Vorbild eine zentrale Dank errichten, gleichzei- tig eine Hypothekenbank, und die privaten Banken fördern. Diese Vorschläge entsprechen unzweifelhaft oen Ansichten, die von London aus über die Behebung der chinesischen Finanznöte geäußert wurden. Weiter verlautet, die Zentralbank habe erklärt, den Vuan-Kurs zu 225 Prozent im Verhältnis zu der bei der Zollberechnung zugrundeliegenden Goldeinheit, die in London bewertet wird, stabilisieren zu wollen, also zu 293/< USA.-Cent oder nach englischem Gelde 1 Schilling 2'/r Pence.
Aber wieweit wird das gelingen? Die Massen Chinas sind vielleicht in Gelddingen nicht so unkultiviert wie häufig gesagt wird. Der Chinese pflegt genau zu rechnen, aber bei der überwiegend agra
rischen Bevölkerung des Landes ist es sehr schwer und nur im Verlauf von Jahren, ja Jahrzehnten möglich, diese Massen an die Papierwährung zu gewöhnen. Sie wird teilweise mit außerordentlicher Zähigkeit ihre Silberdollars bewahren. Dazu kommt die ungeklärte politische Lage. Die Drohungen Japans in Nordchina sind ein Störungsmoment, das gewiß nach dem Versuch der Nanking-Regierung, ihre Währungs- und finanzielle Selbständigkeit zu behaupten, noch zunehmen wird, und die Unruhen im Übrigen China werden zudem der Auswirkung des Versuches, finanziell selbständig zu bleiben, sich entgegenstemmen. Man kann sagen, daß es der letzte Versuch der chinesischen Regierung ist, ihre Selbständigkeit zu retten.
Englisch-japanische Rivalität im pazifischen Raum.
Nach seinem Austritt aus dem Völkerbund ist Japan, da es nach dem Kriege das Mandat über die ehemaligen deutschen Besitzungen in der Süd- see zuerteilt erhalten hatte, in der Mandatskommission des Völkerbundes vertreten Seblieben, die über die Ausübung der Kolonial- Landate zu wachen und regelmäßig dem Völkerbund darüber Bericht zu erstatten Hot. lieber die letzten Sitzungen der Mandatskommission, die ihre Arbeit am Ende der vorigen Woche abgeschlossen hat, wird bekannt, daß es zu scharfen Auseinandersetzungen zwischen dem Vertreter Japans und dem Großbritanniens gekommen ist. Japan wurde einem förmlichen Verhör unterworfen. wie weit die Nachrichten über die militärische Befestigung seiner Mandatsgebiete in der Süosee zutreffend sind, die Japan seinerzeit bei Übertragung des Mandats ausdrücklich untersagt worden ist. Der englische Vertreter stützte sich bei seinen Fragen aus Mitteilungen der japa- nfichen offiziösen Presse, auf die auffällig scharfe Kontrolle, der die fremden Besucher der fraglichen Inseln unterworfen werden, auf die Vergrößerung und Vermehrung der dortigen Häfen, die sich aus wirtschaftlichen Gründen allein nicht erklären läßt, und endlich aus die Tatsache, daß die japanische Statistik eine auffällig hohe Waffeneinfuhr nach dem Mandatsgebiet aufweise. An dem „Verhör" beteiligten sich die Vertreter Belgiens und der Schweiz, während der nächste Interessent an einer militärischen Gewichtsverlagerung in der Südsee, die Vereinigten Staaten, in der Mandatskommission nicht vertreten sind. Der japanische Delegierte verweigerte auf die an ihn gestellten Fragen die Auskunft und bestritt schließlich überhaupt das Fragerecht der Kommission, da Japan
dem Völkerbund nicht mehr angehöre und weil Japan das Mandat über die Südseegebiete vor Gründungdes Völkerbundes übernommen habe.
Abgesehen davon, daß hierdurch eine wichtige völkerrechtliche Frage aufgeworfen wird, ist dieser englisch-japanische Zusammenstoß deswegen von Bedeutung, weil auch die Ereignisse in China zu starken Gegensätzen zwischen Japan und England geführt haben, die sich in der internationalen Politik der nächsten Zeit, z. B. in den bevorstehenden Flottenverhandlungen ausdrücken werden. Die Meldung, daß England gerade jetzt, wo die japanische Chinapolitik in ihr entscheidendes Stadium zu treten scheint, dem von der militärischen und wirtschaftlichen Expansion Japans bedrohten China eine Anleihe gewährt hat, hat in Japan starke Unruhe erregt und zu england- feindlichen Kundgebungen der japanischen Presse geführt. Sie wirft England vor, daß diese Anleihe den Abmachungen zuwiderlaufe, die der Wirtschaftsberater der englischen Regierung Leith-Roß bet seinem kürzlichen Besuche in Tokio mit der japanischen Regierung getroffen habe und in denen ein gemeinschaftliches wirtschaftliches und finanzpolitisches Vorgehen in China vereinbart worden sei. Das schärfere und aktive Eingreifen der englischen Politik in die Angelegenheiten des Fernen Ostens und die Heranziehung des Völkerbundsapparates zu dieser Politik scheint auf den Entschluß Englands zu deuten, die Einsetzung seiner ganzen Machtstellung nicht auf Europa und den abessinischen Konflikt zu beschränken, sondern im Stil seiner alten, eine Zeitlang vernachlässigten Empire-Politik aufzunehmen.
Die Philippinen ein zukunftsreicher Lleverseemarkt für Den Deutschen Handel
Am 15. November beginnt für die Philippinen- Inseln die zehnjährige Uebergangsperiode, die sie zu völliger Unabhängigkeit führen soll. Dieses Ereignis ist auch für den deutschen Außenhandel von einiger Bedeutung. Die deutsche Handelspolitik hat mit der großen Schwierigkeit zu kämpfen, daß die überseeischen Lander, aus denen Deutschland einen großen Teil seiner unentbehrlichen Rohstoffe beziehen muß, nicht g e - nügend deutsche Ware kaufen, um diesen Rohstoffbezug sicherzustellen. Deutschland muß deshalb den großen Einfuhrüberschuß, den der Handel mit den überseeischen Ländern ergibt, mühsam und unzureichend aus den Ausfuhrüberschüssen seines Handels mit anderen europäischen Ländern decken. Da dieser Ausgleich immer schwieriger wird, verdient ein überseeisches Land, das deutsche Waren in steigenden Mengen aufzunehmen imstande und bereit ist, besondere Beachtung. Zweifellos werden aber die Philippinen nach Herstellung ihrer staatlichen Unabhängigkeit ein gutes Absatzgebiet für deutsche Jndustrieerzeugnisse fein können.
Bisher deckten die Philippinen, ein Volk von mehr als zehn Millionen Einwohnern, ihren Bedarf hauptsächlich in den Vereinigten Staaten, deren Waren zollfrei eingeführt wurden. Trotzdem haben die Philippinen in den letzten Jahren bedeutend mehr Waren (hauptsächlich Maschinen für die bedeutende Bergwerks-Industrie des Landes) aus Deutschland bezogen, als sie nach Deutschland ausführten. Im Jahre 1934 hat Deutschland z. B. für 9,3 Millionen Pesos Waren nach den Philippinen ausgeführt und nur für 2,06 Millionen Pesos Waren von dort eingeführt. Der Handel mit
den Philippinen ergab also einen Aktivsaldo von 5,2 Millionen Pesos zu Deutschlands Gunsten. Ein überseeisches Land, mit dem Deutschland eine so günstige Handelsbilanz hat, bedarf an sich schon eines besonderen Augenmerks. Die deutsche Ausfuhr nach den Philippinen wird aber außerdem noch erheblich gesteigert werden können, wenn sich die Wirtschaft des Landes nach der Unabhängigkeitserklärung, wie allgemein erwartet wird, sehr viel kräftiger entwickelt. Vor allem wird ein wachsender Bedarf an Maschinen für die ertragreichen Gold- und Erzbergwerke des neuen Staats vorhanden fein.
Allerdings hat die deutsche Exportindustrie auch hier mit der Konkurrenz der Vereinigten Staaten, die durch die Dollarabwertung begünstigt wird, und mit der Japans, das natürlich auch hier seine Waren zu erstaunt billigen Preisen anbietet, zu rechnen. Aber für den deutschen Maschinenexport dürften diese Hindernisse nicht unüberwindbar sein. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, daß auf den Philippinen eine steigende Nachfrage nach deutschen Waren vorhanden ist. Je geringer der Einfluß Amerikas dort künftig sein wird, desto größer wird die Nachfrage nach deutschen Maschinen für die erstarkenden Bergwerks- und Zuckerindustrien des Landes werden, namentlich wenn die deutschen Waren im Austausch gegen philippinische Erzeugnisse bezogen werden können. Dieser junge, aber zukunftsreiche Markt bedarf daher besonderer Pflege durch die deutsche Industrie wie durch die deutsche Handelspolitik. Denn hier sind zweifellos noch wertvolle wirtschaftliche Eroberungen möglich.
England zu Hause.
Von einem gelegentlichen Mitarbeiter.
London, November 1935.
Wer vom Kontinent mit den überlieferten Vorstellungen vom Engländer und der englischen Poli- tik nach dem Jnselreich kommt, hat allerhand zu lernen. Bei dem großen oft beherrschenden Einfluß, den Großbritannien seit Jahrhunderten in allen Händeln Europas und der Welt gespielt hat, haben sich im Ausland, nicht nur in Deutschland, feste schablonenhafte Begriffe gebildet, mit denen oft ganz falsch die Haltung der englischen Politik oder die des englischen Volkes gemessen wird. So ist das Wort vom „v e r f i d e n A l b i o n" in den politischen Sprachschatz der ganzen Welt übergegangen, der Glaube, daß die englische Politik mit einer diabolischen Gerissenheit gemacht werde, die ihre jeweiligen Anschläge schon lange voraus und mit mathematischer Sicherheit berechne. Eine andere wohlwollendere Vorstellung glaubt, das historische Glück und die Erfolge, die England auf feinen Degen als Staat gehabt hat, dem Umstande zu- toreiben zu müssen, daß der Herrgott den Engländer zum ganz besonders veranlagten politischen Denschen geschaffen habe. Diese Bewunderer seyen Nicht nur in Öen englischen Einrichtungen schlecht- }>in das Vorbild, das man überall nachahmen müsse, andern auch in jedem Engländer sozusagen einen geborenen Außenminister! Eine andere Irrige Vorstellung ist die von der „nationalen Disziplin" der Presse und der öffentlichen Meinung, die es der englischen Regierung leicht mache und die dem Kontinent oft als Beispiel vor Augen gehalten wird.
Wenn man die breiten Ströme des öffentlichen Lebens in England, nicht nur die der großen Politik, sondern auch die des privaten und gesellschaftlichen Lebens aus der Nähe und mit offenen Augen verfolgt, so wird man bei aller Schätzung der
großen und imponierenden Eigenschaften doch bald feststellen, daß diese Verallgemeinerungen weder im guten, noch im schlechten völlig z u - treffen, daß die englische Politik vielleicht weniger nach vorauskonstruierten Linien arbeitet, als die kontinentale, daß viele englische Einrichtungen verbesserungsbedürftig sind, jedenfalls nicht ohne weiteres nachgeahmt werden können, daß die englische Presse von der „Pressefreiheit" einen Gebrauch macht, der sich nicht immer mit dem nationalen Interessen vereinbaren läßt und den Regierenden schwer auf die Nerven fällt, und daß der Engländer als Einzelwesen den Fragen der Politik genau mit derselben Mischung von Urteil und Vorurteil, von Selbstsucht und nationaler Unterordnung, von engerem oder weiterem Horizont entgegentritt, wie im allgemeinen der Bewohner kontinentaler Länder. Kurz es wird auch in Eng- land mitWasser gekocht, und den politischen Kannegießer gibt es auch im Lande der größten „politischen Reife".
Wenn man bedenkt, was für England aus dem abessinischen Konflikt entstehen kann, so sollte man meinen, daß diese Frage ausschließlich die öffentliche Meinung in Anspruch nimmt. Der berühmte „Mann auf der Straße" und auch ein großer Teil der populären und am meisten verbreiteten Zeitungen beschäftigen sich aber seit Monaten fast mehr mit den Greignifen im Königs- hause, wie denn überhaupt das enge Gefühlsband, das diese ganz in liberal-demokratischem Denken lebende Nation mit der politisch so gut wie einflußlosen Monarchie verbindet, ein besonders nachdenkliches Kapitel bei einer Betrachtung des modernen Englands bildet. Jedenfalls hat beim Durchschnittsengländer das Interesse an den Feierlichkeiten zum 25jährigen Regierungsjubiläum des
Königspaares das an Abessinien weit übertroffen, und noch heute, wie diese Feier längst zu Ende ist, hält sie die Diskussion über die königliche Familie wach, an deren Freud und Leid die große Masse des englischen Volkes mit nicht minderem Aufwand an Gefühl teilnimmt, als wir es in Deutschland vor dem Kriege bei unseren meisten Dynastien gekannt haben. Die königlichen Prinzen und die einzige Tochter des Königspaares mit ihren refpek- tiven Kindern und Familien erfreuen sich jener aus Neugierde, Verehrung und bürgerlichem Bedürfnis nach „höheren Ausblicken" zusammengesetzten Anteilnahme genau so, wie der republikanische Eiferer sich die monarchistische Servilität auszumalen liebt. Die Prinzessin Marina von Griechenland, die vor einem Jahre den jüngsten Königsohn George, Herzog von Kent, heiratete und vor kurzem dem Hause Hannover einen Thronerben, wenn auch erst in siebenter Reihe der Erbfolge geboren hat, war eine Zeit lang für ganz England die interessanteste Persönlichkeit, und für die politischen Salons war die Beziehung dieser Heirat für die gerade aktuelle Frage der Wiedereinführung der Monarchie in Griechenland ein ernsteres Problem, als für die englische Politik. Im Vordergrund dieses für den Ausländer merkwürdigen Interesses steht gegenwärtig die bevorstehende Heirat des dritten Königsohns Heinrich, Herzog von Gloucester, der die Tochter des Herzogs von Buc- c l e u ch, aus ältestem schottischen Adel heiratet. Da der Vater kürzlich plötzlich gestorben ist, wird die Hochzeit demnächst in aller Stille und in engstem Kreise gefeiert werden. Aber die politischen Erörterungen, die an diese englisch-schottische Heirat geknüpft werden, gehen weit in die englische Geschichte zurück, als die Verbindung von England und Schottland noch ein wirkliches Problem der Politik war, und sie zeigen, daß gewisse Kreise in England politisch ebenso wirklichkeitsfremd sind, wie anderswo.
Stark angeregt wird die „Dynastiepolitik" der englischen Oeffentlichkeit durch die Ehelosigkeit des Thronfolgers , des Prinzen von Wales, mit der man sich abgefunden hat, nachdem er das vierzigste Lebensjahr überschritten hat. Aber der Fortbestand der Dynastie wird dadurch nicht im geringsten in Frage gestellt, da er drei Brüder und eine Schwester mit Nachkommenschaft hat und da die englische Thronfolgeordnung, wie man aus der Geschichte weiß, die weibliche Erbfolge, allerdings nur bei Fehlen eines männlichen Thronerben in derselben Generation vorsieht. Die Möglichkeit, statt eines Königs eine Königin zu haben, hat für das Land, dessen größte und längste geschichtliche Epochen durch die Namen zweier Königinnen, Elisabeths und Viktorias, bezeichnet werden, nichts Außergewöhnliches. Die Thronfolge ist heute so, daß nach dem Prinzen von Wales, der heute übrigens erst in dem Alter steht, in dem fein Vater, der König Georg V., den Thron bestieg, fein Bruder, der Herzog von York, der nächste Anwärter ist. Nach ihm kommen feine beiden Töchter, die Prinzessinnen Elisabeth und Margaret Rose, dann Prinz Heinrich, Herzog von Gloucester, der sich jetzt verheiraten wird, und erst, wenn diese Ehe kinderlos bliebe, der Herzog von Kent und nach ihm sein eben geborener Sohn. Nur bei frühem Aussterben dieser Linien käme die Tochter des jetzigen Königs, die Prinzessin Mary, und ihre beiden Söhne als Thronanwärter in Frage. Man sieht also, daß die Sorgen und Tagesgespräche der englischen Gesellschaft in dieser Beziehung ziemlich gegenstandslos sind, was indessen nicht hindert, daß sie sehr ernst genommen werden.
Es ist gut und nützlich, sich dieses England, das durch feine beispiellos erfolgreiche Geschichte jeweils den Neid und die Bewunderung anderer Nationen erregt hat, auch einmal bei seinen kleinen intimen Gewohnheiten zu beobachten. Es zeigt sich dabei, daß es auch feine Schwächen hat, daß es aus Großem und Kleinem zusammengesetzt ist und daß das Geheimnis seiner Erfolge sich wahrscheinlich anders erklärt als aus den herkömmlichen Schablonen, die man sich auf dem Kontinent zurechtgeschnitten hat. Ihm auf die richtige Spur zu kommen, ist zur Zeit eine gute Gelegenheit gegeben, denn seit langem ist der Gegensatz zwischen dem hohen Spiel der britischen Politik und den harmlosen Spielen der englischen Oeffentlichkeit nicht mehr so augenfällig gewesen wie heute!
NasMemel-Direttorium zurückgeireteu
Memel, 5. Nov. (DNB.) Der Rücktritt des Direktoriums B r u y e l a i t i s ist am Dienstag vormittag amtlich bekanntgegeben worden. Der Gouverneur hat den Rücktritt angenommen und Bru- oelaitis beauftragt, die Geschäfte bis zur Bildung eines neuen Direktoriums weiter zu führen.
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Der Rücktritt des Direktoriums Bruvelaitis war nach der vernichtenden litauischen Niederlage bei den Memelwahlen eine Selbstverständlichkeit. Bruvelaitis wäre vom Memelländischen Landtag, der am Mittwoch zusammentritt, ohnehin gestürzt worden. Die litauische Regierung hat sich auch den Unterzeichnermächten gegenüber verpflichtet, ein Direktorium nach öem Willen d e r Mehrheit der memelländischen Bevölkerung zu bilden. Dieses Versprechen wird nunmehr e i n g e- l ö ft werden müssen.
Schweden und der Ostieeraum
Ein Bortrag Haushofers in Stockholm.
Stockholm, 5. Nov. (DNB.) Der Präsident der Deutschen Akademie in München, General a. D. ^rof. Dr. Karl H a u s ho f e r, hielt in der Schwedisch-Deutschen Gesellschaft einen Vortrag über das Ostseeproblem. Auch Außenminister Sandler war erschienen. Professor Haushofer gedachte des großen schwedischen Geopolitikers Kj eilen und seines Hinweises, daß sich das heutige schwedische Reich zwischen zwei großartigen gestrandeten Ideen abgesetzt habe: Einem einheitlichen Ostsee- r e i ch und einer Zusammenfassung der skandinavischen Völker. Auf dem Hintergrund der gegenwärtigen abessinischen und mandschurischen Frage scheine sich eine dritte gestrandete Idee riesengroß abzuzeichnen: die Idee eines wirksamen Schutzes kleiner Völker durch den Völkerbund. Anhand von 23 Kartenbildern suchte Professor Haushofer die geographischen Tatsachen des Ostseeraumes zu veranschaulichen und zeigte die sich daraus ergebende geopolitische Erkenntnis, wonach eine wirklich abwehr- bereite Ostsee durch keinen ozeanischen oder kontinentalen Druck aufzusprengen sei. Die bisherigen Einzelläufe zu einer politischen Einheitsgestaltung des Dftfeeraumes seien vergeblich gewesen, ganz gleich von welcher Seite sie herrührten. Aus allem ergebe sich die Forderung einer gegenseitigen Versicherung in irgendeiner Form, wobei Schweden als der vom geopolitischen Schicksal bestimmte Ostsee-
Schlüsselbewahrer erscheine. Ein verstärkter schwedischer Schutz der Freiheit der Wasserstraßen erhöhe gleichsam auch die Sicherheit deutscher Unabhängigkeit in diesem Lebensraum. Aus einer wehrgeopolitischen Notwendigkeit heraus drohe Schweden von Deutschland keinerlei Gefahr, und so müsse die Erneuerung des deutschen Selbstschutzes von Schweden auch als eine Sicherung feines eigenen Lebensraumes betrachtet werden. Wenn Europa nicht wieder den sich bildenden Riesenräumen erliegen wolle, dann müsse es lernen, seinen eigenen Schicksalsraum einheitlich zu erkennen, zu bewahren und als, Einheit zu verteidigen. Auf dieser Ebene gelte es auch, den Ostseeraum als eine Einheit zu betrachten, die sicherlich einen ge- roaltigen Schutz gegen das Sichverlieren Europas in kleineuropäische Gedanken bieten würde.
Kleine politische Nachrichten.
Pg. N i p p o l t, der stellvertretende Gauleiter des Traditionsgaues München-Oberbayern, spricht am Mittwoch, den 6. November um 19.45 Uhr im Reichssender München und Deutschlandsender über die Vorbereitungen zum 8. und 9. November.
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Gegenüber einer in einem Teile der Presse an schienenen Mitteilung über das Singen von Kirchenliedern im S ch u l g e s a n g s unter r i ch t wird darauf hingewiesen, daß eine neuere allgemeine Anordnung nicht ergangen und eine Aenderung gegenüber der bisherigen Regelung nicht angeordnet worden ist.
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Der Präfekt von Bozen hat die im Verlag Vogelweider-Bozen erschienenen Zeitschriften „Der Schiern", „Die Frau" und die Kinderzeitschrift „Der kleine Postillon" e i n g e ft e 111 und diese Maßnahme mit der Notwendigkeit der Einschränkung des Papierverbrauches begründet. Ebenso ist auch die „Industrie- und Handelszeitung" eingestellt worden. Die Halbwochenzeitungen „Die Dolomiten" und der „Volksbote" sind der letzte R e st der einst in Südtirol erschienenen sechs deutschen Tageszeitungen und 16 Zeitschriften.
Der Präsident der tschechoslowakischen Republik hat den Ministerpräsidenten Jan M a l y p e t r auf dessen Ansuchen aus seinem Amt entlassen und den Landwirtschaftsminister Dr. Milan H o d z a zum Vorsitzenden der Regierung ernannt. Dr. Hodza wird das Landwirtschaftsministerium weiter betreuen.
Hindenburgs ärztliche Vorfahren.
Dr. Curt Schelenz teilt in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift mit: „Meine Mutter war die Tochter des damals noch in Posen lebenden Generalarztes S ch w i ck a r t. Mein Großvater mütterlicherseits starb bald nach meiner Geburt. Er hatte sich 1813 in der Schlacht bei Kulm als Militärarzt das Eiserne Kreuz am Kombattantenbande erworben, weil er ein führerlos und wankend ge» mordendes Landwehrbataillon wieder geordnet und oorgeführt hatte." So berichtet Hindenburg selbst in seinem Buch „Aus meinem Leben" über seinen Großvater. Es dürfte nur wenig bekannt sein, daß in Hindenburgs mütterlicher Ahnenreihe sich zwei Aerzte befinden, sein Großvater, der Generalarzt S ch w i ck a r t und sein Urgroßvater, der Generalchirurg M o e n n i ch. Moennich war der Schwiegervater Schwickarts, wie aus einem Auszug aus der Ahnentafel des Generalfeldmarschalls' hervorgeht. Aus verstreuten Quellen habe ich über Albert Friedrich Conrad Moennich folgendes ermitteln können. Er wurde geboren im Juli 1753 zu Nitzow an der Havel. Von elf Kindern des Pastors Arnold Christoph Moennich war er das dritte. Nichts wissen wir über feine Vorbildung, nur daß er 1794 als Regimentschirurgus zum Infanterieregiment von Crousatz in Posen übertrat, und daß er später bei dem Infanterieregiment von Zastrow Nr. 39 Dienst tat. Mit diesem Regiment geht er 1806 in den Krieg und macht die Schlacht bei Jena am 14. Oktober mit. Im Mai 1806 wird seine Dienstzeit mit 34 Jahren 2 Monaten angegeben. In der letzten Rangliste des alten Heeres vorn Juni 1806 führt er die Bezeichnung „General-Chirurgus". Arn 2. August 1799 erwarb Moennich das Bürgerrecht in Posen, wie fein dort noch vorhandener Bürgerbrief ausweist. Wie es fo oft im Leben geht, daß der Untergebene die Tochter des Vorgesetzten heiratet, war es auch bei Hindenburgs Großvater, dem späteren Generalarzt Schwickart.
Geldspenden für das Winter« Hilfswerk 1935/36.
Ungenannt 200 000 Mark; Allianz und Stuttgarter Verein, Berlin 100 000 Mark; Bayerische Der- cinsbanf, München 15 00Ö Mark; Deutsche Länderbank AG., Berlin 15 000 Mark; Kaffee-Handels- AG., Bremen 15 000 Mark; Zigaretten-Fabrik Mu- ratti ÄÄ., Berlin 12 000 Mark; Röchlingstahl, Stahlwerk Buderus AG-, Stahlwerk Röchling Buderus, WeFlar 12 000 Mark; Landesbank der Provinz Ostpreußen, Königsberg i. Pr. 10 000 Mark; Friedrich- Wilhelm-Derficherungs-AG., Berlin 10 000 Mark; Bayerische Notenbank, München 10 000 Mark; „Olex", Deutsche Benzin- und Petroleum-Gesellschaft mbH, Berlin 7500 Mark; Betriebsführer und Gefolgschaft Quantmeyer & Eicke, Berlin 5000 Mark; Herman C. Starck, AG., Berlin 3000 Mark; Ungenannt 2000 Mark; Fritz Koppe, Dr. jur., Rechtsanwalt, Berlin 1500 Mark; Sportausrüstung GmbH., Berlin-Halensee 500 Mark; Dr. Ernst Springer, Geh. Oberfinanzrat, Berlin 500 Mark; Dr. Hermann Rohrbeck Nachs. GmbH., Berlin 500 Mark; Dr. Rudolf Crüger, Marburg a. d. L. 500 Mark; Darlehnskasse der Angestellten der Dresdner Bank. Berlin 480 Mark; Frhr. von Ohlen, Berlin 420 Mark; Albert Fischer, Oberregierungs-und Baurat i. R, Berlin-Lichterfelde 400 Mark; Gaswerk Engelsdorf, Leipzig, GmbH., Engelsdorf 400 Mark; (f. Härtel, Baugeschäft, Breslau 350 Mar^ Bera- Verlagsanstalt, GmbH., Berlin 500 Mark; Albert Frhr. Dufour von Feronce, Berlin 300 Mark; Bank für Mittelsachsen AG., Mittweida 300 Mark; Aache- ner Maschinenfabrik Rothe & Stengel, GmbH., Aachen 300 Mark; Karl Koch, Knopffabrik., Inh. Wilh. Winkelmann, Gardelegen 300 Mark; Wirt- fchaftsgenossenschaft deutscher Tierärzte eGmbH., Hannover 300 Mark; Elisabeth Kym, Schopfheim In Baden 300 Mark; A. Kym-Krafft, Schopfheim i. BA 300 Mark; Jndustrieverlag Spaeth & Linde, Berlin weitere 300 Mark; Eisenbahn-Verein 12, Vorstand, Fahrkartenausgabe Berlin, Anhalter Bahnhof 300 Mark; Ernst Cornberg, GmbH., Berlin 30Ö Mark.


