Ausgabe 
31.7.1933 Frühausgabe
 
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185. Jahrgang

Montag, 51. Juli 1955

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.Tdyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für denAn- zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in Gießen.

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Deutschlands Glückwünsche an Mussolini.

Berlin, 29. 3uli. (WTD.) Reichskanzler 2ldolf Hitler hat an Seine Exzellenz Herrn Ministerpräsidenten Mussolini das folgende Telegramm gerichtet:

»Euer Exzellenz bitte ich, heute meine herz­lichsten Glückwünsche entgegennehmen zu wollen. Das ganze deutsche Volk ermißt an diesem Tage dankbar die großen Ver­di e n st e, die Euer Exzellenz sich durch Ihre bewunderungswürdige Tätigkeit um die F e st i - gung des europäischen Friedens er­worben haben. Möge Sie die Vorsehung auch in Zukunft Ihrer hohen Mission erhalten.

Adolf Hitler.-

Der Preußische 'Ministerpräsident Göring hat an den italienischen Regierungschef Mussolini folgendes Glückwunschtelegramm gerichtet:

Ew. Exzellenz spreche ich zum 50. Geburtstage meine herzlichsten Glückwünsche aus und verbinde hiermit den aufrichtigen Wunsch, daß Ihrem Lande noch viele Jahr der Segen Ihrer genialen Führung beschert sein möge. Ich darf zugleich meiner festen Zuversicht Ausdruck geben, daß in der geistigen Ver­bundenheit des Faschismus und des Rationalsozialismus, sowie in der Sympathie ihrer Führer die beste Si­cherheit gegeben ist für die Freiheit und Wohlfahrt unserer Länder zum Vesten des Aufbaues aller Völker.

In aufrichtiger Verehrung

Ministerpräsident G ö r i n g.

EineHaagerZwischenentscheidung

Haag, 29. Juli. (WTB.) Der Ständige Internationale Gerichtshof hat heute vormittag in öffentlicher Sitzung seine Entscheidung in dem am 3. Juli anhängig gemachten Vorverfah­ren im deutsch-polnischen Streitfall wegen der Agrarbeschwerden der deut­schen Minderheit in Posen und Pom» m ereilen bekanntgegeben. Mit acht gegen vier Stimmen hat der Gerichtshof den deut­schen Antrag aus Erlaß einer einstweiligen Derfü- gung des status quo abgelehnt.

_ Der Gerichtshof begründete feine ablehnende Stellungnahme damit, daß der Antrag auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung sich im Rahmen der Klage halten müsse. Im vorliegenden Falle gehe aber der deutsche Antrag zum Teil über die Klage hinaus, indem die deutsche Re­gierung gefordert habe, daß Polen nicht nur von der Durchführung der in der Klage erwähnten, Ent­eignungen absehen müßte, sondern sich überhaupt jeglicher Enteignung zu enthalten hätte.

*

Von zuständiger Stelle wird dazu bemerkt, daß es sich, wie aus der vorstehenden Meldung hervor- geht, um eine prozessuale Zwischenent- scheidung handelt, die den endgültigen Ausgang des vor dem Ständigen Internationalen Gerichtshof schwebenden Prozesses in keiner Weise präjudiziert.

Die Entziehung der deutschen Staatsangehörigkeit.

Berlin, 29. Juli. (Vdz.) Wie das Vdz.-Bureau meldet, hat der Reichsinnenminister nun­mehr Durchführungsbestimmungen zu dem Gesetz über denWiderrufvonEinbürgerunaen und die Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit erlassen, und zwar im Einvernehmen mit dem Auswärtigen Amt und dem Reichsfinanzministerium. Danach wird die Frage, ob eine Einbürgerung als nicht erwünscht anzusehen ist, nach völkisch-nationalen Grundsätzen beurteilt. Im Vordergrund stehen die rassischen, staatsbürgerlichen und kulturellen Gesichtspunkte für eine den Belangen von Reich und Volk zuträgliche Vermehrung der deutschen Bevölkerung durch Einbürgerung. lat- achcn aus der Zeit vor der Einbürgerung sind ebenso zu berücksichtigen wie solche, die in die Zeit nach der Einbürgerung fallen. Danach, so bestimmt die Durchführungsverordnung, kommen für den Widerruf der Einbürgerung insbefon- dere in Betracht O st j u b e n , soweit sie nicht auf deutscher Seite im Weltkrieg an der Front gekämpft, oder sich um die deutschen Belange besonders ver­dient gemacht haben, und ferner Personen, die sich eines schweren Vergehens oder eines 8 erbrechens schuldig gemacht, oder sich sonst­wie in einer dem Wohl von StaatundVolk abträglichen Weise verhalten haben.

Der Widerruf soll im allgemeinen nicht ausge­sprochen werden gegenüber solchen Eingebürgerten, he vor dem 9. November 1918 die deutsche Staats- üngehörigkeit besaßen und sie auf Grund des Ver- ftiller Diktats verloren haben. Die Gründe für den Widerruf werden nicht mitgeteilt. Der Widerruf lann auch nicht mit Rechtsmitteln angefochten wer­den. Sehr bebeutfam ist noch, daß als ein b e r Sreuepflidjt gegen Reich und Volk widersprechendes Verhalten angesehen wird, wenn ein Deutscher der feindseligen Propaganda gegen Deutschland Vor­schub geleistet oder das deutsche Ansehen oder die Maßnahmen der nationalen Regie- rung herabzuwürdigen gesucht hat. Deutsche, die also Oreuelpropaganba getrieben haben, haben mit der Aberkennung der Staatsangehörigkeit ju rechnen.

Lieber Geld und Besitz zu idealeren Reichtümern.

Oer Führer und Kanzler Adolf Hitler spricht in Stuttgart zu den Turnern.

Stuttgart, 30. Juli. (TU.) Seinen Höhepunkt und Ausklang erreichte heute abend das 1 5. D e u t- f ch e Turnfest über dessen turnsportlichen Verlauf wir heute im Sportteil berichten mit einer Ansprache des Reichskanzlers Adolf Hitler. Wieder hatten sich Hunderttausende auf der (Lann- ftatter Festwiese eingefunben, unb mit ihnen nah­men Millionen Deutscher innerhalb unb außerhalb der Reichsgrenzen an den Lautsprechern an diesem wirklichen deutschen Volksfest teil.

Der Reichskanzler mar, von überwältigen- dem Beifall empfangen, schon am Nachmittag aus Bayreuth zu den Turnern gekommen. Die jubelnde Menge durchbrach die Absperrungen. Immer wie­der ertönten die stürmischen Heilrufe, und während­dem begab sich der Kanzler zur Ehrenloae, wo er den Vizekanzler von Papen und die Reichs- minifter Dr. Goebbels und Frhr. o. Neurath begrüßte.

Nach kurzen Ansprachen des Oberturnmarts 61 a e b i n g zur Siegerehrung unb bes Führers der Deutschen Turnerschaft v. Tschammer- 0 ft e n, der ein Gelöbnis für die Zukunft abgab, sprach

Reichskanzler Adolf Hitler.

Der Führer sagte in feiner mit riesigem Beifall aufgenommenen Rede u. a. Deutsche Turner unb Turnerinnen! Es ist für mich eine stolzeFreube, Sie zum ersten Mal begrüßen zu können. Wer so, mie mir, ein st a r k e s Reich ersehnt, muß an einem ft arten Geschlechte hängen. Was mürbe bie Form bedeuten, roenn nicht der Inhalt das mefentliche wäre: Schein ohne mirkliches Sein! Wer mill von einem Staat mehr an Kraft ermüden, als feine Bürger an Straft be­sitzen. Es mar das Verdienst des Vaters der deut­schen Turnkunst, in einer Heit unklarer staatlicher Auffassungen die Bedeutung der körperlichen Tüch­tigkeit erkannt zu haben. Die praktische Dermirk- lichung, die ßubroig Jahn diesem Gedanken gab. führte au einer auch heute vielleicht noch nicht in ihren Ausmaßen vollkommen gemürdigten mahrhaft ummälzenden Entmicklung.

Das sogenannte geistige Zeitalter libe­ral! st ischer Prägung mar in seinem Halb­wissen unb seiner Halbkultur auf bem besten Wege, ein burch unb durch krankes Menschenge­schlecht heranzuzüchten.

Die Ueberschähung eines vermeintlichen wissens unb bie damit verbundene Abkehr von der kör­perlichen Betätigung führte nicht nur zu einer Mißachtung der körperlichen Gestalt unb Kraft, sondern am Ende sogar zu einer Mißachtung der körperlichen Arbeit.

Es ist kein Zweifel, daß dieses Zeitalter von kran­ken Menschen propagiert unb verteibigt am Ende au einer allgemeinen Erkrankung ber Menschen führen mußte, und zwar nicht nur zu einer kör­perlichen, sondern auch zu einer geistigen. Denn indem der Mensch körperliche Kraft und Gesundheit mißachtet, ist er bereits das Opfer einer auch geisti­gen Verbildung geworden. Don den die Regel be­stätigenden Ausnahmen abgesehen wirb auf die Dauer ein wirklich gerader und vernünf- tiger (Seift nur in kraftvollen gesunden Körpern wohnen.

Das Leben wird nicht durch Schwache gewonnen, sondern durch starke Männer.

Wer von uns könnte sich die körperliche Verteidi­gung einer Nation vorstellen, die der m u s t e I - stählenden Arbeit überwiegend entzogen, ohne leibliche Hebungen aufwachsen würde? Wenn wir heute wieder ein Schönheitsideal ken­nen, das uns das verständnisvolle Auge öffnet, bann nur, weil ein großer Deu t sch er im Turnen uns einen Weg wies, das Gleichgewicht zwischen Gei st und Kör­per wiederherzustellen. Niemals würde aus Vater Zahn diese gewaltige und in ihren weiteren Ab­arten die ganze Welt erfüllende Bewegung gewor- den sein, wenn nicht trotz aller Widerstände geisti­ger Schwächlinge die Natur selbst durch sie die Menschen dem hätte zustimmen lassen. Wenn auch die praktische Auswirkung sich auf zahlreiche Ge­biete erstreckt unb bie verschiebensten Formen wählte, so ist es für uns Deutsche bod) eine stolze Genugtuung, baß die mit Jahns Auffassungen am engsten verbundenen Verbände auch heute noch die gewaltigste Bekundung dieser umwälzenden Art sind. (Lebafter Beifall.) Allein nicht nur kör- perlid) ist die Bedeutung dieser Entwicklung für unser Volk kaum abzufchätzen, sondern auch g e i - st i g. Nur wer die Gewalt des Ideals an sich nicht versteht oder leugnet, kann die Bedeutung einer Betätigung verkennen, die Millionen Men­schen aus freiem Willen zu mühevollen Leistungen führt, denen jeder persönliche und materielle Ge­winn versagt ist. Wenn aber jemals im Dolkerleben das höchste Ideal zu gewaltigster R e a lität wird, dann in diesem Fall. Denn was Mil­lionen Menschen ohne eigenen Gewinn durch Arbeit unb Mühe an Kraft gewinnen, legen sie in bie Waagschale aller.

Die körperliche Lrtüchttgung des einzelnen Man­nes unb der einzelnen Frau führt zur körper­lichen Kraft und Gesundheit der Ration. Das gerade und gesunde Volk aber wird auch geistig nie den Irrtümern unterliegen, denen das ein­seitig überlastete Gehirn nur zu leicht verfällt.

Geistige Völker ohne Mut und Kraft werden stets au Hauslehrern der gesunderen Rassen degradiert. Ihre interessanten Schreibarbeiten sind ein schlechter Ersatz für das verlorene Recht zum Leben, das die Nattir immer nur in der Kraft der Lebensbehaup- tung gibt. Da die Masse eines Volkes aber nicht aus überzüchteten Denkern, sondern aus gesunden, natürlichen Menschen besteht, fußt die Kraft ihrer Selbstbehauptung nicht so sehr in geistigen Erkennt- Nissen als im Gefühl der natürlichen Kraft unb ber baraus refultierenben Stärke bes Glaubens an diese und damit einer selbstbewußten Zuversicht.

Daß die deutsche lurnerei in den langen Jahr­zehnten einer liberalistischen geistigen Mißbil­dung aus lieferen Gesehen, vielleicht selbst un­bewußt in der Schule schon und nach ihr im freien verband, die körperliche Kraft der Ration stählte, hat sie zu einem gewaltigen Faktor der Erhaltung unseres Volkes erhoben. 3n einer Zeit, da das Volk wieder in den Mittelpunkt bes staatlichen Geschehens unb Strebens tritt, kann die Führung des Staates unb bamit ber Ration nicht anders, als in liefet Dankbarkeit der Einrichtungen gedenken, bie mithalfev, bie kostbarste Substanz zu bewahren, bie ber Staat zu verwalten hat: Leib unb Blut ber Lebens- genoffen des rigenen Volkes.

Wie groß aber die Bedeutung dieser Ideale zu werten ist, können uns diese Tage zeigen. Es ist ein glückliches Wissen, daß uns Deutsche in der Welt nicht nur das Blut, sondern auch die Kraft zusammenhält.

Als Kanzler des deutschen Volkes und Reiches bewegt es mich freudig und stolz, in dieser wunderschönen Hauptstadt des Schwabenlandes deutsche Männer und Frauen begrüßen zu können, die als b e st e Reprä­sentanten der Lebenskraft unser es Volkes anzusprechen sind. Sie kommen von überall her, wo es Deutsche gibt. Sie verkünden als Angehörige alt unserer Stämme uns die Einheit der deutschen Ration. Rehmen Sie aber auch von hier zurück und hinaus in das Leben und hinaus in die Fremde die Heber»

zeugung derHnzerstörbarkeitdesDeut- schen Reiches (lebh.Beifall), das nicht Theorien geweiht ist, sondern der Erhaltung unseres Volkes (wiederholter anhaltender Beifall) und nehmen Sie vor allem eine Heber­zeugung mit:

3m Dritten Reich gilt nicht nur bas Missen.

sondern auch bie Kraft. (Stürmischer Beifall.) Höchstes 3beal ist uns ber Menschentypus der Zukunft, in dem der strahlende Geist sich findet im herrlichen Körper, auf daß die Menschen über Geld und Besitz den Weg zu idealeren Reich­tümern finden.

(Wiederholter stürmischer Beifall ) Ich will nicht von Ihnen scheiden, ohne daß ich Sic alle bitte, eine Minute lang des Mannes zu gedenken, der einst verkannt, verspottet und verfolgt, doch Vater war einer umwälzenden Bewegung und dem wir auch dieses wunderbare Fest der deut­schen Kraft verdanken: Ludwig Jahn.

Rach einer Pause von einer Minute, in der die Menge stillschweigend des Turnvaters ge­dachte, schloß der Reichskanzler mit den Worten:

Und nun grüße ich Sie, indem ich Deutschland grüße: Deutschland heil!

Die vielhunderttausendköpsige Menge stimmte begeistert in die Heilrufe ein.

Hindenburgs Gruß cm die DT.

Stuttgart, 29. Juli. (TH.) Reichspräsident v. Hindenburg hat auf ein Huldigungstele­gramm der Deutschen Turnerschaft anläßlich des Deutschen Turnfestes mit folgendem Telegramm geantwortet:

Den zum Deutschen Turnfest vereinten Tur­nern und Turnerinnen aller deutschen Gaue und des Auslandes danke ich herzlich für das freundliche Meingedenken und für das Gelöbnis, ihre ganze Kraft in den Dienst unseres geliebten Vaterlandes zu stellen. Ich erwidere Ihre Grüße mit dem Wunsche, daß Ihr Zusammensein den Gedanken der Schicksalsverbundenhcit aller Deutschen fördern und damit Deutsch­lands Wiederaufstieg dienen möge.

Gesunde Seele-gesunder Körper.

Minister Or. Goebbels spricht für die Reichsregierung, ,d:e Kraft nicht fürchtet, die Kraft toill*.

Bei einer im Rahmen des Deutschen Turn­festes am Samstag veranstalteten nationalen Feierstunde hielt

Reichspropagandaminister Or. Goebbels

an die Turner und Turnerinnen eine Ansprache. Er führte u. a. aus: Deutsche Männer und Frauen! Turner und Turnerinnen aus allen deutschen Gauen und jenseits unserer Grenzen! Es ist ein eigentümliches Gefühl, wenn man in vier bis fünf Autostunden aus dem stillen Muse- frieden der Wagnerstadt Bayreuth in das bunte Gewimmel der württembergischen Landes­hauptstadt kommt. Drüben die klarste und he­roischste Darstellung deutscher Seele und deutscher Kultur hier die machtvollste Demonstration deutscher Kraft und deut­scher Einigkeit beides insgesamt ein leuchtendes Beispiel der unerschöpflichen Vielgestaltigkeit deutschen Lebens, deutschen Wirkens und deutscher Schöpferkraft.

So geschwächt unb so erkrankt wir an unserer körperlichen Kraft aus bem furchtbaren Wett­ringen zurückkamen furchtbarer noch war bie seelische Krankheit, bie mit bem 9. Rooem- ber 1918 über unser Volk hereinbrach, bie bie Gemüter unb bie Geister unb bie Herzen ver­giftete, bie bie Klassen unb bie Stäube unb bie Konfessionen aufspaltele unb bie ganze Ration zu einem Tummelplatz machte für bie geistigen Experimentierkunstslücke einer lanb-, art- unb nafionfremben Rasse. Aber zur gleichen Zeit erhob auch roieber ber unsterbliche beutsche Lebenswille sich aus Rot unb Gefahr. Darüber waren wir uns von allem Anfang an klar: Der Körper wirb nur gefunben können, wenn bie Seele roieber gefunb ist.

Drüben in Bayreuth wirkte der unsterbliche Mei­ster deutscher Musik und wurde von seiner Zeit nicht verstanden. Er war es, der das Wort prägte:Deutschfein heißt eine Sache um ihrer selb st willen tun! Meine Tur­ner und Turnerinnen, auch am Anfang Ihrer Be­wegung stand ein Mann, den man au feiner Zeit nicht verstand, nicht verstehen wollte und nicht verstehen konnte: der Turnvater Jahn, den man furchtbare Parallele zu den Erfahrungen, die wir selbst in der jüngsten Vergangenheit mach­ten in die Gefängnisse steckte, weil er seinem Volk den unsterblichen Impuls seines Le­bens einhauchen wollte. Cs war die Sehnsucht des Meisters von Bayreuth nach dem einigen Volk, dem er die göttlichen Gaben sei­

ner Kunst zu Füßen legen wollte, und es war die unerfüllte Sehnsucht Ihres Turnvaters Jahn. dieKrastderdeutschcnRationzusam- menAuballen, um sie dem deutschen Schöp- fergeift dienstbar zu machen. Beider Männer Sehnsucht blieb unerfüllt. Hätte ihre Zeit sie ver­standen, dann schritten wir heute an der Spitze aller Weltvölker, wir wären die Ration der Rationen.

Richt mehr stehen sich in Deutschland gegenüber Geist und Kraft, nicht mehr Proletarier und Bürger, nicht mehr klafft zroischen den deutschen Stämmen die Mainlinie, nicht mehr anlroortet ein Deutscher, roenn man ihn fragt, roas er fei, Bürger oder Proletarier oder Katholik oder Pro- teslant, sondern diese Frage wird heute zum erstenmal in unserer 2000jährigen Geschichte von 66 Millionen beanlroorlef mit einem Sah: wir find Deutsche!

(Stürmischer Beisall.)

Ich habe den Auftrag, Ihnen den Gruß der Reichsregierung zu entbieten. Die Reichs­regierung bekennt sich zu Euch, wie Ihr euch zu ihr bekennt. Die Reichsregie­rung sieht in Euerem machtvollen Aufmarsch eine Demonstration deutscher Kraft und deutschen Lebenswillens. Hnd siehr in Euerer stolzen Vergangenheit eine sort- laufende und nie zerreißende Kette von So­lidarität und Kameradschaftsbe» w u ß t f e i n. Das Gefühl der Kameradschaft, das Gefühl der Solidarität, das Gefühl der Schick- falsgemeinfchaft, cs ist in unseren Brau­nen Kolonnen so zu Hause gewesen, wie cs in Eueren marschierenden Gliedern zu Hause ist.

3eht wissen £fte, daß an der Spitze des Reiches eine Regierung fleht, die Kraft nicht fürchtet, bie Kraft will, die Kraft motorisiert, die Kraft einfeht für den Aufbau unseres Reiches.

Die Welt versteht uns noch nicht: vielleicht auch kann sie uns nicht verstehen! Ihr, die Ihr von jenseits der Grenze zu uns gekommen seid, Ihr wißt ein Lied davon zu fingen, wie ver­ständnislos, manchmal feindlich die Welt der Hmwälzung in Deutschland gegenübersteht. Ich aber fage Euch, laßt den Mut nicht s i n f e n. Cs sind noch keine sechs Monate her, da stand man uns auch in Deutschland noch feindlich gegenüber. Dieses glühende Deutschland wird and) bald den eisigen Boykott sprengen, den die Welt um uns zu legen versucht. Darin allerdings unterscheiden wir uns von den Regierungen, die uns voran» gingen. Wir sind nicht der törichten Hoffnung, daß die Welt uns helfen könne, oder daß die Welt uns helfen wollte. Wir gehen deshalb auch