Ausgabe 
5.9.1935
 
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Nr. 207 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Donnerstag, 5. September 1955

Der Kreislauf der Dinge.

13 on Or. Franz Kittler.

Auf dem großen Gebiet der Technik gibt es eine besondere Technik, die man vielleicht am zutreffend­sten als die des ewigen Kreislaufs bezeichnen könnte. Ihre Aufgabe besteht darin, nichts verloren gehen zu lassen, jeden einmal verwendeten Stoff wieder zu gewinnen und von neuem zu verwenden. Was überhaupt jemals in diesen Kreislauf gekom­men ist, soll dem für das ganze maßgebenden Ge­danken zufolge niemals mehr aus ihm heraus ge­langen. Äst es für den einen Zweck verbraucht, so wird es für einen anderen benutzt. Es ergibt sich eine ständige Umwälzung, die oft mit einer Um­formung, mit einem Einschmelzen oder einer son­stigen Behandlung verbunden ist.

An sich ist dieses Bestreben durchaus nichts Neues. Die heutige Technik ist aber in höherem Maße als früher bemüht, die Verfahren mehr und mehr zu verbessern und darauf hin zu wirken, daß sie möglich st wirtschaftlich arbeiten und daß möglichst wenig verloren geht. Ganz hat sich das Ideal des vollkommen verlustlosen Arbei­tens bis jetzt noch nicht erreichen lassen, und es ist zweifelhaft, ob es jemals erreicht werden wird, denn die Ursachen, durch die die Stoffe zugrunde gehen, sind sehr mannigfacher Art.

Besonders beim Holz hält es häufig schwer, neue Derwendungsarten zu finden, unterliegt es doch der Austrocknung, dem Schwund, der Fäul­nis, dem Angriff von Infekten und mancherlei sonstigen zerstörenden Einflüssen. Deshalb ist, wenn es eine Zeit lang gedient hat, oft nicht mehr viel mit ihm anzufangen. Versuche, es in den Kreis­lauf zurückzugeben, werden in einer ganzen An­zahl von Fällen fruchtlos bleiben müssen. Dor allem auch dann, wenn die K o st e n f r a g e mit in Berücksichtigung gezogen werden muß. Das ist insbesondere bei manchen alten Holzschiffen der Fall. Bei eisernen Schiffen werden, nachdem sie für die Seefahrt unbrauchbar geworden sind, alle Eisenteile irgendwie wieder nutzbar gemacht. Sie bleiben im Kreislauf. Die Holzplanken und anderen Holzteile jedoch können ihm unter Um­ständen schon deshalb nicht zurückgegeben werden, weil sich die Vorarbeiten hierzu viel zu teuer stellen würden. Selbst die im Holz sitzenden Metallteile können wertlos werden, wenn es zu viel Mühe und Arbeit machen würde, sie herauszunehmen. Wegen

dieser Metallteile und der Notwendigkeit, sie zu entfernen, stößt manchmal sogar die Benutzung des Holzes als Brennholz auf gewisse im Preis be­gründete Schwierigkeiten, ganz abgesehen davon, daß beim Verbrennen eine Zurückführung der Holzteile in den Kreislauf unmöglich geworden ist.

Die Frage der Verwertung alter Holzschiffe stellt also die Technik vor gewisse Schwierigkeiten. Sie hat diese bis jetzt noch nicht vollständig und vor allem nicht im Sinne des ewigen Kreislaufs, also nicht in der Werse zu lösen vermocht, daß in jedem Fall, wie er auch liegen möge, sowohl Holz- wie Metallteile eine erneute Verwenduna finden. Trotz­dem hat sich in neuerer Zeit eine Technik heraus­gebildet, die wenigstens eine billige Gewinnung des Metalls ermöglicht. Diese Technik besteht darin, daß man das ganze Schiff anzündet und ver­brennt. Das Hol^ brennt weg, das Metall bleibt übrig. Das klingt sehr einfach, aber auch hier er­geben sich Schwierigkeiten, auf dem Wasser brennt nur der nicht eintauchende Teil. Außerdem fallen zahlreiche Metallstücke auf den Grund und gehen verloren oder müssen durch Taucher heraufgeholt werden. Wenn man aber das Schiff aufs Land heraufzieht, sind dazu besondere Vorrichtungen nötig, und es entstehen häufig erhebliche K o st e n.

Die Technik gibt sich nicht geschlagen. Sie fand ein Verfahren, das allen Ansprüchen genügt und auf der Ausnützung von Ebbe und Flut beruht. An der Küste des Stillen Ozeans, wo man es durchbildete und ausübt, geht man in der Weife vor, daß man zunächst alles bewegliche Metall vom Schiff herunterschafft, so daß nur der Schiffsrumps sowie Masten und Rahen samt den in ihnen stecken­den Metallteilen übrig bleiben. Das Schiff wird ein Stück weit ins Meer hinausgefahren und mit Hilfe leicht entzündlicher Stoffe für die Verbrennung vorbereitet. Zwei Stunden vor Eintritt der Ebbe wird es in Brand gesetzt. Durch dis Ebbe kommt es auf den Meeresgrund zu liegen, der durch die Hitze des Brandes bis zu einem gewissen Grad und in einem gewissen Umkreis ausgetrocknet wird. Ebenso werden durch diese Hitze die Teile genügend trocken, um zu brennen, die vorher ins Wasser eintauchten. Alles Holz wird also vollständig ver­brannt. Die Metallteile fallen auf den Grund. Von hier werden sie im Laufe der folgenden Ebbezeiten ausgesammelt, aufgeladen, abgefahren und dem ewigen Kreislauf zugeführt.

Än Kennzeichen der neueren Metalltechnik besteht darin, daß ständig neue Metallverbindun-

Aus Natur und Technik.

Einsiedler in der Tierwelt.

Von Or. Th. Zett.

Die meisten Menschen lieben Gesellschaft; Sonder­linge, die als Einsiedler leben, gibt es nur wenige. Den Hang zur Einsamkeit treffen wir namentlich bei Personen an, die sich im Gefühl ihrer Kraft bewußt sind, daß sie der Hilfe anderer nicht bedürfen. Bei den Tieren finden wir ganz ähnliche Erscheinungen. Bei einzelnen ist das Herdenleben merkwürdig stark entwickelt. Von den Pferden ist z. B. bekannt, daß sie die für den Reiter so lästige Eigenschaft des Klebens haben, d. h. daß sie sich von andern Pferden nur ungern trennen. Im Zweigespann erdulden sie manches, weil sie schon zufrieden sind, nicht allein zu sein. Wie die Pferde, so leben auch Rinder, Schafe, Ziegen, Gemsen, viele Antilopen, Elefanten, Biber und Ratten in Herden, insbesondere auch Affen. Fast allen Affenarten ist es ein schreckliches Gefühl, allein sein zu müssen. Der Mohammedaner, der sich aus religiösen Gründen schwer zum Töten eines Tieres entschließt, benutzt diese Furcht vor der Ab­sonderung in folgender Weise: Affenherden sind eine furchtbare Plage für den Landwirt, da sie zehnmal mehr verwüsten, als verzehren. Hat man einen solchen Plagegeist gefangen, so schnallt man ihm ein Schurzfell oder ein anderes Kleidungsstück mög­lichst fest um und läßt ihn laufen. Der Affe eilt so­fort zu seiner Herde; die entsetzt sich jedoch vor ihm und will nichts von ihm wissen. Da sie flieht, und er beständig hinter ihr her ist, so ist der Landmann so lange, wie das Kleidungsstück hält, vor einem Besuch dieser Affenherde sicher.

Umgekehrt gibt es auch Tiere, die ausgesprochene Einsiedler sind. In unserer Heimat sind am bekanntesten hierfür Maulwurf und Dachs.

Aber es gibt nicht nur Einsiedler in der Tierwelt in dem Sinn, daß gewisse Tierarten stets einzeln leben, sondern es kommen auch wunderbarerweise unter den Tieren, die sonst in Herden leben, Ein­siedler vor. Besonders häufig ist diese Erscheinung bei den Rindern beobachtet worden. Die wilden Rinderarten trifft man ausnahmslos nur in Herden an, trotzdem findet man auch Einsiedler, gewöhnlich ältere Stiere, die sehr bösartig sind. Alte, unverträg­liche Stiere werden nämlich von dem jungen Nach­wuchs gemeinschaftlich vertrieben und pflegen dann grollende und mürrische Einsiedler zu werden. Von den beiden Vettern, Wisent und Bison, ist die­selbe Erscheinung bekannt. Die einsiedlerisch leben­den Tiere können zu einer wahren Geißel für die Gegend werden und scheinen ein besonderes Ver­gnügen daran zu finden, mit dem Menschen anzu­binden. Allgemein find auch die Einsiedler unter den Kafferbüffeln gefürchtet.

Auch unter den Nilpferden, die sonst ge­sellig leben, findet man alte Bullen als Einsiedler. Ganz besonders ist diese Erscheinung bei den Ele­fanten bekannt. Ein ausgezeichneter Kenner der indischen Elefanten schreibt hierüber:Ein wirklich einsamer Elefant, der nicht mehr mit seinesgleichen zusammengeht, tritt recht selten auf und ist auch dann noch keineswegs immer ein bösartiger Bursche, ein Rogue, wie ihn die Engländer nennen. Dagegen bildet er sich oftmals zu einem tüchtigen Plünderer der Pflanzungen aus, der, mit den harmlosen Kün­sten der Wächter vertraut, sich nicht so leicht durch die Üblichen Mittel verscheuchen läßt.

Fragen wir nach den Gründen, weshalb es Ein­siedler unter Tieren gibt, die sonst gesellig leben, so ist folgendes darauf zu erwidern: Alle Tiere leben gesellschaftlich, die einzeln von ihren Feinden zerrissen würden. Alle Affen Afrikas sind schwächer als der Leopard, deshalb leben sie alle in Her­den, nur der Gorilla ist stärker als diese gefähr­liche Katze, deshalb lebt er allein. Auf Borneo, wo es keine Tiger gibt, lebt der Orang-Utang allein, auf Sumatra, wo Tiger vorkommen, lebt der Orang-Utang in Herden. Ausschluß aus der Herde heißt also so viel, wie Auslieferung an die Feinde. Nun versteht man auch, warum der vorhin er­wähnte Affe durchaus zur Herde zurückkehren will. Um ihrer Existenz willen muß nun die Herde alle

kranken Mitglieder ausschließen, denn diese lähmen die Bewegungsfreiheit der Gesamtheit. Sie werden in kurzer Zeit von den Feinden zerrissen. Die alten Männchen, die als Einsiedler leben, scheinen da­gegen regelmäßig freiwillig aus der Herde auszu­scheiden. Wahrscheinlich sind sie früher Haupt der Gemeinschaft gewesen, lind dann von jüngeren Mit­bewerbern besiegt worden und haben sich auf ihre alten Tage nicht mehr auf das Gehorchen verstehen wollen. Nun begreift man auch ihre gereizte Stim­mung. Daß sie nicht ebenfalls den Feinden erliegen,

erklärt sich daraus, daß sie das stärkste Glied der Herde waren und diese gegen Angriffe verteidigten.

Der grollende Alte, der sich mit dem Gefühl: Undank ist der Welt Lohn! in die Einsamkeit zurück­zieht, findet sich also auch in der Tierwelt. Das Volk sucht allerdinas andere Erklärungen. Die In­dianer haben beispielsweise von den einzeln leben­den Bibern die Meinung, daß diese deshalb von der Gemeinschaft ausgeschlossen wären, weil sie zu faul wären, bei den Bauten mitzuarbeiten.

Was gibt es Neues in der Technik?

Wie bekämpft man einen Autobrand?

Wohl zu den schrecklichsten Todesarten gehört der Verbrennungstod im Auto. Trotzdem immer wieder über solche Katastrophen berichtet wird, erlebt man sie stets von neuem, weil das Uebel nicht in der Ursache erkannt und nicht von Grund aus bekämpft wird.

Besonders gefürchtet find die Vergaser- brände. Die Zylinderexplosionsflamme schlägt dabei in das mit zündfähigem Gasgemisch gefüllte Ansaugrohr zurück, wobei der in der Schwimmer­kammer des Vergasers enthaltene Benzinvorrat an­gesteckt wird. Greifen nun die Flammen erst auf das ölbekrustete Motorgehäuse über, dann kommt die Rettung fast immer zu spät. Man baut also am besten einen automatischen Feuer­löscher ein, der aus einer über dem Vergaser mit der Oeffnung nach unten angebrachten Glocke besteht, die nach unten durch eine dünne Mem­brane zugeschlossen ist. In der Glocke befindet sich ein Löschpuloer von besonderer chemischer Zusam­mensetzung. Ein Zündkabel führt von der Glocke bis an den Vergaser. Bricht nun ein Brand aus, dann explodiert, über die Zündschnur bewirkt, in der Glocke eine Sprengkapsel, das Pulver ergießt sich mit großer Wucht durch die zerreißende Mem­brane über den Vergaser und schließt dadurch die Flammen augenblicklich von der Sauerstoff­zufuhr ab.

An Stelle des Feuerlöschers kennt man auch Alarmvorrichtungen, die bei Ausbruch eines Brandes automatisch ein unverkennbares Signal geben, doch bewährt sich ein Feuerlöscher wegen seiner prompten Betätigung natürlich siche­rer. Will man sich auf einen Handfeuerlöscher beschränken, dann führe man ihn wenigstens in Reichweite mit sich, damit er sofort in Kraft treten kann, wenn es nötig ist. Rechtzeitig ange­wandt, wird sich ein Trockenfeuerlöscher, Der ein Löschpulver unter Kohlensäuredruck auf die Brand­stelle schleudert, oder einer der neuen Schaumfeuer­löscher gut bewähren.

Neue Erfindung in der Autotechnik.

DerBarmenia - Rohölvergaser" be­steht aus folgenden Hauptteilen: dem Vergaser­körper, dem Schwimmergehäuse, dem Rundschieber in Verbindung mit dem Rundschalter und derWirbel- kammer. Der Vergaserkörper dient dazu, dem Roh­öl die notwendige Vergasungstemperatur zu ver­mitteln. Zu diesem Zweck wird der Vergaser an das Auspuffrohr angeflanscht und die Auspuffgase werden durch den Heizraum des Vergasers geleitet. Hierbei umspielen sie den inneren Kem, also den Vergaserraum, bevor sie in die Auspuffleitung ge­langen. Das Rohöl wird dem Schwimmergehäuse vom Haupttank aus, bzw. dem Unterdrück aus, zu­geführt.

Der frühere Benzintank kann für Rohöl ohne irgendwelche Veränderungen benutzt werden. Das Schwimmergehäuse hat die bekannte Konstruktion mit Schwimmnadel, Schwimmer nebst Belastungs­flügel und reguliert lediglich die Brennstoffzufuhr. Von hier aus gelangt das Rohöl in eine Kaliber­düse, welche die notwendige Brennstoffmenge für die Maschine reguliert. Von dort aus fließt der Brennstoff weiter zu der in den Heizraum hinein­

ragenden Spritzdüse und unter dem Einfluß der angesaugten Luft wird das Rohöl in bekannter Weise aus der Spritzdüse mitgerissen und gelangt als Oelluftgemisch in die Ueberhitzerkammer des Vergaserkörpers. Die dort vorherrschende Tempera­tur von zirka 350 Grad teilt sich dem Gemisch mit, wodurch erst eine nutzbare Mischung dieses als Kraftstoff für Explofionsmotore ermöglicht wird. Zur besseren Durchwirbelung und zur Erzielung eines homogenen Gemisches von absolut trockener Beschaffenheit wird das Oel bei Eintritt in die An­saugleitung nochmals durch ein Ueberhitzersieb ge­trieben und in eine Wirbelkammer geleitet. Von da aus gelangt es in den Verbrennungsraum des Mo­tors und wird dort auf gleiche Weise kam- prämiert, entzündet und ausgepufft, wie die bisher gebräuchlichen leichten Brennstoffe. Die Abgase dienen wieder zur Beheizung des Ver­gaserkörpers. Die Verbrennung ist r e st l o s und erzeugt keine Rauchentwicklung. Der Ein­bau des Barmenia-Oelvergasers ist grundsätzlich an allen Wagentypen mit Viertaktexplosionsmotoren möglich. Eine untere Grenze ist durch evtl. Platz­mangel gezogen.

Als Betriebsstoff können anstandslos alle Gasöle verwendet werden, deren obere Siede­grenze zwischen 2 6 5 und 280 Grad liegt. Rückstände an Kerzen und Kolbenböden treten nicht auf, und die Elastizität der mit diesem Vergaser versehenen Maschinen ist im unteren und oberen Drosselbereich gleich gut. Der Motor arbeitet wei­cher als bei Benzinbetrieb. Die betriebs- und volks­wirtschaftliche Bedeutung der Erfindung hat das allgemeine Interesse in Auto kreisen geweckt. Soll doch die Ersparnis an Treibstoffkosten bis 60 v. H. im Durchschnitt betragen.

Das Mikrophon in der Weftentasche.

Der Rundfunkreporter hat es nicht leicht. Wäh­rend er feinen unsichtbaren Zuhörern davon berich­tet, was er beobachtet, muß er stets darauf achten, daß fein Mund möglichst in gleichbleibender Ent­fernung von dem Mikrophon bleibt. Muß er Be­wegungen ausführen, sich fortgesetzt vom Platz be­wegen oder gar Hindernisse bewältigen, dann wird die Lautstärke der Uebertragung oft empfindlich gemindert. Für solche Zwecke hat die Industrie kleine Mikrophone entwickelt, die der Sprecher un­auffällig an seinem Anzug befestigt und bei sich tragen kann, ohne daß er dadurch behindert wird.

Natürlich muß die Empfindlichkeit des winzigen Gerätes der normaler Mikrophone entsprechen, es muß leicht an Gewicht fein und darf trotz der durch die ständige Bewegung hervorgerufenen Erschütte­rung keine Nebengeräusche verursachen.

Das im Handel befindliche sog. Knopflochmikro- phon hat einen Durchmesser von 30 Millimeter und eine Dicke von nur 15 Millimeter. Ein schalldurch­lässiger Stoff verhüllt die Sprechöffnung und schützt auf diese Weise die inneren Teile. Mit einer Klam­mer, die sich an der Rückseite des Mikrophons be­findet, wird das Gerät ganz einfach an dem Anzug des Sprechers befestigt. Zu dem Mikropj^M gehört ein Leibgürtel, an den das Zuleitungskabel vom Mikrophonverstärker angeschlossen ist. Eine feine Litze verbindet den Gürtel mit dem Mikrophon selber.

Mit dem Freiballon auf Fahrt.

Es ist ein großer Unterschied, ob man mit Hilfe eines zuverlässigen Motors sein Flugzeug einem be­stimmten Ziel zusteuert oder ob man, angewiesen auf seine Geistesgegenwart und Geschicklichkeit, sich im Freiballon den Windströmungen anvertraut. Bei dem Motorflugzeug kann heute das Wetter kaum noch entscheidend mitwirken, beim Freiballon ist es der ausschlaggebende Faktor.

Jede einzelne Fahrt wird auf die jeweils herr­schenden meteorologischen Verhältnisse aufgebaut. Der Freiballonfahrer wird sich daher gerade auf diesem Gebiet weitgehende Kenntnisse aneianen müssen. Er ist in diesen Dingen in der Hauptsache auf seine eigene Urteilskraft angewiesen, da ihm die Wetterwarten nur Angaben machen können, die örtlich und zeitlich bedingt find. Oben in der Luft aber kann der Fahrer keine Wetterberichte empfan­gen. Er weiß also beim Ausstieg meistens nicht, w i e lange er in der Luft bleibt, und wo er wieder niedergehen wird. Auch der Aufstieg selbst ist durch­aus vom Wetter abhängig und kann durch starke Bodenwinde, Wolkendecken oder Nebel ganz ver­hindert werden.

In der Luft wird der Ballon von auf- ober ab­wärts steigenden Wellen getragen, die vom Baro­graphen registriert werden. Ist Das Wellenspiel ver­hältnismäßig sanft, Dann hat Der Ballon gute Fahrt. Gerät er aber in einen jäh abwärtssteigenben Strom, in ein sog. Luftloch, Dann kann es mitunter ge- ährlich roerDen, zumal man Den Stößen gegenüber o gut wie machtlos ist. Ein geschickter unD aufmerk- amer Fahrer wirD jeDoch auch solche Stöße parieren können. Vielleicht hat er Glück unD kommt balD wie- Der in einen aufsteigenDen Strom, Der ihn nach oben beförDert.

Eine Hilfe in Der Ausrichtung ist Dem Ballon­fahrer Die WolkenbilDung. Die Cumulus­wolken, jene geballten Wolkenmassen, zum Beispiel werbenSchönwetter-Wolken" genannt. Sie bilben sich am Enbe einesAufwinb-Kanals". Die Luft wirb ja von ber Erbe her erwärmt unb steigt bann auf. In solchen Aufwinb-Kanälen kann ber Ballon­fahrer auch bann vorwärtskommen, wenn sonst ziemliche Winbstille herrscht.

DasVariometer" hilft bem Fahrer bei ber Bestimmung ber horizontalen Luftschichten, bie sich in ganz verschiebenen Strömungen übereinanber be­wegen. Geschwinbigkeit unb Richtung ber einzelnen Strömung muß bestimmt unb banach bie Strömung ausgesucht werben, bie zum Vorwärtskommen am günstigsten ist. Besonbers bei Wettfahrten wirb ber Fahrer seine ganze Fähigkeit, schnell unb sicher zu kombinieren, beweisen müssen. Er wirb sich babei hüten, in bie sog.ScAoimmschichten" zu geraten, bie ben Ballon fast zum Stillst anb bringen. Hier stoßen nämlich kalte unb warme Luftschichten zusammen unb können sich nicht vermischen.

Alle biese Erfahrungen befähigen ben Ballonfüh­rer, ben Freiballon in horizontaler Richtung b i s z u einem gewissen Grabe lenkbar zu machen. Er sucht sich solche Höhen aus, in benen bie Strömung herrscht, bie ihn am schnellsten zu seinem gewünschten Ziel bringt. In vertikaler Richtung kann ber Ballon burch Ballast- bzw. Gasabgabe lenkbar gemacht werben. Dies ist bie einzige Steue­rungsmöglichkeit.

Saturn in Erdnähe.

Als hellster Stern am Sübhimmel leuchtet gegen­wärtig ber Saturn im Sternbilb Wasserman« mit ruhigem, weißgelblichem Licht. Er steht An­fang September in Erbnähe, übertrifft nach Atair, ben Hauptstern im Abler, etwas an Helligkeit unb ist währenb ber ganzen Nacht zu beobachten. Frei­lich, auch in bieser Stellung trennen uns runb 1300 Millionen Kilometer vom Saturn, bessen beträcht­liche Helligkeit sich aus seiner gewaltigen Größe ber Durchmesser beträgt bas Zehnfache bes Erb- burchmessers unb aus ber Wolkenhülle erklärt, bie ben Planeten umgibt unb bie nicht weniger als 70 Prozent bes Sonnenlichtes zurückwirft. Dem un-

gen, sogenannte Legierungen auftauchen. Währenb man in vergangenen Zeiten hauptsächlich mit reinen Metallen und einigen wenigen Legie­rungen arbeitete, nimmt ihre Zahl jetzt ständig zu. Viele davon zeigen äußerst wertvolle Eigenschaften, die bereits dazu geführt haben, Die reinen Metalle auf gewissen Gebieten zu verdrängen. Mit Hilfe Derartiger Legierungen ist es auch gelungen, auf Dem Gebiete Des Magnetismus früher un­bekannte Erfolge zu erzielen. Lange galten nur Drei Metalle: das Eisen, das Nickel unb Das Kobalt als magnetisch. Später stellte man aus nicht ma­gnetischen Metallen, wie z. B. aus Kupfer, Alumi­nium und Mangan magnetische ßeaierungen her. Außerdem erhielt man aus magnetischen Metallen Legierungen, bie nur noch sehr geringe magne­tische Eigenschaften zeigen. Es glückte aber auch, durch Verbinben magnetischer Metalle in bestimm­ten Mischungsverhältnissen ben Magnetismus be­trächtlich zu steigern. Eine Derartige Steigerung von ganz beträchtlichem Ausmaß ist neuerbings burch eine Legierung erzielt worden, die sich auch durcy bie Beständigkeit ihres Magnetismus aus­zeichnet. Wenn man bedenkt, welche Rolle der Magnetismus gerade in ber neueren Technik, vor allem in der Elektrotechnik spielt, wirb man er­kennen, welche hohe Bedeutung dem Ausbau bes Gebiets magnetischer Legierungen zukommt.

Momentaufnahmen, verwackelt.

Von Walther Appell

Der Begrift der Momentaufnahme ist ein sehr weiter. Die billigen Box-Apparate, deren Vor­teile namentlich für bas Erlernen ber photographi­schen Technik, für bas Erkennen lohnenber Motive usw. nicht verkannt werben Dürfen, haben meist nur einen unbestimmtenMoment" neben Der Zeit- belief)hing. Die wenigsten Inhaber solcher Apparate wissen, wie groß ober klein ihr Moment ist. Sie rounbern sich aber oft, baß ihre Momentaufnahmen verwackelt, das heißt unscharf sind. Das liegt in solchen Fällen nicht immer am Photographen und seiner unruhigen Hand, sondern auch oft an der Bewegtheit des Objektes durch Wind oder Eigenbewegung. Der Moment billiger Apparate ist eben verhältnismäßig lang, etwa V20 Sekunde ober noch mehr, und mitunter nimmt er bei häufiger Beanspruchung noch weiter ab. Mit solchen Werten find windbewegte Zweige gar nicht zu knipsen, lau­

fende Personen nur, wenn sie sich auf ben Apparat zu bewegen, nicht aber senkrecht zur Blickrichtung. Fahrzeuge in Bewegung scheiben ganz aus bem Bereich ber Möglichkeiten aus, es sei Denn, baß sie auf größere Entfernungen geknipst werden, was in manchen Fällen auch für laufende Personen gilt.

Eine andere Art verwackelter Moment-Ausnahmen sind diejenigen, bie beim Abdrückenverrissen" wurden. Das heißt, der Photographierende hatte ben Apparat nicht fest genug in ber Hanb unb bekommt bann, meist in Der Senkrechten, doppelte Umrißlinien. In dieser Hinsicht müssen sogar viele Erfahrene neues Lehrgeld zahlen, wenn sie von ber Platten- ober Filmkamera alter Bauart zu ben mo- bernen Kleinbilbapparaten übergehen. Da kann es ihnen passieren, baß sogar Aufnahmen mit Vso Se­kunde verrissen werden, die sie bisher absolut sicher zu haben glaubten. Es ist eben eine völlige Um« stellung notwendig. Wir haben uns angewöhnt, Apparate mit heruntergeklapptem Laufboden in ber Hanbfläche ^ruhen zu lassen, was bei der Aufnahme eine gute Sicherheit gibt. Für die Kleinbildapparate, die doch noch weniger Versager liefern sollen, müssen wir diese Sicherheit auf andere Weise zu erreichen suchen. Da sie meist mit Durchsichtsuchern ausge­stattet sind, lassen sie sich bei ber Aufnahme leicht an Stirn ober Wange anpressen. Der Durchsichts­sucher erfüllt seinen Zweck sowieso am besten, wenn bas Auge recht nahe herangebracht wirb. Im übrigen soll Der PhotographierenDe sich alle Vor­züge' zunutze machen. Die in Der Bauart Dieser hanb- lichen Kameras liegen. Er soll sie also m i t b e i D e n 5) ä n D e n halten, wofür in erster Linie Daumen unD Zeigefinger in Frage kommen. Dann aber sollen wir uns angewöhnen, hier ohne Drahtauslöser zu arbeiten. Für Stativaufnahmen, bie ja auch bei Kleinbilbkameras in Frage kommen, hat er feine Berechtigung. Aber für freihänbige Ausnahmen nimmt er zuviel Finger, meist eine ganze Hanb, in Anspruch. Es gehört wenig llebung bazu, die aber entscheidenb für bas Gelingen vieler Bilder ist, ben Mittel- ober Ringfinger bazu auszubilden, bas Aus­lösen bes Verschlusses am Apparat selbst vorzi» nehmen. Doch soll nicht erst währenb oder nach dem Avisieren des Objektes das Suchen lvsgehen. Son­dern die Hände müssen so geschult sein, daß aÖe Finger schon bie richtige Stellung einnehmen, wemtz ber Apparat in Schußstellung gebracht wirb. Na­mentlich bei raschbewegten Objekten werden mir Dann sofort im günstigsten Augenblick bereit fein, Die Aufnahme zu machen.