Ausgabe 
6.7.1935
 
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3. Das Korps Saxo-Borussia hat entgegen be­stehender Vorschriften drei Angehörige als aktive Mitglieder geführt, die nicht immatrikuliert waren, von denen auch zwei keine Reifeprüfung abgelegt hatten. Einem dieser Nichtimmatrikulierten war die erste Charge, einem anderen die Funktion eines Fuchsmajors übertragen.

Eröffnung der Jubiläums-Rosenfchau und der Ausstellung »Scholle und

Heimat" in Mainz.

Lpd. Mainz, 6. Juli. Die Deutsche Jubi­läums - Rosenschau wird am heutigen Sams­tag im Stadtpark in Mainz feierlich der Oeffentlich- keit übergeben werden. War schon der seitherige Rosengarten ein Anziehungspunkt für alle Rosen­freunde, so dürfte diese große Schau, die nicht nur über den gegenwärtigen Stand der Rosenkultur unterrichten will, sondern selbst ein Beispiel für neuzeitliche Gartengestaltung sein wird, es in noch größerem Maße werden. Die in enger Verbindung mit der Jubiläumsschau stehende Ausstellung Scholle und Heimat", die in der Stadthalle und auf dem Adolf-Hitler-Platz untergebracht ist, und die ein Bild vom Schaffen deutschen Geistes und deutscher Werkarbeit für die Gestaltung des Wohnheimes und der heimischen Scholle geben will, wird ebenfalls heute eröffnet.

Kleine politische Nachrichten

Der Führer besichtigte Freitagvormittag in Begleitung des Ministerpräsidenten General G ö - ring das RegimentGeneral Göring", das bei Zerpenschleufe an der Straße Berlin Prenzlau Aufstellung genommen hatte. Nach einem Vorbeimarsch des motorisierten Regiments stattete der Führer dem Ministerpräsidenten und seiner Gattin in K a r i n h a l l in der Schorfheide einen Besuch ab.

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Das für den 6. und 7. Juli auf Burg Saaleck bei Bad Käsen in Aussicht genommene Reicks- treffen des Reichsverbandes der Balti­kumkämpfer, Vereinigung ehemaliger Grenz­schutz- und Freikorpskämpfer, ist auf Veranlassung des Reichs- und preußischen Ministers des Innern abgesagt worden.

Der Führer und Reichskanzler hat den Geheimen Kommerzienrat Heinrich S t a l l i n g - Oldenburg zu seinem 70. Geburtstag am 5. Juli 1935 seinen herzlichen Glückwunsch übermittelt und ihm aus diesem Anlaß in Anerkennung seiner Verdienste als Verlagsbuchhändler die Goethe-Me­daille für Wissenschaft und Kunst verliehen.

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Am Freitag wurde die Antwort Großbri­tanniens auf die deutsche Anfrage wegen des französisch-sowjetrussischen Pak- t e s dem deutschen Botschafter in London aus­gehändigt. Die britische Antwort soll in demselben Sinne gehalten sein, wie die französische, in der die Ansicht vertreten worden war, daß der Pakt nicht im Widerspruch zu den Bedingungen des Locarnover- ttages stehe.

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Nach einer amtlichen Mitteilung der Agenzia Stefani steht ein Wechsel in der Leitung der italienischen Botschaften von Ber­lin, Paris und Moskau bevor. Es tritt an die Stelle des Botschafters in Berlin, Cerutti, der nach Paris versetzt wird, der gegenwärtige Bot­schafter in Moskau, A 11 o l i c o. Botschafter P i g - natti verläßt Paris und übernimmt den seit Monaten vakanten Botschafterposten beim Hei­ligen Stuhl. Der Botschafter von Madrid, Raffaele G u a r i g l i a, wird in das Ministerium berufen und durch Pedrazzi ersetzt wer­den. Die Leitung der italienischen Botschaft i n Moskau geht an Baron Pietro A r o n e d i Valentins über.

Aus aller Wett.

8 Todesopfer eines Flugzeugunglücks bei Berlin, lieber Britz bei Berlin ereignete sich ein schwerer Flugzeug Unfall. Das Flugzeug DONAS, das regelmäßig für die Firma Siemens vom Flug­hafen Tempelhof aus technische Versuchsflüge un­ternimmt, st ü r z t e aus bisher nicht geklärter Ursache eine Viertelstunde nach dem Start ab und schlug in das Haus Jahnstraße 58. Der Flugzeug­führer und fünf weitere Insassen kamen hierbei ums Leben. Das Haus geriet sofort nach dem Unglück in Brand, was sicher auf den noch ziem­lich gefüllten Benzintank des Flugzeuges zurückzu­führen ist. Die Wirkung des Unfalls war sehr stark. Einige Wohnungen des dreistöckigen Hau­er wurden schwer mitgenommen. Außerdem hat das unmittelbar anschließende Nebenhaus unter den Unfallauswirkungen gelitten. Hier wurde ein Teil der Hauswand herausgerissen, und die Stichflamme ging durch einige Wohnungen bis zur gegenüberliegenden Hausfront hindurch. Der Verwalter des Hauses, Otto, mit seiner Frau, die sich gerade in der Küche beim Mittaq- rssen befanden, wurden von dieser Flamme erfaßt und getötet. Das Flugzeugunglück hat somit 8 Todesopfer^ gefordert.

SS. gräbt eine germanische Festung aus.

Ueber sehr interessante Ausgrabungen bei Bens- berg in der Nähe von Köln berichtete das Deutsch­land-Echo. Danach ergaben sich bei Erdarbeiten Anhaltspunkte dafür, daß hier Ueberreste von Bauwerken germanischen Ursprungs cus der Zeit um etwa 200 nach Christus zu finden nd. Die Ausgrabungsarbeiten, die von der SS. i engster Zusammenarbeit mit berufenen Dertre- ^rn der Wissenschaft vorgenommen und vornehm- ch aus weltanschaulichen Gründen betrieben wurden, litten überraschende Ergebnisse. In diesen Tagen besichtigte Reichsführer der SS. Himmler die Arbeiten und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß die SS. hier eine für die deutsche Vorgeschichte überaus ersprießliche Arbeit geleistet hat, die für die Wertung der alten germanischen Kultur von Nicht zu unterschätzender Bedeutung sei

Bei den ersten Grabungen konnte festgestellt wer­den, daß hier eine germanische Befestigung, eine Erdburg mit Bollwerken. Erdwällen und Brust­wehren lag. Im Vergleich mit anderen derartigen

Der plan einer großen Ilottenkonferenz.

Das deutsch-englische Abkommen der Ausgang für allgemeine Verhandlungen.

London, 6. Juli. (DNB. Funkspruch.) In den englischen Morgenblättern wird die Frage der ge­planten internationalen Flottenkon­ferenz angeschnitten, wobei wiederum betont wird, daß das deutsch-englische Flotten­abkommen einen wertvollen Ausgangs­punkt für die kommenden Besprechungen bilden. Die britische Regierung hoffe immer noch, daß eine Konferenz der fünf vom Washingtoner und Lon­doner Flottenvertrag betroffenen Mächte England, Amerika, Frankreich, Italien und Japan in diesem Jahre zustande kommen werde. Da aber die frühe­ren Verhandlungen nur wenige Einigungspunkte gebracht hätten, erscheine es wahrscheinlicher, daß eine allgemeine Flottenkonferenz zu­sammentreten könne, zu der Deutschland und Sowjetrußland eingeladen werden würden. Irgendein neuer Flottenvertrag könne nicht mehr nach den Richtlinien des Washingtoner und Lon­doner Vertrages abgeschlossen werden.

Die Begrenzung der Gesamttonnagen nach dem Verhältnissystem scheine nach den bisherigen Erfah­rungen unmöglich zu sein. Dagegen hoffe man, einen neuen Weg dahin zu finden, daß je d e r U n- terzeichnerstaat sein Flottenbaupro- gramm für b i e n ä cf) ft e n fünfJahre m i t- teilen werde. Viel wichttger als irgendwelche mengenmäßigen Begrenzungen, so schreibt dieTi­mes", würde ein Abkommen über eine Begren­zung der Schiffgrößen sein, wobei die Höchsttonnage und Stärke einzelner Schiffe überwacht werden müßten. Der große Gewinn des freiwilligen Beschlusses Deutsch­lands, sich auf 35 v. H. der brittschen Flotten­

stärke zu beschränken, sei um so augenscheinlicher, wenn man sich die ergebnislosen Besprechungen mit anderen Mächten über das Derhältnissystem in Er­innerung rufe.

Daily Telegraph" schreibt, die brittsche Regie­rung sehe in dem deutsch-englischen Abkommen einen Teil eines neuen und universalen Systems der Flottenbegrenzung. Der einzige prakttsche Weg für internationale Flvttenoerhanülungen scheine ein Abkommen unter allen führenden Mächten zu sein, auf eine Dauer von mindestens fünf Jahren, nicht über eine gewisse Höchsttonnage hin­aus zu bauen und weiterhin volle gegen­seitige Informationen über ihre Flotten­bauprogramme auszutauschen. Kein Teil des deutsch- entzliscken Flottenabkommens werde mit größter Befriedigung betrachtet, als das deutsche Verspre­chen, seine U. - B o o t st ä r t e auf 45 v. H. der englischen zu beschränken. Angesichts der Untersee- bootslotten Japans, Frankreichs und Italiens habe Deutschland moralisch einen unbeft reitbaren Anspruch auf Parität in dieser Sache. Daß es sich dennoch bereiterklärt habe, auf weniger a l s die Hälfte der englischen Stärke aufzurüsten, werde als ein Beweis des guten Willens Deutschlands und seiner friedlichen Ab­sichten angenommen.Morning Post" schreibt, die brittsche Admiralität habe erklärt, daß das deutsch- englische Flottenabkommen einen bekannten Faktor in eine Gleichung eingeführt habe, in der sämtliche Faktoren unbekannt gewesen seien. Es habe daher zu einer Lösung der gesamten Frage der Flottenbegrenzung beigetra­gen.

Anlagen ist die verhältnismäßig komplizierte Ver­teidigungsanlage ein Beweis dafür, daß die (Ser­monen den nur als Kriegstechnikerst gefürchteten Römern zu begegnen wußten.

Bei den Grabungen wurden auch Scherben ge­funden, die etwa aus der Zeit um 100 vor bis 400 nach Christus, also aus der Zeit der Kämpfe zwi­schen Römern und Germanen stammen.

Der plörder eines.-Vlannes hingerichlet.

In Halle wurde der am 8. April 1888 geborene Karl Jänicke aus Schönebeck hingerichtet, der vom Sondergericht in Halle wegen Mordes an dem SA.-Mann Hausmann und versuchten Mordes an den SA.-Männern Siebert und G ü l l m e i ft e r in Tateinheit mit schwerem Land­friedensbruch und Verbrechen gegen das Gesetz zum Schutz von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 dreimal zum Tode und zum Verlust der bürger­lichen Ehrenrechte auf Lebenszeit verurteilt wor­den war. Der Täter ist ein vielfach schwer vorbe- ftrafter Gewohnheitsverbrecher, der als akttver Marxist auch wegen anderer Gewalttätigkeiten gegen Nationalsozialisten Strafen erlitten hat. Seine Opfer hat er in feiger und hinterlistiger Weise Überfallen.

Der Schmuggler-Kampf bei Altenberg.

Zu dem bereits gemeldeten Kampf mit den Schmugglern, die bei Altenberg die sächsisch- tschechische Grenze überschritten hatten, wird be­kannt: Don deutschen Grenzbeamten wurde beob­achtet, daß in einem Wäldchen bei Altenberg einige Personen sich in verdächtiger Weise zu schaffen machten. Die Beamten gingen auf die unbekannten Leute zu und forderten sie auf, sich zu legitimieren. Diese flüchteten in Richtung Schellerhau und eröffneten sofort das Feuer auf die Beamten. Die Beamten machten von der Schußwaffe Gebrauch und nach längerem Kugel­wechsel wurden drei von den Schmugglern g e tötet. Auch wurden ein Kriminalhauptwacht­meister schwer und zwei andere Beamte leicht ver­letzt. Lebensgefahr besteht bei dem schwerverletz­ten Hauptwachtmeister glücklicherweise nicht. Bei der Durchsuchung der getöteten Schmuggler stellte es sich heraus, daß es sich um ehemalige deutsche Kommunisten handelte, die sich in der Tschecho­slowakei aufhielten und beauftragt waren, kommu­nistische Schriften nach Deutschland zu schmuggeln. Sie waren zu diesem Zweck entsprechend bewaffnet und ausgerüstet worden.

Deutscher Erfolg beim Automobil-Schönheits­wettbewerb in Madrid.

Bei dem im Rettro-Park in Madrid veranstal­teten Automobil-Schönheitswettbewerb erhielt ein Mercedes-Benz den Großen Pokal der Stadt Madrid.

Hochwasser und Hitze in Amerika.

In Columbus (Ohio) richteten Wolkenbrüche großen Schaden an. Ganze Stadtviertel, darunter der Markt, wurden überschwemmt. In der Umgebung der Stadt steht das Land meilenweit unter Wasser. Der Ernte- und Gebäudeschaden wird auf eine Million Dollar geschätzt. Neuyork verzeich­nete am Freitag den h o ch st e n Thermome­ter st a n d dieses Sommers. Bei 32 Grad Celsius machte sich die außergewöhnliche Luftfeuchtigkeit be­sonders unangenehm bemerkbar. Zahlreiche Perso­nen erlitten Hitzschläge. Tausende übernachteten in den Parkanlagen und am Strand.

Die Ileberschwemmungen am Vierwaldstätter See.

Das Wasser des Vierwaldstätter Sees und der Reuß steigt weiter. In Luzern ist der See an ver­schiedenen Stellen über d i e Ufermauern ge­treten. Die Dampferanlegestellen stehen z. T. unter Wasser. Das Aus- und Einsteigen auf die Schiffe erfolgt auf Notstegen. In Flüelen steht ein Hotel am See bis zu den Wirtschaftsräumen im Wasser. Weite Flächen sind an der Nuota-Mündung bei Brunnen in einen Sumps verwandelt. Die Reuß hat ebenfalls durch Hochwasser viele Verheerungen angerichtet.

Tausend Arbeiter durch Vrandunglück brotlos geworden.

In Kattowitz (OS.) ist die Lampenfabrik Helios völlig niedergebrannt. Hierdurch sind 250 Arbeiter und Arbeiterinnen für lange Zeit erwerbs­los geworden. Der Schaden beträgt 350 000 Zloty. Der Brand ist durch die Explosion einer Flasche mit Methylalkohol entstanden, deren In­

halt sich an einer Gasflamme entzündete. Der Brand auf der Redengrube in Sosnowitz nimmt immer größeren Umfang an. Der Löschmannschaft, die aus 150 Bergarbeitern besteht, ist es noch nicht gelungen, bis an den Brandherd vorzudringen, da die Rauchentwicklung immer stärker wird. Das Feuer unter Tage hat bereits so großen Schaden angerichtet, daß die Grube für viele Monate außer Betrieb bleiben muh. Ueber 700 Arbeiter verlie­ren dadurch für lange Zeit jede Verdienstmöglichkeit.

150 Todesopfer

des amerikanischen Unabhängigkeitsfeiertages.

Die Zahl der Todesopfer des amerikanischen Unabhängigkeitsfeiertages hat sich inzwischen auf über 150 erhöht, nachdem weitere Totenziffern aus den entlegeneren Landesteilen eingelaufen sind. Da­bei ist die Zahl der Personen, die durch Feuer­werksexplosionen ums Leben gekommen sind, gegenüber den Todesopfern von Verkehrs­unfällen nur unbedeutend, yn Neuyork wurden ferner 30 Personen dadurch verletzt, daß eine Dampffähre übermäßig stark gegen ihren Landungs­steg anstieß. In St. Louis entstand in einem in der Nähe des Mississippi gelegenen Lagerhaus ein Brand, der bald auf die hölzernen Verlade­rampen in der Nähe der großen Mc. Kinley-Brücke Übergriff, so daß der ganze westliche Brückenkopf gefährdet ist. Die Feuerwehr bemüht sich, den Brand auf seinen Herd zu beschränken und die Brücke zu retten.

Drei tüchtigeFensterputzer". Dreister Einbruch in einem pariser Juwelierladen.

Ein ungewöhnlich frecher Einbruchdieb- st a h l wurde am yellen Tage in Paris in einer stark belebten Straße zwischen Börse und Oper verübt. Drei angebliche Fensterputzer machten sich während der Mittagspause in einem Juwelierladen daran, die Schaufenster des Geschäftes zu reinigen. Sie waren zunftmäßig mit Leitern, Eimern, Wasser und sonstigem Reinigungsgerät ausgerüstet. Zwei derFensterputzer" wuschen ganz gemütlich die Fenster. Der dritte erbrach in dieser Zeit, von einem großen Holzbrett, das sie mitgebracht hatten, gedeckt, die Ladentür und stahl für etwa 300000 Franken (etwa 50 000 RM.) Edelsteine und Broschen. Sodann gingen die drei in aller Ruhe in ein benachbartes Kaffeehaus, wo sie Bier tranken. Ohne Mitnahme ihres Handwerkszeuges find sie darauf verschwunden. Erst als der Eigentümer des Ladens vom Essen zurückkehrte, wurde der Einbruch bemerkt. Von den Tätern hat man bisher keine Spur gesunden. Sie haben lediglich viele Finger­abdrücke an der Schaufensterscheibe zurückgelassen.

Line indische Stadt nledergebrannl.

Nach einer Reutermeldung wurde Abottabad, eine größere Stadt in der Provinz Hazara (Nordwest­indien) nördlich von Rawalpindi, von einem großen Schadenfeuer schwer betroffen. Der ganze indische Stadtteil mit über 1000 Häusern, einem Hindutempel und einer Moschee wurde vollkommen 3 e r ft ö r t.

Eisenbahnunglück infolge Wolkenbruchs in Amerika. 24 Verletzte.

Ein schwerer Wolkenbruch unterspülte in dem kleinen amerikanischen Ort Bainvillo (Mon­tana) den Eisenbahndamm. Die Folge davon war, daß ein Schnellzug der Great-Northern-Eisenbabn entgleise und in einen Graben stürzte. 24 Personen wurden dabei verletzt, einige davon schwer.

Neue Gerüchte um Oberst Lawrence.

Auf einem aus Englisch-Somaliland in Mar­seille eingetroffenen Dampfer soll sich, wie der Mattn" berichtet, Frau Lawrence, die Mut­ter des berühmten Obersten Lawrence, dessen Ab­leben vor einiger Zeit gemeldet wurde, befinden. Sie stehe nicht auf der Liste der Fahrgäste, und nur die Anwesenheit eines starken Polizeiaufaebots habe ihre Ankunft bestätigt. Frau Lawrence sei an Bord geblieben und im Laufe des Abends mit dem Dampfer nach London weitergereist. Das Pa­riserJournal" verzeichnet allerhand Gerüchte, wonach hinter dem alsFräulein Shaw" abge­gebenen geheimnisvollen Fahrgast in Wirklichkeit der totgeglaubte ober totgesagte O b e r st Law­rence stehe, der unter dem NamenShaw" in einem englischen Flieger-Regiment gedient hat. Das angebliche Fräulein Shaw habe trotz aller Be­mühungen von englischen Berichterstattern, die

eigens aus London gekommen feien, fick geweigert, ihre Kabine zu verlassen. Man habe iyr eine An­zahl von Briefen übergeben. Einige Fahrgäste unb Mitglieder der Besatzung seien überzeugt, daß hin­ter der geheimnisvollen Dame tatsächlich Oberst Lawrence stehe.

Ein schweres Deilehrsunglück an der Bergstraße.

LPD. Bensheim, 5. Juli. Beim staatlichen Nebmuttergarten ereignete sich ein schwerer Ver­kehrsunfall. Ein Mannheimer Personenauto wollte das Fuhrwerk eines Heidelbeerverkäufers überholen und stieß dabei mit einem Berliner Fernlastwagen zusammen. Der Besitzer und der Chauffeur des Personenwagens wurden in fast hoffnungslosem Zu st and aus dem auf­gerissenen Wagen geborgen. Auch der Beifahrer des Heidelbeerverkäufers erlitt erhebliche Verletzungen. Der Lastkraftzug rannte ge­gen einen Straßenbaum, wobei der Anhänger um­schlug und mit den Rädern nach oben zu liegen kam. Der im Anhänger schlafende Bremser blieb wie durch ein Wunder unverletzt. Der wüste Trümmerhaufen am Unglücksort machte die vor­übergehende Umleitung des Verkehrs über Lorsch notwendig.

15 000 Goldstücke ausgegraben.

Bei Straßenarbeiten in der Nähe des Klosters Scharley-Piekar in Oberschlesien stießen drei Ar­beiter auf einen harten Gegenstand. Es stellte sich heraus, daß sie einen großen Goldschatz ent­deckt hatten. Die Eisenurne, in der sich das Gold befand, wurde bei der Ausgrabung beschädigt und es fielen nicht weniger als 15 0 0 0 Goldstücke heraus. Die Arbeiter gerieten um den Goldschatz in einen heftigen Streit, so daß schließlich ein in der Nähe befindlicher Polizeiposten darauf auf­merksam wurde. Die Polizei beschlagnahmte dar­aufhin den ganzen kostbaren Fund.

Die Strafanträge im Hamburger Kommunistenprozeß.

Im Hamburger Kommunistenprozeß beantragte der Staatsanwalt gegen die beiden Rädelsführer Walter R e f ch k e und Heinrich Heins die To­desstrafe und lebenslänglichen Ehrverlust. Gegen vier weitere Angeklagte forderte er lebensläng­liche Zuchthausstrafe. Gegen die übrigen Angeklagten wurden längere Zuchthaus- und Ge­fängnisstrafen beantragt. Gegenstand der Verhand­lung war der Feuerüberfall auf einen national­sozialistischen Fackelzug am 6. März 1933 in der Nähe des Gaetzler-Platzes in Altona. Der Ueberfatt hatte drei Todesopfer und eine große Zahl Ver­letzter, darunter SA.-Männer und Polizeibeamte, gefordert.

Glückliche Väter hüben und drüben.

Was Glück ist, darüber sind sich die Menschen noch immer nicht einig. Jeder versteht etwas an­deres darunter, und nicht selten kommt es vor, daß dem einen Glück bedeutet, was sich dem anderen als Unglück darstellt. So scheint es in Ame­rika nicht zum Glück zu gehören, wenn man mit Zwillingen beschenkt wird. Wäre es sonst möglich, daß es dort Versicherungen gegen Zwil­linge gäbe? Versicherungen, die sogar kräftig in Anspruch genommen werden, wie jene, die letzthin einem Vater, der mit Zwillingenbeglückt" wurde, für eine noch rechtzeitig gezahlte Prämie von 90 Dollar denGewinn" von 1000 Dollar ausschütten mußte. Alle Welt in Amerika bestaunt diesen vor­sichtigen Vater Jack Coffey, der sich so gegen das drohendeFamilienglück" sicherte und versicherte. Ja, wie verschieden sind doch die Anschauungen vom Glück! Ist es nicht bei uns in Deutschland just umgekehrt? Zwar gibt es auch bei uns so etwas ähnliches wie eine Prämie, wenn Bruder Adebar schwerbeladen ein Zwillinspaar ablädt. In dem glücklichen Falle, wie es in den Prospekten der Lotterieeinnehmer heißt, nämlich, indem es sich um eineE h e st a n d s d a rl e h e n e h e" handelt, muß der Staat gleich zwei Raten auf einmal erlassen. Aber kommt es dem deutschen Vater nur auf dieses klingende Glück an? Klingt nicht vielmehr etwas ganz anderes in ihm auf? Nämlich Stolz und Freude? Und zwar, daß es ihm gelungen ist, auch ewas zu sichern und zu versichern: die Zukunft Deutschlands! Der Unterschied zwischen den beiden glücklichen Vätern ist eben der, daß der eine sein Glück im Nehmen, der andere im Geben sieht.

Wetterbericht

de» Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.

Der mächtige nordosteuropäische Tiefdruckwirbel hat seinen Einfluß auf die Witterung Deutschlands verstärkt. Dabei strömen unter lebhaften westlichen bis nordwestlichen Winden kühlere vom Meer stam­mende Luftmassen auch in unser Gebiet ein und haben, vornehmlich nördlich der Mainlinie, schon Anlaß^ zu Schauern gegeben. Die Unbeständigkeit und Regenneiguna nimmt weiter zu.

Aussichten für Sonntag: Veränderliche Bewölkung, meist schauerartige Niederschläge, Tages­temperaturen zwischen 15 und 20 Grad, lebhafte westliche, vorübergehende nordwestliche Winde.

Aussichten für Montag: Unbeständig und zu Niederschlägen geneigt.

Lufttemperaturen am 5. Juli: mittags 23,8 Grad Celsius, abends 18,8 Grad; am 6. Juli: morgens 16,9 Grad. Maximum 25,2 Grad, Minimum 16,5 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 5. Juli: abends 23 Grad: am 6. Juli: morgens 19,6 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 6,7 Stunden. Niederschläge 0,2 mm.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen , Teil i. 93.: H. L. Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VI. 35: 10 150. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei

R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.

Zur Zeit ist Preisliste Nr. 2 vom 2. Juli 1934 gültig.

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