Ausgabe 
3.10.1935
 
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Donnerstag, 3. Moder 1935

185. Jahrgang

Hr. 231 Erstes Blatt

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Sietzener Anzeiger

»» General-Anzeiger für Oberhessen

Sran&nll686 Druck unbVerlag: vriihl'sche Unioerfitätrvuch- und Steindruckerei «.Lange in Eiehen.Schristleitung und Geschäftsstelle: Schulftrahe 7 M-ng-nabschlüffe Staffel 8

Der Führer an der Grust Hindenburgs.

Oie Beisetzung des Feldmarschalls im Hindenburgturm des Tannenberg-Oenkmals.

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Wo Hindenburg ruht

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S?e nehmen Aufstellung auf dem Wege zu der Zeichen zum Gruß senken. _

öte nevmcii " I, : ck fc r » r tritt ir

Grabstätte des Generalfeldmarschalls und der neben ihm ruhenden 20 unbekannten Soldaten soll es für alle Zeit dem dankbaren Gedenken an die ruhmreichen Leistungen und heldenmü­tigen Opfer des deutschen Volkes im Weltkriege geweiht sein. Das Deutsche Reich übernimmt dasReichsehrenmal Tannen­berg" mit dem heutigen Tage in seine Obhut und wird es als Wahrzeichen deutscher Treue. Kameradschaft und Opferwil- l i g k e i t in aller Zukunft zu wahren und zu schir- men wissen.

Deutsche Wanner haben in schwerer Zeit dies Denkmal geschaffen, weite Kreise der deutschen Be­völkerung haben mit freiwilligen Gaben zu seinem Ausbau beigetragen. Ihnen allen dafür in dieser Stunde aufrichtig zu danken, ist mir Pflicht und

Die Ehrengäste haben nach und nach das Denk­mal verlassen. Die Verbände, und die Einheiten der Wehrmacht marschieren aus dem Denkmal. Von den 24stufigen Treppen, die vom Umgang an Mauern und Türmen zum Hof fuhren, steigen wir hinab über den mit Granitplatten belegten Hof und schreiten nun an den beiden riesigen Wachters,gu- ren vorbei, den fast 4 Meter hohen Soldatenstand-

,, die vor den beiden mächtigen Mauer-

oben ab. Die starke eichene Tür, die den Gruftraum abschließt, steht weit geöffnet. Sechs Stufen steigen wir zur gewölbten Vorhalle der Gruft hinab, von der erneut drei Stufen zur eigentlichen Gruft fuh­ren, die aus dunkelgrünem Diabas hergestellt ist. Den Eingang der Gruft ziert das Wappen der Hindenburg. Eine schlichte schmiedeeiserne Tur schließt sie ab und gibt den Blick auf den mit der Reichskriegsflagge bedeckten Sarg frei. Mit ent­blößtem Haupt treten die Trauergaste ein, Die Offi­ziere haben den Stahlhelm abgenommen. Rachem- ander treten sie heran, erheben die Hand zum Gruß.

zungen stehen, die den Grufteingang bilden. Ein riesiger 60 Tonnen schwerer ostpreußischer Find­ling, der in schlichten Lettern die AufschriftH i n denburg" trägt, schließt den Grufteinaana nach

Eine Kundgebung des Führers.

Berlin, 2. Oft. (DRV.) Der Führer und Reichskanzler erläßt folgende Kundge­bung:

Die sterbliche hülle des im vorigen Jahre Heim­gegangenen Generalfeldmarfchatl^s von Hindenburg ist heute an dem Tage, an dem er vor 88 Jahren geboren ist, in die für ihn im Tan­nenbergdenkmal errichtete Gruft übergeführt worden, hier, an der Stätte des Sieges von Tannenberg, umgeben von feinen in der Schlacht gefallenen Sol­daten. hat der Feldherr nun feinelehteRuhe- ft ä 11 e gefunden. Die Bettung dieses großen Deut­schen in den Mauern des gewaltigen Schlachten- denkmals gibt diesem eine besondere Weihe und er­hebt es zu seinem heiligtumder Ration. Um dieser Bedeutung des Tannenberg-Denkmals sicht­baren Ausdruck zu verleihen, erkläre ich es zum ..Reichsehrenmal" und lege ihm den Ramen '.'.Reichsehrenmal Tannenberg" bei. Als

Herzensbedürfnis zugleich.

Berlin. 2. Oktober 1935.

Der Führer und Reichskanzler.

A d o 1 f h i 11 e r.

Feierliche Stille überall.

Die Trauergäste wenden sich den benachbarten Grabkammern zu und gelangen über eine Treppe in den Turm, der über der Gruft steht und in der ein hohes Standbild Hindenburgs ausgestellt werden soll. Bis zur Fertigstellung der Figur erhebt sich an dieser Stelle das in gleicher Große ausgeführte Tonmodell. Eine Bronzetur schließt einen Sonderzugang zum Hindenburgturm ab. Bedeutsame Worte Hindenburgs und dessen Geburts- und Todesdatum zieren sie, wahrend aus der Innenseite der Wahlspruch des Feldmarschalls: ora et labora angebracht ist. Ein hinter dem Grust- turm liegender kleiner gemauerter Garten dient der Familie des Toten. An den beiden Seiten des Turms find Soldatengräber angelegt. Hier ruhen zwanzig unbekannte deutsche Krieger aus der Tannenbergschlacht, die bisher ihre Ruhestätte in der Mitte des Hofes unter dem früher dort aufragenden Kreuz gefunden hatten. Dieses Kreuz ist jetzt am Hindenburgturm angebracht und schmückt in seiner grünen Patina d,e schlichte Front des Turms. Auch die übrigen Turme des Denkmals werden jetzt fertiggestellt. Zunächst wird der Soldatenturm ausgebaut, ein wei­terer Turm wird zu einem Weiheraum ausgestaltet. Im Feldherrnturm werden Büsten der fünf­zehn an den Schlachten im Osten beteiligten Gene- rale aufgestellt werden.

Wir fahren hinaus in dieses herrliche Land. Im Norden blauen dunkle Wälder, sielberne Seen grü­ßen wie Gottesaugen aus dunklem Grün. Am fpä- ten Nachmittag kehren wir noch einmal zurück ins Denkmal. Die'große Masse hat sich nun verlaufen. Die Kränze sind in die Gruft getragen, und die Bronzetüren sind nun angelehnt. Einfache Land­arbeiter in ihrer Arbeitstracht, so wie sie vom Felde kamen, gehen nun, Feldblumensträuße in den Hän- den, an der Gruft vorbei und legen die Blumen i nieder. So schläft der große Feldmarschall, bewacht : von steinernen Sinnbildern, inmitten seiner toten » Kameraden, umgeben aber von jenem Volk, das fei» ' nen Namen mit Ehrfurcht und Liebe nennt und ihn nie vergessen wird bis in die fernsten Zeiten.

Lebensmitielsarnmlurigen des Winierhilfswerks.

Berlin, 2. Off. (DRB.) Der Reichsbeauftragte für das Winterhilfswerk hilgenfeldt feilt mit:

Auf Grund einer mit der Inneren Wis­st o n. dem Deutschen Laritasverband und dem Deutschen Roten kreuz getroffe­nen Vereinbarung verzichten diese Verbände auf ihre üblichen Herbstsammlungen. Der Wortlaut der Aufrufe, mit denen sich die genannten verbände an die Oeffentlichfeit wenden, wird noch der Er­öffnung des Winterhilfswerkes bekanntgegeben. Die Raturaliensammlungen werden in diesem Jahr ausschließlich vom Winter­hilfswerk des deutschen Volkes durchgeführt. DasWinterhilfswerk des deutschen Volkes" stellt den Anstalten und Einrichtungen der genannten Verbände vereinbarungsgemäß die Lebensmittelmengen zur Verfügung, die sie bisher aus ihren eigenen Lebensmittelsamm­lungen erhielten.

g" trägt, schließt den Grufteinaana nach Die starke eichene Tür, die den Grustraum

Der Hindenburgturm mit dem Eingang zur Grust. (Presse-Bild-Zentrale-M.)

Reichsehrenmal Tannenberg."

Wahrzeichen deutscher Treue, Kameradschaft und OpferwiNigkeit.

Der' Führer tritt in die Gruft, gefolgt von den Oberbefehlshabern der Wehrmachtsteile und von den Angehörigen des Feldmarschalls. Tiefes Schweigen liegt über dem Ehrenhof; von den Tür­men hört man im Winde das Knattern der Fahnen. Kränze werden in die Gruft getragen. Minuten ver- gehen. Dann kommen die Angehörigen zuruck Der Führer verweilt noch einige Minuten in stillem Gedenken allein am Sarge. Dann steigt er ent­blößten Hauptes die Stufen herauf. Em Kommando ertönt, die Fahnenkompanie setzt sich in Marsch und verläßt den Ehrenhof. Dann nimmt der Führer Abschied und begibt sich mit seiner Begleitung eben­falls aus dem Denkmal.

Hohenstein, 2.Oft. (DNB.) Unser gestriger Funkbericht von der Gedächtnisfeier für Hinden­burg im Tannenbergdenkmal endete mit dem Augen­blick, wo punkt 10 Uhr der Führer den Ehren­hof betritt. Dann erklingt ein Choral und unter leisem Trommelwirbel wird der Sarg Hin- denburgs, während sich die Häupter entblößten, von Offizieren des Heeres, der Flieger und der Marine aus dem Turm herausgetragen. Zwei Generäle des Heeres, ein Fliegergeneral und ein Admiral mit gezogenem Degen umgeben den Sarg als Ehrenwache. Unter Trommelwirbel wird er bis zum Haupteingang getragen und hier auf eine mit Tannengrün geschmückte Bahre gelegt. Der Sarg ist bedeckt von der Reichskriegsflagge. Darauf liegen Helm und Degen des Feldmarschalls. Den Marschallstab trägt ein Generalstabsoffizier dem Sarge voran. Langsam wird der Sarg dann an den präsentierenden Ehrenkompanien vorbei zur Gruft getragen und vor der Gruft auf ein Blumen­bett abgesetzt.

Der Feldgottesdienst.

Dann'spricht Feldbischof Dr. Dohrmann. Er stellte seiner Predigt die Textworte voraus: Glaubet an Gott, so werdet ihr sicher sein, und glaubet seinen Propheten, so werdet ihr Glück ha­ben". Daß der Glaube an den lebendi­gen Gott, fuhr der Feldbischof fort, das Herz- stück im Leben des verewigten Feldmarschalls war, ist über jeden Zweifel erhaben. Dos Wort vom Beten und Arbeiten, das täglich vor ihm auf seinem Schreibtisch stand, ist das Schlüsselwort für sein Wesen und sein Wirken. Aus dieser Ge­meinschaft mit Gott erwuchs ihm jene Sicher­heit der Ueberzeugung, lene Frei­heit den Menschen gegenüber, daß ihm der Beifall der Welt nicht das Maßgebende war. Aus dem Glauben, der vor Gott in Demut und Ge­horsam sich beugt, erstand ihm ebenso das sichere Pflichtgefühl wie das feine Fingerspitzengefühl für das was fein muß. Aus diesem Glauben gewann er seine Geduld mit den Menschen, die Stellung zu den schwersten Dingen, zu den bittersten Entschei­dungen, zu der sicheren Führung unseres Heeres

und Volkes. .x k '

Im Licht des Christenglaubens, in dem fein kleinesIch" vor dem gewaltigenDu" des per­sönlichen lebendigen Gottes stand, will sein Wort verstanden sein: Bis zu meinem letzten Atemzuge wird die Wiedergeburt Deutschlands meine einzige Sorge und der Inhalt mei­nes Bangens und Betens sein. Der Feldherr wußte, wiedergeboren werden können Menschen n u r v o n oben her durch Gottes Wort und Gottes Sohn und Gottes Geist. Die Wiedergeburt eines Menschen und eines Volkes ist ein G n a d e n a k t Gottes Wo Gottes Wort uns ins Gewissen trifft, wo Gottes Liebe, die im Kreuztod Jesus ihren ge­waltigen Ausdruck gefunden hat, unser Herz er- , greift, da werden wir Menschen wiedergeboren, um- qewandelt, erneuert. Freilich, man kann auch zu diesem GotteswortNein" sagen, man kann sich dem Willen Gottes verschließen, man kann die Propheten Gottes verwerfen, man kann sich von Jesus Christus bewußt abwenden. Darum war es das Bang en und das Beten des 5 e I b- marschalls, daß dies in unserem V o lk e nicht geschehe. Darum ist es eine seiner letzten ernstesten Sorgen gewesen, daß Christus, wie ihn Gottes ewiges Wort uns vor die Augen malt, unserem Volke gepredigt werde und er­halten bleib e. Denn der Verewigte wollte em Leben lang nichts anderes als unseres Volkes Sicherheit und unseres Vaterlandes Gluck.

Das ist die Herrlichkeit unseres Christenglaubens daß wir reden dürfen zu Gatt der Himmel und Erd- geschahen hat, der M-n,chen- gefchicke und unsere Geschichte lenkt der der Well und den Menschen in ihr in I-d-m Augenblick mächtig ist und seine Absichten durchfuhrt mitten ,m freien Spiel der menschlichen Kräfte, Wir dürfen zu ihm reden, wie die Helden des Schl acht- seldes von Tannenberg zu ihm gebetet haben:Unser Vater, der Du bist im Dann werden Menschen und Manner wirklich un wahrhaft zu Brüdern, weil sie sich als Kinder eines Vaters im Hi mm e l wissen. Auf diesem Felsengrund des Christenglaubens st h ohne Wanken die Gesinnung, auf die alles an- kommt: nämlich, daß wir restlos einer Jur Den anderen da sind. Wo dieser Geist der Kraft und der Liebe und der Zucht m emem Volke und in einer Wehrmacht lebendig ift da ist Die Sicherheit, ba ist das Gluck. Der Feld- marschall von Hindenburg und der Führer unseres Volkes haben in jenen erfolgreichen Tagen des Jahres 1933 den Weg beschritten, der unser Volk berausführen soll aus der Zerrissenheit, der Arbelts- loliakeit der Ehrlosigkeit, der Wehrlosigkeit, hmem in eine neue Zeit. So sei diese Gruft geweiht zum Grabmal für den toten

scher Soldatentreue, Zum Mahnmal für £)eut\a) lands Volk und Wehrmacht

Die Versetzung in der Grust.

(Ä5...-.«

Dank des ungarischen Minister­präsidenten.

Berlin, 2. Okt. (DNB.) Der königlich-unga- rische Ministerpräsident General von Gömbös hat an d e n Führer und Reichskanzler folgendes Abschiedstelegramm gerichtet: Beim Ver­lassen des Reichsgebietes drängt es mich, der aufrichtigen Bewunderung Ausdruck zu verleihen, mit welcher ich die großen Fort­schritte beobachtet habe, die das deutsche Volk unter d e r zielbewußten Führung Eurer Exzellenz seit meinem letzten Besuch auf jedem Gebiet des öffentlichen L eb e n s sich zu erkämpfen gewußt hat. Zu den Gefühlen wärmster und aufrichtigster Sympathie, mit denen Ungarn diese friedliche Aufbauarbeit ver- folgt, gesellen sich meine i n n i g ft e n W u n ch e für das persönliche Wohlergehen Eurer Exzel^nz sowie für den weiteren Aufstieg des Deutschen Reiches.

Grabkammer. Es sind Fahnen des 3. Garderegi­ments zu Fuß, des Oldenburgischen Infanterieregi­ments Nr. 91 und des 2. Masurischen Infanterie­regiments Nr. 147 Generalfeldmarschall von Hinden­burg. Nachdem die Regimentsfahnen Aufstellung genommen haben und dem Deutschlandlied das Horst-Wessel-Lied gefolgt ist, erklingt der Parade­marsch des 3. Garderegiments zu tfufc, und dre Außerhalb des Denkmals aufgestellte Salutbatterie feuert 21 Schuß Ehrensalut.

Bei den Hellen Klängen des Parademarsches und dem dumpfen Dröhnen der Kanonenschüsse heben die Offiziere den Sarg wieder an, um ihn lang-

Srhritte5 in d i e Gruft zu tragen. Dor­rn^ scheitet ' der Chef des Generalstabs des I Armeekorps, Oberst Hollidt, der den M ar - f cha H ft a b des Generalfeldmarschalls tragt Den Sarg begleitet eine Ehrenwache zwei Generale des Heeres ein General der Luftwaffe und em Admiral. Langsam verschwindet der Sarg den Blicken der ihm mH zum Gruß erhobener Hand nachsehenden Trauergemeinde. In der Gruft wird der Sarg

Vier Stabsoffiziere treten als Ehren- n ihn Die Salutschüße und die Musik

V h*Vrfhmacn nur der Trommelwirbel dröhnt nod; le se über den Platz. Der Sarg ist niedergesetzt, > bildern,