Dreikampf-Aktersturner (33 bis 39 Jahre): 1. Groß, Tgmd. Friedberg 52 P.; 2. Janke, CT. Kassel, 51 P.: 3. Müller Tgmd. Friedberg, 50; 12. Volz, Lich; Müln, Postsportverein, 37 P.
Dreikampf-Turner (über 40 Jahre): 1. Fink Lauterbach, 51 P.; 2. Cassel, Erich, ACT. Kassel; Siegert, Stockheim, 49; 6. Möller, Lauterbach, 41; 9. Ebeling, Alsfeld, 38; 10. Keßler, Lang-Gons, 37 Punkte.
Sechskampf-Turner: 1. Jüngst, Tv. 46 Gießen, 81,8 P.; 2. Meyer, Tv. Großen-Lmden, 71,95 P.
Sechskampf-Turnerinnen: 1. Malko- mesius, CT. Kassel, 98 P.; 2. Dietrich, Marburg 1860, 97; 3. Huisgen, Mecklar, 95P.
Vierkampf-Turnerinnen (volkstümlich): 1. Röhmig, Mtv. Gießen, 87 P.; 2. Dülfer, CT. Kassel, 85; 3. Brehl, Tgmd. Fulda, 78; 7. Reinheimer, Friedberg, 71; 10. Schwarz, Friedberg, 64; 11. Luh, Butzbach, 63; 12. Schmidt, Mtv. Gießen, 62; 13. Petermann, Nidda; Kurr, Tgd. Friedberg, 61; 15. Luh, Gustel, VfB. Gießen; Lösch, 1900 Gießen; Sprengel, Bad-Nauheim; Jost, Tgmd. Fulda, 59; 16. Schimmel, 1846 Gießen; 21. Hahn, Klein- Linden, 51; 22. Fink, Kinzenbach, 50 Punkte.
Neunkampf-Turnerinnen Oberstufe: 1. Gertenbach, Rothenditmold, 165 P.; 2. Schwarz, Dillenburg, 159 P.; 3. Weyel, Mtv. Gießen, Langbein, Butzbach, 155 P.; 4. Weller, Lauterbach, 152 P.; 6. Amend, Krofdorf, 148 P.; 12. Wiegandt, 1846 Gießen, Lißt, Lauterbach, 139 D.; 13. Schmieder, 1846 Gießen, 137 P.; 15. Möller, Lauterbach, Schmidt, Krofdorf, Wintterlin, 1846 Gießen, Obs- mann, Mtv. Gießen, 135 P.; 16. Erb, Wieseck, 134 P.; 17. Lotz, 1846 Gießen, Valentin, Krofdorf, 133 P.; 18. Weiß, Großen-Linden, 132 P.
Neunkampf - Turnerinnen Unterstufe: 1. Gautier, 1837 Hanau, Schneider, Wetzlar, 156 P.; 2. Ruppel, Butzbach, Peter, Laubach, 150 P.; 4. Wagner, Lang-Göns, 148 P.; 6. Seim, Gießen, 146 P.; 8. Seim, Margarete, Mtv. Gießen, 144 P.; 9. Schmidt, Mtv. Gießen, 143 P.; 10. Koch, Alsfeld, 142 P.; 11. Georg, 1846 Gießen, 141 P.; 12. Wolf, Stockheim, Denker, Bad-Nauheim, Bock, Grünberg, 140 P.; 13. Michel, Grünberg, 139 P.; 14. Kappes, Grünberg, Lohrey, Büdingen, 138 P.; 17. Wehling, Anneliese, Wieseck, Reinstädtler, Henny, Heuchelheim, 135 P.; 18. Zollmann, Anneliese, Mtv. Gießen, Sack, Anna, Heuchelheim, 134 P.; 19. Sack, Erna, Heuchelheim, Paul, Luise, Homberg, 133 P.
Die Mitarbeit im Rahmen des Gaufestes.
Oie. völkische Aussprache.
In einer stillen Ecke des Kampfplatzes, dort wo das vielgestaltige lebhafte Getriebe der Wettkämpfe eine Aussprache nicht störte, walteten die Dietwarte ihres Amtes.
In kleinen Gruppen lag man zwanglos zusammen im Gras — eine wohltuende Entspannung inmitten der körperlichen Anstrengungen — und unterhielt sich nach freier deutscher Turnerart offen und ungezwungen über völkische Fragen. So mancher kam mißtrauisch und ablehnend an zu diesem Neuen, das man doch früher nicht gekannt hatte. Manch alter Turner stellte sich abwartend, über- leaen lächelnd hinrn. Wenn eine Gruppe dann nach Abschluß der Aussprache, nachdem noch ein Turnerlied gemeinsam gesungen worden war, weiter ging zu anderen Wettkämpfen, sah man es den strahlenden Augen an, daß die Aussprache die jungen Menschen begeistert hatte, daß ihnen der Austausch der Meinungen wohl getan hatte — man spürte es am Händedruck. Und der alte Turner, der von diesen Neuerungen nicht viel gehalten, fragte: „Warum haben wir uns früher nicht mit diesen Fragen beschäftigt?"
Auf Anordnung und unter der Leitung des rührigen Gaudietwartes Vesper kamen in erster Linie folgende Hauptfragen zur Aussprache:
1. Friedrich Ludwig Jahn.
2. Wie zeigt sich rechtes Turnertum?
3. Welche Entwicklung nahm die Turnbewegung im Dritten Reich, und wie steht das neue Reich zu den Leibesübungen?
4. Wodurch verloren wir den Weltkrieg auf so unwürdige Weise, und welche Einbuße an Land und Volt hat Deutschland durch die Vergewaltigung von Versailles und St. Germain erlitten?
5. Die Entwicklung der NSDAP, und unser Führer Adolf Hitler.
Ohne Ueberhebung kann man feststellen, daß die völkische Aussprache, an der auch zur Freude der jungen Turner der Reichsdietwart Kurt Münch aus Berlin teilgenommen hatte, ein voller Er- fola war.
Der Reichsdietwart überzeugte sich von der Durchführung der völkischen Aussprache und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß man im Gau XII den Anfang gemacht hat, trotz allen Bedenken, die Volkstumsarbeit als Teil des Wettkampfes auf den grünen Rasen zu tragen.
Dem Leiter des Dietwesens im Gau, Gaudietwart O. Vesper (Homberg a. d. O.), der die völkische Aussprache in der Riege zum erstenmal für die Wettkämpfer aus dem Hessengau (Fachamt 1) in den Wettkampfplan eingefügt hatte, standen für die Durchführung geeignete Helfer (Kampfrichter) in einer Reihe von Kreis-, Unterkreis- oder Vereins- dietwarten zur Verfügung, die sich in ihrem Amte nicht etwa als „Prüfer" aufspielten, sondern in einfühlender, durchaus kameradschaftlicher Weise sich ihrer Aufgabe entledigten.
Wenn die Teilnehmer an der Aussprache die Parallele zogen zwischen der Zeit Jahns und unserer heutigen Zeit, wurde es ihnen klar, warum vor 125 Jahren schbn Jahn neben die körperliche
Arbeit die Dietarbeit stellte, warum wir heute wieder dieses Gebiet in den Aufgabenbereich der Turn- und Sportbewegung eingereiht haben. Unsere Arbeit gilt damals wie heute der Ehre und Freiheit des Vaterlandes!
Entbunden von der völkischen Aussprache in der Riege waren diejenigen Turner und Turnerinnen, die an den
völkischen Gemeinschaftsdarbietungen einiger Turnkresse teilnahmen, die am Sonntag früh durchgeführt und als Kreisvorführungen gewertet wurden. Die Darbietungen zeigten wertvolle Volks- tumsarbeit in der Gemeinschaft.
Kreis 8 Lahn-Dill hatte seine Feier unter den Festgedanken „Turnertum, Volkstum, Vaterland" gestellt, an dem sich alle teilnehmenden Turner in Lied und Sprechchor beteiligten. Unterkreis- dietwart Helmut Henrich hielt eine völkische Ansprache. Der Kreis 6, Waldeck, zeigte uns mit bodenständigen Volkstänzen unter dem Leitgedanken „Turnertum — Bauerntum" ein schönes Stück Waldecker Volkstum. Auch der Turnkreis 11, Wet- terau-Vogelsberg, bot Ausgezeichnetes mit der Vorführung „Die Wetterau in Lied und Tanz". Eine feine Gemeinschaftsarbeit boten die Turner und Turnerinnen des Kreises 10 Rhein-Taunus unter dem Leitwort „Wider den Ungeist". Auch für die Gemeinschaft^darbietungen der Kreise zeigte der Reichsdietwart lebhaftes Interesse.
preisverteitung auf der Wassersuppe.
Bester Pilot: der tödlich abgestürzte Oelhschner.
Gestern vormittag wurde im Fliegerlager Wasserkuppe von Reichslustsportführer L o e r z e r die Preisverteilung vorgenommen.
In der Wertungsgruppe Gesamtleistung schnitt die Luftsportlandesgruppe Dresden, der auch der Ehrenpreis des Reichsministers für Luftfahrt, General der Flieger Göring, zufiel, am besten vor den Luftsportlandesgruppen Stuttgart, Essen, Darmstadt und Hannover ab. In der Wertungsgruppe der besten Piloten liegt der inzwischen leider tödlich verunglückte Rekordsegelflieger O e l tz s ch n e r (Luftsportlanoesgruppe Dresden) mit etwa 2000 Punkten an der Spitze. Ihm folgen S p a e t e (Luftsportlandesgruppe Dresden), S t e i n h o f f (Luftsportlandesgruppe Darmstadt), B a r t a u n e (Luftsportlandesgruppe Hamburg), Peter Riedel (ReichsgruppeLufthansa) und Bräutigam (Luftsportlandesgruppe Dresden).
In der Wenungsgruppe Mannschaftsdisziplin führt die Luftsportlandesgruppe Pommern vor den Luftsportlandesgruppen Dortmund und Darmstadt.
Als beste Startmannsckaft gingen aus dem „Rennen" hervor vier Mannschaften der Luftsportlandesgruppe D a r m st a d t, dann je eine Startmannschaft der Luftsportlandesgruppe Dortmund und Pommern.
In der Wertungsgruppe der besten Mannschaftsführer ergab sich folgende Reihenfolge:
Oie Ergebnisse der Mehrkämpfe.
Männer.
Zwölfkampf Turner Sonderklasse: 1. Wedekindt, ACT. Kassel, 187; 2. Gergs, ACT. Kassel, 175; 3. Schiebeler, CT. Kassel, 174; 4. Schöff- mann, Wieseck, 171; 5. Seth, Großen-Linden, 163 Punkte.
Zehnkampf Turner Sonderklasse: 1. R. Fink, Marburg, 177; 2. Wedekindt, ACT. Kassel, 170; 3. Busch, Limburg, 163; 4. Bieger, Limburg, 159; 5. Seth, Großen-Linden, 158; 6. Schöff- mann, Wieseck, 153; 7. Gergs, ACT. Kassel, 152; 8. Schiebeler, CT, Kassel, 151; 9. Fluck, Limburg, 149; 10. Bettin, Wieseck, 145 Punkte.
Zwölfkampf Turner Oberstufe: 1. Herbert, (Arbeitsmann 5/222), 1846 Gießen, 201; 2. Kreuter, Merkenbach, 199; 3. Schick, 1846 Gießen, 198; 4. Fink, CT. Kassel, 190; 5. H. Herbert, Gie- ßen, 183; 6. Butti, Sinn, 182; 7. Leineweber, Treis, 175; 8. Seipp, Großen-Linden, 174; 9. E. Valentin, Kesselstadt, 173; 10. Rohrbach, CT. Kassel, 172 D.
Neunkampf Altersturner (33 bis 39 I.): 1. Best, Wetzlar, 155; 2. Keller, Burgsolms, 153; 3. Kreiling, Wieseck, 143; 6. Apel, Lollar, 130; 7. Zipse, Watzenborn-Steinberg, 129; 8. Kraft, Alsfeld, 126 Punkte.
Neunkampf Altersturner (über 40 I): 1. Meier, Bad-Nauheim, 156; 2. Günther, Niederzwehren, 150; 3. Menke, Hofgeismar, 148; 4. Thöt, Alsfeld, 146; 8. Södler, Lauterbach, 138 Punkte.
Hessenkampf: 1. Reuter, 1846 Gießen, 141; 2. Knapp, Weilburg 1848, Bäbler, Weilburg 1848, je 138; 3. Franke, ACT. Kassel, 130; 4. Sinnwell, Bad-Nauheim, 118; 6. Malkomesius, CT. Kassel, 116; 7. Heim, 13. Komp., 115; 10. Geier, Atzbach, 101 P.
Zwölfkampf — Unterstufe: 1. Griesel, Ph., Nieder-Zwehren, 194 P.; 2. Ebert, Friedrich, Bischofsheim, 191 P.; 3. Pfeffer, Adam, Nieder- Zwehren, 189 P.; 5. Schöndorf, Karl, Gießen 1846, 185 P.; 7. Vogt, Hans, 1846 Gießen; Bierau, W., 1883 Lollar, 183 P.; 9. Adolf Leib, Krofdorf, 181 P.; 10. Werner, Willi, Wieseck, 179 P.; 11. Ellermeier, Willi, 1846 Gießen, 178 P.; 12. Hardt, Max, 1846 Gießen, 177 P.; 16. Moos, Wilh., Lollar; Hettche, Ludwig, Lollar; Peter, Otto, Groß-Eichen, 173 P.; 18. Dern, Willi, Lang-Göns, 170 P.; 20. Habermehl, Hch., Leihgestern, 169 P.; 21. Gutbub, Herrn., 1846 Gießen; Weller, Heinrich, Atzbach; Faber, Kurt, Großen-Linden, 168 P.; 22. Röhrs- heim, Wilh., Krofdorf; Lepper, Willi, Waldgirmes, 167 Punkte.
Zehnkampf — Jugend: 1. Bingel, 1846 Gießen, 162 P.; 2. Weiß, Münzenberg, 158 P.; 3. Schmadel, Grünberg; Wittekind, Büdingen; Berghäuser, Spgm. 03 Wetzlar, 157 P.; 5. Wagner, Krofdorf, 155 P.; 9. Schäfer, Wieseck, 149 P.; 10. Stamm, Waldgirmes; Weiß, Großen-Linden, 148 P.; 11. Fischer, Großen-Linden; Schorge, Großen-Linden, 147 P.; 12. Breszinski, Butzbach, 146 P.; 14. Kreiling, Wieseck, 144 P.; 15. Rinn, Heuchelheim; Jmmel, Wieseck, 143 P.; 16. Fleischmann, 1846 Gießen, 142 P.; 19. Weisel, Gambach, 139 Punkte.
Fünfkampf Turner Oberstufe (volkstümlich): 1. Scheller, Fulda, 108 P.; 2. Fritz Peter, Lauterbach, 106; 3. Fritz Lüttge, Eschwege, 103; 5. Herrmann. Rb. Gießen, 97; 7. Mohl, Rb. Gießen 90; 8. Lindenstruth, Mtv. Gießen, 89; 12. Künstler, Tgm. Friedbera, Michels, 46 Gießen, je 85; 13. Jeyner, Tgm. Friedberg, 83; 16. Rühl, Beuern, 78; 17. Dietz, Mtv. Gießen, Stengel, Großen-Linden, je 78 P.
Dreikampf Turner Unter st ufe (volkstümlich): 1. Will, Ruttershausen, 60 P.; 2. Hill, Mtv. Gießen, 58; 3. Stock, Lauterbach, 56; 4. Klun- kel, Lollar, 55; 5. Rebscher, 2. JR. Gießen, 54; 6. Eisentkeich, Friedbetg, Gefr. Nickel, 14. Komp. Gießen, 53; 8. Klein, Klein-Linden, 51; 9. Willi Wagner, Mtv. Gießen, Alfons Schnittchen, Gießen 2. Jnf.^Reg., je 50; 10. Heinrich Müller, Holzheim, 49; 11. Walter Geist, Nidda, Ludw. Ulm, Ässen- dorf-L., je 48; 12. Gg. Pieh, VfB.-Reichsbahn Gießen, Rudi Bender, Schotten, Helmuth Butt, Pohl-Göns, je 47; 13. Helmuth Diehls 1883 Lollar, 46; 14. Emil Becker, Ruttershausen, Walter Kraft, Dutenhofen, Karl Schmidt, Spv. 1900 Gießen, je 43 P.
Dreikampf-Jugend: 1. Reitschmidt, Fritz, To. Wetzlar, 58 P.; 2. Uhl, Paul, Idstein, 57; 3. Roth, August, Ober-Mörlen, 55; 4. Buß, Karl, Gambach, 54; 6. Wöll, Helmuth, VfB.-R. Gießen, 52; 8. Klein, Egon, VfB.-R. Gießen, 50; 9. Schleenbecker Helmut Ruttershausen, 49; 10. Huste, Wilhelm, Mtv. Gießen; Ott Friedrich, Ruttershausen; Donderheid Hausen; Imhoff, Hans, Schotten, 48 P.
Variete.
Von Or. Johannes Günther.
Wenn man fragt: „Gehen Sie gern ins Variete?", dann werden die einen antworten: „Selbstverständlich!" und die andern ro erbten den Kopf schütteln. Wenn man weiter fragt: „Warum?", dann werden die einen zugeben: „Weil wir uns im Variete prachtvoll amüsieren" und die andern werden, auf einiges Drängen hin, geltend machen: „Nein, wir haben nichts vom Variete; es mag fein, daß wir uns ein paar Stunden lang ganz gut unterhalten, aber wenn die Vorstellung vorbei ist, dann gehen wir leer nach Haus."
Schließlich sehen die einen und die andern am Wesentlichen des Varietes vorbei. Das Wesentliche, das menschlich Wertvolle der Artisten-Leistung ist nämlich im Amüsement nicht erschöpft, es liegt vielleicht gar nicht im Gebiete des Amüsements, es ist so tief und so wichtig, daß man es wohl als einen Ertrag mit nach Haufe nehmen kann.
Man sieht dem Artisten mit ernsteren Gedanken zu, wenn man sich vergegenwärtigt, eine wie schwierige Lehrzeit von Jugend an, wieviel schwere Probearbeit in dem frappierenden Trick steckt, ein wie mühevolles Leben ein Artist hat, der nachmittags und abends „arbeitet", ja, wie es in Amerika üblich ist, sogar auch noch vormittags auftreten muß, so daß im Ganzen vier bis fünf Vorstellungen heraus- kommen ... ein Uebermaß, aus dem es sich ergibt, daß die Artisten, die, wie man immer meint, so herrlich weit herumkommen, verhältnismäßig sehr wenig von den Sehenswürdigkeiten der Städte anschauen können. Es ist vielleicht schon bekannt, muß aber nochmals betont werden, daß der Artist in seinem Privatleben nicht der extragvagante Mensch ist, den manche in ihm vermuten mögen: um seine kühnen Tricks ausführen zu können, um seine Kräfte ganz zur Verfügung zu haben, muß er maßvoll fein und sich in strenger Zucht halten. Ich habe in so manche Artistenfamilie hineingesehen und stand mit Ehrfurcht vor dem Biedersinn, der da herrschte, auch vor der lauteren Erziehung, die ihren Kindern zuteil wurde. Aber das sind Erwägungen, die wir von uns hinzubringen; jedoch das Wesentliche liegt unmittelbar in der artistischen Leistung, in der Vorführung des Tricks selbst:
Der Artist ist ein Sinnbild und hat, als Sinnbild, jedem etwas zu sagen, der seinem Berufe hingegeben ist; er ist ein Sinnbild für jeden ernst erfaßten Beruf. Er muß ganz bei der Sache sein. Denken wir an die Arbeit eines Luft-Akrobaten oder eines Jongleurs! Wie präzis müssen sie arbeiten! Eine falsche Bewegung, nur eine irrende Zuckung — und ihre Tricks können fehlgehen: der Luftakrobat kann in die Tiefe stürzen und tot fein oder dem Jongleur können feine Teller, feine Kugeln zu Boden rollen und er wird ausgelacht und das würde für ihn ebensoviel bedeuten wie Totfein! Für den Artisten ist Persönlichkeit und Arbeit eins. Wir sollten uns ein Beispiel an ihm nehmen. Präzision ist alles.
Es mag fein, daß der Artist hier eine Einwendung macht, er wird sagen: Auch die Artisten find nicht immer präzis. Der Artist ist keine Maschine, kein Automat, er ist ein Mensch und er ist somit Schwankungen unterlegen. Kommt nun bei seiner Vorführung eine Modulation, eine Unebenheit, ja wohl ein kleiner Fehler vor, dann muß er sowiel Geistesgegenwart besitzen, daß er im weite- ren Verlauf des Kunststücks — es handelt sich manchmal um Sekunden — die Unebenheit ausgleicht. Daraufhin müssen wir aber sagen: dieser scheinbare Mangel an Präzision bringt eigentlich wieder nur einen Beweis für die Präzision, für die unbedingte Bereitschaft der ganzen persönlichen Kraft; denn auch durch kleine Schwankungen läßt sich der Artist nicht aus der Fassung bringen: auch bann setzte er noch sei Letztes dran, das Ziel zu vollenden.
Durch diese Hinweise mag der, der sich im Da- rietä „amüsierte" oder wenigstens meinte, sich nur zu amüsieren, zu einem gehaltvollen Erlebnis vordringen, und der, der das Da- riete als etwas Gehaltloses ablehnte, mag nun vielleicht feine Meinung ändern, wenn er aufhorcht und wenn er tiefer blickt. Aber unsere Hinweise sollen nicht etwa das Lachen aus dem Variete verscheuchen. Bei Leibe nicht! Ein toternftes Gesicht im Zuschauerraum wäre etwas Schreckliches. Eine Heiterkeit auf klugem, ernstem Grunde — das wäre wohl die goldene Mittelstraße, die wir finden müßten.
Das moderne Variete drängt darauf hin, die einzelnen „Nummern" aus der Starrheit, mit der sie früher vorgeführt wurden, zu erlöfen: die Num
mern werden gelockert, geglättet und zwar durch Musik und Mimik, durch ausgebildete tänzerifche Eleganz, und vor allem und in allem durch Erfteu- lichkeit, durch Humor. So lesen Presco und Campo bei ihren halsbrecherischen Akrobatesken unentwegt Zeitung, Schiller und Jerome errichten einen Turm aus Tischen und kippeln obendrauf herum, bis sie mit dem Ungetüm hinstürzen. Ada Daros läßt sich von ihrem Partner am Fußgelenk packen und hochstemmen, macht auch sonst recht verwegene Luftkunststücke — oei all dem plappert und singt sie ihre kecken Reden und Lieder, die wir einer Frau sonst übelnähmen, wenn sie nicht durch ihre brillante Artistik eine vertrauensvolle Überlegenheit bewiese. Manche Artistentruppen, die durchaus „seriös" ar- beiten, haben einen Komiker bei sich, der im Kleide des Clowns zunächst täppisch, bann aber überlegen und könnend an ihren Nummern teilnimmt. Die Partnerin des Seiltänzers Collin verstellt sich als ungeschickte Seiltanzschülerin ... freilich verlangen diese „Ungeschicklichkeiten" auf dem Seil, bei denen es immer um ein Haar zum Absturz kommt, in Wirklichkeit eine überragende Könnerschaft.
Eine neueste, aber nur erst schwach durchdringende Bestrebung des Varietes geht dahin, die einzelnen „Nummern" des Programms nicht hart aufeinander folgen zu lassen, sondern sie zueinander in Beziehung zu setzen, so daß wo möglich ein Stück aus dem andern auf Grund feiner artistischen Eigenart oder in einer angebeuteten Handlung herauswächst. Ja, mit ganz guten Publikumserfolgen, hat man schon sämtliche Nummern, die an einem Variete» Abend zu zeigen waren, in eine komödien- oder operettenhafte Handlung eingebaut. So versucht man auch in die Gesamtheit eines Variete-Ablaufs eine erfreuende ästhetische Form zu bringen, die den Zuschauer über ein rohes Amüsement hinaushebt.
Ein Kaktus, der berauscht.
An der Südgrenze von Texas und an der Nord- grenze von Mexiko findet sich unter den dort wachsenden Kakteenarten ein äußerlich ganz unscheinbarer Kaktus, der eine geheimnisvolle Zauberkraft birgt. Die Indianer nennen ihn Peyote, nach dem aztekischen Peyoll (Wurzel) und stellen daraus ein berauschendes Getränk dar, dessen Giftwirkung schon verschiedentlich von den Gelehrten er-
Luftsportlandesgrupps Pommern, Luftsporö. landesgruppe Darmstadt und Luftsportlandesgruppe Dortmund.
Die Kraftfahrer, die diesen Wettbewerb m hervorragender Weise mit entscheiden halfen, wurden wie folgt bewertet: Landesluftsportgruppe Darmstadt, Dortmund und Königsberg.
Bei der' außerordentlichen Fülle von praktischen und wertvollen Ehrenpreisen, wie sie selten eint sportliche Veranstaltung im neuen Deutschland erlebte, konnte ebenfalls der größte Teil der diesjährigen Wettbewerbsteilnehmer bedacht werden. Deutscher Sieg im »Braunen Band-.
Das nach dem Deutschen Derby wertvollste Rennen des deutschen Galopp-Rennsports, das „Braune Band von Deutschland" im Werte von 50 000 Mark erlebte am Sonntag in München seine Wiederholung. War im Vorjahre der reiche Preis durch „Tofanella" nach dem Auslande entführt worden, so gewann diesmal mit „Athanasius" unter Jockey E. Grabsch ein deutsches Pferd. Der aus Frankreich entsandte „Denver", der allgemein für unschlagbar gehalten worden war, enttäuschte restlos und endete weit ab geschlagen als Drittletzter. Dem Rennen wohnten Reichsstatthalter General Ritter von Epp als Vertreter des Führers, Oberbürgermeister F i e h l e r, Reichsleiter Bohrmann und General Adam bei.
Deutsche §echt-Meisterschasten.
Im Beisein zahlreicher Zuschauer nahmen am Sonntag die deutschen Fecht-Meisterschaften in Frankfurt ihren Anfang. Es wurde am ersten Tage um die Florett-Meisterschaften der Mannschaften und der Frauen gekämpft. Während im Mannschaftsfechten der Meister ermittelt werden konnte, wurden die Gefechte der Fechterinnen nur bis zur Vorschlußrunde gefördert. Meister im Mannschafts- Florettfechten wurde erwartungsgemäß wieder „Hermannia" Frankfurt, die in Lerdon, R o - [enbauer, Eifenecker und Jorawofki Die augenblicklich besten deutschen Fechter dieser Disziplin in ihren Reihen stehen hat. Als schärfster Gegner der Frankfurter zeigte sich der Offenbacher Tv., der schließlich den zweiten Platz belegte. Dis Ueberraschung war die Mannschaft des Ulmer Tv. mit Geiwitz an der Spitze, die den dritten Platz vor dem Wiesbadener Fechtklub erringen konnte.
Eine Berufung vom Verwaltung««' gerichtshof verworfen.
Zu Beginn des Monats Februar wurde vor dem Provinzialausschuß der Provinz Oberhessen im 23er- waltungsstreitoerfahren gegen den Heinrich Hen - k e l von Londorf (Kreis Gießen) verhandelt, gegen den das Kreisamt Gießen den Antrag auf Untersagung seines Gewerbebetriebs gestellt hatte. Henkel betrieb (wir berichteten seinerzeit ausführlich darüber) Rechtsberatung und Vertretung der Interessenten bei Behörden, insbesondere erbot er sich, für verschuldete Landwirte das Entschuldungsoerfahren durchzuführen, obwohl er vom zuständigen Finanzamt, wie auch vom Amtsgericht in Grünberg als Vertreter in Rechtssachen nicht zu- gelassen und nicht anerkannt war. Der Provinzialausschuß hatte dem Antrag des Kreisamtes auf Untersagung des Gewerbebetriebes Henkel stattgegeben.
Gegen diese Beschlußfassung legte Henkel Berufung ein, so daß die Angelegenheit nunmehr vor dem Derwaltungsgerichtshof in Darmstadt verhandelt werden mußte. Im Verlaufe der Verhandlui-- kam durch Zeugen, wie auch durch die Berichterstattung erneut zum Ausdruck, daß Henkel nicht der Mann fei, den man zur Rechtsvertretung als geeignet halten könne. In der Beweisaufnahme schilderte außerdem der Grünberger Oberamtsrichter die plötzliche Konkurserklärung der Firma Henkel mit einer Schuldenlast von etwa 120 000 Mark, die auch ein Strafverfahren wegen nicht ordnungsmäßiger Buchführung zur Folge hatte. Der Vertreter des Staatsinteresses hatte eine Erklärung übermittelt, in der er sich den Ausführungen des Provinzialausfchuhurteils und der Berufungsbeantwortung des Kreisamtes Gießen anschloß und die Abweisung der Berufung beantragte. Im Urteil des Verwaltungsgerichtshofes wurde die Berufung Henkels dann auch verworfen und damit das Urteil des Provinzialausschusses Oberhessen endgültig bestätigt.
Sprechstunden der Redaktion.
11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnach- mittag geschlossen.
forscht wurde. Der Genuß der Pflanze und ihrer Früchte ruft seltsame Rauschzustände hervor, die als ein Auftreten farbiger Visionen und ein Verlust des Zeitsinnes beschrieben werden. Die ersten Mitteilungen über den Genuß des Peyote reichen bis in die Zeit der Eroberung des Aztekenreiches durch Cortez zurück, und es darf angenommen werden, daß das Rauschmittel schon vor der Entdeckung Amerikas den Eingeborenen bekannt war und daß es bei religiösen Zeremonien verwendet wurde. Die nordamerikanischep Indianer haben den Peyote- gebrauch übernommen und einen eigenen Kult um ihn aufgebaut. So werden alljährlich große Feste abgehalten, bei denen einem Feuergott gehuldigt wird, der mit der Pflanze und ihrer Zauberwirkung in enge Verbindung gebracht wird. Meist dürfen nur die Männer den Peyote genießen. Mit bemaltem Gesicht tanzen sie um den Altar des Gottes, der mit Bildern, Fahnen und Spiegeln geschmückt ist. Kranke Frauen und Kinder erhalten bisweilen getrocknete Stücke der Pflanze von dem Medizinmann, damit sie wieder gesund werden. Besonders feierlich sind die Bräuche beim Sammeln dieser geheimnisvollen Kakteenart. Die Angehörigen des Stammes der Huichols verlassen, in besondere Festgewänder gekleidet, ihre Wohnorte und wandern stundenlang über die dürren Steppen zur westlichen Sierra Madre, wobei sie sich noch besondere Entbehrungen auferlegen. Großer Jubel herrscht, wenn sie alsdann den ersten Peyote finden. Sie schneiden die Pflanzen dicht über dem Boden ab und zerteilen sie in Scheiben, die sie an der Luft trocknen. Der Genuß dieser Scheiben versetzt die Indianer alsdann in Rauschzustände, die von den Forschern nur durch Selbstversuche ergründet werden konnten. Der französische Chemiker Rouhier hat zu diesem Zweck wiederholt Peyote in derselben Weise wie die Indianer genossen und berichtet, daß alsdann färben« vrächtige Bilder in lebhafter Bewegung vor feinem Auge vorüberzogen. „Es ist unmöglich, die Stärke, die Pracht und Herrlichkeit dieser Erscheinungen zu beschreiben", versichert er. Allerdings ist es nicht ganz ungefährlich, solche Versuche zu machen, da man leicht dem Rauschgift verfallen kann. Jedenfalls kann man es aber begreifen, daß die Indianer diesen Zauberkaktus als eine „göttliche Pflanze" verehren und ihn in den Mittelpunkt kultischer Handlungen stellen.


