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II. Fortsetzung.
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Geschäfts-Verlegung!
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Inbetriebnahme der neuen Räumlichkeiten: Morgen, Samstag, den 30. September 1933
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Der verehrten Einwohnerschaft von Gießen und Umgegend zur gefälligen Kenntnis, daß sich meine Geschäftsräume ab 30. September 1933 Brandplatz (gegenüber dem alten Schloß) befinden. — Die in 3 Stockwerke aufgestellten
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test mir etwas Interessantes du noch tun, sonst kann ich nicht schlafen."
Olga Zabrow zog die ein
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lenens Schultern. Sie zog ihren. Kopf näher und berührte mit ihren Lippen fast Marlenes Ohr.
„Ich glaube, dich hat einer lieb, Fräulein Großauge. Auf den ersten Blick hat er sich in dich verliebt. Und wärest du nicht ein jo lieber Kerl, der von zwei Röcken einen an den gibt, der keinen hat, würde ich neidisch und eifersüchtig werden." Sie küßte Marlene auf die Wange: „Gute Nacht, Fräulein Großauge!"
Sie verschwand blitzgeschwind. Doch Marlene blieb wie festgebannt auf derselben Stelle stehen. Ihr schlug das Herz bis zum Halse. Es war kein Rätsel, das ihr Olga Zabrow aufgegeben, denn von wem sie gesprochen, war ja klar. Und hatte sie nicht selbst ebenfalls bemerkt, daß Achim von Mattens Blick sie so seltsam getroffen hatte? So seltsam fragend und warm?
Und gefiel ihr Achim von Malten nicht?
(Fortsetzung folgt.) !
Eröffnung:
Samstag, Zv. September
vormittags 11 Uhr
Oer Austrieb hat in der Zeit von 8-9 Uhr stattzufinden. Och, 27. Sept. 1933. Hess. Bürgermeisterei Lich, Geil.
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30. September bis 8. Oktober 1933
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tuschten Brauen hoch und legte ihre Hände auf Mar-
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„Achim, mein lieber, lieber Junge, wenn es an dem ist, glaube ich wieder an ein Gluck für dich. Wenn auch sie dich liebgewinnt, wollte ich den Tag segnen, an dem sie über unsere Schwelle getreten. Ich glaube fest, in der Gemeinschaft mtt einer geliebten Frau vergäßest du ine allzu bösen Tage.
Er küßte noch einmal die schmalen Hände, über die sich die Haut wie leicht zerknitterte stumpfe Seide legte.
Mutter, ein Fünkchen Hoffnung auf Glück und allerlei Träume sind jetzt in mir, an die ich noch nie ernstlich gedacht. Gute Nacht, Mutter. Es ist bald elf Uhr. Ich wünsche dir, daß du heute friedlich schlafen kannst." Er. lächelte: „Wir wollen heute beide gut schlafen. Mir ist, als müßten sich nun bald die dunklen Wolken zerteilen, die schon allzulange über Maltstein standen." •
Sie trennten sich.
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Ein Lied vom Glück
Vornan von Anny von panhuys.
Als Marlene geendet, sagte Frau von Mallen versonnen: „Ich habe mich eben an den Rhien geträumt. Mit meinem Manne, gleich nach der Hochzeit, fuhr ich dorthin. Es waren sonnige, glückliche Tage."
Achim von Malten holte tief Atem.
„Ich dachte eben an meine Studentenzeit. Philosophie habe ich studiert. Die Tage von damals lagen wie begraben in mir; nun leben sie wieder, und ich denke an viele frohe Stunden."
Olga Zabrows Stimme bebte ein wenig.
„Ich verbrachte ein paar Sonnentage am Rhein, als meine Eltern noch lebten und reiche Leute waren."
Marlene griff in die Taften. Ihr war, als riefe ihr der Mann zu, was sie nun fingen sollte. Noch inniger und wärmer als am Nachmitag, sang sie das Lied, das sie selbst komponiert; jauchzend und beschwingt klang es auf:
Du bist wie ein Wunder, das zu mir kommt.
Achim von Mattens Augen ruhten, wahrend sie sang, auf Marlenes Gesicht. Seine Mutter bemerkte es, und ihr schien es mit einem Male gar nicht mehr so schwer und unmöglich, daß ihres einzigen Sohnes Lebensschifflein doch noch in einem glücklichen Hafen landen könnte. Marlene Werner hatte ihr auf den ersten Blick ganz besonders gefallen. Vielleicht gefiel sie auch Achim, und er gewann sie lieb Eine junge, zärtliche Gefährtin brauchte er, die ihn mit sanfter Hand aus den finsteren, verschlungenen Wegen hinausführte, in die sich sein armer Geist verlaufen, und aus denen er selbst nicht mehr zurückfand.
Sie selbst konnte ihn nicht führen, ihr Geist wanderte ja auch auf öden, traurigen Wegen, seit dem schrecklichen Abend, da man Lila von Born erstochen in der Bibliothek gefunden und ihn als Mörder verhaftet.
Eine Hoffnung war in ihr erwacht, und ihr ging es wie ihrem Sohn, das Lied blieb in ihr haften: Du bist wie ein Wunder, das zu mir kommtl
Als Marlene und Olga gegangen waren, sagte Frau von Malten aus tiefstem Herzen heraus:
„Marlene Werner ist mir ungemein sympathisch, — sympathisch wie eine Tochter."
„Mutter!" Er nahm beide Hände der alten Dame und küßte sie; ein Leuchten war in seinen Augen. „Ich will dir gestehen, mir geht es ebenso mit ihr. Sie ist mir ungemein sympathisch. Nein, noch mehr als das. Ich glaube, Mutter, ich habe sie lieb."
Mutter und Sohn blickten einander lange und schweigend an.
Die alte Dame ließ ihre Hände in denen des Sohnes.
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Oben, in Marlenes Zimmer, saßen die beiden neuen Freundinnen noch beisammen.
Olga tat geheimnisvoll.
„Ich könnte dir etwas sehr Interessantes verraten, Fräulein Großauge." Sie lächelte: „Das ist übrigens ein feiner Spitzname für dich."
Sie lachten beide. Dann fragte Marlene:
,AVas kannst du mir Interessantes verraten, Olga?"
In diesem Augenblick hörte man von draußen grelles, scharfes Pfeifen. Mehrere schrille Pfiffe hintereinander waren es, und gleich darauf flog die Tür auf. lieber die Schwelle torkelte zitternd und bebend die Haushälterin. Nach Luft schnappend, stieß sie hervor:
„Die weiße Reiterin! — Gütiger Himmel, die weiße Reiterin! Ich war am Wäscheschrank auf dem Gang, da hörte ich sie.
Mit ein paar Schritten war sie am Fenster. „Dort, dort!" keuchte sie und wies hinaus.
Olga schaltete geschwind das störende Zimmerlicht aus und trat an das andere Fenster, wo schon Marlene stand. Sie mußte sich am Fensterriegel festhalten, denn was sie sah, erfüllte sie mit Grauen. Hinter der niedrigen Mauer, auf mondhellem Gelände, sah sie ein weißes Pferd und auf seinem Rücken eine weiße Gestalt. Während noch einmal bie schrillen Pfiffe ertönten, jagte das unheimliche Pferd mit seiner unheimlichen Reiterin durch das Lichtbereich, um dann vom Dunkel verschlungen zu wer» den. Die eine Vision, wie ein toller Spuk war alles oorbtiT
Olga verschlug das Geschehene zunächst die Stimme, Marlene aber ließ sich auf einen Stuhl nieder und rief atemlos: „Das übersteigt meinen Verstand!"
Auguste ging bis an die Tür.
„Ganz flau ist mir geworden. Ich kann Alkohol nicht leiden; aber jetzt gehe ich in die Küche und trinke ein Gläschen Rum."
Olga Zabrow fragte:
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„Und das, was wir eben gesehen haben, das sieht man öfter?"
Auguste nickte nurj fie war zu aufgeregt.
Sie legte beide Hande vor das Gesicht, und ihre Schultern zuckten.
Marlene ging zu ihr.
„Sie weinen doch nicht etwa, Frau Helm? Dazu wäre doch gar kein Grund vorhanden."
Die Hände fielen langsam nieder.
„Nein, ich weine nicht; aber ganz konfus hat mich die Geschichte gemacht. Wäre ich nicht schon so lange im Schloß, ich schnürte gleich mein Bündel, und morgen früh würde ich weggehen für immer.
„Aber Sie sahen das — na, sagen wir mal vorläufig Gespenst — doch heute nicht zum ersten Male — nicht wahr?"
Auguste bestätigte: „ _
„Natürlich, ich sah es nicht zum ersten Male, aber ich wäre nach dem ersten Male weggerannt, wenn das so einfach gewesen. Aber wie das so ist, mit der Zeit hängt man an der Herrschaft; alles wird einem selbst zur Heimat."
Sie bedeckte wieder ihr Gesicht flüchtig mit den Händen.
Olga Zabrow hatte ihren Schreck völlig überwunden; sie zuckte mit den Achseln.
„Na, wenn die weiße Reiterin weiter nichts verbricht, als daß sie ein bißchen pfeift wie so'n vergnügter Straßenbengel und vorbeisaust, als ob der Teufel hinter ihr her wäre, dann lohnt es ja auch nicht, so ’ne Stellung wie hier aufzugeben. Im Gegenteil — ich meine, ein Spuk von der originellen Sorte wie dieser macht erst richtig Spaß, wenn man ihn öfter sieht."
„So leichtfertig sollten Sie doch nicht über solche Dinge reden. Geister vertragen nicht, daß man über sie spottet, sie rächen sich", erwiderte Auguste empört.
Olga wollte eine übermütige Antwort geben, aber Marlene zwinkerte ihr zu, und da schwieg sie.
Auguste sagte nach tiefem Atemholen:
„Nein, Spott vertragen die Geister nicht. Aber ich will nun gehen."
Sie faßte nach der Türklinke.
In diesem Augenblick ertönten von neuem die schrillen Pfiffe, und wie auf Verabredung stürzten alle drei ans Fenster. Da kam sie wieder vorbeigejagt, die weiße Reiterin, jagte zurück in der Richtung, aus der sie vorhin aufgetaucht.
Marlene durchschauerte es bei dem seltenen Anblick von Kopf bis zu den Füßen. Ein Lachen Olgas störte sie, und fie jagte fast unwillig:
„Und wenn du noch mehr lachst, ganz wohl ist dir bei der Sache auch nicht!"
Die Baronesse wurde ernst.
„Meinetwegen! Ich will es zugeben, ganz wohl ist mir bet der Sache wirklich nicht. Der einzige Trost ist, vorläufig wird sich die Unheimliche ja wohl nicht wieder zeigen."
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Auguste Helm sah die rotblonde Baronesse freundlicher an.
„Wenigstens gaben Sie zu, daß Sie sich auch fürch- ten. Und ick) rate Ihnen, spotten Sie nie mehr übrf die weiße Reiterin. Ich habe schon oft von ®e« spensterrache gehört."
Obwohl Olga eben zugegeben, die weiße Reiterin hätte auch ihr einiges Unbehagen verursacht, wollte sich schon wieder ein Lachen über ihre Lippen drängen; aber ein Blick Marlenes hielt sie in Schach. Der Blick schien zu sagen: Weshalb willst du die gute Frau verärgern? Laß ihr den Geisterglauben, den wir beide nicht haben, wenn uns das Geschehene auch allerlei Kopfzerbrechen bereitet.
Es klopfte energisch. Ein Diener stand im Türrahmen.
„Frau Helm, die gnädige Frau braucht sie. Die Gnädige hat plötzlich einen Anfall erlitten und große Atemnot..."
Auguste nickte: „Ich komme sofort."
Der Diener entfernte sich, und die Wirtschafterin erklärte, schon auf die Tür zugehend:
„Die Gnädige leidet an Asthma. Wenn sie sich erschreckt, treten die Anfälle besonders stark auf. Dann will sie mich um sich haben."
Schon war sie fort, und die beiden Mädchen sahen sich an, seufzten unwillkürlich beide gleichzeitig. Darüber mußten sie lächeln. Aber dann war es, als schämten sie sich des Lächelns, weil doch Frau' von Malten jetzt litt.
Marlene schlug vor: „Wir wollen schlafen gehen; ich glaube, es ist das Klügste, was wir tun können." Sie besann sich- „Aber da haben wir ja etwas ganz vergessen. Du machtest mich vorhin, ehe die Wirt, schasterin kam, neugierig. Du behauptetest, du tonn-
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