Ministerpräsident Göring
wandte sich darauf mit einer Ansprache an den Reichspräsidenten, in der er u. a. sagte:
Hochverehrter Herr Gencralfeldmarschall und Reichspräsident! Ich habe den berufenen Vertreter der Provinz, den Herrn Oberpräsidenten Koch gebeten, dem Ausdruck zu geben, was wir heute fühlen und empfinden. Gestatten Sie, mir daher, hochverehrter Herr Gene- ralfelümarschall, daß ich nur kurz mich des stolzen Auftrages entledige, den ich heute als preußischer Ministerpräsident übertragen bekam.
Herr Generalfeldmarschall! Wir haben es bitter empfunden, daß nach dem gewaltigen Ringen des Weltkrieges scheinbar das deutsche Volk sich verloren hatte. Wir haben es bitter empfunden, daß es Jahre gegeben hat, in denen deutsche Volksgenossen in die Irre gegangen sind, Jahre gegeben, in denen man nichts mehr wissen wollte von den großen Taten und Leistungen der deutschen Armee, ihres Führers in Sonderheit.
wir dürfen deshalb den heutigen Tag als eine bescheidene Gutmachung ansehen, glücklich darüber, daß ein Volk wieder zu sich selbst zurückgefunden hat, und dies an dieser geweihten Stelle, an der einst der Schlachtendonner grollte, an der einst das Schicksal der engeren und weiteren Heimat entschieden wurde, zum Ausdruck bringen.
Herr Generalfeldmarschall! Es ist von al- tersher eine stolze, preußisch-deutsche Tradition gewesen, für gewaltige Taten seiner Feldherren den Dank des Volkes diesem Feld- Herrn auszudrücken. Und so soll auch heute ihr Name, Herr Generalfeldmarschall, und damit Ihre einzigartigen gewaltigen Taten verbunden werden mit der Erde, mit der Scholle, gerade Ihrer engeren Heimat, gerade der Provinz, die Sie allein durch Ihre Entschlußkraft und Ihren Mut und Ihr Können gerettet haben.
Ich darf deshalb heute tm Hamen des preußischen Volkes nachholen, was einst versäumt worden ist. Ich darf im Namen des preußischen Volkes anknüpfen an die alte, schöne
Ueberlieferung, den Namen des Feldherrn zu verbinden mit dem Orte seiner Taten, und es beglückt mich in Sonderheit, Herr Generalfeldmarschall, daß Sie als Sohn Ostpreußens Ihre Heimat verteidigen durften und daß es uns vergönnt ist, Ihren Namen mit einer Scholle zu verbinden, die durch Iahrhunderte hindurch schon mit dem Namen von Hindenburg verbunden war.
Wenn wir heute den Dank für die Errettung Ostpreußens aus schwerster Not Ihnen dadurch abstatten, dann klingt immer dabei auch der Dank des heutigen preußischen Volkes für das, Herr Generalfeldmarschall, was Sie in weiser Voraussicht am 30. Januar getan haben. Zum zweiten Male fühlt Ostpreußen sich gerettet. Zum zweiten Male durch Ihre Hand! Durch Ihre Führung zusammengeschweißt mit dem engsten Vaterland und mit dem Deutschen Reich. Zum zweiten Male muß sich die Provinz gerettet fühlen, wo dereinst auf gewaltigem Schlachtfelde 10= viel Blut geflossen ist, daß das alles nicht umsonst gewesen ist, daß Staub und Rauch, Schmach und Not nicht die Herrschaft behalten konnten, sondern daß aufs Neue entstand das eine Reich, dessen Fundament wieder die Ehre und Freiheit geworden ist.
Ich darf deshalb, Herr Generalfeldmarschall, Ihnen nun die Schenkungsurkunde überreichen und den Inhalt Ihnen zur Kenntnis bringen:
„Dem Reichspräsidenten, Generalfeldmarschall Paul von Leneckendorsf und von Hindenburg, übereignet Preußen in Ehrfurcht und Dankbarkeit als eine Schenkung des Landes die Domäne Langenau und Forst Preußenwald zur dauernden Vereinigung mit dem angrenzenden Allbesih Neudeck und zur Bildung eines hindenburg- hausgutes Hindenburg - Neudeck mit Preußenwald. So möge das Haus Hindenburg für allezeit festgegründet stehen im im altpreuhischen Heimatboden. Dank dem Befreier Ostpreußens!"
Die Red« des Ministerpräsidenten wurde mit langanhaltenden Heilrufen ausgenommen. Dann schritt der Reichskanzler zum Rednerpult.
Reichskanzler Adolf Hiller:
Herr Generalfeldmarschall! Neunzehn Jahre sind vergangen seit den gewaltigen Tagen, da das deutsche Volk nach Jahrhunderten wieder Kunde von dem von Ruhmesglanz überstrahlten Namen Tannenberg erhielt. Ein unsicheres Schicksal hing damals drohend über Volk und Reich. Ohne eigene Schuld mußten unsere Männer Deutschland vor den Angriffen einer erdrückenden Uebermacht mit Leib und Leben beschützen. In unvergleichlichem Heldenmuts stürmten die Armeen im Westen, hielten die wenigen Divisionen im Osten. Und denoch schob sich alles verwüstend die zahlenstarke Uebermacht unseres russischen Gegners tief in das deutsche Land. Große Teile Ostpreußens verfielen der Zerstörung. Aus Aengsten und Sorgen stiegen die Gefühle empor zum Allmächtigen.
3m Namen Tannenbergs Hal sich die Rettung vollzogen, denn nicht eine Schlacht wurde hier geschlagen, sondern das deutsche Schicksal gewendet, Ostpreußen befreit und Deutschland gerettet.
Seit diesem Tage begann diese unerhörte Schlachtenfolge im Osten, die Rußland als kämpfende Macht überwand, die deutschen Heere mit unvergänglichem Ruhm bedeckte, die deutsche Nation aber für immer Ihrem Namen, Herr Generalfeldmarschall, zu treuem Dank verpflichtete. Ganz gleich, wie auch das heroische Ringen Deutschlands enden mußte, der große Atrieg wird für immer unserem Volke das stolze Gefühl vermitteln, einst für des Vaterlandes Freiheit und
Leben unvergängliche Opfer gebracht zu haben.
Die Geschichte aber wird in kommenden Zeiten kein Verständnis dafür besitzen, daß ein Volk nach dem Verlust eines Krieges, den es selbst nie gewollt hatte, nur deshalb unwürdig unterdrückt und schmachvoll mißhandelt wurde, weil es seine Freiheit nicht wehrlos preisgab, sondern unter unsäglichen Leiden, unter nie dagewesenen Opfern das Recht seines Lebens und die Unabhängigkeit feines Bodens zu verteidigen versuchte.
Damals, Herr Generalseldmarschall, hat es es mir das Schicksal zu meinem Glücke gestattet, als einfacher Musketier in den Reihen meiner Brüder und Kameraden für unseres Volkes Freiheit mitkämpfen zu dürfen. Heute empfinde ich es bewegten Herzens als gnädiges Geschenk der Vorsehung, hier auf dem Boden des ruhmvollsten Schlachtfeldes des großen Krieges im Namen der geeinten deutschen Nation und für diese Ihnen, Herr Generalfeldmarschall, erneut den Dank aller in tief st er Ehrerbietigkeit aussprechen zu dürfen. Wir sind glücklich, daß wir diesen Ehrentag des deutschen Volkes mit dem feiern dürfen, der ihn uns einst gegeben hat.
Die deusche Reichsregierung handelt aber für das deutsche Volk, wenn si e dem heißen Wunsche Ausdruck gibt, daß 3hr Name, Herr Generalfeldmarschall, für immer nicht nur
Bilder vom Gtadtkirchenturm.
Ausstellung im Oberhessischen Museum.
Im Oberhessischen Museum wurde gestern eine kleine Sonderausstellung eröffnet, auf die vor einigen Tagen bereits in unseren Spalten hingewiesen worden ist: Ingenieur Fritz Dunkel, ein geborener Gießener, hat, einer Anregung des Oberhessischen Museums folgend, eine Reihe von Federzeichnungen geschaffen, die in den Besitz des Museums übcr- gegangen sind. Diese Federzeichnungen haben, mit wenigen Ausnahmen, den Turm unserer Stadtkirche, als das weithin sichtbare Wahrzeichen von Gießen, zum Vorwurf dergestalt, daß der Turm das zentrale Motiv bildet, um das herum sich die benachbarten und städtebaulich zugehörigen Architekturgruppen sinnvoll sammeln. So entstanden diese Blätter gewissermaßen als zeichnerische Variationen über ein architektonisches, stadt- und heimatgeschichtlich gleicherweise anziehendes und anheimelndes Thema. Einheitlich auf allen Blättern, die sich rein äußerlich durch ein ganz unterschiedliches Bildformat voneinander abheben, ist die Technik der Federzeichnung. Eine Manier also, die ohne Zweifel gerade dem architektonischen Vorwurf sehr angemessen erscheint und ein liebevolles und minutiöses Eingehen auf jegliches Detail gestattet. Im übrigen zeigt sich, zum Teil überraschend, welche Möglichkeiten rein bildhaften und malerischen Ausdrucks dieser Technik entspringen können. Abgesehen von einer ganz klaren und unverschwommenen Kontur, gelangt die Darstellung auf sämtlichen Blättern vollkommen über den improvisatorischen, andeutenden und skizzenhaften Eindruck hinaus, welcher für dieFederzeichnung so oft typisch und nicht selten auch beabsichtigt ist. Hier entstanden Bilder, die überwiegend in einem großen Rahmen angelegt sind, gemäldehaft gesehen, malerisch empfunden und durchgearbeitet — wie z. B. der Blick auf den Turm vom Säuglingsheim aus —, mit gehöriger Breite und Tiefenwirkung und mit einer ganz plastisch wirkenden Gruppierung und Aufteilung der kompakten Baumassen, welche fast auf allen Blättern die entscheidende Vertikalbetonung durch den, den ganzen Ausschnitt beherrschenden Kirchturm erfahren. Selbst der Alteingesessene, dem seine Vaterstadt von Kind auf vertraut ist, wird überrascht sein, wieviel hier,
auf eine im Künstlerischen stets gleichbleibende Weise, aus einem einzigen und verhältnismäßig begrenzten Motiv herausgeholt worden ist: hier sieht man den Turm, den Mittelpunkt und Richtpunkt der Stadt, sozusagen in allen Lebenslagen vor sich, von allen Seiten, in allen Beleuchtungen, von den verschiedensten Standpunkten aus, in einer immer neuen Umgebung gleichsam, mit immer wechselnden und vielfältig sich überschneidenden Beziehungen zu dem ihn umgebenden, ihm organisch zugeordneten Komplex von benachbarten Häusern. In einigen Blättern tritt dann der Turm aus der beherrschenden Stellung in der Bildmitte heraus und rückt in den Hintergrund, um andere Motive, die in seinem Umkreise liegen, zur Geltung kommen zu lassen, wie zum Beispiel das Alte Schloß. Auf etlichen Blättern, die sich im übrigen ganz zwanglos in die Reihe einfügen, finden sich auch noch, ohne den Turm, einige andere schöne Architekturen der Stadt, wie das Neue Schloß und das Zeughaus-Portal. Außerdem sieht man in der Ausstellung, ohne Beziehung zum Gießener Stadtbild, eine Reihe von Zeichnungen von Dunkel, denen Ausgrabungsfunde zum Modell dienten: fränkische Schmuckstücke aus Trais-Horloff und Keramik aus Eberstadt. —y—
Reine Kinder - meine puppen.
Von Käthe Kruse.
Was aber nicht so zu verstehen ist, als hätte ich meine Kinder zu Puppen gemacht! Nein. Ich habe nur aus meinen Kindern meine Puppen gemacht. Und meine Puppen sind alfo auch meine Kinder. Alle. Noch heute. Jede einzelne.
Ich spiel' mit ihnen, ich sprech' mit ihnen. Unwillkürlich haben sie die Charaktereigenschaften der Kinder angenommen. „Mimerle, wo deine Zöpfe heute wieder sitzen, es ist zum Heulen. Friedebald, willst du nicht gefälligst bitte mal in den Spiegel gucken, ehe du dein Geburtshaus auf immer verläßt? Michel, mach' kein so brummiges Gesicht, es tut dir keiner was. Ernst darfst du gucken, meinetwegen, wenn's dir Spaß macht, aber nicht brummig, das gibt Reklamationen. Fifi, dein Kleidchen ist schon wieder mal zu lang, laß dir eine Stufe reinnähen, und Hannerle, fix, dein linkes Beinchen ist einhalb Zentimeter
zu kurz, laß dir das dehnen! Gerechter Strohsack, Jockerle, wie hast du heute deine Zipfelmütze aufgesetzt, auch schielst du etwas, und Maxel, mein Maxel, mit d e r Oberlippe willst du unter die Menschen gehen? Ausgeschlossen, mein Sohn, ganz ausgeschlossen! Kein Mensch kann dich damit liebhaben. Und das sollen sie doch!"
Wahrhaftig, das sollen sie, die Menschen. Davon bin ich besessen. Als sie klein waren, die Kinder, waren sie so leidenschaftliche Puppenmütter, daß ich tiefsten Respekt vor dem Spielen mit Puppen bekam. Man kann's gar nicht ernst genug nehmen. Wenn Fifi die Mimerl- Mutter bitterlich kränken wollte, dann sagte sie ihrer Puppe etwas Schlechtes nach, und Mimerle kam an den Rand der Verzweiflung, in Kummer, in Ohnmacht, in Löwinnenmut. Die Sägespäne, die aus Fifis „Oskar" rieselten, als er ganz und gar ausgetrocknet war, waren in Fifi-Mutters Augen richtig schamhafte Schandtaten, für die er nur nichts konnte, der arme Kerl, und auf die sie wie ein Luchs aufpaßte. Handfeger und Schaufel hielt sie immer in ihrer Nähe versteckt. Mit sechs Kindern schliefen sie später in einem Bett. Die Puppen an der Wand, die Mutter auf der Bettkante. Es erforderte großes Geschick, ihr wenigstens zwei oder drei Schlafende zu entreißen, und ich war nie sicher, ob ich die Bedauernswerten gut genug aufs Sofa gebettet hatte, und ob ich für heute nicht „wenigstens" lieber Peter und Benni hätte weglegen sollen, statt wieder Annchen und Max.
Von den Jungens taten Michel und später Friedebald mit. Michel war als Puppenvater ernst und ohne Scham bei der Sache. Je nach Bedarf war er Tauf-Pastor, oder Papa, oder Lehrer, oder Onkel Doktor. Er ließ sich kostümieren und genierte sich kein bißchen, ein Puppenkind in Schlaf zu singen. Friedebald wird mir unvergeßlich bleiben, wie er, immer seinen „Sohn" unterm Arm, durch den Park von Wörlitz stakste. Elf Jahre war er alt. „Friedel", hatte die besorgte große Schwester Fifi ihn gemahnt, „die Kinder werden dich veräppeln." „Js mir so wurscht", sagte Friedebald und hielt feinem Biball ein Stückchen Kuchen unter die Nase. Und es hat ihn wahrhaftig kein fremdes Kind veräppelt. Friedebald wäre auch der Mann dazu gewesen, sein Kind so lange ins Gras zu legen, bis er etwa einem Jungen handgreiflich den Standpunkt klar gemacht hätte.
durch diese Tal in unserem Volke weilerleben möge, daß nicht nur die Steine diese» Denk- mals von Ihnen sprechen sollen, sondern daß in langer Geschlechterfolge auch lebende Zeugen in Verbundenheit mit diesem Heimatboden von Ihren Ahnen künden. Die deutsche Reichsregierung hat daher als Vertreterin der nationalen Ehre und in Erfüllung der Pflicht der nationalen Dankbarkeit beschlossen und zum Gesetz erhoben, daß jene Scholle dieses Gebietes, die heute mit Ihrem Namen, Herr Generalfeld
marschall, verbunden ist, solange frei fein soll von den öffentlichen Lasten des Reiches und der Länder, solange sie durch einen männlichen Erben mit dem Namen Hindenburg verbunden bleiben wird.
Auch die Rede des Reichskanzlers wurde mit großen Beifallskundgebungen und Heilrufen aufgenommen.
Dann erhob sich der Reichspräsident und begab sich zum Rednerpult. Ein großer Kranz aus Eichenlaub wurde ihm nachgetragen.
Reichspräsident Generaffeldmarschatt von Hindenburg
hielt folgende Absprache:
„Arn heutigen Tage und an dieser Stelle ist unser er st es Gefühl, treues Gedenken an dietotenüarneraden.dieauf dem weiten Felde deutschen Heldentums in ihren Gräbern ruhen. Ihnen, die uns ein unvergeßliches Vorbild fein müssen, die ihr Leben Hingaben für ihr Vaterland, gilt unser ehrfurchtsvoller Gruß und unser unauslöschlicher Dank, als dessen Ausdruck ich diesen Kranz
n i e b e r l e g e.“
Die Fahnen senkten sich: die Hände streckten sich empor, die Kapelle spielte das Lied vom guten Kameraden. Es folgte eine Minute des Schweigens. In diesem Augenblick läuteten in ganz Ostpreußen die Glocken der Kirchen.
Der Reichspräsident fuhr dann fort: „Wenn ich in (Erinnerung an diese eben erwähnte Zeit weitergehe, so gedenke ich zunächst in Ehrfurcht, Treue und Dankbarkeit meines Kaisers, Königs und Herren, dessen Vertrauen und dessen Befehl mich einst hierher berief. Ich gedenke ferner in nie versagender Dankbarkeit meiner damaligen Kampfgenossen vom ältesten General bis zum jüngsten Musketier, die aUebefeelt waren vom festen Siegeswillen und der opferbereiten Hingabe für das Vaterland.
heute wird mir auf diesem Schlachtfelde eine Ehrung zuteil, der gegenüber ich zunächst erklären möchte, nur meine Pflicht getan ju haben. Ich nehme diese Ehrung an, nicht meiner Verdienste wegen, sondern weil ich in ihr ein Symbol für die feste Verbundenheit meiner Person und meiner Nachkommen mit a l t p r e u h i s ch e m hei-
m a t b o b e n erblicke. Unb so spreche ich benn hiermit meinen herzlich st en Dank aus, insbesondere dem Herrn Reichskanzler, dem Herrn Ministerpräsidenten unb dem Herrn Oberpräfidenten, sowie auch durch diese Herren allen denen, die meiner so freundlich gedacht haben.
Ich glaube, daß wir diese Feier nicht würdiger beschließen können, als durch gemeinsamen Vorsatz zur Einigkeit in Liebe und Treue zum Vaterlande und durch den alten Soldatenrus, der einst auch über dieses Schic.o-lseld brauste: Deutschland Hurra, Hurra, Hurra!"
Nachdem das Hurra am Schlüsse der Rede d.s Feldmarschalls langsam verklungen, ist, singt die Menge das Deutschlandlied mit einer Begeisterung, wie an den großen Tgen vom 30. Januar und von Potsdam. Der Reichspräsident nimmt Abschied und tritt mit dem Kanzler zusammen zur SA.
Oer oberste SA-Führer Adolf Hitler
fordert seine Kämpfer auf, den Marschall zu grüßen. Gewaltig klingt der Gruß aus dem Munde der braunen Kämpfer, die für Deutschlands Aufstieg stritten und weiterstreiten, und an den langen Kolonnen entlang schreiten Marschall und Kanzler vorbei an der Salutbatterie zum Wagen. Während Hindenburg unter dem Iubel der Bevölkerung nach Neudeck fährt, begibt sich der Kanzler, gleichermaßen umjubelt, sofort nach Allenstein durch die dichtumsäumten Straßen. Aeberall sieht man Transparente und Fahnen, an denen der Kanzler vorbei direkt zum Flugplatz Deuthen bei Allenstein fährt und mit der D 2500 dann den Weiterflug, an tritt.
Aus oller Welt.
„Graf Zeppelin" auf ber Heimreise.
Wie die Hamburg-Amerika-Linie mitteilt, befand sich das Luftschiff „G r a f Z e p p e l i n" am Samstag um 8 Uhr MEZ. auf 1.32 Grad Süd und 31.53 Grad West, ungefähr südwestlich Insel St. Paul. Auf seiner Rückfahrt wird das Luftschiff voraussichtlich heute (Montag) in Sevilla zwischenlanden unb am Dienstag in Friedrichshafen eintreffen. Schon am Samstag, dem 2. September, tritt „Graf Zeppelin" eine neue Fahrt nach Südamerika an.
Riesige Waldbrände in Amerika.
Wie aus Portland (Origon) gemeldet wird, wüten im westlichen Oregon im Staate Washington und in Britisch-Colurnbien ri'esige Wald- brände, von denen jeder eine Ausdehnung von fast 200 Kilometer hat. Die Brände waren schon zum größten Teil eingedämmt, wurden jedoch durch Umschlagen des Windes wieder neu entfacht. Die in der Mitte des Waldes liegenden Städte mußten von der Bevölkerung geräumt werden. Maßgebende Forstbeamte erklären, daß eine Rettung des Waldbestandes vor vollständigem Eintritt der Windstille
nicht möglich fein wird, so daß mit einem unermeßlichen Schaden gerechnet werden muß. Das westliche Britisch-Columbien meldet Waldbrände an insgesamt 80 Stellen.
Im Segelboot über den Atlantik.
Drei polnische Armeeoffiziere find in einem zehn Meter langen Segelboot nach einer Atlantiküberquerung auf den Bermudas-Inseln eingetroffen. Sie waren am 15. Juli von Plymouth abgefahren und wollten eigentlich nach Chikago. Auf dem Atlantik haben Sie schwere Stürme erlebt. Der Mast wurde abgerissen, und als sie an Land kamen, wußten Sie nicht, wo sie waren.
Drei Hinrichtungen.
Die durch rechtskräftiges Urteil des Schwurgerichts in Torgau am 9. Dezember o. I. wegen Mordes bzw. Anstiftung zum Morde zum Tode verurteilten Schmiedegesellen Willi Berndt, Fabrikarbeiter Otto P i e tz j ch k e und Witwe Emma Thieme aus Seegrehna wurden im Strafgefängnis Torgau durch Enthauptung hingerichtet. Berndt und Pietzfchke hatten auf Veranlassung der Witwe Thieme deren Sohn ermordet.
Meine Kinder, meine Puppen. Sie waren glücklich miteinander. Und indes sie hinauswandern, meine Puppen, meine Kinder, sollen all die fremden Kinder es auch mit ihnen sein. Das ist die Quintessenz meiner Arbeit!
Oie „höchste^ Segelregatta der Wett.
In der englischen Kenja-Kolonie findet wohl die höchste Segelregatta der Welt statt. Auf dem mitten im Land gelegenen Naivasha-See haben sich die dort lebenden Engländer zunächst auf Eingeborenenbooten, die zum Segeln notdürftig zurechtgemacht waren, seit einiger Zeit in Segelregatten gemessen. Dieser See aber liegt nicht weniger als 6000 Fuß über dem Meeresspiegel! Neuerdings haben sich die Kolonialengländer regelrechte Segelboote aus England kommen lassen, um sich wirklich sportgerechte Fahrzeuge zu halten. Der Anmarschweg, auf dem die Boote über Land transportiert werden müssen, ist nicht weniger als 560 km lang! Außerdem ist dabei der Höhenunterschied von 6000 Fuß oder 1825 Meier zu überwinden. Die Sportbegeisterung des Kolonialengländers feiert hier einen besonders eigenartigen Triumph.
Zeitschriften.
— Die Neuordnung der evangelischen Kirche im neuen Staate behandelt D. Th. Heckel, Konsi- storialrat der Deutschen evangelischen Kirchenkanzlei, in der neuesten Nummer der Leipziger „Fllu - strirten Zeitung" (Verlag I. 3. Weber): „Seit den Befreiungskriegen' ist die Idee der Eini- S des deutschen Protestantismus nicht mehr zur gekommen. Verschiedene Einigungsoersuche begleiten fast regelmäßig die großen politischen Ereignisse in Reich und Ländern. In Fortführung und Vollendung dessen ist heute, in der Stunde, da Gott unser deutsches Volk eine große geschichtliche Wende erleben läßt, die Deutsche Evangelische Kirche geworden und verfaßt." Die vielseitige Nummer bringt ferner u. a. Beiträge über „Antoine Pesne, den Hofmaler dreier preußischer Könige" zu seiner Jubiläumsausstellung im Berliner Schloß: „Die Sommerresidenz des Prinzen von Wales"; „Die Stadt der Andromache, ein neuentdecktes griechisches Kulturzentrum in Albanien". Die Abbildungen bieten in ihrer technisch einwandfreien Wiedergabe ein vortreffliches Anschauungsmaterial; die Tafeln „Rundfunk und bildende Kunst", „Nestflüchtige Jungvögel" unb „Werktagsarbeit" seien besonders genannt
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