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sagte, für diesen einen opferte, welcher der Täter war.
Sein bis jetzt farbloses Gesicht durchflutete siq mit einem Male. Lena sah ihn erst mit Bangen, dann mit erwachendem Hoffen an. „Wenn Sie mit Herrn Montrey sprechen könnten, Herr Doklor? —"
„Ich werde mit ihm reden, ja/
„Heute geht es nicht mehr."
..Es muh noch." Er ging aus dem Zimmer, sprach am Telephon lange mit Diewald und dann mit dem Gefängnis, in welchem Dick in Untersuchungshaft sah.
Die Stunde war außergewöhnlich, aber wenn es sich um Wichtiges handle, könnte man immer- Wn eine Ausnahme machen und ihm die (Erlaubnis erteilen, heute noch oorzufprechen. Man wurde Herrn Montrey verständigen
..Bitte nicht!- sagte Grude.
..Wie Sie wünschen.'
2119 die »schlüssel zu Montrey» Türe gedreht wurden, setzte sich dieser auf der Pritsche hoch Gan; unglaublich, wie man trotz diese» Nichtstun» und Der ewig gleichen Leier der G.'dankcn müde wer- Den konnte. Das Licht flammte auf und in der lieUe die nun auf ihn herab- strömte, stand Grude und sah nach ihm herüber.
„So spat kommst noch?' sagte er und stellte die Fuße langsam zu Boden. ,Zst wieder was passiert?"
.AH benfe, es gnügt', gab Grude zur Antwort, maß ihn für Sekundenlange und ging dann auf ihn ;u. „Diewald sagt: Du haft gelogen"
Montrcy lachte. „Das sagen die Advokaten alle- mal. Aber das muß ich doch selber am besten wissen, was wahr is und was net Desweg'n hältst dich wirklich net herbemühen brauch'n, Feli^ '
..Es ist überflüssig, daß du auch noch Ipotteft", erregte sich Grude.
..2ch spott ja net", sagte Montrey und knöpfte den Rock zu. Zugleich deutete er nach dem einzigen Stuhl, der ihm zur Verfügung stand . Willst dich net setz'n, Felitsche?--Es reb't sich leichter '
2Iuf seiner Pritsche hockenb, beugte er sich zu dem Freunde vor. „Ist ja eh alles in Ordnung' Was sorgst dich Denn?“
„Du weißt, wer der Täter ist?'
„Freilich!' Dabei lächelte Montrey etwas unsicher in Grudes erregtes Gesicht.
Ich verspreche dir, daß f*in M"nlch darum wissen soll, wenn du mich nicht ermächtigst, seinen Romen preiszugeben.'
..Laß mich ,;ufrieben, Felir! Du brauchst net die geringste Sorg' zu haben, daß mir einer von den anderen was rausrückt.'
„Was gehen uns die anderen an?" erregte sich Der Doktor. „Ich habe dir schon aefaat: niemand soll darum wissen, wenn du es nicht haben willst!'
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„Nein, sie ist ein ganz kleiner, lichtloser Raum.' Diewald sah Grude lächelnd an. „Sie kennen sich entschieden besser Darin aus, Herr Doktor.'
„Was wollen Sie damit sagen?'
„Nichts! Aber Sie müssen doch selbst die lieber- zeugung gewinnen, daß Herr Montrey nicht der Täter gewesen fein kann. — Soviel ich gehört habe, sind Sie Freunde.'
„3a!' gab Grude zu.
„Es wäre für mich eine große Unterstützung, wenn Sie mir in die Hand arbeiten wollten. Reden Sie Herrn Montrey ins Gewissen, die Wahrheit zu sagen. — Bestimmen Sie ihn mit allen Mitteln dazu. Ihnen anzuvertrauen, für wen er sich opfert'
„Warum sollte er sich denn für jemand opfern?* unterbrach ihn Grude schroff. ,Hch wüßte ja gar nicht für wen.'
„Das wissen wir leider nicht, nein! Sonst wäre die Sache denkbar einmrfj Aber vielleicht kriegen Sie's aus ihm heraus. Wollen Sie, Herr Doktor?'
Grude war müde! Er wollte Diewald los fein und sagte „3a!'
„Gleich morgen vielleicht?' drängte der Anwalt und war sehr zufrieden, denn auch auf diese Frage bekam er ein „3a!" Als er die Treppe hinabging, grübelte er noch vor sich hin. „Es mußte einen Dritten geben, Der an Der Affäre beteiligt war. Aber wer war dieser Dritte? — Es gab nichts Einfacheres, als Montrey weih zu waschen. — Aber Der andere? — Wer war das? Und warum schonte ihn Montrey?"
Grude überraschte seine Assistentin, als sie eben vor Dicks Schrank kniete und seine wenigen Habseligkeiten herausnahm. „Was machen Sie denn?" fragte er verwundert.
Die Lüge stand ihr ins Gesicht geschrieben, als sie erwiderte: „Er wünscht sein Notizbuch, und ich kann es nicht finden."
Er schüttelte Den Kopf und sah sie forschend an. „Sagen Sie einmal, Lena: sind Sie des Glaubens, daß er es gewesen ist?"
„Er ist es nicht gewesen, Herr Doktor!"
Mit einem Stöhnen glitten seine Finger durch Das Haar. „Ist es Denn noch immer nicht genug? Warum beschulDigt er sich Denn, wenn er es nicht war? Warum gibt er sich als Täter aus, wenn er keinen Teil an Dieser Sache hat?--Vielleicht
will er sühnen."
„Sühnen?" fragte sie oerftänDnisIos.
Da geschah etwas. Das sie bis in alle liefen entsetzt unD bestürzt machte. Er begann mit beiDcn Armen Den Schrank zu rütteln. „Sagen Sie mir Die Wahrheit!--Die Wahrheit, Lena! — —
Ich roerDe sonst verrückt!"
Gemeinsame Sitzung ™ beider Abteilungen Herr Privat-Dozent Dr. Ankel wird zwei Vorträge halten Over die Chromosomentheorie der Vererbung.
EnterVortrag am Donnerstag, 30.November 1933 um 20.15 Uhr, im Physiologisch. Institut Henneoerg u. Duken, Vorsitzende.
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Aber er bekam eine Abfuhr. Das ginge niemanden etwas an, sagte Grude
„Darin irren Sie sich nun", war Diewalds Erwiderung. .Herr Hauptmann Montrey sitzt in Untersuchungshaft — und zwar unschuldig —. Das wissen Sie so gut, wie ich selbst, Herr Doktor."
Um Grudes Mund lief ein undefinierbares Lächeln. „Er hatte ja bereits gestanden, daß —"
,^ch komme eben von ihm", unterbrach ihn Diewald. „Er hat Die Tat so wenig begangen roie ich! Er opfert sich für einen anDeren! UnD Diesen anDeren zu suchen, bin ich hier."
Die große Lampe auf Dem Schreibtisch kam ins Schwanken, so weit hatte Grude mit Der Hand ausgegriffen. ,Lch verstehe nicht!"
,Zch auch nicht ganz", gab Diewald zu. „Aber sehen Sie, lieber Doktor, ein Mensch, Der nicht einmal anzugeben vermag, wie Die Räume im Kabarett Faun aussehen, kann Dach auch unmöglich Das Attentat auf Ihre Frau verübt haben." UnD Da GruDe neuerDings ein Wort Dazwischen werfen wallte, fuhr er rasch zu sprechen weiter. „Ich habe mir van Herrn Montrey erzählen lassen, wie sich Die Geschichte eigentlich abgespielt hat. UnD habe ihm gleichzeitig eine Falle gelegt, inhem ich Die Räume Des Kabaretts .Schwarzer Kater' mit Denen des Kabaretts .Faun' bei meinen Fragen vertauschte."
„Er ist glatt Darauf hereingesallen. So habe ich ihn zum Beispiel gefragt: .Können Sie sich an Den hohen Spiegel erinnern, Der in Der GarDerobe von Frau MaDlen Dem Diwan gegenüber hing?' — Er hat ohne Besinnung ,3a' gesagt. UnD Dabei steht dem Divan gar kein Spiegel gegenüber. — Das war Die erste Lüge. UnD Dann hab ich ihn noch auf ein DutzenD anDerer ertappt. Er hat nicht Die geringste Ahnung, roie man in Die OarDerobenräume des Kabaretts gelangt. Roch viel weniger, wie es Drinnen aussieht. UnD wenn er zuletzt sogar noch behauptete. Durch Das Fenster Das Licht einer Straßenlaterne gesehen zu haben, so ist bas Der
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Erschütternd stand sie vor ihm. „Fragen Sie mich, Herr Doktor--'
Er wurde ruhiger und fetzte sich auf den Hocker, der neben dem Bette stand. ,Hch bin so lange im Sanatorium gewesen — —. Was war in dieser Zeit?"
Die Arme eng an den zitternden Körper gedrückt, gab sie Antwort. „Es war alles, wie es immer gewesen ist.'
,Zch meine--', er zögerte noch, ihr davon
zu sprechen. „5)01 meine Frau in dieser Zeil--
mit einem anderen--'
„Nein!' sagte sie rasch. ,Lch habe nie etwas davon bemerkt, Herr Doktor.'
--„Mit Montrey!--'
Lena starrte ihn aus entsetzten Augen an. Er nahm es für ein Zugeständnis und faßte nach ihrem Arm. „Es ist ja nun alles eins jetzt, Lena. Ich habe so viel ertragen — und ertrage auch das noch Sie können mirs sagen, Lena. Ich werde ihn nicht zur Rechenschaft ziehen, — denn meine Frau hat noch im Sterben für ihn gebeten.'
„Aber doch nicht für ihn', wimmerte sie auf. „Für einen anderen!"
„Für wen dann?"
„Ich weiß es nicht?--Ich weiß es wirklich
nicht!" schrie sie, als er sich erhob und einen Schritt auf sie zumachte. ,Hch suche ja selbst nach diesem anderen."
Er war ernüchtert. Die Depression ließ nach. Nur die Gedanken tanzten in seinem Gehirn durcheinander. Madien hatte keinen Namen genannt. Er hatte nur kombiniert und angenommen, Daß es Dick fein müsse. Diese Vermutung schrumpfte plötzlich bis auf einen kleinen winzigen Verbucht zusammen. Dafür hob sich ein anDerer riesengroß: Die Nacht, in welcher er mit MaDlen verhanDelt hatte, unD Die Nachricht, Die ihm ein Page, als er schon auf Der Straße stand, überbrachte:
„Sie möchten sofort noch einmal zu Frau MaDlen kommen!"
Er war nach Der GarDerobe oorangeschlüpft unD hatte Die Türe für einen Spalt geöffnet, um nach SinDerneugier einen Blick hineinzuwerfen unD sie Dann behutsam wieher einzuklinken. UnD Dort hatte er Dann Den Mann gefunDen, Dem MaDlen in einem Anfall unerklärlichen Zornes eine Schere in Die Brust gestoßen hatte. Es war keine Zeit gewesen, nach Dessen Namen zu fragen. Er hatte ihm mit füegenben Händen Die WunDe gewaschen, ver- bunDen unD Dann Jür einen Wagen gesorgt, mit welchem Dieser Dann weggefahren war. —
Lena sah an Dem AusDruck feines Gesichtes, wie er sich abquölte, Die Zusammenhänge zu finDen. Er hielt Den Kopf zwischen Den HänDen unD schien sich immer tiefer tn Das Labyrinth seiner Der- mutungen zu verirren. UnD plötzlich wußte er. Daß Dick zu allem Den Schlüssel in Der HanD hatte. Dick unD sonst keiner. UnD Daß er sich, wie Diewald
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