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Neue britisch italienische Fühlungnahme.

England erläutert in Rom die Gründe für die Beibehaltung feiner Flottenstärke im Mittelmeer

Rom, 5. Nov. (DNB.) Eine neue Unterredung zwischen Mussolini und dem britischen Bot­schafter Sir Eric Drummond, die mehr als eine Stunde dauerte, hat in politischen Kreisen einen guten Eindruck hinterlassen. Man erklärt, die Besprechung habe zwar keine Entscheidung gebracht, sie sei indessen doch bemerkenswert insofern, als die Aussprache über das im Augenblick heikelste Thema des Aufenthalts der englischen Flotte im Mittelmeer fortgesetzt werden konnte. Die italienische Zurückziehung einer Division aus der Kyrenaika hat bis jetzt auf englischer Seite keine Gegenmaßnahmen ausgelöst. Man darf an­nehmen, daß der englische Botschafter heute d i e Gründe dafür noch einmal dargelegt hat.

Englands Vorbehalte

London, 6 Nov (DNB. Funkspruch.) Reuter berichtet über die Unterredung des britischen Bot­schafters in Rom mit Mussolini, daß diese Bespre­chung kein endgültiges Ergebnis gezeitigt habe. Die Stimmung sei aber etwas hoff­nungsvoller. Mussolini habe Sir Eric Drum­mond an die Zurückziehung einer italienischen Devi- sion aus Libyen erinnert und die Hoffnung ausge­drückt, daß diese Geste in England gewür- d i gt worden sei. Der Botschafter habe bestätigt, daß feine Regierung diese Maßnahme würdige, er habe aber darauf hingewiesen, daß es noch immer 60 000 italienische Soldaten in Libyen gebe, d h. das dreifache der britischen und ägyptischen Truppen in Aegyp- t e n. Die britische Regierung glaube noch nicht, so habe er zu verstehen gegeben, daß die Lage eine Verminderung der britischen Seestreitkräfte im Mit­telmeer gestatte. Deren Anwesenheit dort sei eine reine Vorsichtsmaßnahme. Reuter fügt hinzu, man müsse im Auge behalten, daß der ein­zige praktische Weg für eine Invasion an der Küste entlang führe und daß infolgedessen die wirksamste Verteidigung Aegyptens vonder bri­tischen Seemacht abhängen würde

Das Echo in Paris.

Paris, 6. Nov. (DNB. Funkspruch.) Die Unter­redung Mussolinis mit dem englischen Botschafter wird in Paris im Sinne einer weiteren Ent­spannung der italienisch-englischen Beziehungen ausgelegt. Die römischen Berichterstatter der Pariser Blätter erklären zwar übereinstimmend, daß eine greifbare Lösung noch nicht gefunden worden sei und auch vor den englischen Wahlen nicht erwartet werde, daß aber nichtsdesto­weniger ein weiterer Schritt auf dem Wege zu einer Lösung getan worden sei. Man ist der Auf­fassung, daß der italienisch-abessinische Krieg bei den ganzen Verhandlungen nur eine nebensächliche Rolle spiele und daß es sich vielmehr darum han­dele, ein neues Gleichgewicht im Mit­te l m e e r herzustellen. Einige Blätter glauben deshalb auch, den Besuch Sir Eric Drummonds mit den augenblicklich in London, stattfindenden vorbereitenden Besprechungen für die Flottenkonferenz in Zusammenhang brin­gen zu können.Petit Parisien" schreibt u. a.: Um sich ein klares Bild der gegenwärtigen Verhandlun­gen machen zu können, müsse man immer wieder berücksichtigen, daß die englische Regierung ihre Flotte nicht im Mittelmeer zusammengezogen habe, weil sie irgendeine Gefahr durch die möglichen Auswirkungen des italienisch-abessinischen Krieges befürchte, sondern weil sie infolge gewisser Reden und Erklärungen, die besser unterblieben wären, ihre Stellung in Aegypten bedroht sah. Heute sei es aber klar, daß auf beiden Seiten keinerlei kriegerische Absichten beständen, England brauche wegen Aegypten nichts mehr zu befürchten. Deshalb scheine dem Rückzug einiger englischer Ein­heiten aus dem Mittelmeer auch nichts mehr im Wege zu stehen.

Schwierigkeiten für die Sanktionskonferenz.

Genf, 5. Nov. (DNB.) Im Unterausschuß der Sanktionskonferenz für Transitfragen wurde die Frage erörtert, wie verhindert werden solle, daß

Erzeugnisse, deren Ausfuhr nach Italien verboten ist, durch das Gebiet von Ländern, die an den Sanktionen nicht teilnehmen, trotzdem nach Italien gelangten. Hierzu lag ein französi­scher Vorschlag vor, wonach die Ausfuhr nach den Ländern, die nicht Mitglieder des Völkerbundes sind, und überhaupt nach den an den Sanktionen nicht teilnehmenden Ländern auf den Umfang beschränkt werden solle, der dem Durch­schnitt dieser Ausfuhr in den letzten zwei Jahren entspricht. Von englischer Seite wurde angeregt, daraus zu achten, ob eine beträchtliche Vermehrung der Ausfuhr der Staaten, die nicht Mitglieder des Völkerbundes sind, nach Italien festgestellt werde, und in diesem Falle durch den Arbeitsausschuß der Konferenz entsprechende Maßnahmen prüfen zu las­sen. Ein dritter Vorschlag ging dahin, die Konfe­

renz solle lediglich auf eine etwaige unverhältnis­mäßige Vermehrung der Ausfuhr aus Sanktions­ländern in die nicht teilnehmenden Länder achten. Ein Beschluß wurde nicht gefaßt.

Auch Petroleum, Stahl und Kohle in die Einfuhrsperre einbezogen.

Genf, 5. Nov. (DNB.) Der Unterausschuß der Sanktionskonferenz für Wirtschaftsfragen hat auf kanadischen Vorschlag die Verbotsliste für Rohstoff­lieferungen nach Italien auf folgende Erzeugnisse ausgedehnt: Petroleum, Eisen und Stahl und Kohle, sowie die daraus gewonnenen Brenn­stoffe. Wenn die Antworten der Regierungen auf diesen Vorschlag es angezeigt erscheinen lassen, wird der Arbeitsausschuß den Regierungen einen Zeit­punkt für das Jnkraftreten der Maßnahmen Vor­schlägen.

Aus aller Wett.

Ein zweiterSoll Tetzner"'?

Vor dem Rudolstädter Schwurgericht beginnt jetzt ein Prozeß gegen den 42 Jahre alten, verheirateten Heinrich A l b e r d i n g aus Fulda wegen Mor­des und Versicherungsbetrugs. Es han­delt sich dabei um eine Tat, die große Aehnlichkeit mit dem Fall Tetzner hat, der seinerzeit großes Aufsehen erregte. Am 23. August 1928 fanden Bee­rensucher in einem dichten Unterholz bei Saalfeld den Leichnam eines Mannes, dessen Kleidung zum Teil verbrannt war. Bald wurde klar, daß dieser Unbekannte einem Verbrechen zum Opfer gefallen war. In den Taschen des Toten fand man Papiere, nach denen es sich um den jetzt angeklagten Alber­ding handeln sollte, der in Fulda verheiratet war und drei Kinder hatte. Nachforschungen ergaben, daß Alberding in der Tat seit Januar 1928 aus Fulda spurlos verschwunden war. Jedoch glaubte man nach Lage der Dinge nicht daran, daß der Tote Alberding sein könnte und der Verdacht, daß hier ein Mord in Verbindung mit Versicherungs­betrug oorlag, als dessen Täter Alberding selbst in Frage kommen mußte, verdichtete sich mehr und mehr. Als die Kriminalpolizei Ermitt­lung enaufnahm, mußte man feststellen, daß der Tote ein Mann im Alter von etwa 21 bis 30 Jah­ren gewesen war, während Alberding zu jener Zeit im Alter von 36 Jahren stand. Eine über­raschend neue Sachlage ergab sich, als man ermit­telte, daß Alberding drei Wochen vor seinem Ver­schwinden eine Lebensversicherung abge­schlossen hatte, durch die seiner Familie im Falle seines Todes der Betrag von 25000 Mark ausgezahlt werden sollte. Die Persönlichkeit des Toten konnte trotz lebhafter Bemühungen nicht ermittelt werden. Alberding blieb verschwunden. Fast schien es, als ob die Mordtat ungeklärt blei­ben sollte. Da wurde nach über sechs Jahren, am 18. Juni 1934, Alberding in Fulda plötzlich auf der Straße entdeckt, als er zu feiner Familie zurück- kehren wollte. Er wurde verhaftet und nach Rudolstadt ins Untersuchungsgefängnis gebracht. Nachdem nun die Voruntersuchungen abgeschlossen sind, wird sich der Angeklagte vor dem Schwurge­richt zu verantworten haben.

Vollstreckung eines Todesurteils.

In Heilbronn ist der 1889 geborene Friedrich Haarer hingerichtet worden. Er war vom Schwurgericht in Heilbronn wegen Mordes zum Tode verurteilt worden. Haarer hatte am 17. April 1934 den Strafanstaltskommissar Johannes ©triff- l e r von Ludwigsburg auf einem Kartoffelacker der Markung Mundelsheim aus unbegründetem Haß ohne vorausgegangenen Streit erschossen.

Neuer Gangstermord in Amerika aufgedeckt.

In der Nähe von Monte Cello im Staate Neu- york ist ein neuer Gang st ermord aufgedeckt worden. Die Polizei fand dort in einer alten Scheune in einem flach ausgehobenen Grabe, das mit Kalk angefüllt war, die Leiche eines Man­nes, der als ein gewisser Charles Chink Sher­man identifiziert werden konnte. Der Kopf Sher­mans war vollkommen zerschmettert, offenbar von Abschlägen. Die bereits in Verwesung übergegan­gene Leiche war nur schwer als die des Sherman zu erkennen. Sherman galt allgemein als Feind des kürzlich erschossenen Groß-Gangsters Dutch- Schultz. Die Polizei bringt daher die Ermordung Shermans Mit dem Gangsterkrieg in Verbindung, der derLaufbahn" des Dutch-Schultz und dreier feiner Anhänger kürzlich ein jähes Ende bereitete.

Französisches Postflugzeug verunglückt.

Die französische Luftfahrtgesellschaft Air France hat einen Funkspruch aus Buenos Aires erhalten, wonach eines ihrer Postflugzeuge mit einer um« fangreichen Postladung an Bord in der Nähe von Bahia aus unbekannter Ursache verunglückt ist. Die vierköpfige Besatzung fand den Tod. Ein anderer Flieger konnte in der Nähe der Unfallstelle landen und hat 70 Postsäcke geborgen.

Zwei Frauen durch Fahrlässigkeit eines Autofahrers getötet.

Bei Eschelbach (Kreis Montabaur) ereignete sich ein schwerer Verkehrsunfall, dem zwei Menschenleben zum Opfer fielen. Drei Frauen aus Dernbach, die sich auf dem Nachhausewege von Montabaur befanden, wurden von einem aus Eschelbach kommenden Lastkraftwagen erfaßt, wobei die 57jährige Frau Anton Bach und die im glei­chen Alter stehende Frau Lorenz Schmidt über­fahren und auf der Stelle getötet wurden. Die

Meder Gesechispause in Ostasrika.

Der italienische Vormarsch abgestoppt.

Der Nachschub soll gesichert werden.

Asmara, 5. Nov. (Funkspruch des Kriegs­berichterstatters des DNB.) Am Dienstagmittag um 12 Uhr kam der Vormarsch der italienischen Trup­pen auf Makalle zum ©Hilft an ö. Die Unter­brechung der Operationen kann vielleicht einige Tage dauern. Diese Zeit ist aber nicht verloren, da Patrouillen und Flugzeuge das Gelände erkunden. Gerüchte wollen wissen, daß italienische Vorposten bereits in die Gegend von Makalle vorgedrungen sind. Das Gros der Armee steht jedoch immer noch bei Hausten.

Die Abessinier leisten angeblich so gut wie keinen Widerstand und weichen jedem Gefecht aus, was auf italienischer ©eite einige Beunruhi­gung hinsichtlich der feindlichen Absichten hervor- gerufen hat. Trotz der Zwischenpause, die zur Heran­schaffung weiteren Kriegsgerätes und Befestigung der erworbenen Stellungen dient, wird übereinstim­mend von einer sehr regen Patrouillen- tätigfeitbis in d i e unmittelbare Nähe von Makalle berichtet. Auch diese Patrouillen, die durch Flugzeuge mit Nahrungsmitteln und Mu­nition versehen werden, scheinen bis jetzt in keine größeren Kampfhandlungen verwickelt worden zu sein. Dagegen wird von dem rechten Flügel der italienischen Front ein über­raschender abessinischer Angriff ge­meldet, der jedoch zurückgeschlagen werden konnte.

Von maßgebender militärischer Seite wird auf die Gefahren aufmerksam gemacht, die die An­wendung der S ü h n e m a ß n a h m e n auf die Waffenversorgung der italienischen Truppen haben könnten, vor allem, da die abes­sinischen Truppen reichlich mit Waffen und Mu­nition ausgerüstet werden würden. Waffen- und Munitionsmangel würden die militärischen Maß­nahmen, die einen völlig neuartigen Charakter trü­gen, erheblich erschweren. Eine weitere große Schwierigkeit sei für die italienische Heeres­leitung ferner, daß weder die Absichten noch die Stärke des abessinischen Heeres genau festzustellen seien, während die italienischen Pläne den Abessi­niern sehr gut bekannt seien.

Nach Frontberichten desMessagero" ist am Montagabend ein 48 stündiger Halt ange­ordnet worden, um den Nachschub bis in die vordersten Stellungen ordnen und durchführen zu können. Es sei anzunehmen, daß nach Wiederauf­nahme des Vormarsches bei gleichzeitigem Vorrücken von Westen (Abbi Addi, 40 Kilometer Luftlinie von Makalle), von Norden (Agula, 30 Kilo­meter Luftlinie) von O st e n (Dolo 20 Kilometer Luftlinie) die Stadt Makalle in weniger als zwei Tagen erreicht und besetzt werden könne, falls nicht das verwickelte Flußnetz oder neue Regengüsse den Vormarsch erschweren sollten. Die italienischen Frontberichterstatter berichten überein« stimmend, daß die Abfallbewegung unter

den abessinischen Stammeshäuptlin­gen immer größeren Umfang annehme. Wichtige Häuptlinge hätten sich dem militärischen Befehl des Negus widersetzt und eine beträchtliche Anzahl von ihnen sei für eine Verständigung mit Italien. Der Führer dieser Bewegung sei der Beherrscher der nördlich vom Tanasee gelegenen Landschaft Gondar, Ras Dagsa Dargile.

Italien erhöht erneut die Derkaufs- abgabe für Mineralöle.

Mailand, 6. Nov. (DNB.) Funkspr.) Durch Gesetz ist die Verkaufsabgabe für Ben­zin und andere Mineralöle erneut er­höht worden. Sie beträgt für rohe Mineralöle nunmehr 185 Lire je Doppelzentner, für gewisse Transformatorenöle 190 Lire, für Petroleum 290 Lire (bisher 150 Lire) und für Benzin 361 Lire (bisher 261 Lire). Diese Erhöhung der Verkaufs­abgabe, die bei Benzin 100 Lire je Dop­pelzentner und bei Petroleum sogar 14 0 Lire beträgt, wird eine weitere bedeutende Steigerung der Preise mit sich bringen, nachdem erst zu Beginn des Monats September die Verkaufsabgabe für Benzin um 100 Lire und für Petroleum um 57 Lire heraufgesetzt worden war.

Steigende Oelansfnhr aus den Vereinigten Staaten noch Italien. Washington, 6. Nov. (DNB. Funkspruch.) Nach einer Mitteilung des Handelsministeriums haben sich die Ausfuhrziffern für Oel und Oel- erzeugniffe nach Italien erhöht. Daraus geht her­vor, daß die amerikanische Oelindustrie trotz der Warnung Roosevelts die Geschäftsgelegen­heit wahrnimmt. Aus den Häfen am mexi­kanischen Golf wird eine feit Jahren nicht mehr erreichte Tätigkeit gemeldet, beson­ders aus New Orleans, wo auch die Ausfuhr von Baumwolle, Gasolin und Fett stark gestiegen ist.

Kunst und Wissenschast.

Der erste Bericht

der deutschen Amazonas-Expeditlon.

Beim Deutschen Nachrichtenbüro in Rio de Ja­neiro ist folgender drahtlicher Bericht von der deutschen Amazonas-Expedition ein­getroffen: Nach einem Fluge den inneren Amazo­nas aufwärts zu den Stromgebieten des Jary und des Peru haben der deutsche Forschungsreisende und ©portflieger Schulz-Kampfhenkel und Gerd Kahle eine Reihe Erkundungsflüge über den Ur­wäldern dieser nördlichen Zuflüsse, in die sie zu zoologischen Untersuchungen mit Gepäckbooten ein­dringen wollen, erfolgreich durchgeführt. Eine stän­dige Gefährdung des kleinen Expeditionsflugzeuges bildet das zahllose Treibholz der Waldflüsse. Die Bootsexpedition wird in Kürze in dem als sehr stromschnellenreich festgestellten, bisher unerforschten Mittellauf des Jary einbringen.

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