Nr. 52 Erstes Blatt
185. Jahrgang
Samstag, 2. Mrz J|955
Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat tm Bild • Die Scholle Monats-Bezugspreis:
Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt
zernsprechanschlüfie
unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten. Anzeiger Gießen
Postscheckkonto:
Kranlfurt am Main 11688
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Druck und Verlag: VMl'sche Universitäts-Such- und Steindruckerei R. Lange in Siehrn. Schristleitung und Seschüftrftelle: Schulftrahe 7
Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8^Uhr des Dormittags
Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text- anzeigen von 70mm Breite 60 Rpf.,Platzvorschrift oder schwieriger Satz 25°/0 mehr
Ermäßigte Grundpreise:
Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B
Licht auf dem Weg!
Strahlende Märzsonne über deutschem Land, fahnengeschmückt die Häuser in Dorf und Stadt, feierliches Glockengeläut von Turm zu Turm, froh- gestimmte Menschen um die Lautsprecher versammelt, so begeht das deutsche Volk in der Frühe des 1. März die Befreiungsstunde des Saarlandes. Dem formellen Akt der Uebergabe der Regierungsgewalt des Saargebiets durch die Bevollmächtigten des Völkerbundes an den Reichsinnenminister'folgt die feierliche Flaggenhissung und die Amtseinführung des Saarkommissars und dann kennt die überströmende Festesstimmung des Saarvolkes kein Halten mehr. Am Lautsprecher dürfen auch wir im Reich es miterleben, wie jubelnde Menschenmassen die Straßen Saarbrückens durchziehen und dankerfüllten Herzens den Vertretern der Reichsregierung und der Nationalsozialistischen Partei zurufen, die gekommen sind, das Fest der Heimkehr deutscher Volksgenossen ins Vaterhaus mit ihnen zu feiern. Und diese Hochstimmung des Saarvolkes findet ihren schönsten Lohn, als gegen Mittag die überraschende Nachricht eintrifft, daß der Führer und Reichskanzler persönlich in Saarbrücken eingetroffen ist, um dem Saarland selbst seinen und des deutschen Volkes Dank zu sagen für fünfzehn
Der Heichsstatthalter in Hessen übernimmt die hessische Regierung.
D a r m ff a b f, 1. Htar}. (LPD.) Das Staats- Presseamt teilt mit: Der Reichs st atthal- ter in Hessen übernimmt ab 1. 211 är3 1 935 die Landesregierung. Der Führer und Reichskanzler hat unter dem 28. Februar 1935 an Reichsstatthalter Sprenger verfügt: Auf Grund des § 4 des Reichsstatthalter- gesehes vom 30. Januar 1935 (RGBl. 1. Seite 65) beauftrage i ch Sie. nachdem ich unter dem heutigen Tage den bisherigen Staatsmini st er Jung aus seinem Amte entlassen habe, mit der Führungder Landesregierung in Hessen.
Jahre treuen Ausharrens und tapferen Kampfes um Ehre, Freiheit, Vaterland. Und wenn auch inzwischen der Himmel sich mit dunklen Wolken bezogen hat, so vermag auch der strömende Regen die Saarländer in ihrer Begeisterung und Freude nicht zu verdrießen. Eine Welle der Dankbarkeit und des Vertrauens, ein Strom innigen Verbun- denseins umgibt den Führer, als er vor dem Rathaus in Saarbrücken den Vorbeimarsch der endlosen Kolonnen abnimmt und dann wenige Stunden später selbst zum Saarvolk spricht, das Reichsoberhaupt zum erstenmal auf diesem urdeutschen Boden des Saarlandes, ihm die Grüße und Glückwünsche des Reiches zu überbringen zu diesem schönsten Festtag, den saardeutsche Treue sich unbeirrt durch Lockungen und Verleumdungen, ungebeugt durch brutale Gewalt und kleinliche Schikane in zähem, verbissenem Kampf errang.
Oft ist in den Reden und Ansprachen dieses Tages der wahrhaft europäischen Bedeutung der Befreiungsstunde des Saarlandes gedacht worden. Baron A l 0 i s i, der Vorsitzende des Dreierausschusses, dessen kluger, von größter Loyalität getragenen Derhandlungsführung es zu einem wesentlichen Teil zu danken ist, daß auf Grund der in Rom getroffenen Abmachungen die Rückgliederung des Saargebiets sich so ohne Schwierigkeiten vollzogen hat, hat bei der Uebergabe des Saarlandes von der guten Vorbedeutung gesprochen, die dieser Tag für die Ruhe und den Frieden Europas haben möge, und der Reichsinnenmmister Dr Frick hat der Ueberzeugung Ausdruck gegeben daß mit der Erledigung der Saarfrage em wichtiger Schritt zur Förderung der friedlichen Zusammen- arbeit der ^Völker getan ift. Deutschland hat durch den Mund des Führers und Reichskanzlers verkündet, daß nun keinerlei terrttoriale Streitfrage mehr einer Verständigung mit dem französischen Nachbarn im Wege stehe. So dürfen wir ehrlich und ohne Hintergedanken den Tag der Defreiung ^er Saar der gerade hineinfällt m die große diplomatische' Friedensaktion Deutschlands, Alands und Frankreichs, als ein günstiges Vorzeichen nehmen für das Gelingen dieser Bemühungen um. eine wahrhafte Befriedung Europas, die das^ Versailler Diktat den ausgebluteten, nach friedlicher Aufbauarbeit sich sehnenden Völkern nicht hatte verschaffen können' Möge die Tatsache daß gerade m diekr Stunde eines der dustersten Kapitel des Dena, Diktats mit der Rückgliederung des Saarlandes aus aelöicht ift den europäischen Staatsmännern eine Warnung sein, daß nur Verträge unter souveränen Völkern bie allen Nationen gleiche Sicherheit und Wahrung ihrer Lebensinteressen geben, dem wirklichen Frieden dienen können.
Das europäische Gespräch i-ber einen neuen, Fne- denspakt wird in der kommenden Woche m eine 7,'/Phase eintreten. Das britische Kabinett hat b-. lck.liissen den Staatssekretär des Auswärtigen, 61 r kohn Simon, auf Reisen zu schicken. Fest steht Zunächst Simons Besuch in Berlin, wo mit dem Führer und Reichskanzler Fühlung zu nehmen gedenkt, nachdem Deutschland sich in Ergänzung seiner ersten Stellungnahme 1,™ ^n in London von England und Frankreich skizzierten Anregungen bereiterklart hat, den gesamten, dort umrtssenen Fragenkomplex zu erörtern.
Der Führer heißt das Saarland willkommen.
Lleberraschende Ankunst in Saarbrücken. — Begeisterte Kundgebungen der Freude und des Dankes. — Erste Rede des Führers zum befreiten Saarvolk.
Des Führers Einzug in die befreite Saar.
Jubelnder Empfang in Saarbrücken.
Saarbrücken, 1. März. (DNB.) Der Führer traf am Freitag um 12.50 Uhr überraschend an der Stadtgrenze von Saarbrücken ein und fuhr dann 25 Minuten lang durch die ganze Stadt, durch ein Spalier von 621.= Männern, hinter denen sich eine riesige Volksmenge drängte, die dem Führer geradezu ü b e r ° chwängliche Huldigungen bereitete. Die Ueberraschung über das Erscheinen des Führers war so groß, da niemand sein Kommen geahnt hatte, daß die Leute vor Jubel hochsprangen und deutlich sichtbar ihre unbeschreibliche Freude zeigten.
Der Führer war um 7.45 Uhr morgens mit der D 2600 a u f dem Flughafen Tempelhof g e st a r t e t. Zu gleicher Zeit stieg der Stellvertreter des Führers Rudolf Heß mit einer Ju 52 auf. Außerdem befanden sich in der Begleitung des Führers u. a. Herr von Papen, Reichsminister Frank, Obergruppenführer Brückner, Staatssekretär Lammers und der Adjutant der Wehrmacht beim Führer, Major Hoßbach. Der Führer landete um 9.45 Uhr mit seiner Begleitung auf dem Flughafen Mannheim, wo unter der Führung von Brigadeführer Schreck die Wagenkolonne des Führers zur Weiterfahrt ins Saargebiet bereit stand.
Als der Führer die Rheinbrücke nach Ludwigshafen passierte, ertönten die Sirenen der Schiffe im Hafen. Unter dem Läuten der Glocken ging die Fahrt durch festlich geschmückte Städte und Dörfer der schönen Pfalz, und überall, wo man den Führer erkannte, jubelnde Begeisterung, insbesondere in Bad Dürkheim und Kaiserslautern.
kurz nach 12 Uhr passierte der Führer die nun gefallene Grenze des Saargebiets. „Freie Durchfahrt zur freien Saar“ lautete die Aufschrift des dort errichteten Transparentes. Unter dem Jubel der nach Zehntausenden zählenden Saarländer, die die Straßen säumten, durchfuhr der Führer unter Glockengeläut Homburg. Und nun wiederholten sich die Begeisterungsstürme in jedem Ort und jedem Dorf des befreiten Saargebieles, dos der Führer so überraschend passierte. Tausende von Girlanden und Transparenten über die Straßen gespannt, die Straßen mit Tannenbäumen umsäumt, die Häuser ein Meer von Flaggen. Bon St. Ingbert ab glich die Fahrt des Führers einem Triumphzuge.
Bei der Ortschaft Scheid wurde die Wagenkolonne des Führers vorn zweiten Adjutanten des Führers, Hauptmann a. D. Wiedemann, abgeholt und in die Stadt geleitet. Trotz des strömenden Regens wich und wankte die Menge nicht. Sie hatte zwar mit dem Erscheinen des Stellvertreters des Führers gerechnet, als aber der Füh - r e r im Wagen aufstand und durch sehr belebte Straßen stehend fuhr, kannte die Ueberraschung keine Grenzen. Die Häuserfassaden der langen Spalierstraße, die kreuz und guer durch Saarbrücken führt, ertrank fast in dem Mnr von Fahnen, Grün und Fähnchen. Die Fassaden waren kaum noch zu erkennen. Hier und da versuchte die Menge die Sperre
zu durchbrechen. Im allgemeinen aber herrschte eine musterhafte Disziplin.
Dor der Polizeidirektion, in der bis vor einigen Wochen der Emigrantenkommissar Machts hauste, hatte eine Ehrenbereit- schäft der nun befreiten Saarpolizeibeamten Aufstellung genommen, die aus ihrer deutschen Gesinnung niemals einen kehl gemacht hatten. Dor dem Hotel Exzelsior stand ein Kommando der Leib st a n - darteAdolfhitler. Der Führer wurde in der Tür des Hotels von Reichsminister Dr.
Frick und Gauleiter B ü r ck e l empfangen und dann im Beisein anderer Führer der Partei ins Hotel geleitet. Don dem Hotel bis weit zum Bahnhof sammelte sich schnell eine große Menge. Alle Simse und Fenster waren dicht beseht. Jedes Fleckchen mußte herhalten, das vielstimmige Jubelrufen nahm überhaupt kein Ende. Als der Führer sich dann mit den Reichsministern auf dem Balkon zeigte, da machte die Ergriffenheit sich schließlich Luft im Gesang des Deutschlandliedes, des Horst-Wessel-Liedes und des Saarliedes.
Das Saawvik huldigt dem Mer.
Endloser Vorbeimarsch vor dem
Als der Führer gegen 14.30 Uhr das Hotel Excelsior verließ, um sich zum Vorbeimarsch am Rathaus zu begeben, begann es wieder in Strömen zu regnen. Trotzdem nahm der Führer in seinem Wagen stehend den Vorbeimarsch der Verbände ab, um seinen Wagen der Reichskommissar Gauleiter Bürckel, die Führer der Partei, die Reichsstatthalter, "Minister usw. An, der Spitze des Zuges marschierten drei Bereitschaften p r e u ß i - scher Landespolizei, dahinter eine Bereitschaft pfälzischer Landespolizei aus Ludwigshafen. Polizeigeneral D a l u e g e tritt an den Wagen des Führers und meldet. Dann setzt die Musikkapelle ein und der Tritt der Polizeibereitschaften hallt über das Pflaster. An die Spitze schließen sich PO. und Abordnungen der SA.-Gruppe Kurpfalz an.
Dann werden die pfälzischen Sturm- fahnen der S A. vorbeigetragen, von denen so manche gekrönt ist von dem Vnntschuh, dem Morgenstern oder einer Lanzenspihe. Die pfälzischen Bauern haben diese alten Traditionszeichen ihres Kampfes an die Spitzen ihrer Fahnenstangen geheftet, als Ausdruck ihres Trohes und ihrer Treue. An die SA. reiht sich das Nationalsozialistische Kraftfahrkorps, das vom Korpsführer Hühnlein dem Führer gemeldet wird. Das NSKK. hat von jeder deutschen Motorbrigade einen Stander nach Saarbrücken beordert, so daß in dem Fahnenwald, der nun vorübergetragen wird, sozusagen die Feldzeichen des ganzen deutschen Motorsports im Saargebiet die Grüße der deutschen Gaue bringen.
Dahinter kommt dann unter Führung von Reichsarbeitsführer Hier! der Arbeitsdienst mit geschultertem Spaten, kräftige junge Burschen, die einen ausgezeichneten Eindruck machen, darunter viele Saarländer, die noch vor einigen Wochen zur Abstimmung im Saargebiet weilten und nun wiederum in ihre Arbeitsdienstformationen zurückge- kehrt sind. Der Arbeitsdienst erhält auch vom Publikum einen Sonderapplaus. Nach dem Vorbeimarsch des Arbeitsdienstes meldet der Präsident des Deutschen Luftsportverbandes, Bruno Lör- z e r, die deutschen Flieger. Danach sieht man einen Sturm pfälzischer Marine-SA.
und dann im langen Zuge die Männer, die den Kampf an der Saar getragen haben: die Deutsche Front. Dorangetragen werden
Führer trotz strömenden Hegens.
hier die Fahnen der einstigen saarländischen S2l.-Formationen und der ehemaligen Ortsgruppen der NSDAP., die nun wieder erstehen werden. Zahlreiche alte Kämpfer der nationalsozialistischen Bewegung sieht man in diesen Reihen, deren Kennzeichen die schwarze Sturmmühe ist, um derentwillen so mancher in der Zeit des Saarkampfes bittere Not litt. In weißen Hemden dann der Ordnungsdienst der Deutschen Front, eine Elite, die, berühmt durch ihre außerordentliche Disziplin, von dem bisherigen englischen Polizeikommandeur des Saargebietes, henefsy, selbst als Hilfspolizei vorgeschlagen war. Diesem Ordnungsdienst ist es zu danken, wenn in all den Tagen des heftigen Kampfes es im Saargebiet ruhig blieb und alle Provokationen des kleinen Häufleins der Separatisten, das nun in alle
Welt zerstoben ist, fruchtlos blieben.
Die pfälzische HI. kommt nun und um den Mund des Führers spielt ein Lächeln, als er die Begeisterung der Jungen so vielfältig aus ihren Augen leuchten sieht. Den Jungen macht dieser Vorbeimarsch ganz besonderen Spaß. Sie sind mit einem heiligen Eifer dabei und insbesondere das Jungvolk möchte es ganz so tun wie die Alten. Die pfälzische SS. - Standarte 10 eröffnet den Vorbeimarsch der SS. und dann schließt diese anderthalbstündige Bezeugung deutscher Zusammengehörigkeit, diese sinnfällige Darstellung der Heimkehr der Saar ins Reich die Leibstandarte Adolf Hitler, geführt von SS.-Obergruppenführer Josef Dietrich.
Hinter all den Tribünen sind wiederum Fenster und Dächer besetzt, hinter dem Führer staut sich die Menge über dem ganzen Rathausplatz und die Straßen entlang. Sie stehen so eng, daß der Regen sich sofort in Dampf umsetzt und es wie eine Wolke über den Menschen liegt, ein eigenartiges Bild. Selbst die Galerien und Plattformen der Johanniskirche sind belagert und überall sieht man bildhungrige Photographen, denn jeder möchte einmal ein eigenes Bild vom Führer als Andenken haben. Gegen 16 Uhr ist der Vorbeimarsch zu Ende. Der Führer ist völlig durchnäßt, aber fein Gesicht zeigt eine helle Freude über die die ihm bereitet werden und die er doch schon so immer wieder erneuten begeisterten Huldigungen, oft erlebte, hier sind sie sozusagen eine endgültige und ewige Hingabe des Saarvolkes zu jenem Deutschland, das durch den Führer verkörpert wird.
Die Reichsregierung hätte es an sich zweckmäßiger I gefunden, die Verhandlungen mit dem in London \ vorgeschlagenen Luftpakt zu beginnen, da er, bei der grundsätzlichen Bereitwilligkeit aller beteiligten Mächte zur Ausdehnung des Locarnoabkommens auf die Luftwaffe gewiß die geringsten Schwierigkeiten geboten hätte. Da der Luftpakt gegenseitige Hilfe im Kriegsfälle fordert, so würde er also auch die militärische Gleichberechtigung Deutschlands voraussetzen, da ja nur dann Deutschland der gewünschte internationale Sicherheitsfaktor sein kann, wenn es praktisch in die Lage versetzt wird, seinen Anteil an der Sicherung des Friedens in Westeuropa zu übernehmen. Deutschland würde den Abschluß des Luftabkommens als Auftakt zu roeitergreifenben Verhandlungen ferner begrüßen, weil ein Luftlocarno nach Erledigung der Saarfrage das seit Jahrhunderten besonders gefährdete deutschfranzösische Grenzgebiet unter stärksten Schutz gegen Friedensbrecher stellen würde und schließlich, weil damit England, das zum ersten Male für feine Inselwelt den Schutz der Kontinentalmächte fordert, eng in ein europäisches Sicherheitssystem einbezogen würde. Das britische Kabinett selbst würde zweifellos damit einverstanden gewesen sein, den Luftpakt als vordringlich zu behandeln. Aber Frankreich mußte, von Moskau an die getroffenen Abmachungen über den Ostpakt erinnert, die Einheit der Londoner Vorschläge Herausstellen und auch die britischen Staatsmänner veranlassen, in Berlin um eine Besprechung der Anregungen als Ganzes nachzusuchen.
Neben dem Luftabkommen umfassen diese Anregungen einmal den O st p a k t, noch immer eines der Hauptziele der französischen Politik und die Tür,
durch die Moskau sich in die Unterhaltung der europäischen Mächte eindrängen möchte, um Unfrieden zu säen. Dann den Donaupakt, der, von einer Sicherung der Unabhängigkeit Oesterreichs ausgehend, in den französisch-italienischen Abmachungen ausgeweitet wurde zu einem Plan gegenseitiger Gre'nzgarantierung aller im Donaubecken interessierten Staaten, zu denen sich auch Frankreich rechnet und in die man auch den Balkanbund einzubeziehen sucht. Weiterhin die Frage der R ü - stungsbeschränkung, zu der Deutschland unter’ der Voraussetzung völliger wehrpolitischer Gleichberechtigung immer bereit gewesen ist. Schließlich die Rückkehr Deutschlands nach Genf, eine Frage, die erst erneut geprüft werden kann, wenn die Gründe fortgefallen find, die Deutschland seinerzeit zum Austritt aus dem Völkerbund bewogen haben. Der Umkreis der Fragen, die nun in Berlin zur Besprechung kommen werden, ist also sehr weit gezogen und es sei nur an die erneute britisch-französische Fühlungsnahme in Paris erinnert oder an die Quertreibereien Moskaus, um die außerordentlichen Belastungen zu erkennen, die abgesehen von den rein sachlichen Schwierigkeiten, die in der komplizierten Materie stecken, von der politischen Taktik her die Erörterungen erschweren. Aber Sir John Simon und seine Begleiter mögen überzeugt sein, daß sie in Berlin die sachliche Atmosphäre vorsinden werden, die erforderlich ist, um die Gesamtheit der zur Besprechung stehenden Fragen unvoreingenommen und mit dem ehrlichen Willen zur Verständigung zu prüfen. Aber ebenso gewiß wird Deutschland niemals seinen Anspruch auf gleiches Recht und gleiche Sicherheit preisgeben. Am Geburtstage der
nationalsozialistischen Bewegung hat der Führer noch einmal Deutschlands Standpunkt eindeutig klargestellt, als er sagte, daß das deutsche Volk einig in dem Bestreben nach Frieden und entschlossen in der Verteidigung der deutschen Freiheit , niemals die Unterschrift setzen werde unter ein | Dokument, das den freiwilligen Verzicht auf die Ehre und Gleichberechtigung Deutschlands bedeutet. Was Deutschland aber einmal unterzeichnet hat, das wird es auch blind und treu erfüllen.
So wissen die britischen Staatsmänner, wenn sie Ende der nächsten Woche nach Berlin kommen werden, woran sie sind. Deutschland und England haben einen langen Weg gegenseitiger Mißverständnisse, Enttäuschungen und Schwankungen hinter sich. Nur eine offene Aussprache, wie sie der Führer und Reichskanzler als Grundlinie nationalsozialistischer Außenpolitik von jeher und nach allen Seiten angestrebt hat, wird neue Irr- und Umwege verhindern und stattdessen eine Verständigung oorbereiten, die den wahren Frieden Europas begründen soll. Möge die erhebende Befreiungsstunde, die wir gestern gemeinsam mit dem Saarvolk feiern durften, ein Licht sein auf dem Wege zu einem ehrlichen Ausgleich zwischen den beiden großen Völkern Europas Deutschland und Frankreich, die nach Jahrhunderten der Zwie- tracht ihre Rechnung miteinander abschließen wollen, um eine neue Seite friedlichen Wettbewerbs und kultureller Zusammenarbeit zu beginnen. „Es muß möglich sein, daß zwei große Völker sich die Hand reichen, um in gemeinsamer Arbeit den Nöten zu begegnen, die Europa zu begraben drohen!"^


