Ausgabe 
2.12.1935
 
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Nr. 281 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheßen)

Montag, 2. Dezember 1935

auf bedacht, alles zum Besten zu kehren. Herr Geiger saß als König Silberhaar in majestäti­schem Purpur auf dem Thron, Herr Nieren war der Stadtschreiber Josua Brumm, Herr B e ch - st e i n sang das alte Nachtwächterlied, und auch alle übrigen Mitspieler waren mit Lust und Eifer bei der Sache.

Die Kinder, sie hörten es gerne und spielten bald munter mit. Es hat den ganzen Sonnlagnach­mittag gedauert, über dreieinhalb Stunden, und es gab viel Gelächter, Geschrei und fröhlichen Beifall, besonders zuletzt, als über dem strahlenden Christ, bäum der Vorhang gefallen war. hth.

Heilung durch Psychotherapie.

Im Feuilleton vom Samstag stand ein Artikel- chen über Examensangst und ihre Heilung, das dem Dezemberheft von Velhagen & Klasings Monats­heften entnommen war. Dr. phil. Johannes Neu- mann (Gießen) legt in einer darauf bezüglichen Zuschrift an uns Wert darauf, daß zur Vermeidung von Mißverständnissen in dem kleinen Bericht statt Nervenarzt" Psychotherapeut und statt Arzt" Psychologe zu lesen sei.

Hochschulnachrichten.

Die Universität Frankfurt hat Seiner Exzel­lenz dem Außerordentlichen Gesandten und bevoll­mächtigten Minister der Republik China in Ber- l i n, Herrn Liu Chung-Chich, die Würde eines Ehrenbürgers verliehen, und Zwar in dank­barer Anerkennung seiner großen Verdienste um das der Universität angegliederte China-Institut und seines warmen Interesses für die Gesamt-Uni- versität.

Prof. Dr. theol., Dr. rer. pol. Heinrich Weber, Ordinarius für wirtschaftliche Staatswissenschaften an der Universität Münster, wurde an die Uni­versität zu Breslau berufen und nimmt dort mit Beginn des Winter-Semesters seine Lehrtätigkeit auf.

Professor Dr. Ludwig M e ck i n g , Ordinarius für Geographie an der Universität Münster, ist in gleicher Eigenschaft an die Universität Hamburg berufen worden.

Professor Dr. Otto Schmitt, Ordinarius für Kunstgeschichte an der Universität Greifswald, wurde auf den verwaisten kunstgeschichtlichen Lehr­stuhl der Technischen Hochschule Stuttgart be­rufen.

Die Lag- im Dezember

Iöiicue upjct ii, Luciut ci ix/cip, uuq ci lich helfen und Freude erwecken kann.

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u b e r t u s.

ein. und

Der den sehr war

zeitig die Legenten abzuschießen.

Mit den Enten stellen sich auch die Gänse Von Raubvögeln dürfen Habicht, Sperber

mehreren Programmen rein deutscher Musik einen unangefochtenen, stürmischen E r f o l g. Und nicht ohne Empfindung für die persönliche Tragik des Mannes vernahm man in Deutschland, daß an jenem denkwürdigen 17. April 1934, als Barthou dem deutschen Verständigungsangebot sein historisches, folgenschweresNein!" entgegen­schleuderte, derselbe Staatsmann abends einem Pariser Konzert des deutschen Orchesters beiwohnte und der Musik eines Landes Beifall zollte, dessen großen Söhnen Beethoven und Wagner der Musikschriftsteller Barthou einige verständnisvolle Studien gewidmet hat. Hier klafften Politik und Kultur tragisch auseinander. Die Berliner Phil­harmoniker sind berufen, als Sonderbotschaf­ter der deutschen Kultur die Erkenntnis von der Einheit des deutschen Wesens auch im Aus­lande zu fördern.

Neben der Jagd läuft die Wild pflege her. Die Fütterungen und Lecken sollten hergerichtet fein, damit sie sofort gefunden werden, wenn die Not kommen sollte. Wir wissen nicht, wie der Winter wird.

Mäusebussard geschossen werden.

Der Balg des R a u b w i l d e s ist jetzt gut. Dachs wird gegraben, der Fuchs nach all vielen Arten bejagt, die Erfolg versprechen, vielen Jägern aber nicht mehr bekannt sind. Es ja so viel bequemer, Tellereisen zu stellen und nachts im Warmen zu sein, um in der Morgenfrühe den gefangenen Schelm von seiner Angst und Qual zu erlösen. Darüber vergaßen viele Jäger, daß man den roten Freibeuter mit Pulver und Blei be­fugen kann. Die Erklärung des Herrn Reichsjäger­meisters, die dieser über das Tellereisen abgab, ist so eindeutig, daß mit der Wiederkehr des Teller­eisenfanges nicht zu rechnen ist. Wer nicht mit irgendwelchen rasch tötenden Abzugseisen arbeiten will, der findet im Reizen, Drücken, Treiben, Spren­gen, Lappen usw. so viele Möglichkeiten zur Be- jagung des Fuchses, die zugleich auch wirkliche Jagdfreude versprechen, daß das Eisen hoffentlich bald vergessen und verschmerzt sein wird.

Die Berliner Philharmoniker ein deutsches Orchester von Weltrang Zur Konzertreise nach England unter Furtwänglers Führung.

Don Johannes Jacobi.

o r cf) ß ft e r gewesen. Es ist es geblieben bis heute. Unter verschiedenen Dirigenten ist es oft in Frank­reich, mehrere Male in Rußland gewesen, die nor­dischen Staaten und England, Belgien, Spanien, Portugal, Italien, die Schweiz, Oesterreich und die Tschechoslowakei sind immer wieder besucht wor­den. Unter Furtwängler sind die Aus­landsreisen aber wieder zur Regel geworden. Im vergangenen Jahr waren von 178 Veranstal­tungen rund 30 Reisekonzerte.

Welche kulturelle Mission das Berliner Philharmonische Orchester gerade im Ausland zu erfüllen hat, das zeigen zwei Gastspiele in Paris. Als deutsche und französische Staatsmänner und Sachverständige in der französischen Hauptstadt einen erbitterten Kamps um die deutschen Tribute führten, da bereitete die Pariser Musikwelt dem gleichzeitig dort spielenden Berliner Orchester mit

im Vorjahre. Das legt dem Jäger erst recht die Pflicht auf, den Abschuß schonend durchzuführen und den nötigen Besatz an Hasen für das kommende Jahr bestimmt sicherzustellen. Einige Revierinha­ber haben bereits von Treibjagden ganz abgesehen, in anderen Jagdbezirken bleiben größere Revier­teile unbejagt. Derartige Entschlüsse bedeuten die besten und billigsten Wege zu einer sicheren Be- standsverbesserung.

Das Rebhuhn hat wieder Schonzeit. Der ge­ringe Ausfall der Jahresstrecke sollte Veranlassung zu einer besonders sorgsamen Winterpflege bilden. Deckung gegen seine Feinde und Schutz gegen Wintersturm und Hunger braucht das Huhn. Weil es daran vielfach fehlt, gehen die Bestände des Huhnes dauernd so zurück, daß in manchen Re- vieren die Jagd kaum noch lohnt. Dabei ist es so einfach, in Hecken oder an Rainen kleine Hütten ent­stehen zu lassen und dort das Huhn mit Heublumen, Gemüseabfällen u. ä. zu füttern.

Der Fasan hat noch Schußzeit in

Wie im Vorjahre, so hat auch dieses Jahr der Herr Reichsjägermeister seine Jäger aufgerufen, für das Winterhilfswerk des deutschen Volkes Wild zu spenden und damit notleidenden Volksgenossen eine Freude zu bereiten. Wie der Reichsjägermeister am 4. November vor den Lan­des- und Taujägermeistern in Braunschweig aus­führte, als er die Strecke der Hubertusjagden dem bärtigen Winterhilfswerk übergab, hat gerade die Wildspende int vorigen Jahre nicht nur eine ganz außerordentlich große Menge von Nahrung gelie­fert, sondern auch besonderen Anklang gefunden und den von Beschenkten vielfach geäußerten Wunsch laut werden lassen, die W i l d s p e n d e nicht durch eine Geldspende ersetzen zu lassen. Um so lieber wird der deutsche Jäger einen Teil seiner Strecke opfern, wenn er weiß, daß er damit wirk-

satz unserer Reviere der Abschuß von Hennen grund­sätzlich unterbleiben. Wo Hennen zuviel sino, der Bestand gesenkt werden soll, wäre es besser, die Hennen zu fangen und zum Aussetzen zu verkaufen, anstatt sie zu schießen. Der materielle Ertrag ist im ersten Falle ungleich höher, und dem Waidwerk in seiner Allgemeinheit ist damit ein Dienst er­wiesen.

Wenn der Winter einsetzt, kommen nordische Enten gern auf unsere Bäche und Flüsse. Beim Abschuß bei gutem Licht ist es leicht, Erpel und Ente voneinander zu unterscheiden. Der Jäger sollte den Finger auf die Ente geradelassen. Denn es ist sinnlos, über den unverkennbaren enormen Rückgang unserer Entenjagd zu klagen und gleich-

Das Berliner Philharmonische . Orchester unternimmt vom 26. November bis 13. Dezember eine Konzertreise nach England unter Führung Wilhelm Furtwänglers. Auf dem Hin- und Rückweg werden Gastkonzerte in deutschen Städten gegeben. Von den zehn englischen Konzerten Der Philharmoniker finden drei in London und je eins in Brighton, Bristol, Birmingham, Manchester, Sheffield, New­castle und Edinburg statt.

Was für die Griechen die Plastik, für die Hol­länder die Malerei, für die Italiener die Gesangs­kunst ist, das bedeutet für Deutschland die sympho­nische Musik. Welche Leistungen die Deutschen auch auf anderen Gebieten der Kunst erreicht haben mögen, in der Musik spricht sich das deutsche Wesen am stärksten aus, hier hat der deutsche Geist seine vollendetste Gestalt aus künstlerischer Formkraft geprägt.

Die lebendige Pflege dieses großen Vermächt­nisses verlangt einen Klangkörper, der sich die Symphonik zur ausschließlichen Lebensaufgabe setzt. Sv ist es eine notwendige Folge der in mehreren getrennten Strömen verlaufenen Musikgeschichte Deutschlands, daß im Lande Beethovens und Wagners neben den hundert Opernkapellen mehrere Orchester bestehen, die einzig der Konzert­musik dienen. Unter ihnen setzt das Berliner Philharmonische Orchester durch seine Praxis die Maßstäbe für den höchsten Wert ge­meinsamen Nachschaffens fest. Es gibt den Ton aber nicht nur nach innen an, die Berliner Phil­harmoniker find auch in der Weltöffentlich­keit ein Begriff geworden, der höchste Klang­kultur, restlose Verwirklichung des Gehalts und Spitzenleistung jedes einzelnen Mitglieds umfaßt. Durch häufige Reisen dieses Orchesters ist deutsche Musik in beispielhafter Darbietung den Musikfreunden der verschiedensten europäischen Länder bekannt geworden. Hier zeigte sich im Ver­gleich mit anderen angesehenen Orchestern des Aus­landes auch die Eigenart des deutschen Klangkör­pers am sinnfälligsten. Einige amerikanische und holländische Orchester besitzen eine einzigartige Prä­zision in allen technischen Einzelheiten, sie sind in langer Zusammenarbeit mit ein und demselben Dirigenten erzogen worden, jede Nuance in der Auffassung dieses einen Leiters mit äußerster Exakt­heit aufzufangen. Was die Berliner Philharmoniker über diese Selbstverständlichkeiten hinaus auszeich­net, das ist die Fähigkeit zur Improvi­sation. Durch Anpassung an die verschiedensten, immer wieder wechselnden Dirigenten hat jeder ein­zelne Musiker ein Maß von spontaner Reaktions­fähigkeit erreicht, die dieses fügsame Orchester zu einem umworbenen Objekt vieler Gast- d i r i g c n t e n werden ließ. Ungewöhnliche musika­lische Intelligenz ist darum zur Vorbedingung der Mitgliedschaft geworden. Diese besonderen Eigen- schaften der Berliner Philharmoniker traten in hellstes Licht, als es vor ein paar Jahren der Zu- fall wollte, daß im Laufe von vier bis fünf Wochen die vier berühmtesten Orchester der Welt hintereinander in Paris konzertierten. Das Neuyorker Symphonieorchester hatte unter los« c a n i n i gespielt, das Concertgebouw-Orchester aus Amsterdam unter Willem Mengelberg und die Wiener Philharmoniker unter Bruno Walter. Dann kamen die Berliner mit Furtwängler, und die Pariser Fachkritik bestätigte den Deutschen, daß sie von allen ammusikalischsten", d. h. mit der tiefsten Empfindung und Werktreue gespielt hatten.

Dieser Weltrang ist das Ergebnis einer mehr

als fünfzigjährigen Aufbauarbeit. Als das Berliner Philharmonische Orchester 1882 ins Leben trat, zwölf Jahre nach der Neugründung des Deutschen Reichs, besaß Berlin, die neue Haupt- tabt, noch kein vollgültiges Symphonieorchester. Das Orchester, das bald die Führerstellung im Reiche ein­nehmen sollte, verdankt seine Entstehung einem Zu- all: der Dickköpfigkeit des Kapellmeisters Benjamin B i l s e, der seine recht und schlecht musizierende Musikertruppe vor die Entscheidung stellte, binnen vierundzwanzig Stunden die Verträge für ein Sommerengagement in Warschau anzunehmen oder auszuscheiden. Vierundfünfzig Mann lehnten die Zu­mutungen ab und schlossen sich durch notariellen Akt zu gegenseitigem unverbrüchlichen Zusammenhalten als eigene Kapelle zusammen. Die Musiker traten elbst als Unternehmer auf, verwalteten ihre Ge- chäfte aus eigenen Kräften und suchten sich die pas- enden Dirigenten. Das erste autonome Orchester Deutschlands war entstanden!

Der steile Weg z u r H ö h e ist mit den Namen dreier überragender Dirigentenpersönlichkeiten aufs engste verbunden: Bülow, Nikisch, Furt­wängler. Natürlich haben die Philharmoniker auch unter zahllosen anderen gespielt. Männer wie Brahms, Richard Strauß, Tschaikowsky, Mottl, Klindworth, Ernst Schuch, Wein­gartner sind neben vielen anderen als Gäste ober Dirigenten von Zyklen mit ber Geschichte biefes Orchesters verknüpft. Aber unter jenem Dreigestirn ftanb ber Aufstieg zum Weltruhm.

Hans von Bülow, ber erste Gatte Cosima Wagners, leitete bie Berliner Philharmoniker von 1887 bis 1892. Der Mann, ber WagnersTri­stan unb Isolde" unbMeistersinger" in München aus ber Taufe gehoben hatte, erreichte bie größte Befriebigung seines Lebens erst an ber Spitze ber Berliner Philharmoniker. Als einenreformatori­schen Musiker" bezeichnete er sich selbst, dereine bleibende Tradition von Interpretation bleibender Meisterwerke zu stiften" versuchte. Er tat es durch Aufführungen klassischer Kompositionen, in denen er den tiefsten Sinn in einem bis dahin unbekannten Ausmaß freilegte. Seine erzieherischen Ab­sichten gegenüber dem Hörer trieben ihn so weit, daß er Beethovens Neunte Symphonie an einem Abend zweimal hintereinan­der aufführte. Dem Orchester gab er eine technische Exaktheit, die nicht wieder verloren gehen sollte.

War Bülow ein geistig-analytischer Dirigent, so kamen die Philharmoniker bei Arthur Nikisch siebenundzwanzig Jahre lang (1895 bis 1922) unter die Leitung eines Mannes, dessen Urerlebnis der Klang war. Hier erwarb das Orchester die Fähig­keit zur Improvisation, auf den Zuchtmeister folgte der Meister des sinnlich glühenden gebundenen Klangs. Die technische Erziehung und musikalische Darstellungskunst erreichte schließlich ihren Höhe­punkt unter Wilhelm Furtw än gier, der, wie vor ihm Nikisch, vom Leipziger Gewandhausorche­ster kam. Für die wechselfeitige Befruchtung, die das Orchester vonseinem" genialen Dirigenten und umgekehrt erhalten, ist das Verhältnis Furt­wänglers zu den Berliner Philharmonikern ein Musterbeispiel. Mit letzter Anspannung aller Kräfte, die das Spielen unter ihm zu einer körper­lich-seelischen Strapaze macht, holt er aus seinen Musikern heraus, was heute keinem außer ihm gelingt. Gemeinsam stiegen sie zum Weltruhm auf, Furtwängler wäre ohne dieses Orchester heute wohl noch nicht der größte deutsche Dirigent, die Phil­harmoniker aber hätten ohne ihn manche Nachbar-

Dezemberjagd Winterjagd. Jagen im schnee- verhängten Wald, Treiben über Wiesen und Felder, Zeit frohen Jagens, aber auch der Hege zugleich, wenn der weiße Leithund die Erde bedeckt.

Im Rot- und Damwild revier gilt die Jagd vor allem dem Kahlwild. Es ist der Wille der Jagdbehörden, den vorgesehenen Abschuß an weib­lichem Wilde unter allen Umständen durchgeführt zu sehen. Eine falsch verstandene Hege hat gerade beim Rotwild vielerorts Kahlwildbestände heran­wachsen lassen, die wirtschaftlich nicht tragbar sind. Einen geringen, aber gesunden Rotwildstand mit starken Hirschen heranzuziehen ist das Ziel, das ge­steckt ist. Wer es gut meint mit dem König des deut­schen Waldes, muß mit allen Kräften versuchen, den ihm auferlegten Abschuß zu erfüllen.

Das Schwarzwild, feist nach reicher Herbst- mast, tritt in die Rauschzeit ein. Die letzten schnee­armen Winter haben seine Bestände stark an­wachsen und sich ausbreiten lassen. Durchwechselnde Stücke sind in vielen Revieren gefährtet oder zur Strecke gebracht worden, wo Schwarzwild seit Jahrzehnten unbekannt war. Um so mehr hofft der Waidmann auf Schnee, damit er kreisen und mit Aussicht auf Erfolg die Schwarzkittel besagen kann.

Weibliches Rehwild und Kitze haben noch bis Monatsende Schußzeit. Für unsere Rehstände gilt zum Teil das Gleiche wie es oben für das Rot­wild ausgeführt wurde. Es ist daher allen Waid­männern, die mit ihrem Rickenabschuß noch stark im Rückstände sind, dringend nahezulegen, die noch zur Verfügung stehenden vier Wochen auszunutzen. Der Herr Landesjägermeister für Hessen hat bereits darauf aufmerksam gemacht, daß denjenigen, die sich ihrer Abschußverpflichtung entziehen, zunächst im kommenden Jahre eine Verkürzung des Bockab­schusses, und zwar an guten Böcken droht.

Die Hasen jagb ist im Gange und bringt wider Erwarten viele Enttäuschungen. Die Strecken fal­len in vielen Revieren wesentlich geringer aus als

schäft zu furchten. . v

Gemeinsam aber siegen bannen ttne draußen. -- v z . .- ,

Das Orchester ist vom ersten Jahre aneinReife»f schlechtem. Doch sollte bei dem noch geringen

Gießener Giadiiheaier.

Morgenveranstaltung zur Uraufführung Der Stern von Sevilla".

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erhoben, jjkl viuv»" d ----- '

Inhaltsangabe von Szene zu Szene; er charakte­risierte bie Fabel unb wichtigsten Handlungsträger, gab auch durch kurze Leseproben ttne Vorstellung

Vor 300 Jahren starb der spanische National- dichter Lope de Vega. Ihm zum Gedächtnis bringt das Theater die deutsche Uraufführung seines TrauerspielesDer Stern von Sevilla . Die gestrige Morgenveranstaltung galt einer Ein­führung im Leben und Werk Lopes. Der Drama­turg Nieren bemerkte zuvor, daß derartige Ver­anstaltungen von Fall zu Fall wiederholt werden sollen, wenn eine Einführung notwendig oder zweck­dienlich scheine; doch sollen keine wissenschaftlichen Referate gegeben, sondern eine natürliche Bindung zwischen Bühne und Publikum geschaffen werden. Nieren gab einen Ueberblick über das bewegte Leben Lope de Degas, in dem der Dichter zuletzt Sieger blieb; er gab eine Vorstellung von bem mit gerabezu phantastischen Zahlen zu belegenden Aus­maß dieses dichterischen Werkes, das in der gesam­ten Weltliteratur nicht seinesgleichen findet; er charakterisierte Lope als Augenblicksmenschen, als nationalen Spanier unb als spanischen Volksdichter, der das Theater seines Landes entscheidend berei­chert hat, unb ber erst durch die deutsche Romantik, durch Grillparzer und durch Richard Wagner für die deutsche Bühne wiederentdeckt wurde.

Intendant Schultze-Griesheim, der die Uraufführung selbst in Szene setzen wird, sprach zunächst über seine erste Begegnung mit der Uebertragung des Trauerspieles durch einen Deut­schen in Barcelona und betonte, wie sehr ihn die dramatische Schlagkraft des Werkes beim Lesen berührt habe. Er sei stolz auf die alleinige Gießener Uraufführung, zumal sich die deutschen Theater sonst in beschämend geringer Zahl in diesem Jubi­läumsjahr an Lope erinnert haben. Der Intendant vermittelte dann einen Eindruck von dem Stück, dessen Autorschaft früher bezweifelt worden, das jetzt aber Lope einwandfrei zugeschrieben sei; er kennzeichnete das für uns fremdartige, das eigen­tümlich spanische Wesen des Dramas, feinen über- steigerten Ehrbegriff und feine historischen Grund­lagen Mit moderner Psychologie komme man dem Stück nicht bei, deshalb habe er einen historischen Legendenstil und eine gründliche sprachliche Durch- Eg zu Grundprinzipien feiner Inszenierung

>ben Der Intendant gab dann eine gründliche

von Stil und Sprachform des Trauerspiels. Be­sonders hervorgehoben wurden im Verlaufe dieser Aufgliederung der eigentümlich spanische, über­steigerte Ehrbegriff, auf dem die Handluna sich auf­baut, und der am Ende durch eine gewissermaßen romantische Ironie wieder aufgelöst wird, die sym­bolischen und die christlichen Elemente der Fabel, nicht zuletzt auch die Schwierigkeiten für eine deut­sche Darstellung. Zum Schluß gab Intendant Schultze-Griesheim der Hoffnung Ausdruck, daß von diesem neuentdeckten spanischen Drama beispielhafte Anregungen auch für junge deutsche Theaterdichter ausgehen mögen.

Weihnachtsmärchen :Der kleine Muck".

Arn Sonntagnachmittag gab es zum ersten Male das Weihnachtsmärchen dieses Jahres. Das Stück heißtDer kleine Muck" und ist von W. Burg­graf nach demKleinen Muck" von Wilhelm Hauff und nach derGänsemagd am Brunnen" der Brüder Grimm in fünf Bildern und einer Ver­wandlung fürs Kindertheater eingerichtet worden. Es ist die Geschichte vom armen kleinen Muck, ber keine Eltern mehr hat und eines Abends im Mondschein auszieht, um die beiden Königskinder zu suchen, Prinzeß Mareile und Prinz Goldhaar, die sich im Wald verlausen haben und seitdem ver­schwunden sind. Die Hexe Frau Ahazie und der Riese Bumbo haben den Prinzen m den Hund Spitzi und das Prinzeßchen zur Gänsemagd am Brunnen vor Bumbos Hütte verwandelt; es wird also eine lange, gefährliche und beschwerliche Reise, und wer weiß, wie es ausgegangen wäre, wenn nicht der gute Herr Mond dem kleinen Muck dabei geholfen und den Weg gewiesen hatte.

Zuerst kommt er ins Katzenhaus der dosen grau Ahazie, wo er Spitzi findet und die beiden Katzen- kinder Schnee und Kohlschwarz. Er findet aber noch mebr die Zauberschuhe nämlich der Frau Ahazie, welche richtige Siebenmeilenstiefel sind, und Wun­derstock, das ist ein wahrer Knüppel aus dem Sack und hat hernach noch was Wichtiges zu bedeuten: vor des Riefen Bumbo Hütte nam ich, wo zwar die Gänfe ganz allein über bie Wiese marschieren, wo ® aber sonst gar nicht geheuer ist denn der dicke Bumbo ist ein greulicher Menschenfresser, dem seine liebe Schwester Frau Ahazie den kleinen Muck als Sonntagsbraten versprochen hat. (Dafür be­kommt sie ein Tüchlein voll Perlen, das sind die Tränen, welche die arme Prinzessin als Gansemagd 9C®ernflönia unb bie Königin in ihrem Schloß in Pfesserkuchenhaulen sind natürlich sehr traurig, weil

sie keine Kinder mehr haben, und da ist es ein Glück, daß eines Tages der kleine Muck kommt und ihnen verspricht, ihre Kinder wiederzubringen. Wie­der hilft ihm dabei der gute Mond und dann vor allen Dingen der Zauberstab, mit dem er die gräß­liche Hexe einfach zerplatzen läßt und den ekligen Riesen verjagt. Nun find Prinz und Prinzessin er­löst und kehren heim zu ihren Eltern, und der kleine Muck, der jetzt ein großer Muck ist, bekommt die Prinzessin zur Frau. Mittlerweile ist viel Zeit ver­gangen, ist es Winter und Weihnachten geworden, unb, wie es alle Jahre im Märchen geschieht, schwebt zum guten Ende ber Christbaum vom Him­mel zur heiligen Nacht.

Das ist ein schönes Stück, unb ber gute Märchen­onkel 93 o l cf hat es einftubiert mit vieler Mühe, mit Liebe und Fleiß, und hat dafür gesorgt, daß die kleine Gesellschaft was zu sehen und zu lachen hat. Herr Löffler hat feine Bilder dazu gemalt, Hütte und Schloß wie aus dem Bilderbuch, und zwischen jedem Bild gibt es auch noch wie im Kino auf dem Vorhang allerlei zu betrachten. Der Kapellmeister Bräuer spielt die Musik dazu, und es gibt eine Menge bekannter Melodien zu hören, die auch den Kindern bekannt Vorkommen. Thery Schultheis hat allerlei niedliche Tänze einstu­diert, die hübschesten davon sind der Tanz der Glückwünsche, der Tanz der Nürnberger Lebkuchen und der Marsch der kleinen Soldaten, aber auch der Mondstrahlentanz und die Katzenpolka mach­ten alle viel Vergnügen. Hans Weber sorgte für die Beleuchtung, er ließ den Mond auf» und unter­gehen und ließ es blitzen, als es mit der Hexe und dem Riesen Bumbo ein böses Ende nahm. Sophie Buchner hat das Stück mit schönen Märchen- Kostümen prächtig ausgestattet.

Ludwig M o s b a ch e r machte den kleinen Muck: das war ein lieber, luftiger, beweglicher Bub, der sich gleich mit den kleinen Leuten vor dem Vor­hang gut verstand, unb bem jeber feine Reise ins Glück von Herzen gegönnt haben muß. Cissie Henckel! war bie Gänsemagd am Brunnen unb eine liebliche Prinzessin Mareile, bie allen wohl ge­fiel. Aus bem gelehrigen Spitzi, ber feine Sache überaus brav machte, würbe, eh man sichs versah, ein richtiger Prinz (Herr Schorn), währenb im Katzenhaus Frau Schubert-Jüngling als Frau Ahazie ein unheimliches Regiment führte (im Qroerg Nase" von Hauff kommt ein ähnliches Scheusal vor) und Herr Hub als dicker bepelzter Menschenfresser Bumbo ganz schrecklich anzusehen war. Herr Lupke war aber ein guter, milder Mond, freundlich zu armen Kindern unb stets bar»