Kr. 229 vierter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen)Samstag, 30. September 1933
Ein Volk — ein Mich.
Tatsachenbericht von einer Fahrt durch das deutsche Oesterreich.
Don Udo Wolter.
Der junge, reichsdeutsche Journalist Udo Wolter fuhr — mit Billigung der maßgebenden Stellen — nach Oesterreich, um auf einer Studienreise unmittelbare und unwiderlegbare Eindrücke von den Kämpfen und Spannungen im Lande zu sammeln. Hier ist der erste große Tatsachenbericht über Oester- reich und seinen Leidensweg.
1.
Leber die tschechische Grenze.
Der Zug rattert und stößt. Die tschechoslowakischen Wagen sind nicht sehr gut.
Draußen zieht eine freundliche, von langgezogenen Hügeln sanft unterbrochene Landschaft vorüber. Kleine Städtchen, sauber und schmuck, Dörfer, Gms- höfe fliegen vorbei, verschwinden schnell. Aber noch immer sind die von dem Abteil aus sichtbaren Aufschriften der Kaufläden und Gasthöfe deutsch. Fährt man durch fremdes Land? Man vergißt es fast, nur die amtlichen Aufschriften an den Stationsgebäuden erinnern einen wieder daran und ab und zu die ungewohnte Uniform des tschechischen Schaffners, der durch die Gänge geht und die Fahrkarten durchsieht.
Ueber eine Stunde liegt die Paß- und Zollrevision an der deutschen Grenze bereits hinter uns.
Mein Nachbar ist eine Deutscher, in Bodenbach zu- aestiegen. Nicht mehr |o jung. Aber ein straffes, braungebranntes Gesicht.
Wir sprechen wenig miteinander. Ab und zu fällt ein Wort.
Ganz allmählich wird die Unterhaltung im Laufe der Fahrt flüssiger. Wir sprechen über dies und das. So geraten auch einige Bemerkungen über meine Fahrteindrücke in das Gespräch. Draußen sind inzwischen die deutschen Aufschriften den tschechischen gewichen, erst jetzt spürt man, daß man in einem internationalen, durch vier Staaten führenden Zuge reist.
„Die Aufschriften ..."
Mein Gegenüber lächelt.
„Natürlich haben Sie recht. Die tschechische Regie- rung merkt allmählich auch etwas. Sie geht jetzt planmäßig daran, zu erzwingen, daß alle von den internationalen Strecken aus sichtbaren Aufschriften tschechisch gehalten werden."
„Aber das Land ist deutsch?"
„In der soeben durchfahrenen Strecke — gewiß. Man könnte die deutsche Grenze gut zwanzig Kilometer vorschieben, ohne den Tschechen etwas von ihrem Volkstum zu rauben."
Er wird plötzlich ernst.
.W ir beißen uns hier schon durch, vis bessere Zeiten kommen. Aber Sie gehen doch nach Oesterreich Denen sagen Sie. daß sie sich beeilen sollen "
ffinc halbe Stunde später stieg der Mann aus Wir hatten uns in letzter Minute, ein wenig beschämt ob unseres Versäumnisses vorgestellt. Es war der Redakteur eines sudetendeutschen Blattes.
Zwei Kollegen also. Ein sonderbares Zusammentreffen. Mir gingen seine Worte nicht aus dem Kopf.
Vraba Vraa?
Es steigen viel Deutsche zu, dann eine größere englische Touristengruppe Auch polnische und französische Gesprächsfetzen fliegen durch das Lärmen des großen Bahnhofes
Mein Abteil füllt sich rasch. Zwei Tschechen, eine dicke, asthmatische Frau mit großen Pappkartons und riesigen Koffern, dann ein Deutscher, an dem Dialekt unschwer als Oesterreicher erkennbar.
In den Nebenabteilen beginnen die Engländer,
meist junge Kerls — wahrscheinlich irgendeine europareisende College-Klasse — einen eintönigen aber melodischen Sing-Sang anzustimmen: „Ahoi . . . Ahoi ..my baby ...
Auf die Dauer geht auch das aus die Nerven. Mit einer energischen Bewegung schließt die dicke Frau die Abteiltür. Die Langeweile der endlosen Fahrt legt sich schwer über die Passagiere. Die beiden Tschechen beginnen einzunicken, die Frau folgt. Der Oesterreicher blättert in seiner Zeitung.
Als er sie beiseite legt, bitte ich sie mir aus.
Ein österreichisches Blatt: „Die Stunde". Es ist immerhin aufheiternd, wieder einmal etwas über „Nazimord" und „Braune Pest" zu lesen. Die Me- lodie dieser Berichte klingt noch aus fernen Tagen leise in den Ohren. Später sollte ich erfahren, daß ick ein regierungstreues, aber in der Hauptsache docy als Sensations- und Boulevardzeitung aufgezogenes, von französisch - tschechischemGelde aus- gehaltenes Blatt in die Hand bekommen hatte.
Mein Mitreisender ist ein österreichischer Beamter, der in Teplitz zur Kur war und nun nach Wien heimkehrt. Er hat sich inzwischen den „Angriff" durchgesehen, den ich mir mitgebracht hatte. Eine kleine Spannung ist bereits gegeben und wir sind schon Gegner, ehe wir reckt miteinander gesprochen. Wir haben uns durch unsere Zeitungen legitimiert
„Sie sind Sudetendeutfcher?^
Also in Gottes Namen denn ...
„Berliner."
Richtig! Er stutzt.
„Aber Sie sagten doch ... Sie wollen doch nach Wien."
„Gewiß."
„Kommen Sie denn nach Oesterreich hinein?"
„Ich hoffe ...", lächle icy. Dieses Lächeln irritiert ihn.
„Sie sind Nationalsozialist?"
„Mit Ihrer gütigen Erlaubnis."
Vielleicht ist das unvorsichtig. Aber der Mann hat, wie man ohne weiteres merkt, für den National- sozialismus nicht viel übrig und ich sehe keinen Grund, ihn deshalb zu schonen.
Meine Offenheit kommt ihm zu unerwartet. Er wechselt das Thema und versucht es jetzt auf jovialem Wege.
„Man erzählt ja schöne Sachen von euch da draußen"
Ich nehme das Sensationsblättchen in die Hand.
„Man ..., das sind Eure Zeitungen." Ich weise auf einige blutrünstige Ueberschriften ...
„Es muß doch etwas Wahres daran sein. In Oesterreich liegen die Verhältnisse übrigens ein wenig anders."
Was soll ich darauf erwidern. Ich schweige.
„Wir haben hier keine Sehnsucht nach euch." Jetzt bricht die offene Gegnerschaft durch. „Ihr zieht den Geist des Krieges und der Unversöhnlichkeit hoch ..., preßt die Kinder in Uniform ..."
Eine halbe Stunde geht das so. Meine Erwiderungen finden kein Gehör. Der Mann ist zu sehr in seiner Presse befangen Ich verliere langsam die Ruhe.
„W irbauen ein neues Reich, Herr. Wir haben eine Revolution gemacht, einer neuen Idee zum Siege verholfen. Wir sind nicht gesonnen, Aus- bau und Durchführung dieser Idee von den Heimlichen im Lande, dem Gegner im Dunkel, trüben zu lassen."
Die Auseinandersetzung droht in Zank auszuarten. Ich möchte das vermeiden. So benutze ich eine Gesprächspause, um das Abteil zu verlassen. Als ich xurürffebre, hat sich der Mann beruhigt. Nur an der Grenzkontrolle in Lundenburg paßt er angestrengt auf, ob der Beamte mich nicht mit meinem Paß zurückweift. Er ist sichttich enttäuscht, als dies nicht geschieht.
Aber gesprochen hat er kein Wort mehr mit mir.
„Lausbübereien", vor denen man Angst hat. Wien taucht in der Ferne auf, ein großes Lichtermeer, überlagert von einem hellen, rötlichen Dunstkreis. Langsam überquert der Zug die Donau und kreist in einer großen Kurve der Stadt entgegen.
In einem kleinen Wiener CafS sehe ich die Tageszeitungen durch. Es ist fast stets das gleiche. V e r • leumbungen über das neue Deutschland, manchmal so ungeheuerlich, voll sich überschlagendem Wutgeschrei, voll versteckter Angst vor der Zukunft, voll arotesfer Bemühungen um die Erhaltung des bestehenden Systems, daß die Ausdrücke und Beschimpfungen, mit denen man den Nationalsozialismus angreift, oftmals jedem Scham- und Anstandsgefühl in Das Gesicht schlagen. Es ist ü b e l st e Kolportage, was man über die neuen Führer des Deutschen Reiches berichtet.
Der Ober serviert mir auf einem kleinen Tablett zwei Glas Wasser nach. Das geschieht bereits zum zweiten Mal und scheint hier Sitte zu fein. Im Lause der Tage soll ich mich bann auch daran gewöhnen, daß man hier stundenlang in den Cafös sitzt, plaudert, in den hunderterlei Zeitungen und Zeitschriften schmökert, seine Korrespondenz erledigt und Geschäftsabschlüsse tätigt. Ganz anders ist das, als in Berlin, wo man hastig seine Tasse Kassee trinkt und dann wieder in fein Büro eilt ...
Auf dem Wege zum Hotel gelange ich durch Straßen, in denen kleine, rechteckige Blätter mit roten Hakenkreuzen über das Pflaster treiben.
„Lausbübereien" nennen es die anderen, deren Presse ich soeben durchgesehen. Man nimmt diese „Lappalien" so wichtig, daß man ihnen bis zu anderthalb Druckseiten widmet. Beweisen doch diese kleinen Lebenszeichen der verbotenen Partei, daß der Kamps trotz aller Unterdrückung weitergeführt wird.
(Fortsetzung folgt)
Das Erdbeben in den Abruzzen.
In den Abruzzen in Mittelitalien ereignete sich ein schweres Erdbeben, durch das zahlreiche Ortschaften verwüstet wurden. Die Bewohner verließen panikartig ihre Häuser, doch sind glücklicherweise die Opfer der Katastrophe bei weitem nicht so hoch, wie bei der Erdbebenkatastrophe in derselben Gegend vor drei Jahren.
Erntedankfest und Kirmes.
Das Herbstfest des deutschen Bauern.
Von Dr. Friedrich Spreen.
Das Erntedankfest auf dem Bückeberg bei Hameln wird zum ersten Mal Stadt und Land bei einer Feier vereinen, die uns das Wesen des deutschen Bauerntums offenbart. Damit wird an das Hauptfest angeknüpft, das der Landmann von altersher im Herbst zum Dank für die glückliche Einbringung der Ernte zu begehen pflegt. Dieses Erntefest trägt jetzt meistens den Namen Kirmes, d. h. im Niederdeutschen „kerken-misse", was ursprünglich die zur Kirchweih gelesene Messe, dann den an diesem Tag abgehaltenen Markt bedeutet. Mancherorts ist diese Feier ihres kirchlichen Charakters ent
kleidet, zum bloßen Jahrmarkt und zur ausgelassenen Tanzbelustigung herabgesunken. Im Grunde aber steckt in Der Kirmes die Vereinigung des kirchlichen und weltlichen Erntefestes. Das Erntefest schloß sich zunächst unmittelbar an die Ernte an und ist auch heute noch mit dem Einfahren des letzten Wagens verknüpft. In feinen Bräuchen bewahrt es die Erinnerung an ein heidnisches Opfermahl und an einen Fruchtbarkeitskult, wie er sich besonders in dem Mittelpunkt der weltlichen (Erntefeier, in Erntekranz und Erntekrone, in Erntetanz und Erntespiel darstellt. Auch der Dankgottesdienst
Lob des Ackers.
Von Alfred Huggenberger, GOS.
Wer da glaubt, es fei eine leichte Sache, die Ackerfurchen mit Dem Karst umzubrechen unb zu lockern. Damit Die Keime Der untergepflügren Kartoffeln sich rechtzeitig unD unoerfümmert ans litTie Gotteslicht heraufaroeiten können, Der weiß wohl auch nicht. Daß es KinDerhänDe mit Schwielen gibt. UnD wer noch nie beim Hacken mit Dabeigeroefen ist, wenn Die zarten Sprößlinge endlich mit Mühe unD Not aus Dem BoDen gekrochen finD und befchei- deutlich für ein paar fonnenhungrige Blättlein Platz gesucht haben, um sogleich vom frech auffchießenden nfraut schwer bedroht unD beDrängt zu werben, Der hat auch Die freuDige Genugtuung nie erlebt, die Dem MüDling bei Der Arbeit zuteil roirb. Man denkt an Das harte Gotteswort: „Dornen unD Disteln soll Dein Acker heroorbringen! „Aber man schafft, unD wenn man hinter sich blickt — siehe, da ist Der Fluch von Der ErDe weggenommen! Komm in Drei, vier Tagen wieDer, Dann kannst Du schon Den Dank Der erlösten Pflänzlein einheimsen: sie haben sich in Der Frühsommersonne glückhaft entfaltet; jeDer liebe Tag zeitigt ein Blatt, em Zweiglein. Der noch vor kurzem kahle Acker ist von weitem wie ein Dunkelgrünes KleefelD zu schauen. Die Zeit zur Behäufelung rückt schnell heran: keine StauDe, Die nicht ihr eigenes, wohlabgezirkeltes Geviert an lockerem ErDreich zugeteilt bekäme.
So, was an uns liegt, haben wir getan. Auch Der Wettersegen ist nicht vergessen:
Wir haben einen Mut, Herrgott, Du meinst es gut, Behüt' Den Acker vor Guß und Stein, Unser Können ist klein.
Habt ihr euch schon einmal ein blühendes Kar- toffelfelD recht angesehen? Aus Dem Hölzliacker ist jetzt ein einziges Blumenbeet geworben. Die große Einsamkeit ist erfüllt von bem Wunber. Selbst ber alte Grenzstein vermag sich zu freuen. Er ist ja von feiner Wichtigkeit tief burdjbrungen, er weiß nicht, baß er in feinem kleinen Schaubezirk nur als ein grauer Stein angesehen ist. Kein Zweifel: der Acker blüht nur ihm zulieb, bie Lerchenlieber schweben nur ihm zu Ehren vom frühen Morgen bis zum späten Abenb im Sonnenhimmel über Den nahen Weiherwiesen Auch ein Stein muß feine Feste haben.
September. Die Buchen am WalDrande ziehen gemach ihr buntes HerbstkleiD an. Eichhörnchen wagen sich aufs offene Feld heraus: Dem Letien- bimbaum auf dem Hölzliacker gilt ihr zögernd ge- 1
wagtes Werben. Sie zernagen unb vergeuden frech Die herrlichen Birnen, es ist ihnen ja nur um Die braunen Kerne zu tun.
Sieh — was trottet Dort für eine kleine Karawane mit Karst unD Karren Daher? Macht euch heim in euer Reich, ihr kleinen Schlemmer unD Erzschelme! Jetzt wollen Die ernten? Die gesät haben!
Ja, Da finD sie, Bauer unD Bäuerin, KinD unD Kegel. Da finD wir, die rechtmäßigen Eigentümer Des Hölzliackers. DD er will sich so ein Eichhorn am EnDe gar mucksen unD auf fein Recht pochen? Augenblicks ginge ich heim, Den Kaufbrief holen, um gutes Gelb vom Notar mit Schnörkeln unb Siegel gültig gemacht. Es ist alles in ber obersten Truhe ber Kommode, ich wäre balb wieder da. So da kannst du lesen, wenn du lesen kannst! Alles schwarz auf weiß! Im Jahre soundso. Von da an hat auf bem Grenzacker niemanb einen Stein mit Recht umkehren bürfen. Mein Vater kann aus ihm eine Wiese machen, eine Weizenmauer, ein Haber- selb, einfach, was ihm beliebt. Unb es mag einer zehnmal im Vorbeigehen bie Nase rümpfen und sagen: „Was liegt an so einer' abseitigen Hunger- zelg, wo sich Füchse unb Hasen Gutnacht wünschen?" Er beweist bamit nur, baß mit ihm nicht viel los ist. Mein Vater hat gesagt: „Es kommt nicht barauf an, wo ober wie ein Acker ist, es kommt Darauf an, ob er einem anbern gehört ober mir."
Was wahr ist, muß man wohl gelten lassen: Der Herbst hat unferm Hölzliacker recht unfreunblid) zu- gesetzt, er hat allen Sommerhochmut von sich tun müssen. Die Kartoffelstauben finb gelb unb le» bensmübe geworben; viele finb sogar schon ganz eingetrocknet. Arme Herrlichkeit, was ist aus bir geworben? Was ist als Lohn für unsere saure Arbeit übriggeblieben?
Wart nur erst, bis bie blanken Kärste ihr Werk tun! JeDer Streich, ber bie scheinbar brache Erbe aufbricht, bringt ein Wunber zutage: aus jeber Samenknolle finb zehn unb mehr geworben, aus klein groß, aus verschrumpft glatt unb neu. Wie fie herauskugeln, so recht kartoffelmäßig eigensinnig in Form unb Größe. Die eine Staube schenkt erstaunlichen Ueberfluß, bie anbere hat sich schein- bar weniger Mühe gegeben. Aha — eine ausgenagte Schale: ba ist ein Mäuslein zu Gast gewesen! Auch allerlei wunberliche Gebilbe kommen zum Vorschein. Hier ein Mann mit brei Köpfen, aber ohne Beine; ba eine Wurst, auf ber einen Seite hat sie ein richtiges Menschengesicht, mit Augen, Nase unb Munb, auf Der anDeren ein zierliches Sau» schwänzlein. Dann wieDer kommt eine Glücksknolle heraus, oDer es finD gleich Drei ganze Persönlichkeiten als Drillinge miteinanDer verwachsen. Wir Kinder legen eine kleine Sammlung an, die uns
viel Kurzweil macht. Jeder neue Fund wird von seinem Entdecker als Eigentum angesprochen. Wie lustig, wenn man so ganz im vollen Ernst sagen kann: Morgen oerschmause ich eine tartoffelne Wurst — morgen werde ich ein Menschenfresser!
Langsam aber sicher wächst Die Zahl Der gefüllten Säcke. Sie stehen schön in Reih und Glied, ber Stolz unb bie Freude bes braven Ackers. Der graue Grenzstein vergißt nicht, sich auf ben Segen seiner Felbbreite auch etwas zugute zu tun. Wenn er zählen könnte, so bürste er mit gleicher Genug- tung wie wir feststellen, baß unser Nachbar Stoller, Der mit seinem Völklein auf Dem Langacker Drüben schafft, vier Säcke weniger hat.
UnD nun kommt Der Höhepunkt Des Tages: wir Dürfen Die Dürren unD welken Stauben Zusammentragen, Der alte Brauch Des Herbstfeuers soll nicht abgehen. Unter Jubel unD Hallo roerDen im nahen Holz Falläfte und dürres Reis gesammelt, ein ganzer Stoß. Stollers Dünne Rauchsäule soll sich neben der unfern nicht melDen, bei uns müssen ganze Wellen emporsteigen. UnD eine richtige Dauerglut muß entstehen: gibt es auf Erben etwas Feineres als bie ersten Bratkartoffeln aus Dem Ackerfeuer? UnD gehört es nicht zum Herbsttag wie Die ziehenden Vögel, daß von jeDer Zeig Die Wolke eines Dankopfers aufsteigt? Auch Der Hölzliacker hat wahrhastig seine Sckulbigkeit getan, es soll ihm nichts abgehen an Eyren, wenn er auch vor heimlicher Wonne fast nicht weiß, was er für ein Gesicht machen soll
Tiger-Panik in indischen Dörfern.
In verschieDenen Dörfern Mittelinbiens finD Die Bewohner Durch Die plötzlichen Ueberfälle menschen- freffenber Tiger in solche Furcht versetzt, baß sie bes Nachts nicht mehr zu schlafen wagen. Immer roieber roirb bas Vieh überfallen unb von ben Bestien in ben benachbarten Urroalb geschleift. Die Bauern selbst finb biefer Gefahr gegenüber machtlos, ba es ihnen verboten ist, Tiger zu töten. Vom Fuße ber Panch Deoli-Berge roirb eine merfroür- bige Geschichte berichtet. Die von einem heftigen Kampf zwischen einem Tiger unD einer Rinberherbe erzählt, bei Dem Die RinDer Sieger blieben. Das Vieh grafte auf ben Wiesen an ben Bergabhängen, als plötzlich ein großer Tiger aus bem Dickicht her- oorfprang unb eine Kuh nieberschlug. Anstatt aber bie Flucht zu ergreifen, roenbete sich Die ganze Herbe in geschlossenem Angriff gegen Das Raubtier unD setzte ihm mit Den Hörnern energisch zu. Der Tiger ließ Darauf von Der Kuh ab unD roanDte sich in großen Sätzen roicDer Dem Dickicht zu Ein furchtbares Erlebnis hatte ein Arbetter aus Palior
namens Bagwan Daß, Der zu PferDe nach einem benachbarten Dorf ritt. Ein junges Fohlen, Das nebenher lief, würbe von einem Tiger überfallen. Der aus Dem Dickicht heraussprang unD vor Den Augen Des Reiters in Das Unterholz fortgesetzteppt.
Hochschulnachrichten.
Auf Den Lehrstuhl für Gynäkologie unD Geburtshilfe an ber Universität R o st o ck würbe zum 1. Oktober b. I. Professor Dr. Gustav H a s e l h o r st von ber Universität Hamburg berufen.
Die ao. Professoren an ber Universität Rostock Dr. Herbert Buscher (Anglistik) unb Dr. Hans- Jürgen Seraphim (Volkswirtschaftslehre) sind zu Ordinarien ernannt worden.
Nach der neuen Hochschuloerfassung in Baden, Die mit Dem 1. Oktober in Kraft tritt, roerDen Die Rektoren vom Unterrichtsministerium ernannt. Der baDische Kultusminister hat nunmehr Die (Ernennungen vollzogen. Zum Rektor Der Rupprecht-Karl- Unioerfität in Heibelberg rourbe ernannt ber Derzeitige Dekan Der juristischen Fakultät Professor Dr. Wilhelm Groh, zum Rektor Der Albert- LuDwig-Universität in Freiburg Der Derzeitige Rektor Professor Dr. Martin HeiDegger unD zum Rektor Der FreDericiana, Der babischen Technischen Hochschule in Karlsruhe, Der Derzeitige Rektor Professor Dr. Kluge.
Das Ministerium für Wissenschaft, Kunst unD DolksbilDung hat auf GrunD Des Gesetzes zur Wie- berherstellung bes Berufsbeamtentums folgenben Lehrkräften an ber Universität Köln bie Lehrbefugnis entzogen: bem Honorarprofessor Dr. Lin- bemann (Sozialpolitik), bem ao. Professor Dr. Pleßner (Philosophie) unb bem Privatbozenten Dr. Laßlo (Innere Mebizin).
Professor Dr. Max Waldhard, Drbinarius für Gynäkologie unb Direktor Der Universitäts- Frauenklinik in Zürich, ist im Alter von 66 Iah- ren g e ft o r b e n. Er stammte aus Bern unD kam im Jahre 1909 als Direktor Der Frauenklinik nach Frankfurt a. M. Von Dort rourDe er 1920 nach Zürich berufen.
Professor Dr. Hans Weißer von ber Universität Kiel hat eine ao. Professur für Nationalökonomie in ber Universität Philabelphia (USA.) angenommen.
Im Alter von 92 Jahren starb in (Eorboba (Argentinien) ber Zoologe Professor Wilhelm Schultz, ber als 22jähriger nach Argentinien gegangen war, auf vielen Forschungsreisen Die Dortige Fauna untersucht unD 35 Jahve Janaan h«; Universität Cordoba gelehrt hat, _


