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Fußball-Länderkamps DeuWand-Sngland
Müde und abgespannt?
.. auf Kaffee Hag umstellen 1
fahren bekundeten, keinen Ehebruch getrieben zu haben. Der gestrige Sitzungstag war ausgefüllt mit Zeugenvernehmungen. Es sind insgesamt über 30 Zeugen geladen.
Rundfunkprogramm
Mittwoch, 4. Dezember.
6 Uhr: Choral — Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.15: Gymnastik. 9.15: Musik am Morgen. 10.15: Schulfunk. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.20: Nachrichten. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Mittagskonzert. 14.10: Allerlei zwischen zwei und drei. 15: Wirtschaftsbericht. 15.15:
Kontinent" spricht. Deutschlands Fußballelf wird über dem Kanal als der augenblicklich berufenste Vertreter des kontinentalen Fußballsports angesehen. Diese hohe Meinung vom deutschen Können haben die Engländer durch die glänzenden Resultate unserer Reichsmannschaft gegen gute und beste europäische Nationen bekommen. Man weiß auf dem Jnselreich, daß Deutschland augenblicklich keinen Gegner in Europa zu fürchten hat und trägt dem Rechnung. Es ist bestimmt kein Zufall, daß immer gerade die Nation zu einem Länderspiel in England ein gelaßen wird, die mit an führender Stelle in Europa steht. Der Länderkampf mit England auf englischem Boden ist — wie immer er auch enden mag — das Ziel und die Krönung einer Epoche im deutschen Fußballsport, die aus der Tiefe zu einer anerkannten und angesehenen Machtstellung auf dem Kontinent führte.
nun mächtig zusammen; andererseits war aber die Derteidgiung der Gegenseite nicht in der Lage, noch je einen Erfolg von Schüler und Krüger zu verhindern. Die Spielvereinigungsleute schienen schon als Sieger den Platz verlassen zu können, als etwa zwei Minuten vor Schluß von Kirchbauna durch zwei verhängte Strafwürfe die Gelegenheit zum Ausgleich prompt wahrgenommen wurde.
Zur Mannschaftskritik ist zu sagen, daß Kirchbauna in allen Teilen mit einer guten Leistung aufwartete. Erfolgreichster Mann war zweifellos der Mittelstürmer.
Bei 1900 tat der Sturm, was irgend möglich war. In der Hintermannschaft müssen noch wenige Schwächen ausgemerzt bzw. Umbesetzungen vorge- nommen werden. Der Kampfgeist der Mannschaft war ausgezeichnet.
1900s zweite Mannschaft weilte in Ebersgöns und kam infolge des Nichtantretens des Gegners kampflos zu den Punkten.
Handball der Studenten.
Univerfifäf Gießen gegen Universität Marburg.
Am kommenden Mittwoch spielt die Universität Gießen gegen Marburg. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird es zu einem spannenden Kampf kommen, denn beiderseits versteht man gut, Handball zu spielen. Ob allerdings Gießen an seine großen Leistungen in den letzten Semestern anzuknüpfen vermag, ist fraglich, da viele gute Spieler nicht mehr zur Verfügung stehen. Besonders wird man Acker, Kissel, Schott und Frey vermissen. Hoffentlich wartet unsere Mannschaft mit einem schönen Siege auf. Das Spiel findet in Gießen statt. Das Spiel Universität Gießen gegen Hochschule für Lehrerbildung Weilburg fiel aus.
Vater hatte ihn, der Tradition gemäß, für den Kauf- mannsberuf bestimmt, aber der Sohn war nicht dafür geschaffen gewesen. Nach dem frühen Tode des Vaters war er seiner Neigung gefolgt und in die Welt hinausgegangen. Sein Erbteil hatte er im Geschäft stehenlassen; der ältere Bruder war ein gewissenhafter Kaufmann gewesen, so daß man, unbeschwert von Sorgen und Gewissenskonflikten, sich die Welt hatte ansehen können.
Sartorius hatte sich die Welt angesehen. Nicht wie ein sorgenloser Vergnügungsreisender, sondern aus einem unbändigen Freiheitsdrang und einem nie gestillten Wissens- und Tatendurst heraus. Er hatte Strapazen und Entbehrungen aller Art willig auf sich genommen, nur um des Abenteuers willen, hatte gehungert, gefroren oder sich von der Sonnen- alut ausdörren lassen, während daheim ein stattliches Guthaben seiner wartete. Erst in späten Jahren hatte er sich wieder heimgefunden. Nun lebte er feinen Erinnerungen. Er hielt sich auch jetzt dem Geschäft fern, aber in sonstigen wichtigen Dingen wurde sein Rat gern gehört.
Er warf jetzt einen Blick auf die Standuhr, dann schaltete er das Licht aus und verließ die Wohnung. Das zweite Stockwerk war vor längeren Jahren geteilt worden. Korbinian Sartorius blieb zögernd an der zweiten Vorsaaltür stehen und lauschte einen Augenblick. Drinnen war alles still, der Vorsaal dunkel. Da wandte er sich um, stieg die Treppe zum ersten Stockwerk hinunter.
Frau Eugenie schien etwas verstimmt, als er zu den beiden in das Zimmer trat.
„Ich habe euch hoffentlich nicht warten lassen", sagte er und blies eine mächtige, bläuliche Wolke aus seiner Zigarre vor sich hin.
Frau Eugenie schwieg. Der Senator schob gelassen einen Stuhl zurecht.
„Wir versäumen ja nichts, der Abend ist lang."
Korbinian Sartorius nahm Platz und entlockte seiner Zigarre erneut eine Wolke duftenden Rauchs.
Die Frau Senator führte mit ausdrucksvoller Gebärde die Hand zum Munde und hüstelte einige Male recht nachdrücklich.
Korbinian wandte sich ihr mit harmloser Miene zu:
„Du mußt schon gestatten, liebste Eugenie? Ein so wichtiger Akt erfordert ungeteilte Aufmerksamkeit, und die bringt unsereiner nur auf, wenn man sich an einem vernünftigen Glimmstengel festhalten fa®r strich sorgsam die Asche von seiner Zigarre und sah den Senator an.
„Etwas Wichtiges liegt dock fieber vor, da ihr mich so feierlich zu einer Besprechung unter vier ober vielmehr sechs Augen eingeladen habt. Kleiner Familienrat — wie?"
„So ähnlich ist es. Eigentlich ist es ja eine Angelegenheit, die nur die beiden unmittelbar daran Beteiligten angeht ober angehen sollte; aber da in
Zuversicht unb Glauben.
Gewiß — Englanb ist siegessicher. Das war es aber auch bei allen anberen Länderspielen, die es auf eigenem Boden austrug. Dieser Siegesglauben der Engländer ist also kein Grund für die beut- chen Spieler und Zuschauer, die Flinte schon von vornherein ins Korn zu werfen. Und wir sind icher, daß dies auch bestimmt nicht der Fall sein wird. Deutschlands Fußballspieler von heute sind Kämpfer im besten Sinne des Wortes. Die Ansichten Deutschlands auf einen Sieg oder auf ein Inentschieden sind sehr klein. Die Chance Deutschlands aber, den Kamps ehrenvoll zu bestehen, ist groß. Und eine in einem ritterlichen und schönen Spiel erlittene ehrenvolle Niederlage wirb für Deutschlands sportliches Ansehen sicher ebenfalls einen großen Erfolg bedeuten. Viel wird natürlich unsere Mannschaft das ungewohnte, rauhe englische Klima und der regenschwere Boden ausmachen. Diese Handikaps können leicht zu einer vorzeitigen Ermüdung unserer Spieler führen.
Die Deutschen trainieren bei Arsenal.
Nach einer Meldung des „Evening-Standard" hat sich Londons Meisterklub Arsenal bereit erklärt, her am Montag in London eintreffenden deutschen Mannschaft ihren Platz zum Training zur Verfügung zu stellen.
Die Mannschaftsaufstellungen.
England: Hibbs (FC. Birmingham); Male, Hapgood (beide Arsenal); Crayston (Arsenal), Barker (Derby County), Bray (Manchester City); Birkett (Middlesbr.), Carter (Sunderland), Camsell (Middlesbrough), Westwood (B. Wanderers), Bastin (Arsenal).
Deutschland: Jakob (Jahn Regensburg); Haringer (Wacker München), Münzenberg (Alemannia Aachen); Janes (Fortuna Düsseldorf), Gold- brunner (Bayern München), Grämlich (Eintracht Frankfurt); Lehner (Schwaben Augsburg), Szepan (Schalke 04), Hohmann, Rasselnberg (VfL. Benrath), Fath (Wormatia Worms).
HandballergebnisseimKreis Lahn-Dill.
So wie überall, ist auch im Kreis VIII bas sonntägliche Programm ber schlechten Witterung zum Opfer gefallen. Der größte Teil ber angesetzten Spiele mußte oft noch in letzter Minute abgesagt werden, weil die Plätze durch den anhaltenden Re- gen unbespielbar waren.
1. Kreisklasse.
Tv. Holzheim — Tv. Garbenheim 7:5 1 (3:2). Garbenheim war wesentlich stärker, als man 1 erwartet hatte. Aus dem Grunde hatten die Platz- i besitzer alle Mühe, die Oberhand zu behalten. Bis ' zur Pause sah es jedenfalls noch nicht nach einem Holzheimer Sieg aus. Nach dem Wechsel allerdings
Europäisches Ballett. 16.25: Fußball-Länderkampf Deutschland—England. 2. Halbzeit. 17.10: Der bunte Frankfurter Mittwoch-Nachmittag. 18.30: Aus Zeit und Leben. Von großen und kleinen Sammlern. 19: Tanzmusik der Funktanzkapelle. 19.50: Tagesspiegel des Reichssenders Frankfurt. 20: Nachrichten. 20.15: Stunde der jungen Nation. Der Kompromiffionar. Eine Zeitfatyre. 20.45: Wir kommen programmgemäß wieder!... Eine übermütige Sendung aus dem Funkhaus. 22: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 22.20: Die Weife von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke. Von Rainer Maria Rilke anläßlich feines 60. Geburtstages. 22.45: Nachtmusik und Tanz. 24—2: Orpheus und Eurydike.
meister ber Schmiede-Innung H. Haas in einer öffentlichen Ansprache im Gemeindesaal geehrt. In feiner Ansprache erhob der Obermeister die Verbundenheit des Jubilars mit der Dorfbevölkerung hervor und bezeichnete ihn als einen alten Handwerker von echtem Schrot und Korn. Die Anwesenden nahmen die Ausführungen mit Beifall auf. Dem Jubilar wurde ein glücklicher Lebensabend im Kreise der Seinen gewünscht.
(D Muschenheim , 2. Dez. Bei der am Sonntag durch Handwerksmeister, Gesellen und Lehrlinge durchgeführten Sammlung für das Winterhilfswerk wurden hier 29,08 Mark aufgebracht. — Der Reichsluftschutzbund veranstaltete gestern abend in unserem Orte eine Werbekundgebung, die gut besucht war. Der Gemeindegruppenführer Pg. Fischer eröffnete die Versammlung. Einführende Worte sprach anschließend Pg. Maidhof (Lich). Lehrer H i l d von Lich hielt einen sehr aufschlußreichen Lichtbildervortrag, während Lehrer Meckel von Lich darauf hinwies, daß jedermann den Reichsluftschutz unterstützen müsse. Die Teilnehmer des Abends folgten den Rednern mit großer Aufmerksamkeit. Die Versammlung wurde in der üblichen Weise geschlossen.
ch Obbornhofen, 2. Dezember. Am Samstag wurde unter starker Teilnahme der Bevölkerung der älteste Einwohner unserer Gemeinde, der Auszügler Konrad Block II., zu Grabe getragen. Er hatte ein Alter von 90 Jahren, 7 Monaten und 6 Tagen erreicht und war nie in seinem Leben ernstlich erkrankt, und körperlich und geistig rührig bis in die letzte Zeit. Pfarrer Schäfer umriß das Leben des Verstorbenen an Hand eines Psalmwortes als das eines christlich-deutschen Menschen. Nun hat unser Dorf noch vier Frauen und zwei Männer im Alter von 80 bis 90 Jahren und außerdem neun Männer und sieben Frauen, die das 70. Lebensjahr überschrit- ten haben. Der Tod hat in den letzten Monaten reiche Ernte gehalten. Während sieben Personen zu Grade getragen wurden, erblickten nur fünf das Lickt der Welt. — Jagdpächter Hermann Rück- eisen von Wohnbach veranstaltete dieser Tage eine Treibjagd im hiesigen Gemeindewald. 14 Hasen und zwei Füchse waren das Ergebnis.
OderheMches Schwurgericht.
In zweitägiger Sitzung befaßt sich das Gericht mit dem A. G. und der A. W., beide aus Friedberg, wegen Meineids. Die Verhandlung findet unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt. Die Angeklagten sollen in einem Strafverfahren wegen Beleidigung beide unter Eid wissentlich falsche Aussagen gemacht haben, indem sie in dem damaligen Ver-
Handball der Sp.-Dg. 4900.
Kirchbauna — Spielvereinigung 1900 Gießen 14:14 (7:10).
Die 1900er traten die Reise nach Kirchbauna mit gemischten Gefühlen an, mußten sie doch für Hoffmann, Steines und Funke Ersatz einstellen. Man spielte mit: Enders; Cremers, Ne ist; Schott II, Knops, Koch; Schuler, Krüger, Hammann, Betz, Herbert. Der Kampf sah die Gießener in guter Verfassung. Der Gesamtleistung nach wäre ein Sieg verdient gewesen, aber einmal mehr ließ eine reichliche Dosis Pech — ein paar unglückliche Entscheidungen des Schiedsrichters sollen darin einbegriffen fein — den Gewinn nur eines Punktes zu.
Die Blauweißen kamen gleich zu Beginn gut zum Zug und führten durch Krüger schon in der dritten Minute 2:0. Nun liefen die Einheimischen zu besserer Form auf. Die zuweilen etwas unreine Arbeit der Gießener Hintermannschaft gab dem schußgewaltigen Kirchbaunaer Mittelstürmer Schmidt Gelegenheit zum Ausgleich. Im weiteren Verlaus wogte ber Kampf hin und her, und beide Parteien waren abwechselnd erfolgreich. In den letzten zehn Minuten vor dem Wechsel legten nun die Spielvereinigungsleute ein unbefangenes Spiel mit jedoch energisch durchgeführten Aktionen an den Tag. Durch Würfe von Krüger, Hammann und Herbert konnte die Torzahl auf zehn erhöht worden.
Kaum war jedoch zur zweiten Halbzeit angepfiffen, als sich das Blatt wandte. Kirchbauna kam mächtig auf und brachte dies auch in zunächst fünf Toren zum Ausdruck, denen die Gießener nur zwei entgegenzufetzen vermochten. Es stand 12:12 und ging auf Biegen und Brechen, die 1900er Hintermannschaft insbesondere Enders im Tor, riß sich
gewisser Hinsicht auch das Geschäft damit in Zusammenhang steht, möchten wir gern auch deine Ansicht hören."
Korbinian verzog das Gesicht und hob die Hand zu leiser Abwehr.
„Geschäft? Bitte, das ist bekanntlich nicht mein Gebiet. Da bist du allein maßgebend und verantwortlich. Ich habe dir ja auch immer vollkommen freie Hand gelassen. Du wirst, wie immer, auch in dieser Angelegenheit das Richtige treffen. Verzichte also bitte auf meine freundliche Mitwirkung, wenn es irgend möglich ist. Im übrigen kannst du dir etwaige Sorgen natürlich ruhig vom Herzen reden. Sind es geschäftliche Schwierigkeiten?"
„Wer hätte die wohl nicht! Aber zu Sorgen liegt Gott fei Dank keine Veranlassung vor. Die Sache ist eigentlich rein privater Natur, spielt aber, wie gesagt, in das Geschäftliche hinüber, und da du ja Teilhaber der Firma bist, bin ich schon gezwungen, dich damit zu behelligen und um deine Ansicht zu fragen."
Korbinian Sartorius lehnte sich ergeben zurück und schlug die Beine übereinander.
„So! Na, da kramt eure Neuigkeiten nur mal aus!"
Der Senator richtete sich ein wenig auf.
„Günter scheint sich nämlich mit Heiratsabsichten zu tragen ..."
Das Gesicht des Onkels war unbewegt. Er hob die Hand vom Tisch und ließ sie wieder sinken.
„Soll er heiraten, wenn er mag! Er ist ja alt genug, um zu wissen, was er zu tun hat."
„Schon richtig. Aber mit der Wahl, die er getroffen hat, ist es nicht so ganz einfach."
Korbinian Sartorius blies ein paar kunstvolle Ringe vor sich hin.
„Und da soll ich raten? Ausgerechnet ich?"
Ein kleines, verschmitztes Lächeln nistete in feinen Mundwinkeln, als er fortfuhr:
„Ein Junggeselle reiferen Alters, wie ich, dürfte für solche Fragen wohl kaum die zuständige Stelle sein. Ebensogut könntest du einen bemoosten Büffel fragen, wie er über den neuesten Schlager denkt."
Frau Euaenie hielt den Kopf ein wenig schief und zog mißbilligend die Lippen ein. Der Senator legte die Handflächen gegeneinander und gab dem Onkel ein halbes Lächeln zurück.
„Trotzdem ist dein Urteil in diesem Falle von Wichtigkeit, Onkel!" entgegnete er, wieder ernster werdend. „Du weißt, daß Günter einmal unser Erbe sein wird, und wir hatten gewünscht und gehofft, daß er auch eine entsprechende Heirat machen würde. Wir hatten da schon unsere Pläne, vor allem Eugenie. Leider aber besteht keine Aussicht, daß sie verwirklicht werden."
„Hm! Und wen hattet ihr euch als zukünftige Schwiegertochter ausgesucht?"
„Wir hatten an Irmgard Brunner gedacht." Korbinian Sartorius schüttelte sich.
(Fortsetzung folgt!)
Die deutsch-englischen Fußball-Beziehungen gehören zu den ältesten in der Geschichte des deutschen Fußballsports. Schon im Jahre 1899 sand der
samkeit um ein Bedeutendes. Der Senator war offenbar ein Mann, der genau wußte, was er wollte, und feine Ziele mit zäher Beharrlichkeit verfolgte, der sich aber anderen Menschen und deren Rechten keineswegs verschloß. Ein matter silberner Schein glitt über seine leicht ergrauten Schläfen, als er wieder in den Bereich des Lampenlichtes zurücktrat.
Euaenie Sartorius, feine Gattin, faß in einen Sessel gedrückt und starrte schweigend auf den altertümlichen Kamin zu ihrer Seite, der in vergangenen Zeiten behagliche Wärme gespendet haben mochte, und in dem jetzt die elektrische Beleuchtung flammende Holzscheite vortäuschte. Sie hob leicht die Nasenflügel, während sie sich dem Senator zuwandte:
„Findest du nicht, daß Onkel Korbinian recht lange auf sich warten läßt?"
Sartorius zuckte stumm die Achseln und nahm seine unterbrochene Wanderung durch das Zimmer wieder auf. Plötzlich blieb er an einem an der linken Wand hängenden lebensgroßen Oelgemälde stehen, das den Erbauer und Gründer der Firma darstellte, in der Amtstracht des Bürgermeisters, mit der von den Schultern auf die Brust herabhängenden Amts- kette. .
„Er war in feinen jüngeren Jahren dem Bürgermeister Sartorius sehr ähnlich."
„Wer?"
„Onkel Korbinian."
Ein leises, halb zweifelndes, halb spöttisches Lachen kam vom Kamin her.
„Na, du ...! Ähnlichkeit? Aeußerlich vielleicht. Aber sonst ... Ich glaube, der Herr Bürgermeister würde sich einen Vergleich mit dem Weltbummler Korbinian wohl stark verbitten, wenn er könnte."
Wieder hob der Senator die Schultern.
„Wir sind an Seßhaftigkeit und strengere Lebensauffassung gewöhnt", erwiderte er dann. „Onkel Korbinian ist in dieser Hinsicht eben etwas aus der Art geschlagen. Unruhiges Blut drängt in die Weite, will sich austoben, das muß man verstehen. Im übrigen aber ist er zweifellos ein ganzer Kerl und hat das Herz auf dem rechten Fleck."
Frau Eugenie hielt es offenbar für gut, auf eine Entgegnung zu verzichten
Korbinian Sartorius befand sich indessen tn dem mit Jagdtrophäen und Andenken aus aller Welt reich geschmückten Eckzimmer seiner im zweiten Stockwerk des alten Hauses gelegenen Wohnung. Er trat an den Rauchtisch, nahm eine seiner geliebten dicken, schwarzen Brasilzigarren aus der Kiste und setzte sie mit sichtlichem Behagen m Brand. Seine Bewegungen hatten trotz seines Alters etwas Festes und Sicheres. Das graue Haar war nur über der hohen, breiten Stirn gelichtet. Der Blick seiner klugen Augen hatte noch immer etwas von dem lebhaften Feuer der Jugendjahre. .
Korbinian Sartorius hatte tn der Tat em unruhiges, abenteuerliches Leben hinter sich. Sem
erste — allerdings noch inoffizielle — Länderkampf zwischen den beiden Nationen statt. Drei Niederlagen und zwei Unentschieden (den ersten inoffiziellen Kampf nicht mitgerechnet) bilden die Bilanz für Deutschland. 23:6 lautet das Torverhältnis zugunsten Englands.
Denkbar sorgfältige Vorbereitungen unb eine nach deren Lehren, Erfahrungen und Ergebnissen vor- Genommene Mannschaftsaufstellung haben in Deutschland größtes Vertrauen in die Elf für den Kampf mit England ausgelöst. Die verantwortlichen Männer des DFB. können sich mit gutem Gewissen sagen — und sie werden es von der gesamten deutschen Fußballgemeinde bestätigt erhalten —, daß sie ihr Bestes getan haben, um dem deutschen Futzballsport den Weg zu einem ehrenvollen Kampf und würdigen Bestehen in Englands Hauptstadt zu ebnen. Die deutsche Mannschaft für den Kampf mit England ist wirklich das Beste und Ausgesuchteste, das die deutsche Fußballbewegung unter den gegebenen Verhältnissen stellen kann. Diese Erkenntnis schafft Vertrauen. Sie schafft auch
Nicht müde werden, Annelies!
Nomon von Bernhard Lonzer.
Urheberrechtsschutz: Aufwärts-Verlag, Berlin.
(Nachdruck verboten.)
1. Kapitel.
Das blahgraue Dämmerlicht eines der letzten Apriltage hing wie eine Nebelwolke von riesenhaften Ausmaßen über dem nur schwach belebten „Sartorius-Ring". Es schob die dunkelgraue Front des alten, schlichten Patrizierhauses förmlich von der Seite her zusammen und schien die spitzen Giebel und den schmalen First in die Verschwommenheit des Unendlichen hinaufzudrücken. Wie eine matte, dunstverhüllte Metollscheibe hing der Mond schräg über dem Hause, vergrämt und bekümmert, als wäre er von der augenblicklichen offenbaren Zwecklosigkeit seines Daseins aufs tiefste erschüttert.
Das mehr als hundert Jahre alte Haus, das jetzt von dem Senator Erwin Sartorius bewohnt wurde, mochte einstmals zu den vornehmsten und imposantesten Bauwerken der Stadt gehört haben. Don einem Sartorius erbaut, war es Geschlechter hindurch im Besitze der Familie gewesen und hatte die bescheideneren Häuser in der Umgebung trotzig überdauert. Der Großvater des jetzigen Besitzers bäte die anliegenden Häuser aufgekauft unb ab- brechen lassen. Jetzt dehnten sich an ihrer Stelle baumbestandene Grünflächen aus, zur Linken von einem mächtigen modernen Hotelbau, zur Rechten von der imposanten neuen Gewerbeakademie begrenzt. Im Vergleich zu seiner jetzigen Umgebung erschien das alte Patrizierhaus unbedeutend und altmodisch; aber es hatte sich doch einen gewissen Hauch von Vornehmheit und stolzer, kühler Zurückhaltung bewahrt.
Das Erdgeschoß, das neben der modern ausgebauten Diele nur die Empfangszimmer und Gesellschaftsräume enthielt, lag ganz im Dunkeln. Im ersten Stockwerk aber stand heller Lichtschein hinter den gelbseidenen Vorhängen zweier Fenster. Jetzt zeichnete sich der Schatten einer männlichen Gestalt auf dem rötlich-gelben Grunde ab, eine Hand griff in die Vorhänge und schob sie zurück. Ein Männerkopf wurde sichtbar, sah nachlässig auf die Straße hinab, hob den Blick zum Himmel und verschwand wieder.
Es war Erwin Sartorius, der Besitzer des Hauses und Seniorchef der Firma Sartorius & Söhne, eines alten, bedeutenden und angesehenen Handels- Hauses. Die scharfkantigen, energischen Züge gaben seinem Gesicht etwas Herrisches, aber die Augen milderten den Eindruck von Härte und Unbeugsam-
Seit Wochen kennen die Fußballsportler Deutschlands kein anderes Thema mehr, als den Länderkampf mit England. Nun ist der Augenblick gekommen. Deutschlands Reichsmannschaft tritt am morgigen Mittwoch um 15.30 Uhr deutscher Zeit auf dem Platz der Tottenham Hotspurs in White Hart Lane gegen Englands zuhause noch nie besiegte Fußballelf an.
Es wird in der Geschichte des internationalen Fußballsportes immer von Zeit zu Zeit Ländertreffen geben, die sich weit über den Rahmen des sonst üblichen herausheben und darum auch die besondere Aufmerksamkeit der sportlichen Welt erregen. Der Fußballkampf Deutschland gegen England auf englischem Boden gehört zu diesen Begegnungen.
Worin liegt aber die besondere Bedeutung dieses sechsten Fußball-Länderkampfes zwischen Deutschland und England? Sie wird am besten charakterisiert durch den in England geprägten Satz, der von einer „Auseinandersetzung Englands mit dem
sucher. Dann schilderte Reichsredner Pg. Schricker (Sudetendeutscher) den Kampf im Grenzland für das Deutschtum. Mit entsprechenden Liedern und Gedichten half die hiesige Oberklasse den Abend verschönern. Zum Schluß dankte Rektor Bender dem Redner für seine mit trefflichen Beispielen gegebenen Schilderungen und ermahnte ^e Versammlung, einzutreten in den Bund des VDA.
Y Watzenborn-Steinberg, 3. Dez. Die am Sonntag von Handwerkern und Beamten durchgeführte Sammlung erbrachte in unserer Gemeinde 49,95 Mark, in der Zelle Hausen 12,20 Mk.
* Lang-Göns, 2. Dez. Die aus dem S t a l ( e der Wwe. Henrich, wie gestern bereits berichtet, gestohlene Kuh ist aufgefunden worden. Ein Metzger aus Wetzlar telephonierte heute hierher, daß die gestohlene Kuh bei ihm im Stalle stehe, sie sei ihm zum Kaufe angeboten worden. Vorsichtigerweise batte der Metzger dem unbekannten Verkäufer aber noch nichts gezahlt, sondern ihn zum Wiederkom- men bestellt. Da der Dieb, der durch den Garten in bas Grundstück eingedrungen war, mit den örtlichen Verhältnissen genau vertraut sein mußte, lagen be- stimmte Schlüsse nahe. Die Ermittlungen nach dem Täter sind im Gange.
3 Dorf-Gill, 1. Dez. Am heutigen Tage feierte der 76jährige Schmiedemeister Messer- schmidt sein 50jähriges Geschäftsjubiläum. Der alte Meister wurde durch den Ober


