Italiens letztes Wort.
Mussolini verkündet auf dem Generalappell der Gchwarzhemden den Marschbefehl. Das faschistische Italien fordert Gerechtigkeit.
Ganz Rom strömt zusammen.
Rom, 2. Ott (DRB.) Der faschistische Generalappell, seit langem erwartet, dann immer wieder vertagt, ist nun Tatsache geworden. Um 15.30 Uhr vernimmt man plötzlich durch den brausenden Mittagsverkehr der Großstadt von ferne her das dünne Heulen einer entfernten Sirene. Der Ton geht noch im Straßenlärm beinahe verloren. Aber unmittelbar darauf setzen überall ringsum Sirenen ein, die den Alarm aufnehmen und weitertragen. Aufhorchend bleiben überall die Menschen stehen, sie zweifeln noch eine Sekunde lang. Dann aber gibt es keinen Zweifel mehr. Ueberall sieht man Menschen nach Hause eilen, die schnell ihre Uniform anlegen wollen, um sich auf den großen Plätzen und vor den Dienstgebäuden der Partei einzufinden. Ueberall werden Fahnen gehißt.
Das Heulen der Eirenen
dauert immer noch fort. Auch die Kirchenglocken stimmen mit ein. Den mächtigen Auftakt gab die Glocke des Kapitols. Rasch fielen Hunderte von Glocken in Rom und Abertausende im Lande mit ein. Alle öffentlichen Gebäude sind illuminiert sämtliche Straßenfronten und Plätze sind beflaggt, die Geschäfte geschlossen. Flugzeugstaffeln kreisen über der Stadt. Militär marschiert in voller Kriegs- ausrüstung durch die Straßen. Der Rundfunk gibt Anweisungen bekannt und läßt in Straßen und Häusern die Gesänge der faschistischen Revolution ertönen. Alle Straßenbahnen und Verkehrsmittel find überfüllt. Man sieht Miliz, Avanguardisten und zahlreiche Balilla. Ueberall sieht man Bilder des Duce. Plakate werden angeschlagen, auf denen Worte Mussolinis wiedergegeben sind. So liest man z. B.: „Ein Regime, das keine Episode, sondern eine Epoche darstellt, beugt s i ch nicht vor übersattem Hochmut."
Auf der Piazza Venezia, wo die größte Kundgebung stattfindet, erschienen gegen 17 Uhr die ersten geschlossenen Kolonnen der faschistischen Miliz. Unübersehbare Menschenkolonnen haben sich unter den Klängen von Fanfaren und unter Trommelwirbeln in Bewegung gesetzt, während riesige Lautsprecher die singenden Kolonnen übertönen. Der Sprecher am Radio verkündet: „Der Generalappell muß allen die Augen offnen, auch denen, die sich in ihren Interessen verletzt glauben und Italien den Weg versperren wollen. Das italienische Volk ist zu groß für sein kleines Land, und das ist fein einziger Reichtum. Ganz Italien ist jetzt", so schließt der Sprecher, „in Erwartung der Worte Mussolinis."
Mussolini spricht.
„Die feierliche Stunde in der Geschichte des Vaterlandes bricht an", so begann Mussolini. „Zwanzig Millionen Italiener sind in diesem Augenblick auf allen Plätzen Italiens bei der gewaltigsten Dolkskundgebung versammelt, die die Geschichte Roms kennt. Zwanzig Millionen, ein Herz, e i n einziger entschlossener Wille! Diese Kundgebung will besagen, daß Italien und der Fa- schismus ein und dasselbe sind und bleiben werden. Seit vielen Wochen läuft das Rad der Geschichte unter dem Antrieb unseres ruhigen und festen Entschlusses auf das Ziel zu. In diesen letzten Stunden ist das Tempo noch rascher und geradezu unaufhaltbar geworden. Es ist nicht nur ein Heer, das feinen Zielen entgegenmarschiert, es sind 44 Millionen Italiener, die geschlossen und gemeinsam mit diesem Heer marschieren, während man versucht, gegen sie d i e schwärzeste Ungerechtigkeit zu begehen und uns den Platz an der Sonne zu nehmen.
Als es im Jahre 1915 fein Schicksal mit dem der Alliierten verband, wieviel Schreie der Bewunderung, wieviel Versprechungen! Als man jedoch nach dem gemeinsamen Sieg, zu dem Italien mit 670 000 Toten, 1 Million Verwundeter und 400 000 kriegsverstümmelten beigetragen hat, am Verhandlungstisch eines erbärmlichen Friedens zu- sammenkam, da fielen für Italien nur die Brosamen einer großen, von anderen Staaten stammenden Kolonialbeute ab. 13 Jahre lang haben wir geduldig gewartet, während um uns herum ein immer stärkerer Ring geschlossen wurde, mit dem man unsere überquellende Lebenskraft e r st i ck e n will.
Mit Abessinien haben wir 40 Jahre lang ruhig gewartet. Anstatt das gerechte Recht Italiens anzuerkennen, wagt man, im Völkerbund von Sanktionen zu sprechen. Bis zum Beweis des Gegenteils weigere ich mich zu glauben, daß das fr an- z o f i s ch e Volk sich Sanktionen gegen Italien anschließen könne. Die 6000 Italiener, die beim Sturmangriff bei Bligny den Heldentod starben und sogar vom Feind bewundert wurden, würden sich im Grabe dagegen aufbäumen. Bis zum Beweis des Gegenteils weigere ich mich auch zu glauben, daß das englische Volk sein Blut'vergießen und Europa auf den Weg der Ka- tastrophe bringen wolle, um ein afrikanisches Land zu verteidigen, das als barbarisch und der Gemeinschaft der zivilisierten Völker unwürdig ge- brandmarkt wird. Trotzdem dürfen wir aber nicht so tun, als ob wir die Möglichkeiten in der nahen Zukunst nicht sähen.
Auf Sanf Honen wirtschaftlichen Charakters werden wir mit Disziplin, Gleichmut und Opferbereltschaft antworten. Auf Sanktionen militärischen Charak- kers antworten wir mit militärischen Maßnahmen, auf Kriegshandlungen mit Kriegshandlungen. Niemand täusche sich darüber, uns klein zu kriegen, denn er wird einen harten Kampf bestehen müssen. Ein Volk, das eifersüchtig ist auf seine Ehre und seinen Hamen, kann und wird niemals eine andere Haltung einnehmen. Aber noch einmal sei es in der kategorischsten Meise und als eine heilige Verpflichtung wiederholt, die ich an diesem Abend vor allen Italienern übernehme: wir werden allesMoglichetun, umzuvermeiden, daß der koloniale Konflikt den Charakter und die Bedeutung eines europäi
schen Konfliktes annimmt, wie das mit Lachen jene hoffen, die für den Untergang ihrer Zeiten, Rache nehmen möchten.
Roch nie hat das italienische Volk die Stärke seines Geistes und seines Charakters so bekundet wie in dieser geschichtlichen Epoche. Gegen dieses Volk, dem die Menschheit ihre größten Leistungen verdankt, gegen dieses Volk von Dichtern, Künstlern, Gelehrten und Seefahrern wagt man von Sanktionen zu sprechen. „Darum marsch!", Italien von Vittorio Veneto und Italien von der faschistischen Revolution, auf daß der Ruf seiner bis aufs äußerste unerschütterlichen Entschlossenheit gen Himmel steige und unsere Soldaten in Ostafrika erreiche, die Soldaten, die im Begriff sind, in den Kampf zu gehen, ein Trost, seinen Freunden ein Ansporn, den Feinden zur Warnung. Das ist das Wort Italiens, das über die Berge und über die Meere hallt. Dieser Aufschrei
ist ein Ruf der Gerechtigkeit und des Sieges.
Die Rede Mussolinis wurde von der nach Zehn- tausenden zählenden Menge auf der Piazza Venezia immer wieder von stürmischen Beifalls-Rufen unterbrochen. Am Schluß brachte die Menge Mussolini, der immer wieder von neuem auf dem Balkon erscheinen mußte, nicht endenwollende Kundgebungen dar. Rach den Klängen der Giovinezza erklärte Parteisekretär Starace über den Rundfunk den Generalappell für beendet. Langsam und geordnet wie der Aufmarsch vollzog sich auch der Abmarsch. Die Straßen in der Nähe der englischen Botschaft waren für den Verkehr völlig gesperrt. Bersaglieri und Kavallerie umstanden in größeren Abteilungen die Botschaft, zu der niemand Zutritt hatte. Auch in der Nähe der abessinischen Gesandtschaft, die in einem Vorort Roms liegt, waren einige Wachtposten aufgestellt.
Roosevelt malmt zmn Frieden.
Amerika will ohne jede Verwicklung in überseeische Konflikte bleiben.
San Diego, 3. Okt. (DNB.) Vor Antritt einer Kreuzerfahrt durch den Stillen Ozean hielt Präsident Roosevelt vor über 60 000 Zuhörern im San-Diego-Hochschulstadion eine Ansprache, in der er erklärte, die Vereinigten Staaten seien fest entschlossen, alle Gefahren zu vermeiden, die den Frieden Amerikas gefährden könnten, er hoffe, daß die anderen Nationen Amerikas Politik „des guten Nachbarn" befolgen würden. — Dor Jahrhunderten bezeichnete der größte Schriftsteller unserer Geschichte James Madison die beiden drohendsten Wolken, die über unserer menschlichen Regierung und menschlichen Gesellschaft hängen, mit „d a s heimische Hebel" und „b i e 21 n g ft vor einem ausländischen Krie g". Niemals bestand für die Amerikaner mehr Veranlassung, diesen beiden Ursachen zur Besorgnis entgegenzutreten. Das „heimische Hebel" tritt von Zeit zu Zeit in Gestalt von Leuten auf, die falsche Behauptungen aufstellen, die Tatsachen verdrehen, Haß predigen und die Bedeutung öffentlicher Maßnahmen zur Sicherung der Menschenrechte oder geistiger Ideale verkleinern wollen. Eure Antwort für sie ist die Kenntnis der nackten Tatsachen unserer jetzigen Lage.
Die zweite Wolke, die des „ausländischen Krieges" ist eine mächtigere Gefahr in diesem Augenblick für die Zukunft der Zivilisation. Es ist nicht überraschend, daß viele unserer Bürger starke Befürchtungen hegen, daß einige Nationen der Welt die Torheit von vor 20 Jahren wiederholen und die Zivilisation auf einen Tiefstand bringen, von dem eine völlige Wiedererholung fast unmöglich
sein mag. Angesichts dieser Befürchtung kann das amerikanische Volk nur ein Interesse haben und nur eine Meinung äußern: Ungeachtet der Vorgänge auf den überseeischen Festländern werden und müssen die Vereinig- ten Staaten ohne jede Verwicklung bleiben und frei sein. Dieses Land erstrebt keine Eroberung, wir haben keine imperialistischen Absichten. Von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr stellen wir eine vollkommenere Friedenswirtschaft mit unseren Nachbarn her. Dir freuen uns besonders Über das Wohlergehen, die Gefestigtheit und die Unabhängigkeit aller amerikanischen Republiken. Dir wünschen nicht nur ernsthaft den Frieden, sondern wir sind beseelt von dem ernsten Entschluß, jene Gefahren zu vermeiden, die unseren Frieden mit der Delt gefährden. Als Präsident der Vereinigten Staaten wiederhole ich mit allem Ernst, daß das amerikanische Volk und seine Regierung beabsichtigen und erwarten, mit der ganzen Delt im Friedens- zustand zu verbleiben.
Präsident Roosevelt begab sich dann an Bord des Kreuzers „H o u st o n", um dem mehrtägigen Flottenmanöver an der südkalifornischen Küste beizuwohnen,' eine Parade über bie Flotte abzunehmen und anschließend die Rück - fahrtdurch den Panamakanal anzutreten. In Marinekreisen wird hierzu bemerkt, daß es bas erste Mal ist, daß ein Präsident der Vereinigten Staaten an einem großangelegten Flottenmanöver tetlnimmt.
Minettssitzung in London.
England bereitet sich vor für alle Fälle.
London, 2. Okt. (DNB.) Das englische Kabinett befaßte sich am Mittwoch mit der Haltung, bie ber Vertreter Englands im Genfer Dreizehner-Ausschuß einnehmen soll, ber am Donnerstag Zusammentritt, um einen Bericht über bie Anwendung bes Artikels 15 im abessinischen Konflikt zu entwerfen. Vor ber Kabinettssitzung waren ber Außenminister Sir Samuel Hoare unb ber Kriegsmini st er Lorb Halifax vom König in Aubienz empfangen worb'en. Die Bevölkerung hatte sich in großen Scharen in ber Umgebung ber Downingstreet eingefunben unb barhit ihre lebhafte Anteilnahme am politischen Geschehen be« tunbet.
In ber Sitzung erklärten sich bie Minister einmütig mit ber Vertretung ber britischen Politik in Genf durch Eben einverstanden. Man war einstimmig entschlossen, das Kollektivsystem, für das sich der Völkerbund einsetzt, aufrechtzuerhalten. Eden fährt ohne irgendwelche neue Anweisungen nach Genf zurück. Er wird am Donnerstagabend mit dem französischen Ministerpräsidenten Laval Zusammentreffen.
Nach Beendigung der Kabinettssitzung am Vor
mittag, die rund zwei Stunden dauerte, berief der Ministerpräsident für den Nachmittag eine weitere Sitzung seiner engeren Kabinettskollegen ein, deren Ressorts hauptsächlich mit dem abessinischen Streitfall und den sich aus ihm ergebenden möglichen Weiterungen befaßt sind. An dieser Sitzung nahm außer dem Schatzkanzler, dem Außenminister, dem Handelsminister und dem Kolonialminister auch die Chefs der drei Wehrministerien teil. Von Nichtmitgliedern des Kabinetts waren der Erste Seelord Sir Emle Chatfield unb ber ständige Unterftaatsfefre- tär im Foreign Office Sir Robert San« f i tta r t anwesend.
Heber das Ergebnis verlautet, daß die Regierung die weitere Entwickelung in Genf abzuwarten wünscht. Die Mitglieder ber Regierung finb aufgefordert worben, sich für bie Einberufung einer etwa notwendig werdenden Sondersitzung bereitzuhalten. Die für bie ßanbesoerteibigung verantwortlichen Stellen haben Vollmacht erhalten, im Benehmen mit bem Ministerpräsidenten diejenigen Maßnahmen zu treffen, bie bie Umftänbe erfordern.
Abessinien meldet in Genf erneute Grenzverletzung italienischer Truppen.
Genf, 2. Okt. (DNB.) Dem Generalsekretär des Völkerbundes ist folgendes Telegramm des Kaisers von Abessinien zugegangen: Teilen Ihnen zwecks Bekanntgabe an den Rat und die Völkerbundsmit- glieder mit, daß italienische Truppen in der Gegend südlich des Berges Mouffa Ali in der Provinz Ausia die abessinische Grenze zwischen diesem Berg unb Französisch-Somaliland verletzt, sich auf abessinischem Gebiet f e st g e s e tz t ha- den und einen großangelegten Angriff vorbereiten. Die Nähe des Meeres in dieser Gegend und ber leichte Zugang zu ihm durch das Gebiet ber französischen Somaliküste ermöglichen es dem Völkerbund, entweder Beobachter zu entsenden, oder eine Bestätigung dieser Verletzung des abessinischen Hoheitsgebietes durch die Regierung der französischen Somali- k ü st e zu erlangen.
Der Generalsekretär des Völkerbundes hat sich nach Eingang des Telegramms mit dem Vorsitzenden des Dreizehner-Ausschusses, Madariaga, dem Ratspräsidenten G u i n a z u und dem Präsi- deuten der Völkerbundsversammlung, Dr. Bett e s ch , in Verbindung gesetzt. Andere Maßnahmen als der bereits vorgesehene Zusammentritt des Dreizehner-Ausschusses am Donnerstagvormittag sind nicht angefünbigt. Es wirb erwartet, baß der Bericht an den Völkerbundsrat nur eine Formsache bleiben unb sich bas Hauptinteresse auf bie Frage etwaiger Vorbeugungsmaßnahmen richten wirb. Man hält es für wahrscheinlich, daß der englisch- Delegierte dieses Problem aufwerfen wird.
Spricht sich ber Ausschuß für berartige Maßnahmen aus, so ist damit ber Sanktionsappa- rat praktisch in Bewegung gesetzt.
Heute wird Abessiniens Mobil- machuna erwattet
London, 2. Oft. (DNB.) Wie Reuter aus Adbis Abeba meldet, wird die allgemeine Mobilmachung der abessinischen Streitkräfte nach einer amtlichen Mitteiluna am Donners- tag um 11 Uyr angeordnet werden. Der abessinische Kronprinz trifft Vorbereitungen, um den italienischen Truppen, die beim Berg Mo u ff a 211 i auf abessinisches Gebiet einmarschiert sein sollen, entgegenzutreten. Der Kronprinz ist Oberbefehlshaber oer abessinischen Streitkräfte bei Dessye. Der Reuterbericht besagt weiter, baß bie italienische Gesandtschaft ihre Archive zum Bahnhof sende und ihre Schriftstücke und Papiere im Garten der Gesandtschaft verbrenne. Die abessinische Kaiserin sei nach Dessye abgereist.
Rom ettlätt:
„Lediglich gewisse italienische Lrrchperr- bewegungen."
Rom, 2. Oft. (DNB.) An zuständiger italienischer Stelle wird entschieden in Abrede gestellt, baß bie Feinbfeligfeiten zwischen Italien und Abessinien bereits eröffnet wor.
Großer Abend der Reichskulturkanirner im SauHeffen-Aaffau am r. November
Samstag, den 2. November, findet der erste Große Abend der Reichskulturkammer im Opernhaus in Frankfurt a. M. statt. Das Programm wird eine Art Leistungsschau der verschiedenen in der Reichskulturkammer organisierten Künstler darstellen.
Der gesamte Reingewinn wird zur Förderung besonders talentierter Künstler der einzelnen Kammern verwandt werden.
Heber den Abend erfolgen weitere Veröffent- lichungen in ber Presse.
Mitglieder der sieben Einzelkammern der Reichskulturkammer können in den Büros ihrer Landesleitung Karlen zu fünf und drei Reichsmark erhalten und zwar:
die Mitglieder der Reichskammer der bildenden Künste: Frankfurt a. M.. Buchgasse 11;
die Mitglieder der Reichsmusikkammer bei der Landesstelle in Darmstadt, Mackensen- strahe 21, sowie im Büro der Ortsmusikerschast in Frankfurt a. M., Große Gallusskraße 17;
die Mitglieder der Reichsfilmkammer im Büro des Landesverbandes Hessen-Nassau im Reichsverband Deutscher Filmtheater L. V„ Frankfurt a. M.» Kaiserstrahe 60;
die Mitglieder der Reichsschriftlumskam- mer im Büro des Stellvertretenden Landesleiters Dr. Meridies, Frankfurt a. M., Reichssender. Eschersheimer Landstraße 31/33.
den seien. Ein Sprecher des italienischen Außen^ mtnifteriums weist ausdrücklich darauf hin, daß lediglich gewisse italienische Truppenbewegungen ftattgefunben haben, um bessere Der- teidigungsstellen einzunehmen. Diese Truppenbewegungen werben mit ber aggressiven und herausfordernden Haltung der Abessinier begründet. Die Abessinier hätten sich nicht, wie sie in Genf glauben zu machen suchen, 30 Kilometer von der Grenze zurückgezogen. Die italienischen Vorposten können an vielen Stellen in nächster Nähe abessinische Soldaten sehen. Weiter wirb entschieben in Abrede gestellt, baß Zusammenstöße mit abessinischen Truppen erfolgt finb.
Italien sichert rein defensive Haltung im Mittelmeer zu.
Bei finanziellen oder wirtschaftlichen Sanktionen.
Paris, 3. Oft. (DNB. Funfspruch.) Minister- präsibent Laval hatte am Mittwochnachmittag mit dem italienischen Botschafter eine Unterrebung, in ber Cerruti erneut versichert haben soll, bie italienische Regierung denke keinesfalls bar» an, offensive Schritte in Europa zu unternehmen. Im Mittelmeer gebenfe sie sich streng befensiv zu verhalten, sie werbe nichts unterne hm e n , wenn bie etwa gegen Italien ergriffenen Sühnemaßnahmen sich auf bas wirtschaftliche unb finanzielle Gebiet beschränken.
In Paris verlautet, baß bie englische unb bie französische Völkerbunbsaborbnung sich in Genf bereits über bie Sühnemaßnahmen unb ihre Staffelung ins Benehmen gesetzt hätten. Sie könnten beispielsweise in Form von Krebitverwei- gerungen beginnen, bann könnte bas Der- 6ot ber Rohstoff-Lieferungen folgen. Mussolini bürste von bem ins Auge gefaßten Me- chanismus unterrichtet worben fein. Die englische Regierung habe wissen lassen, sie würde gegen Italien feine anderen Sühnemaßnahmen ergreifen als kolleftive.
Das Scho der Mffolini-Rede in London.
London, 3. Ott. (DNB. Funfspruch.) Heber me italienische Probemobilmachung und Mussolinis Rede schreibt „Times", man könne nur bedauern, daß so viel Energie nicht zu besseren Zwecken ver- wandt worden sei. Die Rede des Duce zeige von neuem, daß sich die ganze Unternehmung auf den großen Irrtum gründe, es gebe eine Verschwörung anderer Mächte, die Italien feine Gerechtigkeit zuteil werden lassen wollten. In seinem Aufruf an die Völker Frankreichs und Englands habe Musso- lini wiederum eine vollständige und vielleicht absichtliche Unfähigkeit gezeigt, bie Treue biefer Länder Zum Völkerbund und zu Völkerbundsgrundsätzen zu verstehen. Auch wenn der angebliche Einfall italie- nischer Truppen in Abessinien in einem Gebiet ohne feste Grenzen erfolgt sei, sei nach der Rede des Duce nicht mehr daran zu zweifeln, daß der Beginn der Feindseligkeiten nicht lange auf sich warten lassen werde. In diesem Falle würde ein formeller Bruch der Völkerbundssatzungen oorliegen und statt der Vorbereitung eines Berichtes werde der Völkerbundsrat Maßnahmen gegen den Angreifer vorbereiten. Der Duce habe es klargemacht, daß nur „militärische Sühnemaßnahmen" als Kriegshandlung betrachtet werden sollen. Diese Unterscheidung sei klug vom Standpunkt Italiens unb werde ganz Europa willkommen fein. DieSeestreittraste im Mittelmeer
Paris, 2. Ott. (DNB.) Die Anfrage der englischen Regierung über eine etwaige Zusammenarbeit ber französischen unb ber englischen Flotte im Mittelmeer veranlaßt ben „Paris Mibi" zu einer Gegenüberstellung ber Seestreitkräfte Eng- lanbs, Frankreichs unb Italiens im Mittelmeer. Das Blatt kommt zu bem Schluß baß Frankreich ben Ausschlag geben dürste unb ben Ausgang eines etwaigen Seekrieges ent- scheibenb beeinflussen würbe, je n a ch b e m es sich auf bie Seite Englanbs ober Italiens fteHe. ®s stützt sich auf bie letzten Nachrichtey über englische Flottenbewegungen im Mittelmeer, "betont aber, daß es bei den fortwährenden Verschiebungen der englischen Flotte zwischen Gibraltar und Aden unmöglich fei, eine unbedingt genaue Uebersicht zu
Am 1. Oktober sollen nach Ansicht des Blattes folgende Streitkräfte ber brei Mächte im Mittel- meer vorhanben gewesen fein:
Schlachtkreuzer: Englanb 5, Frankreich 3, Qtai lien 3;
Linienschiffe England 2, Frankreich 0. Italien O|


