den Nachmittag gelegt, um auch den auswärtigen Volksgenossen Gelegenheit zu geben, diese Aufführung zu besuchen. Die Preise der Plätze sind sehr niedrig gehalten und kosten 30 Pf., 70 Pf., 1 Mark, 1,30 Mark und 1,50 Mark. Karten sind im Vorverkauf erhältlich: Schokoladenhaus Huntemann, Seltersweg, Musikhaus Challier, Neuenweg, Kreisdienststelle „KdF.", Schanzenstrahe 18.
Sportamt „Kraft durch Freude".
heule folgende Kurse:
Allgemeine Körperschule für Frauen und Männer. Von 20.30 bis 21.30 Uhr Lyzeum, Dammstraße 26 (Teilnahme jederzeit möglich).
Reiten. Von 20 bis 21 und von 21 bis 22 Uhr, Reitschule Schömbs.
Anmeldungen für Hallentennis (Samstagnachmittag und Sonntagvormittag) und Ski- Trocken (Freitagabend) werden noch auf dem Sportamt entgegengenommen.
liege Bautätigkeit im Schwarzlachgebiet.
Im Laufe dieses Sommers find an der Ecke Ederstraße und Asterweg drei Baublöcke im Rohbau erstellt worden, die jetzt im Innern ausgebaut werden. Nunmehr hat man, um den Baublock Ecke Asterweg und Schottstraße gegen den Schwarzlachweg zu schließen, mit drei weiteren Baugruppen begonnen; es kommen hier zirka 25 Kleinwohnungen, meistens Zweizimmerwohnungen zur Ausführung, die durch die Baufirma Frese zu Schwelm erbaut werden. Ferner werden auf der Nordseite des Schwarzlachweges mehrere Blöcke Kleinstwohnungen zur Ausführung gebracht. Mit diesen Bauvorhaben ist man fast bis zur Einmündung der Marburger Straße gekommen, so daß bald mit dem Durchgangsverkehr zwischen Marburger Straße und Weserstraße gerechnet werden kann.
StelltmöblierteZimmerzurVerfügung!
Wie das Studentenwerk Gießen uns mitteilt, steht der starken Nachfrage von Studierenden nach möblierten Zimmern gegenwärtig ein durchaus unzureichendes Angebot an Zimmern gegenüber. Durch die zahlenmäßige Abgrenzung der großen Hochschulen ist ein starker Zuzug von Studenten nach Gießen zu erwarten. Im Hinblick auf diese Sachlage hat die Stadtverwaltung die für ihre Beamten, Angestellten und Mieter seinerzeit verfügten Beschränkungen, die zur Sicherung der Lebenshaltung bedürftiger Vermieter das Vermieten von Zimmern untersagte, vorübergehend aufgehoben. Man beachte die heutige Anzeige des Studentenwerks.
Kriegerkameradschast Gießen.
Die Kriegerkameradschaft von 1874 Gießen hielt gestern im Cafö Ebel einen Kameradschaftsabend ab, in dessen Mistelpunkt die Herausgabe der Parole für neue Werbung aller alten Soldaten nach den letzten Weisungen durch den Kameradschaftsführer, Landgerichtsrat T r ü m p e r t, stand. Zur Freude aller konnte man auch den neuen Kreisverbands- führer, Oberst a. D. K o e 11 s ch a u (Bad-Nauheim), mit seinem Adjutanten Major a. D. Kindel, begrüßen.
Nachdem des verstorbenen Kameraden, Metzger- meisters Klein in ehrender Weise gedacht worden war, sprach der Kameradschaftsführer Trümpert die Freude darüber aus, daß der Führer und Reickskanzler dem Kyffhäuser-Bund neue Wege gewiesen und zum Zeichen der Verbundenheit der alten Soldaten mit dem Dritten Reich die Führung des Hakenkreuzes in der Bundesfahne gestattet hat. Gleichzeitig hat der Führer dem Oberst a. D. Rein- hard für Sie Führung des Bundes feine Anerkennung ausgesprochen.
Hierauf kam die neue Satzung zur Verlesung, die die Richtlinien für eine in engster Verbindung mit der nationalsozialistischen Weltanschauung stehende Mitarbeit gibt und ab 1. Januar 1936 in Kraft tritt.
Ein vorgesehener Vortrag „Hessenfriedyöfe in Belgien" wurde auf den Dezember verschoben. Oberst a. D. Koe11schau gab in seiner Eigenschaft als Bezirksverbandsführer einige wichtige Erklärrungen, z. B. über die Weihe der neuen Fahne. Die SAL.-Ausweise sind nur noch bis Dezember gültig. Mit dem neuen Jahre erhalten die Kyff- häuser-Kameraden, die der SAL. angehören, einen neuen Ausweis, zugleich mit dem neuen Mitgliedsbuch. Kameraden, die nicht dem Bunde angehören, bekommen einen besonderen Ausweis über den Kyff- Häuser-Bund.
Im Dezember wird auch in Gießen der Tonfilm vom Kyffhäusertag „Im Gleichschritt und Tritt"
aufgeführt, der eine Werbung für die neuen, dem Bunde auferlegten Aufgaben fein soll.
Als eine der wichtigsten Aufgaben ist das Schießen anzusehen. Der Kreisverband Gießen hat zwei Wanderpreise für die beste Schießgruppe und den besten Einzelschüßen gestiftet, die durch Oberst a. D. K o e 11 s ch a u zum ersten Male an die Gruppe Gießen (Hch. Appel 153 Ringe, Willi Georg 145, Georg Schilling 144, Willi Heinbach 133, insgesamt 575 Ringe) und an den besten Einzelschützen Willi Schilling mit 159 Ringen, der eine Hitler-Plakette erhielt, überreichen konnte, wobei der Kreisverbandsführer die Freude darüber aussprach, daß es gerade die Gruppe Gießen ist, die diese Wanderpreise zum ersten Male errang. Vereinsschießleiter Wagner dankte dem Kreisverbandsführer für die Ehrung und nahm bann wei- tere Auszeichnungen vor. Er überreichte die silberne Ehrennadel an Hch. Appel, Willi Schilling und Hch. Fleck, die bronzene an Rud. Reiber jr., Kreisschießleiter Albin Klein warb dann für die Schießübungen aller Kameraden bis zum 65. Lebensjahr. Er hob hervor, daß von den 78 Kameradschaften des Kreises mit 5000 Mitgliedern nur 960
den muß, ist bei wechselnder Beschäftigungszahl nicht der Jahresdurchschnitt zu Grunde zu legen, sondern die Beschäftigungszahl während des regelmäßigen Betriebsftandes. Für Saisonbetriebe gilt die gleiche gesetzliche Regelung. In Saisonbetrieben ist dann ein Dertrauensrat zu bilden, wenn während des größten Teiles des Jahres 20 Gefolgschaftsmänner beschäftigt werden. Der Bestand des Vertrauensrates hängt während seiner Amtsdauer nicht von der wechselnden Zahl der Belegschaft ab. Nur wenn die Belegschaft des Betriebes dauernd die Grundzahl von 20 Beschäftigten unterschreitet, also der Betrieb zum Kleinbetrieb umgestellt wird, ist für den Vertrauensrat als Mittler zwischen Betriebsführer und Gefolgschaft kein Platz mehr (RAG. 105/35 — sw. 72/20. 9. 35).
Gemeindeabend der petrusgemeinde.
Man berichtet uns: Zum Gedenken an die große Glaubenstat des Reformators Martin Luther veranstaltete die Männervereinigung der Petrusgemeinde am 31. Oktober einen sehr gut besuchten Gemeindeabend. Der Redner des Abends, Studienrat Pfarrer Reinhardt, stellte unter Zugrunde
Feierstunde zum 9. November am Samstag, dem 9. November, 20!thr, auf dem Oswaldsgarten
Es nehmen teil:
sämtliche Politischen Leiter aus Gießen, die vier Gießener Ortsgruppen, sämtliche Gliederungen und angeschlossenen Verbände der NSDAP.
Alle Volksgenossen unserer Stadt werden aufgesordert, an dieser Feierstunde teilzunehmen und werden hiermit dazu eingeladen. Die Mitglieder der Wehrmacht, die Reichs- und Staatsbehörden, der Arbeitsdienst werden hiermit ebenfalls eingeladen.
Fe ie r f o l g e:
1. Fahneneinmarsch. Begleitung dazu Landsknechttrommeln des Jungvolks.
2. Iahnenspruch, gesprochen von einem hitlerjungen.
3. Feiermusik, gespielt von dem Musikzug der SA.-Standarte 116: „Feiermusik zum 9. November von Erich Lauer".
4. Totenehrung. Sprecher Obersturmbannführer Parteigenosse 2N ü n k e r.
5. Feieransprache. Ls spricht der Kreisleiter.
6. Iahnenspruch. Sprechchor der Hitler-Zugend.
7. Aebersührung der Hitler-Jugend, hierzu spricht der llnkerbannführer Schneider.
8. Sieg-Heil auf den Führer und Horst-Wessel-Lied.
9. Großer Zapfenstreich, gespielt von dem Musikzug der SA.-Standarte 116.
Sonderveranstaltungen einzelner Ortsgruppen oder Gliederungen müssen während dieser Feier ausfallen. Ende gegen 21.30 Ahr.
heil Hitler!
Gez.: Schmelz, Kreispropagandaleiter.
teilgenommen haben, die insgesamt etwa 72 000 Ringe schossen, von denen die 130 Gießener Mann allein 8000 erzielten. Den Kameraden Georg, Heinbach, Schilling und Appel sagte er besonderen Dank für ihre Einsatzbereitschaft.
Der Kreisverbandsführer stiftete für die besten Einzelschützen über 50 Jahre einen neuen Wanderpreis.
Nachdem Kamerad Trümpert noch auf das Winterhilfswerk und besonders auf den Briefmarkenverkauf der Gießener NS.-Volkswohlfahrt, sowie auf das 62. Stiftungsfest im Januar 1936 aufmerksam gemacht hatte, schloß er den Abend mit dem Treuebekenntnis zu Führer und Volk.
Wann ist ein Betrieb vertrauensratspflichtig?
Das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit bestimmt, daß in einem Betrieb mit in der Regel mindestens 20 Beschäftigten ein Vertrauensrat zu bilden ist. Zu dieser Gesetzesbestimmung liegt jetzt eine Stellungnahme des Rvichsarbeitsgerichts vor, in der es heißt: Für die Frage, ob nach der Zahl der Beschäftigten ein Vertrauensrat geoilöet Ver
legung des 2. Timotheus-Briefes, Kapitel II, Vers 9, und der 62. These Luther und fein Werk ins rechte Licht. Luther hat zunächst im Auftrag Gottes gehandelt all die anderen Taten, wie die Befreiung aus fremder Knechtschaft und die Schaffung der deutschen Schriftsprache, sind erst aus seinem Gotteshandeln als Zugaben entstanden. Er war in erster Linie ein Gottesstreiter, und als solcher muß er beurteilt werden. Drei Abschnitte sind in seinem Leben und Wirken zu unterscheiden: fein persönlicher Kampf, sein Kampf in der Oeffentlichkeit und fein Aufbauwerk. Schon in frühester Jugend brannte ihm der Stachel in der Seele: „Wie komme ich mit meinem Gott — und damit meinte er den ernsten richtenden Gott — in ein reines Verhältnis?" Nach tiefem Dunkel und Zusammenbruch ist ihm der gnädige und gütige Gott im Evangelium aufgegangen. Nun fühlte er sich berufen zum Kampf in der Oeffentlichkeit. Denn Christenleben bedeutete für Luther eine Lebenshaltung! Er war bei feinem Kämpfen gebunden nur an Gott. So konnte er seinem deutschen Volke die deutsche Muttersprache schenken, die er schuf in dem gewaltigen Werk der Bibelübersetzung, er schenkte uns deutsch? Volks-
Arbeiter der Stirn
vereinigt euch im Reichsberufswettkampf mit den Arbeitern der Faust. Hitler-Jugend, Arbeitsfront und Fachschulschaft gingen voran; ihnen folgt jetzt die Studentenschaft mit dem
Reichsleistungskampf
der deutschen Studenten.
Student! Beweise durch wortlose Leistung uäne Berechtigung in der Volksgemeinschaft. Das ist Sozialismus der Tat! Auf zum Kampf gegen dich selbst. An die Arbeit.
Melde dich sofort bei der Studentenschaftsleitung (Studentenhaus).
Für den Durchführungs- und Dettkampfausschuß: Der Leiter des Reichsleistungskampfes: gez. Kissel. Der komm. Studentenschaftsleiter und Hochschulgruppenführer des RSDStV.: gez. Friedrich. Der Rektor der Landesuniversität: gez. Pfähler.
Der Führer des Bannes 116 der Hitler-Jugend: gez. Schreiber.
Der Kreiswalter der Deutschen Arbeitsfront: gez. Wagner.
lieber, den deutschen Gemeindegesang zum herzhaften Mitsingen im deutschen Gemeindegottesdienst, damit wir mit Gott eins würden, und nicht zuletzt den deutschen Katechismus für die deutsche Jugend. Luther hat erfahren müssen, daß, als die Bauern, die Humanisten, die Ritter und Fürsten ihre Ziele bei ihm nicht verwirklicht sahen, sie ihn deshalb verlassen haben. Doch er ging seinen Weg geradlinig, wie er ihm durch das Evangelium oorgeschrieben war. Für uns kann es sich heute, wie bei Luther, auch nur um die Frage handeln: Was hat Gott, der ungebunden ist, an uns für Forderungen? Trotz aller Auseinandersetzungen lieben wir unsere Kirche als die Kirche des Glaubens^ des göttlichen Wortes, des Kampfes, des Friedens und als die Kirche des deutschen Volkes. Wir tragen sie auf betendem Herzen, damit Einhalt und Einigkeit in ihr werde.
Nach einem Liede des Frauenchors zeigte Gemeindepfarrer Trapp Lichtbilder von der praktischen Arbeit des Gustav-Adolf-Vereins für Kirche und Volk. Sie vermittelten einen Eindruck von dem Schaffen und Wirken dieses volkstümlichen Vereins auf den weitverzweigten Gebieten der Diaspora.
Die wohlgelungene Veranstaltung fand mit Lied und Segen ihr Ende.
** Straßensperrung. Wegen Ausführung von Wohnungsbauten in der Schwarzlach ist der Schwarzlachweg zwischen Schottstraße und Asterweg von Montag, 4. November, ab bis auf weiteres für den gesamten Fahrzeugoerkehr polizeilich gesperrt worden. Die aufgestellten Sperr« und Umleitungsschilder sind zu beachten.
** Arbeitsvergebung. Der katholische Kirchenvorstand schreibt in unserem heutigen Anzeigenteil die Vergebung von Arbeiten zum Ausbau der katholischen Kirche in Gießen aus. Interessenten seien auf die Bekanntmachung besonders hingewiesen.
Amtsgericht Gietzen.
Mittels Strafbefehls wurde der W. O. aus Gießen roegen Sachbeschädigung und groben Unfugs mit 2 Wochen Gefängnis und 3 Tagen Haft belegt. Der Angeklagte wollte am 4. 7. d. I. Möbel, die bei feinem Sohn untergestellt waren, abholen. Dabei kam es zu Streitigkeiten, bei denen der Angeklagte eine Türfüllung eintrat und fick mit Familienangehörigen herumschlug. Da der Angeklagte in der gestrigen Sitzung wissentlich die Unwahrheit sagte, wurde die Gefängnis st rafe auf 3 Wochen erhöht, während es bei der Haftstrafe verblieb.
• Photo
4630 D
Seltersweg 67 Telephon 3170
uh!
MMVMIWU
Vornan von Frank I. Braun.
4 Fortsetzung. Nachdruck oerboten!
Lena Bassenberg hatt das Anklopfen überhört. „Was gibt es?" rief sie erschrocken, neues Unglück erwartend. Kam ein Brief, meldete sich Basilius schon wieder?
Die Zofe sah sie verwundert an. „Nichts, gnädige Frau, ich wollte nur erinnern, daß gnädige Frau um elf Uhr beim Schneider verabredet find."
„Ja", sagte sie, „es ist gut, Sofie. Sie brauchen mir nicht zu helfen, lassen Sie nur."
Das Mädchen ging wieder hinaus. Lena Bassenberg blieb sitzen, wo sie saß. Sie sah sich nicht im Spiegel; sie vergaß, was sie sich oorgenommen hatte. Nicht zum Schneider würde sie heute vormittag gehen. Ihr Entschluß war gefaßt. Allein konnte man das nicht tragen. Ihrem Mann wollte und durfte sie sich doch nicht anoertrauen. Nicht an sich, an ihn dachte sie dabei, ihm wollte sie solche Erschütterung ersparen.
Wenn überhaupt hier jemand Rat wußte, wenn es einen Menschen gab, dem sie sich mitteilen durfte ohne Fucht, war das nur Franz Farrenkorn, ihr alter Freund, Freund auch ihrem Manne. War er nicht Rechtsanwalt? Sie würde ihm alles sagen und dann — mußte er einen Rat wissen, wie man dieses Basilius Herr wurde.
Sie stand auf. Wie eine Erlösung war der Entschluß gekommen. Nie war sie jemals so rasch mit Ankleiden fertig geworden wie an diesem Tage. Ueberflüffig, bei Farrenkorn anzurufen und sich anzumelden. Sie wußte, daß er in seinem Büro fein würde. Kaum nahm sie zum Kaffee einen kleinen Imbiß zu sich, dann trieb es sie schon auf die Straße.
Sie wollte die kurze Strecke zu Fuß gehen. Ihr fiel nicht auf, daß auf der anderen Straßenseite ein Herr ihr folgte. Aber der lange Jabusch, er, der als erster Lena Bassenberg entdeckt hatte, erkannte sie auch jetzt sofort. Auftragsgemäß folgte er ihr, und erst als er sah, wie sie vor dem Hause des Rechtsanwalts abbog, bereit war, einzutreten, rief er sie an und tief hinüber.
„Guten Morgen, gnädige Frau", sagte er und lüftete höflich den Hut. „Sie erkennen mich wohl nicht mehr? Alwin Jabusch, ich war und bin der Freund Ihres Gatten Basilius. Wie die Zeit hingeht, nicht wahr?"
Das war ja nun eigentlich eine mehr dumme, als drohende Rede; aber Lena Bassenberg erschrak doch zutiefst.
Jabusch stellte die Wirkung seiner Worte mit Befriedigung fest. Er wies mit der Hand auf das Emaittefchild an der Hausmauer. Rechtsanwalt und Notar Dr. Farrenkorn stand da schwarz auf weiß, es leuchtete förmlich. „Sie wollen doch nicht etwa zum Anwalt? Das wäre das Ungeschickteste, was Sie tun könnten, gnädige Frau."
Sie erholte sich. „Wie kommen Sie hierher, was bedeuten Ihre Worte?"
„Ich habe auf Sie gewartet", gestand er schlicht und wahrheitsgemäß. „Basilius wünscht es. Er sagte zu mir: halte die Frau von unbedachten Schritten ab, Alwin, sage ihr, sobald sie etwas gegen mich unternimmt, schlage ich zu."
Lena Bassenberg war ganz ruhig. „Das heißt?"
Er wiegte den Kopf auf dem langen Hals. „Das heißt", wiederholte er, „ich hielt es für einen unbedachten Schritt, als ich feftftellte, Sie wollten zum Rechtsanwalt hier hinein. Oder wollen Sie wissen, was Basilius meint, wenn er vom Zuschlägen spricht? Auch das kann ich Ihnen andeuten. Er hat ein paar Artikel für die Presse bereit, in denen neben mancher Aufklärung davon die Rede ist, daß Sie sein Schweigen mit einer Perlenkette zu erkaufen versucht haben."
Lena Bassenberg spürte, wie alles Blut aus ihrem Gesicht wich. Ihre ganze Kraft mußte sie aufbieten, diesem Mithelfer Basilius nicht ihre Schwäche zu verraten. Sie begriff, jetzt konnte sie nicht zu yranj Farrenkorn gehen. Man durfte Basilius nicht reizen. Es hieß wohl oder übel abwarten, was er unternehmen würde. I
Sie drehte sich auf der Stelle um, ohne Jabusch noch eines einzigen Blickes zu würdigen, und schritt den Weg zurück, den sie eben gekommen war. Sie hatte die Zähne in die Lippen gebissen vor Zorn, Haß und Ohnmacht.
Jabuschs freundlicher Gruß tönte ihr höhnend in die Ohren: „Guten Tag, gnädige Frau/
Lena sah sich nicht um. Was tun? Nach Hause, warten in Untätigkeit, daß die Lawine ins Rollen komme? Ich bin ihm ausgeliefert, er wird Kübel voll Schmach und Schande über mich ausgießen, über meinen armen Mann, wenn ich ihm nicht zu Willen bin. Was ist fein Wille? Qualvolles Abwarten. Blieb ihr wirklich sonst keine Möglichkeit?
Sie schritt den nicht langen Weg wie eine Betrunkene. Ein Herr sah ihr erstaunt nach. Aus ihren weitoffenen Augen rannen die Tränen. Sie wischte sie nicht ab.
3. Kapitel.
Der Jungfernstieg war wieder einmal aufgerissen. Man verlängerte den Schacht der Untergrundbahn. Jolly turnte gerade über einen Sandhaufen, eine Notbrücke vermeidend, als ihm ein Mann entgegen» kam, ihm sozusagen über den Weg lief, dessen Auftauchen ihm einen beklemmenden Schreck einjagte. Der großgewachsene Mann mit dem blonden Bürstenschnurrbart war Kriminalinspektor Reußing.
Jolly sah zu Boden. Das konnte nicht auffallen. Die Erde war hier uneben. Aber er starrte wohl ZU angelegentlich zur Erde. Oder hatte Oberinspektor Reußing ihn schon vorher bemerkt? Ein Ausweichen war nicht mehr möglich.
Als sie dicht nebeneinander vorbei mußten, hüstelte Reußing auf eine fo bestimmte Art, daß Jolly verstand, es war unsinnig, das Gesicht zu verstecken. Er schaute auf, grüßte mit gutgespielter Überraschung und nahm den Hut ab.
Der Oberinspektor blieb stehen. Er faßte ebenfalls an seinen Hut. „Sieh an, der Herr Jean Jolly in Hamburg." Seine blauen Augen lachten und zwinkerten den anderen an. „Darf man wissen: bleiben Sie länger hier, sind Sie gemeldet?"
Jolly schüttelte den Kopf. „Ich befinde mich noch aus der Zimmersuche, Herr Oberinspektor, bin gerade gekommen. Sie sind der erste Bekannte, den ich hier treffe."
Reußing gab das Lächeln nicht auf. „Natürlich", fagte er heiter, „Glück muß der Mensch haben. Werden wir miteinander zu tun haben, Jolly?"
Der vormalige Schauspieler wehrte ab. „Bestimmt nicht. Herr Oberinspektor: diesmal nicht."
„Sie sind allein? Oder ist Herr Basilius auch hier in der Stadt?"
,.3ch bin allein", log Jolly. „Basilius ist in nun ja, in Budapest geblieben.*
Oberinspektor Reußing nickte. „Ich suche Ihren Freund nicht", sagte er. „Sie hätten mir getrost die Wahrheit sagen dürfen." Er tippte zum Abschied an seinen Hut.
Jolly grüßte höflich. „Auf Wiedersehen, Herr Oberinspektor", sagte er gedankenlos, und erst als die Worte heraus waren, fiel chm ein, daß er nichts mehr hoffte, als daß dieser Wunsch nicht in Erfüllung gehen möchte.
Er blieb vor einem Zigarrenladen stehen, tat, als betrachte er die Auslagen und äugte dem Kriminalbeamten nach, bis er ganz sicher war, daß Reußing am andern Ende des Jungfernstieges verschwand. Dann erst bestieg er den Autobus und fuhr nach Barmbeck, wo sie — noch weit hinter dem Bahnhof — in einem Neubaublock wohnten.
Sie — das waren Basilius, Jabusch und er. Jabusch hatte die Wohnung im vierten Stock unter der Hand gemietet; für acht Wochen nur. Offiziell wußte rein Mensch etwas davon. Denn das Haus war noch gar nicht fertig. Im Erdgeschoß arbeiteten noch die Maurer. Am Tage, wo der Bauherr es abnehmen würde, mußten sie hinaus. Aber so lange wollten sie gar nicht warten.
Basilius und Jabusch saßen auf Stühlen um den runden Tisch. Die Luft im Zimmer war blau von Tabakrauch. Jolly mußte husten, als er eintrat. Sie hatten ihn in dem stillen Haus, die Arbeiter hatten schon Feierabend gemacht, längst gehört und waren nicht überrascht. Aber Jolly brachte sie beide sehr rasch aus ihrem Gleichmut.
Gr trat an den Tisch, selber noch unter dem Eindruck seiner Begegnung und stieß hastig hervor: „Wißt ihr, wer in der Stadt ist?" und als Basilius und Jabusch ihn verdutzt ansahen, rief er den Namen „Reußing!".
Jabusch zuckte zusammen, als habe er sich an feiner Zigarre verbrannt. Basilius blinzelte Jolly an, als erkenne er ihn nicht gut. „Woher weißt du das?" wollte' er wissen.
Soth) setzte sich; er fächelte sich Kühlung zu. „Ick bin ihm begegnet", erzählte er; „leider konnte ich nicht mehr ausweichen. Wir wechselten einige Worte miteinander. Reußing, hat ja diese verflixte biedere Art. Er fragte übrigens nach dir, Basil. Er wollte wissen, ob du auch in Hamburg seiest. Ich verneinte das natürlich. Scheinbar gab er sich damit zufrieden.*
(Fortsetzung folgt!)


