Ausgabe 
6.4.1935
 
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dungsstück, nachdem es durch viele Hände ging und dann einer anschließenden gründlichen Kontrolle unterworfen war, in die Bügelei befördert wird.

Mit Dampf und unter hohem Druck werden die einzelnen Teile, Aermel, Rücken, Vorderteile usw. sorgfältig gebügelt. Fix und fertig verlassen die Kleidungsstücke den Bügelsaal. Das Lager und der Verpackungsraum sind die letzten Stationen des Be­triebes. Interessant zu hören ist, daß durch die Firma Bücking, die in vieler Hinsicht bahnbrechend wirkte, die Zweinadelmaschine vor dem Kviege in der Berufskleiderfabrikation eingeführt und von der-

selben benutzt wurde.

Durch die Einführung der Hydronfarbe, insbe­sondere für blaue Arbeitsanzüge, erweiterte sich die Firma ihr Absatzgebiet sehr wesentlich. Vor einigen Jahren ging man sogar, um einer erhöhten Halt­barkeit der Erzeugnisse willen, dazu über, die Drei­naht für Arbeitsanzüge der Mechaniker, Schlosser usw. einzuführen. Diese Dreinaht wird auf einer Maschine in einem Arbeitsgang hergestellt. Drei Nadeln nähen also zu gleicher Zeit nebeneinander.

Ein Blick in die Werkstätten der Firma Bücking vermittelt den Eindruck einer intensiven und ziel­bewußten Arbei, die nicht nur der Firma, sondern auch unserer oberhessischen Heimat in der ganzen Welt zur Ehre gereicht.

wird, werden die einzelnen Teile ausgeschnitten. In einem geschlossenen Block liegen dann sofort 60 völlig gleichmäßige Schnitte übereinander. Kleinere Teile mit vielen Rundungen in ihrer Form, die mit dem schweren Motormesser nicht geschnitten werden kön­nen, werden auf einer Maschine bearbeitet, in der ein schmales, endloses Messerband läuft, das jede Feinheit des Schnittes gestattet. Je nach der Größe werden dann die einzelnen Teile, Futter usw., für irgendein Kleidungsstück zusammengestellt, um als festes Bündel in den Nähsaal zu wandern.

Im Nähsaal steht eine Maschine neben der andern. Alle sind mit motorischer Kraft betrieben und ar­beiten außerordentlich rasch. Zahlreiche Männer und Frauen sind hier tätig und nähen in rationell ge­teilter Arbeit Teil an Teil. Spezialmaschinen, von Männern bedient, nähen Säume, schlingen Knopf-

Normalgrößen angepaßt sind. Nun muß man aber | löcher, nähen Knöpfe an, bis schließlich das Klei- nicht denken, daß jedes Teil einzeln zugeschnitten wird! Nein! Vielmehr werden durch einen einfachen, sinnreichen Apparat von langer Bahn viele (oft bis zu sechzig) Lagen Stoff übereinander gebracht und auf die oberste Lage dann mit Kreide unter Zuhilfe- nähme des Schnittmusters und unter äußerster Aus­nützung des Stoffs die einzelnen Teile ausgezeichnet. Mit einem besonders konstruierten Messer, das sich rasch auf und abwärts bewegt und von einem un­mittelbar damit verbundenen Elektromotor betätigt

Geschichten aus aller Welt.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Weshalb es in Siam keine Bubenköpfe gibt.

(h. h.) Bangko k.

Nachdem die jungen Siamesinnen Jahr und Tag die Amerikanerinnen und Engländerinnen beneidet hatten, die mit gebobbten Haaren in Siam auf­tauchten, versuchten sie auch selbst, die Sitte in ihrem Lande einzuführen. Sie stießen aber auf einen erheblichen Widerstand und zwar von feiten der Regierung. Es wurde ihnen strikte unter­sagt, die Haare kurz schneiden zu lassen. Nicht etwa aus Bedenken allgemeiner ober aus religiösen Gründen, sondern wegen einer geschichtlichen Erinnerung:

Als nämlich vor einigen hundert Jahren Siam von Norden her mehrfach von Feinden bedrängt wurde, stellte der König von Siam ein Amazonen­heer zusammen, dessen Mitglieder kurzgeschnittene Haare trugen. Alle Nachkommen jener Frauen, die in diesem Heere dienten, durften seitdem kurze Haare tragen. Die Nachfahren der Amazonen aber sind ausgestorben! Nur die Erinnerung an diese große Amazonenzeit ist noch lebendig. Und ihr blieb die Regierung von Siam treu, als sie den mo­dernen Siamesinnen die gebobbten Haare verbot...

Was zuviel ist, ist zuviel.

D. B o mb a y.

In einer indischen Industriestadt wurde ein be­sonders raffinierter Gaunerstreich aufgedeckt, der einen indischen Arbeiter beinahe zum reichen Mann gemacht hätte. Dieser kluge Mann war in einer Zigarettenfabrik angestellt. Jeden Tag brachte er still und heimlich seine Brieftaube mit in die Fabrik, band ihr ungesehen ein paar Päckchen Zigaretten unter den Leib und ließ sie aufstetgen. Das brave Tier flog dann heim, wo die Frau des Arbeiters ihr die Last ab nahm.

So ging das Tag für Tag, und in der Fabrik hatte man noch nichts von dem Diebstahl gemerkt. Bis der Inder allmählich die Geduld verlor. Die wenigen Päckchen täglich genügten ihm nicht, er wollte so schnell wie möglich reich werden. Nach und nach erhöhte er die Zigarettenlast der Taube, und willig ließ sie sich immer mehr aufladen. Aber schließlich ging es nicht mehr, die Taube stürzte auf die Straße herab, wo sie gefunden wurde, und damit war die Gaunerei ans Licht gekommen.

Das hübsche Kindermädchen.

R.D. Los Angeles.

Die kleine Miß Mabel Talgarth, die erst vor zwei Jahren von England nach Amerika ausgewandert war, hatte sich schon einen hübschen Batzen Geld erworben, als man ihr endlich das Handwerk legte. Die junge Dame hatte verschiedene Stellungen als Kindermädchen angenomen. Ueberall hatte sie mehr

Augen für den Hausherrn als für die ihr anver­trauten Kinder und verdrehte den Männern rasch den Kopf sie war hübsch und erst 22 Jahre alt.

Es kam bis zum ersten Kuß. Dann drohte das liebe Mädchen plötzlich mit einem Riesenskandal. Alles sollte die Gattin erfahren, und höchstens dann würde sie sich bereit erklären, still zu schweigen, wenn ihr der Hausherr eineAbfindungssumme" zahlte. Sprachlos vor Schreck und Ueberraschung pflegten dann die hereingefallenen Ehegatten ihre Brieftasche zu ziehen und dem Mädchen das Geld einzuhändigen. Dann ging Miß Mabel zur Haus- ftau, kündigte und bekam, natürlich nicht ohne heimliche Hilfe von feiten des Hausherrn, ein glän­zendes Zeugnis. Dieser Trick gelang dem Mädchen neunmal.

Beim zehnten Mal fiel sie selbst herein. Der be­treffende Hausherr hatte nach der Drohung des Kindermädchens den Mut, feiner Frau den Kuß einzugestehen und Miß Mabel wegen Erpressung bei der Polizei anzuzeigen. Da kamen dann durch eifrige Nachforschungen die Schandtaten des tüch­tigen Kindermädchens heraus, und zum Trost für alle Ehemänner wurde Miß Mabel aus den Ver­einigten Staaten ausgewiesen.

Wo ist Gladstones Stimme?

() London.

Alle englischen Zeitungen und alle englischen Rundfunksender im Mutterland und in den Domi­nions beteiligen sich an der Suche nach einer be­rühmten Stimme: der des großen Staatsmannes Gladstone. Das Archiv der englischen Rundfunk- aesellschaft besitzt eineDiskothek", das heißt eine Sammlung berühmter Stimmen auf Grammophon- platten aus den Anfängen des Sprechapparates. Man besitzt auch die Stimmen der Königin Vik­toria und Lord Deaconsfield-Disraelis. Aber eben die Stimme seines großen Gegenspielers Gladstone fehlt, obwohl feststeht, daß sie anläßlich eines Banketts in Kensington auf einer Platte ausgenom­men worden ist, die leider spurlos verschwand Alle Besitzer älterer Platten werden deshalb gebeten, einmal eine Inventur oorzunehmen, bei der viel­leicht doch noch Gladstones Stimme entdeckt wird. Sollte das nicht der Fall sein, will die englische Rundfunkgesellschaft einen Schauspieler, der eine ähnliche Stimme wie Gladstone besitzt, damit be- auftragen, eine Platte für ihre Diskothek zu be­sprechen.

Ein Esel und ein Ochse

(h. k.) Gibralta r.

Auf diesen Sieg ist die Besatzung von Gibraltar sehr stolz: sie hat ihren Esel gerettet. Der sollte ent­sprechend den Regierungsverfügungen über die Umstellung in der britischen Armee eigentlich längst abgeschafft sein. Heute aber steht es nun fest: der

Traum über einer Landkarte.

Von Friedrich Bischoff

Die Märzdrossel singt. Ich bin von Wandersehn- sucht befallen. Wie ein Fieber springt es mein Blut an und treibt mich durch die Straßen. Ich habe den ersten Halm aufleuchten sehen in gitterumschlossenen Edelgärten. Ich habe vor den Schaufenstern der Reisebüros gestanden und sah den Pic Teneriffa rauchend und glühend aus der Perlmutterschale kanarischer Inseln steigen. Ich sah es, und Tama­rindengebüsch schlug über mir zusammen, und ich verwuchs zu Oleanderblüte und honigquellender Frucht. Fregattvögel lärmten unter rosigen Wolken. Aufschreiend schwärmten sie über den Strand und ritzten mit silberner Schwinge die salzig rollende Flut. Ich stand und sah es inmitten der großen deutschen Stadt, überrauscht von Regenschauern und dem Getümmel der Plätze. Ich sah es, lebendig wurde das leuchtende Plakat, auf dem das riesige Meerschiff in die ungeheure Ferne zog.

Wie war ich nach Hause gekommen? Ich weiß es nicht mehr. Die Bäume fröstelten noch laublos vor dem Fenster. Ich saß und sann.

Die uralte Landkarte hatte ich aus der Lade her­vorgeholt, auf der sich die Götter Jupiter, Mars, Saturn und Neptun in die Meere und Kontinente teilen und die Erde zur Kugel wölben. Zierlich und kühn waren Meridian und Breitengrad, Insel, Un­tiefe und Meerungeheuer mit stählerner Nadel ge­stochen. Nichts war vergessen. Dämonenfratzen wog­ten medusisch aus Maelftrömen auf, der Steinbock sprang mit spitzem Sterngehörn über den südlichen Wendekreis, und wundersam war es zu lesen, schwarz auf weiß, das mythifche Wort: Thule, dort, wo heute grönländisch grünes Eis sich türmt und winterewig klirrt.

Uralte Sage von Feuer, Erde und Meer stieg auf, Atem versunkenen Landes, eiszeitdurchfrosteter Luft, Wikingerdrachen durchpflügten die Wasser, Lummen­schrei über den Segeln, der die Ferne ankündigt, das Abenteuer, die Sehnsucht ins Grenzenlose ..

Ich preßte den Kopf auf das modrige Bütten und rauschte in die Ozeane hinab. Seestern und Qualle zuckten heran und legten sich kühl an die atmende Brust. Glockenhaft dumpf tönte der blaue Wasser­grund. Tintenfische ruderten heran, und die Rochen hingen elektrisch knisternd über züngelnden Korallen­büschen.

Ich sah die Wracks verschollener Weltumfahrer versteinert altern in fischdurchschwungenen, wan­

dernden Wäldern aus grünem Tang. Mattosen- geripp schaukelte über muschelumwucherten See­räuberkanonen und der böse Haifischgott der Süd­see schwamm um die Wunderinseln: Palau, Hawai, Nauru. Steil stieg die Woge zum Fels auf und warf die lichtumblitzten Wassersträhne rückwärts in den Sand. Kanoes schnellten; braune Männer rie­fen. In Bambuströgen schäumte Kokosmilch. Kilaio stand em Muschelstrand, schmalhüftig, urwaldäugig und lächelte mich an. Eine Südseenacht lang feierte ich unter dem wilden Schein polynesischer Sterne. Dumpf scholl das Tanzhaus von Pauken und golde­nem Gong. Der rosige Flamingowind des Mor­gens rief mich fort. Die ungenossenen Länder riefen. Die niegefdjauten Kontinente dröhnten. Bis an die waldzottige Brust standen sie, schäumend, fteinein- geboren im springenden Meere und winkten mit Buchten, Jnselarmen und riesigem, eisewigem Gebirg.

Die Pampas, Arizona, Texas: Der Kontinent­expreß schob sie unter sich zusammen. Aber auf den Gletschern Tehuantepeks standen die indiani­schen Götter Mexikos und warfen mir die heilige Sonne zu. Das Meer spie Feuer und lohte gelb mit Vogelschwärmen in den Abend des Zodiakus. Das große Meerschiff aus dem Plakat der Reiseauskunf- ten brach durch die atlantischen Stürme, schwarz und gischtend. In Yokohama holte es mich ein. Ich grüßte es und ging an Bord. Wir fuhren weit durch Traum und Nacht und Tag und tarnen erst an einem Frühlingsmorgen in der Traumstille meiner Stube heim ...

Ich stand an einer Reiseauskunftei. Eine große Reife habe ich getan. Nach einem Traumjahrtausend kam ich wieder. Nun steht die Frühe fröstelnd über der Stadt. Die Märzdrosfel singt wieder. Von neuer Wandersehnsucht bin ich befallen. Ich werde mir eine Bahnsteigkarte lösen, um die Fernzüge fahren zu sehn; die alte Länderkarte an die Brust gedrückt. Wie eilt fieber springt es mein Blut an und treibt mich fort.

Eine Nohnveihe wird photographiert.

Man kann als Naturfreund auch in Deutschland, an einem kleinen pommerschen See, die schwierig­sten Abenteuer erleben. Im undurchdringlichen Dickicht haust die Rohrweihe, und als Fritz Sie- d e l beschloß, sie aufzunehmen, ahnte er nicht die unendliche Mühsal, der er sich unterzog. Anfang April suchte er nach dem Horst und schickte sich an, den 20 bis 80 cm tiefen See zu durchwaten. Wie es ihm dabei ging, erzählt er im Aprilheft von Velhagen & Klasings Monatsheften:

Essl von Gibraltar bleibt, uni) würde er alt wie jener sagenhafte Methusalem!

Er ist der letzte aller englischen Armee-Esel. An eigenartigen Tieren innerhalb der Armee findet man im übrigen nur noch einen Ochsen, der auf Mauritius haust. Bis zum vorigen Jahre hielt man an Stelle dieses Ochsen ebenfalls einen Esel. Warum nun dieser Esel einem Ochsen Platz machen mußte, ist nicht einmal dem Generalstab der britischen Armee ganz klar geworden.

Immerhin tröstet man sich über ben letzten noch vorhandenen Esel hinweg mit dem Gedanken daran, daß manchmal sogar auch Esel in der Geschichte eines Landes eine große Rolle gespielt haben...

Der verkannte Caruso.

(a. d.) Rom.

Jeden Abend pünktlich um halb elf Uhr ertönte seit langer Zeit vor einem großen Miethaus in einer Vorstadt Roms eine Serenade: zu den Klängen einer Gitarre erscholl die Stimme eines Tenors, der stets dieselben Lieder vortrug:Una furtiva la- crima,Torna a Sorrentq oderVorrei bac- ciar ..

In jeder Wohnung des Miethauses lebte wenig- ftens ein junges weibliches Wesen, und es blieb ein ungelöstes Rätsel, welcher von ihnen das obligate Abendständchen eigentlich galt. Aber je öfter sich der Tenor einstellte, desto ärgerlicher und miß- ttauischer wurden die männlichen Bewohner des Hauses! Schließlich argwöhnte ein jeder, das Ge­singe gelte seiner Tochter, seiner Nichte, seinem Dienstmädchen ober gar seiner Frau! Hin unb wieder tat sich ein Fenster auf, unb eine rauhe Männerstimme forderte den unglücklichen Sänger auf, sich zum Teufel zu scheren, ja, die Aufforbe- rung war sogar manchmal von einem Guß kalten Wassers begleitet. Als das aber alles nichts half, bemächttgten sich eines Abends einige handfeste Ein­wohner des Sängers unb schleppten ihn auf die Po­lizeiwache.

Zum allgemeinen Erstaunen stellte sich dort her­aus, daß die Serenaden nicht das geringste mit einer Herzensangelegenheit zu tun hatten. Der Tenor sang vielmehr aus reiner Liebe zur Kunst. Er sei überzeugt, meinte er, seine Kehle sei nicht weniger wert als die des großen Caruso. In dem betreffen­den Hause wohne ein Gesanglehrer. Dem und niemandem anders hätten seine abendlichen Kunst- barbietungen gegolten! Wenn der nämlich erst ein­mal feine Stimme höre, würde er ihm schon den Weg zum Erfolg ebnen ...

Weil das Zimmer des Gefanglehrers auf einen Hinterhof hinausgeht, riet man dem hartnäckigen Sänger, den Lehrer doch am einfachsten dort einmal persönlich aufzusuchen. Aber der Tenor meinte, als armer Tapezierer, der über keine Mittel unb keine Beziehungen verfüge, könne er bas boch nicht wagen. Da erbarmte sich ber Pvlizeikommiffar unb schrieb ihm einen Empfehlungsbrief. Ob das helfen wird?

Wenn das Standesamt sich irrt .

(c. s.) VUdape st.

Zu komischen Verwicklungen führte in der Ge­meinde Mugaras in Siebenbürgen ein kleiner Schreibfehler, der vor 26 Jahren dem dortigen Standesbeamten unterlaufen war:

Lukrezia Breban stellte sich vor einigen Wochen auf dem Standesamt als Braut des Johann Barla vor, um vor der kirchlichen Trauung ihre Ehe staatlich fanttionieren zu lassen. Pflichtgemäß blät­terte der Standesbeamte in dem Geburtsregister nach. Und erklärte dann streng, Lukrezia fei ja gar fein Mädchen! Der damals zuständige Standes­beamte habe sie jedenfalls alsNikolaus Breban" eingetragen, unb tnfolgebeffen könne sie bie Ehe mit Johann Barlazunächst" noch nicht eingchen. Es blieb der armen Braut nichts anderes übrig, als sich mit einem Gesuch an das Gericht zu wenden unb die Berichtigung des standesamtlichen Geburts­registers zu verlangen. Das Gericht war so ent­gegenkommend, bie Angelegenheit in einer sonst von ihm nicht gewohnten Schnelligkeit zu erledigen. Alles schien damit in Ordnung gebracht, unb von neuem begann man, die Eheschließung vorzuberei­ten. Bis die Militärbehörden dazwsichenkamen! Lu­krezia, die im Jahre 1909 geboren wurde, war in­folge der fehlerhaften Eintragung des Standes­beamten inzwischen auf die Liste der Militärdienst- pflichtigen gekommen. Da sichNikolaus" Breban Barfuß nur mit Holzpantoffeln unter den Füßen, ging es hinein. Andauernd wickelten sich Rohr­halme um Körper und Beine. Das Wasser ging manch »al nur halb bis an die Knie, oft aber auch bis an den Leib. Zwei Stunden war ich schon unterwegs. Hin und wieder bog ich besonders dichten Stellen aus, wo das Rohr von mehreren Jahren unentwirrbar durcheinandergefilzt war. Dadurch kam ich aus der Richtung. Schweißtrie­fend suchte ich nach einem Ausweg. Endlich fand ich eine flachere Stelle, an der ich weitergehen konnte. Noch eine Stunde watete ich weiter und war dann wieder am Ufer. Dreiundeinehalbe Stunde war ich unterwegs gewesen, nur 350 Meter hatte ich zurücklegen können. Die Füße und Schienbeine bluteten überall von Rissen und Schnitten, die ich mir durch die scharfen Rohr- ftengel zugezogen hatte. Gefunden hatte ich keinen Horst. Eine Woche habe ich bann noch gesucht, bis ich den ersten Horst fand. Viel Kopfzerbrechen bereitete mir die Frage, wie ich es wohl anftellte, so dicht an den Horst zu kommen, daß ich die Wei­hen photographieren konnte. Aus Holz und Segel­tuch baute ich eine kleine Hütte, in genau dersel­ben Farbe wie das Rohr. Wo das tassengroße Tele-Objektiv heraussah, hatte ich eine Sonnen­blende angebaut, hinter ber eine Glasscheibe das Objektiv markierte. Um auch aus ber Hütte sehen zu können, hatte ich an berfelben Seite, an ber bas Objektiv mar, eine Lichtschleuse angebaut, burch bie man wohl von innen hinaussehen, aber nicht von außen hereinsehen konnte. Diese Hütte brachte ich mit meinem ständigen Helfer in die Nähe des Horstes, 25 Meter davon entfernt. An den Trans­port dieser Hütte durch die Rohrdickichte bis zum Rohrweihenhorst werde ich mein ganzes Leben denken. Aber jede Arbeit hat einmal ein Ende, auch diese. Als wir mit der Hütte ankamen, flog die brütende Weihe weg, doch da wir die kleine Hütte, die eine tadellose Schutzfärbung hatte, ja 25 Meter vom Horst entfernt aufstellten, umflog sie, nachdem wir weg waren, wohl einige Male arg­wöhnisch die Hütte, um bann aber gleich wieder auf den Horst zu gehen, von dem aus die Hütte durch die dichten Rohrwände natürlich nicht sicht­bar war. Nun ging ich jeden Tag um die Mit­tagszeit an die Hütte und stellte sie jedesmal einen Meter näher an den Horst heran. Es fiel der Rohrweihe nicht auf, daß bie Hütte immer näher herankam, ba sie sie ja schon kannte unb wußte, daß dieses Etwas für sie ganz ungefährlich war. Endlich war ich dem Horst auf 8 Meter nahe­gerückt; so dicht muß man mindestens fein, um ein gutes Bild mit dem Tele-Objektiv zu erhalten."

ftfir den Ariefmarkensammler.

Eine eigenartige Wohlfahrtsbriefmarke wurde soeben in Belgien herausgegeben. Sie zeigt die Kinder des belgischen Königspaares.

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natürlich nie gestellt hatte, wurdeer" feit Jahren schon im ganzen Königreich Rumänien als Fahnen­flüchtiger gesucht...

Nachdem bann aber endlich alle Schwierigkeiten beseitigt waren, wurde die Hochzeit der nunmehr richtig eingetragenen Lukrezia mit vielem Auf­wand, wie ihn nur eine siebenbürg siche Bauern­hochzeit kennt, gefeiert. Uebrigens wurde auch jener Standesbeamte, der durch feine falsche Eintragung all die Verwicklungen verursacht hatte, und der sich schon lange vom Dienst zurückgezogen hatte, ein­geladen. Bis Mitternacht erhielt er aber statt Wein nur Selterswasser zu trinken,damit er für seine damalige Zerstreutheit wenigstens nachttäglich noch ein bißchen bestraft werde".

Das Ende desBlauen Sterns".

(u) Prag.

Heute ist nur noch ein großer Schutthaufen übrig­geblieben vom berühmtenBlauen Stern", einst einem der besten Hotels von Prag. Eine Bank, die Expansionsbedürfnisse hatte, stellt einen Neubau in diese Schuttinsel hinein. Es verlohnte sich nicht, von demBlauen Stern" zu sprechen,' wenn er nicht eine große Vergangenheit gehabt hätte:

Hierbaute" man den Frieden von Prag im Jahre 1866, auf dem Balkon dieses Hotels stand der König von Preußen und nahm den Vorbei­marsch der siegreichen Truppen ab. Auch Kronprinz Friedrich, Bismarck und Moltke wohnten einst hier. Und dasFriedenszimmer", ber Raum, wo der Friebensvertrag unterzeichnet würbe, ist bis in bie letzten Tage in dem Hotel wie ein Heilgtum gehütet worden. Dorthinein stellte man kein Bett, dort durfte auch kein Reisender auf dem Sofa ruhen, wenn alles überfüllt war.

Nun ist alles dahin. Das Haus ist abgebrochen. Die Möbel standen in der letzten Woche auf eindr Auktion.

In den Katakomben von Wilna.

(ha) Wilna.

In alten Chroniken von Wilna tauchten immer wieder Angaben über mysteriöse Katakomben auf, die sich unter einem großen Teil ber Stadt Hin- Ziehen sollen. Ein Historiker fand nun auch beim Studium ber Akten über bie erfolglose polnische Revolte gegen Rußland im Jahre 1863 einige Be­merkungen über diese Grabkammern. Er nahm diese Tatsache zum Anlaß, mit einigen anderen Historikern große Nachforschungen anzustellen, die von einem überraschenden Erfolg gefrönt waren:

Ausgehend von einem Dominikanerkloster, unter dessen Altar ein Eingang in das unterirdische Wilna gesunden wurde, drang man viele hundert Meter weit vor und aeriet schließlich an zwei große Kam- mern, bereu Türen gesprengt werden mußten. In den Kammern bot sich den Augen der Forscher ein grauenvolles Bild! Männer, Frauen und Kinder lagen durcheinander auf dem Boden, fast alle noch vollkommen erhalten unb infolge des Mangels an Luft kaum verwest. Erst jetzt, als frische Lust ein» brang, zerfielen bie Toten rasch.

Die Untersuchungen ergaben, daß es sich um Re­bellen von 1863 handelte, die in die Katakomben geflüchtet waren, hier aber von einer Abteilung russischer Soldaten überrascht unb erschossen wur­den. Man ließ sie liegen, wie sie fielen und schloß nur hinter diesem grauenvollen Schauspiel die Türen zu hoffend, daß nie eines Menschen Auge I die schrecklichen Spuren dieser Metzelei erblicke.

Eine Reihe prachtvoller Aufnahmen, die ber Ver­fasser in Velhagen & Klasings Monatsheften zeigt, war ber mühsamen Arbeit Lohn.

Hochschulnachnchten.

Der in Marburg im Ruhestanb lebenbe Orbi- narius ber romanischen Philologie an ber Universi­tät Greifswalb, Geh. Reg.-Rat Professor Dr. Edmund Stengel, beging am 5. April seinen 9 0. Geburtstag. Bis zum Jahre 1896 gehörte er ber Marburger Philosophischen Fakultät an und war ber erste Direktor bes auf seine Anregung ge­stifteten romanischen Seminars ber Universität. In biefe Zeit fällt bie erste Blüte ber neuphilologischen Stubien in Marburg. Gelegentlich seines golbenen Doktorjubiläums 1918 erneuerte bie Bonner philosophische Fakultät ihm bas Doktorbiplom und betonte dabei seine reiche wissenschaftliche Tätigkeit auf dem Gebiete namentlich des Altfranzösischen und Provenzalischen. Geheimrat Stengel ist seit fast 20 Jahren erblindet und lebt seit zehn Jahren in Marburg, wo sein Sohn, Professor Dr. Edmund Stengel, als Ordinarius für mittlere und neuere Geschichte und Direktor des Seminars für historische Hilfswissenschaften wirkt.

Der nichtbeamtete außerordentliche Professor unb Oberarzt an ber Frankfurter Universitäts-Kinber- klinik unb Poliklinik, Dr. med. Helmut Momm­sen, ist mit ber Vertretung ber burch bie Emeritie­rung bes ordentlichen Professors Dr. von Met­tenheim freigewordenen planmäßigen Professur für Kinderheilkunde und mit der Leitung der Uni­versitäts-Kinderklinik unb Poliklinik bis auf weite­res beauftragt worben.

Der Privatbozent Dr. Erwin Wolff in Kö­nigsberg ist auf ein neugeschaffenes planmä­ßiges Extraorbinariat für Klassische Philologie an ber Universität Frankfurt berufen worben Er nimmt feine Vorlesungen mit bem Beginn bes Sommersemefter? auf.

Der nichtbeamtete außerorbentliche Professor Dr. phil. Paul Kirn an ber Universität Leipzig ist als planmäßiger Extraorbinarius für mittlere unb neuere Geschichte an bie Universität Frankfurt berufen, worben. Er nimmt seine Vorlesungen mit bem Beginn bes Sommersemesters 1935 auf.

Provatbozent Amts- unb Lanbgerichtsrat Dr. Walter Hamel in Greif swalb ist beauftragt worben, an ber Rechtswissenschaftlichen Fakultät ber Universität Frankfurt im Sommersemester 1935 bas Staatsrecht in Vorlesungen unb Hebungen zu vertreten.