Ausgabe 
30.1.1933 Erstes Blatt
 
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unter diesen Umständen Paul-Voncour blei­ben, während Daladier selbst auch als Mivisterpräsi. dent das Kriegsmini st erium beibehal- f en würde, höchstwahrscheinlich würde Daladier das Finanzministerium wieder in ein Finanz- und ein Ludgelministerium teilen. Wenn die Voraussagen vonhavas" zulrefsen sollten, würde das neue Ka­binett ein 2H i n i ft e r i u m Paul-Boncour mit Daladier an der Spitze fein. Die Fi- nanzsanierungssrage würde also an dem glei­chen punkte stehen, an dem paul-Boncour und Lheron sie haben fallen lassen müssen. Daladier hat der presse über seine Besuche Bericht erstattet und dabei auch erwähnt, dah er eine längere Unterredung mit Lai11anx über Finanzprobleme hatte. Dala­dier kündigte an. dah er noch mit den Abgeordneten Lhautemps und Franxois -Albert sowie Senator d e 21i o n 3 i e verhandeln werde. Er hoffe, im Laufe des Montagabends einMinisterium der republikanischen Aktion" bilden zu können.

Roosevelt nimmt mit England Kühlung.

Schuldenfrage, Abrüstung und Wirtschastskrisis.

Washington, 29. San. (WTB.) Der neu­gewählte Präsident Roosevelt hat den eng­lischen Botschafter in Washington, Sir Ronald L i n d s a y. nach Warmspringes eingeladen. Roosevelt hat den Entschluß gefaßt, alle Ver­handlungen mit England nur aus münd­lichem Wege zu führen, um so alle Miß- verständnisse und Angriffe zu vermeiden, die bei einem Aotenaustausch möglich sein können. Roosevelt hat erklärt, daß bei den Besprechun­gen, an denen übrigens Hoover nicht beteiligt ist, lediglich die Probleme derKriegs- schulden, der Abrüstung und der gegen­seitigen Wirtschaftslage erörtert werden. Lieber die vierstündige Unterredung zwischen Roosevelt und Lindsah wurde ein kurzer Be­richt herausgegeben, nach dem die persönliche Aussprache einen sehr befriedigenden Verlauf genommen hat. Cs seien vorläufige Vereinbarungen über die Schulden­verhandlungen getroffen worden, die hof­fentlich Anfang März beginnen könnten. Bot­schafter Lindsah fuhr am Sonntagabend nach Washington zurück und trat anschließend die ge­plante Reise nach London an.

Wird Japan sich aus Genf zurückziehen?

Tokio, 29. San. (TU.) Unter dem Vorsitz von Ministerpräsident Saito fand am Samstag eine außerordentliche Beratung des japanischen Kabi­netts statt, die der politischen Lage gewidmet war. Außenminister U t s ch i d a berichtete über die Verhandlungen in Genf und erklärte, daß keine Hoffnung auf eine Lösung der mandschurischen Frage bestehe. Er erbat sich Vollmachten für den Fall, dah Sapan aus dem Völkerbund ausscheiden werde. Ein Beschluß über die Abberufung der japani­schen Abordnung aus Genf ist n 0 ch n i ch t ge­faßt.

Die japanische Zeitung.Ridschi Ridschi" schreibt, der Generalleutnant T a t e k a w a , der japanische Militaroertreter auf der Abrüstungskonferenz habe dem japanischen Kriegsmmisterlu.n berichtet, oah es keinenpraktischenWert habe, an d e r Abrüstungskonferenz teilzunehmen, wenn der Dölkervund den Artikel 15 Paragraph 4 anwende und einen für Sapan untragba­ren Bericht über die mandschurische Streitfrage annehme. Er werde sich in diesem Falle mit dem japanischen Hauptvertreter Matsudeira von der Abrüstungskonferenz zurück- ziehen. Das Blatt schreibt, daß Matsudeira im gleichen Sinne an das Auswärtige Amt beruß-

De Valeras Programm,

vollständige Unabhängigkeit von England.

Dublin, 29.Jan. (TU.) Das Endergebnis der Wahlen zum irischen Landtage liegt nunmehr vor. Es haben erhalten die Partei de Vale­ro s 77 Mandate, die Partei Eosgraoes 48, die Unabhängigen 8, die Mittelpartei 11, die Ar- beiterparlei 8 und die unabhängige Arbeiterpar­tei 1.

Ministerpräsident de Valero veröffentlichte nach der Feststellung seines endgültigen Wahlsieges eine Botschaft, in der es u. a. heißt:Die nationale Politik ist nunmehr endgültig gesichert. Die Toten, die für Irland gestorben find, werden bei der Durchführung unserer Bestrebungen gegen­wärtig sein." In einer Erklärung über seine poli­tischen Ziele sagte de Dalera, die vollständige Unabhängigkeit von England bleibe unverändertes Ziel. De Valera kündigte ferner an, daß die Landentschädigungen an England in Zukunft nicht mehr auf einem Zwischenkonto ruhen, sondern zur Verwendung im iri­schen Haushalt frei gemacht werden soll­ten. Das Wahlergebnis bedeute keinerlei Feindselig­keit gegen England. Der Wunsch des irischen Volkes und der irischen Regierung fei, in den besten und freundlichsten Beziehungen zu England zu stehen.

Die erste sichtbare Auswirkung des Wahlsiegs de Valeras wird die endgültige Abschaffung des Treueides der irischen Abgeordneten zur eng­lischen Krone fein. Das Gesetz zur Abschaffung des Treueides war bekanntlich vom letzten Landtag ver­abschiedet worden. Der Senat machte jedoch von feinem Einspruchsrecht Gebrauch, wodurch die In­kraftsetzung um 18 Monate verzögert wird. Diese Verzögerung ist nach der Neuwahl nicht mehr in Kraft, so daß das Gesetz, das übrigens für zehn Äahre rückwirkend ist, innerhalb von 60 Tagen in Kraft treten kann. Ferner ist damit zu rechnen, daß de Valero feine weiteren Wohloersprechungen: A b ° fchaf jung des Postens des General- gouDerneurs und Reform d e s Senats baldigst verwirklichen wird. Die Frage der Ver­einigung Nord-Irlands mit dem Freistaat zu einer Republik wird ebenfalls viel erörtert. In manchen Kreisen glaubt man, daß de Dalera die nationalistischen Mitglieder des Ulster-Parlaments einladen wird, als Beweis der irischen Einheit ihre Sitze im Dubliner Landtag einzunehmen. De Valero würde damit zeigen, daß er die Trennung zwischen Nord- und Südirland nicht anerkennt.

Das Programm des Reichslandbundes.

Ein Schreiben an den Ncichsprä identen.

Berlin, 28. Jan. (TU.) In Fortsetzung des zwischen dem Präsidium des Reichslandbundes und dem Reichspräsidenten eingeleiteten Briefwechsels hat das Präsidium des Reichslandbundes dem Reichspräsidenten am Freitag ein umfangreiches Schreiben zugehen lassen, das als eine Denkschrift über die vom Reichslandbund geforderten agrar­politischen Sofortmaßnahmen gewertet werden mutz. Es heißt in diesem Schreiben u. a.: Das Präsidium glaubt sich mit dem Reichspräsidenten völlig einig zu sein, daß ein auch noch so vollkommener V 0 11 - streckungsschutz nur als eine Zwischenmaß- nähme angesehen werden kann, die wirkungslos bleiben mutz, wenn nicht die dadurch geschaffene Atempause mit größter Energie und Beschleunigung zu den gebotenen entscheidenden Reform- und Hilfsmaßnahmen verwandt wird. Das Schrei­ben gibt dann eine Zusammenfassung der unerläß­lichen Sofortmaßnahmen, der eine ausführliche Dar­stellung der nach Ansicht des Reichslandbundes völlig verfehlten deutschen Exportpolitik der letzten Jahre vorangeht. Die noch Ansicht des Reichs- landbundes zu ergreifenden Sofortmaßnahmen wer­den infolgedessen in sechs Punkten zusammengefaßt:

1. Beseitigung der bestehenden agrari­schen Zollbindungen und Wiederherstellung der zollpolitischen Handelsfreiheit durch geeignete Handelsvertragsverhandlungen.

2. Ergänzung der Zollmaßnahmen durch Ein­fuhrkontingente.

3. Schutzmaßnahmen für sämtliche land­wirtschaftlichen Produkte, auch Nebenprodukte, wie Häute, Holzstoff usw.

4. Besondere Abwehrmaßnahmen gegen das Valuta» undHandelsdumping zahlreicher Auslandstaaten.

5. Ergänzung des Dutterbeimischungszwanges durch Kontingentierung der Margarine- Herstellung.

6. Sondermaßnahmen zur Stützung des Ge- treidemarktes im Wirtschaftsiahr 1932 33. Im Rahmen dieser Maßnahmen wird die Schaffung echter Einfuhrscheine, besonders für Wei­zen und Hafer, und Ersatz des verbilligten Hühner- maises durch verbilligten Hühnerweizen verlangt.

Die holländische Kronprinzessin in Darmstadt.

Kronprinzessin Juliane von Holland ist mit größerem Gefolge im eigenen Salonwagen in Darmstadt eingetroffen und hat im Hotel Zur Traube" Wohnung genommen. Ein Teil des Gefolges ist imSchloß Erbach-Schönberg" abge­stiegen. Der Aufenthalt der Kronprinzessin ift völlig inkognito. Sie besuchte am Samstagabend die Vor­stellung im Kleinen Haus des Hessischen ßanbes« theaters und reift am Montag weiter nach Heidel­berg.

Aus aller Well.

Abenteuer auf dem Eis.

3n der Nähe von Bacharach am Rhein spielte sich dieser Tage ein aufregender Vorfall ab. Mehrere junge Leute aus bet Stadt gingen über die Eisversetzung, um zu einer der kleinen im Rhein gelegenen Inseln zu gelangen. Plötzlich lösten sich die Eisschollen, auf denen sich die Lln- vorsichtigen befanden, von der Eisversetzung ab und setzten sich in Bewegung. Da die am Llfer verbliebenen Leute den Abtreibenden keine Hilfe bringen konnten, sprangen sie kurz entschlossen in der Rühe einer Insel in den Rhein, und es ge­lang ihnen unter größten Anstrengungen das ret­tende Alfer zu erreichen. Nachdem sie eine Rocht auf der Insel zugebracht hatten, konnten sie über den inzwischen zugefrorenen Rheinarm nach Ba­charach zurückkehren.

Erdbeben In der Auvergne.

Die Erdbebenwarte in Clermont-Ferrand hat in der Nacht Aum Sonntag ein schweres Erd­beben ausgezeichnet, das in der Provinz selbst einigen Schaden anrichtete. Die warme Heilquelle in Chaudes Aigues scheint durch die unterirdischen Erdverschiebungen besonders gelitten zu haben. Der Sprudel ist seit Sonntagmorgen um die Hälfte zu­rückgegangen und das Wasser, das bisher kristall­klar war, ist plötzlich milchig geworden.

Wolfplagc und Kälte in Jlorbfpanien.

In der Umgegend von Bilbao richteten Wölfe, die infolge der Kälte in Rudeln von den Bergen heruntergekommen sind, unter den Schafherden mehrerer Orte großen Schaden an. Innerhalb einer Woche sind über 100 Schafe von den hungrigen Bestien zerrissen worden.

Bombenanschlag auf einen Faschistcnsührer in Amerika.

In Philadelphia wurde auf die Villa des bekannten Rechtsanwalts und Bankiers, John de

S i l d e ft r 0 eine Bombe geworfen, die das Ge­bäude zerstörte. Die Frau des Rechtsanwalts wurde getötet, die drei Töchter, der Sohn und die Sekretärin erlitten Verletzungen. Silvestro, der in italienischen Faschistenkreisen in Amerika sehr bekannt ist und als Freund Mussoli- n i s gilt, kehrte wenige Minuten nach dem An­schlag von einem Besuch bei einem Freunde zurück und entging so dem Tode. Die Familie hatte in letzter Zeit in Italien geweilt und war erst vor kurzem nach Amerika zurückgekommen. Die Polizei glaubt, daß der Anschlag ein Werk der anti­faschistischen Bewegung ist. Man befürch­tet weitere Anschläge.

Die Oldenburger postgeldrauber verhaftet.

Der Raubüberfall auf dem Oldenburger Hauptbahnhof, bei dem den Tätern zwei Geldkafsetten mit 8200 Mark Postgeldern in die Hände gefallen waren, hat seine Aufklärung gefunden. Die Krimi­nalpolizei verhaftete als Täter Den 29jährigen, im November 0. I. entlassenen Postaushelfer Georg W a n d s ch e r und den 49jährigen Bäcker Richard D e m b f e. Bei Dembke fand man noch über 4500 Mark. Bei Wandscher wurde kein Geld gefunden; die Nachforschungen nach dem Verbleib der zweiten Kisten gehen weiter. Während Wandscher bisher alles abstritt, gab Dembke zu, die Kiste besessen zu haben, will sie aber in der Nähe des Bahnhofs ge­funden haben. Mitverhaftet sind auch bei beiden Ehefrauen der Täter.

Drei Scheunen abgebrannt.

In Rußheim in Baden brach in der Scheune des Landwirts und Gemeinderats Hacker ein Brand aus, der sich rasch ausbreitete und auch die benachbarten Scheunen zweier Landwirte er­griff. Das Vieh konnte in Sicherheit gebracht werden. Die drei Scheunen wurden mitsamt ihrem Inhalt ein Raub der Flammen. Der Scha­den ist erheblich. Die Drandursache ist unbekannt.

Aus der Provinzialhaupistadt.

Tagung

-er oberhessischen Krauenvereine.

Die dritte und letzte Versammlung der Tagung dec evangelisch-kirchlichen Frauen­vereine Oberhessens am Freitag war außerordentlich stark besucht und tourje mit einer Andacht eingeleitet, in der Pfarrer Lic. Her­me n a u, Potsdam, der Vorsitzende des Deut­schen Gesamtverbandes der Evangelischen Frauen­hilfe, über das Bibelwort aus dem 1. Kapitel des Evangelium JohannesIm Anfang war das Wort ..." sprach.

Sodann sprach Pfarrer Lic. Hermenau über das Thema:Untere Aufgabe im Dienst der öffentlichen Meinung". Der Red­ner führte ungefähr folgendes aus: Bei der Meinung" bestehe immer die Möglichkeit der Aenderung. Dies zeige sich deutlich im politischen, wie auch im privaten Leben. Was heute noch sich feindlich bekämpfe, vertrage sich morgen als Freund: also Korrektur der Meinung. Grund dafür sei mangelnde Erkenntnisfähigkeit. Dies bewahrheite sich in den Schwierigkeiten der Ehe. Deshalb dürfe die Art und Weise desSich- kennenlernens" nicht oberflächlich bleiben. Mei­nung fei etwas Schwankendes, werde geprüft und gebessert. Wasöffentliche" Meinung sei, machte der Redner daran deutlich, wieman sich beuge unter eine allgemeine Meinung. Es gelte einfach:Man" trage dieses oder jenes Kleid,man lese diese oder jene Zeitung,man wage nicht zu erziehen,man gebe nach. Die öffentliche Meinung bilde sich aus allerlei Teil- gebilden. (Zeitung, Bücher, Kino, Theater, Film, Rundfunk.) Diese alle wirkten an Millionen. Dadurch werde der Mensch Serienartikel; er sei unter die Maschine gekommen. Dies bedeute eine Kollektivisierung undkalte Bolschewisie- rung". Die Aufgabe der Frauenvereine sei nicht, neben diese öffentliche Meinung eineevangelisch­uniforme" Meinung zu stellen, sondern eine evan­gelische Orientierung aus der Grunderkenntnis der evangelischen Kirche; die Bibel sei uns kein Rachschlagebuch. Die öffentliche Meinung bringe selbst in die Kirche und die Gemeinde, hier­gegen müßten Frauen ankämpfen. Frauenhilfe kümmere sich um Mütter- und Haussorgen. Der Einbruch in die öffentliche Meinung sei möglich mit Christus, der Glaube könne Berge versetzen, alles ändern und die Front erschüttern. In der Aussprache betonte Pfarrer Lenz, Gießen, u. a., die stärkste Waffe sei der Gottesdienst. Pfarrer Becker, Gießen, machte auf die Ver­wendung und Förderung guter Literatur auf­merksam. Die Vorsitzende, Frau Professor He­raeus, dankte allen Tagungsteilnehmern für das rege Interesse und den Rednern für ihre

Den Ausklang der Tagung bildete dieHaupt- versammlung des 0 b e r h e s s i s ch e n Verbands im Eas6 Leib am Freitagnachmit- tag, die sehr stark besucht war. Frau Heraeus begrüßte alle Erschienenen. In einem eindrucks­vollen FilmDer Große Strom" wurde die Hn» xast des menschlichen Lebens in drastischer Weise vor Augen geführt. Man konnte sehen, wie die Technik nicht mehr Dienerin der Menschen ist. sondern wie die Menschheit unter sie ge­knechtet wird. Man sah die Gegensätze zwischen den blitzblankenWohnräumen" der Maschinen und den Clendswohnungen der durch Maschinen arbeitslos gewordenen Menschen, ferner das Elend der Kinder der vier Millionen erwerbs­tätiger Mütter und die Rot der Erwerbslosen. Die letzten Bilder zeigten die Erholungsheime der Frauenverbände, in denen der Mutter Ge­legenheit gegeben wird, Kraft zu gewinnen für Familie und Volk. Pfarrer Lic. Hermenau- Potsdam gab die Erläuterungen zum Film.

In ihrer Schlußansprache wies Frau Professor Heraeus -Offenbach darauf hin, dah der Hes­sische Hauptverband in seinem Müttererholungs­heim in Rieder-Aamstadt dieses Iahr zum ersten­mal bedürftige Frauen kostenlos aufgenommen habe, die, an Leib und Seele gestärkt, dankbar in ihre Familie zurückgekehrt feien. Mit gemein­samem Choralgesang fand die arbeitsreiche Ta­gung ihr Ende.

Zugend-Bei-ufswettkampf im Gt>A.

Gestern vormittag fand im Kaufmännischen Vereinshaus. Rvrdanlage, ein Derusswettkampf der deutschen Angestelltenjugend, durchgeführt vom Iugendbund im Gewerkschaftsbund der Ange­stellten, statt. Die örtliche Veranstaltung stand unter dem Protektorat von Oberbürgermeister Dr. Keller, Regierungsrat Dr. B u e s (Vor­sitzender des Arbeitsamtes), Dr. Rotten­bacher (Berufsberater des Arbeitsamtes). Syn­dikus Dr. Zeidler (Handelskammer), Berufs­schullehrer A. Wehrheim, Berufsschullehrer Hei der, Vogtsche Handelsschule, während dem Reichsehrenausschuh der Reichsarbeitsminister angehörte.

Die Veranstaltung, die bezweckte, die berufliche Tüchtigkeit des kaufmännischen Rachwuchses zu erproben, war von einer stattlichen Anzahl von Teilnehmern besucht. Es stellten sich dem Wett- kampf-Ausschuh 17 Jungens und 15 Mädels. Gearbeitet wurde in zwei Leistungsklassen, und zwar Klasse I für Teilnehmer aus Kontoren. Klasse II für Teilnehmer aus Ladengeschäften. Diese Leistungsklassen waren eingeteilt in Grup­pen für Lehrlinge auS dem ersten, zweiten und dritten Lehrjahr. Eine weitere Leistungsklasse sah erschwerte Aufgaben für junge Angestellte vor. Die Prüfungsarbeiten waren dem praktischen Leben entnommen und dadurch eine Gleichstel­

lung mit der beruflichen Praxis gewährleistet. Für die Erledigung der Arbeiten batte man eine Zeit von zwei Stunden zur Verfügung ge­stellt. Als besonders erfreuliches Ergebnis konnte festgestellt werden, daß die erste fertige Arbeit bereits innerhalb 55 Minuten abgegeben wurde. Kurz vor Schluß der Veranstaltung hatten sämt­liche Teilnehmer ihre Arbeiten vollendet.

Der Derufskampf wurde durch den 1. Vorsitzen­den un Gewerkschaftsbund der Angestellten, Lud­wig Zecher, mit einer kurzen Ansprache er­öffnet. in der er u. a. sagte: Berufswettkampf bedeute in schwerer Zeit eine ernste Tat. Mil­lionen junger Menschen seien ohne eigene Schuld arbeitslos. Die Rot drohe die Kraft zu lähmen, aber man dürfe den Boden nicht unter den Füßen verlieren. Der Wille zum Leben bedeute Kampf. Als großes Ziel aber stehe vor uns: Deutschland mutz leben, und es gelte zu kämpfen für den Aufstieg unseres Volkes. Das Leben der Zukunft, das auch der persönlichen Entfaltung wieder Raum gebe, werde nicht bequem sein. Es fordere Können und Zähigkeit, Härte deS Willens und Entwicklung der persönlichen Fähig­keiten. Heute gehe es um die berufliche Schulung des jungen Menschen. Die Jugendzeit müsse dazu benützt werden, sich das Rüstzeug für die Zukunft zu erringen. Die Jugend müsse mitgestalten an der Zukunft. Tüchtig im Berufe, tapfer im Leben, treu unserem Volke müsse die Losung fein.

Zum Schluß dankte der 2. Vorsitzende allen Teilnehmern für ihre Mitarbeit und wies auf die Preisverteilung und Siegerverkündigung hin. Außer den von der Ortsgruppe Gießen gestifteten Preisen kamen Preise von der Gau- und Reichs­leitung zur Verteilung.

Taten für Montag, 3v. Januar.

1649: Hinrichtung Karls I. von England vor dem Palast Whitehall in London; 1781: der Dichter Adalbert von Chamisso in Boncourt in der Cham­pagne geboren; 1889: Kronprinz Rudolf von Oesterreich in Meyerling gestorben.

tiSoinvi4,icn.

Tageskalender für Montag. Verein der Freunde des Humanistischen Gymnasiums; Alter« tum-wissenschaftliche Fachschaft: 20.30 Uhr, Stuben- tenhaus, Leihgesterner Weg, Lichtbilderoortrag über 21us der Welt des spätantiken Zauberwesen". VDA.: 20.15 Uhr, Hotel Hindenburg, Vortragsabend und Jahresversammlung. Kaufmännischer Verein und Gewerbeverein: 20 Uhr, Neue Aula, Lichtbilder­vortrag Paul EipperMeine Freundschaft mit Tieren". Akademische Auslandstelle der Univer­sität: 20. 15 Uhr, Hörsaal des KunstwissenschaslUchen Instituts, Vortrag überModern Tendencies in English Education". Freiwillige Gotische Feuer­wehr: 20 30 Uhr, bet Kamerad Dippel, Monatsver­sammlung. Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): Mamsell Nitouche".

** Ein Rohrbruch in der Wasserlei­tung machte sich heute früh an der Ecke Schulstraße und Wagengasse bemerkbar. Dort trat im Keller eines Hauses Wasser auf, das offenbar nur von einem Schaden in dem Zuleitungsrohr herrühren konnte. Ausbrucharbeiten, die alsbald vorgenommen wurden, ergaben, daß das Wasser bereits bis unter die Asphaltdecke der Fahrbahn emporgedrungen war. Zur Zeit der Niederschrift dieser Zeilen wird an der Beseitigung des Schadens gearbeitet

" DieHessische Aufbauschule Fried- b e r g macht im heutigen Anzeigenteil auf die Anmeldung und Aufnahmeprüfung für die Auf­bausHule aufmerksam. Die Ausbaufchule führt be­gabte. fleißige und gesunde Jungen, die min­destens 7 2 ahre die Volksschule besucht haben, in 6 Jahren zur Reifeprüfung. Das Reifezeugnis der Schule berechtigt zu allen akademischen Stu­dien und zu allen Berufen, für die das Bestehen der Reifeprüfung Vorbedingung ist. Auswärtige Schüler, die nicht bei ihren Eltern wohnen können, finden im Schülerheim der Anstalt Wohnung und Verpflegung.

** Winterfest der 1. Kompanie un­seres Bataillons. Unter starker Beteili­gung der Bürgerschaft veranstaltete die 1. Kom­panie unseres Bataillons, die Traditions-Kom­panie des Leibgarde-Inf.-Rgts. Rr. 115, am Samstagabend ihr Winterfest in den Räumen derLiebigshöhe". Mit dem Parademarsch der langen Kerls", schneidig wiedergegeben von der Reichswehrkapelle unter Leitung von Obermusik--: meister Krauhe, wurde der Abend eröffnet. Ein Vorspruch (Sprecher Feldwebel Boden­stein) schilderte die Geschichte des Leib-Jnsan- terie-Regiments während dreier Jahrhunderte und schloß mit einem hoffnungsvollen Ausblick in die Zukunft; der Dorspruch, in beschwingter dichterischer Form dargeboten und musikalisch, untermalt, wurde sehr beifällig ausgenommen. Sodann begrüßte der Kompanie-Chef, Haupt­mann von Herff, die zahlreichen Gäste, be­sonders die Vertretungen der Krieger vereine, der ehemaligen Leibgardisten aus Frankfurt und aus Oberhessen sowie der Sportvereine. Er wies u. a. darauf hin, daß die Veranstaltung erneut zeige, wie stark die Gießener Bürgerschaft mit der Reichswehr verbunden sei. Das WortGott. Ehre, Vaterland" gelte auch heute noch, und die Traditionskompanie werde diesen Wahlspruch in Ehren halten. Der Redner erinnerte sodann an die Reichsgründung, sprach vom Wirken Bis­marks und erinnerte an den Weltkrieg, in dem Deutschland gegen eine Welt von Feinden stand und das Feldheer der Heimat die Schrecken des Krieges in den schlimmsten Auswirkungen er­sparte. Das Diktat von Versailles habe die Ein­heit des Reiches nicht zerstören können, das Reich solle und müsse auch in Zukunft bestehen. Die Reichswehr wolle nach Kräften ihre Auf­gabe erfüllen, das Vaterland zu schützen, dem Daterlande zu dienen. Mit einem dreifachen Hoch auf daS deutsche Vaterland und den Reichs­präsidenten von Hindenburg, sowie mit dem gemeinsam gesungenen Deutschlandlied fand die sehr beifällig aufgenommene Ansprache ihren Abschluß. Im weiteren Verlause des Abends wartete die Gesangsabteilung der Kompanie mit einigen frisch gelungenen Liedern auf; dankbarer Beifall belohnte die Sänger. Sodann sah man noch Hebungen im Bodenturnen, die sehr gut gefielen. Zum Schluß des offiziellen Programms gelangte ein lustiges, geschickt in Versen gefügte» Theaterstück zur Aufführung. Der Rest des Abends war dem geselligen Beisammensein und Tanz gewidmet.

** Kulturfilm aus dem südlichen Eis­meer. Dr. Kohl-Larsen fuhr mit Frau und Kameramann in den Jahren 1928/29 in das südliche Eismeer, um die Eisverhältnisse Süd-Georgiens zu studieren. Neben der wissenschaftlichen Arbeit hatte man es sich aber auch zur Aufgabe gemacht, einen Kulturfilm mitzubringen. Die Tierwelt am Rande des südlichen Eismeeres war dankbares Objekt für den Kameramann. Vom Walfischfänger aus verfolgt-