m. 304 Zweites Matt
Freitag. 20. Dezember 1955
Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhchen)
Oie Welt und das neue Deutschland.
Sine außenpolitische Jahresbilanz in Berichten unserer Korrespondenten.
Auch diesmal haben wir zum Jahreswechsel bei unseren Auslandsberichterstattern eine Umfrage veranstaltet. Das Thema ergab sich aus der nationalen Erhebung Deutschlands. Hat man draußen die deutsche Entwicklung verstanden, die säkulare Bedeutung der deutschen Revolution begriffen, ihre Wichtigkeit für den Frieden und die gedeihliche Entwicklung Europas erkannt? Die Antworten aus dem Ausland sind uneinheitlich. Offene Feindschaft und völlige Verständnislosigkeit finden wir im Urteil des Auslands ebenso wie geteilte Zustimmung und uneingeschränkte Bewunderung.
Die Wahrheit zu sehen ist immer schwer. Wir gewinnen aber gerade aus unserem ungeschminkten Jahresrückblick die Ueberzeugung, daß die Wahrheit über Deutschland auch jenseits der Reichsgrenzen auf dem Marsch ist. Ihr weiter die Bahn zu bereiten wird die vornehmste Aufgabe der deutschen öffentlichen Meinung im Jahre 1934 sein.
Paris: Ringen um Erkenntnis
Von unserem v. G.«Berichterstatter.
Der Franzose hat an sich kein großes Verständnis für andere Völker und besonders roenig Urteilsfähigkeit, wenn es um Deutschland geht. Die öffentliche Meinung läßt sich auch durch die Erfahrung nur ungern belehren. Seit dem Kriege hat die französische Presse eigentlich bei jeder entscheidenden Aenderung in Deutschland Alarm geschlagen, um einige Monate später, wenn die Entwicklung wieder einen Schritt weiter war, den überwundenen Abschnitt als durchaus annehmbar hinzustellen. Was für ein Geschrei wurde beispielsweise nach der Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten erhoben, und doch dauerte es nicht lange, bis er in Frankreich als der ruhende Pol der stürmischen deutschen Geschichte gepriesen wurde! Mussolini hat eine ähnliche Behandlung erfahren. Zahlreiche Franzosen haben sich eben eingebildet, das Versailler System lasse sich verewigen. Und jede Persönlichkeit, die diesen Anschauungskreis zu stören droht, jedes Ereignis, das sich gegen dies künstliche Hindernis für eine wahre Befriedung Europas auswirken könnte, wird mit Empörung abgelchnt, — bis die unaufhaltsame Wirklichkeit eben doch wieder ein Stück aus der Konstruktion eines falschen Friedens herausgebrochen hat...
In der Beurteilung des nationalsozialistischen Deutschland ist ein Umschwung der französischen öffentlichen Meinung noch nicht eingetreten; er wird aber kaum ausbleiben. Im verflossenen Jahr hat man allenfalls eingesehen, daß das Dritte Reich ein fest gefügter Bau und nicht das chaotische Durcheinander ist, als das man es anfangs zu betrachten beliebte. Im Februar, unmittelbar nach der nationalen ^Erhebung gab es in Paris noch ernst zu nehmende Politiker, die für Deutschland schwere innere Unruhen voraussagten. Heute weiß jeder Mensch auch in Frankreich, daß Hitler der unbestrittene Führer des deutschen Volkes ist. Aber es fehlt das Verständnis dafür, daß die nationale Revolution im Reich geradezu eine Vorbedingung für fruchtbare europäische Zusa mm e n- arbeit ist. Die französische Presse hat, von wenigen Ausnahmen abgesehen, immer nur oberflächliche Bilder von Deutschland gezeichnet.
So ist es kein Wunder, daß in Frankreich ein schiefer Eindruck von den Verhältnissen und Entwicklungen im Reiche entstehen mußte. Vielleicht ist es eine Stärke der Franzosen, daß sie alles immer ausschließlich unter unmittelbarer Bezugnahme auf Frankreich sehen. Die tiefere Bedeutung der deutschen Revolution und die Wiedergeburt des deutschen Menschen ist ihnen aber infolgedessen bis
heute noch nicht verständlich, soweit sich die deutschen Vorgänge nicht machtpolitisch darstellen lassen.
Der einzige Wandel in der Haltung Frankreichs liegt in der zunehmenden Erkenntnis der macht- politischen und wirtschaftlichen Bedeutung des nationalsozialistischen Deutschland. Alles andere ist dauernd großen Schwankungen unterworfen, die sich teils aus weltanschaulichen, teils aus parteipolitischen und teils auch aus sentimentalen Erwägungen ableiten lassen. Quer durch alle parteipolitischen Gruppierungen wechseln von links bis hinüber zur äußersten Rechten Freund und Feind einer unmittelbaren Verständigung zwischen Paris und Berlin ab. Der Sozialistenpapst Leon Blum würde gern eine hohe Wand an der französischen Ostgrenze errichten, damit der scharfe deutsche Wind nicht die Reihen seiner ohnehin schon stark gelichteten Partei auseinanderwehen kann. Kaum weiter rechts stehen wieder Anhänger einer deutsch-französischen Aussprache. Aber wenn unter den Radikalsozialisten der ehemalige Ministerpräsident Da- lädier zu den vorgesehenen Verhandlungen „Ja" sagt, so besteht sein Fraktionskollege Herriot, der die Außenpolitik stark beeinflußt, auf einem nur dürftig verschleierten „Nein". Und während
London: Lohn
Von unserem -e
Englands Stellung gegenüber dem Deutschland Adolf Hitlers schien sich zunächst zu einer Wiederholung der Politik der Mißverständnisse auszuwachsen, die nun schon seit Generationen die Geschichte der deutsch-englischen Beziehungen kennzeichnet. Freilich hatte man sich in den Jahren zuvor nicht einmal so ungern daran gewöhnt, in Deutschland den unbezahlten Söldner der englischen Kontinentalpolitik zu sehen, und mehr noch: man fühlte sich seit Locarno gleichsam als Aktionär der deutschen Zukunft. Von England aus gesehen aber war es eine deutsche Zukunft, sozusagen auf Bewährungsfrist, eine Zukunft mit bescheidenen Lebensumständen und mageren Hoffnungen. Und nun kam das neue Deutschland. London wollte einfach nicht glauben, daß da im Reiche etwas wirklich Neues vor sich ging. Zwar berichteten manche Blätter vom Nationalsozialismus und seinen Erfolgen. Den englischen Menschen aber gingen diese Dinge nicht ins Bewußtsein — und noch weniger der englischen Politik. Es kam eben alles zu schnell, es kam zu plötzlich ...
Die Einzelheiten der englischen Haltung gegenüber dem Deutschland vom 30. Januar und 5. März kann man übergehen. Besonders rühmlich sind sie für die Begriffsfähigkeit der englischen Politik und der britischen Presse ohnehin nicht. Jahrelang hatte man sich gegen die Erkenntnis von der Naturnotwendigkeit der nationalen deutschen Revolution gewehrt. Nun war sie mit einem Male da, und nun bekam England einen Schreck, wie ihn eben der Aktionär eines Unternehmens bekommt, dem erklärt wird, daß sein Kapital verloren sei. „Zuzahlen oder das ganze Geschäft preisgeben" — das war so in den ersten Monaten des deutschen Frühlings von 1933 das Dilemma, vor das sich England im Hinblick auf die Entwicklung im Reich gestellt zu sehen glaubte.
Als man in London merkte, daß Deutschland nicht mehr zu tanzen wünsche, wie John Bull pfiff, fing die englische Oeffentlichkeit allmählich an, sich sachlich über die deutschen Verhältnisse zu orientieren. Auf zwei Punkte läßt sich die Bilanz der
etwa der bekannte Deutschenhasser auf der Rechten, Marin, die Verständigung mit Berlin rund heraus ablehnt, so ist sein Parteifreund Pbarne- garet) ihr ebenso unbedingter Befürworter.
Es mehren sich die Stimmen, die von der geduldigen Aufrichtigkeit des deutschen Reichskanzlers beeindruckt sind und befürchten, daß die von ihm bargebotene Hand aus Mangel an französischer Entschlußfähigkeit zurückgewiesen — oder zurückgezogen werden könnte. Von Frankreich aus gesehen hat die deutsche Außenpolitik im abgelaufenen Jahre etwas Prophetisches gehabt, daß ihr jedesmal die Führung zurllckgab, wenn der eiserne Ring um Deutschland gerade eben geschlossen schien. Frankreich steht am Schlüsse des ereignisreichen Jahres 1933 vor der Entscheidung, ob es eine friedliche Lösung wählen ober einen Zusammenprall provozieren will. In bcm Vorgehen gegen Genf sieht man bie erste Angriffswelle ber Revisionsfront unb sucht nun nach Abwehrmöglichkeiten, llnb so parabox es angesichts ber parlamentarischen Prinzipienreiterei in Frankreich klingen mag:
Aus biesen Sorgen heraus wirb heute in Pans das geschlossen hinter seiner Regierung stehende deutsche Volk um seine Einmütigkeit beneidet.
Bull lernt um.
-Berichterstatter.
neuen Zeit im Reiche am besten abstellen, einmal die große Reichstagsrede des Kanzlers vom 17. Mai. Adolf Hitler sagte voraus, was kommen werde unb gekommen ist. Keiner hörte auf ihn. Man gab sich in Englanb noch nicht einmal Mühe, bie Rebe zu lesen. Dann kam ber 14. Oktober, Deutschland han- belte, wie es Hitler im Mai angefünbigt hatte: Die Rcichsregierung erklärte Deutschlanbs Austritt aus bem Völkerbund und der Abrüstungskonferenz. Erste englische Reaktion darauf: Entsetzen, Verärgerung, sichtbar zur Schau getragene Mißstimmung. Als bedenklich, schädlich, taktlos wurde der deutsche Schritt bezeichnet. Dann aber keimte allmählich so etwas wie ein Gefühl von Verantwortung und Erkenntnis. Jetzt las man die Kanzlerrede vom 17. Mai einmal gründlich und stellte fest, daß man sich in der Beurteilung der deutschen Dinge möglicherweise doch geirrt haben könne. Man begriff allmählich, daß das neue Deutschland zu seinen Worten steht.
Die Umstellung ist im Werden, sie ist vielleicht schon da, und zwar in zwiefacher Hinsicht. Einmal denkt man in bezug auf den Kontinent um. Es ist da eine neue Macht, eine neue Kraft. Man denkt aber auch allmählich in bezug auf s i ch selbst um. Und das ist vielleicht das Wichtigste: Man fängt schon fast an, auf Deutschland und seine nationale Geschlossenheit neidisch zu werden. England orientiert sich neu, es will mitmachen. Wir können sicher sein, daß der neue englische Botschafter in Berlin sehr stolz auf seinen Posten ist. Denn er hofft, von hier aus eine Figur in der europäischen Geschichte zu werden. Solche Aussichten hatten die britischen Diplomaten in Berlin schon seit langem nicht mehr. Deutschland bietet heute viel mehr an außenpolitischer Substanz als bisher. Früher hatte John Bull im Reiche nur mit Ministern, jetzt hat er es mit einer großen Nation zu tun. Das aber ist gewiß das Entscheidende, und je mehr wir nun innerlich und äußerlich zum einheitlichen Staatsvolk werden, um so schneller wird der Brite begreifen, was denn nun eigentlich in Deutschland los ist. Heute schon gibt es viele Engländer, die das wissen — und noch mehr, die es sehr gerne wüßten.
Deutsche Naturschutzgebiete.
Von profesior Or. Walther Schoenichen, Lei er der staatlichen Stelle für Naturdenkmalvfleg , Berlin.
Man- soll Deutschland nicht immer mit den Vereinigten Staaten vergleichen. Das Land jenseits des großen Teiches ist nun einmal das Dorado der imponierenden Zahlen: mögen diese sich nun auf bie Stockwerke ber Wolkenkratzer bezieyen ober auf die phantastischen Vermögenswerte von Milliardären. Daß wir, deren Staatsgebiet nur etwa den zwanzigsten Teil der USA. ausmacht, angesichts solcher Rekorde oftmals im Hintertreffen bleiben müssen, liegt auf ber Hanb.
Dies gilt nicht zuletzt auch für die Naturschutzgebiete, bie man drüben teils als Natio- nalparte, teils als Naturmonumente bezeichnet. Ins- gesamt besitzen die Vereinigten Staaten bavon zur Zeit runb achtzig, bie zusammen einen Flächenraum von mehr als 50 000 Quabrattilometer — das ist dreimal soviel wie der Freistaat Sachsen — aufweisen. Der berühmte Pellowstone-Park im Felsengebirge, ber besonders burch seine in regelmäßigen Zwischenräumen springenden, gewaltigen heißen Sprudel bekannt ist, ist allein schon so groß wie bie Insel Korsika.
Da können wir naturgemäß nicht mit,, um so weniger, als unser ßanb ja nun hoch schon seit mehreren Jahrtausenden bem Pfluge unterworfen ist und wir seit mehreren Jahrhunderten eine geregelte Forstwirtschaft t sitzen, bie nach und nach alle' ur- wüchsigen Wälber in gepflegte Forsten verwandelt hat. Unter solchen Voraussetzungen ist es schwierig, „Nationalparke" von nennenswerter Ausdehnung zu begründen. Wir dürfen da nicht einen allzu strengen Maßstab anlegen unb müssen uns zufrieden geben, wenn in unseren größeren Naturschutzgebieten längst nicht mehr alles völlig ungestörte, freie Natur ist.
Tatsächlich finb unsere bebeutenbften deutschen Naturschutzgebiete, die einen Flächeninhalt von je 200 bis 300 Quadratkilometer, also etwa halb so viel wie der Bodensee, auszuweisen haben, durchweg vielfach durch den Eingriff des Menschen verändert worden. Aber sie alle haben trotzdem noch so viele ursprüngliche Züge aufzuweisen, daß wir sie als die Heiligtümer der deutschen Landschaft sorglich bewah- ren müssen. Da ist z. B. die R o m i n t e r H e i d e in Ostpreußen, einst berühmt als kaiserliches Jagdrevier. Gewiß ist der größte Teil ihrer ausgedehnten Fichtenwälder künstlich angelegt; aber es gibt dort auch „wilde Jagen" mit urwaldartigem Doumbe- stand, unberührten Mooren, von üppiger Vegetation
erfüllte, tiefeingeschnittene Flußtäler unb — nicht zuletzt — einen Wilbbestand von hervorragender Stattlichkeit. Ganz ähnlich liegen die Dinge in dem größten deutschen Schutzgebiet: in der Schorf- Heide, die im Norden der Provinz Brandenburg ein Gebiet von der Größe des Gardasees einnimmt.
Der bekannteste deutsche „Naturschutzpark" befindet sich im Lüneburgischen. Hier kommt es vorzugsweise darauf an, möglichst ausgedehnte Heideflächen vor der drohenden Aufforstung mit Kiefern oder vor der Umwandlung in Ackerland zu bewahren. Mag immerhin die „Heide", die vom Spätsommer bis in den Herbst hinein in purpurfarbener Blütenpracht prangt, eine von Menschenhand geschaffene Land- schaftsform fein, so wird sie doch von uns wie ein Stück echter Natur empfunden, das keinesfalls von unserem Heimatboden völlig verschwinden darf. Der Glanzpunkt dieses Schutzgebietes ist der W i ls ed e r Berg, der mit seinen zauberhaften Wacholderhainen in ber Tat ein Naturdenkmal von unvergleichlicher Schönheit darstellt.
Viele Nationalparke in Amerika liegen im Hochgebirge. Dementsprechenb hat ber Bayerische Staat auch im deutschen Alpengebiet brei ansehnliche Schutzbezirke begrünbet: in ben Ammergauer Bergen, im Karwenbel unb in bem Gebiet am Königssee. Zwar geht auch hier bie forst- unb lanbroirt« schaftliche Nutzung im großen unb ganzen weiter; aber es ist Fürsorge getroffen, baß bie Ursprünglichkeit ber Alpennatur nicht burch grobe Eingriffe entstellt wirb. Namentlich nehmen sich bie für biese Bezirke geltenben Schutzvorschriften auch ber Alpenpflanzen, wie etwa ber Alpenrosen, ber Enziane, des Ebelweißes u. a. m. an, benen von Wanberern - unb Blumenhänblern immer noch vielfach in unvernünftiger Weise nachgestellt wirb. Es ist hier in den Alpen nicht anders wie in Norddeutschland im Riesengebirge. Daher besteht auch der Plan, bas ganze Riesen- unb Jsergebirge zu einem „Pflanzen- schonbezirk" zu machen, bamit ber herrliche Blumenschmuck bes Hochgebirges allen Freunben ber Natur zur Augenweide erhalten bleibe unb nicht einer kleinen Zahl gieriger Raffer zum Opfer falle.
Damit ist bie Zahl ber beutschen Naturschutzgebiete erster Größe bereits erschöpft. Zu ihnen gesellt sich aber eine ansehnliche Schar kleinerer, von benen viele zu ben Perlen ber beutschen Landschaft gezählt werben müssen. Da finb — um wenigstens einige zu nennen — die weitgedehnten Hochmoorflachen des Zehlaubruches in Ostpreußen, die Steilküste des Samlandes und der Halbinsel I a s m u n d auf Rügen, die gewaltigen Wanderdünen ber Kun- scheu Nehrung, die Vulkaudome des Siebengebirges, bie Urroalbgebiete im Bayerischen Walb, ber Neuenburger Urwald im Oldcn- burgischen unb ber von Malern so viel besuchte Urwald von Sababurg bei Kassel il f. f.
Im ganzen haben wir in Deutschland zur Zeit runb 500 verschiebene Schutzgebiete. Die bei weitem überwiegenbe Mehrzahl von biesen ist freilich nur von geringer Größe unb umfaßt nur wenige Morgen. Viele bavon finb in erster Linie für bie natur- wissenschaftliche Forschung von Wert unb haben für ben bloßen Naturfreunb oft kaum etwas befonberes Anziehenbes. Aber sie alle finb Teile unseres ursprünglichen Heimatbobens unb gehören zu bem nationalen Urbesitz unseres Volkes, ben wir auch in biesen Zeiten wirtschaftlicher Not nicht um kleinen, vorübergehenben Vorteiles willen antasten bürfen.
Allerlei Punsch.
Punsch, der klassische Silvestertrank, ist, ähnlich wie der Weihnachtsbaum, erst verhältnismäßig spät zu uns gekommen. Sein Name, der aus dem Sanskritwort Panscha, das die Fünfzahl bedeutet, entstand, weist auf seine Abstammung; fünf Ingredienzen, nämlich Arrak oder Rum, Tee, Zucker, Zitronensaft und heißes Wasser wurden für seine Herstellung ursprünglich als notwendig erachtet.
Don der ersten Feier, bei der das neue Jahr mit einer Punschbowle begrüßt wurde, wird uns aus dem Jahre 1695 berichtet. Da braute der englische Admiral Rüssel in Cadi? am Weihnachtstage, der damals als Beginn des neuen Jahres galt, einen Riesenpunsch. von dem uns ein Teilnehmer die folgende Schilderung überliefert hat: Mitten in einem Garten von Orangen- und Zitronenbäumen befand sich ein sauber mit holländischen Ziegeln ausgelegter Springbrunnen. Arn Christtage wurden in ihm sechs Kufen Wasser, ein halbes Oxhoft echten Bergmalagas, 200 Gallonen Branntwein, 600 Pfund Zucker, 12 000 Limonen und genügend Muskat gegossen. Zu diesem Riesenpunsch wurden von dem Admiral das ganze Offizierkorps der Flotte und alle englischen Kaufleute geladen. In dem Bassin befand sich ein Boot, von dem aus ein geschmückter Knabe den Gästen Decher schmackhaften Trankes reichte.
Eine andere Punschgeschichte ist mit dem Namen des englischen Seehelden Rodney, der im Jahre 1781 einen glänzenden Sieg über die spanische Flotte bei Kap St. Vincent erfocht, verbunden. Als er am 12. April 1782 auf der Hohe von St. Domingo einen ruhmvollen Sieg über die französische Flotte davontrug, spendete er zur Feier dieser Waffentat den Offizieren seiner Flotte einen Riesenpunsch, der alles bis dahin Dagewesene an Größe übertraf. Er bestand aus vier Tonnen Wasser, 1200 Flaschen Malaga, 600 Flaschen Rum. 600 Flaschen Kognak, 600 Pfund
Deutschland wird übermorgen große Mode werden. Heute ist es schon interessant und höchst wichtig. Das ist seit vielen Jahren nicht so gewesen.
Rom:
KreundschastUchesLerständnis
D^n unserem ständigen M-Berichterstatter.
Von Italien aus gesehen hat die Bilanz des ersten Jahres der Hitler-Regierung natürlich em ganz anderes Gesicht als aus der Perspektive anderer Nationen. Italien war ja bas einzige Lanb ber Erbe, bas bie Machtergreifung burch ben deutschen Nationalsozialismus von Anfang an e h r l i ch begrüßte, nicht zuletzt deshalb, weil sich ber Faschismus burch bie beutsche Entwicklung im geschichtlichen Sinne bestätigt sah. Die außerordentliche Leistung bes nationalsozialistischen Regiments nach knapp 11 Monaten seines Bestandes hatte beshalb in Rom nicht etwa anfängliche Befürchtungen zu zerstreuen, jonbern Italien hatte sich bie Frage vor- zulegen, ob bie bem Faschismus so innerlich Der« roanbte und befreunbete Bewegung bie in sie gesetzten Erwartungen erfüllt hat. Dabei bars gleich vorausgeschickt werben, baß bie faschistischen Kreise im Laufe dieses ersten Jahres Hitler durchaus nicht immer innerlich bem zustimmten, was in Deutschland politisch geschah. Das ist ja auch nicht möglich — mehr noch, bas ist auch nicht nötig. Wesentlich ist, daß in Italien für bas beutsche Geschehen Verständnis- Bereitschaft vorhanben war, unb beshalb ernste Verstimmungen niemals aufkommen konnten.
Die beutsche Innenpolitik ist selbstver- stänblich in Italien sehr aufmerksam verfolgt worben, wenn es auch nicht allen Vertretern ber italienischen Presse in Deutschlanb gelang, ein klares unb vorurteilsloses Bilb von ben Vorgängen im Reich zu zeichnen." Zustimmung unb einhellige Be- munberung haben aber bie gewaltigen Anstrengungen ber Rcichsregierung gefunben. Der Arbeitslosigkeit auf Den Leib zu rücken unb ber schweren Not ber barbenben Volksgenossen burch Erweckung einer bisher ungekannten Opferfreudigkeit zu steuern. Auch bie Ueberroinbung bes Marxismus wirb rückhaltlos anerkannt, und aus Gesprächen mit italienischen Persönlichkeiten, bie Deutschlanb in biefem Jahre besuchten, geht ber wahrhaft tiefe Einbruck hervor, ben auf sie bie ungeahnt rasche geistige Einigung bes beutschen Volkes, seine neue Disziplin unb seine lebenbige Bereitschaft, am Werbenben mitzuarbeiten, gemacht hat. Anbere innenpolitische Maßnahmen roieberum werben in Italien aus teilweise ganz natürlichen Grünben wenig verstanben, so etwa bie Gesetze zur rassischen Erneuerung bes beutschen Volkes. Aber selbst hier haben wir, nachbem bie erste Kritik abgeklungen ist, bereits Stimmen zu verzeichnen, bie wenigstens versuchen, bem italienischen Volke klar zu machen, warum ber Nationalsozialismus so handelte unb hanbeln mußte. Im ersten Augenblick war auch bie mit bem Völkerbunbsaustritt oerbun- bene Ausschreibung von Reichstagsneuwahlen in Rom nicht verstänblich. Man wollte barin einen Rückfall in bemokratifche Metho- ben sehen, bie eigentlich burch bie nationale Revolution überrounben sein sollten. Der einzigartige Erfolg bes 12. November hat aber alle Einwände ber italienischen öffentlichen Meinung enbgültig zum Verstummen gebracht. Man erkennt heute neidlos an, baß seit biefem Tage ber Sieg Hitlers so voll- ftänbig wie nur benfbar unb baß bas Wahlergebnis ber schönste Ausbruck bessen ist, was ber italienische Faschismus gern für sich selbst feftfteüt: nämlich bie Bestätigung Der autoritären Demokratie bes Volkskanzlers Abolf Hitler.
Daß Deutschlanbs Austritt aus dem Völker d u nd unb ber Abrüstungskonferenz in ber italienischen Oeffentlichkeit gleichfalls lebhafte lieber- rafchung ausgelöst hat, barf als bekannt vorausgesetzt werben. Italien nahm aber hierzu von Anfang an eine vorbilblich ruhige unb objektive Haltung ein, bie wesentlich zur Klärung ber europäischen
Zucker, 200 Muskatnüssen und 2600 Zitronen. Auch in diesem Falle mußte als Punschbowle ein Bassin dienen, diesmal aus Marmor, im dem ebenfalls ein Knabe, als Hebe gekleidet, in einem Kahn umherruderte und den Trank schöpfte. Rings um den Rand dieser Bowle saßen Rodney und seine Offiziere.
Auch in Deutschland wurde das neue Getränk bei seinem Einzug mit lebhaftem Beifall aufgenommen, und bald klangen auch zahlreiche poetische Lobeshymnen zu seinem Preise. So verherrlichte der Pastor und Dichter I a k o b s e n die Entstehung des Punsches mit den Versen:
„Ein Dichter suchte lang nach einem Reim auf Wunsch
llnb fand ihn nicht. Apoll, der Gott der Lieder,
Sah dann erbarmend zu ihm nieder
lind reicht aus dem Olymp ihm einen Humpen Punsch.
Der Dichter fand den Reim und das Getränk nach Wunsch."
Auch Vater Voß, der die Freuden stiller Behaglichkeit so wohl zu schätzen wußte, feierte begeistert den Punsch:
„Hoben Muts in unserer Mitte,
Steht der Punsch, der stolze Brite", und:
„Wein und Zitronen und Rack in der Weidtasch' hab' ich und Zucker,
Daß du mit wärmendem Punsch den erfrorenen Alten erquickst."
Der dänische Dichter Baggesen, der hilfreiche Freund Schillers, hat in seinem „Punsch- gesang für die versammelten Freiheitsfreunde in Aarau" die Vorzüge der Republik und der Punschbowle in heiterer Weste miteinander vev- glichen. Am volkstümlichsten wurde wohl Schillers erstes Punschlied, in dem er die Ingredienzen des köstlichen Trankes mit den Elementen der Welt verglichen hat. Während das zweit« Punschlied „Im Rorden zu fingen", dem reichen Schaffen der Natur im Süden die erfindungsreiche Tätigkeit des Nordens gegenüberstellt und als Vertreter der Naturerzeugnisse den Wein, als den der Kunstprodukte den Punsch rühmt. Unter der großen Schar der dichtenden Punschfreunde sei hier nur noch 11 hlandS mit seinem Tischlied gedacht:
„Wir sind nicht mehr beim ersten GlaS, Drum denken wir gern an dies und das, Was rauschet unb was brauset!"
und I m m e r m a n n s , den bie bampfenbt Bowle zu den Versen begeisterte:
„llnb so Punsch' ich und so dampf' ich heiter, In dem Schoß meiner lustgen gamilieF


