwandernden Markierungsstecken setzten in der Windrichtung Fahnen an, starre Fransen und Finger aus Rauhreif; die Wegweiser, die als Tafeln nicht standhalten würden, zeigten ausgeschnittene Schrift, doch auch die Buchstaben wurden durch Kristallstäbchen durchspickt. Endlich wandte sich die Steckenreihe nach links, aber immer noch auswärts, wir bekamen den Sturm in den Rücken und unter die Füße, die Bahn des wirbelnden Stromes, wir breiteten die Arme aus, um uns in Segel zu verwandeln, wußten nicht, ob wir fchwim- men oder fliegen, und in Schußfahrt ging es bergauf!
Nein, dies erlebte man im Skigelände der Alpen nicht, wo die höheren Steinberge Windschatten den Almendachungen geben. Kleinlaut kehrte ich mit meinen Freunden in die Riesenbude ein, die neben dem Schlesienhaus, aber schon auf der sudetendeutschen Seite liegt, und deren einzige Gäste wir waren. An ihrer Außenwand hatte der Froststurm gewaltige Reliefs gemeißelt, überlebensgroße Eisblumen in Form plastischer Tannenlandschaften. Wir standen auf der letzten Stufe zur Schneekoppe; schimmernd trat unmittelbar vor uns für Augenblicke ihr Gipfel aus den Vorhängen auf mit der Wetterwarte, einem Turm aus Zuckerguß.
Die Abfahrt, dem Strom entgegen, mar zunächst wieder wie Ausstieg. Es ratterte und knatterte um die geschützten Ohren, die Augen pappten sich schmerzhaft zu, den Atem verschlang es — tief unten, weit von uns weg, ächzten durch den Luftlärm die Hölzer. Als man endlich in Schuß kam glitt man immer wieder auf Harsch, um immer wieder in Schneelöchern, wie in Watte, so jäh zu stoppen, daß man hinflog. In die tiefere Waldgasse gerettet, fand man hier unten überhaupt keinen Neuschnee. Die Begegnenden lachten über uns: wir kamen aus einer anderen Welt als Schnee- und Eis- männer herabgesaust, mit weißen Hauben auf dem stopf, Vordächern als Augenbrauen und mit Zavfen- barten am wollenen Kinn. v v'
Rübezahl ist nicht bösartig, wenn man ihn nicht allzu tollkühn reizt. Er spielt nur Streiche, um seine Kraft und Herrschaft zu offenbaren. Zum letzten Schabernack hatte er mir droben meine Rückfahr- fartc nach Hirschberg aus der Tasche meiner Wind- jatfe entwunden. Dafür fand ich am nächsten Mor- gen em Auto, das mich mitnahm, und so zeigte er
mir auf schöner Landstraßenfahrt sein über nackten Vorfrühlingsfeldern blauend hingebreitetes Reich. Aber er lag schon wieder lauernd mit wildgesträubtem Bart überm Kamm, auf einem Sack voll Sturm.
Zeitschriften.
— „Der Naturforscher", vereint mit „Natur und Technik", Hugo Bermühler-Verlaq, Berlin- — Wer Freude an allem Natur» Uschehn empfindet, kann sie durch eine Fülle neuen Wissens vertiefen, wenn er das ausgezeichnete Jebruar=S)eft dieser führenden naturkundlichen Zeitschrift zur Hand nimmt. Das eindrucksvolle Titelbild wacht zunächst auf „Das Leben in der Tieftee" auf« merffam einen Bericht Dr. Fritz Geßners, der an Hand zahlreicher Bilder zeigt, welche merkwürdigen normen die Lebewesen im Dunkel der Tiefsee an- nehmen Prof. Dr. Max Hartmann macht dem Leser seines Aufsatzes über „Allgemeine bipolare Zweige schlecht licht eit" die schwierigen Aufgaben bei der Untersuchung der Befruchtungsvorgänge und deren wsyer gefundenen Lösungen verständlich. Sie sind für die Vererbungslehre von hoher Wichtigkeit. Daß we oft zu Unrecht belächelten „Bauernregeln" vielfach durch wissenschaftliche Nachprüfung erhärtete Berufserfahrungen und Ergebnisse mehr als hun- dersiahriaer Beobachtungen sind, weist der bekannte Meteorologe Prof. R. Spitaler nach. Geologisch und urgeschichtlich bemerkenswert ist das was Helmuth Cramer über „Mensch und Höhlenbär" unter Beigabe eindrucksvoller Bilder zu erzählen hat. — Von seiner letzten Gran Chaco-Expedition hat Universitätsprofessor Dr. Hans Krieg neue Be- obachtungen über die „Jndianerhunde im Gran Chaco" mitgebracht. „Ueber den heutigen Stand der Wundbehandlung", wie sie die Erfahrungen des großen Krieges mit sich gebracht haben, berichtet Professor Dr. Georg Magnus. Im Abschnitt „Natur- schütz bietet Prof. Dr. Schvenichen einen schön bebilderten Aufsatz „Von alten Hudewäldern". „Kleine Beitrage aus allen Gebieten", „Forschungsergeb- m se , die „Bucherschau", der Bericht über Neuerscheinungen und eine stets willkommene Preis- frage schließen dieses reichhaltige Heft ab.
Hochschulnachnchten.
Der Reichsstatthalter in Bayern hat auf Vorschlag i r9fn^rerif^n Landesregierung mit Wirkung vom
. pr“...J93^ ?en ordentlichen Professor an der U^rsitat Zürich, Dr. Walter Vogt, zum ^-Professor für Anatomie an W Uni- versitat München ernannt.


