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29.9.1933 Erstes Blatt
 
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Nr. 228 Erster Blatt

Zreitag, 29. September 1955

185. Jahrgang

Erlcheini lägltd), cmtzo Sonntags und Feiertag» Beilagen; Die Illustrierte (Tiefeener Familienblätter Heimat im Bild - Die Schalle Monats Bezugspreis:

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MtzenerAnzeiger

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Chefredakteur:

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den An­zeigenteil L V. TH.Kümmel sämtlich in Gießen.

Äeichsmimster Goebbels vor der internationalen presse.

Das nationalsozialistische Deutschland fordert von der Welt Achtung und Verständnis für seine Aufbauarbeit.

Genf, 28. Sept. (TU.) Reichspropagandamini- ster Dr. Goebbels empfing heute im Hotel Carlton" die gesamte int emotionale P re s s e. In dieser Fühlungnahme mit der jetzt zur Volker- bundsversammlung versammelten Weltpresse lag einer der wesentlichsten Beweggründe für den Genfer Aufenthalt des Reichspropagandaministers. Auf Grund persönlicher Einladungen hatten sich über 200 Journalisten aus allen Län­dern eingefunden. In dem großen Glassaal des Hotels fitzen in langen Reihen die Korrespondenten der großen englischen, französischen, amerikanischen und italienischen Blätter und Agenturen und der übrigen Presse. Bor dem Rednerpult steht der Reichspropagandamini st er, neben ihm seine engsten Mitarbeiter, die Ministerialdirektoren Iahncke und Hanke und sein persönlicher Ad­jutant Prinz Schaumburg, sowie die Herren der Presseabteilung des Auswärtigen Amtes mit Geheimrat A s ch m a n n. In dem anliegenden Raum haben die gesamte deutsche Abord­nung mit dem Außenminister Freiherrn von Neurath an der Spitze, der Untergeneralsekre­tär des Völkerbundes. Trendelenburg, die deutschen Beamten des Dölkerbundssekretariats, die maßgebenden Persönlichkeiten der Kolonie und Ver­treter der gesamten deutschen Presse Platz genom­men.

Reichsminister Dr. Goebbels beginnt mit einigen freundlichen Worten des Dankes für die Gastfreundschaft der Schweiz und der Stadt Genf, die ihm diese Gelegenheit geboten habe, mit der Presse in persönliche Fühlungnahme zu treten.

Mit Ächmerz und Enttäuschung, so begann der Minister, hat das deutsche Volk in den vergangenen Monaten die Beobachtung gemacht, daß das Wer­den des nationalsozialistischen Staates und seine positive Rückwirkung auf die wirtschaftliche und politische Gestaltung der deutschen Nation in der Welt vielfach Verständnislosigkeit, Mißtrauen oder gar Ablehnung gefun­den hat. Das deutsche Volk ist sich aber im klaren darüber, daß das nicht nur auf Mangel an gutem Willen seitens der öffentlichen Mei­nung der Welt zurückgeführt werden kann. Ich er­achte es deshalb für meine wichtigste Aufgabe, das Werden des nationalsozialistischen Staates zu er­läutern, seine Auswirkungen für die praktische Innen- und Außenpolitik in kurzen Zügen darzu- legen und damit wenigstens ein gewisses Verständ­nis zu wecken für das, was sich in Deutschland au- getragen hat. Die Welt lebt heute vielfach in der Auffassung, als habe die nationalsozialistische Be­wegung mit Gewalt und unter Anwendung von rücksichtslosen Terror die Macht an sich gerissen, um sie brutal gegen ihre innenpolitischen Gegner auszunutzen. Diese Auffassung widerspricht dem tatsächlichen Verlauf der Dinge. Schon vor ihrer Machtübernahme war die national­sozialistische Bewegung die weitaus größte und in ihrem Massenanhang einflußreich st e Partei des parlamentarischen Deutschland. Sie wurde legal in die Verantwortung be­rufen, und sie hat weiterhin legal ihre Machtposi­tionen ausgebaut. Volk und Regierung in Deutschland sind eins. Der Wille des Vol­kes ist der Wille der Regierung und umgekehrt.

Der moderne Staatsaufbau in Deutschland ist eine veredelte Art von Demokratie, in der kraft Mandat das Volk autoritär regiert wird, ohne daß die Möglichkeit gegeben ist, durch parla­mentarische Zwischenschaltungen den willen des Volkes nach oben hin zu verwischen oder gar unfruchtbar zu machen.

Wtt übernahmen die Macht in einem Zeitpunkt, in dem die Arbeitslosigkeit in Deutschland ihren bisherigen Höhepunkt erreicht hatte, in dem der .Bolschewismus drohend vor den Toren des Reiches st and und die welt­anschauliche Krise des deutschen Volkes schon zur Zerreißung jeder nationalen Bindung geführt hatte. Der Ausstieg der nationalsozialistischen Bewegung zur Macht war während ihrer Opposition eine einzige fortdauernde Auseinandersetzung mit den Problemen des Marxismus bzw. des Bolsche­wismus. Wem die Methoden, mit denen wir dem bolschewistischen Ansturm begegneten, zu hart erscheinen, der möge sich vor Augen hal­ten, was geschehen wäre, wenn es umgekehrt gekommen, wovor der Natio­nalsozialismus Deutschland und Europa bewahrt hat, um ein gerechtes Urteil auch über diese Frage fällen zu können. Eine politische Bewegung, die daraus ausgeht, einen ganzen Erdteil dem Wahnsinn unterzuordnen, alle Bindungen moralischer und politischer Art zu zer­stören, mit Brand und Terror die Völker in Schrecken zu versetzen und dann in der allgemeinen Verwirrung die Dinge an sich zu reißen, ver­dient die Vernichtung, und wenn die deutsche Regierung unser Volk vor dem Schicksal der chaotischen Anarchie bewahrte, wenn sie ihre asozialen Träger aus der Gemeinschaft des Volkes ausschloß und sie in Konzentrations- Sagern wieder zu brauchbaren Mit­gliedern der menschlichen Gesellschaft zu erziehen versucht, so ist das ein Akt der Not­wehr, der in Anbettacht der akuten Gefahr doch

noch mit den humansten Mitteln durchgesührt wurde. Es steht jedem Ausländer frei, deutsche Konzentrationslager zu besuchen, um sich ein Bild zu machen, daß hier alles andere als Grausamkeit und Brutalität obwalten. Wie segensreich sich unsere Maßnahmen für die Sicherheit und den inneren Frieden des deutschen Volkes ausgewirkt haben, mag man daraus ersehen, daß in ihrer Auswirkung Deutschland den inneren Frieden wiedergefunden hat, daß die Atomisierung des deutschen Volkes durch seine politischen Par­teien beendigt wurde und damit die Stabilität der deutschen Machtverhältnisse nach innen und nach außen gewährleistet ist.

Was der Welt am unverständlichsten erscheint, das ist die Tatsache, daß dieser Prozeß r e i bungs* und wider st andslos vor sich ging, und daß er nicht etwa zu einer Entfremdung zwischen Regierung und Volk führte, sondern nur zu ihrer tieferen Verständigung.

Ls kann nicht Sinn und Zweck der Demokratie fein, Probleme nur zu diskutieren, aber nicht zu lösen. Dies würde das größte Unglück für die Völker bedeuten, wenn sie sich darauf be­schränkten, Krisen lediglich festzustellen.

ohne den Versuch zu unternehmen, sie zu über- winden. Das gilt sowohl inner- als auch welt­politisch. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß, wäre in den vergangenen vierzehn Jahren die Demokratie dahin verstanden worden, den Auftrag der Völker autoritär zum Segen und zum Glück der Völker durchzuführen, es um Europa wahrscheinlich besser bestellt

sein würde, als das tatsächlich der Fall ist.

Kann denn jemand im Ernst glauben, daß über 60 Millionen Menschen, daß ein ganzes Volk, das immerhin nicht zu den schlechtesten der Welt ge­hört, vom Taumel des Wahnsinns befallen sei, und meint man, daß eine Regierung, die die Macht be­sitzt, sich auch die Liebe und Anhänglichkeit des Volkes durch Gewalt und Terror erzwingen könnte? Der Aufbau, den wir zielbewußt und mit jugend­licher Kraft begonnen haben, ist auf weite Sicht eingestellt. Die Welt aber hat allen Grund, sich ehrlich und unvoreingenommen mit dieser neu­artigen Erscheinungsform der Staatsgestaltung aus­einanderzusetzen, die keine andere Absicht verfolgt, als Deutschland mit eigenen Mitteln aus der Krise zu lösen und damit aus den Sorgen der Welt zu entlassen.

ist ebenso kurzsichtig wie entmutigend. Ungerecht und verletzend aber wirkt es, die Begleitumstände der innerdeutschen Umwälzung als Argument aus» zumünzen gegen die Forderung deutscher Sicher« heit, die von einer Regierung des Reiches, sie möge zusammengesetzt sein wie auch immer, nicht nur im Interesse Deutschlands, sondern i m I n t e r» esse der ganzen Welt erhoben werden muß.

Die neuen Männer, die in Deutschland In jo jungen Jahren schon an die Macht gekommen sind, leben der Ueberzeugung, daß nur eine offene Sprache die wirklichen Probleme Europas in den Blickkreis der Verantwortung hineinzuziehen ver­mag. Wir haben nicht mehr allzu lange die Möglichkeit, uns hinter traditionellen Vorurteilen zu verschanzen. Die Probleme sind zu stark, als daß sie ein H i n a u s s ch i e b e n auf die lange Bank auf die Dauer duldeten. Die Völker oer- langen mit Recht, daß ihre verantwortlichen Staats­männer den Weg finden, um der schweren Nöte unseres gequälten Erdteiles Herr zu werden. Eu ropa muß an d i e Arbeit gehen, wenn anders es nicht sein Schicksal als ältestes Kulturland der Welt beendet sehen und über (i d) das Chaos hereinbrechen lassen will.

was hat das junge Deutschland der wett zu dielen? (Eine Garantie des stabilen Zustandes im Innern mit einer festen Zentralgewalt, die verhandlungsbereit und ver­handlungsfähig ist. Ls hat die bolschewistischen Zündstoffe, die ganz (Europa gefährdeten, aus sich ausgeschieden und sich zu einer einheitlichen und geschlossenen Willensentsattung zusammen­getan. (Es hat im Zusammenprall zwischen na­tionaler und kommunistischer Auffassung sich zur weltanschaulichen Festigkeit und inneren Klarheil durchgerungen. Der wall, den wir gegen die Anarchie aufbauten, ist unzerstörbar. Dieses Deutschland kann keine Verträge unterschreiben, die unerfüllbar sind, Verträge aber, die es unter­schreibt weil sie erfüllbar, ist es zu halten bereit Dieses Deutschland ist ein ehrlicher Kontrahent in der Behauptung der Interessen der wett, wenn man ihm das Recht auf feine Ehre und das Recht auf fein tägliches Brot gibt und er­hält.

Dieses Deutschland ist nicht mehr ein Zentrum ewiger Unruhe oder ein Experimentierfeld für völkerzerstörende Ideologien oder kulturelle Auf» lösungsversuche. Dieses Deutschland ist ein Zen« trum der Ordnung, der Autorität Der Nationalsozialismus als neue und moderne Art der Staatsgestaltung in Deutschland ist ein Phänomen, mit dem sich abzugeben verlohnt.

Hinter der für Laien manchmal verwirrenden Erscheinung einer Idee und eines Systems verbirgt sich die nüchterne Klarheit über den Ernst der Situation, in der Deutschland und Europa sich be­finden, verbunden mit der festen Entschlossenheit, nicht vor der Krise zu kapitulieren, sondern sie an­zufassen, um sie am Ende auch zu meistern. Mögen alle, die guten Willens sind, sich vereinigen in der edlen Absicht, die Sorgen der Völker zu mildern und dem allgemeinen Wohl zu dienen. Was Deutschland betrifft, so ist es aus ehrlichstem Herzen bereit, am Frieden Europas mitzu­arbeiten.

Frage und Antwort.

Dr.Goebbcls diskutiert mit denJournalisten

Genf, 28. Sept. (TU.) Die große Rede des Reichspropagandaministers Dr. Goebbels sand e i n sehr [torfes Echo. Am Schlüsse der Rede brach die Weltpresse in spontanen Beifall aus. Während einer Stunde bildete dann der Reichspropaganda­minister den Mittelpunkt einer Gruppe von etwa 50 bis 60 ihn dicht umringenden Journalisten, die ihn mit Fragen verschiedenster Art bestürmten. Polen, Tschechen, Rumänen, Engländer, Ameri­kaner, Franzosen, Südslawen ließen sich Dr. Goeb- bels oorstellen, der bereitwilligst, oft mit Witz und Humor alle Fragen beantwortete.

Mit Nachdruck hob Dr. Goebbels nochmals her­vor, es handele sich bei den Vertretern der natio­nalsozialistischen Bewegung nicht um Ideolo­gen und P h a n t a |t e n. Wenn es heute der deutschen Regierung als Göttern zustehen würde, Europa neu aufzuteilen, würde sie zweifellos eine andere Verteilung treffen, weil vieles unklug ge­macht wäre. Die Lage, wie sie nun einmal vorhanden sei, sei jedoch nicht aus der Welt z u denken. Deutschland behandele die außenpolitischen Fragen nicht gefühlsmäßig, son­dern denke in diesem Punkt ganz nüchtern. Außenpolitik wäre immer Jnteressenpolitik. Genau wie zwischen Danzig und Polen könnte auch zwi­schen Deutschland und Polen ein modus vivendi geschaffen werden, wenn auf beiden Seiten mit der notwendigen Offenheit und Ehrlichkeit an diese Fragen herangegangen würde.

Zur Abrüstungsfrage erklärte Dr. Goeb­bels, er könne nur sagen, daß Deutschland den ehrlichen Willen habe. Den Viermächte vakt nach bestem Willen zu benutzen, um diese Frage einer erträglichen Lösung entgegenzu­führen.

Befragt, ob der Nationalsozialismus auf dem Faschismus aufbaue, erklärte Dr. ©oebbels, er habe wohl einiges vom Faschismus gelernt, vieles sei aber beim Nationalsozialismus völlig anders. Wenn ein Volk anfängt, sich zum Natio­nalismus zu bekehren, dann ist es selbstverständ­lich, daß dieser neue Nationalismus nur im Einklang mit dem Charakter des Lan­des und Volkes, mit seinen Tugenden und Fehlern entsteht. Denn der Nationalismus sieht in jedem Lande anders aus«

Gegen die Gmigrantenhetze im Ausland.

Einer der am häufigsten gegen das national­sozialistische Deutschland erhobenen Vorwürfe ist der, daß seine Behandlung der Juden­frage den Gesetzen der Humanität zuwiderlaufe und deshalb in der ganzen Welt auf Verständnis­losigkeit gestoßen sei. Auch darüber sei mir ein offenes Wort gestattet. Ich steh nicht an, offen zu­zugeben, daß im Verlaufe der nationalen Revolu­tion in Deutschland gelegentlich Uebergriffe seitens unkontrollierbarer Elemente geschehen sind. Das aber ist nicht das Ausschlaggebende. Wenn die deutsche Regierung die Auseinandersetzung mit der Judenfrage auf gesetzmäßigem Wege vor­nahm, so wählte sie damit die humanste und loyalste Methode. Unverständlich aber scheint es uns, einer­seits gegen diese Abwehraktion in Deutschland zu protestieren, andrerseits aber sich zu weigern, den von Deutschland abwandernden jüdischen lieber- schuß aufzunehmen. Nichts liegt dem National­sozialismus ferner, als eine billige Rache zu üben. Er hatte dazu die Macht und die Möglichkeit ge­habt. Wenn er es nicht tat, so aus dem ehrlichen Willen heraus, eine tatsächliche und prak­tische Lösung der Judenfrage zu finden, die zweifellos zu einer endgültigen Klärung auch in dieser Beziehung führen könnte.

Unerträglich aber scheint es uns, daß die Greuel- märchen. die feilens jüdischer (Emigranten im Auslande verbreitet werden und gar zu der allen bisherigen Gepflogenheiten der öffentlichen Mei­nung hohnsprechenden Unterstellung führten, Mitglieder der deutschen Regierung selbst hätten aus Parteigründen den Reichstag in Brand ge­fetzt, unbesehen von einem Teil der IBelfpreffe mitübernommen wurden. Es würde nicht nur dem deutschen Volke, sondern der ganzen Mell zum Segen gereichen, wenn die Kritik an den Vorgängen in Deutschland sich auf das wirklich Tatsächliche beschränkte und von vornherein jede gesinnungsmähige Antipathie ausschalteie. Mir haben in keiner Beziehung die Mahrheit zu scheuen. Mir möchten aber wünschen und hoffen.

daß der ehrliche Kampf um die Wahrheit nicht von vornherein vergiftet wird durch fast grotesk anmutenbe Behauptungen, die einer objektiven Prüfung nicht den nötigen Stand zu hatten ver­mögen.

In dieses Gebiet gehört auch der Dorwurf, das neue Deutschland betreibe eine geistige Expan­sionspolitik, die nur die Vorbereitung f ü r eine spätere machtmäßige Ex­pansionspolitik darstellen solle. Nichts liegt uns ferner, als aus dem Nationalsozialismus einen gängigen Weltartikel zu machen. Er ist, wie ich schon des öfteren betonte, eine typisch deutsche Erscheinung, die deshalb auch nur aus deutscher Umwelt, deutschem Charakter und deutscher Not erklärt werden kann.

Wir haben als junge Deutsche Achtung vor jedem anderen Volk, das sich seinem Charakter und seinen Aufgaben gemäß im Innern einrichtet. Wir glau­ben aber, nicht zu viel zu verlangen, wenn wir wünschen und hoffen, daß die Welt uns das­selbe Maß von Achtung entgegen­bringt, bei dem, wenn auch neuartigen, so doch gewiß ehrlich und nicht ganz erfolglosen Bemühen, von uns aus und für uns die Krise zu überwin­den. Verdient ein Volk, das nach einem verlorenen Krieg und schwersten Erschütterungen moralischer, wirtschaftlicher und politischer Art sich wieder auf feine eigene Kraft besinnt, in einer Riesenanstrengung den Verfall aufzuhalten versucht, keine Opfer scheut, um seinen eigenen Haushalt in Ordnung zu bringen, und es dabei weder an Mut, noch an Fleiß fehlen läßt, die Verachtung und die abweisende Kälte der übrigen Welt? Muß nicht vielmehr diese übrige Welt, ohnehin beladen mit eigenen Sorgen und dem großen Verhängnis, das Kriegs- und Nachkriegszeit über sie hereingebracht hat, jeden Versuch begrüßen, der mit neuartigen Methoden an die Lösung der großen Zeitprobleme herangeht, um damit auch seinerseits mit dazu beizutragen, daß VernunftundKlarheit wieder Einzug halte im Bereich einer allgemeinen Verwirrung und geistigen Auflösung?

Deutschland will den Frieden.

Mas das junge Deutschland mit der well aus­zumachen hat, das ist einzig und allein die Frage feines nationalen Bestands. (Es erstrebt dabei eine Lösung von Dauer, die nicht an den Problemen vorbei­geht, sondern ihnen hart und unerbittlich in die Augen schaut. Die Rot, die über (Europa herein­gebrochen ist, ist zu groß, als daß sie uns noch gestattet, ihre Ursachen zu überschauen und wei­terhin Unklarheiten zuläht über ihre zwangs­läufigen Auswirkungen. Das hat nichts mit Revanche oder Krieg zu tun. Ls wäre gut, wenn diese beiden Morte aus der Unter­haltung der Völker vollends verschwänden. Dir wollen dem deutschen Volk Arbeit geben. Mir sind zur Lösung unserer wirtschaftlichen Krise des Friedens bedürftig mehr als jedes andere Land. Dem deutschen willen zum Frieden aber für den Augenblick zwar zu vertrauen, um zu glauben, eine spä­tere Kriegsbereitschaft daraus folgern zu können, entspricht jener unfairen Art, ein großes Land mit Missen und Millen der Ver­dächtigung allein wegen zu verdächtigen.

Der deutsche Kanzler hat den Krieg selbst als einfacher Gefreiter mitgemacht. Er ist durch die Schlamm- und Todesttichter der großen Welt-

schlachten dutzende Male hindurchgekrochen. Er hat die furchtbare seelische und körperliche Not, die ein so dunkles Verhängnis über die Menschen, die da­von betroffen werden, hereinbringt, am eigenen Leib im Uebermaß zu verspüren bekommen. Wer hat den Mut, die Ehrlichkeit seiner Worte anzu- zweiseln, wenn er in Nürnberg vor seinen Kame­raden sagte, Deutschland habe im Krieg seine Ehre niemals verloren und empfinde deshalb auch nicht das Bedürfnis, sie im Krieg wiederherzust eilen. Man nenne mir eine einzige Handlung dieses Kanzlers oder seiner Re- gierung, die auch nur den leisesten Verdacht recht­fertigt, daß sie sich mit kriegerischen Gelüsten trügen? Ihr ganzes Aufbauwerk ist von dem Geiste des Friedens getragen. Sie will mithelfen, daß Europa die von den Völkern so heiß ersehnte Ruhe wiederfindet, daß der traditionelle Krisenstoff zwischen den Nationen überwunden werde und dieser so schwer geprüfte Erdteil endlich mit seinem Werk des Wiederaufbaues beginnen kann. Es liegt nicht im Interesse irgendeines Volkes, daß dieses Deutschland weiterhin als Nation zwei­ten Ranges behandelt wird und der Möglichkeit seiner Verteidigung be­nommen bleibt, die es zur Aufrechterhaltung seiner nationalen Sicherheit nötig hat. Daraus den Willen zum Kriege schließen zu wollen angesichts der Tatsache, daß überall sonstwo nicht abger ü ft e t, sondern ausgerüstet wirb,