Nr. 126 vierter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Samstag, 1. Zum 1955
Oie Schießausbildung im Reichsheer.
Ein Besuch auf dem Kasernenhof unserer Gießener Garnison.
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Fliegerbeschuß.
Ausbildung im
Kolbenhals umfassen und Abkrümmen werden geübt.
Einrichten der Gewehre.
Der Schießlehrer kontrolliert das Zielen durch den Zielkontrollspiegel.
Anschlag stehend freihändig.
Die Sckulschietzllbungen. die mit dem Gewehr granaten. hierbei wird der Soldat in der Hand- Stellung zwei bis drei solcher Equipen auszu- lckiosien werden sind teilweise andere geworden, habung dieser Masse geschult, das Gesuhl der Un- stellen, was pro Dimston einen Bestand von sunsziz ' früher Interessieren wird besonders die Alten, sicherheit wird ihm genommen dir sechzig Mann erfordern wurde.
Die Technik des Wurfes wird also der Sport in
Durch die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht ist das Reichsheer wieder zu dem geworden, was die Wehrmacht früher war, zum V o l k s h e e r; die enge Verbundenheit ist wieder hergestellt worden; jede Familie bekommt wieder ihren Soldaten, nimmt wieder Anteil an dem Soldatenleben. Bis jetzt sind aber die Kenntnisse über das Leben und den Dienstbetrieb unserer Wehrmacht in den weitesten Kreisen unseres Volkes nur sehr gering. Am schlimmsten ist es in dieser Hinsicht im Westen unseres Vaterlandes. Dieser Landstreifen, dessen Städten der Soldat vor und während des Weltkrieges das Gepräge gab, ist durch das Versailler Diktat entmilitarisiert worden. Bis zum Abzug der Besatzungstruppen kannte man dort den deutschen Reichswehrsoldaten nur vom Bilde her. Später konnte man dann und wann, wie in all den vielen
düng, an den Schießstand seiner Garnison; den Zielübungen auf dem Sandsack, Dreieckzielen, Umfassen des Kolbenhalses usw. gehörten auch damals zum täglichen Brot. Richt zu vergessen sind die von allen so sehr „geschätzten" Gewehrübungen.
Aus diesen kurzen Darlegungen ist zu ersehen, wie überaus reichhaltig das in der Schießausbildung zu bewältigende Stoffgebiet ist, daß nur durch eine ganz planmäßige Gestaltung des Dienstes bei der einjährigen Dienstzeit das gesteckte Ziel erreicht werden kann. (Vgl. Bilder!)
Meldehunde in der Schweizer Armee.
Das eidgenössische Militärdepartement ist vor kurzem mit der Durchführung eines Bundesratsbeschlusses beauftragt worden, wonach die Organisation eines Dien st es für Meldehunde in der Armee eingeleitet werden soll. Bekanntlich ist während der Mobilmachungszeit die Frage der Einführung von Sanitätshunden geprüft worden, wurde dann aber fallen gelassen, weil sie sich nicht bewährte. Die Verwendung von Hunden für den Meldedienst dagegen hat sich bei den Versuchen und auch in den kriegführenden Armeen durchaus bewährt. Es hat sich gezeigt, daß Hunde als zuverlässige Uebermittler von Meldungen verwendet werden konnten, wo alle übrigen Nachrichtenmittel versagten, so namentlich auch im stärksten Trommelfeuer und bei Gasangriffen. Es ist nun tn der Schweiz beabsichtigt, Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten des Auszuges, die sich freiwillig dazu melden, versuchsweise „K r i e g s h u n d e d i e n st" zu kommandieren. Damit verpflichten sie sich, einen Einführungskurs von der Dauer von vier Wochen in Savatan zu bestehen. Nachher wird ihnen ein abgerichteter Meldehund, der während einer bestimmten Zahl von Jahren grundsätzlich Eigentum der Eidgenossenschaft bleibt, nach Hause mitgegeben, wo sie ihn auf eigene Kosten halten und im Training bewahren müssen. Den Wiederholungskurs müssen
diese Leute ohnehin bestehen, so daß dort ihre Weiterbildung ohne vermehrte Kosten für den
Bund erfolgen kann. Es wird daran gedacht, vorläufig pro Infanterieregiment drei Equipen zu je zwei Mann und zwei Hunden und pro Artillerie
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als früher. Interessieren wird besonders dle Alten,
Orten und Städten unseres Vaterlandes, die nicht Garnison sind, einmal einen Urlauber sehen. Damit wurde aber keineswegs die Brücke vom alten zum neuen Heere geschlagen. Immer mehr verblaßte das Bild deutschen Soldatentums; eine Tat- sache, die von den Vertretern pazifistischer Ideen freudig zur Kenntnis genommen wurde. Es ist zu verstehen, daß sich jetzt, nachdem das deutsche Volk sich wieder zu dem bekannt hat, was es von jeher gewesen ist, zum Volk, das in der Wehrhaftigkeit und Wehrfähigkeit das Ideal des Mannes, in der Wehrpflicht die edelste und ehrenvoll st e Pflichterkennt, das Bestreben geltend macht, sein Wissen über das Leben der Wehrmacht, über einzelne Ausbildungszweige usw. zu bereichern und zu ergänzen. Die alten Soldaten wollen Vergleiche ziehen zwischen einst und jetzt, wollen Erinnerungen ausfrischen. Der junge Mann dagegen, dem in absehbarer Zeit bevorsteht, zum Ehrendien st für Volk und Vaterland herangezogen zu werden, möchte sich schon einstweilen einen Einblick in das Soldatenleben verschaffen. So wird der Soldat, wenn er auf Urlaub fährt oder mit jungen Männern in Vereinen usw zusammentrifft, mit Fragen verschiedenster Art bestürmt. Die Ausführungen an dieser Stelle und die Bilderreihen sollen eben- ‘ falls ergänzend wirken und den noch Fernstehenden, den Soldaten näher bringen
■ Es soll diesmal ein besonders wertvoller Dienst-! zweig in seinen Grundzüqen behandelt werden, die! Schießausbildung. Wie vor dem Kriege, fo. ist es auch heute der Stolz eines jeden Kompanie-! Chefs, eine gut schießende Kompanie zu haben, ebenso stolz ist aber auch heute noch jeder Soldat auf das Schießabzeichen, das ihn äußerlich als guten Schützen kennzeichnet. Die Schießausbildung steht auch beim Reichsheer im Vordergrund, ist aber vielgestaltiger geworden, als vor dem Kriege, da jeder'Infanterist neben dem Gewehr auch am 1. MG. (leichten Maschinengewehr) und mit der Pistole ausgebildet wird, beide Waffen ebenfalls fchießtechnich beherrschen muß. Es ist klar, daß man bei der heutigen Ausbildung die Erfahrungen des Weltkrieges in jeder Weise berücksichtigt. Die Ausbildung ' ist dadurch und durch die verschiedenen Waffen abwechselunqsreicher geworden. Nachdem der Vorgang in der Waffe beim Schuß, Gestalt der Flugbahn und Begriff „Zielen" dem jungen Sol-
g r a n a t e geübt werden, lernt er beim Sport, so den Dienst der Ausbildung gestellt. Dem Werfen scharfer Handgranaten auf dem Handgranatenwurfstand geht voraus das Werfen mit Uebungshand-
daten im Unterricht übermittelt sind, setzt die praktische Ausbildung im Zielen, in den verschiedenen Anschlagsarten und im Schulschießen ein. Die beigefügten Bilder werden in jedem alten Soldaten Erinnerungen wachrufen an seine eigene Ausbil-
daß auf 400 Meter Entfernung nicht mehr geschossen wird, daß als neue Hebungen dieSchnell- schußübungen hinzugekommen sind, die zur Bedingung haben, daß der Schuß z. B. innerhalb von 7 Sekunden abgegeben wird. Die Erfahrungen im Weltkrieg haben gezeigt, daß man nur bei Abgabe des Schusses sich dem Gegner zeigen darf, daß man dabei aber bestrebt sein muß, so schnell wie möglich den Gegner zu erledigen, wenn man nicht Gefahr laufen will, von einem noch schneller handelnden Feind erledigt zu werden.
Unteroffiziere und Mannschaften der Kompanie sind in drei Schießklassen eingeteilt: 2., 1. und Scharfschützenklasse. Sämtliche Rekruten schießen in der 2. Schießklasse, und zwar 6 Hebungen mit Gewehr, 7 Hebungen mit leichtem MG. und 2 Pistolenübungen. Einen Ansporn erhalten die Leute durch Preisschießen, Schießen von Sonderübungen und sportliche Schießübungen.
Besonderer Wert wird auf die verschiedenen Anschlagsarten und die Schußabgabe im Gelände gelegt. Den Abschluß dieser Ausbildung und der beendeten Geländeausbildung bilden das Schul- g e f e ch t s - und das Gefechtsschießen.
Wie früher, so werden auch heute wieder die besten Schützen unter den Hnteroffizieren und Mannschaften der einzelnen Schießklassen ausgezeichnet Die Schützenschnur ist verschwunden; an ihre Stelle sind Schieß - und Scharfschützenabzeichen getreten, bestehend aus einem Silberstreifen bzw. einem nach oben geöffneten Winkel, der auf dem linken Hnterärmel getragen wird. In jedem Jahr werden außerdem Ehrenpreise für gute Schießleistungen mit Gewehr und leichtem MG. an Offiziere und Hnteroffiziere verliehen.
Neben der Ausbildung mit den Schußwaffen muß der Soldat auch im Werfen der Hand-
(Aufnahmen: Photo-Pfaff, Gießen.
Zielübungen mit Pistole.
Dreieckszielen.
Sill .. -


