Ur. 282 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Dienstag, 3. Dezember (935
Loteria... Loteria...!
Spanisches Volk im Taumel der Weihnachtslotterie.
Von Walter Seidlih, Barcelona.
r „Loteria ... Loteria ..." Der melodische Ruf reißt nicht ab, solange durch die Straßen der spanischen Städte der Verkehr wogt. „Loteria ... Loteria ..." — dieser Schrei der riesigen Armee spanischer Losverkäufer übertönt tagein, tagaus den Lärm der Straße, das Kreischen der Bahnen, das Hupen der Automobile, die Ansagen der Radiostationen und die lärmenden Melodien der Grammophone. „Loteria ... Loteria ..Das ist ein festumschlossener Begriff im spanischen Leben. Hier im Süden spielt ein ganzes Volk Lotterie, hier gibt es niemand in Stadt und Land, der nicht einmal sein Glück versuchte und nun immer wieder Pesetas und Duros opferte in der stillen Hoffnung auf den großen Gewinn. Auch in Spanien ist das Lotteriegeschäft Staatsmonopol. Aber der Staat kommt dem Spielbedürfnis seiner Bürger weitestgehend entgegen. Dreimal im Monat findet die Ziehung statt, dreimal im Monat hat der Spanier also die Spielchance in dieser Hauptlotterie, ganz abgesehen von vielen Wohltätigkeits- und Blindenlotterien, die darüber hinaus noch zugelassen sind. Es werden ungeheure Summen umgesetzt, und es werden auch ungeheure Summen gewonnen. Entsprechend dem Umsatz ist aber auch der Staatsverdienst! Man veranschlagt die Summen, die der spanische Staat jährlich durch die Lotterie einnimmt, auf rund 30 Millionen P.e s e t a s. Die Lotterie stellt also eine recht gute Einnahmequelle dar, eine angenehm verkleidete Steuer, die immer aufgebracht wird, ob die Zeiten gut oder schlecht sind. Das Glücksspiel hat sich in Spanien in der Tat als krisenfest erwiesen, ja, in
außergewöhnlich hoch. Der Haupttreffer, vom Volksmund treffend „Der Dick e" genannt, beträgt bei der Weihnachtslotterie nicht weniger als 15 Millionen Pesetas, und auch die danach folgenden Gewinne können sich noch sehen lassen: 10 Millionen ... 5 Millionen ... aber dann geht es schnell abwärts. Der kleinste Gewinn ist nur wenige Silbermünzen „groß".
Man muß dabei gewesen sein, wenn die Entscheidung fällt, um 3U ermessen, wie tief verwurzelt das Lotteriespiel im spanischen Volk und im spanischen Leben ist Eine unheimliche Spannung liegt über den letzten Tagen und Stunden vor der Ziehung. Millionen fiebern dieser Entscheidungsstunde entgegen. Der Ziehunastag ist der 22. Dezember. Dann stehen die Massen vor den eisernen Toren der Casa de la Moneda in Madrid zu Tausenden. Aber nur ein Bruchteil davon findet Einlaß, um Zeuge der großen und fast feierlich ernsten Stunde zu sein. Die übrigen warten draußen, an dem kalten Madrider Wintertag, bis das Ergebnis endlich vorliegt. Derweil wird drinnen die Entscheidung vorbereitet. Der Blick der anwesenden Massen geht fast ehrfürchtig auf die beiden drehbaren Trommeln, und in Gedanken ist das aanze spanische Volk hier. Numerierte Kügelchen, im ganzen 55000, werden in die größere der beiden Trommeln gezählt. Stunden, lange Stunden vergehen damit. Aber nur einige Minuten sind notwendig, die wenigen Gewinnlose dann in die kleinere Trommel gelangen zu lassen. Waisenknaben, feierlich gekleidet, entnehmen die Gewinn-Nummern der Trommel, enthüllen dann
unter lautloser Stille das Geheimnis, wenn sie diel Glücksnummern verlesen. Gleich ist die Kunde ders wartenden Menge draußen unterbreitet; alle Telephonleitungen sind besetzt, der Telegraph arbeitet, die Redaktionen und Nachrichtenbüros haben alle Kräfte angespannt, der Rundfunk tritt in Tätigkeit, und wenig später ist das Ergebnis im ganzen Land bekannt, wenig später ist auch das Land um wenige Glückliche und viele Enttäuschte reicher.
Aber für die vielen Enttäuschten gibt es bald neue Möglichkeiten. Und sie werden gebührend ausgenutzt. Die Losoerkäufer können wieder in Tätigkeit treten, und bis zur nächsten Ziehung erfüllt ihr melodisches „Loteria... Loteria..." wieder die Straßen!
Falsche Fünfmarkstücke im Umlauf.
Frankfurt a. M., 29. Nov. (LPD.) Vor kurzem wurde auf das Vorkommen falscher Fünf- mar k st ü ck e der neuen Ausprägung mit der Garnisonkirche zu Potsdam aufmerksam gemacht. Nun ist zu dieser Fälschungsart eine neue hinzugekommen. Diese ist besonders in den letzten Tagen im Frankfurter Gebiet aufgetaucht. Es handelt sich bei der neuen Fälschung um Fünfmarkstücke der alten Ausprägung mit dem Eichbaum auf derRück- feite. Diese Falschstücke, welche aus einer Messing- legieruna gegossen und stark versilbert sind, sind in ihrem Aussehen den echten Stücken täuschend ähnlich. Sie erscheinen aber in ihrer Stärke etwas dicker und sind durchweg VA bis 2 Gramm leichter als die echten Stücke Die Riffelung an der Umrandung ist weniger scharf und teilweise abgeschliffen; auch sind die Blätter des Eichbaumes unklarer und verschwommen. Es fehlt den Falschstücken auch der strahlenförmige Glanz, und beim Aufwerfen geben sie einen hohlen, mehr blechernen Ton von sich. Die bisher angehaltenen Falschstücke haben
schlechten Zeiten wird gern ein Duro mehr geopfert in der stillen Hoffnung, daß so ein Weg geebnet wird, der endlich die Mittel zum Aufwärts schafft. Die hohen Gewinne und Prämien sind der einmalige Reiz, und die Möglichkeit — mag sie auch noch so begrenzt erscheinen —, aus der Armut schnell ' zum Millionär emporzuwachsen, wird niemand in Spanien unausgenutzt vorüberziehen lassen. So steht das Volk Schlange vor den Geschäften, die zum Losverkauf zugelassen sind. So stürzt sich das Volk begierig auf die Zeitungen und Extrablätter, die zuerst mit den Gewinnlisten herauskommen. So spielt ein ganzes Volk, so hofft ein ganzes Volk, Jahre und Jahrzehnte hindurch, bis das Glück sich einstellt, und wenn es auch dann kein Millionengewinn ist ... auch ein paar hundert Pesetas vermögen zu trösten.
Der Abschluß des Jahres bringt den Höhepunkt im Glücksspiel. Es ist ein wahrer Taumel, der das Volk gepackt hält, wenn die Weihnachtslotterie beginnt. Und kaum hat die Ziehung ftattqefunben, da setzen die Vorbereitungen zur Neujayrslotterie ein. Sie steht an Umfang und Bedeutung kaum der Weihnachtslotterie nach. Man kann sagen, daß es in Spanien niemand gibt, der nicht an der Weihnachtslotterie teilhätte. Im ganzen werden 55 000 Voll-Lose ausgegeben, eine Ziffer, die gering erscheinen möchte, die aber sofort in das rechte Licht gerückt wird, wenn man berücksichtigt, daß jedes volle Los 2000 Pesetas kostet. Im ganzen werden dann also durch diese 55 000 Lose nicht weniger als 110 Millionen Pesetas eingenommen, die, auf das 20-Millionenvolk verteilt, mehr als fünf Pesetas auf den Kopf der Bevölkerung ergeben. Das ist dann auch ungefähr der Satz, der für den kleinsten Losanteil ausgegeben werden muß. Es kann also festgestellt werden, daß durchschnittlich jeder Spanier allein an der Weihnachtslotterie mit einem Losanteil beteiligt ist, ganz abgesehen von der großen Neujahrs-Lotterie, abgesehen auch von den regelmäßigen drei Ziehungen im Monat und den vielen kleinen Wohltätigkeitslotterien. Spanien ist tatsächlich ein spielfreudiges Land, und in jedem Jahr wird so die Zahl der Reichen um einige glückliche Millionäre verstärkt. Denn die Gewinne sind
Beamte und Handwerker sammeln sür das WHW.
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Originell war in Berlin die amerikanische Versteigerung von Hasen, von der wir hier ein Bild zeigen. (Scherl-Bilderdienst-M.)
Oie Flagge des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine.
Mit Wirkung vorn 1. Dezember ab führt der O b e r< befehlshaber der Kriegsmarine eine neue Flagge. Es ist ein weißes gleichseitiges Rechteck mit einem schwarzen Eisernen Kreuz. Unter dem Eisernen Kreuz liegen zwei im Rechtwinkel gekreuzte goldgelbe Schwerter, auf deren Parierstangen fich unklare Anker befinden. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
durchweg das gleiche Münzzeichen 1931/E, die vermutlich aus ein und derselben Form hergestellt worden sind. Die Fälscher müssen eine gute, dauerhafte Schmelz- und Gießvorrichtung besitzen, denn eine Messinglegierung herzustellen, bedarf einer viel stärkeren Erhitzung als Weichmetall. Das Publikum wird gebeten, auf solche Einrichtungen besonders zu achten und gegebenenfalls der Polizei Mitteilung zu machen. Personen, welche bei der Verausgabung dieser Falschstücke betroffen werden, sind unbedingt festzuhalten und der nächsten Polizeidienststelle zu übergeben.
Mißbrauch von Münzfernsprechern gefährlich!
Noch immer gibt es Volksgenossen, welche die Deutsche Reichspost und damit die Allgemeinheit dadurch schädigen, daß sie versuchen, beim Sprechen an Münzfernsprechern ihre Groschen aus der Kriegs- und Vorkriegszeit an den Mann zu bringen. Abgesehen davon, daß derartige Volksgenossen sich mit solcher Tat selbst außerhalb der Volksgemeinschaft stellen, ist das Unterfangen auch gefährlich. Seit einiger Zeit läßt nämlich die Deutsche Reichspost die Münzfernsprecher zur Ermittlung solcher Betrüger mit einem besonderen Gerät überwachen. Zahlreiche Volksschädlinge sind auf diese Weise schon betroffen und den Strafgerichten übergeben worden. Nachdem letzthin durch die Aende- rung der Strafgesetze der Automatenbetrug unter Strafe gestellt ist, verhängen die Gerichte für solche Vergehen empfindliche Freiheitsstrafen. Hiernach mag sich jeder, der es bisher noch nicht fertiggebracht hat, auch in Kleinigkeiten ehrlich zu fein, ausmalen, welche Folgen sich für ihn ergeben, und mag erwägen, ob hier „Einsatz" und „Gewinn" in einem richtigen Verhältnis stehen.
M
ausgiebig und zahnpflegend, nachhaltig erfrischend
von dem doch nur wenig zu sagen ist. Aus einem alten Geschlecht entsprossen, empfand er sich als den „Letzten", von dem er selbst dichtete: „Meine Mutter hat mich in die Welt hinaus / geboren .. Mit drei Zweigen hat mein Geschlecht geblüht / auf sieben Schlössern im Wald / und wurde seines Wappens müd / und war schon viel zu alt" . Er ist auf Wanderung gegangen, er hat die „Welt" heim- gesucht, allerorten Hal er sich umgesehen. Er war längere Zeit mit Auguste Rodin in Paris zusammen und hat über ihn ein Buch geschrieben. Er hat eine Zeit in der Künstlersiedlung zu Worpswede gelebt. Er hat Dänemark aufgesucht, wohin er seinen „Malte Laurids Brigge" verlegte. Immer war er, auch als sein Name schon genannt wurde, — „irgendwo" Nicht zu fassen, nicht zu feiern, nicht ins Leben zu zwingen. Als ein Namenloser ging er durch die Welt, gegen die er immer Abstand zu wahren wußte, scheu, zurückhaltend und sich zurückziehend . es gab keinen Verehrerkreis, der sich um ihn geschart hätte, es gab die Vortragsabende nicht, die ihn am Pult hätten sehen lassen. Er hat aus P l a t e n s Wort die Konsequenz gezogen: „Die Kunst ist keine Dienerin der Menge" War es darum, daß seine Kunst das Volk tiefer und breiter erfaßte, als die eines anderen Zeitgenossen?
.Lieder, dem Volke geschenkt", war der Titel eines seiner frühesten Gedichthefte. Volkslieder wollte er ursprünglich dichten Er chat dann davon abgelassen, aber in anderem Sinne sind manche seiner Lieder dennoch zu Volksliedern geworden. Ob wir seine „Frühen Gedichte", sein „B u ch der Bilder", sein „Stunden buch, feine
Neuen Gedichte" und welchen Band immer 'aufschlagen: es haucht uns eine Seele an, die so unmittelbar auszusprechen vermag, was sie bewegt, daß wir Verwandtes darin spüren und meinen, immer schon ähnlich bewegt gewesen zu sein Es ist eine Seele, die aufgeschlossen ist für die Natur, für die Stimme wie für alle Dinge der Natur, für die Weite von Landschaften, für die Stille der (Sterne Die arofjen Städte", kann darum diese Seele sagen, 7sind nicht wahr, sie täuschen . "
Denn Herr, die großen Städte sind Verlorene und Mufaelöfte " Sie sind Unnatur, sie sind unkindlich, aber gerade der Dichter liebt ja die Kindlichkeit als einen der Wege zu Gott. Wie Schönheit em solcher Weg ist. Oder Armut, wahre Armut, Em- ^Den^'großen Reichtum seines Werkes hat Rilke in den Jahren vor dem Kriege ausgebreitet. Was wir von diesem Werke kennen, entstand großenteils bis zum Jahre 1914. Kurz vor seinem Tode nur erschienen neue Arbeiten von ihm, die ganz
Rainer Maria CRilfe.
3u seinem 60. Geburtstag am 4 Dezember.
Am 4. Dezember wäre Rainer Maria Rilke sechzig Jahre alt geworden. Aber er ist nun schon neun Jahre tot, und wir empfinden keinen Schmerz bei dem Gedanken, daß er nicht alt geworden ist. Denn das Werk, das er hinterließ, steht und besteht jenseits von Zeit und Alter. Es ist ein dichterisches Werk von jener Selbständigkeit, die ohne Bezug auf die Person des Urhebers bleiben kann. Die Persönlichkeit des Dichters ist so völlig im Werk aufgegangen, daß das Werk gleichsam ihre mythische, unsterbliche Existenz geworden ist.
Ein Vorgang, der sich bereits im Leben vollzog; der Tod gab nur die Bestätigung. Zeitlebens war es eine der bedeutendsten Wesenseigentümlichkeiten Rilkes, daß er sich hinzugeben, daß er .aufzugehen vermochte, aufzugehen in den Dingen, in den Geschehnissen und Zuständen, die er erlebte. „Denn Verse sind nicht, wie die Leute meinen, Gefühle —- es sind Erfahrungen. Um eines Verses willen muh man viele Städte sehen, Menschen und Dinge, man muß die Tiere kennen, man muß fühlen, wie die Vögel fliegen, und die Gebärde wissen, mit welcher die kleinen Blumen sich auftun am Morgen
Um dieser Erfahrungen willen, die eine Angelegenheit der Seele sind, war Rilke seinem Werk hingegeben, das viel weniger, als man glaubt, mit Künstlichkeit, mit artistischem Bemühen, mit der Musik des Wortes zu tun hat. Nur die zahllosen Nachahmer haben nichts anderes darin gesehen; nur sie haben ihn zu einem Wortspieler und Gaukler gestempelt. Die wichtigen Prosadichtungen, die wenigen, die er neben seinen reichen Gedichten schrieb, bezeugen es: „D i e Geschichten vom lieben Gott" und „Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge". Freilich hat er um die Bedeutung des Handwerklichen gewußt, freilich hat er gewußt, daß es nötig ist, mit dem Erdachten oder Gewordenen in einer gültigen Form sich zu bewähren — und er hat diese Form beherrscht Denn ob etwas im Leben werden kann, das hängt nicht von den großen Ideen ab sondern davon, ob man sich ans ihnen ein Handwerk schafft, ein Tägliches, Etwas, was bei einem aushalt bis ans Ende."
Er war ein Landsmann Adalbert Stifters, fein Vater war Offizier, er selbst hat kurze Zeit die Kadettenschule besucht. Prag ist der Ort seiner Ge- burt gewesen, der Ausgangspunkt dieses weithin sich dehnenden und vielfach sich spiegelnden Lebens,
anders als die früheren waren, fo daß manche in ihnen eine neue Epoche meinten Vorhersagen zu dürfen. Es war das letzte Aufleuchten der Sonne, ehe sie hinunter und einem anderen Weltteil wieder auf geht. Und es fügte sich zum bestehenden Werk, krönte und überhöhte es. Der Dichtung Rainer Maria Rilkes möchte man wie ein Zeichen die Zeilen mitgeben, die zum Ausdruck bringen, wie der Dichter es mit feinem Werk gehalten hat:
„Gib deine Schönheit immer hin ohne rechnen und reden.
Du schweigst. Sie sagt für dich: Ich bin. Und kommt in tausendfachem Sinn, kommt endlich über jeden." W. K.
„Ein Teufelskerl."
Der Teufelskerl ist Gustav Fröhlich, diesmal Leutnant im Victoria-Regiment, London, der sich im Kasino ein paar freche Verse auf den Regimentskommandeur leistet, mit Stubenarrest bestraft wird und diese Gelegenheit zu einer Kette von erstaunlichen Streichen und Abenteuern ausnutzt; die sind fo phantasievoll wie das Kostümfest aus der Dickens- Zeit, mit dem die Handlung einfetzt; die unwahrscheinlichsten Geschichten rollen mit lustspielhafter Nonchalance vor den Augen des amüsierten Beschauers vorüber, fo daß man sich stellenweise aus der unberührbaren Sphäre der feudalsten englischen Gesellschaft in die Welt der Harry-Piel-Filme versetzt glaubt. Fröhlich ist nicht nur ein munterer Frechdachs von vielen Graden, sondern auch ein Reiter und Fallschirmspringer, der sich sehen lassen kann, er bewährt sich als Stallknecht ebenso wie beim Servieren und weiß so ziemlich aus jeder Situation, auch aus der verfahrensten, noch einen Ausweg; fein Wunder, daß er im letzten Moment noch feinem Obersten die Braut wegschnappt; es ist verblüffend, was in diesem Film (Siegel Monopol) alles passiert. Der Oberst ist Georg Al er and er, ein Kavalier vom Scheitel bis zur Sohle; die Braut ist Lida B a a r o v a, die wir zuerst in „Barcarole", auch als Fröhlichs Partnerin, kennen gelernt haben: sie spricht noch immer ein etwas hartes Deutsch, aber sie findet sich von Szene zu Szene in die herzlicheren Töne einer Liebhaberin hinein. Adele S a n d r o ck spielt die Herzogin von Norfolk und wahrt die Würde von „old merry England" mit dem ihr eigenen, unwiderstehlichen Kommandoton. Vom übrigen Ensemble sind Lizzi H o l z s ch u h, Fritz Ode mar und Rudolf Carl hervorzuheben. Georg Jacoby führt Regie und zaubert mit wahrhaft großzügigen Bildern die aristokratische
Szenerie dieser aufgeräumten Begebenheit, die von Willi Schmidt-Gentner musikalisch diskret begleitet wird. — Der Film läuft feit gestern im Gloria-Palast. Im Beiprogramm sieht man u. a. die Fox-Wochenschau, einen hübschen Kulturfilm „Pferde und Fohlen" und einen Vorspann zum „Himmel auf Erden". Auf der Bühne sieht man die „2 Günther s" als Parterre-Akrobaten saubere Arbeit leisten; der eine der beiden ist erstaun- licherweise erst ein Bübchen von vier Jahren; es macht feine Sache sehr ordentlich. —r—
Zeitschriften.
— „Das Innere R ei ch." Zeitschrift für Dichtung, Kunst und deutsches Leben. Herausgeber: Paul A l v e r d e s und K. B. v. Mechow. Preis 1,80 Mark, vierteljährlich 4,80 Mark. Verlag Albert Langen-Georg Müller, München.— Das Dezemberheft bringt u. a. Josef Weinhebers Sonettenzyklus „Von der Kunst und vom Künstler", der den Gesang Michelangelos an Vittoria Colonna vollendet variiert und die göttliche Sendung des Künstlers, fein Lieben und Leiden um des Werkes willen zum Inhalt hat. Sehr aufschlußreich ist ein Aufsatz „Wie das Kaiserbuch entstand" von Else Ernst, der Witwe des Dichters Paul Ernst, dessen Hauptwerk „Das Kaiserbuch" soeben in einer Volksausgabe erscheint. Beachtenswert sind ferner zwei Erzählungen: „Der Blutbaum" von Eduard Lachmann und die frische Jugendgeschichte „Die Holzschuhe" von Willi Steinborn. Neben einer farbigen, gedankenvollen Land- schaftsbefchreibung „Nördliche Heimkehr" von Joachim von Helmersen, einer kurzen Betrachtung Hans Niedermeiers über „Biographie und Drama", einem kritischen Beitrag „Zur Lyrik der Zeit" von Hermann Pongs, bleibt noch hinzuweisen auf den menschlich schonen Bericht des Malers Rothenbücher über sich selbst, der in den gut gelungenen Wiedergaben einiger seiner besten Bilder eine vorzügliche Ergänzung findet.
— Im neuen Heft der „I 11 u st r i r t e n Zeitung" (I. I. Weber, Leipzig) werden u. a. im Rahmen eines interessanten Leitartikels über Millionenstädte schone Aufnahmen von Budapest, der romantischen Stadt an der Donau, gezeigt. — Besonders reich ist diese Nummer an sehr lebendigen Bildberichten, von denen nur „Studentinnen als Fremdenführerinnen", „Ewiges Kolosseum" und „Die deutsche Seemannsschule in Altona" erwähnt seien. Daneben sind, äußer den verschiedensten Beiträgen, noch Kunst, Theater, Mode und Literatur ausführlich berücksichtigt worden.


