Ausgabe 
31.7.1933 Frühausgabe
 
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nicht mit unserem Elend und mit unserer Not in der Welt hausieren, betteln nicht um Kredite und um Almosen.

wir wollen mit unserer Not selbst fertig werden.

Wir haben die Absicht, unsere Arme zu rühren und unsere Geister anzuspannen und die krasl- ffröme des Landes zu einer einzigen Energie- ballung zujammenzuwerfen. Wir haben die Ab­sicht, die weit durch unsere Leistungen zu über­zeugen.

Diese Regierung wird mit eiserner Faust das Pro- blcin der Arbeitslosigkeit anfassen, wird dieses Problem zum Zeniralproblem des ganzen deutschen Lebens machen. Sechs Monate rütteln wir an den Fundamenten dieser Trutzburg Not, und in sechs Monaten ist es uns schon gelungen, zwei Millionen Menschen wieder arbeit zu geben und sie damit auch wieder glücklich zu machen.

Wir haben der Zwietracht denDolch mitten ins Herz hineingestohen, wir haben aus den Klassen und Ständen und Kon­fessionen wieder e i n Volk geschmiedet, und ich glaube, es ist deshalb nicht überheblich, wenn ich Sie bitte, in dieser feierlichen Nachtstunde Ihre Gedanken hinüberwandern zu lassen nach Bayreuth zu jenem Mann, der dieses historische Werk vollbrachte, der uns wieder zur Nolkwerdung zurückführte und der uns den Weg zeigte zu neuer deutscher Kraft und neuer deutscher Ehre.

Das ist nötig, wenn wir vor der Welt be­stehen wollen. Seien wir glücklich darüber, daß wir diese Zeit erleben dürfen, und freuen Sie sich, meine Männer und Frauen, daß Sie unter diesem Nachthimmel sich heute zum erstenmal wieder zusammenfinden können nach dem Krieg mit dem Bewußtsein:

Die ketten beginnen zu fallen! Die Schmach weicht! wir erheben uns stärker und größer denn jemals zuvor.

Ich weiß es: Vielfach ist noch Not und Hunger zu Gast, aber diese Regierung hat alles getan, was menschenmöglich war, um die Not zu lindern, oder ganz zu beseitigen. Und deshalb habe ich als Ver­treter dieser Regierung auch das Recht, von Ihnen zu fordern: «N i ch t verzweifeln! Kampf­entschlossen her zu uns! Wieder flattert über dem Reich eine stolze Fahne. Wieder ist das Reich in seinem Willen geeint. Reiht Euch ein, denn wir Marschieren in die Zu­kunft hinein!

Und so senden wir aus dieser mitternächtlichen Stunde unseren Gruß nach Neudeck an den großen greisen Sachverwalter der deut­schen Nation, so senden wir unseren Gruß nach Bayreuth an den strahlenden Fahnen­träger des deutschen Volkes.

So sehen wir in diesen beiden Männern unsere Vergangenheit, unsere Gegenwart und unsere Zukunft und bringen unsere Sehnsucht nach dem freien Reich und unseren Glauben an die Ehre und Größe unseres Volkes ;um Ausdruck, indem wir rufen: Das Reich, sein Schirmherr, der Generalfeldmarschall und Reichspräsident, sein Bannerträger, der Kanzler des Volks: Sieg heil!

Die Riesen-Versammlung stimmte in das aus- aebrachte dreifache Sieg-Heil begeistert ein. Das Deutschland- und das Horst-Wessel-Lied beschlossen die feierliche Kundgebung.

Der Verlauf

-er nationalen Feierstunde.

Eine nationale Feier stunde, wie die vom Samstag auf dem Deutschen Turnfest hat Stuttgart, wie noch keine deutsche Stadt gesehen. 3 5 0 0 0 0 Teilnehmer dieser Weihe­ft u n d e, neben 150 000 Turnern und Turnerin­nen 200 000 Zuschauer. Tausende von Fahnen flat­terten im Abendwind. Schon um 20 Uhr waren sämtliche Tribünen besetzt, aber immer noch kamen Menschen an. Zunächst zogen die Turnerinnen,

Peter Rosegger.

Don Herbert Johannes Gieseler.

Am 31. Juli würde der während des Weli- krieges verstorbene steirische Volksdichter Peter Rosegger 90 Jahre alt geworden sein.

Wenn wir heute Peter Roseggers 90. Ge- durtstaa besonders feierlich begehen, so geschieht das nicht allein aus Achtung und Verehrung für den großen Dichter der steirischen Waldheimat. Es gilt vor allem dem großen Menschen Rosegger und dem aufrechten Deutschen, der sich als Kämpfer für Recht uno sitte oft die halbe Well zu Feinden gemacht hat. Er war es, dem die Heimat den Ruhm vom harten arbeitsamen Oesterreicher zu verdanken hat. Dem Oesterreicher, der nicht als fescher Mädchen­held in den Tonfilmen gezeigt wird, der vielmehr mit Sense und Spieß auf dem Berg Jsec gegen den mächtigen Franzosenkaiser mit seinem Blut den heiligen Heimatboden verteidigt hat.

Rosegger ist im Mürztal geboren, jenem breiten, fruchtbaren Tal, in das der Reisende zuerst gelangt, wenn er von Wien kommend auf dem Semmering die grüne Steiermark betritt. Damals gäbe in öiefem Murztal noch keine Eisenindustrie mit dröh- nenden Fabrikhallen und rußigen, fluchenden Ge­sellen. Damals rauschte die grünschäumende Mür; ein echtes Hochgebirgswasser, und die schweren jzuhrwagen der Holzknechte knarrten talabwärts. Damals waren die Bauern noch kleine Herren auf ihren stattlichen Höfen, den ganzen Alpenhana hin­auf. Drei Gehstunden von Krieglach im Dorfe Alpl aus der Fischbacher Alpe ist der Dichter am 31. Juli 1843 als Sohn des freien Bauern Lorenz Rosegger als erstes von sieben Kindern geboren. Seine Mut­ter war eine einfache Köhlerstochter aus einem wellvergeffenen Waldwinkel in den Bergen Aber sie war ein großer Mensch mit einem edlen Herzen und lauterem Gemüt.Meine Mutter hatte nichts als Liebe", bekennt der Dichter in seinen Schriften und was gut an mir ist, habe ich alles von ihr/'

Durch Zufall lernte der kleine Peter bei einem Wanderlehrer Lesen und Schreiben und damit war die wahre Leidenschaft für Bücher in ihm geweckt. Wo er ein Buch erhaschen konnte, ob es ein Bauern­kalender oder eine Rittergeschichte war, ob fromme Schriften oder Märchen, alles wurde verschlungen. Einmal tauschte er sogar ein schwarzes Lämmchen gegen die Geschichte von der Landgräfin Genoveva ein. Dazwischen mußte er auch beim Bauern­handwerk mittun, mußte jahrelang die väterliche

gefolgt von den Jugendturnern und Turnerinnen in die Festwiese ein unter dem Trommelwirbel der Turnerkapellen. 50 Säulen zu je 300 Vie­rerreihen. Annähernd 5000 Turnerfahnen wur­den hereingebracht, stürmisch begrüßt von den Zu­schauern. Der Beifallssturm war geradezu gigantisch. Inzwischen waren auch Tausende von Fackel­trägern ausmarschiert, die die gesamte Festwiese umsäumen.

Die Feierstunde begann um 21.30 Uhr mit dem Gesang des LiedesTurner auf zum Streite". Dann sprach Direktor Dr. N e u e n d o r f f. Die Turnerschaft sei eine nationale Gesinnungsgemein- schast, wie sie Turnvater Jahn gewollt habe. So­dann sprach der Reichssportführer und Führer der DI. von Tschammer - Osten. Er leitete feine Ansprache mit der Mitteilung ein, daß er dem Reichspräsidenten v. Hindenburg namens der DT. ein Treuegelöbnis entboten habe, auf das der Reichspräsident soeben geantwortet habe. Das Telegramm wurde mit stürmischem Beifall aufge­nommen. Mit dem Appell an die Zukunft unseres Vaterlandes zu denken, verband er einen besonde­ren Gruß an die Turner aus dem Auslande. Er versicherte, daß wir mit ihnen auf ewig und un­geteilt verbunden bleiben. Nachdem er den Ver­tretern von Reich und Ländern Grüße entboten

hatte, ergriff Dr. Goebbels das Wort, der riesi­gen Beifall fand.

Hitlers Abschied von Bayreuth

Bayreuth, 30. Juli. (TU.) Hunderte von Menschen umsäumten am Samstagabend den Park der Nilla Wahnfried, wo zu Ehren des scheidendenNeichskanzlers eine schlichte Abschiedsfeier stattfand. Leider konnte die Beranstaltung nicht, wie vorgesehen, als Garten­fest in dem mit tausend Lampions geschmückten Park durchgeführt werden, sondern mutzte wegen des einsetzenden starken Gewitters im Hause Wahnfried stattfinden. 2ln der Feier nahmen außer dem Reichskanzler und seinem Gefolge auch die führenden Persönlichkeiten des Bay­reuther Festspiellebens teil.

2lm Sonntagvormittag besuchte der Reichs­kanzler mit seinem Stabe die Gräber Richard, Cosima und Siegfried Wagners im Garten der Villa Wahnfried und den Stadtfriedhof und legte dort Blumengebinde mit schwarzweitzroten Schleifen, die den Namen des Reichskanzlers trugen, nieder. Hierauf verlieh der Kanzler die Stadt.

Zahlreiche schwere Lnwetterlaiastrophen

Fünf Todesopfer in Sachsen.

Heber der berüchtigten Ecke, die zwischen Dresden und der Sächsischen Schwei; den Ausläufern des Osterzgebirges vorgelagert ist und Im Jahre 1927 der Schauplatz grauenhafter Verwüstung war, entlud sich am Samstag kurz nach 17 Uhr ein schweres Unwetter, das namentlich in Pirna und Hei­denau großen Schaden anrichtete. Durch einen mäch­tigen Orkan wurden Bäume in großer Zahl ent- wurzelt, die Getreidehaufen von den Feldern bis in die Elbe gefegt, Dächer abgedeckt, ein Personen­dampfer der Sächsisch-böhmischen Dampfschiffahrts­gesellschaft auf die Seite gelegt. Unter den einstürzen­den Dächern wurden drei perfouen erschla­gen. von Dresden aus wurden die Technische Not­hilfe und SA.-Mannschasten eingesetzt, denen es ge­lang, bis 23 Uhr die Hauptverkehrsstraßen von den Hindernissen wieder frei zu machen. Der entstandene Schaden, der zunächst nicht geschäht werden kann, ist außerordentlich groß.

Die Nachrichten aus dem Unwettergebiet laufen nur spärlich ein, da die Telefonverbindungen viel­fach unterbrochen sind. Soweit sich bisher übersehen läßt, werden die Verwüstungen, die das Unwetter vor allem in Pirna angerichtet hat, noch tagelange Aufräumungsarbeiten notwendig machen. Im Pir­naer Krankenhaus liegt ein Schwerverletzter, der Arbeiter Gerhard Eichler, an dessen Auf­kommen gezweifelt wird, außerdem wurden noch zwölf Leichtverletzte eingeliefert. Bei den drei Personen, die durch einstürzende Dächer er­schlagen wurden, handelt es sich um den Inhaber einer Vulkanisieranstalt namens Pavel (Heide­nau), den Glasschneider Willi Gebhardt und den Arbeiter Paul Johns.

Das Unwetter, das gegen 17 Uhr ausbrach, dauerte nicht länger als 15 Minuten. Als es am stärksten losbrach, wurde das ganze Gebiet stockdunkel, nur durch zuckende Blitze erhellt. Auf der Pirnaer Vogelwiese wurde ein Wohnwagen umgemorfen, der eine sechsköpfige Familie unter sich begrub. Wie durch ein Wunder kamen alle sechs Personen ohne schwere Verletzungen davon. Die sich am linken Elbufer oberhalb Pirnas hinziehenden Wälder bieten mit ihren in die Höhe ragenden Baumstümpfen ein trostloses Bild.

Wie erst jetzt bekannt wird, hat das Unwetter in der Sächsischen Schweiz fünf lot e gefordert. Die 17jährige Tochter des Gutsbesitzers Weierich in Maxen wurde von einer umstürzenden Mauer tödlich getroffen. Der Gärtnereibesitzer Platz erhängte sich aus Gram über die Verwüstung seines Grundstückes.

Das Unwetter hat sich nicht nur auf das Elb- sandsteingebirge beschränkt, sondern auch die nörd­lichen an die Sächsische Schweiz angrenzenden Teile der Lausitz heimgesucht. Auch hier ist der Ernte- und Obstschaden sehr erheblich.

Schwere Ernteschäden im Erzgebirge.

Das schwere Unwetter, das am Freitag­abend über dem Erzgebirge niederging, hat gro­ben Schaden angerichtet. Die Ernte istfastganz vernichtet. Hagelschlag zertrümmerte zahl­reiche Fensterscheiben. Der Hagel lag stellenweise so dicht, dah die Gegend wie eine Winterlandschaft aussah Die Verkehrswege sind durch Wolken­brüche teilweise unpassierbar geworden. Auch die Waldungen wurden stark verwüstet. Der Fern­sprechverkehr erlitt beträchtliche Störungen. Viel­fach wurden Dächer abgedeckt. Die Feuerwehr und SA. leistete an gefährlichen Stellen Hilfe.

Anwetierkaiastrophe in Oberschiesien.

Am Samstag ging über den Ortschaften Ros- mierka, Rosmierz und Orschek im Kreise Groß- Strelitz ein Unwetter nieder, wie es seit Men- schenge-denken nicht erlebt worden ist. Gegen 17 Uhr brach, wie u. a. die Pressestelle der Landwirtschafts­kammer Oppeln mitteilt, ein Unwetter los, das or­kanartig mit einem starken Hagel eine halbe Stunde wütete und unermeßlichen Schaden beson­ders im Dorfe und in der Gemeinde Rosmierka an­richtete. In Rosmierka ist auf der ganzen Westseite der Häuser nicht eine einzige Scheibe ganz geblie­ben und durch Doppelfenster schlugen die e i er­graben Hagel stücke bis tief in die Zimmer hinein. Auf dem Dominium, das am meisten unter dem Unwetter gelitten hat, wurden Dächer viele Meter weit fortgeschleudert oder die im ganzen Dorfe von dem Orkan zum mindesten zerrissen und die oberen Schichten vom Hagel entzweigehämmert. Mauern sind eingestürzt und viele Schornsteine um- geroorfen. Dorf und Straße sehen aus, als wenn die Kriegsfurie darüber gegangen wäre. Die Gänse, die auf dem Felde weideten, wurden von dem Hagel erschlagen oder so verletzt, daß sie notge­schlachtet werden mußten.

Die Roggengarben in Hocken wurden fortgeschleu­dert. Die Körner liegen ausgedroschen darunter. Weizen, Gerste und Hafer, die noch auf den Hal­men standen, sind au Boden gebeugt und völlig ausgedroschen. Von den Kartoffeln ragen nur noch einige blattlose Stengel aus dem Boden hervor.

Herde hüten, wobei er seinen Tieren oft die schön­sten Predigten hielt, ja sogar Schillerballaden muß­ten sie über sich ergehen lassen.

Später, als es sich zeigte, daß der hochaufge­schossene Junge doch zu schwach zum Bauern wäre, blieb ihm die Wahl zwischen Pfarrer und Schneider. Er kam schließlich zum Meister Naz, dem Schneider­meister Ignaz Orthofer, in die Lehre, mit dem er in vier Jahren auf 67 Bauernhöfen gearbeitet hatte. Vierzehn bis sechzehn Stunden tägliche Arbeit und trotzdem fand der junge Dichter noch Zeit, 24 Bände Dichtungen zu schaffen. Einer glücklichen Eingebung folgend schrieb er an eine Grazer Zeitung und klagte ihr seine Not. Darauf mußte fein Firm­pate 15 Pfund Schriften nach der Stadt tragen, di? die Redaktion sehen wollte.

Damit war auch fein Glück gemacht. Es erschienen Aufrufe für den jungenNaturdichter", wie er lange Zeit hieß und reiche Gönner und bedeutende Geister nahmen sich feiner an, so Hamerling, Adalbert S t i f t» r und Anzengruber. Er wurde erst auf die richtige Schule geschickt, um die bedeutenden Lücken seiner Bildung auszusullen. Sein Talent und feine Herzensbildung waren freilich schon ohne Schule zur Reife gelangt. DieSchrif - t e n d e s W a 1 d s ch u l m e i st e r s", wohl Roseg­gers berühmtestes Buch zeigen seine ganze Eigen­art und Schilderungskraft.

Aber es zeigte sich gleichzeitig, daß er nicht allein der große Dichter war, sondern seinen heiligen Be­ruf auch als Volkserzieher sah. Seine zahlreichen Schriften, es find ein gutes halbes Hundert, find ein einziger großer, heiliger Kampf um das Gute, in dem Rosegger auch die höchste Vollendung des Schö­nen erblickte. Ein großer Teil feiner Werke hat auto­biographischen Charakter. In den BüchernAls ich jung noch war",Als ich noch der Waldbauernbub war",Am Wanderftabe",Walüheimat",Gute Kameraden",Mein Himmelreich",Mein Welt­leben",Heimatgärtners Tagebuch" und vielen an­deren Werken schildert er sein abwechslungsreiches Leben.

Und einer anderen Sache noch galt fein zäher Kampf, einer Sache, die heute zu den wichtigsten Programmpunkten der deutschen Regierung gehört: Die Rettung und Wiederaufrichtung des deutschen Bauerntums. Er hat den Verfall des Standes, aus dem er selbst hervorgegangen ist, in siebzig langen Jahren gesehen. Noch zu seinen Lebzeiten verarmte Hof um Hof feiner Heimat. Der zum Stadtmenschen gewordene Bauer aber schien Ihm so gut wie ver­loren. Und ist er nicht selbst von der Scholle weg m die Stadt zu Kultur und Schreibtisch gezogen?

Wohl, aber, um der BewegungZurück zum Land!" als Pionier zu dienen. Niemals ist Rosegger zum Stadtmenschen geworden, den der Bauer in ihm stets verachten muß. ImJakob, der Letzte", Gottsucher",Weltgift" und wiederum im be­rühmtenWaldschulmeister" prcbigt er unermüdlich für die Rückkehr zum Schollenmenschen. Und als Schollenmensch fühlt er sich gleichzeitig als Grenz­hüter des Deutschtums, als Nachkomme jener Gren­zer, die Hunnen, Avaren und Türken siegreich ab­gewehrt und dadurch dem deutschen Vaterland Schutz vor grausamen Einfällen und Verwüstungen gebo­ten haben. So berühmt Rosegger scyon war, als er noch lebte, so scheint doch die Frucht seiner Wirk­samkeit erst in unseren Tagen so richtig aufzugehen. Zurück zur Volksgesundung, zum gesegneten Bauern­stand, darin liegt unser Wohl.

Schlafen die Fische?

Man mochte glauben, baß die Natur keinem Wesen die Wohltat des Schlafs vorenthalte. Aber offenbar ist der Schlaf in unserem mensch­lichen Sinn eine Eigenschaft derHöhergebilde- ten". Die Fische können die Augen nicht schlie­ßen, so wenig wie die Schlangen. Das Zm-Sand- Liegen der Steinbutte, Schollen und Seezungen ist eine Ruhestellung, aber die Augen sind weit aufgerissen und verändern hin- und herglohend ständig ihre Richtung. Einige Fische strecken ihren Bauch auf dem Grund des Wassers aus, so der Drachenkopf, der Seeskorpion, der nordamerika- nische Schlammfisch, die Schleien, die Hechte und Barsche. Nur ein ganz lleines Flossenrühren wellt durch sie hin. Doch man darf das reglose Be­lauern der Beute, wie es viele Raubfische gewohnt sind, nicht mit Schlaf verwechseln. Die Friedfische sind meistens viel munterer, Karpfen, Plötzen und Rotfedern schwimmen dauernd umher, verändern häufig die Richtung und verharren höchstens einen Augenblick stehend. Und doch, so lesen wir in Dr. Richard Gerlachs fesselnder Abhandlung über den Schlaf der Tiere im A^ustheft von D e l - Hagen 6- Klasings Monatsheften: wenn man regelmäßig ein Aquarium besucht, be­merkt man zuweilen auch die muntersten Fische am Boden liegen. Das sonst stets ruckweis be­wegte Auge wird glasig, die Rückenflossen werden schlaff zurückgelegt. Dies ist zweifellos ein schlaf­ähnlicher Zustand. Ein echter Schlaf ist es eben­sowenig wie der Schlangenschlaf. Die bloße Be­wegungslosigkeit und Ruhe ist höchstens ein sehr unvollkommener Anlauf zu dem wirklichen Schlafe,

Die Aufrechterhaltung der Groß- und Kleinbetriebe ist, da die Hauptfrucht, die Kartoffel, als vernichtet gelten kann, in Frage gestellt. Die Rüben stehen ebenfalls blattlos da und fallen für die Winter­fütterung auch aus. Am Sonntagfrüh wurde der Schaden durch den Landesbauernführer S l a w i k in Begleitung von Oberlandwirtfchaftsrat Moor, Graf Strachwitz und dem Gemeindevorsteher besichtigt. An das Preußische Landwirtschaftsmini- fterium, das Finanzministerium und die Regierung in Oppeln wurden folgende Telegramme gesandt: Gemeinden Rosmierka, Rosmierz, Orschek und Umgebung im Kreise Groß-Strelitz vorn schwersten Unwetter heimgesucht. Ernte 100 Prozent vernich­tet. In Rosmierka Häuser eingestürzt, an übrigen Gebäuden und Gärten schwerer Schaden. Kleinvieh- oerlufte, schwerste Weg- und Waldschäden durch Hagelschlag und Bruch. Slawik, Landesbauernfüh- rer.

Zn Prag.

Am Samstag gegen 17 Uhr ging über Prag ein schweres Gewitter mit orkanartigem Sturm nieder, das in allen Teilen der Stadt erheblichen Schaden anrichtete. 3m Baumgarten, der ältesten und größten Parkanlage Prags, forderte der Wirbelsturm ein Todesopfer. - Dort wurde ein Beamter des Außenministeriums von einem niederfallenden Baum so schwer ver­letzt, daß er im Krankenhaus st a rb. Bei der Abtragung eines Daches durch den Wind wurden sechs Personen verletzt. Von der St. Thomas- kirche wurde die Blech kuppel fortgerissen. Vom ' Gebäude der Philosophischen Fakultät der Uni» versität wurde ebenfalls ein Teil des Dach^ , fortgetragen. Zu einem folgenschweren An­fall kam es im 3nnem der Stadt in der Na­tionalstraße, als plötzlich eine große Auslage­scheibe aus einem höheren Stockwerk aufs Pflaster fiel und zwei Passanten schwer verletzte. Prager Feuerwehren mußten in drei Fällen, die Rettungsstation in 60 Fällen Hilfe leisten.

Gewitter und Hagelschlag in Ost-Tirol.

Am Samstagnachmittag ging über Matrei (Ost­tirol) ein schweres Unwetter nieder, das von starkem Hagelschlag und Gewitter begleitet war. Der angerichtete Schaden ist sehr groß. Der Wild­bach im sogenannten Bretterwanograben brachte innerhalb zweier Stunden so große Erd- und Steimnassen, daß der Tauerbach gestaut wurde und die angrenzenden Wiesen unter Wasser fetzte. Die Verkehrsbrücke LienzMatrei ist durch die reißen­den Wasferrnassen zum Teil abgetragen worden und zur Zeit unpassierbar. Zwei Brücken nach Virgen sind nur noch für Fußgänger passierbar. Der 69 Jahre alte Besitzer Alois Kröll geriet in die Fluten und konnte nur noch als Leiche geborgen werden. Der Regen hielt auch am Sonntag an. Das auf­geweichte Erdreich des Bretterwandgrabens ist feit Sonntag früh in Bewegung.

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Ueber Hofgastein ging in der vergangenen Nacht während eines Gewitters ein schwerer Wol­kenbruch und Hagelfchlag nieder. Die Bäche führten große Wassermassen. Baumstämme, Fels­blöcke und Hausrat wurden mitgeriffen. Viele Brücken wurden zerstört, sieben Bauerngehöfte, de­ren Bewohner flüchten mußten, wurden schwer beschädigt.

Oammbruch im pruih-Tal.

Unter dem Druck des Hochwassers des P r u t h ist, wie aus Bukarest gemeldet wird, in der Nähe von Galah der Damm ge­brochen. Die Wassermassen haben weit und breit die Felder überschwemmt. Die Ernte ist vernichtet. Mehrere Dörfer und Güter stehen unter Wasser. Der Sachschaden ist sehr groß. Es ist die Vermutung aufgetaucht, daß der Damm nicht nur unter dem Druck der Wassermassen, sondern infolge einer vorsätzlichen Zerstörung gebrochen sein könnte.

Verantwortlich für Politik: i. V.: Ernst Blumschein.

der um so tiefer ist, je dringender die ausgebil­deten Sinne der Ruhe bedürfen.

//Jungfrau von Orleans" auf dem Römerberg.

Nun hat der Römerberg in Frankfurt auch die Aufführung derJungfrau von Or­leans" gesehen. Man durste mit Recht auf die Wirkung des Schillerschen Pathos in der neuen Umgebung gespannt fein; die edlen Verse haben die Probe glänzend bestanden. Vor Jah­ren, als wir ShawsHeilige 3ohanna" kennen­lernten, schien manchem von uns die. klassische Jungfrau" gegenüber der größeren Lebensnähe der Figuren des 3rländers zu verblassen heute wurde sie mit Glanz rehabilitiert. Woraus das zurückzuführen ist? Vielleicht liegt es daran, daß durch die Farbigkeit des Aufzuges unsere Phantasie nachdrücklich unterstützt wurde, daß wir uns, völlig gesammelt, dem Genuß der Verse hingeben konnten. (Würde das nicht auch für die Aufführung so mancher Opern aus dem Rö­merberg sprechen?) Vielleicht versetzte uns aber auch das lebendig gewordene Mittelalter in eine mystische Stimmung, in der gerade die wirklich­keitsentrückte Sprache als selbstverständlich und angemessen erschien.

Allerdings sei nicht übersehen, daß die Stärke der Ramerberg-Festspiele, die in der Möglichkeit der Entfaltung zusätzlicher Regiemittel liegt, bei den Massenszenen nicht genügend betont wurde. Gerade wenn wir die Unterstützung unserer Phantasie bei den allermeisten Auftritten als wohltuend empfanden, so mußte die Illusion leiden, wenn etwa grimmige Schlachten zwischen zwei Völkern von kleinen Häuflein ausgetragen wurden, in deren Rücken ein leerer Bühnen­raum nicht einmal die Vorspiegelung herbei- stürmender, weiterer Massen erlaubte.

Don den Darstellern dominierte Ellen Daub als Johanna, die die schwere Aufgabe vollendet meisterte, das Hirtenmädchen, die Siegerin, die Verstoßene immer neu zu gestalten, und die dennoch die Verbindung der Gottgesandten mit der übersinnlichen Welt in den Vordergrund zu stellen wußte. Sie erntete zahlreiche Hervorrufe. Eine recht gute Leistung war der König Eugen Wallraths, männlicher gegeben, als es sonst üblich ist. Auch das übrige Ensemble, vor allem Otto Graf als Dunois und v. K l i p st e i n als Lionel, zeigte ein weit über dem Durchschnitt liegendes Niveau.

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