Darum sei es hier frei und ehrlich bekannt, in der neugeeinten Deutschen Evangelischen Kirche h a t nur einer die Leitung und Führung: Jesus Christus, gestern und heute, und derselbe auch in Ewigkeit. Was nun heute auf Grund der neuen Verfassung werden wird, ist kein lockerer Kirchenbund, sondern eine einheitliche Kirche, vielgestaltig in ihren Gliedern, aber eins in gleißendem Grunde, in der Erkenntnis, daß die großen Aufgaben oer Gegenwart gelöst werden müssen. Die deutsche Freiheitsbewegung mit ihrem Führer, unserem Kanzler, wird von uns empfunden als ein Geschenk Gottes, gegeben in einer Zeit der Entscheidung, wo die Feinde des Kreuzes Christi auf dem besten Wege waren, unser Volk innerlich und äußerlich völlig zu vernichten. Aus dem Siegeszug der deutschen Freiheitsbewegung hören wir das mahnende und auf- rüttelnde Rufen unseres Gottes. Wir sind des ehrlichen und aufrichtigen Willens, auf diesen Ruf Gottes zu hören und danach zu tun. Darum müssen wir uns in dieser feierlichen Stunde unserer großen Verantwortung bewußt werden und uns die Frage vorlegen, was sind wir als Männer der Kirche unserem Volke schuldig?
Gerade der Ewigkeilsauftrag der Kirche verlangt, daß wir die gegenwärtige Stunde et- tennen. Ein neues Reich ist im Werden. Der neue Mensch im neuen Reich will auch werden. Da darf die Kirche nicht war- ten, bis die Menschen zu ihr kommen, sondern diekirchemuß d i e M e n s ch e n s u ch e n, und zwar die Menschen, wie sie heute nun einmal sind. So heißt der Auftrag der Kirche, her- an an das deutsche Volk mit einer befreienden, helfenden, fröhlichen Botschaft von Christus dem Kämpfer, dem Heiland, dem Herr. And das ist der Ruf zu Kampf und Arbeit.
Wir wollen darüber wachen, daß die Bekenntnisse in ihrer doppelten Gestalt u n a n g e t a st e t bleiben, und zwar so, daß wir daraus aerade den Auftrag Gottes erkennen, heute in unserer Lage eine bekennende Kirche zu sein und zu werden. Das gemeinsame Kleinod aller Kirchen, die Reformation, ist und bleibt die Rechtfertigung allein aus dem Glauben. So haben wir die große Aufgabe, dieses Evangelium unserem Volke in seiner Sprache und Art zu bringen. Aus dieser Verpflichtung ist den meisten von uns das Begehren entstanden: Die Verkünder des Evangeliums und die Verwalter der Kirche mußten auf deutschem Boden deutschen Blu- t e s sein. Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, daß wir als deutsche evangelische Christen mit der Gestaltung und dem Schicksal unserer Volksgemeinschaft fest und unzertrennbar verbunden sind: diese Volksverbundenheit empfinden wir verantwortlich als eine gottgewollte. Wir denken dabei nicht daran, die überzeitliche Ein- heit der Kirche Christi, die Gemeinschaft in Wort und Sakrament auch mit den Angehörigen anderer Nationen und Rassen zerreißen zu wollen, aber die Gleichheit vor Gott schließt nicht die Ungleichheit der Menschen untereinander aus, die doch auch auf Gottes Willen zurückgeht. Der Artikel von der Schöpfung wird durch den dritten Glaubensartikel nicht aufgehoben, sondern gerade bejaht und bestätigt.
Aus allen bisherigen Erörterungen dürfte klar geworden fein, daß die Deutsche Evangelische Kirche keine gleichgültige Neutralität dem Staate gegenüber kennt. Wir wollen aber andererseits auch nicht Slaatskirche sein. Was wir aber als gewaltige Aufgabe erkennen, das ist die Verantwortung gegenüber dem Staat. Der Staat ist nicht Herr der Kirche; aber die deutsche Kirche lebt im deutschen Staat Das ist für uns eine gottgegebene Tatsache. Dabei ist es für uns eine herzstärkende Freude, daß diesem neuen Verantwortungswillen der Kirche auch e 1 n neuer Staat gegenübersteht mit dem ausgesprochenen Willen, die kirchliche Arbeit zu fördern und ihr im Ganzen der Volksgemeinschaft den Raum und die Freiheit zu gewähren, die sie braucht. Dieser Staat wird den evangelischen Einfluß auf die Heranwachsende Jugend mit Verständnis und Fürsorge behandeln, d i e Aufgabenderkirch- lichen Liebestätigkeit als Mithilfe begrüßen. Die G e w i f f e n s f r e i h e i t, wie sie unsere Reformatoren forderten, und wie sie die Kirche braucht, wird und will er nicht hindern, sondern gerade anerkennen, vertrauen ist die Grundlage des Verhältnisses zwischen 4>taat und Kirche im neuen Staat. So bleibt der Staat Staat und die Kirche Kirche.
Vertrauen soll und wird auch die Grundlage unserer Beziehungen zu den evangelischen K i r- d) en des Auslandes fein. Gerade weil wir unsere Sendung an unser Volk erkennen, werden wir zu den evangelischen Kirchen aller Völker e i n Verhältnis ehrlicker und wahrhaft!- ger Zusammenarbeit haben. Ich benutze daher die Gelegenheit, von dieser Stätte aus, auf welche die gesamte evangelische Christenheit der Welt mit Dankbarkeit blickt, Gruß und Segenswunsch der geeinten deutschen evangelischen Kirche zu entbieten. Auch zu den übrigen Kirchen- Gemeinschaften innerhalb unseres Vaterlandes müssen wir freundschaftliche Beziehungen unterhalten. Wir wünschen nicht, daß Die werdende neue Volksgemeinschaft durch konfessionelle Kämpfe zerrissen wird. Gerade eine Kirche, die sich ihrer Verantwortung bewußt ist, kann ehrlich und offen zu den anderen Kirchengemeinschaften stehen. Das gilt auch insbesondere von den evangelischen Freikirchen. Unser Wunsch ist nicht, daß sie Güter daran geben, die ihnen wertvoll sind, sondern wir rechnen auf ihre Mitarbeit, wo gemeinsame Arbeitsgebiete sind.
Line Sorge liegt uns besonders am Herzen. Es ist die Sorge um den Neuaufbau des Pfarrer ft anbes und der Neuaufbau der Gemeindearbeif. Line lebendige Kirche kann sich nur aufbauen auf lebendigen Gemein- den. Von dem Pfarrer isieinneuesAmts- bewuhtf ein zu fordern, das keinen Standesdünkel kennt, sondern aus dem Bewußtsein persönlicher Verantwortung erwächst. Dieses Amtsbewuhtsein kann aber nur echt sein, wenn es in lebendiger Volksverbundenheit wurzelt. Darum muß der junge Theologe den Dienst an Volk und Vaterland in der SA. und im Arbeitslager als Ehrenpflicht ansehen. Begeisterte pre- biger und Lehrer sollen ins Land ziehen, nicht geistige Beamte“ wollen wir haben, sondern
Kämpfer unseres Herrn Jesu Lhristi, die zum Dienst an der Gemeinde berufen sind.
Brachte uns bas neue Reich eine neue Volks- kamerabschaft, soll uns die neue Kirche eine neue Kameradschaft des Glaubens und des Opfers bnn- gen. Das Alte geht zu Ende, das Neue kommt herauf Der kirchenpolitische Kampf ist vorbei, der Kampf um die Seele des Volkes beginnt.
„Dein Wort ist unseres Herzens Trutz Und Deiner Kirche wahrer Schutz.
Dabei erhalt' uns, lieber Herr, Daß wir nichts anderes suchen mehr."
Als der Reichsbischof feine Ausführungen beendet hatte, sprachen ihm die Mitglieder des geistlichen Ministeriums, die Vertreter der Reichs- und Staats- reqierung und andere Ehrengäste ihre Glückwünsche aus. In einem Schlußgebet erbat der Reichsbischof den Segen Gottes für fein verantwortungsvolles Amt, für bas deutsche Volk, den Reichspräsidenten, den Kanzler und Führer. Er erbat auch den Seaen für die evangelischen Glaubensgenossen jenseits der Reichsgrenzen sowie für alle diejenigen, die in unserem Lande leben und nicht dem evangelischen Glauben angehören, und schließlich für alle Völker der Erde, damit alles Wahre, Reine, heilige und Große zum Siege komme und feine Wahrheit sich ausbreite. Das Gebet aina über in bas „Vaterunser". Der Reichsbischof schloß mit einem Segensspruch für bie ©emeinben unb vertagte bie Synobe. Mit bem Gesang bes alten Reformationsliebes „Ein feste Burg ist unser Gott" fanb diese bedeutsame Tagung ihren Abschluß.
Wittenberg huldigt dem Reichsbischof. Bei Einbruch der Dunkelheit versammelte sich auf dem Marktplatz die Bevölkerung der Luther- taot zugleich mit den Formationen der SA., der SS., des Stahlhelm und der kirchlichen Verbände, um den neuberufenen Reichsbischof zu grüßen. Durch das Spalier der Fackelträger begab sich Reichsbischof Müller mit feinen Ministern zum Rathaus. Vom Balkon des Rathauses gab Oberbürgermeister Faber der Freude der Bevölkerung über bas Ergebnis ber Nationalsynobe Ausbruck. Mit
ber Berufung bes Reichsbischofs fei bie Sehnsucht des protestantischen Volkes erfüllt morden, das schon lanae auf den Tag ber Einigung ber evangelischen Kirche unter einem Führer gewartet fjabe.
Reichsbischof Müller führte bann aus: Der erste Schritt auf bem Wege bes Neubaus ber evange- lischen Kirche sei getan. Das äußere Gewand ber Kirche sei fertig; jetzt aber beginne bas eigentlich Große unb Schwere der Arbeit: nämlich die Kirche von innen her leb en bi g a us zu- bauen. Die deutsche evangelische Kirche gehöre dem deutschen Volke, mit dem sie aufs Engste nach Art und Wesen verbunden fei. Niemand solle meinen, daß die nun anzufassenden Aufgaben d o n der Führung allein getan werden tonnten. Alle müßten mlthe 1 sen, mit fröhlichem Vertrauen. Im neuen Reich sei eine neue wundervolle Kameradschaft angebrochen, begründet m dem Glauben an den Führer unb an bes Volkes Zu- fünft. Unb so, wie ber Führer immer wieder betone, baß Gott es sei, ber bas Neue dem Volke geschenkt habe, so gelte es gemeinsam ouszufchauen zu bem, ber über den Sternen wohne. NUt heißer Siebe hänge die evangelische Kirche an Volk u ib Heimat, am Boden deutscher Erde. Aus dieser tiefsten Empfindung heraus müsse an dem Neubau der Kirche von.innen her gegangen werden. Der Reichsbischof gab mit Bewegung feinem Danke Ausdruck für diesen lag unb ülbenö. Begeistert stimmte bie Menge in ben Sieg-Heil-Rus bes neuen Führers ber Deutschen Evangelischen Kirche ein. Der feierliche Gesang bes alten Siebes „Ich bete an bie Macht ber Liebe" schloß ben historischen Tag in ber Luther-Stabt Wittenberg.
0anftelegramme des Reichsbischofs.
Versicherung treuer Mithilfe am inneren Neubau.
Wittenberg, 27. Sept. (TU.) Reichsbischof Lubwig Müller hat an bie Führer bes neuen Staates Telegramme gerichtet, in benen er feine Berufung zum Reichsbischof ber Deutschen Evangelischen Kirche mitteilt. In bem anbenReichs-
präsibenten gerichteten Telegramm gelobt ber Reichsbischof treue Gefolgschaft unb spricht bie Versicherung aus, baß bie beutsche Evangelische Kirche ihrem reformatorischen Erbe aetreu mit freu- bigem Gottvertrauen mit aller Kraft mithelfen werbe am Dienst am Volk unb Vaterlanb.
Das an ben Reichskanzler gerichtete Tele- gramm bes Reichsbischofs hat folgenden Wortlautt
„Im Namen unb Auftrag ber ersten Deutschen Evangelischen Nationalsynobe grüße ich ben Kanzler bes Deutschen Reiches in herzlicher Verehrung unb Treue. Gleichzeitig melbe ich, baß ich soeben von ber Nationalsynobe einstimmig zum ersten beut- sehen evangelischen Reichsbischof berufen bin. Ich banke Ihnen als bem Führer unserer Bewegung für bas Vertrauen, bas Sie mir allezeit geschenkt haben unb bitte Sie herzlichst, ber neugeeinten evangelischen Kirche unb mir als ihren berufenen Reichsbischof Ihr Vertrauen auch weiterhin zu erhalten. Die Deutsche Evangelische Kirche wirb mit Gottvertrauen und Verantwortungsbewuhtsein ans Werk gehen unb Ihnen treu mithelfen am innerlichen Aufbau von Heimat unb Volk. Bewegten Herzens gebente ich in dieser historischen Stande auch dankbar der persönlichen Verbundenheit mit Ihnen. In Liebe und Treue habe ich in ben vergangenen Jahren mit Ihnen für bas große Ziel ber nationalen Freiheit gekämpft — wenn ich jetzt als Reichsbischof bie evangelische Kirche Deutschland neubauen soll, so soll es geschehen in i n n i g ft e r Volksverbunbenheit zur Ehre Gottes unb zum heil unseres beutschen Vaterlanbes "
An ben Reichsinnenminister Dr. Frick unb an ben preußischen Kultusminister Rust richtete ber Herr Reichsbischof ebenfalls Telegramme, in benen er für bie tätige Mithilfe ber Staats- regierung bankt unb bie Versicherung abgibt, baß bie neue Kirche treu mithelfen wirb, ben neuen Menschen im neuen Staat innerlich zu festigen. An ben Reichsleiter ber Deutschen Christen, Bischof hossenfelber, richtete ber Reichsbischof ein Telegramm, in bem er bem Führer Der Deutschen Christen für alle Kamerabschaft unb Mithilfe bankt unb ihn seiner Treue versichert.
Der Untersuchungsrichter als Zeuge im Prozeß gegen die Reichstagsbrandstister.
Leipzig, 27. Sept. (WTB.) Nach Eröffnung ber heutigen Sitzung richtet Senatspräfibent Dr. Bänger folgenbe Frage an ben Angeklagten van ber ßubbe: Wollen Sie nun heute lauter unb b e u 11 i d) e r antworten als gestern? Der Angeklagte steht auf unb erklärt nach längerem Zögern: Das i ft möglich. Vorsitzenber: Wir haben in ber Zeitung gelesen, baß einige Herren gestern Sie im Gefängnis aufgefudjt haben unb baß Sie mit ihnen viel offener unb bereitwilliger gesprochen haben unb sich auch munterer gezeigt haben. Der Vor- sitzenbe ruft bann Prof. Söbermann (Stockholm) auf, ber gestern ben Angeklagten im Gefängnis in Begleitung eines hollänbischen Journalisten aufgesucht hatte unb als Zeuge bas gleiche befunbete, was gestern bereits veröffentlicht wurde. „Ich hatte den Eindruck, daß ich stundenlang mit ihm hätte sprechen können, unb daß ich auch bann intelligente unb logische Antworten bekommen würbe. Mein Begleiter, ber hollänbische Journalist Luger, hat auch mit ihm gesprochen unb ebenfalls vernünftige Antworten bekommen, van ber ßubbe hat einen ungemein scheuen unb schüchternen Einbruck gemacht. Meiner Ansicht nach wirkt ber große Apparat biefer Reichsgerichtsverhanblungen einschüchternb auf ihn."
Kriminalkommissar Heisig wirb bann über bie Aussagen gehört, bie van ber ßubbe früher über bie Bränbe im Wohlfahrtsamt, Rathaus unb Schloß gemacht hat. Van ber ßubbe hat genau mitgeteilt, baß er um 6.30 Uhr zum Wohlfahrtsamt gekommen fei. Er habe mit ben Arbeitern gesprochen, unb babei fei i h m schon ber Qebante gekommen, hier ben Branb a n 3 ul e g e n. Er habe sich überlegt, baß es zweckmäßig sei, nicht ein einfaches Privathaus anzu- stecken, fonbern ein großes öffentliches ® c b ä ub e , weil burch ein solches Feuer viele ßeute angelockt würben. Er habe sich ein Ge- bäube ausgesucht, bas ber Allgemeinheit gehört, da er nicht einen Einzelnen schädigen wolle. Die Sache sollte für bie Arbeiterschaft ein „Signal unb Fanal" sein.
Oberreichsanwalt: Woran haben Sie van ber ßubbe als Kommunisten erkannt?
Zeuge: Wir fühlten bas aus feiner ganzen Darstellung ber politischen Verhältnisse heraus, wenn er z. B. von der Notwendigkeit der Errichtung einer Arbeiterregierung sprach und Tendenzen aufstellte, wie sie im Programm der KPD. zu finden waren.
Rechtsanwalt Dr. Sack fragt, ob van ber ßubbe auch von feiner Zugehörigkeit zur Kommunistischen Arbeiterpartei gesprochen habe, es liege im Sinne ber Verteibigung, baß biefe Unterschiebe: Kommunistische Partei, Kommunistische Arbeiterpartei unb Rätekommunisten auseinanber gehalten werben. Der Zeuge erwidert, er könne sich nicht erinnern, daß von ber Kommunistischen Arbeiterpartei gesprochen wurde.
Rechtsanwalt Dr. Sack fragt weiter, ob sich van der ßubbe darüber geäußert hat, ob er einen Mittäter hatte. Der Zeuge erklärt, daß van der ßubbe hartnäckig babei blieb, seine Taten allein gemacht zu haben. Auch nach ber Gegenüberstellung ber Angeklagten Torgier unb van ber ßubbe habe van der ßubbe erklärt, daß er den Mann nicht kenne.
Der nächste Zeuge, Kriminalkommissar Dr. Zir - p e n s (Berlin), bekundet, van der ßubbe habe gesagt, baß er schon auf dem Wege zum Hermanns« platz am Samstag auf ben Gedanken gekommen sei, einen Brand anzulegen.
Rechtsanwalt Dr. S a ck : Es kann von rechtlicher Bedeutung sein, von Ihnen zu hören, ob in der Art, wie oan ber ßubbe sich bas Brandmaterial beschafft hat, eine Planmäßigkeit des Handelns zu erkennen ist, ober ob eine Jmpulsiohanblung vor- liegt.
Der Zeuge erwidert, oan ber ßubbe habe van sich heraus erzählt, bafj schon auf bem Wege zum Her- mannsplatz ihm ber Gedanke gekommen sei, das Wohlfahrtsamt anzuzünden und daß er deshalb bie Kohlenanzünder gekauft habe.
Rechtsanwalt Dr. Sack verweist auf eine zusammenfassende Feststellung des Zeugen, wonach nacy feiner Auffassung ber Brand im Wohlfahrtsamt, im
Rathaus unb im Schloß von ßubbe ohne Zweifel allein verursacht worben ist. Er fragt ben Zeugen, ob das auch heute noch seine Ansicht sei. Der Zeuge beftätigt das. Er habe selbst bie Frage geprüft, ob bei oan ber ßubbe vielleicht P y - romanie in Frage komme. Aus ben vielen Unterhaltungen mit dem Angeklagten sei er aber zu bem Schluß gekommen, daß Pyromanie unb Geltungssucht nur scheinbar für ihn bestimmend gewesen sein könnten. Jedenfalls steht im Vordergründe bei seinen Taten bas politische Moment.
Der Angeklagte Dimitroff erklärt, man habe ihn bei seiner ersten polizeilichen Vernehmung als Mittäter ßubbes bei bem Schloß- brand hinstellen wollen. Dieser Verdacht habe sich darauf gestützt, baß bei ihm eine 2lnsi ch ts . karte gefunben würbe, bie bas Berliner Schloß barstellt.
Der Zeuge Kriminalassistent Marowsky erklärt, er habe von einer evtl. Mittäterschaft Di- mitroffs nichts gewußt. Er habe auch van ber ßubbe nicht nach Dimitroff gefragt, fonbern allgemein ihm bie Frage vorgelegt, ob er Mi t • täter gehabt habe. Van ber ßubbe habe diese Frage verneint und auch bei ben Silbern an- berer Personen, bie ihm vorgelegt würben, erklärt, baß er diese Personen nicht kenne.
Der Angeklagte Dimitroff ruft laut: Ich bin auch niemals van ber ßubbe gegenübergestellt worben.
Vorsitzenber: Das hat auch niemanb behauptet. Weil man bei Ihnen Ansichtskarten mit ben Bildern vom Schloß und Reichstag fand, hat man zunächst biefe Karten als belastend angesehen. Der hier vernommene Zeuge hat aber damit nichts zu tun. Ich lehne weitere Fragen von Ihnen ab. Ich habe mich eben davon überzeugt, daß Sie auch heute wieder mit dem Fragerecht Mißbrauch treiben. Ich schließe Sie heute aus von ber weiteren Fragestellung gegenüber biefem Zeugen.
Angeklagter Toraler: Der Zeuge Marowsky hat gesagt, baß van ber ßubbe von ber Absicht gesprochen habe, in ber kommunistischen Versammlung im Sportpalast in ber Diskussion zu sprechen. Es ist aber grunbsätzlich verboten, daß ein Kommunist in den Versammlungen seiner eigenen Partei in der Diskussion das Wort ergreift. Wenn van ber ßubbe bie Absicht äußerte, in ber Diskussion zu sprechen, so konnte bas nur bedeuten, daß er seine entgegengesetzte Auffassung zum Ausdruck bringen wollte. Ich möchte den Zeugen Marowsky fragen, ob er nicht aus der Aeußeruna van der ßubbes entnehmen mußte, daß van ber ßubbe feine gegnerische Auffassung äußern wollte. Der Zeuge erroibert: Ich habe angenommen, baß er Kommunist ist, aber es nicht zugeben will. Ich habe über ben Punkt, was er in ber Versammlung sagen wollte, nicht mit ihm. gesprochen.
Reichsgerichtsrat Vogt bekundet.
Es folgt nunmehr bie Vernehmung bes Untersuchungsrichters Reichsgerichtsrat Vogt, der die ganze Voruntersuchung in der Reichstagsbrandsache geleitet hat. Der Untersuchungsrichter führt u. a. aus: Van der ßubbe hat während der Dauer ber Voruntersuchung bie Auskünfte gegeben, bie ich von ihm gewünscht habe. Die Art, in der er zu sprechen pflegte, war so, daß er genau überlegte, was er sagte. Es dauerte manchmal etwas lange, ehe er mit ber Antwort fertig war. Wir Kollegen haben uns wieberholt darüber ausgesprochen, daß van der ßubbe ein ganz eminentes Gedächtnis hatte. Schwierigkeiten bei ber Vernehmung tauchten immer bann auf, wenn ich bie Frage anschnitt, ob er benn wirklich alles allein gemacht habe. Wenn ich ihn fragte, ob er bas Wohlfahrtsamt, bie anberen Gebäube und den Reichstag angezündet habe, so antwortete er klar und deutlich: Jawohl, das habe ich gemacht. Sobald ich ihm aber z. B. voryielt, was über seine Gespräche mit ben ßeuten in Neukölln ermittelt worden war, dann fing er an, die Tatsachen zu bestreiten. v ,
Ich habe ihm gesagt, die Auffassung ber Sachverständigen gehe übereinstimmend dahin, daß es l e a)- nisch einfach unmöglich sei, daß van der ßubbe ben Brand allein gelegt Hobe, und baß er [o gelegt morden sei, wie er ihn gemildert habe. Ich habe ihm vorgehalten — und das mar ihm besonders unangenehm —, daß er den Versuch gemacht habe, die Portiere des Westeinganges des Plenarsaales unter Zuhilfenahme eines Kohlenanzünders in Brand zu setzen, und daß dieser Vor- Hang beim besten Willen nicht auf diese Weise anzuzünden gewesen fei. Van ber ßubbe — fo habe ich gesagt — aus all biesen Umständen geht doch hervor, da^ Sie ü b e r d i e Beteiligung von anderen Personen am Reichstagsbrand die Unwahrheit sagen. Sie können sich selbst überzeugen, daß ber Vorhang nicht ahne weiteres brennt. Da stutzte van ber ßubbe unb sagte bann: Ja, bann bin ich vielleicht boch nicht ba gewesen. — Ich habe ben bestimmten Eindruck, baß er in bem Bestreben, alles allein gemacht haben zu wollen, immer bann, wenn er von einer neuen Branbstelle erfuhr, sofort den Weg bar- zustellen suchte, ben er gegangen ist. Ob er im einzelnen nicht mehr weiß, wie die Dinge waren, oder ob er es nicht sagen will, dafür habe ich keine Unterlagen.
Van ber ßubbe ist ganz offensichtlich unten in ber Eingangshalle beim Portal II bes Reichstages gewesen. Ich habe von biefer
Tatsache rein zufällig bei ber Vernehmung gehört unb ihn banach gefragt, worauf er sagte, er erinnere sich, in einem Raum gewesen zu sein, in bem so große Figuren stehen, eine Art Museum ober Rüstkammer. In diesem Punkte hat er meiner Meinung nach die Wahrheit gesagt. In allen Punkten aber, wo es darauf ankam, festzustellen, daß noch andere Personen dabei waren, hat er bie Unwahrheit gesagt. Wenn es bagegen barauf ankam, festzustellen, baß van ber ßubbe Der große Held sei, der etwas gemacht hat, bann sagte er bie Wahrheit. Der Zeuge bringt bann noch einen weiteren Vorgang zur Kenntnis, van ber ßubbe hat einmal folgende Aeußeruna getan: „Ja, bann müssen bie anberen sagen, was s ie gemacht habe n". Ich kann diese Aeußeruna nicht ganz bestimmt hinstellen unb habe sie beshalb auch nicht protokolliert.
Vorsitzenber: Wir wollen jetzt noch nicht auf bie eigentliche Branbstiftung kommen. Es hanbelt sich jetzt vorwiegend um die Angaben, die er über bie Gespräche in ber Nähe bes Wohlfahrtsamtes gemacht hat.
Zeuge Reichsgerichtsrat Bogt: Der Angeklagte oan ber ßubbe hat gesagt, bie Revolution müsse herbeigeführt werben in ber Form, baß man bas kapitalistische System, bas in Deutschlanb herrsche, beseitige. Er sprach von bem kleinen Bach, ben man in Bewegung setzen müsse, bamit er zu einem großen Strom anschwelle. Das waren dieselben Pedanten, bie man in ber KPD. vertritt, baß man zunächst kleine Demonstrationen unb Streiks veranstalten müsse, bamit sie weiter anwachsen zu einer Massenbewegung. Die Revolution könne nicht mit bem Stimmzettel, fonbern nur mit Gewalt, nur burch ungesetzliche Aktionen her- beigeführt werden. Er hat alles bestritten, was die Brücke bilden könnte zur Zentrale der KPD., unb hat beshalb verschwiegen ober bestritten, daß er vom Wohlfahrtsamt nicht allein gegangen, sondern von anderen mitgenommen wurde zu Schlaffte.
Der Untersuchungsrichter erklärt dann: Aus den Zeitungen habe ich entnommen, baß hier von feiten ber Bulgaren ein Angriff gegen bie Unter- fuchungsmethoben unb Die Führung ber Protokolle erhoben worben ist. Ich lege Gewicht darauf zu erklären, baß ich nie etwas unternommen habe, was ben Angeklagten schädlich sein könnte. Ich bin zu lange deutscher Richter, daß ich nicht meiner Pflicht bewußt wäre, alles zu beachten, was ber Belastung, aber auch ber Entlastung ber Angeklagten bient. Die Protokolle finb von ßubbe unterschrieben, unb Ich kann mir nicht benten, baß
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Oenf, 27. Sept. (TU. ter Bouoerfammlung des l Mwochnachmittag durch Minister Sir John Simo tonte, das vergangene 3a einer beginnenden Gesundung. 3edoch töi liehe Gesundung niemals i ■rung der politischen L f!i von größerem Wert, als Abrüstungsabkomm trieb für größeres Bertrai und Befürchtungen beseitige schriftliches Zufammenlebe? Wett oorbereiten. ZweiM nur ein Symptom
Hebels. Der Seift gegen ^Zusammenarbeit, der in i bw und dvr Kanüa Ausdruck Im, entspräche dürfnis der Welt. Ämvn i sondere Stellung der Grc Handlung der großen in gegen Kritik und Borwü Völkerbundes sehe zwar Mitgliedstaaten gl jeder Staat die gleichen La Kecht zur Stellungnahme
Bundeska
Ach dem britischen A ?meich.sche Bundeskanzl „ w.e auf der Londo l2n " ?en Samten si ES? anhaltendem Beifa B°4 >e deutsche und un
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