Ausgabe 
29.9.1933 Erstes Blatt
 
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Das pariser Echo.

Paris, 29. Sept. (WTB.-Funkspruch.) Die Er­klärungen des Reichspropagandaministers Dr. Goeb­bels werden in der Pariser Presse ausführlich wiedergegeben. Die Kommentare sind allerdings verhältnismäßig spärlich und klammern sich häufig an Einzelheiten.I o u r n a I" schreibt, man habe sofort die außergewöhnliche Aktion begriffen, die dieser Apostel, der sich durch geistige Gepflegtheit ebenso wie durch seine tiefe Ueberzeugung durch» zusetzcn vermag, ausüben zu können glaubte. Dr. Goebbels habe sich in Genf die Aufmerksamkeit der am schwierigsten zu behandelnden Zuhörerschaft zu erzwingen gewußt. Dabei sei eine Zuhörerschaft von Journalisten besonders leidenschaftlich. Das letzte Wort Dr. Goebbels vor seiner Abreise aus Frankfurt a. M. sei gewesen, daß man es in Genf hören werde, was ein Leutnant Hitlers anstelle von Stresemann machen kann. DerIournal"-Bericht- erstatter erklärt, dieser Leutnant Hitlers habe ge­nau dasselbe gesagt, was Stresemann gesagt hätte. Petit P a r i s i e n" behauptet, die Vertreter der ausländischen Presse hätten von Goebbels auch nichts lernen können.

Sehr viel positiver schreibtV o l o n t 6": Dr. Goebbels habe erneut den Friedenswillen! Deutschlands proklamiert. Man müsse 1

zugeben, daß die Hitler-Regierung, wenn sie nicht Selbstmord begehen wolle, mehr als alle anderen Regierungen den Frieden brauche. Frankreich hätte übrigens Unrecht, wenn es vergessen wollte, in welchem Geiste des Entgegenkommens der Reichs­kanzler selbst den deutsch-französischen Fahnen­zwischenfall beigelegt habe. Man könne es begrüßen, daß der französische Außenminister Paul-Boncour auch mit Reichsaußenminister von Neurath zusam- mengekommen sei. Es sei Zeit, daß die Füh­lungnahme zwischen Frankreich und Deutschland allzu viele interessierte23er- Mittlerbetätigung" aus dem Wege räume. Goebbels habe den ersten Bogenstrich geführt. Hoffentlich werde die übrige Politik keine Enttäuschung brin­gen. Es sei nur loyal, den Nationalsozialisten An­erkennung zu zollen für die rührenden Anstren­gungen, Die sie unternähmen, um Millionen Ar­beitslosen Brot und Arbeit zu verschaffen. Ferner dafür, daß sie einen Wall gegen das Vordringen Asiens und den kommunistischen Ansturm bildeten. Er habe betont, daß der Nationalsozialismus kein Aussuhrartikel sei. Man wünsche, daß solche Worte dazu beitrügen, die in einzelnen Ländern um Deutschland 'herum herrschende Erregung zu be­schwichtigen.

Ichrechling zwischen Aeurach und panl-Bsnronr Oer deutsche Außenminister kehrt wie vorgesehen nach Berlin zurück. Kein Zortschritt der Abrüstungsgespräche.-Oeutschland wartet auf präzise Vorschläge.

Genf. 28. Sept heute nachmittag fand zwischen dem Reichsminister des Auswärtigen Freiherrn oonReurath und dem französischen Außenmini­ster paul-Boncour eine Besprechung statt. Die beiden Außenminister haben in dieser Unterredung die Deutschland und Frankreich berührenden Fragen sowie das Abrüstungsproblem einer eingehenden Erörterung unterzogen. Reichsauhenminister Frei­herr von Neurath wird entsprechend seinen ursprüng­lichen Reisedispositionen am Samstagvormit- t a g nach zehntägiger Anwesenheit in Genf die Rückreise nach Berlin ontreten. Seine verschiedenen Unterredungen mit den Vertretern der übrigen Mächte, zuletzt die heutige Aussprache mit dem französischen Außenminister, haben a u s g i e - big Gelegenheit zu einer Darlegung der Standpunkte hinsichtlich der Wieder­aufnahme der Abrüskungsarbeiten gegeben und die Möglichkeit einer Klärung und Ver­tiefung der Diskussion in den bis zum Wiederbeginn der Abrüstungskonferenz noch zur Verfügung ste­henden Wochen eröffnet. Da der Zeitpunkt der Ab­reise des deutschen Außenministers den anderen Staatsmännern von Anfang an bekannt war. ist es eine abwegige Kombinatton. wenn heute in gewissen Senser Kreisen das Gerücht verbreitet wurde, daß diese Abreise mit der heutigen deutsch- französischen Aussprache in Zusammen­hang stehe.

In den Abendstunden statteten die Italiener Baron A l o i f i und Suvich Neurath von neuem einem Besuch ab. In dem fortlaufenden Gedanken­austausch über die Abrüstungsfrage hat sich bis­her noch keine Möglichkeit einer grundsätzlichen Einigung abgezeichnet. Es besteht der Eindruck, daß gegenwärtig weitgehende Gegensätze zwischen den Vorschlägen der englischen, französischen und italienischen Regierung entstan­den sind, die bisher noch nicht überbrückt werden

konnten. Bisher sind von der Gegenseite der deut­schen Regierung noch keinerlei Vorschläge gemacht worden, die deutscherseits als be­friedigend angesehen werden können. Die gegenwärtigen Abrüstungsbesprechungen scheinen völlig in eine Sackgasse geraten zu sein. Auf deut­scher Seite liegt selbstverständlich keinerlei Veran­lassung vor, mit irgendwelchen Angeboten heroor- zutteten, da der deutsche Abrüstungsstandpunkt auf den unabweisbaren Abrüstungsverpflichtungen der Verträge aufgebaut ist und somit nur die wirksame Herabsetzung der Rüstungen der fchwergerüsteten Mächte oder die Gewährung eines für die Sicher­heit Deutschlands notwendigen Rüstungsstandes als endgültige Regelung in Frage kommen kann.

Wenn in der französischen Presse von einem Ultimatum" die Reoe ist, was Paul-Boncour dem Reichsaußenminister gestellt habe, so ist diese völlig abwegige Darstellung nur von dem Bestreben der französisches Presse diktiert, die Vorgänge in Genf zu dramatisieren, sie steht auch in eklatantem Widerspruch zu anderen, ebenso wenig fundierten Behauptungen, wonach d i e Deutschen ihrerseits bestimmte For­derungen ge[teilt hätten. Die von bestimm­ten Kreisen geflissentlich vertretene Auffassung, Deutschland sei in der gegenwärtigen Phase der Abrüstungsbesprechungen am Zuge, geht ebenfalls an dem tatsächlichen Sachverhalt vorbei. Deutsch­land hält nach wie vor an dem Macbonalb-Plan fest. Die von Frankreich an diesen Plan hinsichtlich der Kontrollfrage gewünschten Abänderungen können bei dem derzeiti­gen Stand der Besprechungen zur Kenntnis genommen worden sein. Doch bleibt es die Auf­gabe der anderen Seite, mit konkreten Vor­schlägen ihrerseits heroorzutreten. Hier scheinen allerdings noch immer große Schwierigkeiten zu be­stehen insofern, als, wie auch aus den französischen Morgenblättern eindeutig heroorgeht, jene Eini­gung d e rv i e r Mächte" gegen Deutschland, von der man in Paris sprach, eben nicht z u - ftanbegetommen ist.

Sitzung des Völkerbundsrats.

Danzig und polen. - Das britische Mandat über Oeutsch-Ostafrika.

sche Vertreter, daß er dem Gutachten der Mandats­kommission über diese Frage entgegensehe. Deutsch­land als ehemalige Schutzmacht von Tanganjika sei aufs stärkste daran interessiert, daß das bis­herige Gebiet durch das Gutachten der Man­datskommission aufrechterhalt en bleibt. Der Bericht des Rates wurde einstimmig ange­nommen.

Die Schweiz und das neue Deutschland. Bundesrat Motta über feine Unterredung mit den deutschen Ministern in Genf.

Bem, 28. Sept. (WTB.) Anläßlich einer Inter­pellation über deutsch-schweizerische Grenzzwischen­fälle machte Bundesrat Motta Mitteilung über eine Unterredung, die er mit Reichsaußenminister von Neurath und Reichsminister Dr. Goeb­bels hatte. Die beiden deutschen Minister hätten ihm erklärt, daß die Reichsregierung diese Zwischen­fälle lebhaft bedauere und Maßnahmen für eine sofortige Abftellung ergreifen würde. Bei der Unterredung fei auch das Presse- pr ob lern angeschnitten worden. Die deutschen Minister hätten betont, daß die deutsche Regierung durchaus bereit sei, die Kritik der schweizerischen Zeitungen wie die der ausländischen Presse im all­gemeinen anzunehmen, jedoch nur unter der Be­dingung, daß diese Kritik nicht bis zu einer ausgesprochen feindseligen Stim­mung gehe.

Bei der Unterredung habe er, so erklärt Motta weiter, auch hervorgehoben, dcißdiepangerma- nische Lehre in der Schweiz die Köpfe ver­wirren wurde und daß nichts die schweizerischen Ge- muter mehr erregen könne, als wenn in leicht- l£y ,ßer. über die Schweiz gesprochen werde. Stelle doch die Schweiz eine brüderlich geeinte Na- ro u ^r' &ie ,n sich die Gewißheit eines dauernden Bestandes trage und ihre eigenen befonbren Auf- gaben 3u erfüllen habe. Darauf habe ihm Dr. Goebbels folgende Antwort erteilt, der auch Frei- herr von Neurath beigepflichtet habe: Die Doktrin und tue Politik der deutschen Regierung richten sich keine sw eg s g e ge n die Schweiz, ganz im Gegenteil: Die Schweiz ist ein gesunder und starker Organismus, der harmonisch im Lause einer langen Geschichte entwickelt wurde. Man kann sich Europa gar nicht mehr oor ft eilen W e d ie S ch w e i z. Dieses Land hat eine große Aufgabe. Man kann die Schweiz nicht mehr weq- denken, man kann nichtohnesie auskorn- m e n. Das Reich würde die größteAbenteu-

G e n f, 28. Sept. (WTB.) Der D ö l k e r b u n d s- rat hat in feiner heutigen Sitzung, an der deut­scherseits Gesandter o. Keller teilnahm, u. a. die kürzlich zwischen Danzig und Polen zu- ftaifoegefommenen Abkommen über die Aus- Nutzung des Danziger Hafens zur Kennt­nis genommen. Am Ratstisch hatten zum ersten Male Senatspräsident Dr. Rauschning sowie der interimistische Völkerbundskommissar R o st i n g Platz genommen. Dr. Rauschning legte die neue Po­litik dar, die die nationalsozialistische Regierung in Danzig zu Polen eingeleitet hat und wies auf die über die Minderheitenschutzverträge weit hinaus- gehenden, der politischen Volksgruppe in Danzig zu- Ben Rechte hin. Sodann skizzierte er kurz die

ungen über den Danziger Hasen mit den be­sonderen Verpflichtungen der Polen. Der Erfolg der ersten unmittelbaren Verhandlungsabschnitte sei be­scheiden. Trotzdem dürfe das Ergebnis nicht gering veranschlagt werden. Der Erfolg und die Ergebnisse der Vereinbarungen würden ausschließlich davon abhängen, ob der beiderseitige Wille zur V e r st ä n d i g u n g und zum A u s g l e i ch aus die Dauer von dem Geist gegenseitiger Achtung und Aufrichtigkeit getragen ist. Dr. Rauschning betonte den Willen Danzigs zu einer Politik des Friedens.

Von politischer Bedeutung war außerdem eine längere Diskussion über die M a n d a t s p o l i t i k der britischen Regierung in dem ehemaligen Deutsch-0 st afrika. Zur Debatte stand das Schlußreferat der Mandatskommission, worin die britischen Pläne auf engere Verbindung d e r Gebiete Tanganjika, Kenya und Uganda als unvereinbar mit der b e - stehenden Mandatsordnung bezeichnet werden. Der Vertreter Italiens Baron Aloisi gab seiner Genugtuung Ausdruck, daß die Mandats­kommission sich den Standpunkt zu eigen gemacht habe, den Italien stets vertreten habe. Der englische Außenminister Sir John Simon meinte, daß die Mandatskommission in dieser Frage in eine Mehr­heit und in eine Minderheit geteilt worden sei, gab aber die Versicherung ab, daß Groß-Britannien als Mandatsmacht sich keine Verletzung des Mandats st atutes zuschulden kom­men lassen werde. Gesandter von Keller wies im Namen der deutschen Regierung darauf hin, daß die Reichsregierung bereits in der Vergangen­heit wiederholt den Standpunkt vertreten habe, daß die Mandatsgebiete unabhängige poli­tische Einheiten darstellen. Er freue sich fest­stellen zu können, daß diese Auffassung der deut­schen Regierung auch von der Mandatskommission eeteilt worden sei. Zu der bereits durch ge­rn h r t e n Vereinigung der Po st- und Telegraphenverwaltung erklärte der deut­

Vorschläge für ein nalionaWaMchesSlrasrecht

Eine Denkschrift des preußischen Zustizministers Kerrl.

Berlin, 28. Sept. (TU.) Der preußische J u st i z m i n i st e r hat soeben der Öffentlichkeit eine Denkschrift übergeben, die eine umfassende Umgestaltung des deutschen Straf­rechts im Sinne des nationalsozialistischen Staa­tes vorschlägt.

Von dem nationalsozialistischen Grundgedanken ausgehend, daß der Einzelne ein organi­scher Teil der Gemeinschaft des Vol- k e s ist, stellt sie den Grundsatz in den Vorder­grund, daß der Schutz der Gemeinschaft erste Aufgabe des Strafrechts bilden muß. Auf diesen Grundsatz ist es zurückzuführen, daß der Teil der Denkschrift, der von Rasse und Volkstum handelt, die meisten neuen Anre­gungen bringt. So finden sich in der Denkschrift zum ersten Male Vorschläge für einen strafrechtlichen Schutz gegen d i e Zersetzung der deut­schen Rasse. Wie z. B. die Schließung von Mischehen durch Reichsgesetz zu verhindern und den Begriff desR a s f e v e r r a t e s" als ein Delikt in das Strafrecht einzuführen.

Weiter bringt die Denkschrift neue Vorschriften zum Schutze des g e i ft i g e n und sittlichen Gedankengutes der deutschen Bluts­gemein sch ast. In einem besonderen Kapitel werden die Strafbestimmungen in bezug auf Volks­ehre behandelt. Die Vorschriften über den Schutz von Rasse und Volkstum sollen ergänzt werden durch Bestimmungen über den Schutz der Or­ganisation, die sich die Volksgemeinschaft ge­geben hat. Nach nationalsozialistischer Auffassung ist das schwerste Verbrechen überhaupt der L a n - desverrat. Er gehört daher nach den Vor­schlägen des Justizministers an die Spitze des künftigen Gesetzes, das bei den diesbezüglichen Strafbestimmungen auf die Todesstrafe nicht ver­zichten dürfe. Eine grundsätzliche Neugestaltung ist auch hinsichtlich der Vorschriften gegen den Hoch­verrat vorgesehen.

Von den zahlreichen interessanten Vorschlägen der Denkschrift ist insbesondere auch heroorzuheben die Behandlung des Zweikampfes. Es wird betont, daß im nationalsozialistischen Staat d i e Ehre das höchste Gut des freien Mannes fei, und es entspreche alter deutscher Rechtsauffassung sich für verletzte Ehre mit der

Waffe Genugtuung zu verschaff» n. Hiergegen mit Mitteln des Strafrechts einzufchrei- ten, t)abe der Staat nur dann Veranlassung, wenn durch den Zweikampf die öffentliche Ordnung ae- ftört werde. Das sei aber nur der Fall bei töd­lichem 21 u s g a n g und bei U e b e r t r e t u n g der Kampfregeln.

Einen besonderen Raum nimmt in der Denk- schrift der Schutz der Ehe und Familie ein. Niederziehende Angriffe auf Ehe, Mutterschaft und Familie, wie sie in der vergangenen Zeit an der Tagesordnung waren, könne der nationalsozialisti­sche Staat nicht dulden. Die Denkschrift schlägt da­her eine neue Strafvorschrist vor gegen Schmähung der Ehe. Ausdrücklich empfiehlt sie auch den Schutz des Kindes wirksamer zu gestalten als bisher, und zwar sowohl hinsichtlich des keimenden Lebens als auch bezüglich des Heranwachsenden Kindes.

Als zweite Hauptgruppe folgt nun der Schutz der Volksgenossen, und hier ist bezeichnend für die nationalsozialistische Auffassung des Straf­rechtes, daß nicht der Eingriff auf das Leben, fon- dem der Angriff auf die Ehre vorangestellt ist. Neu eingeführt wird die Zulassung der sogenannten Sterbehilfe: Dem Arzt soll es ermöglicht wer- den, die Qualen unheilbar Kranker auf Verlangen im Interesse wahrer Menschlichkeit zu beenden. Neue Wege schlägt die Denkschrift ein, wenn sie auch einen Schutz der wirtschaftlichen Grund­lagen der Familie empfiehlt.

Der Schutz des Staates, des Volkstums und der Familie wird in den Vorschlägen ergänzt durch einen Schutz des Volksgutes, d. h. Der wirtschaftlichen Güter der Nation. Auch hier geht die Denkschrift neue Wege, wenn sie den Schutz der nationalen Arbeitskraft vorsieht. Ebenso sollen die materiellen Werte Des Volkes unter befonDeren Schutz gestellt werben. U. a. wird vorgeschlagen, auch Den sogenannten wirtschaft­lichen ßanDesoerrat künftig unter Strafe zu stellen. EntsprechenD Der Forderung Des natio­nalsozialistischen Staates, Daß rücksichtslose Be­reicherung Des Einzelnen auf Kosten seiner Mit­menschen unterbunDen werben müsse, wirb eine strenge Bestrafung unsozialen Eigen­nutzes gefordert.

erpolitif treiben, bie es in Konflikt mit einer großen Zahl von Staaten bringen würbe, wenn es ben Anspruch Darauf erheben wollte, sich alle Bevöl­kerungen beutscher Rasse unb Zunge einzuverleiben. Trotz Der Verschiedenheit der Einrichtungen werde das Deutsche Reich mit der Schweizer Eidgenossen­schaft auf demFuße einer tiefen unb dauernden Freundschaft leben.

Die Aufgaben Der Reichsstatthatter.

Der Reichskanzler spricht auf der Reichs­statthalterkonferenz.

Berlin, 28. Sept (WTB.) Amtlich wird miigeteilt: Die Reichs st atthalter waren heute in Berlin zu einer gemeinsamen Aussprache versam­melt, die bereits am vormittag im Reichsministe­rium des Innern begann und am Nachmittag in der Reichskanzlei ihre Fortsetzung sand, hier sprach Reichskanzler Adolf Hitler in mehrstün­digen Ausführungen über die wirtschaftliche und die politische Lage und umrih diebesondereAuf- gabe der Reichs st atthalter, die in jedem Falle für d i e Reichsautorität und für die absolute Sicherheit Der Derroaltung Sorge zu tragen hätten. Die Reichspolitik müsse auf­gebaut werden auf den Faktoren, die die heutige Zeit repräsentieren. Dies gelte insbesondere auch für das Verhältnis zwischen Reich und Ländern, zwischen Staat und Partei. Alle reoolutionärentEr- scheinungen.diesichinwllderFormohne nationalsozialistische Zielsetzung äu­ßern, müssen restlos beseitigt werden. Der Reichskanzler legte den Reichsstatthaltern die s e e - lischeund geistige Erziehung des Vol­ke s als eine Hauptaufgabe besonders dringend ans her; und betonte die Grundsätze, nach Denen die Reichspolltik von dieser Erkenntnis aus geführt wer­den müsse, für Deren Innehaltung die Relchsstatthal- ter ihm gegenüber verantwortlich seien.

An der Tagung nahmen sämtliche Reichs- statt Halter und Reichsinnenminister Dr. Frick und die Staatssekretäre Dr. L a m m e r s und Funk teil.

Oie Haushalts- und Kaffen- lage des Reiches.

Berlin, 28. Sept. (TU.) Das Reichsfinanz- minifterium veröffentlicht einen finanziellen Ueber- blick über den Reichshaushaltsplan 1933. Darin wird über die bisherige Haushaltsentwicklung gesagt, baß bas Aufkommen aus bireften Steuern bis Enbe August 1933 ben internen Schätz u n- gen entspreche. Gewisse Unsicherheitsmomente lägen bei ben inbiretten Steuern, insbefonbere b e i ben Zöllen wegen ber Unsicherheit über bie Ge­staltung ber Einsuhroerhältnisse. Aber auch hier sei nach bem bisherigen Verlauf kein Gefäh­re n p u n k t ausgetreten. Bei ben übrigen Ein­nahmen sei ein Grunb zu Besorgnissen, daß die Haushaltsansätze nicht erreicht würden, nicht vor­handen. Insbesondere verdiene hervorgehoben zu werden, daß der Verkauf von Relchsbahn- vorzugsaktien, woraus für 1933 100 Millio­nen Mark Erlös erwartet würden, im Gegensatz zum Vorjahre bis Ende August 1933 bereits 60 Millionen erbracht habe.

Die Ausgaben seien im allgemeinen bisher hinter dem Voranschlag zurückgeblie- ben, was indessen erfahrungsgemäß in ben ersten Monaten bes Haushaltsjahres immer ber Fall zu fein pflege. Unsicherheit bestehe noch hinsichtlich ber Ausgaben für bie Arbeitslosenfür- sorge. Die Reichsregierung erwarte aber, baß durch bie von ihr eingeleiteten Arbeitsbeschaffungs­maßnahmen auch von biefer Seite her eine ®e= fährbung bes Haushaltsausgleichs nicht z u b e - sorgen sei.

Die K a ss e n l a g e habe bisher zu besonderen Maßnahmen keinen Anlaß gegeben:

Nachdem demnächst zu veröffentlichenden Monats­

ausweis über die Einnahmen unb Ausgaben bis einschließlich Ende August 1933 ergebe sich folgenbe Haushaltsentwicklung: Von ben geschätzten Ein­nahmen in Höhe von 5,9 Milliarden finb rund 2,4 Milliarden eingegangen. Von den einschließlich ber Vorjahrsreste auf 6,15 Milliarben geschätzten Ausgaben sind bisher runb 2,4 Milliarben ge­leistet worden. Die Ausgaben und Einnah­men gleichen sich also in den abgelaufenen fünf Monaten bes Rechnungsjahres 1933 a n - nähernd aus.

Die Ueberficht geht auch auf die Entwicklung ber allgemeinen Finanzlage bei Reich, Säu­bern unb Gemeinben währenb ber vergangenen Jahre ein. Danach ist der gesamte Finanz- bebarf von 1 9 2 5/29 von 14,5 Milliarden auf 20,9 Milliarden angestiegen unb van Da ab auf 14,5 Milliarben Mark, also ben glei­chen Betrag wie 1925, im Jahre 1932 gefallen. Von 1929 auf 1932 finb bie Ausgaben mithin u m 6,4 Milliarden zurückgeschraubt wor­ben. Auf ber Einnahmeseite ist von 1929 auf 1932 eine Schrumpfung um 6,2 Milliarben Mark ein­getreten, bie zurückzuführen ist auf eine Minberein- nahme bei Steuern unb Zöllen von 4,2 Milliarben, einen Rückgang ber Einnahmen aus Anleihen um 1,5 Milliarben Mark unb einen Rückgang ber sonsti­gen Einnahmen um 0,5 Milliarben Mark. Dieser Einnahmerückgang ist eingetreten, obwohl seit 1929 bis 1931 zahllose Steuererhöhungen unb bie Ein­führung neuer Steuern vorgenommen worben sind. Opferdank der deutschen Sauern.

Berlin, 28. Sept. (WTB.) Ein frommer Brauch gebietet in vielen Gegenden den Bauern, nach der Ernte die letzte Garbe als Opferdank auf dem Felde stehen zu lassen. Dieser alte Brauch soll durch die Spende des deutschen Bauern für bas Winterhilfswerk eine sinnvolle und zeitgemäße Belebung erfahren. Der deutsche Bauer, der mit offenem Herzen für alle Kreatur die letzte Garbe auf dem Felde läßt, wird feinen notleiden­den Volksgenoffen fick nicht versagen. Deutsche Bauern, sorgt dafür, daß euer Führer am 1. Ok­tober ein Sammelergebnis erhält, das weit über dem Rahmen dessen steht, was er von euch er­wartet!

*

Die Reichsführung des Winterhilfswerkes teilt mit, daß über die bisherige Sammelaktion der deutschen Landwirtschaft Teilergebnisse vor­liegen. Diese Ergebnisse lassen erkennen, daß der Aufruf des Führers von der deutschen Landwirt­schaft voll unb ganz verstauben und auf­gegriffen würbe. So werben von einer preußischen Provinz zwei Millionen Zentner Kar­toffeln, von einer anberen Provinz 1,5 Millio­nen Zentner Kartoffeln als bisheriges Sammel­ergebnis gemelbet. Darüber hinaus würben 250 000 Zentner Korn ebenfalls aus einer biefer Provinzen gemelbet.

DieEmgliederungdesStahlhelm

Berlin, 28. Sept. (TU.) Stabschef Röhm hat, wie ber PPD. berichtet, über bie Gingliebe- rung bes Stahlhelms eine Verfügung erlassen, in ber es u. a. heißt:

Mit bem 24. September 1933 ist ber Stahlhelm, Bunb ber Frontsolbaten, enbgültig unter ben Befehl bes ober ft en SA. -Führers ge­treten. Ich grüße auch auf biefem bienstlichen Wege noch einmal bie in unsere Reihen tretenben Kame- raben. 211s So.lbaten unb Kameraben wollen wir von jetzt ab gemeinsam mar­schieren unb kämpfen, einer bes an« Deren wert, in gleicher Pflichterfüllung, Hin­gabe unD KameraDschaft.

Die Doüftänbige (finglieDerung bes bisherigen Wehrstahlhelms ist bis 31. Oktober 1933 zum Abschluß zu bringen. Ab 1. November 1933 ent­fällt j e o e Sonberbezeichnung ober Son- berbehanblung. Die in bie SA. eingeglieberten Ein­heiten finb SA. -Einheiten mit gleichen Pflich­ten und Rechten. Der bisherige Kernstahl­hel m, künftig nur Stahlhelm (St.) genannt, tritt als eigene Gliederung mit eigenen Einheiten neben SA. und SS. Der Zeitpunkt, wann bie bisherigen Wehrstahlhelmeinheiten das