Kunst und Wissenschaft.
Generalversammlung des Kampfbundes für deutsche Kultur.
In Berlin fand die Generalmitgliederversammlung des Kampfbundes für deutsche Kultur statt. Staatskommissar Kinkel, der Führer des Kampfbundes, hob in seinem Bericht über die Arbeit des Kampfbundes hervor, daß freie, sachliche Kritik durchaus nicht abgelehnt werde. Man müsse sich aber verbitten, daß Kampfgenossen mit einer Objektivität kritisiert würden, wie sie unsere Zeit nicht zulassen könne. Der Redner machte davon Mitteilung, daß Kultusminister Rust die Einrichtung einer preußischen Theaterzentrale angekündigt habe. Eine Musikerkammer solle gegründet werden, die die Zusammenfassung der gesamten deutschen Musikerschaft im berufsständischen Sinne bezwecke. Auf dem Gebiet der bildenden Künste richte sich der Kampf der Nationalsozialisten in erster Linie gegen die asiatischen Zementklötze in der Architektur und gegen jegliche reaktionäre Erscheinungen. An Plänen für die weitere Arbeit des Bundes nannte der Redner u. a. gemeinsam mit dem Reichsverband d'r Deutschen Presse veranstaltete Vortragsabende, auf denen sich die deutschen Künstler und Journalisten zusammenfinden sollen. Durch eine selbstlose Schenkung sei dem Kampfbund die Möglichkeit gegeben, in dem Schloß Neuenburg vei Freyburg an der Unstrut eine Wallfahrtsstätte für d i e deutsche nKün st ler zu schaffen.
Aus aller Welt.
Eröffnung der Weltausstellung in Ehikago.
Unter riesiger Beteiligung wurde die Chicagoer Weltausstellung, die zur Feier des 100jährigen Bestehens Chicagos veranstaltet wurde, feierlich eröffnet. Die Ausstellung veranschaulicht die großen technischen Fortschritte auf allen Gebieten menschlicher Betätigung, vor allem in Industrie, Ackerbau, Wissenschaft und Kunst. Das Ausstellungsgelände enthält etwa 300 Ausstellungshallen, von denen die riesige Unförmige „Halle der Wissenschaft" eine der interessantesten ist. Eine weitere bemerkenswerte Ausstellungshalle ist das Reise- und Transportgebäude, in dem die Entwicklung der Verkehrsmittel vom Präriefahrzeug bis zum luxuriös eingerichteten Eisenbahnwagen und vom ersten schwachen Flugzeug bis zum modernen „Luftexpreß" illustriert wird. Aus der Ausstellung sind 17 Länder vertreten. Deutschland, das wie andere zahlreiche größere Länder sich nicht geschlossen beteiligte, ist in einer ganzen Reihe von Abteilungen durch Spezialausstellungen vertreten. Aus medizinischem Gebiete sind besonders die A u s - stellung des Robert-Koch-Jnstitutes in Berlin hervorzuheben, sowie die anatomischen Modelle des Dresdener Museums für Hygiene. Würdig vertreten wird auch die deutsche Kirchen tun st in der Halle der Religion sein. Auf kunstgewerblichem Gebiet ist Deutschland ferner vertreten durch eine Sammlung von Erzeugnissen der Meißener Porzella nm a n u f a k t u r und mehrere Spezialausstellungen deutscher B u ch - binderkunst und deutschen Buchdrucks. Die Firma Bosch-Düsseldorf wird mit einer größeren elektrischen Ausstellung vertreten sein, und die Z e i ß w e r k e, die schon vor mehreren Jahren ein Planetarium eingerichtet haben, werden an der Ausstellung dadurch teilnehmen, daß das Planetarium zugleich auch als astronomische Ausstellungshalle dient.
„Graf Zeppelin" nach Rom geflarlel.
Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist am Montag um 0.25 Uhr zu seiner Fahrt nach Rom gestartet. 2ln Bord befinden sich 25 Passagiere, darunter der Reichsstatthalter von Württemberg Murr mit Frau, Das Luftschiff wird wegen der vor* ausfichtlich ungünstigen Witterung durch das Rhonetahl und dann vor Marseiile längs der
Ein vctterländischerRoman vonHansVietzke
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durch Verlag Oskar Meister, Werdau.
9. Fortsetzung. Nachdruck verboten«
Wenig später steht der Minister vor seinem König. Mehr und mehr verdüstert sich das Antlitz des Monarchen, als Hardenberg, ohne von dem Papier aufzusehen, das Schreiben Porcks verlieft, dem er die den König niederschmetternde Nachricht der Konvention von Tauroggen vorausgehen ließ.
Die Worte seines Generals schleudern den Monarchen in ein Meer von Angst, Zorn und ohnmäch- tigern Bewußtsein. Seine Haltung ist starr. Alles Blut weicht aus seinem Gesicht. Grau und verfallen lehnt er im Sessel. Verschwommen bringen die Worte auf ihn ein ...
„Tilsit, den 3. Januar 1813. Eurer Königlichen Majestät Monarchie, obgleich beengter als im Jahre achtzehnhundertfünf, ist es jetzt vorbehalten, die Erlöserin und Beschützerin Ihres und aller deutschen Völker zu werden. Es liegt klar am Tage, daß die Hand der Vorsehung das große Werk leitet. Der Zeitpunkt muß aber schnell benutzt werden. Jetzt oder nie ist der Moment, Freiheit, Unabhängigkeit und Größe wieder zu erlangen, ohne zu schwere und blutige Opfer bringen zu müssen. In dem Ausspruch Eurer Majestät liegt das Schicksal der Welt. Die Negociations, so Eure Majestät Weisheit vielleicht schon angeknüpft, werden mehr Nachdruck erhalten, wenn Eure Majestät einen kraftvollen und entscheidenden Schritt tun. Der Furchtsame will ein Beispiel und Oesterreich wird dem Wege folgen, den Eure Majestät bahnen. Eure Königliche Majestät kennen mich als einen ruhigen, kalten, sich nicht in die Politik mischenden Mann. So lange alles im gewöhnlichen Gang ging, mußte jeder treue Diener den Zeitumständen folgen, das war seine Pflicht. Die Zeitumstände ober haben ein ganz anderes Verhältnis herbeigeführt, und es ist ebenfalls Pflicht, diese nie wieder zurückkehren, den Verhältnisse zu benutzen.
Ich erwarte nun sehnsuchtsvoll den Ausspruch Eurer Majestät, ob ich gegen den wirklichen Feind vorrücke, oder ob die politischen Verhält- nisse es erheischen, daß Eure Majestät mich verurteilen. Beides werde ich mit treuer Hingebung erwarten, und ich schwöre Eurer Königlichen Majestät, daß ich auf dem Sandhaufen sterben werde — ebenso wie auf dem Schlachtfelde, auf dem ich grau geworden bin, die Kugel erwarten werde. Ich bitte daher Eure Majestät um die
Riviera entlang über Genua. Liverno nach Rom fliegen. 3n Rom wird auf dem Militärflugplatz Ciampino eine Landung vorgenommen. Bei der Zwischenlandung werden Reichsminister Dr. Goebbels und Mussolini zusteigen, vielleicht auch der König von Italien. Das Luftschiff tritt dann eine zweistündige Rundfahrt an überRomund die Pontinischen Sümpfe.
Die deutsche Fliegerin IHarga v. Etzdorfs in Aleppo tödlich verunglückt?
Nach einer in Paris vorliegenden Meldung soll die deutsche Fliegerin Marga von Etzdorfs bei ihrer Landung in Aleppo einen tödlichen Unfall erlitten haben. Ihr Apparat sei bei der Landung von einem Windstoß erfaßt und zu Boden gedrückt worden fein, wo er in Trümmer ging. Die deutsche Fliegerin habe sich selbst aus den Trümmern befreit, so daß man ursprünglich angenommen hatte, sie sei unverletzt geblieben. Erst wenige Augenblicke später sei sie ohnmächtig zusammengebrochen und auf dem Wege zum Krankenhaus gestorben. Eine Bestätigung dieser Meldung liegt aus Aleppo bisher nicht vor.
SS.-Sportflugzeug abgestürzt.
In Hildesheim sollte ein Flugzeug des SS.- Fliegersturms Göttingen Propagandaflüge ausführen. Nach dem zweiten Start der 60 ?8.-Hirth- Klemm-Sportmaschine, die von dem Studenten Ewald Hamann, einem gebürtigen Hildesheimer, gesteuert wurde, stürzte das Flugzeug ab. Der Führer wurde schwer verletzt und mußte dem Krankenhaus zugeführt werden. An seinem Aufkom
men wird gezweifelt. Sein Bruder, Gerichts- tffeffor Hamann, der sich ebenfalls in dem Apparat befand, verunglückte tödlich. Die Ursache des Unglücks ist noch nicht geklärt.
Schweres Autounglück bei Schwäbisch-hall.
Am Sonntagmorgen versagten bei einem mit über 30 Personen besetzten La st- kraftwagen in einer gefährlichen Kurve bei einem Bahnübergang die Bremsen, so daß der Wagen ins Schleudern kam und sich überschlug. Ein junger Mann wurde auf der Stelle getötet, zwei weitere lebensgefährlich verletzt. 18 Insassen des Wagens mußten mit leichteren Berlehungen ins Diakonissenhaus in Hall gebracht werden.
Degen Grenzstreitigkeiten auf dem Felde erschlagen.
In Heuchling (Mittelfranken) kam es während der Feldarbeiten zwischen dem Landwirt Martin Strobel sowie dessen Sohn Paul und dem Landwirt Georg Kugler und helfen zwei Söhnen und Tochter zu einem Streit wegen der Grenzen ihrer aneinander st oßenden Felder. Die vier Kugler schlugen mit ihren Feldgeräten, Sense, Schaufel, Gabel und Feldhacke, auf die zwei Wehrlosen ein. Durch einen furchtbaren Hieb mit der schweren Feldhacke wurde Martin Strobel die Schädeldecke zertrümmert, so daß er v e r st a r b. Auch der junge Strobel und ein anderer Ortseinwohner, der schlichtend eingreifen wollte, trugen schwere Berlehungen davon. Die Gendarmerie nahm die Täter fest.
Weihe des Stahlhelmheims in Gießen.
Am Samstag und am gestrigen Sonntag trat die Ortsgruppe Gießen des Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten mit einer eindrucksvollen Veranstaltung vor die Oeffentlichkeit. Es handelte sich um die feierliche Einweihung des in der Moltkestraße geschaffenen Stahlhelmheims, um die Durchführung von Wehr- sporttämpfen und um einen Aufmarsch der Stahlhelm-Formationen unserer engeren Heimat durch die Stadt.
Die Einweihung des Heims fand am Samstagnachmittag in Gegenwart des Landesführers des Stahlhelm in Hessen Kapitän a. D. Weihe, von Vertretern der Gießener Behörden und der Reichswehr, von zahlreichen geladenen Gästen und kleineren Abordnungen der Stahlhelmgruppen im Saale des Heims statt. Aus Anlaß des festlichen Ereignisses hatten sich so viele Besucher eingefunden, daß der Saal voll beseht war. Die Bilder des Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg und des Herrn Reichskanzlers Adolf Hitler, sowie des Stahlhelmführers Reichsminister Seldte schmücken den schönen Saal an der Hauptfront.
Die StahlhelmkapeUe leitete die schlichte, aber sehr eindrucksvolle Feierstunde mit dem Spiel des Chorals „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" ein. Hierauf brachte Kam. W e i n a n d h einen Vorspruch zu Gehör, in dem die hohen Ideale des Stahlhelm wirkungsvoll betont wurden.
Der Ortsgruppenleiter, Oberstleutnant a. O. Loppe begrüßte sodann die Festoersammlung, insbesondere die Vertreter der Behörden, den Kommandeur unseres Bataillons Major Freiherrn von Wachter, Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften, die Vertretung der militärischen Vereine, Vertreter des Wirtschaftslebens unserer Stadt, der Studentenschaft, der Kampfbünde und die Freunde und Gönner des Stahlhelm, weiter mit besonderer Betonung das Ehrenmitglied der Gießener Ortsgruppe, General a. D. Mohr, den Bauführer Dr. Dehner, den
Gnade, bei dem Urteil, das gefällt werden muß, auf meine Person keine Rücksicht nehmen zu lassen. Auf welche Art ich sterbe, ich sterbe immer als Eurer Majestät alleruntertänigster und getreuester Untertan Iorck."
Hardenberg hat zu Ende gelesen. Schweigend erwartet er die Antwort des Königs.
Eine endlos währende Pause lastet.
Dann sagte die nervöse Stimme des Königs, zwischen Hoffnung und Furcht hängend: „Müssen Ausweg finden, Hardenberg ... Affäre Tauroggen muß rückgängig gemacht werden!"
Hardenberg antwortet sehr sachlich, sich bewußt in das Unvermeidbare fügend: „Eure Majestät — bedaure: Das Korps Porck marschiert bereits! Das bedeutet unzweideutig Bruch mit Frankreich — da wird alle Diplomatie nichts mehr helfen, Tatsachen sind nicht hinwegzuleugnen."
Der König springt auf. Die schonungslose Wahrheit macht ihn wütend. „Man stellt mir Fallen, Hardenberg! ... Sind das meine Offiziere?! ... Rebellen sind das!"
Seine Stimme hat eine ungewohnte Schärfe. „Diesem General Porck ist sofort seine Absetzung zuzustellen!"
*
Eine Stunde später reitet der Flügeladjutant von Natzmer mit allerhöchstem Befehl zum Norckschen Korps.
Seit Tagen schon aber hat Porck das Oberkommando über die Provinz Ostpreußen übernommen.
Sein General o. Bülow ist mit preußischen Truppen gegen Elbe und Oder aufgebrochen.
Nur noch eine kleine französische Garnison liegt als Besatzung in Danzig.
Ostpreußen ist frei!
10.
Der preußische Kurier Hauptmann Joachim Döllnitz hat in der ersten Woche des Monats Januar die Hauptstadt Berlin verlassen. Wieder reift er unter falschem Nomen, diesmal als ein Herr Fcchner, Kaufmann aus Spandau. Es wird die letzte Reise sein, die er im Dienste seines Landes unter falscher Flagge beenden muß.
Sonnenklar, mit, lichtblauem Himmel, wölken- überflaggt, liegt das ebene Land vor feinen suchenden Augen. Es ist ein milder Tag. Es könnte Dorfrüh. Ung sein. Döllnitz reitet in leichtem Trab. Seine Ge- danken springen spielerisch in Vergangenheit und Zukunft — das Herz füllt sich mit Hoffnung und Freude beim Anblick dieses Sonntags.
In vollen Zügen atmet der Hauptmann die klare Luft. Die Brust weitet sich, als wolle sie unsichtbare Fesseln sprengen. Fast ein Jahrzehnt in ewigem Aufruhr, in Krieg und Kampf und nur von dem einen Gedanken erfüllt: Freiheit! — dos ist bas Los, das Döllnitz mit Volk und Vaterland untrenm bar verbindet. Sturmburdjtobte Nächte, endlose, einsame Ritte auf fremden Straßen, Not, Verfolgung, Entbehrung — feit Jahren, Tag für Tag, das gleiche.
Kreisführer Dr. S ch n e i d e r mit ihren Gefolgschaften, schließlich mit besonderer Freude den Landesführer Kapitän a. D. Weiße. Der Redner wies dann weiter darauf hin, dgß das nunmehrige schöne Stahlhelmheim dank der großzügigen Unterstützung durch Frau Hauptmann Z s ch o r l i ch , die der Ortsgruppe dos Gebäude völlig kostenfrei zur Benutzung zur Verfügung stellte, durch die unermüdliche und opferreiche selbstlose Arbeit der Stahlhelmkameraden aus dem Zustande einer verlassenen Fabrik in ein gemütlich hergerichtetes Kameradschaftsheim, den Unterstand für die Gießener Ortsgruppe, umgewandelt worden sei. Dadurch habe der Frontabschnitt Gießen des hessischen Stahlhelm einen Unterstand und Sammelraum erhalten, an dem jeder Stahlhelmkamerad seine Freude habe. Der Redner dankte Frau Hauptmann Zschorlich für die hochsinnige Ueberlassung des Gebäudes, die dem Gießener Stahlhelm eine sehr wertvolle Hilfe sei, er dankte weiter allen Förderern und Spendern, die zur Ausgestaltung des Heimes durch Spenden und Beihilfen beitrugen, und dankte zum Schluß den Kameraden der Ortsgruppe für ihre selbstlosen Arbeitsleistungen, die sie dem Heim zu seiner Herrichtung angedeihen ließen.
Oer Landesführer Kapitän a. O. Weiße
brachte sodann zunächst den Dank des Landesfüh- rers an alle Förderer und Stifter dieses Heimes ebenfalls in herzlichen Worten zum Ausdruck. Er wies weiter darauf hin, daß der Krieg einen neuen deutschen Menschen geschaffen habe, dessen sittliches Fundament auf dem großen Fronterlebnis der Kriegskameradschaft ruhe und den Geist des festen Zusammenstehens verbreite. Wenn das deutsche Volk überall in den deutschen Mitmenschen in erster Linie immer nur zuerst den Kameraden sehen würde, dann werde die Einigkeit sicher ruhen und gefestigt, die unser großer Volkskanzler Adolf Hitler überall schaffen wolle. Auf den von der ruhmreichen kaiserlichen Armee des Weltkrieges gegebenen Grundlagen der Manneszucht und der Kameradschaft beruhe auch der feste Zusammenhalt im Stahlhelm, der seinen Dienst überall selbstlos tue, wo der Staat chn zur Hand haben wolle. Durch die
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Er hat den Ruhm friderizianischer Regimenter, in denen noch sein Vater bei Leuthen, bei Lobositz und Prag siegreich gekämpft hat, in Staub und Trümmer sinken sehen. Er hat Saalfeld, Jena und Auerstedt, verzweifelnd an seines Volkes Kraft, verloren gehen, er hat Schill bei Stralsund sterben sehen, hat Untergang und Erwachen in furchtbaren Jahren, im Innersten erschüttert, miterlebt.
Und nun endlich wird die Schicksalswende kommen, endlich das Erwachen aus Schmerz und Qual, zu Tat und Sieg. Es wird die letzte Reise fein, zum letzten Male wird fein Wort die Herzen der Bedrückten entflammen, bann wird der Kurier der Freiheit die Rede mit dem Schwert vertauschen.
Schwur und Gelübde begleiten ihn. Von Ort zu Ort wächst fein Glaube an die Tat. Die Kameraden in Berlin sind zu allem bereit, die Bürger zögern nicht mehr. Fichtes Reden an die deutsche Nation sind Zeugen vo« Mut und Begeisterung. Man wagt das freie Wort wieder, trotz aller Gewalt der Bedrücker. Die Regierung wird gezwungen werden, Stein wird endlich sein Exil verlassen dürfen, Rußland wird das Zeichen zum Aufbruch geben und der Koloß napoleonischer Willkür wird zertrümmert werden. Schon horcht Europa auf: Von Osten her kommen die Signale! Tauroggen ist wie ein Blitzschlag in die dürren Gefilde des Zweifels und Zauderns gefahren. Der Feind beginnt zu begreifen. Vertrauend noch auf Gewalt und scheinbare Macht, steht er Gewehr bei Fuß ...
Hauptmann Döllnitz treibt seinen Gaul an. Es ist wie eine unbewußte Geste: Die Zeit eilt — mit Riesenschritten. Stunden, Tage sind zu drohender Entscheidung geballt. Von Etappe zu Etappe muß er sich durchkämpfen, muß Gewißheit erlangen, muh Rat und Auftrag geben für den Tag, an dem die Bataillone der Freiheit marschieren werden.
Ende der Woche will er in Breslau sein. Der Tugendbund erwartet ihn. Auch hier wird alles in Bereitschaft sein — Schlesien soll der Sammelplatz der Freiwilligen werden, der Stützpunkt zur Vereinigung mit Ostpreußen, der Quell des Stromes, der mit brandenden Wogen sich in das Herz des Vaterlandes ergießen soll.
Hauptmann Döllnitz weiß, daß ihm die fremden Häscher auf den Fersen sind. Jetzt heißt es doppelt wachsam fein, daß man nicht in letzter Stunde noch in ihre Hände fällt. Hat er erst Breslau erreicht, ist viel gewonnen. Treue Freunde werden ihn decken, fein Leben ist das ihre!
Er hat nach Löbau geschrieben. Der Baron soll ihn in Breslau treffen. Er wird Quartier nehmen bei dem Vorsitzenden des schlesischen Tugendbundes, Professor Berger, dem fanatischsten Parteigänger, den sich die Bewegung wünschen kann.
Ob Baronesse Maria ihn besuchen kommt? ... Der Hauptmann muß lächeln. Es ist ein. weiches, friedliches Lächeln, ein Zug von Glück spielt um seinen Mund. Sein Herz weitet sich bei dem Gedanken an diese Frau, bei dem Gedanken, daß nach
freiwillige Manneszucht der alten Soldaten werde der Heranwachsenden Generation ein leuchtendes Beispiel gegeben und die junge Mannschaft in dem gleichen Geiste erzogen, der Deutschland groß und stark gemacht habe, denn die Manneszucht liege dem Deutschen schon im Blute. Der Führer habe dafür zu sorgen, daß dieser Geist allezeit lebendig bleibe und auch den Menschen bereit mache, selbst das letzte Opfer, sein Leben, darzubringen, wenn das Vaterland den Einsatz der vollen Persönlichkeit brauche. Hierauf gedachte der Landessührer des heroischen Heldentodes des unvergeßlichen Freiheitskämpfers Albert Leo S ch l a g e t e r, dessen Leben und Wirken und dessen Größe auch in der letzten Stunde seines Lebens, angesichts der schandvollen Mordmethoden der französischen Machthaber, er allen deutschen Menschen als leuchtendes Vorbild von Augen stellte. Gerade an dem Beispiel Schlageters zeigte er den Zuhörern die starken und segensreichen Ausstrahlungen der echten Kameradschaft und der straffen Manneszucht. Er betonte dann weiterhin, daß der Stahlhelm in völliger Freiwilligkeit bis zum äußersten hinter dem Vvlkskanzler Adolf Hitler stehe, allen neuen Rechts- und Freiheitsbeschränkungen, die man etwa in Genf gegen Deutschland heraus- bringen wolle, entschiedenen Widerstand entgegensetzen werde und dabei in dem Volkskanzler Adolf Hitler den entschlossenen und festen Führer des deutschen Volkes sehe. Zum Schlüsse betonte der Redner, daß der marxistisch-jüdische Geist der letzten 14 Jahre in keiner Weise als deutscher Volkswille angesehen werden könne, sondern daß der heutige Wille der W e h r f r e u b i g t e i t und der Wehrbereitschaft des deutschen Volkes einzig und allein als der wahre deutsche Wille anzusehen fei. Je kräftiger und stärker dieser Wehrwille zur Geltung gebracht werde, desto mehr würden auch die Verhandlungen in Genf für Deutschland erleichtert werden. In diesem Entschluß werde das deutsche Volk unbedingt fest bleiben und dadurch sich wieder ein freies, großes und souveränes Reich schaffen. (Lebhafter Beifall.) Anschließend wurde der erste Vers des Deutschland-Liedes gelungen.
Se. Magnifizenz der Rektor der Landesnniverfiiäi Prof. Or. Zeß
brachte hierauf die herzlichen Grüße und Wünsch« der Universität und wunschgemäß auch der übrigen Gäste und Behörden zum Ausdruck. Die Uni* versität sehe in dem Stahlhelm den Hüter und Bewahrer der besten Tradition unserer alten ruhmreichen Armee, unseres Bollsheeres im wahren Sinne des Wortes. Die Universität sehe im Stahlhelm aber auch eine der deutschen Heeressäulen, welche die nationale Erneuerung unseres Volkes ermögliche. Die Universität vertraue darauf, daß der Stahlhelm zusammen mit den anderen nationalen Verbänden und allen nationalen deutschen Menschen das feste Bollwerk auch in Zukunft sein werde, welches Deutschland mehr denn je in dieser Zeit nötig habe, um endlich die Stellung im Kreise der Völker wieder zu erringen, auf welche es im Hinblick auf seine Leistungen und seine Voltszahl, sowie ange.ichts seiner großen Vergangenheit mit Recht Anspruch erheben könne. Dem Stahlhelm wünschte der Redner am Schlüsse seiner Ansprache weiteres Wachsen, Blühen und Gedeihen und eine erfolgreiche Erziehungsarbeit am deutschen Volke, insbesondere auch an der jungen Generation, im Sinne und Geiste der alten Frontsoldaten, die alles dahingaben, für das eine Ziel: für Deutschland. (Starker Beifall.)
Ehrengeschenke
in Gestalt von Bildern ließen der Gardeverein Gießen und der MarinevereinGie- ß e n, ferner eine Beisteuer zur Bücherei des Stahlhelm die Deutschnationale Front in Gießen überreichen, wobei die Sprecher die herzlichsten Wünsche für den Stahlhelm und sein neues Heim, sowie ihre enge kameradschaftliche
Jahren rauhen Kriegshandwerks eine Zeit zarten, stillen Friedens kommen könnte.
Unerwartet jäh tauchen vor den Augen des Kuriers die Türme einer Kreisstadt auf. Der Augenblick der Gefahr rückt unerbittlich nah. Die Pflicht spiegelt sich eifern in feinen gewandelten Zügen. Erloschen sind alle träumenden Gedanken — die Stunde verlangt ihr Recht!
*
Auf der Straße von Löbau nach Breslau fährt unter melodischem Schellengeläut der bequeme Reise- |dritten mit Maria von Löbau und Jeannnette ße- fevre.
Die Baronesse ist der Einladung der Französin gefolgt, um im Hause des Professors Berger selbst sich nach dem Eintreffen Joachim Döllnitz' zu erkundigen. Unentwegt sind ihre Gedanken bei ihm. Sein letzter Brief erfüllte sie mit der Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen. Sie weiß, in welcher Gefahr der Kurier schwebt — wenn er in die Hand des Feindes fällt, ist sein Leben verwirkt. Kein Wort der Liebe ist je über ihre Lippen gekommen, und doch ist dieses stumme, verschwiegene Bündnis heiliger und unzertrennbarer als jedes Gesetz es vermag. Sie fühlte zutiefst die Verbundenheit mit die- fern Manne, als sie ihn das erstemal sah, da die traurige Pflicht ihn auf Schloß Löbau führte, den Tod ihres Bruders zu melden. Seit dieser Stunde begleiten ihn ihre Gedanken, seit diesem Tag weiß sie, daß ihr Herz nie einsam fein wird — auch nicht im Tode. Wie selten ward ihr in all diesen Jahren das Glück zuteil, in die Augen dieses Tapferen sehen zu können, seinen Atem zu fühlen, die Freude seiner Nähe zu spüren. Ihr Gefühl sagt ihr, was unausgesprochen blieb bisher: Auch Döllnitz liebt sie. Wenn das Schicksal ihn alle Gefahren überwinden läßt, wird eines Tages dieser herbe, verschlossene Mund sprechen, wird ein starker Arm sie umfassen — für ein ganzes Leben.
Marias Blick sucht die Begleiterin neben sich. Jeanette Lefevre, Frau eines französischen Hauptmanns, Feindin, muß sie nun Freundin nennen. Seltsam, wie alles Trennende von ihnen abfiel, als das Herz sprach, wie alles Störende in Nichts zerrann, wie Haß und Schmerz dem einzigen, versöhnenden Gedanken wichen, daß Frauenschicksal bei Freund und Feind das gleiche ist ...
Jeannette hat in der Einsamkeit, in einem Land von Haß und Verachtung umgeben, um so freudiger und tiefer die Freundschaft dieser stillen, zarten Frau gesucht.
Wie oft hat Jeannette zurückdenken müssen an längst entschwundene Tage voll Glanz und Schönheit. Paris — Heimat--! Glückliche Tage hat sie
mit Rens verlebt, als er noch Advokat war in friedlichen Zeiten. Kleines Haus im Bois, stille Stuben mit dem Duft vergangener Zeiten, Lusthaus im Park, mit blühenden Lianen und dem Ruf der Nachtigall in mondhellen Sommernächten--Heimat!
(Fortsetzung folgt.)


