Ausgabe 
5.1.1935
 
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Nr. 4 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Samstag, 5. Zanuar 1935

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Vorbereitungen zur Gaarabsiimmung

Ich will die Antwort vorweg nehmen: Die Saar kehrt heim ins Vaterland! Sie will nichts wissen von den simpelhaften Phrasen i der mit fremdem (Selbe bestochenen Subjekte, die , Deutschland, Deutschland über alles" singen und i im selben Atem erklären, sie wollten nicht zu Deutschland zurück; sie will nichts zu schaffen haben mit denen, dieFreiheit" brüllen und sich für jeden Schrei, den sie ausstohen, von Frankreich bar in Franken bezahlen lassen, oder mit denen, derenRot - Front" - Geschrei von Moskau dirigiert wird; auch nicht mit dem Emigrantengesindel, dem es in seiner Minderwertigkeit nur darum geht, hier im Saar­gebiet einen Naturschutzpark aller im neuen Deutsch­land wertlos gewordenen Bonzen und Asphalt­politiker zu haben.

Das Saaroolk, das dem ungeheuerlichsten Ver­such, ein Volk mit allen Mitteln zu korrumpieren, widerstanden hat, das eine beispiellos schmutzige Papierflut mit Abscheu beiseite geschoben hat, das auf einmal in den Brennpunkt des Weltgeschehens gerückt ist, dem Reporter aus allen Ländern im­mer wieder die beleidigende Frage vorgelegt ha­ben, ob es denn wirklich nach Deutschland zu­rück wolle, wird am 13. Januar 1935 genau wie in der Vergangenheit seine Väter am 11. Juli 1815 der Welt sagen, daß es zum Vaterlande zurück will. Für uns gilt, was bei Ankunft des Staatskanzlers Hardenberg anläßlich des Ueber- ganges des Gebietes an Preußen am 26. Novem­ber 1815 an einem Saarbrücker Hause stand:

Man hat mich spottweise teutsch genannt, Deutsch sein ist Ehr und keine Schänd. Ihr welschen Bastards seht und hört: Ein deutscher Mann ist ehrenwert!

Sind wir stolz auf unser braves Saarvolk, so sind wir es nicht weniger auf unser deutsches Volk und Vaterland. Es hat alles Fremde abgeschüttelt, das für uns nicht paßte und notwendig unser Volkstum vernichten mußte. Der sinnwidrige Par­lamentarismus, gegen den das Vorkriegs- Deutschland immer wieder kämpfte, hat restlos den Beweis erbracht, daß er unfähig ist, unserem Volke zu helfen. Die Eigenbrötelei der Länder mit ihren Schwatz- und Korruptionsparlamenten ist uns zum Ekel geworden. Die sinnlose Revolte des November 1918 beseitigte zwar die Fürsten mit ihren Prioatfürstentümern, war aber unfähig, die staatspolitische Erneuerung des deutschen Volkes durchzuführen, die allein ihr eine geschichtliche Be­rechtigung gegeben hätte. Alles das hat die natio­nale Revolution Adolf Hitlers wegewifcht; sie ist vom Gerede um die Erneuerung des Reiches zur Tat übergegangen. Alle Macht ist auf das Reich übertragen; das Reichshaus, voller Unrat und Spinnweben, wurde sauber gefegt und was an lebendem und totem Inventar morsch war, wurde hinausgeworfen. Neues wurde an die Stelle gesetzt z. T. behelfsmäßig wie die drängende Zeit es er­möglichte, z. T. noch unvollkommen. Eine neue Ordnung wurde eingeführt, bei der das Wort und das Beispiel des Haushaltungsvorstandes maßgebend ist. Den Bewohnern wurde klar ge­macht, daß ein Zusammenleben auf dem engen Raume nur möglich ist, wenn jeder einzelne Haus­genosse für den anderen, den Schwächeren und Äermeren sorgt; daß keiner in dem Hause wohl­leben kann, wenn der andere hungert, daß keiner in prächtige Pelze gehüllt gehen kann, wenn der andere friert, daß keiner die Gemeinschaft dadurch stören kann, daß er alles, was den übrigen Haus­genossen hoch und heilig ist, die Ehre und das Ansehen des ganzen Hauses, fortdauernd in den Kot zieht.

Auch des Heranwachsenden Geschlechts hat man sich angenommen, hier und da einmal vielleicht mit allzu heftiger Liebe. Wenn der deut­sche Fanatismus auch auf dem Erziehungsgebiete mehr noch als bisher christliche Nächstenliebe ubt,

Auf dem Boden des Rathauses von Saarbrücken bekamen jetzt die Wahlurnen ihren vorgeschriebenen Anstrich.

Auf dem Gebiet der Siedlung fing man nur eine vernünftige Sache an: die Stadtrand­siedlung, bei der die Arbeitslosen gemeinsam ihre Siedlungen erstellten, jedem sein eigenes Haus mit einem möglichst großen Garten. Sie erfaßte wenigstens die einzige wirkliche Möglichkeit einer sozialen und wirtschaftlichen Neugestaltung unseres Volkes in großem Stile: Die Versorgung des besitzlosen Arbeiters und insbesondere des ärmsten unter ihnen, des Arbeitslosen, m i t Grund und Boden. Sie versetzte ihn in die Lage, sich zusätzlichen Erwerb zu schaffen durch Halten von Kleinvieh und durch Gartenbau. Das aufgewendete Geld ist nicht verloren, auch wenn es niemals Zinsen, sondern höchstens Tilgung der investierten Mittel erbringen sollte.

Hier wird auch der Weg gewiesen, den wir auch in den letzten zwei Jahren in etwas anderer Form mit dankenswerter Großzügigkeit beschritten haben. Die Erfahrungen, die mit den wildesten Kommu­nisten gemacht wurden, als man ihnen eine neue Möglichkeit zu einer Existenz zeigte und sie vor neue Aufgaben stellte, sind fast , durchweg ausge­zeichnet gewesen. Fast alle sind sie zu ordentlichen soliden Staatsbürgern geworden. Dieser Weg ist m. E. neben der Pflege des Bauerntums auch der einzige, der auf die' Dauer zur Konsolidie­rung eines modernen Jndustrievol- k e s führen kann. Jndustriebauern hat man vielfach unsere Hütten- und Bergarbeiter an der Saar genannt, bei denen von altersher dieser Eigenbesitz an Haus, Stall und Land als das höchste Ziel jedes Einzelnen angesehen wurde.

Die außergewöhnliche Wandlung der Geistes­richtung unseres ganzen Volkes, wie sie sich durch die nationalsozialistische Revolution in großartigem Anlauf vollzogen hat, muß aber in noch viel stär­kerem Maße 'benutzt werden, um das ganz große Ziel dieser Neusiedlung unseres Volkes zu erreichen. Die Bauernsöhne müssen mit allen Mitteln der Landbebauung erhal­te n b l e i b e n. Ob es bei der starken Vermehrung unseres Volkes möglich sein wird, einen größeren Prozentsatz an reinen Ackerbauern zu erzielen, als wir heute haben, hängt von sehr vielen Faktoren ab. Es ist dringend zu wünschen, daß es gelingt,

Die Saar, eine Schicksalsfrage Europas

Von Kommerzienrat Or. Hermann Röchling, Völklingen (Saar).

wird auch die besonders schwere Aufgabe, die Viel­gestaltigkeit unserer Natur in dem einen zu einen: dem Gefühl, Glieder einer Gemeinschaft zu fein und die Verantwortung für die Erhaltung dieser Gemeinschaft zu tragen, gelöst werden.

Die größte Aufgabe, die uns gestellt wird, ist die Konsolidierung dieser unserer Haus­ordnung auf wirtschaftlichem Gebiete. Das liberale Zeitalter hat große Leistungen voll­bracht. In ihm entwickelte sich Eue deutsche Indu­strie zu ungeheuren Ausmaßen. Ihr Verdienst war, daß es gelang, den Menschenexport Deutsch­lands auf ein Minimum herabzudrücken. Freilich absorbierte das gewaltige Wachstum unserer In­dustrie die geistigen und körperlichen Kräfte unseres Volkes übermäßig. Das Land verödete, die Großstädte und Industriezentren wuchsen ins un- gemessene. Die Kehrseite offenbarte der Krieg, der uns von der Belieferung unserer Kundschaft im Auslands abschnitt und durch seinen unglücklichen Ausgang uns ungeheuerliche Lasten zu der eigenen Kriegsverarmung auferlegte. Die Wirkungen waren die denkbar verheerendsten. Zwar gelang es mit großer Mühe, ein Ausfuhrgeschäft wieder aufzu­bauen. Aber die innere Fehlkonstruktion unseres Volkskörpers machte sich immer stärker bemerkbar. Zwar redete man direkt nach dem Kriege viel davon, daß die deutschen Men­schen wieder aus das Land zurückgeführt werden müßten, gleichzeitig aber wurden den Massen, die in der Stadt und' in den Industriezentren wohn­ten, durch vielerlei Lockmittel aller Art der Aufent­halt in der Stadt verschönt und auf dem Lande verekelt. Große Mietskasernen in Riesenumfange entstanden in allen Großstädten, in denen die Frauen nichts zu tun hatten, als ihre paar Zim­mer in Ordnung zu halten. Die großen Summen, die auf diesem Wege investiert wurden und die auch noch vom Ausland entliehen wurden, veran­laßten eine Scheinblüte, die restlos verging, als die Weltkrise der Jahre 1930/31 hereinbrach.

dieses hoch gesteckte Ziel zu erreichen. Viel leichter aber ist duurchzusühren, daß praktisch fast jeder industriell Tätige sein eigenes Häus­chen hat. Die Wohnräume sollten denkbar beschei­den sein. Ein geräumiger Stall für Schweine, Zie­gen oder Schafe, Hühner oder Enten und minbe- ftens 1000 Quadratmeter Land gehören dazu. Das gibt Arbeit für den Mann in der freien Zeit, sowie für Frau und Kinder und damit ein voll ausgefüll- tes Leben und Freude an der eigenen Arbeit, ohne Kino und ohne Wirtshaus. Etwa zehn Millionen derartige Häuschen müßten erstellt werden, ein großes Problem, aber wert, es in ganz großem Stile anzupacken!

Unsere großen modernen Industrieländer sind an sich gefährliche Gebilde. Sie beruhen auf der Herrschaft der weißen Raffe über die Erde, einer Herrschaft, die durch den Weltkrieg und die unsinnigen Friedensschlüsse auf das

Der Soorbevollmächtigte spricht in Kaiserslautern.

Neustadl a. H.» 3. 3an. (DNB.) Der Saar- bevollmächtigte des Reichskanzlers, Gauleiter Bürdet, spricht am 11. Januar 1935, 20 Uhr. in einer öffentlichen Kundgebung in der Fruchthalle zu Kaiserslautern vor den Vertretern der in- und ausländischen Presse über das ThemaAm 13. Januar: Den Weg frei zur Verständigung!" Die Rede wird über alle deutschen Sender übertragen.

Die Rundfunkübertragung der großen Saarkund­gebung aus Berlin am 6. Januar 1935 beginnt um 20 Uhr.

schwerste bedroht wurde. Die Erschütterun­gen, die hinter uns liegen, können leicht wieder kommen, sorgen wir nicht dafür, daß die breite Masse unseres Volkes, die heute willig unserem Führer folgt, neben der industriellen Arbeit, die ja den Menschen doch immer nur zum Teil erfaßt, ein weiteres Lebensziel hat. Auch die Verbindung zwi­schen der industriellen Bevölkerung und dem Land­volk wird durch diese Betätigung neugestaltet und das Verständnis für die schwere Arbeit des Bauern, aber auch für seine Sorgen und Nöte erleichtert. Die Zusammenfassung aller politi­schen und wirtschaftlichen Kräfte un­seres Volkes, wie sie unter unserer neuen Führung erfolgt ist, ermöglicht aber auch allein die Inangriffnahme solch großer Pläne, die naturge­mäß zu ihrer Ausführung eine gewisse Zeit bean- sprachen. Es gilt die Sünden von mehreren Gene­rationen, auch derjenigen der Vorkriegszeit, zu be­teiligen. Auf dem engen Raume unseres Vaterlan­des unseren Volksgenossen auch in schwierigsten Zeiten ein auskömmliches Dasein zu sichern und die Familie als Grundlage des ganzen Volkes gesund zu erhalten, ist und bleibt die Lebensfrage unseres Volkes.

Wenn wir im Saargebiet auf diese Notwen­digkeiten Hinweisen, so geschieht dies, weil wir in unserem schwierigsten Grenzlandkampfe die über­ragende Bedeutung der Seßhaftigkeit inbu» strieller Bevölkerung in einer Zeit schwer­ster Bebrängnis, als mehr als 80 Prozent bes indu­striellen Kapitals unseres Gebietes in fremder Hand waren und noch sind, erkennen gelernt haben und weil wir immer wieder gesehen haben, daß nur ein ftarfes innerliches gesundes Deutschland seine Grenze schützen kann. Die innere Gesundheit aber beruht darauf, daß die breite Masse unseres Volkes ein gesichertes Dasein hat auf Grund eigener Arbeit und eigenen Besitzes. Das dieses Ziel unserer Reichsregierung erreicht werden möge, ist unser heißester Wunsch! Die Saar aber kehrt mit der Abstimmung vom 13. Januar 1935 nach langjähriger Verbannung zurück ins deutsche Vaterhaus voll Ver­trauen zum deutschen Volke und seiner Führung!

Gießener Giadiiheaier.

Alfred Möller und Hans Lorenz: Christa, ich erwarte Dich!"

Christa Erkens ist ein modernes junges Mäd­chen, das vor eine zwiefache und doppelt schwierige Entscheidung gestellt wird, vor die Wahl zwischen zwei Männern und zwischen zwei Lebensaufgaben. Eigentlich sollte sie Landwirtin werden und den väterlichen Hof übernehmen. Aber der Vater ist ein alter Griesgram, der die Freude an feiner Landwirtschaft schon halb und halb verloren und am Ende die einzige Tochter zum Haus hinaus­gegrault hat. Als sie nach langer Abwesenheit wie­der heim kommt, muß der Vater einsehen, daß sich das Mädchen mittlerweile auf die eigenen Füße gestellt und sich selbständig gemacht hat. Wider den Willen des Alten hat sie Medizin studiert und den Doktor gebaut, und ihren künftigen Gemahl hat sie sich auch gleich mitgebracht.

Der Alte ist wenig davon erbaut, und daß der minbiqe junge Herr Peter, nicht gerade eme Zierde geistiger Arbeiterjchaft, kaum der Richtige ist, kann man schon zu Anfang non weitem sehen. Der Rich- tige taucht bald in Gestalt eines lungen Gutsnach­barn namens Klaus Tettenborn auf der aus (einer Zuneigung zu Christa kein Hehl macht und ziemlich unverblümt auf sein Ziel losgeht.

Aber Christa meint vorläufig nicht den jungen, sondern den alten Tettenborn: das ist ein berühm­ter Mediziner, bei dem sie gern P^vatassistentm werden möchte, wozu sie die notigen Empfehlungen schon in der Tasche hat. Klaus ist gegen die Medi­zin und für die Landwirtschaft, wofür die entschie­den tüchtige Christa ebenfalls und nicht minder be­gabt ist, wie sich bald herausstellt. Sie bringt gleich vorn ersten Tag an, wie Klaus

sieht, wieder Schwung in den väterlichen Guts­betrieb: aber die Geburtstagsemladung bei Klaus hat sie nur angenommen, um mit dessen Vater, Der zum Geburtstag- abends zu Besuch kommt die Sache mit dem Assistentenposten ms Reine zu bringen. *

Der Abend verläuft in mehr als einer Hinsicht ereignisreich. Der Abschluß mit dem Professor wird perfekt und Klaus daraufhin einigermaßen abge­kühlt, obwohl er feine Sache keineswegs verloren gibt. Peter andererseits, der auch mit eingeladen ist, entdeckt sehr schnell eine Schwäche für die Sekre­tärin des Professors, Lore, die ebenfalls mltgekom-

men ist. Nicht perfekt wird dagegen an diesem Abend ein anderer Abschluß, den Christas Vater dem jungen Tettenborn vorschlägt: der lehnt ^es glatt ab, den Hof des Alten zu kaufen, um Christa nicht des Bodens zu berauben, in dem sie wurzelt und auf den sie gehört.

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Mißverständnis über Mißverständnis und eine erwas schwierige Psychologie, die sich die beiden Autoren ausgedacht haben; um so erstaunlicher die dramaturgische Technik, mit der die Figuren auf dem Schachbrett hin und hergeschoben, Auftritte und Abgänge bewerkstelligt und motiviert werden. Einigermaßen beängstigend ist die innere Unsicher­heit Christas, ihr unentschlossenes Schwanken zwi­schen den beiden Möglichkeiten und vor der einen großen Chance ihres Lebens. Zum Glück ist wenig­stens Klaus seiner Sache überaus sicher und kann warten, zumal sich Peter und Lore mittlerweile völlig einig geworden sind. Und wenn schon Christa die Männerstimme nicht hört oder hören will, die sie zu sich ruft, fo hat sie doch die Stimme des Heimatbodens, der angestammten Scholle in diesen Tagen vor der Entscheidung vernommen: ich erwarte dich. Und als dann schließlich auf einen 808-Ruf Christas der gute Professor noch einmal kommt und ihr über den geplanten Gutsverkauf an jenem Geburtstagabend reinen Wein einschenkt, da ist es so weit, und Klaus und Christa können sich gegenseitig eine Vorlesung über weibliche und männliche Psyche halten, was die beste Vorberei­tung für eine dauerhafte Verlobung ist.

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Die drei Akte, jeder nicht besonders umfänglich, rollten in der flüssigen und angenehm temperierten Aufführung, die vom Spielleiter Lüpke in Szene gesetzt war, reibungslos ab und bereiteten dem Publikum, das sich über die mancherlei Verwick­lungen freute, sichtlich einen unterhaltsamen Abend. Herr Löffler hatte drei freundliche, sommerlich- ländliche Schauplätze mit hübschen Ausblicken ge­schaffen. *

Elisabeth Wielander hatte die Titelrolle der Christa und daisi't eine Aufgabe gefunden, für die sie sich immer mehr zu spezialisieren scheint: sie wandelte anscheinend mühelos und mit treffsicher wechselndem Temperament auf den verschlungenen Pfaden des Lustspiel-Irrgartens durch alle drei Akte zum glücklichen Ende. Eine sehr hübsche und leben­dige Leistung sah man von Herrn Dieten, der den Klaus spielte, und zwar mit einem erfrischend gesunden Optimismus, mit überlegener Ruhe, siche­

rem Gefühl und trockenem Humor: eine rechte Lust- fpielfigur.

Herr 23 o I cf machte aus dem alten Erkens mit Laune das Beste, was daraus zu machen war; Herr Schorn spielte den Peter munter und beweglich, sollte sich aber hüten, die ohnehin nicht robuste Rolle in die Nähe der Karikatur zu steuern; Herr Neuhaus gab mit freundlicher und aufgeräum­ter Bonhommie den berühmten Professor; die Damen Pflug und Rauschenberg (a. G.) wirkten als Lore und Babette, jede an ihrem Platz, recht an­gemessen.

Den kräftigen Schlußbeifall konnte mit den Dar­stellern auch der Spielleiter entgegennehmen.

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Ich tanze nur für Dich."

Ein amerikanischer Ausstattungsfilm großen Stils, tyvisch für die Broduktion von Hollnmood, mit einem erstaunlichen Aufwand an Statisterie, Kostüm, Architektur, Kulijsenzauber, Betrieb, Tanz und Musik. Das Ganze vom Regisseur C. Leonard mit unbestreitbarem Geschick, technischer Sicherheit und Sinn für optische und rhythmische Wirkungen in Szene gesetzt. Auch die Handlung, die in diese verwirrende Ausstattung eingebaut ist, scheint uns in erster Linie auf den Geschmack von Hollywood und Neuyork zugeschnitten zu sein. Der Aufstieg eines begabten und ehrgeizigen Tanzgirls aus den Niederungen eines obskuren Nachtlokals zum er­folgreichen Star würde uns kaum bis zuletzt inter­essieren, wenn diese Rolle nicht von einer der be­kanntesten amerikanisch"!! Dar(MIerinn"n gespielt würde: Joan Crawford, die nicht nur die erforderliche körperliche Durchbildung und revue- tänzerische Eignung besitzt, sondern auch für die schauspielerische Formung ihrer Rolle soviel Tem­perament und ursprüngliche Begabung mitbringt, daß man sie gern einmal in einer ernftbafteren, ertragreicheren und minder amerikanischen Aufgabe sehen würde. Ihr Partner ist Clark Gable, den wir früher gelegentlich hier spielen sahen, und der auch in dieser Umgebung der richtiae Mann ist. Der Film ist übrigens in deutscher Sprache nach- snnchronisiert, so daß dem Verständnis nichts im Wege steht. Im Beiprogramm: ein Kulturfilm Winter am Nebelhorn"; ein erstaunliches Micky- Maus-Abenteuer über und unter Wasser; ein Vor­spann zurEnglischen Heirat"; die neue Wochen­schau.

2Reiferfampffpiele auf dem Daikon.

Auf der Balkanhalbinsel wird bei besonderen Festlichkeiten heute noch das Dscheridspiel aufge­führt, das in feinen wesentlichen Figuren und Regeln an unsre mittelalterlichen Ritterturniere erinnert. Seinen Namen hat es von dem Dscherid, einem etwa ein Meter langen stumpfen Rundholze, das den Speer vertritt. Die am Spiel beteiligten Reiter stellen sich, durch das Los bestimmt, in zwei, von einem Ritteroberst geführte, gleich starke Ab­teilungen einander gegenüber auf. Wer von Kampf­lust getrieben ist, spornt fein Pferd an und sprengt, den Stab schwingend, im Halbkreis vor die Gegen­partei. Ihm stellt sich drüben bald ein Gegner ent­gegen, der auf den Herausforderer stürmt und ver­sucht, ihn mit dem Dscherid zu treffen. Man weicht sich gegenseitig aus, sucht mit aller Geschicklichkeit den Wurf abzuwehren, den Stab im Fluge zu er­haschen, oder den Gegner durch den schmerzhaften Stoß aus dem Sattel zu heben. Von beiden Seiten eilen ein, zwei oder mehrere Reiter herbei, um den ihrigen beizustehen, bald ist das Getümmel allge­mein und die sich bäumenden und ausgreifenden Rosse, die Reiter in ihren reichen, malerischen Klei- hmn, die Eleganz der Bewegungen, die Hebung, Geschicklichkeit und Gewandtheit, die das Spiel fordert, gewähren ein schönes Schauspiel. Mitten in dieses Gedränge stürzen sich die Gehilfen, Die­ner und Schildknappen der Ritter, um die fallenden Speere wieder aufzulesen, wobei sie häufig über den Haufen gerannt werden. Das laute Aufschla­gen der Hufe, das Wiehern der Rosse, die Rufe her Reiter verursachen einen ohrenbetäubenden Lärm. Mehrere Male löst sich dieser Knäuel, alles kehrt an seinen Plaü zurück, Pferde und Reiter schnauseü aus, in gemächlichem Schritte, das Tempo nur zeitweise beschleunigend, reiten die Parteien in zwei Reihen um einander herum, versuchend, sich gegenseitig 3U umzingeln. Gelingt dies nicht, so be­ginnt der Einzelkamps, der wieder in ein allaemei- nes Getümmel ausartet, bis endlich eine Partei unterlegen ist. Offenbar hat das Sviel seinen Na­men vom türkischen Worte Ticheri, das so viel wie Truppe bedeutet, erhalten. Als Re'terspiel dieser Art bat es sich von Persien über Kleinasien nach dem Balkan verbreitet, wo es sich dann in Epirus und Albanien besonderer Beliebtheit erfreute. Die Türken und Albanesen brachten es nach Griechen- land, wo es noch zu Beginn Des vorigen Jahrhun­derts üblich war. Immer seltener sind indes diese Vorführungen geworden, aber bei festlichen (Bele- aenheiten kann man das Dscheridlniel zum"ilen noch in abgelegenen Orten der Berglandschaften sehen.