Ausgabe 
2.3.1935
 
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Nr. 52 Erstes Blatt

185. Jahrgang

Samstag, 2. Mrz J|955

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Licht auf dem Weg!

Strahlende Märzsonne über deutschem Land, fahnengeschmückt die Häuser in Dorf und Stadt, feierliches Glockengeläut von Turm zu Turm, froh- gestimmte Menschen um die Lautsprecher versam­melt, so begeht das deutsche Volk in der Frühe des 1. März die Befreiungsstunde des Saarlandes. Dem formellen Akt der Uebergabe der Regierungsgewalt des Saargebiets durch die Bevollmächtigten des Völkerbundes an den Reichsinnenminister'folgt die feierliche Flaggenhissung und die Amtseinführung des Saarkommissars und dann kennt die über­strömende Festesstimmung des Saarvolkes kein Hal­ten mehr. Am Lautsprecher dürfen auch wir im Reich es miterleben, wie jubelnde Menschenmassen die Straßen Saarbrückens durchziehen und dank­erfüllten Herzens den Vertretern der Reichsregie­rung und der Nationalsozialistischen Partei zu­rufen, die gekommen sind, das Fest der Heimkehr deutscher Volksgenossen ins Vaterhaus mit ihnen zu feiern. Und diese Hochstimmung des Saarvolkes findet ihren schönsten Lohn, als gegen Mittag die überraschende Nachricht eintrifft, daß der Führer und Reichskanzler persönlich in Saarbrücken eingetroffen ist, um dem Saarland selbst seinen und des deutschen Volkes Dank zu sagen für fünfzehn

Der Heichsstatthalter in Hessen übernimmt die hessische Regierung.

D a r m ff a b f, 1. Htar}. (LPD.) Das Staats- Presseamt teilt mit: Der Reichs st atthal- ter in Hessen übernimmt ab 1. 211 är3 1 935 die Landesregierung. Der Füh­rer und Reichskanzler hat unter dem 28. Februar 1935 an Reichsstatthalter Sprenger verfügt: Auf Grund des § 4 des Reichsstatthalter- gesehes vom 30. Januar 1935 (RGBl. 1. Seite 65) beauftrage i ch Sie. nachdem ich unter dem heutigen Tage den bisherigen Staats­mini st er Jung aus seinem Amte ent­lassen habe, mit der Führungder Landes­regierung in Hessen.

Jahre treuen Ausharrens und tapferen Kampfes um Ehre, Freiheit, Vaterland. Und wenn auch in­zwischen der Himmel sich mit dunklen Wolken be­zogen hat, so vermag auch der strömende Regen die Saarländer in ihrer Begeisterung und Freude nicht zu verdrießen. Eine Welle der Dankbarkeit und des Vertrauens, ein Strom innigen Verbun- denseins umgibt den Führer, als er vor dem Rat­haus in Saarbrücken den Vorbeimarsch der endlosen Kolonnen abnimmt und dann wenige Stunden später selbst zum Saarvolk spricht, das Reichsober­haupt zum erstenmal auf diesem urdeutschen Bo­den des Saarlandes, ihm die Grüße und Glück­wünsche des Reiches zu überbringen zu diesem schönsten Festtag, den saardeutsche Treue sich un­beirrt durch Lockungen und Verleumdungen, unge­beugt durch brutale Gewalt und kleinliche Schikane in zähem, verbissenem Kampf errang.

Oft ist in den Reden und Ansprachen dieses Tages der wahrhaft europäischen Bedeutung der Be­freiungsstunde des Saarlandes gedacht worden. Baron A l 0 i s i, der Vorsitzende des Dreieraus­schusses, dessen kluger, von größter Loyalität getra­genen Derhandlungsführung es zu einem wesent­lichen Teil zu danken ist, daß auf Grund der in Rom getroffenen Abmachungen die Rückgliederung des Saargebiets sich so ohne Schwierigkeiten voll­zogen hat, hat bei der Uebergabe des Saarlandes von der guten Vorbedeutung gesprochen, die dieser Tag für die Ruhe und den Frieden Euro­pas haben möge, und der Reichsinnenmmister Dr Frick hat der Ueberzeugung Ausdruck gegeben daß mit der Erledigung der Saarfrage em wichtiger Schritt zur Förderung der friedlichen Zusammen- arbeit der ^Völker getan ift. Deutschland hat durch den Mund des Führers und Reichskanzlers ver­kündet, daß nun keinerlei terrttoriale Streitfrage mehr einer Verständigung mit dem französischen Nachbarn im Wege stehe. So dürfen wir ehrlich und ohne Hintergedanken den Tag der Defreiung ^er Saar der gerade hineinfällt m die große diploma­tische' Friedensaktion Deutschlands, Alands und Frankreichs, als ein günstiges Vorzeichen nehmen für das Gelingen dieser Bemühungen um. eine wahrhafte Befriedung Europas, die das^ Versailler Diktat den ausgebluteten, nach friedlicher Aufbau­arbeit sich sehnenden Völkern nicht hatte verschaffen können' Möge die Tatsache daß gerade m diekr Stunde eines der dustersten Kapitel des Dena, Diktats mit der Rückgliederung des Saarlandes aus aelöicht ift den europäischen Staatsmännern eine Warnung sein, daß nur Verträge unter souveränen Völkern bie allen Nationen gleiche Sicherheit und Wahrung ihrer Lebensinteressen geben, dem wirk­lichen Frieden dienen können.

Das europäische Gespräch i-ber einen neuen, Fne- denspakt wird in der kommenden Woche m eine 7,'/Phase eintreten. Das britische Kabinett hat b-. lck.liissen den Staatssekretär des Auswärtigen, 61 r kohn Simon, auf Reisen zu schicken. Fest steht Zunächst Simons Besuch in Berlin, wo mit dem Führer und Reichskanzler Fühlung zu nehmen gedenkt, nachdem Deutschland sich in Ergänzung seiner ersten Stellungnahme 1, ^n in London von England und Frankreich skizzierten Anregungen bereiterklart hat, den ge­samten, dort umrtssenen Fragenkomplex zu erörtern.

Der Führer heißt das Saarland willkommen.

Lleberraschende Ankunst in Saarbrücken. Begeisterte Kundgebungen der Freude und des Dankes. Erste Rede des Führers zum befreiten Saarvolk.

Des Führers Einzug in die befreite Saar.

Jubelnder Empfang in Saarbrücken.

Saarbrücken, 1. März. (DNB.) Der Füh­rer traf am Freitag um 12.50 Uhr überraschend an der Stadtgrenze von Saarbrücken ein und fuhr dann 25 Minuten lang durch die ganze Stadt, durch ein Spalier von 621.= Männern, hinter denen sich eine riesige Volks­menge drängte, die dem Führer geradezu ü b e r ° chwängliche Huldigungen bereitete. Die Ueberraschung über das Erscheinen des Führers war so groß, da niemand sein Kommen geahnt hatte, daß die Leute vor Jubel hochsprangen und deutlich sichtbar ihre unbeschreibliche Freude zeig­ten.

Der Führer war um 7.45 Uhr morgens mit der D 2600 a u f dem Flughafen Tempelhof g e st a r t e t. Zu gleicher Zeit stieg der Stell­vertreter des Führers Rudolf Heß mit einer Ju 52 auf. Außerdem befanden sich in der Begleitung des Führers u. a. Herr von Papen, Reichsminister Frank, Obergruppenführer Brückner, Staats­sekretär Lammers und der Adjutant der Wehr­macht beim Führer, Major Hoßbach. Der Füh­rer landete um 9.45 Uhr mit seiner Begleitung auf dem Flughafen Mannheim, wo un­ter der Führung von Brigadeführer Schreck die Wagenkolonne des Führers zur Weiterfahrt ins Saargebiet bereit stand.

Als der Führer die Rheinbrücke nach Lud­wigshafen passierte, ertönten die Sirenen der Schiffe im Hafen. Unter dem Läuten der Glocken ging die Fahrt durch festlich geschmückte Städte und Dörfer der schönen Pfalz, und überall, wo man den Führer erkannte, jubelnde Begeisterung, ins­besondere in Bad Dürkheim und Kaisers­lautern.

kurz nach 12 Uhr passierte der Führer die nun gefallene Grenze des Saargebiets.Freie Durchfahrt zur freien Saar lautete die Auf­schrift des dort errichteten Transparentes. Unter dem Jubel der nach Zehntausenden zählenden Saarländer, die die Straßen säumten, durch­fuhr der Führer unter Glockengeläut Hom­burg. Und nun wiederholten sich die Begeiste­rungsstürme in jedem Ort und jedem Dorf des befreiten Saargebieles, dos der Führer so über­raschend passierte. Tausende von Girlanden und Transparenten über die Straßen gespannt, die Straßen mit Tannenbäumen umsäumt, die Häuser ein Meer von Flaggen. Bon St. Ing­bert ab glich die Fahrt des Führers einem Triumphzuge.

Bei der Ortschaft Scheid wurde die Wagen­kolonne des Führers vorn zweiten Adjutanten des Führers, Hauptmann a. D. Wiedemann, abgeholt und in die Stadt geleitet. Trotz des strö­menden Regens wich und wankte die Menge nicht. Sie hatte zwar mit dem Erscheinen des Stellvertre­ters des Führers gerechnet, als aber der Füh - r e r im Wagen aufstand und durch sehr belebte Stra­ßen stehend fuhr, kannte die Ueberraschung keine Grenzen. Die Häuserfassaden der langen Spalier­straße, die kreuz und guer durch Saarbrücken führt, ertrank fast in dem Mnr von Fahnen, Grün und Fähnchen. Die Fassaden waren kaum noch zu er­kennen. Hier und da versuchte die Menge die Sperre

zu durchbrechen. Im allgemeinen aber herrschte eine musterhafte Disziplin.

Dor der Polizeidirektion, in der bis vor einigen Wochen der Emigrantenkommissar Machts hauste, hatte eine Ehrenbereit- schäft der nun befreiten Saarpolizei­beamten Aufstellung genommen, die aus ihrer deutschen Gesinnung niemals einen kehl gemacht hatten. Dor dem Hotel Exzelsior stand ein Kommando der Leib st a n - darteAdolfhitler. Der Führer wurde in der Tür des Hotels von Reichsminister Dr.

Frick und Gauleiter B ü r ck e l empfangen und dann im Beisein anderer Führer der Partei ins Hotel geleitet. Don dem Hotel bis weit zum Bahnhof sammelte sich schnell eine große Menge. Alle Simse und Fenster waren dicht beseht. Jedes Fleckchen mußte herhalten, das vielstim­mige Jubelrufen nahm überhaupt kein Ende. Als der Führer sich dann mit den Reichs­ministern auf dem Balkon zeigte, da machte die Ergriffenheit sich schließlich Luft im Gesang des Deutschlandliedes, des Horst-Wessel-Liedes und des Saarliedes.

Das Saawvik huldigt dem Mer.

Endloser Vorbeimarsch vor dem

Als der Führer gegen 14.30 Uhr das Hotel Excelsior verließ, um sich zum Vorbeimarsch am Rathaus zu begeben, begann es wieder in Strömen zu regnen. Trotzdem nahm der Führer in seinem Wagen stehend den Vorbeimarsch der Verbände ab, um seinen Wagen der Reichskommissar Gauleiter Bürckel, die Führer der Partei, die Reichsstatthalter, "Minister usw. An, der Spitze des Zuges marschierten drei Bereitschaften p r e u ß i - scher Landespolizei, dahinter eine Bereit­schaft pfälzischer Landespolizei aus Ludwigshafen. Polizeigeneral D a l u e g e tritt an den Wagen des Führers und meldet. Dann setzt die Musikkapelle ein und der Tritt der Polizeibereit­schaften hallt über das Pflaster. An die Spitze schließen sich PO. und Abordnungen der SA.-Gruppe Kurpfalz an.

Dann werden die pfälzischen Sturm- fahnen der S A. vorbeigetragen, von denen so manche gekrönt ist von dem Vnntschuh, dem Morgenstern oder einer Lanzenspihe. Die pfäl­zischen Bauern haben diese alten Traditions­zeichen ihres Kampfes an die Spitzen ihrer Fahnenstangen geheftet, als Ausdruck ihres Trohes und ihrer Treue. An die SA. reiht sich das Nationalsozialistische Kraft­fahrkorps, das vom Korpsführer Hühnlein dem Führer gemeldet wird. Das NSKK. hat von jeder deutschen Motorbrigade einen Stander nach Saarbrücken beordert, so daß in dem Fahnenwald, der nun vorübergetragen wird, sozusagen die Feldzeichen des gan­zen deutschen Motorsports im Saar­gebiet die Grüße der deutschen Gaue bringen.

Dahinter kommt dann unter Führung von Reichs­arbeitsführer Hier! der Arbeitsdienst mit geschultertem Spaten, kräftige junge Burschen, die einen ausgezeichneten Eindruck machen, darunter viele Saarländer, die noch vor einigen Wochen zur Abstimmung im Saargebiet weilten und nun wie­derum in ihre Arbeitsdienstformationen zurückge- kehrt sind. Der Arbeitsdienst erhält auch vom Pu­blikum einen Sonderapplaus. Nach dem Vorbei­marsch des Arbeitsdienstes meldet der Präsident des Deutschen Luftsportverbandes, Bruno Lör- z e r, die deutschen Flieger. Danach sieht man einen Sturm pfälzischer Marine-SA.

und dann im langen Zuge die Männer, die den Kampf an der Saar getragen haben: die Deutsche Front. Dorangetragen werden

Führer trotz strömenden Hegens.

hier die Fahnen der einstigen saarländischen S2l.-Formationen und der ehemaligen Orts­gruppen der NSDAP., die nun wieder er­stehen werden. Zahlreiche alte Kämpfer der nationalsozialistischen Bewegung sieht man in diesen Reihen, deren Kennzeichen die schwarze Sturmmühe ist, um derentwillen so mancher in der Zeit des Saarkampfes bittere Not litt. In weißen Hemden dann der Ordnungs­dienst der Deutschen Front, eine Elite, die, berühmt durch ihre außerordentliche Disziplin, von dem bisherigen englischen Polizei­kommandeur des Saargebietes, henefsy, selbst als Hilfspolizei vorgeschlagen war. Diesem Ord­nungsdienst ist es zu danken, wenn in all den Tagen des heftigen Kampfes es im Saargebiet ruhig blieb und alle Provokationen des kleinen Häufleins der Separatisten, das nun in alle

Welt zerstoben ist, fruchtlos blieben.

Die pfälzische HI. kommt nun und um den Mund des Führers spielt ein Lächeln, als er die Begeisterung der Jungen so vielfältig aus ihren Augen leuchten sieht. Den Jungen macht dieser Vorbeimarsch ganz besonderen Spaß. Sie sind mit einem heiligen Eifer dabei und insbesondere das Jungvolk möchte es ganz so tun wie die Alten. Die pfälzische SS. - Standarte 10 eröffnet den Vorbeimarsch der SS. und dann schließt diese an­derthalbstündige Bezeugung deutscher Zusammen­gehörigkeit, diese sinnfällige Darstellung der Heim­kehr der Saar ins Reich die Leibstandarte Adolf Hitler, geführt von SS.-Obergruppen­führer Josef Dietrich.

Hinter all den Tribünen sind wiederum Fenster und Dächer besetzt, hinter dem Führer staut sich die Menge über dem ganzen Rathausplatz und die Straßen entlang. Sie stehen so eng, daß der Regen sich sofort in Dampf umsetzt und es wie eine Wolke über den Menschen liegt, ein eigenartiges Bild. Selbst die Galerien und Plattformen der Jo­hanniskirche sind belagert und überall sieht man bildhungrige Photographen, denn jeder möchte ein­mal ein eigenes Bild vom Führer als Andenken haben. Gegen 16 Uhr ist der Vorbeimarsch zu Ende. Der Führer ist völlig durchnäßt, aber fein Gesicht zeigt eine helle Freude über die die ihm bereitet werden und die er doch schon so immer wieder erneuten begeisterten Huldigungen, oft erlebte, hier sind sie sozusagen eine endgültige und ewige Hingabe des Saarvolkes zu jenem Deutschland, das durch den Führer verkörpert wird.

Die Reichsregierung hätte es an sich zweckmäßiger I gefunden, die Verhandlungen mit dem in London \ vorgeschlagenen Luftpakt zu beginnen, da er, bei der grundsätzlichen Bereitwilligkeit aller betei­ligten Mächte zur Ausdehnung des Locarnoabkom­mens auf die Luftwaffe gewiß die geringsten Schwierigkeiten geboten hätte. Da der Luftpakt gegenseitige Hilfe im Kriegsfälle fordert, so würde er also auch die militärische Gleichberechtigung Deutschlands voraussetzen, da ja nur dann Deutsch­land der gewünschte internationale Sicherheitsfaktor sein kann, wenn es praktisch in die Lage versetzt wird, seinen Anteil an der Sicherung des Friedens in Westeuropa zu übernehmen. Deutschland würde den Abschluß des Luftabkommens als Auftakt zu roeitergreifenben Verhandlungen ferner begrüßen, weil ein Luftlocarno nach Erledigung der Saarfrage das seit Jahrhunderten besonders gefährdete deutsch­französische Grenzgebiet unter stärksten Schutz gegen Friedensbrecher stellen würde und schließlich, weil damit England, das zum ersten Male für feine Inselwelt den Schutz der Kontinentalmächte fordert, eng in ein europäisches Sicherheitssystem ein­bezogen würde. Das britische Kabinett selbst würde zweifellos damit einverstanden gewesen sein, den Luftpakt als vordringlich zu behandeln. Aber Frank­reich mußte, von Moskau an die getroffenen Ab­machungen über den Ostpakt erinnert, die Einheit der Londoner Vorschläge Herausstellen und auch die britischen Staatsmänner veranlassen, in Berlin um eine Besprechung der Anregungen als Ganzes nach­zusuchen.

Neben dem Luftabkommen umfassen diese An­regungen einmal den O st p a k t, noch immer eines der Hauptziele der französischen Politik und die Tür,

durch die Moskau sich in die Unterhaltung der europäischen Mächte eindrängen möchte, um Unfrie­den zu säen. Dann den Donaupakt, der, von einer Sicherung der Unabhängigkeit Oesterreichs aus­gehend, in den französisch-italienischen Abmachungen ausgeweitet wurde zu einem Plan gegenseitiger Gre'nzgarantierung aller im Donaubecken inter­essierten Staaten, zu denen sich auch Frankreich rechnet und in die man auch den Balkanbund einzu­beziehen sucht. Weiterhin die Frage der R ü - stungsbeschränkung, zu der Deutschland unter der Voraussetzung völliger wehrpolitischer Gleichberechtigung immer bereit gewesen ist. Schließlich die Rückkehr Deutschlands nach Genf, eine Frage, die erst erneut geprüft werden kann, wenn die Gründe fortgefallen find, die Deutschland seinerzeit zum Austritt aus dem Völkerbund bewogen haben. Der Umkreis der Fra­gen, die nun in Berlin zur Besprechung kommen werden, ist also sehr weit gezogen und es sei nur an die erneute britisch-französische Fühlungsnahme in Paris erinnert oder an die Quertreibereien Moskaus, um die außerordentlichen Belastungen zu erkennen, die abgesehen von den rein sachlichen Schwierigkeiten, die in der komplizierten Materie stecken, von der politischen Taktik her die Erörterun­gen erschweren. Aber Sir John Simon und seine Begleiter mögen überzeugt sein, daß sie in Berlin die sachliche Atmosphäre vorsinden werden, die er­forderlich ist, um die Gesamtheit der zur Bespre­chung stehenden Fragen unvoreingenommen und mit dem ehrlichen Willen zur Verständigung zu prüfen. Aber ebenso gewiß wird Deutschland nie­mals seinen Anspruch auf gleiches Recht und gleiche Sicherheit preisgeben. Am Geburtstage der

nationalsozialistischen Bewegung hat der Führer noch einmal Deutschlands Standpunkt eindeutig klargestellt, als er sagte, daß das deutsche Volk einig in dem Bestreben nach Frieden und ent­schlossen in der Verteidigung der deutschen Freiheit , niemals die Unterschrift setzen werde unter ein | Dokument, das den freiwilligen Verzicht auf die Ehre und Gleichberechtigung Deutschlands bedeu­tet. Was Deutschland aber einmal unterzeichnet hat, das wird es auch blind und treu erfüllen.

So wissen die britischen Staatsmänner, wenn sie Ende der nächsten Woche nach Berlin kommen wer­den, woran sie sind. Deutschland und England haben einen langen Weg gegenseitiger Mißver­ständnisse, Enttäuschungen und Schwankungen hin­ter sich. Nur eine offene Aussprache, wie sie der Führer und Reichskanzler als Grund­linie nationalsozialistischer Außenpolitik von jeher und nach allen Seiten angestrebt hat, wird neue Irr- und Umwege verhindern und stattdessen eine Verständigung oorbereiten, die den wahren Frie­den Europas begründen soll. Möge die erhebende Befreiungsstunde, die wir gestern gemeinsam mit dem Saarvolk feiern durften, ein Licht sein auf dem Wege zu einem ehrlichen Ausgleich zwischen den beiden großen Völkern Europas Deutschland und Frankreich, die nach Jahrhunderten der Zwie- tracht ihre Rechnung miteinander abschließen wol­len, um eine neue Seite friedlichen Wettbewerbs und kultureller Zusammenarbeit zu beginnen.Es muß möglich sein, daß zwei große Völker sich die Hand reichen, um in gemeinsamer Arbeit den Nöten zu begegnen, die Europa zu begraben drohen!"^