Ausgabe 
4.5.1935
 
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Oer nationalsozialistische Staat schützt die Landhelfer.

Berlin, 3. Mai. (DNB.) Die I ust i zp r e f f e- ftelle Berlin teilt mit:

Nach neunstündiger, unter Ausschluß der Oeffent- lichkeit geführter Verhandlung wurde der Landwirt Paul G r a e b e r aus Glasow (Kreis Teltow) von der VII. Großen Strafkammer des Landgerichts Berlin wegen fortgesetzten Sittlich­keitsverbrechens, zum Teil in Tateinheit mit fortgesetzter Notzucht und wegen Miß­handlung Pflegebefohlener zu einer Gesamtstrafe von 2 Jahren 6 Monaten Zuchthaus und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren verurteilt. Der Angeklagte hatte sich im Sommer v. I. an einer ihm zugewiesenen 17jährigen Land­helferin unsittlich vergangen und sie bei ihrer Entlassung obendrein noch roh mißhandelt.

Der Vorsitzende wies in der mündlichen Urteils­begründung darauf hin, daß die Handlungsweise des Angeklagten eine um so strengere Bestrafung ver­langt habe, als er das ihm vom nationalsozialisti- fchen Staate entgegengebrachte Vertrauen in schwerster Weise enttäuscht habe. Die Landhilfe habe die Aufgabe, nicht nur bef wirtschaftlich be­drängten Landwirtschaft eine Entlastung zu ver­schaffen, sondern vor allen Dingen im Sinne der nationalsozialistischen Weltanschauung der heu­tigen Stadtjugend wieder das Erleb­nis der Verbundenheit von Blut und Boden zu vermitteln. Dieses harte, aber gerechte Urteil bekundet den unbeugsamen Willen der Staatsführung, die deutsche Jugend, die ein Jahr ihres Lebens der Landhilfe opfert, mit un­nachsichtiger Strenge vor den Nachstellungen ihrer Arbeitgeber, die ihnen nach dem Willen des Gesetz- aebers den Halt des Elternhauses zu er­setzen haben, zu schützen. Ein derart schamloses Verhalten, wie es der Angeklagte an den Tag ge­legt hat, mußte als Sabotage an dem Auf­bauwerk des nationalsozialistischen Deutschlands bezeichnet und im Interesse der Abschreckung und vor allen Dingen einer Be­ruhigung der Jugendlichen und der Eltern mit einer besonders harten Strafe belegt werden.

Besonders hervorgehoben zu werden verdient die Tatsache, daß dem Urteil der § 174, Ziff. 1 StGB, zugrunde gelegt wurde, der für Vormünder, die mit ihren Pflegebefohlenen, Adoptiv- und Pflegeeltern, die mit ihren Kindern, G e i st- l i ch e , L e h r e r und Erzieher, die mit ihren minderjährigen Schülern »der Zöglingen unzüch­tige Handlungen vornehmen, eine Zuchthausstrafe bis zu 5 Jahren vorsieht. Das vorstehende Urteil, das als erstes dieser Art bekannt wird und auf einen bedauerlichen Einzelfall zurückgreift, zeigt, daß der heutige Staat gewillt ist, mit unnachsich­tiger Strenge die von ihm getroffenen Maßnahmen und Einrichtungen vor jedem Mißbrauch zu schützen. Verschiedene katholische Kirchenblätter beschlagnahmt.

Berlin, 3. Mai. (DNB.) Verschiedene katho­lische Kirchenblätter, die das Datum vom kommen­den Sonntag, den 5. Mai, tragen, darunter auch das Kirchenblatt für das Bistum Ber­lin, mußten beschlagnahmt werden, weil sie einen Hirtenbrief der preußischen Bischöfe zum Er­ziehungssonntag veröffentlichen, der in einzelnen Wendungen eine untragbare Kritik an der Einrichtung des Landjahres ent­hält.

Wegen Beleidigung eines Ausländers verhastet.

Berlin, 3. Mai. (DNB.) Der 22jährige Paul Sternkiker, der am 30. April dieses Jahres einen ausländischen Delegierten zum Internationalen Filmkongreß in gröblich st er Weise beleidigt und damit das Ansehen des Reiches auf das schwerste gefährdet hat, wurde heute von der Polizei in Haft genommen. Dieses Beispiel zeigt, daß der nationalsozialistische Staat gewillt ist, die als G ä st e im Dritten Reich weilenden Ausländer gegen jegliche Beleidigung mit allen Mitteln zu schützen.

Deutscher Emigrant beim Grenzübertritt verhastet.

Berlin, 3. Mai. (DNB.) Vor einigen Tagen ist an der deutsch-tschechoslowakischen Grenze beim Bahnhof Eisenstein ein deutscher Emigrant, der in der Tschechoslowakei i m D i e n st e der deutschfeindlichen Propaganda tätig war, in dem Augenblick verhaftet worden, als er einen deutschen Vertrauensmann er» wartete. Gegenüber den in der ausländischen Presse verbreiteten Nachrichten, die Verhaftung wäre auf tschechoslowakischem Boden erfolgt, ist festzustellen» daß die inzwischen ange­stellten Ermittlungen einwandfrei ergeben haben, daß der Emigrant auf deutschem Ge­biet fe st genommen worden ist.

OieGolddeckung besOanzigerGulden.

Danzig, 3. Mai. (DNB.) Die Bank von Dan­zig hat auf Grund der Neubewertung des Gul­den einen Ausweis veröffentlicht, aus dem hervor- geht, daß die Golddeckung des Danziger Gul­den sich durch die Umwertung von 34.3 v. H. auf 5 6,6 v. H. erhöht hat.

Der Preiskommissar hat eine Anordnung erlassen, wonach sämtliche Ladengeschäfte in der üblichen Geschäftszeit offenzuhalten sind. Preiserhö­hungen sind nur mit der schriftlichen Einwilligung des Preiskommissars zulässig. Die Bevölkerung hat, abgesehen von stärkeren Einkäufen ängstlicher Ge­müter, weiterhin völlige Disziplin bewahrt. Nur in vereinzelten Fallen mußte gegen Elemente eingeschritten werden, die entweder die Bevölkerung zu beunruhigen versuchten, oder aber die Preis­vorschriften verletzten. So wurde der evangelische Pfarrer Eichel verhaftet, weil er bei Bekanntgabe der Aufrufe der Regierung auf der Straße Hetzreden hielt. Verhaftet wurde ferner ein jüdischer Kaufmann namens Mendelsohn, weil er von Kunden, die bestellte Waren bei ihm abholen wollten, den doppelten Preis verlangte.

Oie Schweiz wehrt sich gegen Angriffe auf den Franken.

Basel, 3. Mai. (DNB.) Die Schweizerische Nationalbank hat zur Unterbindung der Angriffe auf den Schweizer Franken an die Banken ein Rundschreiben gerichtet, worin sie darauf aufmerksam macht, daß seit Wochen eine internationale Spekulation gegen bie Golbwährung ber kleineren Län - de r im Gange sei. Ihr Erfola in Belgien habe den Druck auf Holland und die Schweiz ver­

stärkt. Ohne Unterstützung aus dem Lande selbst könne diese Bewegung nicht zum Ziele führen. Die Nationalbank sieht sich, um die Angriffe abzu- wehren, veranlaßt, den Banken mitzuteilen, daß sie in all den Fällen ihre Kreditgewährung versagen müsse, wo Spekulationszwecke verfolgt werden. Valutaoperationen, die in an­scheinend geschäftlich legitime Transaktionen ge- kleidet seien, sollten die Banken besonders genau beobachten und Zurückhaltung üben.

Dem Justiz- und Polneioepartement hat der Bundesrat bereits einen durch die Nationalbank ausgearbeireten Entwurf Überreicht, der Straf- be ft immun g*en gegen solche Personen und Handlungen enthält, die die gesetzliche Landeswäh­rung schädigen ober gesährben können. Diese Straf­bestimmungen werben bem eidgenössischen Parla­ment in ben Junitagen zur Genehmigung unter­breitet werben.

Kleine politische Nachrichten.

Reichsminister Dr. Frank hat als Präsident der Akademie für Deutsches Recht die Leitung des Strafrechtsausschusses dieser Einrichtung selbst übernommn.

Der Führer und Reichskanzler empfing unter bem üblichen Zeremoniell ben neuen könig­lich bulgarischen Gesanbten Dr. Christofs zur Entgegennahme seines Beglaubigungsschreibens. Bei bieser Gelegenheit wechselten ber neue Gesandte unb ber Reichskanzler Ansprachen, in benen sie ber harten Prüfungen unb ferneren Opfer, bie beibe Völker in ben Jahren feit bem Kriege zu über­

stehen hatten, ebenso aber auch der traditionellen freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Bulgarien gedachten.

Der Reichskommissar für bie Rück- glieberung bes Saarlandes hat anläß- lich bes nationalen Feiertages bes beutschen Volkes in ber bestimmten Erwartung, daß alsbald die letzten politischen Gegner zur Einsicht kommen, die Entlassung sämtlicher aus politischen Gründen in Schutz haft befindlichen Personen verfügt.

Generalfeldmarschall von Mackensen wird im Mai in Budapest eintreffen, um seinen Sohn Hans Georg von Mackensen, der als Gesandter Deutschland in Budapest vertritt, zu besuchen. Sein Budapester Besuch ist rein privaten Charakters.

Der erwählte BischofderAlt-Katholiken des Deutschen Reiches, Erwin Kreuzer, wird am 8. Mai in der Schloßkirche zu Mannheim durch den Bischof der Altkatholischen Kirche der Schweiz, D. theol. Adolf Kürvy, Die Bischofs­weihe erhalten. Bei der Konsekration werden die Bischöfe von Haarlem und Deventer (Holland) assistieren. Die Weihepredigt im Ponti­fikalamt hält Bischof Johannes B e r e n d s von Deventer.

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Das spanische Kabinett Lerroux ist zurückgetreten. Der Staatspräsident hat das Rücktrittsgesuch angenommen und Lerroux für feine Arbeit gedankt.

Wie sieht es in -er Wirtschaft aus?

Aus der Jndustrieberichterstattung des Statisti­schen Reichsamts ergibt sich, daß sich die Zahl der beschäftigten Industriearbeiter im Monat März weiter von 59,3 auf 61,3 Prozent der Arbeiterplatzkapazität erhöht hat. Gleich­zeitig ist auch die durchschnittliche tägliche Arbeits­zeit auf 7,34 Stunden gestiegen, d. h. die Arbeits­kraft der beschäftigten Arbeiter konnte in höherem Maße ausgewertet werden. Am stärksten ist der Wirtschaftsauftrieb noch immer in den P r o d u k- tionsgüterinbuftrien. Namentlich bas Baugewerbe hat nach Ueberwinbung ber win­terlichen Arbeitspause sehr zahlreiche Neueinstel­lungen vorgenommen. Im Zusammenhänge mit bem roieber in Gang fommenben Außenarbeiten hat auch in einer Reihe von Baustoffinbu- st r i e n, so z. B. in ber Pflasterstein- unb Schot­ter-, in ber Ziegel- unb Dachpappenindustrie bie Beschäftigung m fühlbarer Weise zugenommen. Im Fahrzeugbau wirb bereits mit Hochbruck ge­arbeitet, um bie neueingegangenen Aufträge be­wältigen zu können. Andererseits gibt es natür­lich auch Wirtschaftsgebiete, auf benen bie Auf­wärtsentwicklung zurzeit stockt, unb bie Be­schäftigung sogar etwas zurückgegangen ist, so z. B. im Kohlenbergbau, im Dampfkessel­bau sowie in ber Seiben - unb Wollindu - ft r i e. Aber im großen unb ganzen hat sich bie Geschäftstätigkeit sowohl in ben Produktions- wie in ben Verbrauchsgüterindustrien bis in bie jüngste Zeit hinein in zunehmenbem Tempo belebt. Der Führer hat in seiner Festtagsrebe am 1. Mai an» gekünbigt, baß nunmehr bie zweite Million ber Erwerbslosen angegriffen werben soll, und daß es noch in diesem Jahre gelingen werden, unter die Zahl von einer Million Arbeitsloser herunterzu­gehen. So wird die deutsche Wirtschaft dem ihr gesetzten Ziele, daß jeder Deutsche, der arbeiten will, auch die Möglichkeit hat, sich ehrlich fein Brot zu verdienen, immer näher und näher kommen.

In der Generalversammlung der I G- F a r b e n i n d u st r i e hat der Vorsitzende Geheim­rat Schmitz bie Ausschüttung einer unoeränberten 7-v. H.-Divibenbe bamit begrünbet, baß bie Gesell­schaft auf bem Gebiete ber Arbeitsbeschaffung und des Exports das Höchstmögliche leisten, zugleich aber allen damit verbundenen Risiken Rechnung tragen wolle. Bei diesem Anlaß wies der Redner darauf hin, daß das Unternehmen die Zunahme feiner Umsätze den technischen Leistungen seiner Betriebe und, soweit das Auslandsgeschäft in Frage kommt, feiner gut eingearbeiteten Weltver­kaufsorganisation verdanke. Ein großer Teil der erzielten Ueberschüsse ist zur Finanzierung neuer Investitionen sowie zur Erweiterung der so­zialpolitischen Fürsorge verwandt worden. Daß die Aufrechterhaltung der geschäftlichen Auslandsbezie­hungen und der Außenhandelsorganisationen erheb­liche finanzielle Opfer erfordert, ist auch in der Ge­neralversammlung der Deutschen Kabel­werke stark betont worden. Diese Opfer werden sich erst bei Eintritt geordneter Weltwirtschaftsver­hältnisse wieder voll bezahlt machen.

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Seitdem durch das Versailler Diktat die Freie Stadt Danzig geschaffen und aus dem Wirt- fchaftskörper Deutschlands herausgeschnitten wurde, haben die Danziger einen heroischen Kampf gegen die Verschlimmerung der Wirtschaftslage geführt, und insbesondere war die Konkurrenz des polnischen Hafens Gdingen für die Dan­ziger besonders fühlbar. Der Danziger Gul­den wurde unter großen Opfern stabil gehal­ten, während der polnische Zloty zweimal eine Abwertung erfuhr. Aber diese Opfer hat­ten eine Grenze. Die Spekulation bemächtigte sich des Danziger Guldens und zog die Guthaben bei Danziger Stellen in Gulden zurück, um sie gegen Zloty, skandinavische und englische Währung einzu­tauschen. Dadurch wurde der Währungsrückhalt im­mer geringer. Es heißt, - am 30. April allein eine Million Danziger Gulden abgehoben wurden, diesem spekulativen Treiben das Wasser abzugraben, und energische Maßnahmen waren notwendig, um Es blieb nach Lage der Dinge nichts anderes übrig, als -die Spekulation schachmatt zu setzen und mit einem Schlag den Danziger Gulden so umzuwerten, daß er den konkurrierenden entwerteten Wäh­rungen ebenbürtig wurde. Durch fünf Ver­ordnungen des Danziger Senats ist diese Umwer­tung in ihrem Verlauf so geregelt, daß die Danziger Bevölkerung keinen Schaden erleidet und zugleich die Spekulanten das Nachsehen haben. Der Danziger Gulden folgt dem englischen Pfund und den damit zusammenhängenden skandinavischen Währungen, wenn auch nicht ganz der Entwertung der polnischen Zloty, indem sein Wert um 42,37 Prozent herab­gesetzt wird, wonach also 10 0 Reichsmark nunmehr 212 Danziger Gulden wert sind. Damit werden die Abzüge von Danziger Gulden illusorisch und gleichzeitig die Währungsdecke ver­stärkt. Die außerordentlich schlechte Wirtschaftslage Danzigs aber kann verbessert werden, wenn die

Deutschen mehr als bisher ihren Sommexaufenthalt im schönen Danzig und seiner Umgebung nehmen, denn einmal ist der Aufenthalt dort sehr billig und zweitens unterstützen wir unsere notleidenden Brü­der im Kampfe um ihre Existenz.

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Die Neuorientierung der amerikanischen Handels­politik hat jetzt auch zu dem Abschluß eines neuen deutsch-amerikanischen Handelsver­trags geführt, nachdem der mit Frankreich vor einigen Tagen abgeschlossen wurde. In den USA. sind die Rohstoffproduzenten, also die Farmer und Baumwollanbauer, durchaus f ü r e i n e Senkung der überhöhten Zollsätze, während die Industrie dem lebhaft widerspricht. In der letzten Zeit sind die stimulierenden Tendenzen der amerikanischen Wirtschaft immer seltener gewor­den und vor allem herrscht über die Linie der künf­tigen Wirtschaftspolitik noch immer ein großer Streit, wenn auch Roosevelt mit der Annahme seines Arbeitsbeschaffungsprogramms Sieger geblie­ben ist und neuerdings die Arbeitslosenversicherung und die Altersversicherung der Arbeiter dem Senat und Kongreß zugegangen sind. Wenn man bedenkt, daß in der amerikanischen Wirtschaft noch rund 21 Millionen Menschen von der staatlichen Erwerbs­losenfürsorge abhängig sind, dann spricht das für die Notwendigkeit eines entschiedenen Wirtschafts­kurses. Bergbau und Textilindustrie lie­gen sehr schwach, die Eisen - und Stahlin­dustrie ist um einige Prozent weniger beschäftigt als im Vorjahre. Die Eisenbahnen haben trotz aller staatlichen Unterstützung keinen Ertrag aufzu­weisen, die Landwirtschaft wird vom Staate gestützt, aber die staatliche Durchführung aller Stützungsmahnahmen erfordert geraume Zeit, und die Baumwollpolitik hat insofern ein Fiasko gemacht, als heute noch über sieben Millionen Bal - len in staatlichem Besitz sind. Die kapitali­stischen Einflüsse und Reibungen können in diesem riesenhaften Wirtschaftsgebiet nicht von heute auf morgen beseitigt werden, und daher ist Roosevelts Aufgabe um so schwieriger: allerdings hat der Prä­sident schonungslos die Feinde der amerikanischen Wohlfahrt gebranbmarft, die ihr Sonderinteresse auf Kosten der allgemeinen Wohlfahrt verfolgen.

Die Heraufsetzung des S i l b e r p r e i s e s in den Vereinigten Staaten, zunächst auf 71 Cents, einige Wochen später auf 77,75 für die Unze, hat die stärkste Verwirrung auf den Silbermärkten aus- gelöst. Roosevelt hat diese Steigerung des Silber­preises durchgeführt, um sich die weitere Unter­stützung der Silberinteressenten zu erkaufen. Er brauchte sie besonders für die Annahme der Arbeits­losenbill durch den Senat, die bekanntlich 4,88 Mil­liarden Dollar für die Arbeitsbeschaffung vorsieht. Neben den Interessen der einheimischen Silber­produzenten liegt aber der amerikanischen Silber­politik die gleiche Tendenz wie ihrer Goldpolitik zu Grunde. Durch eine Heraufsetzung des Goldpreises hat Amerika seit der Abwertung des Dollars stets das Ziel verfolgt, das Preisniveau zu heben. Nun wird aber in weiten Teilen der Welt die Währung nicht von dem Goldpreis, sondern von dem Silber preis bestimmt. Mexiko, Indien und China haben heute noch eine Silberwährung. Durch eine Steigerung des Silberpreises verfolgt die amerikanische Regierung die Politik, die Kaufkraft dieser Länder, und dabei handelt es sich gerade um eine ungeheure Massenkaufkraft, zu stärken, und so auch im Ausland der amerikanischen Produktion neue Ab­satzwege mit Hilfe währungstechnischer Maßnahmen zu erschließen. Es zeigte sich aber, daß die Länder mit Silberwährung keineswegs über diePreissteige- rungen des Silbers erfreut waren. Denn für sie bedeutete ja die Erhöhung des Silberpreises eine Verteuerung der Produktion. Sie haben sich daher auch gegen die amerikanischen Maß­nahmen zur Wehr gesetzt. Die chinesische Regierung hat ein S i l b e r a u s f u h r v e r b o t erlassen. Das gleiche hat Mexiko getan. Darüber hinaus hat Mexiko sogar praktisch die Silberwährung aufgehoben und die Banknoten zum alleinigen Zahlungsmittel erklärt. Auch Indien hat Abwehr­mahnahmen getroffen. Die Nachrichten aus Amerika lauten jedoch unverändert dahin, daß Amerika ge­willt ist, die bisherige Silberpolitik fortzusetzen. Das würde bedeuten, daß der Silberpreis noch auf 129 Cents für die Unze steigen würde ober aber das Schatzamt den Ankauf von Silber erst einstellen würde, wenn die gesamten Silbervorräte e i n Drittel ber Golbvorräte ausmacht. Die hierin enthaltene Möglichkeit weiterer recht beträcht­licher Steigerungen bes Silberpreises haben auch zu umfangreichen Spekulationen in Silber geführt. Führenb ist hier ber ßonboner Markt. Dort hat ber Silberpreis bie Höhe von 35 Pence erreicht, nachbem er noch Enbe 1933 18,5 Pence betrug. Neben ben großen Spekulanten hat sich gerade in London auch das Publikum an einer Versilberung der Gewinne beteiligt, im großen Umfange ist in den letzten Tagen Familiensilber zu bisher nicht für möglich gehaltenen Preisen verkauft worden.

Kunst und Wissenschaft.

Intendant König verläßt Gießen.

Mit Ablauf des Monats Mai endet die Spielzeit 1934/35 am Gießener Stadttheater; zum gleichen Zeitpunkt endet, wie bei früherer Gelegenheit schon mitgeteilt wurde, die hiesige Tätigkeit des Inten­danten Hanns König, der bereits einen Urlaub angetreten und Gießen verlassen hat. Die Leitung des Theaters hat einstweilen bis zum Ende der Spielzeit Oberspielleiter W r e d e übernommen. Wenn die Vorstellungen beendet sind, wird sich Ge­legenheit bieten, in einem Rückblick auf die Tätig­keit unserer Bühne in dem nun ausklingenden Theaterwinter unter der Leitung des Intendanten König noch einmal zusammenfassend zu über­schauen. Der scheidende Intendant hat im Juli 1933, vom Städtebundtheater in Neuß kommend, die Nachfolge des nach Darmstadt berufenen Inten­danten Dr. Rolf Prasch übernommen. Die Ent­scheidung über die Wahl des neuen Gießener Theaterleiters ist noch nicht gefallen, dürfte aber für die nächste Zeit zu erwarten fein.

Aus aller Welt.

Schweres Erdbeben an der lürkifch-fowjetrnfsischen Grenze. lieber 200 Tote.

In der türkischen Provinz Kars in der Nähe der sowjetrussischen Grenze ereignete sich ein schweres Erdbeben, dessen Mittelpunkt die kleine Stadt Gijor war. Ungefähr 15 Dörfer wurden zerstört. Bis jetzt wurden über 200 lote festgestellt, doch wird befürchtet, daß diese Zahl sich noch bedeutend erhöhen wird. Die Zahl der Schwerverletz- t e n beträgt über 500. Die Hilfsmaßnahmen wer­den durch die zum großen Teil verschütteten Straßen außerordentlich erschwert. Die Erdstöße dauern mit unverminderter Heftigkeit weiter an.

Die internationale Nlarokko-Fahrt.

3750 Kilometer lang war die europäische Strecke, die die in Berlin gestarteten Teil­nehmer an der internationalen Ma­rokko-Fahrt bis Gibraltar zurückzulegen hat­ten. Am 26. April, vor ihrer Sollzeit, um 4.30 Uhr, kam das deutsche Adler-Team, bestehend aus Schweder, Hase und von Guilleaume, vor Gibraltar an. Außer dem Adler-Team sind von deutschen Teilnehmern noch Klinke auf BMW. und Sauerwein auf Adler, der als Einzelfahrer fährt, angekommen. Schweder, der vor Bad Köfen mit feinem kleinen Trumpf-Junior die Bekanntschaft mit einer Telegraphenstange machen mußte, trotz­dem aber weiterfuhr, konnte die 3750 Kilometer lange Strecke mühelos zurücklegen. Die 28 Teil­nehmer wurden nach Tanger übergesetzt, wo der zweite, schwierigere Teil der internationalen Marokko-Fabrt begann.

Am 27. April, früh, fand die erste Prüfung auf afrikanischem Boden der Rallye Marokko, die in ihrem zweiten Teil eine Art Hochleistungsprüfung darstellt, statt. Der Held des Tages war der fran­zösische Langstreckenfahrer T r 4 v o u x auf feinem Bugatti, der auf der drei Kilometer langen Berg­strecke mit Steigungen zwischen 7 und 12 v. H. einen neuen Rekord aufstellte. Die pausenlose und ziemlich scharfe Hinfahrt nach Gibraltar hat die meisten Teilnehmer, die fast ununterbrochen fahren mußten und selten oder fast nie zum Schlafen kamen, sehr übermüdet und ihre Widerstandsfähig­keit geschwächt. Die Hitze in Marokko und das un­gewohnte Klima tun das übrige, um sie zu be­hindern. Trotz aller dieser Widrigkeiten halten sich die deutschen Fahrer gut. Durch das B e r g rennen in Tanger haben fast alle Teilneh­mer Strafpunkte erhalten, weil jedem Teilnehmer, der die Zeit des besten Fahrers nicht erreicht hat, für jede Sekunde Vi Strafpunkt verbucht worden ist.

Eine Beschleunigungs- und Bremsprüfung brachte in Meknes, dem Ziel der ersten Etappe, interessante Resultate. Es waren 500 Meter mit stehendem Start, 50 Meter Rückwärtsfahrt, Anhalten und erneutes Anfahren zum Ziel mit abermaligem Halt zurück­zulegen. Der 5-Liter-Buick-Hamptines schnitt am besten ab. Die deutsche Adler-Mannschaft konnte durchweg gute Vorderplätze belegen. Trevoux, der auf seinem Bugatti schon das Bergrennen bei Tan­ger gewonnen hatte, war Bester der 3-Liter-Klasse vor da Massa und von Guilleaume. Hasse und Sauerwein belegten den 5. und 6. Platz. Die nächste Etappe führt nach Marrakesch und beträgt 557 Kilo­meter und soll mit einem Durchschnitt von 68 Stun­denkilometer durchfahren werden. Leider ist der Trumpf-Fahrer Hasse erkrankt und hat die Weiter­fahrt aufgegeben. Von Guilleaume und Frau Lotte Bahr auf Diplomat haben gleichfalls Schwierig­keiten.

Fünf Tote bei einem Dohnhausbrand in 21S9L

In Poughkeepsie (Staat Neuyork) zerstörte ein Großfeuer ein Wohnhaus und zwei Nachbar­gebäude. Fünf Personen verbrannten, sieben wurden verletzt.

Wetterbericht

des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.

Im Bereiche ansteigender Luftbewegung hat die Aufheiterungszone in Deutschland an Ausdehnung gewonnen. Die Temperaturen zeigen dabei infolge der starken Ein- und Ausstrahlung große Gegen­sätze zwischen Tag und Nacht. Doch ist es bereits in der vergangenen Nacht nur ausnahmsweise noch zu leichtem Frost gekommen. Die über Westeuropa entwickelten Störungen bleiben auf unser Wetter vorerst ohne wesentlichen Einfluß, wenn sich auch die Bewölkungszone zeitweilig bis zu uns hin ver­schieben wird.

Aussichten für Sonntag: Heiter bis wol­kig, trocken, mittags warm, vorwiegend östliche Winde.

Aussichten für Montag: Fortdauer der überwiegend freundlichen und tagsüber warmen Witterung.

Lufttemperaturen am 3. Mai: mittags 16,2 Grad Celsius, abends 6,6 Grad; am 4. Mai: morgens 4,7 Grad. Maximum 17,6 Grad, Minimum0,2 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 3. Mai: abends 12,3 Grad; am 4. Mai: morgens 8,2 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 12,5 Stunden.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange.

Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriol für Den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. III. 35: 11 229. Druck und Verlag: Brühl'schk Universitäts-Buch- and Stemdruckerei

R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen.

Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit ber Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkausspreis: 10 Pf. und Samstags 15 Pf* mit der Illustrierten 5 Ps. mehr.

Zur Zeit ist Preisliste Nr. 2 vom 2. Juli 1934 gültig.