Ausgabe 
2.1.1935
 
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Nr.l Biettes Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Mittwoch, 2.)anuar (935

DerReichssportführer zum neuen Jahr

An der Schwelle zum neuen Jahre gelten unsere ersten Gedanken dem deutschen Vaterlande, seinem Volke und seinem Führer.

Dann wünschen wir, daß der Deutsche Reichsbund für Leibesübungen auf den Wegen, auf denen er im vergangenen Jahre in Marsch gesetzt wurde, weiter wirken möge als ein wesentlicher Teil der deutschen Volkserziehung. Wir danken allen, die als Führex oder in der Gefolgschaft ihr Bestes zur Er­reichung dieses Zieles gaben.

Wir wünschen endlich, daß die tätige Hilfe non Bewegung und Staat an unserer Arbeit uns auch im neuen Jahre erhalten bleibe, und wir versprechen, daß unsere Arbeit weiterhin dem Neubau eines Deutschen Reiches der Ehre, Größe und Freiheit gelten soll."

Reichsbund für Leibesübungen.

Gez.: von Tschammer und Osten.

Gaumannschasten

zum OZD -Hokattampf.

Rordhessens Elf gegen Berlin.

Der Gau Nordhessen hat für den am Sonntag in Fulda stattfindenden Pokalkampf gegen Branden­burg folgende Mannschaft aufgestellt:

Sonnrein (Hanau 93); Euchinger (Hanau 93), Lippert (Gießen 1900); Strasser, Maintz (beide Borussia Fulda), Engelhardt (Kassel 03); Markert (Kassel 03), Kammer! (Borussia Fulda), Wohlgemuth (FV. Wetzlar), Leugers (Borussia Fulda), Kleim (Kassel 03).

Ersatzleute sind: Wagener (Tura Kassel) und Röll (Borussia Fulda).

Reue Fußballtermine in Rordhessen.

Mit Rücksicht auf den am 6. Januar in Fulda stattfindenden Pokalkampf mußten die Pflichtspiele der an der Aufstellung der Gaumannschaft beteilig­ten Vereine abgesetzt werden. Die Spiele: Spielv. Kassel Hanau 93 und Borussia Fulda Kur­hessen Kassel wurden abgesetzt, die beiden übrigen Treffen blieben bestehen. Es spielen also am 6. Jan. in Nordhessen: Sport Kassel Germania Fulda und VfB. Friedberg Spvg. Langenselbold.

Eine Besprechung der Vereinsfüh­rer der Vereine des Deutschen Fußballbundes im Kreise Gießen findet am kommenden Sonntag im Cafe Ebel zu Gießen statt. Die Vereinsjugendführer sollen an der Versammlung ebenfalls teilnehmen.

Stuttgarter Kickers

Letzter im Fuhbattturnier zu Rom.

Das am Sonntag begonnene internationale Neu­jahrsfußballturnier in Rom, an dem deutscherseits die Stuttgarter Kickers teilnahmen, wurde am Neu­jahrstag beendet. Im Endspiel um den ersten und zweiten Platz standen sich AS. Roma und Genua 93 gegenüber. Genua hatte im zweiten Vorspiel am Silvestertag den FC. Bern 3:2 geschlagen. AS. Ro­ma gewann ten entscheidenden Kampf knapp mit 2:1. Im Endspiel um den dritten und vierten Platz wurden die Schwaben von dem FC. Bern mit 5:1 besiegt, so daß sie sich mit dem letzten Platze be­gnügen müssen.

Zachamt für Handball/ Kreis VIII.

Sturm. Der Spielverlauf war stets wechselvoll und ließ auf beiden Seiten schon vor dem Wechsel 13 Tore zustande kommen, bei denen dann die Gäste mit einem Tor die Führung inne hatten. Nach der Pause zeigt sich das gleiche Bild. Die Gäste waren stets etwas schneller am Ball und konnten schließlich auch mit dem knappen Resultat von 13:11 die beiden Punkte entführen.

An der Schwelle des alten Jahres wünsche ich allen hessischen Turnern und Sportlern ein erfolg­reiches und gesundes neues Jahr.

Das Jahr 1934 stand unter dem Zeichen einer einigenden Turn- und Sportbewegung.

Am 30. Januar, dem Tage der nationalsozialisti­schen Machtergreifung, verkündete der Reichssport­führer den neuen Reichsbund für Leibesübungen, der alle Turner und Sportler unter sich vereinigte und damit dem bisherigen Streit zwischen diesen beiden Richtungen ein Ende bereitete. In Darm­stadt wurde die Einigung dadurch in die Tat umge­setzt, daß sich der größte Darmstädter Turnverein mit dem größten Darmstädter Sportverein zu einer Darmstädter Turn- und Sportgemeinde vereinigte. Diese Vereinigung gab der alsdann beginnenden Zusammenarbeit aller Turn- und Sportvereine unter dem neuzeitlichen BegriffDeutsche Leibes­übungen" die Grundlage für die weitere Arbeit.

Die Leibesübung hat im Jahre 1934 ganz beson­ders in Darmstadt einen ungeahnten Aufschwung genommen. Weit über Hessen hinaus ist diese eini­gende Tätigkeit anerkannt worden, und auch im Jahre 1935 werden wir in gleichem Sinne schaffen und wirken.

AllcrwLfs stellt man fest, daß ein gesunder Wille zum Zusammenschluß zwischen Turnern und Sportlern und dies ganz besonders auf dem flachen Lande vorhanden ist. Weist fehlt es nur an einer örtlich führenden Persön­lichkeit zu solchen Bewegungen. Wir werden alles daran sehen, um diese gesunde Entwick­lungslinie nicht verflachen zu lassen und über­all da, wo derartige volksverbindliche Regun­gen unter den Turnern und Sportlern sich zeigen, dieselben praktisch werden zu lassen.

Ich möchte das alte Jahr nicht scheiden lassen, ohne all denjenigen zu danken, die sich in den letz­ten zwölf Monaten uneigennützig in den Dienst der Sache stellten. Ich erwarte, daß auch in Zukunft sämtliche hessischen Turner und Sportler dem Rufe des Reichssportsührers Folge leisten und tatkräftig Mitarbeiten.

Unser Ziel steht f e st. Das kommende Jahr muß uns in Erreichung desselben einen ge­waltigen Schritt vorwärts bringen. Turner und Sportler wollen beide dasselbe, sie wollen ihrem Volk und ihrem Vaterland dienen und gehören da-

Tv. Lollar logg. Ruttershausen 10:1 (4:1).

Eine Ueberraschung brachte dieses Spiel in Lollar. Die Gäste leisteten sich den Scherz, mit nur zehn Spielern anzutreten und verloren kurz nach der Pause einen weiteren durch Platzverweis, so daß die Mannschaft nur noch neun Mann im Feld hatte. Lollar vollbrachte wieder eine sehr gute Leistung und hatte bereits bis zur Pause eine klare Führung herausgeholt. Die Elf diktierte auch in der zweiten Hälfte überlegen die Geschehnisse auf dem Spiel­feld und holte einen zweistelligen Siea heraus. Die Gäste zeigten bei weitem nicht die Leistungen der letzten Spiele und spielten lustlos.

her zusammen. Wo wie hier gleichgerichtete Arten bestehen, wäre es eine dem natürlichen Empfinden und dem ungeschriebenen Gesetz der Moral wider­sprechende Handlung, wollte man einen Trennungs­strich zwischen den Turn- und Sportverbänden noch länger aufrechterhalten.

Wenn das gesamte deutsche Volk sich einig fühlt unter seinem Führer, so muß diese Be­gebenheit für die Turn- und Sportbewegung ganz besonders maßgebend bleiben.

Bei dem Uebertritt in das neue Jahr werden da­her all diejenigen, die noch immer glauben, bei ihren alten Begriffen und Einstellungen verharren zu müssen, noch einmal ermahnt, sich entweder von der Notwendigkeit der hier einzuschlagenden Rich­tung im Interesse des Volkes und des Vaterlandes zu überzeugen, oder wenn dies durch innerliche Hemmungen oder Bindungen nicht möglich ist, sich der neuen Richtung nicht mehr länger kritisierend in den Weg stellen zu wollen, was alsdann allein nur noch als echte Turner- und Sportlerdisziplin gewertet werden kann.

Wenn die deutsche Turn- und Sportbewegung in ihren Reihen derartig geläutert und inner­lich überzeugt in das Jahr 1935 hinüberwech­selt, dann wird der Weg zur Erreichung der vorgenannten Ziele noch freier und leichter sein. Erst dann wird sich der Boden zu einer gemeinschaftlichen echten deutschen Kamerad­schaft entwickeln können, und damit wird die deutsche Leibesübung zu einem wichtigen Fak­tor für die Gesunderhaltung von Volk und Familie und für den Reuaufbau der deutschen

Ration und unseres Vaterlandes.

In diesen unseren Einigungsbestrebungen arbei­ten die hessischen Turner und Sportler im Sinne des Reichssportführers und erfüllen damit den Willen unseres Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler.

Mit scheidendem, aber auch dankbarem Blick auf das Jahr 1934 grüßen die hessischen Turner und Sportler in einiger Kameradschaft hoffnungsfreudig das Jahr 1935.

Darmstadt, den 31. Dezember 1934.

Löwer,

Leiter des staatlichen Turn- und Sportamts.

An die Turner und Sportler des Landesgebiets Hessen.

Neujahrskundgebung des Leiters des staatlichen Turn- und Sportamtes.

Nachdruck oerboten!

28 Fonletzung.

artiges in meinem Sanatorium zugetragen hat." Inspektor Bruce legte die Hand auf den Arm des verzweifelten Professors.

Es wird nichts in die Öffentlichkeit kommen, das verspreche ich Ihnen. Wir haben ja noch an den Ruf anderer Menschen zu denken, nämlich an den Professor Borglohs und dieser unglückseligen Eva van Koster. Es ist am besten, wenn über diese ganze Geschichte Gras wächst."

Professor Gershwin atmete erlöst auf.

Ich danke Ihnen, Inspektor Bruce! Sie nehmen mir eine Last von der Seele. Und nun, meine Her­ren, wünschen Sie, daß ich Mistreß van Koster auf Ihren Besuch vorbereite? Wir müssen behutsam sein. Das junge Mädchen ist in der Tat durch alle die furchtbaren Erlebnisse seelisch so empfindlich geworden, daß ich bei einer so plötzlichen Freude für sie fürchte."

Nun", meinte Mac Lean,so plötzlich wird die Freude nicht sein. Sie wartet nämlich schon seit einigen Tagen darauf, daß ich sie hole."

Professor Gershwin sah ihn verständnislos an.

Sie wartet darauf? Ja, haben Sie denn mit ihr gesprochen?" . v

Das habe ich, Professor. Und nun wird Ihnen auch klar sein, warum ich die Rolle eines Verrück­ten in Ihrem Arbeitszimmer spielte. Ich sah näm­lich die Krankengeschichte auf Ihrem Schreibtisch und wollte Namen und Zimmer Eva van Kosters ermitteln."

Aber dazu hätten Sie doch einen einfacheren Weg wählen können. Sie hätten doch einfach als Mister Mac Lean sich bei mir melden und mir den Fall so vortragen können, wie Sie ihn jetzt erklärt haben. Wozu diese Umwege, Mister Mac Lean?"

Weil ich allen Grund hatte anzunehmen, daß man meinen Befreiungsversuchen auf der Spur mar. Bald nachdem Mister Borgloh mich in die Sache eingeweiht hatte, hat man einen Mordan­schlag auf mich gemacht, dem ich aber glücklich entging. Durch Zufall erfuhr ich dann, daß Eva van Koster irgendwo in der Umgebung von Lo- minghton stecken müßte. Als ich sie endlich in -olacf Castle zu finden hoffte, war sie bereits von dort fortgebracht, offenbar zu Ihnen, Herr Professor. Die Verbrecher, die ja Eva van Koster in Händen hatten, verfügten offenbar über einen sehrgut organisierten Nachrichtendienst. Ich mußte befurch­

ten, daß man mir auch hier bei Ihnen zuvorkom­men würde. Wenn die Leute, die Eva van Koster hierhergebracht hatten, zum Beispiel bei Ihnen er­schienen wären und erklärt hätten, daß sie die Kranke mit sich nehmen wollten was hätten Sie dann getan, Herr Professor?"

Professor Gershwin zuckte die Achseln.

Dann hätte ich allerdings diesem Verlangen stattgeben müssen, Mister Mac Lean. Ich habe nicht das Recht, ungefährliche Kranke gegen den Willen ihrer Angehörigen in der Anstalt festzuhalten."

Und weil ich das genau gewußt, habe ich diesen etwas grotesken Weg gewählt, um zunächst einmal mit Eva van Koster in Verbindung zu kommen. Und nun, Herr Professor, wenn Sie erlauben, möchte ich mit Miß Eva sprechen."

Der Professor erhob sich.

Wenn Sie hier warten wollen, Herr Inspektor Bruce, dann bringe ich Mister Mac Lean selber herüber."

Mac Lean lachte.

Dafür wäre ich Ihnen auch sehr dankbar, Herr Professor. Man kann nicht wissen, ob nicht irgend­eine der Nachtwachen mich als Baronet of Chami- nabe erkennen und mich einsperren würde. Und wenn ich meinem Freund, dem Wärter, begegnen würde nur, auf eine Tracht Prügel könnte ich mich vermutlich gefaßt machen."

Das Zimmer Eva van Kosters war ein behag­licher Raum, der in seiner Einrichtung mehr einem eleganten Hotelzimmer ähnelte als der Zelle einer Irrenanstalt. Weiße, eingebaute Schränke waren an den Wänden. Ein paar Möbelstücke von schönen Formen zierten das Zimmer. Nur wer mit den Gepflogenheiten einer Irrenanstalt vertraut war, erkannte, daß alle diese Möbel und Geräte etwas Besonderes hatten. Die Möbel selbst waren fest in den Fußboden eingeschraubt. Die Schränke zeigten keine Klinken, sondern hatten grifflose Schiebe­türen. Auch waren alle Möbel abgerundet, so daß nirgends eine Ecke oder Kante war, an der sich jemand verletzen konnte.

Der Hahn der Waschtoilette war ein runder Knopf, dicht an der Wand angeschlossen; der Spiegel darüber durch Draht vergittert. Die Lampe befand sich hoch an der Decke, jedem Zugriff un­erreichbar. Die Fenster waren vergittert.

Schiedsrichteransehungen für den 6. Januar 1935.

Lollar Lauusbach (Seyb, Gießen); Erda Dutenhofen (Weller, Atzbach); Holzheim I Heu­chelheim! (Ploch,. Gießen); Holzheim II Heuchel­heim II (Ploch, Gießen) Alb ach Lang - Göns (Kraufch, Gießen), Münchholzhausen II Lützellin­den li (Bender, Bergwerk); Krofdorf Atzbach (Becker, Gießen); Dornholzhausen Hochelheim (Zörb, Großen-Linden); Spv. 05 Wetzlar Hörns­heim (Jakobi, Dornholzhausen).

Handball im Lahn-Dillkreis (Gau XII)

Kreisklasse I:

Tv. Krofdorf Tv. Hörnsheim 11:13 (6:7).

Ein recht torreiches Treffen! Die Gegner wiesen schwache Abwehren auf und einen schußkräftigen

Im Jahre 1935 wird Gießen im Mittelpunkt des turnsportlichen Geschehens im neuen Turngau Nord- Hessen stehen. Mit Hochdruck werden schon in Kürze die Arbeiten für das große Gaufest ausgenommen werden, das bekanntlich vom 2. bis 4. August in unserer Stadt zur Durchführung kommt. Die Tur­nerschaft ist der Träger des großen Festes.

Heute geben wir eine Rückschau auf die turne­rische Arbeit des Gaues im abgelaufenen Jahr.

Bei der Neueinteilung von Turnen und Sport entstand im Herbst 1933 als einer der 16 deutschen Turn- und Sportgaue der Gau XII Nordhessen. Er umfaßt in feinem Nordbezirk (Kassel) hauptsächlich

Aber selbstverständlich. Die Patientin wurde mir vor einiger Zeit als geisteskrank eingeliefert. Als sie ankam, mußte ich diese Diagnose nur be­stätigen. Sie tobte, schrie, behauptete, gefangen ge­halten worden zu fein. Sie beteuerte, sie wäre nicht Lolotte Dawis. Dabei waren sämtliche Papiere in Ordnung. Die Kranke war offensichtlich geistesge­stört. Ich nahm sie in meine Anstalt und kann schon über einen sehr schönen Erfolg berichten. Die Tob­suchtsanfälle haben sich vollkommen gelegt. Sie ist anft und ruhig. Die Aufgeregtheit hat einer stum­men Melancholie Platz gemacht, die aber meiner festen Überzeugung nach schon eine Etappe zur Gesundung darstellt."

Und was würden Sie sagen, Herr Professor, wenn ich Ihnen erzähle, daß diese Lolotte Dawis nicht geistesgestört ist? Daß st- tm Gegenteil voll­kommen klar ist und recht hat m,t ihrer Behaup- tung, nicht Colotte Dawis zu fein.

Der Professor wurde bleich.

Aber wer ist sie denn dann?

Sie ist Eva van Koster."

Eva van Koster, die Tochter des berühmten Gelehrten, der vor ein paar Jahren gestorben ist. Um Gottes willen! Wer hatte em Interesse daran, sie hier bei mir einzuliefern? _ . «

Eine Verbrecherbande, die statt der richtigen Eva van Koster eine falsche Eva lN den Vorder­grund schob und sie mit Professor Borgloh dem langjährigen Assistenten Professor van Kosters, ver­heiratete."

In kurzen Worten schilderte Mac Lean die Dinge, die sich nach dem Tode van Kosters zugetragen, wie er sie von Friedrich Borgloh gehört.

Professor Gershwin war vollständig fassungslos Entsetzlich! Entsetzlich!" sagte er em über das andere Mal.Und ich, der ich in gutem Glauben gehandelt habe? Ich bin ruiniert, wenn die Sache herauskommt! Wenn bekannt wird, daß sich Der-

7 Jahre 1934.

Gebiete des ehemaligen Oberweser-Kreises der DT., während der Südbezirk (Gießen) vorher ein Glied des Mittelrheinkreises der DT. war. In der neuen turnerischen Einheit sind schöne Erfolge nicht aus­geblieben.

Der Gau XII hat feinen Kern in den alten chat- tischen (hessischen) Stammlanden, in denen in Sitte, Brauch und Tracht urwüchsisches germanisches Volkstum noch unverfälscht erhalten geblieben ist. Es ist daher begreiflich, daß gerade hier im Heffen- lanbc die Gedanken Jahnfchen Turnertums Wurzel gefaßt hatten. Auf demTrieb" in Gießen ent­stand 1818 der erste größere Turnplatz in Hessen

M MW im 6oo.

Vornan von ORamer Zewen

Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.)

Auf dem weißen Bett lag ein junges Mädchen. Sie lag ganz still aber sie schlief nicht. Die großen Augen in dem abgemagerten Gesichtchen hatten einen Ausdruck von rührender Trauer und Ergebung. Die schmalen weißen Hände waren hilf­los und zart wie Kinderhände. Sie lagen gefaltet auf der weißen Decke. Jetzt plötzlich richtete sich die junge Mädchengeftalt auf. Das Mondlicht fiel durchs. Fenster auf ihr Gesicht. Ein Lauschen kam in die abgehärmten Züge. Wirklich, da draußen vernahm sie Schritte, hielten vor ihrer Tür. Es klopfte.

Herein!" rief sie mit versagender Stimme. Angst lähmte den 'Ton in der Kehle. Wer würde kom­men? Würde es der Unbekannte fein? Würde es der Mann sein, der vor ein paar Tagen plötzlich zu ihr gekommen, der ihr einen ersten Schein von Hoffnung gebracht? Oder würden es vielleicht ihre Quälgeister fein, die sie fortgeschleppt? Erst in dieses einsame Turmgebäude, dessen Namen sie nicht kannte dann hierher. Tränen standen in ihren Augen. Aber nun? Ein Lächeln öffnete ihren Mund in der Tür stand der gütige Mann von neulich mit den ernsten, grauen Augen.

Miß Eva!" sagte Mac Lean leise.Schlafen Sie?"

Das Mädchen schüttelte heftig den Kopf. Aber sie konnte nicht sprechen sie bebte vor Erregung. Nun kam Mac Lean herein, zog sich einen Stuhl heran, setzte sich ans Bett. Er nahm die angstvoll zitternden Hände in die seinen:

Miß Eva", sagte er leise und zart,Sie müs­sen nun ganz ruhig sein. Hören Sie es ist alles gut."

Darf ich hier fort? Wird man mir glauben, daß ich nicht Lolotte Dawis bin, sondern Eva van Koster?"

Alles wird man Ihnen glauben, Miß Eva. Und Sie dürfen jeden Augenblick fort, sowie Sie sich kräftig genug dazu fühlen."

Ich bin kräftig", sagte Eva. Aber ihr schnee­weißes Gesicht sprach etwas anderes.

Da drückte Mac Lean das zitternde junge Men­schenkind behutsam in die Kissen zurück.

Miß Eva, haben Sie Vertrauen zu mir? Sie nickte nur. Ihre Augen strahlten auf.

(Fortsetzung folgt!)

und im gleichen Jahre sah die alte Turnerstadt auch ihr erstes Turnfest. Von Gießen und vielen anderen Turnerstädten aus eroberte das Turnwesen das flache Land.

Wenn der neue Gau Rordheffen mit feinen dünnbevölkerten Gebirgslandschaften (Taunus, Westerwald, Vogelsberg, knüll, Rhön, Waldeck) bei feiner ersten Bestandserhebung in 12 Xurnfreifen und 827 Vereinsorten insgesamt 861 Turnvereine mit 71 245 Mitgliedern auf­weisen konnte, so sind das für einen rein länd­lichen Gau Zahlen, die über dem Durchschnitt liegen.

Wenn in der Spitze der Gauführung auch ein Wechsel eingetreten ist, so stand das gleiche Ziel doch immer klar vor Augen: den Leibesübungen in Deutschland den politischen Sinn zu geben und alle Turner nationalsozialistisch auszurichten. Mit dem Gaubeauftragten des Reichssportführers und den Bezirks- und Kreisbeauftragten, wie auch mit den Parteidienftftellen arbeitete die turnerische Füh­rung in bestem Einvernehmen.

Gauoberturnwart Rudolf Paul (Gießen) brachte aus seiner langjährigen Amtszeit im ehemaligen Gau Hessen die nötige Erfahrung und Sachkenntnis mit und paarte sie mit Schaffensfreude und Tat- willen. Damit waren die Voraussetzungen gegeben für einen erfolgreichen Aufbau und Ausbau der neuen turnerischen Einheit. Das turnerische Leben wurde auf eine gesunde Grundlage gestellt und das fand am .25. Nebelmond 1934 beim zweiten Gau­turntage in Fulda auch die besondere Anerkennung des Gaubeauftragten. Leider trat in der Führung des Gaues und der Kreise manche Veränderung ein. a

Dem Aufbau und Ausbau galt eine umfassende Lehrgangsarbeit. 89 Gauangehörige erhiel­ten in 14tägigen Lehrgängen an der Deutschen Turnschule in Berlin eine gründliche Schulung. Im Gau und in den Kreisen führten der Gauoberturn­wart und seine rührigen Mitarbeiter für alle Fach­gebiete Wochenendlehrgänge durch. Bewußt wurde bei der Lehrarbeit zunächst das Frauenturnen in den Vordergrund gestellt. Die Schulunasarbeit im Gau und in den Kreisen trug ihre ersten Früchte, als die Turnkreise oder Unterkreise im Mittsommer ihre ersten Kreisturnfeste durchführten. Die großen Kreistreffen, durchweg von ausgezeichneter Witte­rung begünstigt, waren Volksfeste im besten Sinne des Wortes. Zu großen turnerischen Heerschauen wurden die beiden Bezirksturnfeste des Bezirks 1 (Kassel) in Bebra und des Bezirks 2 (Gießen) in der alten Turnerstadt Friedberg. Bei jedem der Feste waren über 1000 Turner und Turnerinnen zu den Wettkämpfen angetreten.

An größeren Gauveranftaltungen sind zu erwähnen: die Sommerspielmeisterschaften in Kassel, bei denen T v. 18 4 6 Gießen, M t v. Gießen und Tv. Bad Wildungen die Gaumeister stellten; das Gauschwimmfest in Nidda, die Gau- fechtmeisterschaften in Kassel und das 27. Rhänturn- feft auf der Wasserkuppe, der höchsten Erhebung Nordhessens. Die Gebiete des Gaues, die früher zum Mittelrheinkreis gehörten, haben selbstverständ­lich auch dem Feldberg die Treue gehalten. Nord- hessische Turner und Turnerinnen waren an der volkstümlichen Gestaltung des 81. Feldbergfestes wesentlich beteiligt.

Die deutschen kampfspiele in Nürnberg gaben den Turnern des neuen Gaues erstmals Gelegen­heit, bei einer Großveranstaltung des neuen Reichsbundes für Leibesübungen in der gemein­samen Front aller Sportler die Kräfte zu messen. Rordhessen als vorwiegend ländlicher Gau war verhältnismäßig gut vertreten, und auch die Erfolge blieben nicht aus. Die nordhessischen Turner und Turnerinnen holten sich in Rürn- berg insgesamt 24 Siege.

Bemerkenswert ist, daß auch die DT. eine ihrer größten Veranstaltungen im Gau Nordhessen durch­führte. Das DT.-Tennisturnier nahm in der Welt- babeftabt Bab-Nauheim einen glänzenben Verlauf. Der Gau ist stolz barauf, baß ihm im Gesamt­verlauf ber Saar-Treueftaffel ein ganz wesentliches Stück ber großen Wegstrecken übertragen war, und baß er bie ihm gestellte Aufgabe auf bie Minute pünktlich losen konnte. Die Hauptläufe 1, 2, 3 unb 10 gingen burch Norbhesfen.

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