Nr. 280 Zweites Blatt
Glehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Mittwoch, 20. November!9ZZ
Das Staatsbegräbnis für den Vlutzeugen der Reichswehr
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In Nürnberg fand die feierliche Beisetzung des Reichswehrfoldaten Schuhmacher statt, der auf deutschem Gebiet von österreichischen Hilfspolizisten meuchlings erschossen worden war. — Unser Bild zeigt die Gedenkfeier in der Friedhofskapelle. In der Mitte der Führer, links von ihm der Chef der Heeresleitung, General von Hammer st ein; rechts: Reichswehkminifter von Blomberg.
Aus der Provinzialhaupistadi.
Neugestaltung des Jugendfunks im Südwestfunk.
Vom Südwestdeutschen Rundfunk wird uns geschrieben: Das Problem des Äugendrundfunks ist seit längerem wieder akut geworden. Die Hörfolgen, die unter dem Motto: „Jugend spricht zur Jugend" kamen, haben unmerklick ein gewisses Schema erreicht, das sich zu verbrauchen droht. Der revolutionäre Aufbruch brachte es mit sich, daß unsere Jugend bestrebt war, auch der Oeffentlichkeit ihre strenge, innere Haltung und ihre spartanische, allen Träumereien feindliche Lebensform zu schildern. Man bediente sich dazu naturalistischer Berichte von Fahrten und Fahrtenerlebnissen, vermischt mit Liedern und Sprechchüren. Es schien so, als ob die Romantik, der unsere früheren, jugendlichen Generationen huldigten, überwunden und vergessen sei. Doch wer die deutsche Jugend kennt und sie in ihrem eigentlichen und tiefsten Wesen begreift, weiß, daß sie auch der Träumerei und der seelischen Einsamkeit bedarf. An sich war der Naturalismus als Kunststil schon lange überwunden und brauchte nicht von der Jugend neu entdeckt und belebt zu werden. Wenn sie trotzdem zu solchen Ausdrucksmitteln griff, so sehen wir darin eher den Willen zur Ehrlichkeit und Festigkeit innerer Haltung, als die ihrem Erleben entsprechende Stilform. Vom künstlerischen Standpunkt aus gesehen waren solche Hörfolgen und -spiele meist nichts anderes als der getreue Spiegel alltäglichen jugendlichen Lebens, das für sie selber ober andere kaum von Interesse sein konnte. Aber eine solche Selbstbespiegelung mußte auf die Dauer gefährlich werden, weil sie einseitig und ohne eigentlichen erzieherischen Wert war. Darum versuchen wir heute im Jugendfunk ein höheres, künstlerisches Niveau und eine stärkere Verinnerlichung zu erreichen.
Die neue Einstellung des Südwestfunks mag eine Sendung beweisen, wie er sie am Mittwoch, dem 29. November, für unsere Jugend von 14.30 bis 15.25 Uhr bringt. Es handelt sich um die Uraufführung einer Versdichtung „Der Rattenfänger von Hameln" von Otto Rahn, der durch fein kürzlich erschienenes Buch „Kreuzzug gegen den Gral" in die Reihe der meistgenannten Schriftsteller des neuen Deutschland einrückte. Außerdem wird das Rundfunk-Orchester mitwirken, das die bekannten Rattenfänger-Kompositionen zur Aufführung bringt. Die Regie liegt in Händen von Manfred Marlo. Jedem Volksgenosten em Werhnachts-
ge»chern.
Wenn das Weihnachtsfest für das ganze deutsche Volk über alle Stände, Klassen und Berufe hinweg Bedeutung haben soll, muß an diesem Tage jeder deutsche Mensch eine besondere Freude erfahren. Kein deutscher Volksgenosse darf vergessen werden; kein Kind darf dieses Weihnachtsfest begehen und mit leeren Händen vor dem Weihnachtsbaumstehen. Deshalb muß schon heute vorbereitend große Arbeit geleistet werden. Viele Kleidungsstücke müssen ausgebessert sein bis zu dem Augenblick der Bescherung, und viel Spielzeug muß in Ordnung gebracht werden; für Millionen Bedürftige muß das geheizte Zimmer und die hinreichende Nahrung für das Weihnachtsfest gesichert werden. Deshalb soll jeder rechtzeitig daran denken, daß von ihm eine Mithilfe erwartet wird, die dazu dienen soll, eine Festgemeinschaft des ganzen deutschen Volkes zu schaffen. Jede Gabe, die das Winterhilfswerk erhält, ist ein Beitrag im Kampf gegen Hunger und Kälte. Darum darf niemand mit dem Hinweis Spenden ablehnen, daß er schon genügend gespendet habe! Nur das Opfer gibt den ÄZeg frei zur Ueberwindung von Hunger und Kälte. Darum sol
len die Sammelbüchsen für den Winterpfennig in den Geschäften, auch wenn zum Spenden nicht aufgefordert wird, mit einem kleinen Beitrag bedacht werden, der niemand wehe tut und für niemand eine schwere Belastung darzustellen braucht. Und aus dem gleichen Grunde sollen die Lose der Arbeitslotterie gern gekauft werden, denn jedes Los hilft das Weihnachtsfest des ganzen Volkes vorbereiten.
Ausfall der Sprechstunden des Staatsministers.
Das Staatspresseamt teilt mit: Die Svrechstun- den des Herrn Staatsministers fallen am Samstag, 2. Dezember, aus.
Sprechstunden
des Propagandaleiters Trefz.
Die Sprechstunden des Leiters der Reichspropa- aandastelle Pg. Trefz sind nur noch Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag.
Das Tragen von Sympathieabzeichen verboten.
Die hessischen Kreisämter und Dolizeidienststellen sind vom Ministerium darauf aufmerksam gemacht worden, daß künftig gegen das Tragen sogenannter Sympathie-Abzeichen einzuschreiten ist. Bei den Gewerbetreibenden Vorgefundene Abzeichen der in Rede stehenden Art werden beschlagnahmt und die Betroffenen darauf hingewiesen, daß der Verkauf dieser Abzeichen wegen seiner strafrechtlichen Auswirkungen nicht weiter geduldet werden kann.
Feste und feiern.
Das Gau-Presseamt teilt mit: Es besteht Anlaß, öffenllich darauf hinzuweisen, daß die Veranstaltung von Festlichkeiten und seither üblichen Feiern keiner Beschränkung unterliegt, soweit die Feiern im Rahmen allgemein üblicher Veranstaltungen liegen und sich dem Ernst der Gegenwart würdig anpassen. Lediglich unzeitgemäße Uebertreibungen, die außerdem etwa noch unter dem mißbrauchten Deckmantel sozialer Fürsorge stattfinden sollen, sind streng untersagt.
„phantastische Tanzes
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Die Intendanz hat für Montag, 4. November, das Tanzpaar Mathilde B u h r und Joachim von S e e w i tz zu einem einmaligen Tanzgastspiel verpflichtet. Der große Erfolg, den die beiden Tänzer an allen größeren Bühnen errangen, wird ihnen auch in Gießen nicht versagt bleiben, denn beiden Künstlern geht der Ruf reifer Künstlerschaft, hervorragender Technik und echten Stilgefühls voraus. Der Abend, der unter dem Motto: „Phantastische Tänze" steht, findet unter Mitwirkung des Stadttheater-Orchesters statt, dessen Leitung Kapellmeister Fritz C u j e hat. Der Tanzabend dauert von 20 bis 22 Uhr. Preise von 0,30 bis 1,50 Mark.
Oer Tag des Pferdes: 3. Dezember.
Der kommende Sonntag, 3. Dezember, soll einem treuen Gefährten in Friedens- und Kriegszeiten, dem Pferd, zum Tag der besonderen Ehrung werden. Die Mitbürger in Stadt und Land sollen an diesem Tage durch einen öffentlichen Aufmarsch daran erinnert werden, wie wertvoll die Hilfe des Pferdes dem Menschen in der Stadt und auf dem Lande beim friedlichen Schaffen und bei der Leistung von Kriegsdienst, insbesondere während des über vierjährigen Ringens im Weltkriege, wurde und täglich ist. Zugleich soll diese Ehrung des Pferdes auch von Nutzen sein für das Werk der Winterhilfe, da man bei dem Aufmarsch durch Sammlungen in den Straßen und auf den Plätzen die Hilfe derer erbitten will, die für unsere notleidenden deutschen Brüder und Schwestern zum Opfer berufen und bereit sind.
In Gießen soll der Tag des Pferdes und der Beisteuer zur Winterhilfe derart durchgeführt werden, daß am Vormittag um 10.45 Uhr ein Aufmarsch auf Oswaldsgarten stattfindet,
Winierhilfswerk -esNeuischenVolkes4933f34 Kreisführung Gießen.
Belr.: Plaketten.
Die Anforderung der Plaketten für Monat De« zember 1933 muß mit der Bescheinigung, daß dis Voraussetzungen zum Erwerb der Plaketten erfüllt sind, bis spätestens zum 1. Dezember 1933 schriftlich bei der Kreisführung Gießen erfolgt sein.
Heil Hitler!
Gez.: Klöß, Kreisführer des WHW.
An alle Ortsgruppen- und Zellenwalter der NSv. des Kreises Gießen.
Am kommenden Donnerstag, 30. November, 18% Uhr, findet in Gießen im Cafe Leib, walltorstrahe, eine wichtige Besprechung wegen der Durchführung des Winterhilfswerks statt. An dieser Besprechung haben nach Rücksprache mit dem Kreisbauernsührer sämtliche landwirtschaftlichen Fachberater teilzu« nehmen.
Ferner werden zu dieser Besprechung alle Bür« germeifter der Landgemeinden geladen.
Heil Hitler!
Gez.: Klöß, Kreisführer des WHW.
der sich in drei Gruppen gliedern wird. In der ersten Gruppe wird „das Pferd in der Landwirtschaft" gezeigt werden, die zweite Gruppe wird „das Pferd im Gewerbe" vorführen, die dritte Gruppe wird „das Reitpferd" zeigen. Der Grundgedanke dieser Zuagliederung besteht darin, den Werdegang der Hilfe des Pferdes vom Bauern zum gewerblichen Schaffen in der Stadt und zur Ausübung des edlen Reitsports darzulegen. Nach der Aufstellung des Zuges wird vom Oswaldsgarten aus ein Marsch vor- genommen, der durch folgende Straßen gehen wird: Steinstraße, Marburger Straße, Walltorstraße, Kirchenplatz, Schulstraße, Sonnenstraße, Kreuzplatz, Seltersweg, Hindenburgwall, Beichftraße, Ludwig- straße, Ludwigsplatz, Neue Bäue, Sonnenstraße, Brandplatz, Hitlerwall, Wernerwall, zum Oswaldsgarten. Dort wird der Zug erneut aufmarschieren. Nach einer Ansprache über die Bedeutung des Pferdes und des Tages soll eine (fchrung der in unserer Stadt noch vorhandenen Knegspferde, also der Veteranen unter den Pferden aus den Jahren des Weltkrieges, vorgenommen werden. Hierauf wird sich der Zug auflösen.
Es wird erwartet, daß sämtliche Besitzer von Pferden in unserer Stadt sich mit ihren Pferden an dieser Veranstaltung beteiligen und dadurch mithelfen, der breiten Oeffentlichkeit die Bedeutung des Pferdes in den verschiedensten Zweigen seiner Verwendung vor Augen zu führen und zugleich auch dem Winterhilfswerk Förderung angedeihen zu lassen. Kein Pferdebesitzer schließe sich an diesem Tage der Ehrung des Pferdes aus! Anmeldungen über die Beteiligung sind bis zum nächsten Freitag 18 Uhr an Reitlehrer Schömbs, Universität-Reitinstitut, Brandplatz 5, zu richten.
Heil Hitler!
Reiter-SA. der NSDAP. Brigade 147, Trupp 6 S ch ä m b s, m. d. F. d.
Vornan,teil.
— Tageskalender für Mittwoch: Stadttheater, 19.30 bis 21.30 Uhr, „U-Boal 116". — Turmhaus am Brand, 16 bis 18.30 Uhr, Kunstausstellung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Im Zeichen des Kreuzes". — Deutscher Büro- und Be- hörden-Angestellten-Verdand, 20 Uhr, Gewerkschafts- Haus, Mitgliederversammlung.
— Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute, 20 Uhr, 8. Vorstellung im Mittwoch - Abonnement das Schauspiel: „U-Boot 116" von Karl Lerbs. Spielleitung: Kurt Lüpke. Gewöhnliche Preise. Ende: 22 Uhr. — Freitag, 1. Dezember, 9. Vorstellung im Freitag-Abonnement:
Gießener Giaöitheaier
Max Halbe: „Der Strom.'
Neben der „Jugend", dem westpreußischen Liebes- drama, dem stärksten und dauerhaftesten Erfolge des nun bald siebzigjährigen Halbe, hat sich sein Schauspiel „Der Strom" am längsten auf dem deutschen Theater behauptet. Das Stück ist jetzt gerade drei Jahrzehnte alt. Daß man es heute wieder aufführt, hat feinen Grund wohl weniger in einer merkwürdigen Stilmischung, als in gewissen stofflichen Elementen seiner Handlung, die, so sonderbar das zunächst klingen mag, heute wieder sehr aktuell geworden sind.
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Bemerkenswert, im Hinblick auf die Entstehungszeit, ist die Durchdringung des damals noch in Blüte stehenden konsequenten Naturalismus mit den charakteristischen Merkmalen einer symbolistischen Kunst, die außerhalb Deutschlands ihre reinste Ausbildung erfahren hat. Halbes Drama vom Weichselstrom, der im Eisgang, schollenknirschend und dammbrechend, eine düstere Begleitmelodie gibt zur eigentlichen Handlung, wirkt stellenweise wie eine Mischung aus Ibsen und Maeterlinck.
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Ganz im Sinne des Naturalismus ist die Aus- tollung einer Familienkatastrophe Schritt für Schritt, Szene um Szene heroorwachsend aus längst Vergangenem und Halboerschleiertem, aus einer schicksalhaften Verstrickung aller Gestalten in eine Schuld, aus der es keine Lösung gibt, oder nur eine so gewaltsame, wie der Dichter sie gewollt hat. Dieser Abschluß erinnert an den grellen Ausklang der „Jugend" und hat wiederum nichts von jener typischen Unbeweglichkeit des Naturalistendramas, das „im Sande ver' uft" und schließlich da endet, wo es mit der Exposition begann.
Der Strom aber, der dem Stück seinen Namen gegeben hat, ist nicht nur ein landschaftliches oder stimmungbildendes Beiwerk, sondern tatsächlich gleichsam mitspielend, unsichtbar, aber drohend hörbar, in die Handlung einbezogen. Weder die Vorgeschichte, noch der Ausgang des Dramas ist ohne ihn denkbar. Sein ewiges, gefährliches Dasein ist ein Symbol dessen, was sich vor unseren Augen vollzieht. Und eben die enge Verbundenheit elementarer Naturkräfte mit einem zermürbenden Wirr- fal menschlicher Schicksale und Leidenschaften ist es, was dem „Strom" zu seiner Zeit die Schleusen breit geöffnet hat und seine Wirkung noch heute nicht verfehlt.
Stärker wirkt auf uns etwas anderes, was damals minder beachtet wurde. Einmal die Verwurzelung des Dramas in einer deutschen Landschaft, aus der allein es wachsen konnte und ohne die es feinen Sinn verlöre; es ist nicht zu verpflanzen und nur an der Weichsel möglich, denn auch der Charakter und Lebensumriß der Menschen, um die es hier geht, wurden von der gleichen Landschaft unverwechselbar gebildet.
Zum andern ist der Kamps um die Scholle, um das väterliche Erde — wir rühren hier an Dinge, die heute öffentlich und grundsätzlich besprochen und geregelt werden — der innerste Antrieb für die dramatischen Energien, die sich in den drei Akten gewaltsam Entladung verschaffen.
Drei Akte lang währt dieser zermürbende und hoffnungslose Kampf um das überkommene Besitztum, der Kampf der drei feindlichen Brüder gegeneinander und um die eine Frau, die vor Jahren an den verbrecherischen Aeltesten geriet, indessen der Zweite seinen Leuten entfremdet und der Jüngste um sein Erbteil betrogen und von Grund auf verdorben wurde.
Wenn der Zweite heimkehrt ins väterliche Haus nach langer Zeit, dann ist er wie jener „Bote aus der Außenwelt", der im naturalistischen Drama eine so bedeutsame Rolle spielt. Der Jüngste aber, über dessen dumpfes Grübeln, Sinnen und Trachten und Suchen nach einem Ausweg der Strom mit (einem Eisgang, der Wald, die Wolken und Sterne so unheimlich Gewalt gewinnen, scheint mit dem unseligen Amandus verwandt, der das junge Liebesglück in der „Jugend" so jäh und unwiederbringlich zerstört.
Beide Stücke entstammen der gleichen Landschaft, und es darf ein wesentliches Verdienst der Spielleitung von Anton Neuhaus genannt werden, daß er das heimatlich Bodenständige und eigentümlich Nordostdeutsche im Charakter des Dramas betonte, dessen Handlung nach den Worten Halbes ohne nähere Lokalisierung „an der Weichsel" spielt. Auch hatte die Regie, mit sicherer Einfühlung in den umspringenden Gesamtrhythmus des Dramas sehr spürbar die drückende und dumpf lastende Grund- stimmung herausgearbeitet, die bleierne Unentrinnbarfeit, die alle Szenen bestimmt. Dem entsprach auch das Bühnenbild, das von Löffler entworfen war: ein breiter niedriger Raum mit schwerem Gebälk, düster und karg in Farben und Formen.
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Und selbst die Menschen, um die es hier geht, die eine verzweifelte Verstrickung und Verkettung
ihres Schicksals nebeneinander hausen und gegeneinander sich auflehnen und erbittert kämpfen läßt, sind, bei aller Verschiedenheit ihrer innerer Veranlagung verbunden durch eine kaum näher bestimmbare Gleichförmigkeit ihrer Gebärden und Gesichter. Das wirkt sich auch in der Darstellung aus, die übrigens in allen Teilen, wie uns schien, den Absichten des Dramatikers entgegenkam.
Neuhaus gab den Aeltesten, Peter Doorn, Gutsbesitzer und Deichhauptmann, geschlagen von einem schweren Schicksal, brutal und hart, entschlossen und verschlossen sich zur Wehr setzend gegen den unaufhaltsamen Zusammenbruch. Peter Schorn als Jakob: verbittert und verbissen, mißtrauisch geworden in einer freudlosen Jugend, mit leidenschaftlichen Ausbrüchen getäuschter Hoffnung und betrogenen Gefühls. Zwischen beiden: der non Herrn Mieten ruhig und nicht unsympathisch gegebene mittlere Sohn Heinrich.
Frau Kock) bewahrte maßvoll und mit sicherem Gefühl die schwierige Rolle der Renate sowohl vor einer zerfließenden Weinerlichkeit als auch vor hemmungslosem Pathos; die Leidenszüge dieses unglücklichen Geschöpfes wurden auch in halblauten und verhaltenen Aeußerungen deutlich genug. Eine sehr plastische, im breiten Dialekt und beweglichen Mienenspiel lebendige Gestalt schuf Herr Hub als Ohm Reinhold; Frau Schubert-Jüngling gab der alten Frau Doorn eine unheimlich-gespenstige Wirklichkeit.
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Die Zuschauer konnten sich dem noch immer starken Eindruck des Stückes nicht entziehen und spendeten der geschlossenen Aufführung lebhaften Beifall. hth.
Wie man mit den Papuas Geschäfte macht.
Ein englischer Händler C. L. Burlington, der von einer langen Geschäftsreise im Papua-Land nach Sidney zurückgekehrt ist, schildert den Handel und Wandel, wie er sich bei oiefem Völkchen abspielt. „Meine Ankunft in den Dörfern", erzählte er, „war häufig der Anlaß zu einem großen Fest; man be- schenkte mich mit Körben voll Früchten und Blumen und dazu mit einem Schwein, das bei der Abendmahlzeit verspeist wurde. Das Schein endet seine Tage, an einer Stange hängend, die durch seine zu- fammengebunbenen Füße gezogen ist. Die Stange wird über andere kreuzweise aufgestellte Stäbe gelegt und darunter wird ein Feuer gemacht, das die
Rostenden mit fröhlichen Gesängen unterhalten. Viel zum Vergnügen tragen bei diesen Festen die hübschen Papua-Mädchen bei. Diese dunklen Schönen verkürzen den Männern durch ihre Tänze die Zeit, die sie nach dem Rhythmus der von den Männern geschlagenen Trommeln aufführen. Haben Gesang und Tanz die Stimmung erhöht, dann beginnt die Mahlzeit; es wird getrunken und gegessen, bis die Augen der Frauen zu rollen anfangen. Dann ist der geeignete Augenblick da, um den geschäftlichen Teil zu eröffnen. Die eingeborenen Träger haben Befehl, in diesem günstigen Augenblick die Kisten zu öffnen, die lauter Dinge enthalten, denen kein Frauenherz widerstehen kann. Besonderes Entzücken erregen stets die Ketten mit kleinen runden Messingglöckchen. Durch allerlei Geschenke werden die Frauen günstig gestimmt, und am nächsten Tage überreden sie dann die Männer, mit den Weißen in Handel zu treten. Die Bezahlung durch die Eingeborenen erfolgt in sehr verschiedenen Münzarten. Gelegentlich bringen sie Gold, das sie ausgewaschen haben oder auch Platin. Sie besitzen auch Regierungsgeld, das durch mannigfache Kanäle in ihre Hände gelangt. Viele verdingen sich zur Arbeit als Gegenleistung für die erhaltene Ware. Jedenfalls ist das Verfahren, zunächst die Gunst der Frauen zu erringen, das beste Mittel, um an die Männer heranzukommen."
Oochfdyulnocbndbtcn.
Der Ordinarius für Philosophie an der Unioer- fität Berlin, Geheimrat Professor Dr. Heinrich Maier, ist im Alter von 66 Jahren plötzlich g e - ftorben. Er stammte aus Heidenheim (Württem- berg), habilitierte sich 1896 in Tübingen, wurde 1900 in Zürich außerordentlicher, 1901 ordentlicher Professor. 1911 folgte er einem Ruf nach Göttingen, 1918 nach Heidelberg. Als Nachfolger von Benno Erdmann wurde er 1922 nach Berlin berufen. Der Gelehrte war Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften, der Königlich Dänischen Akademie zu Kopenhagen und der Akademien in Göttingen und Heidelberg. Maier war ein hervorragender Kenner der Geschichte der Phili- sophie,. zumal der Antike Seine Arbeiten über Aristoteles und über Sokrates Haden grundlegende Bedeutung.
Wie die Universitätspressestelle Kiel mitteilt, sind auf Grund des § 4 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums die ordentlichen Professoren Dr. O p e t (Deutsches und Bürgerliches Recht) und Dr. S ch u e d i n g (Internationales Privatrecht und Völkerrecht) aus dem Staatsdienst entlassen worden.


