Ausgabe 
1.4.1935
 
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Nr. 7 7 Erstes Blatt 185. Jahrgang Montag, 1. April 1935

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England und der Ostpakt

London,

aus dem Zusammen-

über Frieden oder Krieg in den Händen eines so kleinen Landes wie England liege.

Die Befürchtung, daß Großbritannien auf Zu­reden Deutschlands in seiner Haltung gegenüber dem östlichen Sicherheitsvorschlag kühle r g e worden sei, habe in der Unterredung mit Stalin eine wichtige Rolle gespielt. Eden habe klargestellt, daß Großbritanniens Politik auf den ganzen Frieden, auf nichts als Frieden abziele und daß kein Grund für den Verdacht bestehe, hinter ieder Bedrohung der russischen Grenzen sei England zu suchen. Deshalb sei in der amtlichen Verlautbarung der Satz so bedeutungsvoll, in dem beide Länder ihre Achtung vor der Integrität und Wohlfahrtdes anderen" hervorheben. Der kommunistischen Propaganda sei keine Bedeutung beigemessen worden. Im Jahre 1935 er­scheine ein Krieg als eine größere Gefahr als eine Weltrevolution. Die Besuche in Berlin und Moskau hätten die entscheidenden Fragen über Zweifel hin­aus geklärt. Aber trotz dieser Klarheit können nur Optimisten wagen zu hoffen, daß die Lehren daraus praktisch ausgewertet wurden. Es ser üblich zu erklären, daß jetzt alles von Großbritan- nen abhänge, das heißt, daß Großbritannien der niemanden einen Zweifel daran lassen sollte, wel­chem Kurs es folgen werde, wenn der Frie­den mutwillig gebrochen würde. Ueberall fei man

Gestalt Bismarcks in den Episodenwinkel der deut­schen und europäischen Geschichte verweisen wollten, so wissen wir heute, daß sie lebendiger geworden sind, als in der äußerlich glänzenden Zeit der Reichsverdrossenheit" und einer auf demmißver­standenen Bismarck" agierenden Politik. Wie ihn der deutsche Stammtisch vor dem Kriege sah, und wie ihn das Ausland meist darstellte, so hat er freilich nie gelebt. Der Rohguß seines Werkes war mit den Schlacken der Zeit durchsetzt, und an seiner gewaltigen Erscheinung suchten sich Uebermut und Haß zu rechtfertigen. Wir, die Erben seines nativ- nalen Reiches, sehen in der neu gewonnenen Einheit des deutschen Volkes die reife Erfüllung seiner leidenschaftlichen deutschen Seele und in fer­ner eisernen Gestalt den weisen Schützer des euro­päischen Friedens gegen die Männer des seichten Herzens". _____

menet Verpflichtungen richten werden, der aus ihrer gemeinsamen Teilnahme an bet Völketbundsarbeit folgt. Im Lichte dieser Erwägun- . gen befestigte sich bei Eden sowie auch bei Stalin. Molotoff und Litwinow die Meinung, daß die freundschaftliche Zusammenarbeit beider Länder zur kollektiven Organisierung des Friedens und der Sicherheit und für die wei­tere Aktivierung der internationalen Beziehungen in dieser Richtung von erstrangiger Wich­tigkeit ist."

essen beider Regierungen in keiner einzigen Haupt- frage der internationalen Politik bestehen und daß diese Tatsache ein festes Fundament für die Entwicklung fruchtbringender Zu­sammenarbeit zwischen ihnen für die Sache des Friedens schafft. Sie sind überzeugt, daß beide Länder, in dem Bewußtsein, daß die Integrität und das Wohlergehen jedes einzelnen den Interessen des anderen entsprechen, sich bei ihren gegenseitigen Be­ziehungen nach jenem Geist der Zusammenarbeit und bet loyalen Erfüllung übernom-

tn weiser zeitgebundener Beschränkung seiner Poli­tik auf die saturierte" Stellung Deutschlands in Europa stets die Empfindlichkeit Englands bei aller notwendigen Entschiedenheit des Auftretens zu schonen gewußt und durch Vermeidung jeder hegemonialen Gebärde der natürlichen Neigung Englands in die Hand gearbeitet, sich von kontinen­talen Fragen möglichst fernzuhalten. Das schwere Problem, den Bau der deutschen Flotte und die Rivalität auf dem Weltmarkt mit diesem Grund- satz zu vereinen, den Ausgleich zwischen Eng­land und Deutschland auch unter veränderten Zelt­verhältnissen zu finden, mußte er nach den» unab­änderlichen Gesetz irdischen Lebenslaufs feinenNachfol- gern überlassen, die ihm nicht gewachsen waren.

Als Deutschland vor zwanzig Jahren den hum dertsten Geburtstag Bismarcks feierte, hatte sich s e i n e A n g st t r ä u m e e r f ü l l t: die europäische Koalition mit England stand gegen uns m Was-

Stalin habe auf die britischen Vertreter Eindruck gemacht, nicht nur wegen seines kla­ren Blickes für internationale Angelegenheiten, l'jnberti auch durch fein Verständnis für die Eigentümlichkeiten anderer Länder. Dies habe ihm ermöglicht, zu würdigen, warum Grvh- brltannien gegenwärtig nicht als aktiver und unmittelbarer Teil­nehmer an einem östlichen Sicher­heitssystem in Frage komme. Die Erklä­rung, daß die Organisation der östlichen Sicher­heit nicht auf die Isolierung oder Einkreisung irgendeines Staates abziele, werde in London begrüßt werden.

Der Satz des Kommuniques, in dem beide Länder anerkennen, daß die gegenseitige Unver­letzlichkeit für sie wichtig sei und daß sie dem Völkerbund treu bleiben, zeige einen

3m Laufe der letzten Tage fanden zwischen Eden und Litwinow Unterredungen über die haupt- achlichsten Momente der heutigen internationalen Lage statt, darunter über den vorgesehenen Ost- pakt, über die im englisch- französischen Kommunique vom 3. Februar bargelegten Fragen sowie über bie weitere Entwicklung unb Besserung ber englisch-sowjetrussischen Beziehungen. Während seines Aufenthaltes in Moskau würbe Eben von Stalin unb Mo- lotoff empfangen. Er hatte Gelegenheit, mit ihnen über bie gleichen Angelegenheiten in einen Meinungsaustausch einzutreten. Währenb ber Un- terrebungen, bie immer in einer Atmosphäre voller Freunbschaftlichkeit unb Offenheit ftattfanbcn, unter- richtete Eben Litwinow über bie kürzlichen Unterredungen zwischen den briti­schen Ministern unb bem beutschen Re­gierungsoberhaupt. Es würbe feftgeffellt bah biefe Unterrebungen zur Klärung ber euro- päischen Lage bei trugen. Sowohl Eben als auch Stalin, Molotoff und Litwinow waren der Meinung, daß es angesichts der heutigen inter­nationalen Lage mehr denn je notwendig fei, die Anstrengungen zur Schaffung eines Systems der kollektiven Sicherheit in Europa fortzufehen, wie dies im englisch-französischen Kommunique vom 3. Februar vorgesehen sei und in Uebereinftimmung mit den Grundsätzen des Völkerbundes stehe. 3n der Unterredung mit Eden betonte Stalin, Molotoff und Litwinow, daß bie Organisierung bet Sicherheit in O st - europa unb ber vorgesehene Pakt zur ge­genseitigen Unter st ühung nicht bie Isolierung ober Einkreisung irgenb- eines Staates bezwecke, fonbern die Schaf­fung der Garantie gleicher Sicherheit für alle Paktteilnehmer, und daß die Teilnahme Deutschlands und. Polens an bem Pakt alsbefteCöfungber Frage b e - grüßt würbe.

Als Ergebnis bes erfchöpfenben, aufrichtigen Meinungsaustausches ber Vertreter ber beiben Re­gierungen würbe festgesiellt, baß gegenwärtig keinerlei Wiberfprüche bezüglich ber Inter-

Oie englische Fühlungnahme in Moskau abgeschlossen Die Organisierung ber Sicherheit in Osteuropa bezweckt keine Isolierung ober Einkreisung irgend eines Staates."

fen um sein Werk zu zerstören und Europa wieder so zu gestalten, wie es war, ehe er ihm das Reich als unentbehrlichen mittragenden Pfeiler einfügte. Wie viele von uns die Riffe unterschätzten, bie der vernachlässigte und unsolid überhöhte Bau Bis­marcks aufwies, so unterschätzten die Gegner die Festigkeit und Beständigkeit seines Fundaments, das unverlierbare Wissen um die Notwendigkeit der deutschen Einheit und die unverzehrbare Wehrkraft des beutschen Soldaten. Däs Bismarcksche Reich, so wie er es schaffen mußte, mit seinem Kaiser und seinen Bundesfürsten, mit allen seinen Nöten und Rücksichten, die er oft grimmig empfand, ist als Zeitwert untergegangen, aber was er über allem Zeitqebundenen mit geschichtlicher Geltung schaffen wollte, das einige Deutsche Reich und die einige deutsche Nation sind geblieben. Wenn in den trüben Jähren nach dem Zusammenbruch deutscher Kleinmut und fremder Triumph das Werk und die

deutlichen Fortschritt in der Entwicklung der Beziehungen zwischen dem bolschewistischen Rußland und dem kapitalistischen England. Im gleichen Geiste würden wohl wirtschaftliche Fragen von beiden Regierungen geprüft werden, und Eden sei in der Lage, dem Kabinett Anregun­gen zu unterbreiten, die sich auf weitere rusfi-' sche Bestellungen in Großbritannien b ei Ge.währung neuer Kredite bezögen. Der Hauptwert des Besuches liege aber in der Beseiti­gung des Mißtrauens und der Herstellung einer neuen Atmosphäre der Freundschaft und Freimütigkeit.

Daily Herald" überschreibt seinen Bericht:Die Rivalität zwischen England und Sowjetrußland ist zu Ende". Seit Jahren sei jedes Außenministerium von der Annahme ausgegangen, daß England und die Sowjetunion notwendigerweise Feinde seien. Jetzt seien infolge der Besprechungen Edens^ mit Stalin und Litwinow beide Seiten nicht nur über­zeugt, daß ein Konflikt nicht notwendig sei, sondern sie seien geradezu erstaunt, zu finden, wie nahe sie einander in ihren Ansichten von den Weltproblemen ständen.

Litwinows Ausspruch von berUnteilbar- feit bes Friedens" fei von jetzt ab ber hauptgrunbjah ber europäischen Politik. Die Englänber unb bie Sowjetrussen seien sich einig darüber, baß jebe Art Einkreisung unerwünscht sei, baß Deutschlanbs Teil­nahme wichtig sei unb baß Deutschlanb durch­aus fair bei voller Anerkennung seiner Gleich­berechtigung behanbelt werben müsse. Zugleich könne aber Deutschlanb nicht burch bie Ver­weigerung feiner Teilnahme bie Errichtung eines Sicherheitssystems verhindern.

Das Echo in London.

London, 1. April. (DNB.-Funkspruch.) Zu dem amtlichen Kommunique berichtetDaily Telegraph" aus Moskau, der dringende Wunsch der Sowjet- regierung, dem Kommunique einen Wortlaut zu geben, der zum Ausdruck bringen sollte, «daß Groß­britannien eine Haltung unzweideutigen Wohlwollens gegenüber einem östlichen Sicher­heitssystem einnehme, das ohne Deutschland abgeschlossen werde, aber jederzeit dessen Beitritt ermögliche, habe am Sonntagabend zu weiteren Beratungen geführt. Eden habe sich genötigt gesehen, nachdrücklich darauf hinzuweisen, daß er nicht in der Lage sei, vor Beendigung seiner Reise ein Versprechen über die Haltung feiner Regierung abHUgeben.

Tage vor Erreichung seines 75. Lebensjahres,' ent­lassen wurde, sah das politische Europa, durch seine Hände neu geformt, so aus: die deutsche Einheit war gegen den Willen Napoleons III., desSchiedsrichters Europas", vollzogen, die Dynastie, deren Name und Tradition die nationale Selbständigkeit der Völker bedrohte, zum zweiten Male und für immer beseitigt. Das Habsburgi­sche Kaiserreich, dessen deutscher Kern in der kleindeutschen Lösung der deutschen Frage unter Führung Preußens geopfert werden mußte, war durch ein Bündnis an das Reich angeschlos­sen, das nach dem Willen Bismarcks weniger ein diplcvnatischer Vertrag sein sollte, als ein Ersatz für die geschichtliche Notwendigkeit, aus dem neuen deutschen Nationalstaat die stammesfremden Kron­länder und Provinzen Oesterreichs auszuscheiden. Dieser Mitteleuropäische Block war durch Einbe­ziehung des neuen Königreichs Italien in das Bündnis nach dem Süden verlängert mit dem Zweck, das romanische Land aus dem Kraftfeld eines erstarkenden Frankreichs zu, ziehen. Ein gehei­mer Bündnisvertrag mit Rußland schützte das Reich vor demCauchemar des Coali= tions", dem Gespenst eines Zweifrontenkrieges, ver­hinderte den Ausbruch gefährlicher Rivalität zwi- chen dem Zarenreich und Habsburg in der slawi­schen Sphäre des Ostens und des Balkans und sollte das Gewicht konservativ-monarchischer Staats­führung in Europa gegen die fortwirkende Anzie­hungskraft der französischen Revolution auf die Döker verstärken. Ohne unmoderne Romantik war in der Reichsverfassung mit einem aufs höchste ausgeprägten Wirklichkeitssinn die Erhal­tung der autoritären Grundlagen des preußischen Staates vereinigt mit der dynastischen Gliederung des Reiches und der notwendigen Vertretung und Mitwirkung des neuen Reichsvolkes. Das Ganze war ein Bau und System, das na^1, ®uDen£ ge­nügender Stärke und Sicherung Achtung forderte, ohne Furcht vor Gewalt zu erregen, und das im Innern die schwierige Erbschaft der deutschen Ge. schichte, Vielheit der Stämme und Dynastien und die damit verbundene Abneigung gegen die Füh­rung durch einen Staat, einer vorzeitigen Ver­schleuderung entzog und sie sür den künftigen ge­schichtlichen Einschmelzungsprozeß aufbewahrte.

Das letzte Jahrzehnt seiner Amtsführung gehörte fast ausfchließlichlich der E r h a l t u n g und Festi­gung der Gestalt, die er Deutschland und Europa gegeben hatte; seine letzten Lebensjahre waren er­füllt von bangen Sorgen um den Bestand seines Werkes, und an seinem Ende steht jene gewaltige Vision des Zusammenbruchs die mehr als aues andere zeigt, daß das deutsche Schicksal in ihm eme geheimnisvolle irdische Verkörperung erfahren hatte Den diplomatischen Einbruch in sein kunstvolles kontinentales System durch dieZ e r r e i ß u n g des Drahtes mit Rußland konnte er noch leidenschaftlich bekämpfen, wie er die Gefahren einer vorwiegend von Impuls und Gefühl geleiteten Po­litik für die Autorität der Krone und für die na­tionale Dsiziplin früher als alle erkannte. Den letz­ten und am meisten entscheidenden Grund der Kata­strophe, den Z u s a m m e n st o ß mit England, hat er, nahe dem Grabe stehend, wohl geahnt, ms er im Hafen von Hamburg, wo die Schiffe des iun- gen industriellen und seefahrenden Deutschlands sich drängten, mit dem Blick über die Nordsee sagte: das^ ist frellich eine neue andere Zeit . Er hatte

mit allerlei Intimitäten v .

treffen Edens mit Stalin aufzuwarten, die nicht ohne Interesse sind. So soll Stalin an Eden die Frage gerichtet haben, ob er die Kriegsgefahr heute für größer oder geringer halte als im Jahre 1914. Eden habe geantwortet, seiner Ansicht sei sie weniger groß. Stalin habe sich zur gegenteiligen Auffassung bekannt. Stalin erklärte, es habe 1914 nur eine Nation gegeben, deren Ausdehnungsbe­strebungen die Kriegsgefahr heraufbeschworen, wäh­rend es 1935 zwei Nationen gebe: Deutschland und Japan. Der Korrespondent fügt hinzu: Stalin sei aber nicht weitschweifig auf die deutsche Gefahr eingegangen, sondern habe im Gegenteil Achtung vor dem deutschen Volke und seinen Eigenschaften. Er habe die Ueberzeugung ausgedrückt, daß ein Versuch, eine Nation in der Mitte Europas niederzuhalten oder zu isolieren, vergeblich bleiben würde. Deswegen befinde sich Deutschland heute in einer gefährlichen Geistesverfassung und Vorsichts­maßnahmen seien für den Frieden Europas wichtig. Stalin habe mit einem Blick auf eine Landkarte Europas und Asiens gesagt, sonderbar sei der Gedanke, daß die Entscheidung

Edens Abreise nach Warschau.

Der amtliche Bericht über die Moskauer Besprechung.

Moskau, 31. März. (DNB.) Zu Ehren des Lordsiegelbewahrers Eden gab der englische Bot- chafter am Sonntag einen Empfang, an dem Außenkommissar Litwi»now, Außenhandelskom­missar R o s e n g o l z, Kriegskommissar W o ro­ch i l o w , der Volkskommissar für Bildung Bub­now und der Ehef des Generalstabes Jegorow teilnahmen. Außenkommissar Litwinow hatte am Samstag zu Ehren des Lordsiegelbewahrers Eden ein Frühstück gegeben, bei dem auch Stalin und Molotow zugegen waren. Am Sonntag­mittag besuchte Eden in Begleitung des englischen Militärattaches die Flugzeugwerke Gor­bunow, die Bomben- und Jagdflugzeuge für die Rote Armee Herstellen, außerdem unternahm er eine Besichtigungsfahrt auf der Moskauer Unter­grundbahn und stattete am Sonntagabend mit sei­nen Begleitern dem Außenkommissariat noch einmal einen Besuch ab .Es fand nochmals eine Besprechung statt. Dor seiner Abreise nach Warschau besuchte Eden mit seinen Begleitern die Vorstellung im Großen Theater. Zur Aufführung gelangte die tanzpantomimische Bearbeitung des satirischen LustspielsDie drei Dicken". In der Loge Edens sah man außer dem englischen auch den französischen, den italienischen und den t ü r k i s ch e n B o t- schafter sowie den tschechoslowakischen Gesandten. Unmittelbar nach Schluß der Vor­stellung begab sich Eden zum Bahnhof, um nach Warschau weiterzureisen, lieber die Besprechungen Edens während seines Aufenthaltes in Moskau wurde folgender amtlicher Bericht der Tele­graphenagentur der Sowjetunion ausgegeben:

Bismarcks Geburtstag.

Die Erinnerung an die Lebensdaten der großen Männer der Nation erhält einen über das platte Festbedürfnis hinausreichenden Sinn nur, wenn sie zur Gelegenheit wird, an ihnen den Gang des nationalen Schicksals, das sie einst gestalte­ten, immer aufs neue zu verfolgen, die Ergebnisse ihres Wirkens abzustecken, das Gültige von dem Vergänglichen zu sondern und so ihr Leben zu ste­tiger Belehrung und Mahnung werden zu lassen.

Bismarck wurde am 1. April 1815 geboren. Mit seinen ersten Lebenstagen begann die große G e - jchichtswende Preußens, Deutschlands und Europas. Die Napoleonische Epoche ging auf dem Schlachtfeld von Waterloo blutig unter, auf dem die Truppen aus allen deutschen Stämmen mit eng­lischen und russischen Heeren den Vernichter des alten deutschen Kaiserreichs besagten und seinen Versuch zur Bildung einer neuen europäischen Uni­versalität unter französischer Führung vereitelten. Das Alte, um das viele gekämpft hatten, wurde, wie immer in der Geschichte, nicht wieder hergestellt. Europa ftat in das Zeitalter der National- staaten, und das alte Deutsche Reich wurde zum deutschen Bund mit seinem Dualismus zwischen Oesterreich und Preußen.

Als Bismarck im Jahre 1847 ins politische Le­ben eintrat, zeigten sich nach langer innerer und äußerer Ruhe die ersten Krisenzeichen dieser Epoche: in Frankreich bereitete sich der Sturz des libe­ralen Königstums und die Wiederholung der Napoleonischen Aera vor; dergeographi­sche Begriff" Italien formte sich deutlich zum nationalen und europäischen Problem, und in Deutschland komplizierte sich der innerpolitische Kampf der Geister um die nationale Einheit durch die tiefen Gegensätze liberaler und konserva­tiver Anschauungen und durch die immer greibarer werdende Erkenntnis, daß die Berufung zur Lö­sung der deutschen Frage nicht bei Preußen und Oesterreich gemeinsam, sondern nur bei einem von beiden liegen konnte.

Der Rückblick auf die Konstellation der Stunde, dieihn der Welt verliehen", und auf bie zur Lö­sung drängenden Fragen, die den Zweiunddreißig­jährigen bei Aufnahme seiner öffentlichen Wirksam­keit empfingen, gibt auch den großen Umriß seines Werkes. Als Bismarck am 20. März 1890, zehn

Edens Besprechung mit Stalin

Ein interessanter Bericht derTimes".

1. April. (DNB.-Funkspruch.) Der Sonderkorrespondent derTimes" in Moskau weiß