Ausgabe 
6.7.1935
 
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Ur. 155 Zweites Blatt Siebener Anzeiger lGeneral-Ameiaer ffir (Dherheifoni ^nutAn k *init 1025

Wehr und Waffen.

E»n großartiges militärisches Gchausviel der Wehrmacht als Auftakt zum 5. ^eichskriegertag in Kasie».

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Ein Blick über den Festplatz während der Freiübungen

Lmks: Das künstlich aufgebaute Dorf Klein-Kassel wurde heftig umkämpft. Rechts: Geschütz in Feuerstellung. (Aufnahmen [5j: Photo-Pfaff, Gießen.)

der Wehrmacht in der gleichen Form den Teilneh-

des Reichskriegertages gezeigt.

mern

Reiter Leistungen, die den aufmerksamen Zu­schauer immer wieder zu Rufen der Bewunderung und des Staunens hinrissen. Die Schulquadrille wurde in einer Form geritten, in der sie auch bei der. Olympiade 1936 verlangt werden wird. Die Tiere zeigten komplizierte Figuren, in genau be­messenen, gezählten Schritten, vorwärts und rück­wärts, seitlich vorwärts und rückwärts in Wen­dungen und Schrittwechseln immer anderer Takte. Die Erklärungen, die dem Publikum zu dieser Vor­führung durch den Lautsprecher gegeben wurden, förderten i)as Verständnis für diese hohe Schule der Reiterei und vertieften damit den Wert dieser Darbietung auch für den Laien. Gleichzeitig mag allgemein klar geworden sein, wieviel Liebe und Geduld den Tieren zugewandt werden muß, wenn solche Leistungen erzielt werden sollen.

Im weiteren Verlauf der Vorführungen hatte man dann Gelegenheit, einen Hindernislauf für MG.-Gruppen zu verfolgen, an dem sich eine Mannschaft des Zägerbataillons I, eine Kraft­fahrabteilung, eine Gruppe des II. Infanterie- Bataillons und eine Gruppe von Pionieren betei­ligten. Von den Teilnehmern waren einige schwie­rige Hindernisse in voller Ausrüstung zu über­winden.

In exakter Auffahrt kam dann eine motori­sierte Panzer-Abwehr- Kompanie auf den Wiesenplan. Die Kompanie zeigte zunächst in einigen Fahrübungen ihre Wendigkeit und rasche Beweglichkeit im Gelände, um dann plötzlich und überraschend für die Zuschauer in Bruchteilen von Sekunden in Feuerstellung zu gehen, zu feuern, dann ebenso rasch die Geschütze herumzu­werfen und gegen einen neuauftauchenden ange­nommenen Gegner das Feuer zu eröffnen. Der Rauch aus der Uebungsmunition war noch nicht verflogen, da faßen die Mannschaften schon wieder auf und in den nächsten Sekunden war der Platz geräumt, der noch vor kaum einer Minute als der Schauplatz eines heftigen Kampfes erschien. Die Kommandos für diese motorisierte Panzer-Abwehr- Kompanie wurden durch Zeichen gegeben.

Im Reigen der Schaubilder durfte auch die Luftwaffe nicht fehlen. Kaum hatte die Panzer­

gen wurden durch die Erklärungen eines Fach, mannes wirkungsvoll unterstützt.

Nach einem M a s s e n k u n st t u r n e n amReck sah man 16 Unteroffiziere, die gegenwärtig zur Aus­bildung als Reitlehrer für die Truppe an der Ka­vallerieschule Hannover weilen. In einer Spring- quaöriUe wurde ein Ausschnitt der täglichen Uebungsarbeit gezeigt und dabei Leistungen vor» geführt, wie sie von jedem Pferde im Militärdienst verlangt werden. Hier wurden 6jährige Remonten vorgeführt, die die in dieser Quadrille verlangten rund 80 Sprünge ohne Ermüdung oder auch nur Erregung hinter sich brachten.

In einer sehr interessanten und vielen Zu­schauern sicherlich neuen Hebung zeigte sich bann eine motorisierte P i 0 n i e r b a t t e r i e im Sperrdienst. In Lastkraftwagen und kleinen geländegängigen Autos fuhren die Pioniere auf, legten blitzschnell auf breiter Front Minenketten, die durch Leitungskabel untereinander verbunden waren und verließen rasch wieder den Platz. Im Vorstoß einerfeindlichen^ Kraftfahrabteilung, die wenige Minuten nach dem Abrücken der Pioniere in Sicht kam, wurde dann die Wirkung der Arbeit der Pioniere im Sperrdienst klar ersichtlich. Die Berührung der feindlichen Kraftwagen mit den Ka­beln löste die Explosion der Minengruppen aus und veranschaulichte eindrucksvoll die im Ernstfall zu erzielende Wirkung.

Zum Schluß der militärischen Vorführungen sah man eine groß angelegte Gefechtsübung der verbundenen Waffen, und zwar den An- griff .auf ein vom Feind im Zurückgehen aufgesuch- tes Dorf. Die Stellung, die von Schützengruppen, von leichten und schweren MG's, von Feldartillerie und Minenwerfern angegriffen wurde, nahmen die Truppen in einem dramatischen Kampf. Die Vor­führung gab einen Einblick in die Technik des Be. wegungskrieges.

Mit einem grandiosen Aufmarsch aller Teilneh­mer an dieser Großvorführung der Wehrmacht, mit den gemeinsam gesungenen Nationalhymnen, fand die eindrucksvolle Kundgebung deutschen Wehr- willens ihren Abschluß.

Am morgigen Sonntag werden die Vorführungen

gann dann mit den Fahrübungen einer pferdebespannten Batterie der Feld­artillerie, der dem Aufmarsch des Trompeter­korps der Feldartillerie vorausging Die Abend­sonne, die um diese Zeit die dichte Wolkenwand für Augenblicke durchbrach, übergoß das reizvolle Bild, welches das im Schritt anreitende Trompeter­korps bot, mit ihren goldenen Strahlen. Die Bat­terie folgte in rascher Auffahrt und zeigte dann überaus exakte Fahrübungen geschloffen in Zügen und mit dem einzelnen Geschütz. Es war eine große Freude, zu sehen, wie die Pferde in den ver-

Die Geduld der Zuschauer wurde aus keine Probe gestellt. Mit einer nicht zu überbietenden Pünktlichkeit nahm die große Veranstaltung ihren Anfang. Zunächst hörte man ein Konzert, das von sechs zu einem großen Klangkörper zusammen­gefaßten Musikkorps unter der Leitung des Heeres- Musikinspizienten Professor Schmidt ausgeführt wurde. Diszipliniert, in jeder Bewegung, wie aus einem Guß, trat die stattliche Kapelle auf. So geordnet wie das Auftreten, so exakt war die Wie­dergabe der schneidigen Märsche und der Konzert­musik. Der große Klangkörper bildete eine Ein­heit und ließ erkennen, welche Möglichkeiten sich für die Musikpflege in Verbindung mit militärischer Disziplin ergeben.

Die Reihe der Vorführungen der Wehrmacht be-

schiedenen Gangarten vorgesührt wurden und, sicht­lich ohne jegliche Ermüdung, zum Schluß in einem herrlichen Furioso vorn Platze jagten

Das sehr abwechslungsreich gestaltete Programm brachte bann Massenfreiübungen Der Sol­daten. Viele Hunderte von Teilnehmern marschier­ten in mehreren Säulen auf, turnten nach den Tak­ten bei Musik bie Freiübungen des Stuttgarter Turnfestes und bereiteten damit den Zuschauern einen hohen ästhetischen Genuß. Die Freiübungen fanden ihren Abschluß in dem gemeinsam von allen Teilnehmern gesungenen Worten aus dem Deutsch­landlied (Deutschland, Deutschland, über alles") und in dem Schlußruf des Niederländischen Dank­gebetsHerr mach' uns frei!" Niemand wird es vermocht haben, sich dieser eindrucksvollen Kund­gebung des Willens zu nationaler Ehre und Frei­heit zu entziehen.

In der Reihe der außerordentlichen Darbietun­gen, die der Abend brachte, verdiente die Schul- Quadrille, von drei Offizieren der Hanno­verschen Kavallerie - Schule geritten, besondere Beachtung. Auf edelsten Tieren aus ostpreußischen Dollblutzuchten zeigten hervorragende

abwehr-Kompame das Feld verlassen, so erschienen auch schon drei schnittige Eindecker aus den Fieseler- Werkstätten über dem Festplatz, die, obwohl sie nur mit 75 = PS = Motoren ausgerüstet sind, in etwa 200-lcm-Tempo angebraust kamen. Das Kommando über diese aus drei Flugzeugen bestehendeKette" hatte Flugzeug-Schwarmführer Mayer (Darm­stadt), der ja der Gießener Bevölkerung fein Un­bekannter ist. Die Flieger flogen in verschiedener wechselvoller Formation und zeigten gemeinsam Turns, Rollen sowie Loopings. Die Kühnheit der Vorführungen und die Sicherheit, mit der sich die Flieger selbst in schwierigen Figuren bewegten, riefen allgemeine Bewunderung hervor. Flugzeug- Schwarmführer Mayer, der sich in den ver­gangenen beiden Jahren einen großen Namen als Kunstflieger gemacht hatte und auch bei den Stutt­garter Meisterschaften vierter Sieger werden konnte, zeigte dann noch eine Reihe weiterer Kunstflug­barbietungen, unter anberem auch ben Looping nach vorn (aus ber Normal-, wie auch aus ber Rücken­lage), ber bekanntlich in Anbetracht der hohen körperlichen Beanspruchung des Fliegers zu ben schwierigsten Hebungen zählt. Auch diese Vorführun­

Kassel im Zeichen

des 5. Reichskriegertages.

Kassel stand schon am Freitag ganz im Zeichen des großen Treffens der alten Soldaten. Ueberatt sieht man die Kyffhäuser-Tracht. Die Ankunft des Bundesführers, Oberst a. D. Reinhardt, erfolgte Freitagnachmittag. Auf dem Bahnhofsplatz hatte eine Ehrenkompanie der Kreisverbände Kassel mit Fahnen und Musik Aufstellung genommen. Der Bundesführer schritt in Begleitung des Landes­führers General a. D. Fett und des Generals a. D. Kuhlmann bie Front ab. Mit einer kurzen Ansprache gab er feiner großen Freube über die Ehrung Ausdruck und erinnerte an die Jahre ge­meinsamen Kampfes und treuer Kameradschaft. An­schließend formierte sich die Kompanie zu einem Vorbeimarsch. Das Schauspiel hatte eine riesige Menschenmenge angelockt, bie mit größter Anteil­nahme bem Geschehen folgte.

Die alte kurhessische Resibenz Kassel ist eine Stadt ruhmreicher soldatischer Tradition. Der Reichs­kriegerbundKyffhäuser", der die Pflege der sol­datischen Tradition aus seine Fahne geschrieben hat, traf somit eine glückliche Wahl, als er Kassel Zum Festort bestimmte.

Das Fest fand bereits am Donnerstag einen Auftakt, wie er selten einer Veranstaltung zuteil wird: die jungen Soldaten gaben mit ihren Vor­führungen dem Ehrentag der alten Soldaten ein einzigartiges Vorspiel. Unter dem TitelGroß­vorführungen ber Wehrmacht" erlebten etwa 35 000 Zuschauer aus ben Kreisen ber Bürgerschaft ber Stabt Kassel eine Fülle hochinteressanter Dar­bietungen, in denen sich gleichzeitig in einprägsamer Form ber wiedererwachte Wehrwille unseres beut- schen Volkes bofumentierte. Die Veranstaltung war aleichzeitig ber Ausbruck ber herzlichen gegenseitigen Verbundenheit von Wehrmacht und Völk.

Die Einbrücke, bie man bereits am Donnerstag empfangen konnte, waren begeifternb unb nach­haltig. Man hatte in Kassel keine Mühe gescheut, um alle Voraussetzungen für bas Gelingen ber großen Schau ber Wehrmacht zu schaffen. Unmittel­bar vor ber Orangerie, an ber Karlswiese (unterhalb des Staatstheaters), waren riesige Tribünen er­richtet worben, auf benen Zehntausenbe von Zu­schauern Platz fanden und bie Vorgänge auf ber Wiese in jeher Einzelheit genau verfolgen konnten Die Tribünen säumte ein Wald von Fahnenmasten, an benen bie Flaggen bes Reiches, ber Wehrmacht sowie Fahnen in ben Farben Preußens unb ber Stabt Kassel im abenblidjen Winde luftig flatterten. Bereits geraume Zeit vor bem Beginn ber Ver­anstaltung waren bie Tribünen bis auf ben letzten Platz besetzt Die vielen sommerlich gekleideten Men­schen, die leuchtenden Farben der Flaggen klangen mit dem architektonisch so reizvollen Hintergrund, wie ihn die Kasseler Orangerie bildet, zu einem großartigen Bilde zusammen. Die Kasseler Hitler­jugend, bas Jungvolk und der BdM schlossen auf der der Orangerie gegenüberliegenden Seite das weite Rund. Die alten Baumbestände bes Parkes an den Karlswiesen mit ihren tiefen, wasserdurch- floffenen Durchblicken bildeten einen schönen natür­lichen Hintergrund

Das Trompeterkorps der Feldartillerie.

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Eine Batterie der Feldartillerie fährt auf ...

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