Ausgabe 
28.7.1933 Frühausgabe
 
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zubringen. Hierfür ist ein Programm inter - nationaler,Zusammenarbeit notwendig. Die amerikanische Regierung hoffe, daß jede Ration, die es noch nicht getan habe, ein heimi­sches Programm gewöhnlicher und besonderer Maßnahmen zur Hebung der Preise, Ver­größerung der Beschäftigung und Besserung der Geschäftslage in Gang bringen werde.

Oer französische Zinanzminister Bonnet erklärte alsdann, die Konferenz habe ihre Haupt­aufgabe, nämlich die W ä h r u n g s st a b l l,- sier'ung, nicht lösen können. Er hoffe jedoch, daß der Tag bald kommen werde, an dem eine all­gemeine Wahrungsstabilisierung zustande gebracht werde.

Die Schlußrede

Der Konferenzpräsident Macdonald hielt hier­auf die Schlußrede. Er legte der Konferenz den Bürobericht, die Entschließung des Büros über die «der Konferenz, eine Entschließung über ährungsbericht und eine solche über den Wirtschaftsbericht vor, die sämtlich ohne Abstimmung angenommen wurden. Macdonald, der ziemlich be­drückt aussah, sagte u. a.: Er bedauere ebenso wie alle anderen Vertreter, daß die Konferenz nicht in derLage gewesen sei, ihre Arbeiten ohne Vertagung zu beenden. Man dürfe jedoch nicht glauben, daß es sich um das Ende der Konferenz handele. Die Hoffnungen auf wichtige Abkom­men seien noch nicht zerstört. Die Tatsache allein, daß die Konferenz stattgefunden habe, habe zur Belebung des Welthandels beigetragen. Die wichtigsten internationalen Wirtschaftsfragen müßten jedoch unbedingt gelöst werden.

Die Tatsache, daß die Konferenz durch eine einzige Frage zum Stillstand gebracht worden sei, gebe die gute Lehre, daß der einzige Aus­weg aus der gegenwärtigen Lage eine kata­strophale und vielleicht sogar revolutionäre Folge von staatlichen und privaten Vankerott- erklärungen sein könnte, wenn die Staaten nicht gewisse Tatsachen von internationalem Einfluß anerkennten.

Während der Vertagung müßten die Bemühungen zur Ebnung des Weges für internationale Ab­machungen erneuert werden. Das Bureau dürfe dabei keine Zeit verlieren. Eine der wichtigsten Fra­gen sei die Preishebung.

Zur Frage der internationalen Ver­schuldung sagte Macdonald: Solange die G l ä u- bigerländer nicht bereit sind, Waren und Dien st lei st ungen als Schuldenzahlun­gen anzunehmen, können die Schulden nicht bezahlt werden. Die Mißachtung dieses elementaren Grund­satzes habe den Preissturz herbeigeführt, der sowohl für die Schuldner wie für die Gläubiger katastrophal gewesen sei.

Weiter sagte Macdonald, daß

jedes Land seiner nationalen, wirtschaftlichen und finanziellen Lage entsprechend handeln müsse, ohne aber die Interessen der anderen

Länder zu verletzen.

Die Goldstandard-, Sterling-, Dollar- und an­deren Länder müßten einem festen Verhältnis ihrer Wirkung zustimmen und diese gegen Schwan­kungen schützen. Macdonald erklärte ferner, daß der Grundsatz des freien Handels nicht mehr aufrechterhalten werden könne, daß aber umsomehr eine genaue Prüfung der Vorschläge zur Milderung der Handelshinder­nisse stattfinden könne. Er könne keinen b e - stimmten Zeitpunkt angcben, aber er sage: ..Lebt wohl!" in der Hoffnung, daß er vor Ablauf mehrerer Monate die Vertreter wie­der begrüßen dürfe.

Rach der Rede Macdonalds wurde eine Ent­schließung, in der die Konferenz der englischen Regierung, besonders Macdonald und dem Lon­doner Bürgermeister dankt, unter Beifallsklat­schen angenommen. Die Konferenz wurde dann um 16.37 Uhr abgeschlossen.

Mussolini erklärt:

Genug der Konferenzen!

Paris, 27.Suli. (WTB.) Die Wochenschrift Les Annales" veröffentlicht morgen einen Ar­tikel von Mussolini unter der Ueberschrift Genug der Konferenzen!". Havas gibt heute einen Auszug aus diesem Artikel, in dem es u. a. heißt: Augenblicklich sind wir Zeugen

des Präsidenten.

der Agonie zweier Konferenzen, der­jenigen von London und derjenigen von Genf. Man kann behaupten, daß es sich hier um zwei sensationelle Mißerfolge der europäischen Politik handelt. Ohne den Viermächtepakt hätte Europa am Rande des Ab­grundes und am Vorabend des Krieges gestan­den. Wie ich dies bereits in meiner Adresse an den Senat gesagt habe, darf man sich bezüglich des Viererpaktes nicht zu großen Illusionen hin­geben. Die Bedeutung dieses Paktes liegt in der Tatsache, daß er die Bildung sich ent­gegenstehender Blocks in Europa verhindert, und daß er den vier westlichen europäischen Mächten die Möglichkeit verschafft, für den Frieden zusammenzuarbei- t e n. Der Gedanke, daß während zehn Sahren Europa ruhig sein wird, stellt einen Anreiz dar für die Verbesserung der allgemeinen Lage. Richt 2000 Delegierte werden in Zukunft mehr um einen Tisch herum beraten, sondern die verantwortlichen Vertreter der vier Mächte, deren Arbeit sorgfältig in den diplo­matischen Kanzleien und offiziellen Zusammen­künften vorbereitet werden wird.

Oie nationalsozialistische Weltanschauung.

Eine Rede des Führers der Deutschen Arbeitsfront.

Sena, 27. Juli. (Conti.) Anläßlich der Ein­weihung der auf der Burg L o b e d a eingerichte­ten thüringischen Landesführerschule der RSDAP., hielt der Führer der Deutschen Ar­beitsfront, Dr. Ley, am Dienstag vor 60 am ersten Schülerkurs teilnehmenden Amtswaltern eine Rede über die nationalsozialistische Weltanschauung. Zum ersten Male in der deutschen Geschichte, so führte Dr. Ley etwa aus, trete jetzt eine politische Bewegung auf, die das Volk weltanschaulich schule, was bisher nur die Kirche getan habe. Don nun an gebe es nur noch eine Organisation, die weltanschaulich schulen dürfe, die RSDAP. Der nationalsozialistische Sieg sei nichts anderes als der Sieg der Vernunft über die Unvernunft. Rationalsozialismus sei die Er­kenntnis der Dinge und Menschen, die mit Wis­senschaft nichts zu tun habe. Rotwendiger als Wissen sei Charakter. Die Grundlage für unsere Arbeit, fuhr Dr. Ley fort, bleibt ein für alle Male die nationalsozialistische Weltanschauung. Die materielle Rot meistern wir spielend, wenn wir die seelische meistern. Sch sehe mit unge­heurer Hoffnung in die Zukunft. W i r werden die Ererbslosigkeit meistern Und all das Elend und die Rot. Sch glaube, daß es im nächsten Sahr nicht mehr Arbeitslose geben wird als in normalen Zeiten vor dem Kriege, und daß wir in zwei Sahren nicht so viel Menschen in Deutschland haben, um alle vorhandene Arbeit leisten zu können. Sch glaube nicht, daß der Rationalsozialismus halt machen wird an den Grenzen Deutschlands, sondern er wird Fuß fassen, wo gleiche Art und gleiches Denken herrschen.

Kunst und Wissenschaft

Die Trauerfeier für Max von Schillings.

Sn der Preußischen Akademie der Künste in Berlin fand unter Teilnahme von Vertretern der Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden, Ver­tretern aus Kunst und Wissenschaft die T r a u e r-

Znng-Faschisten im Braunen Haus.

...

Die 500 jungen Italiener, die sich auf einer Reise durch Deutschland befinden, wurden in der bayrischen Hauptstadt von Adolf Hitler empfangen, der vor ihnen eine Rede hielt. Danach marschierten sie ge­meinsam ins Braune Haus, wo der stellvertretende Führer der NSDAP., Rudolf H e ß, sie begrüßte. Die jungen Anhänger Mussolinis ziehen durch die Münchener Propyläen zum Braunen Haus.

feier für Max v. Schillings statt. Vor dem Sarg sah man auf schwarzem Samtkissen die Orden und Ehrenzeichen, die dem verstorbenen Meister im Laufe feiner künstlerischen Tätigkeit verliehen worden waren. Die Feier begann mit dem Vorspiel vonSpielmanns Lust und Leid" zum dritten Aufzug aus der OperDer Pfeifer­tag", einem der Hauptwerke von Schillings, vor­getragen von dem Deutschen Kampfbund-Orchester. Rach einer RezitationVolk aus dem Rorden" von Hans Friedrich "Stund hielten Alexander Amersdorsfer, Staatssekretär Dr. S t u f - kart, Georg Schumann, Gottfried Benn und Max B u t t i n g Gedenkansprachen. Mit der Cavatine von Beethoven schloß die schlichte Feier. Der Sarg wurde zum Krematorium über­geführt, vor dem SS. und Stahlhelm Spalier standen. Oberbürgermeister Dr. S a h m führte in seiner Gedächtnisrede aus, der Verstorbene habe in selbstverzehrender Freude der deutschen Kunst gedient und sei gerade und unbeirrt seinen Weg gegangen. Deutschlands Defreiungsstunde sei auch seine Befreiungsstunde gewesen. Rach kurzen Gedenkworten von Freunden des Ver­storbenen senkte sich der Sarg unter den Klängen eines Chorals in die Tiefe.

Aus aller Well.

Ausländisches Flugzeug über dem Lrdölbergwerk Salzbergen.

Vor einigen Tagen erschien, wie dasOsnabrücker Tageblatt" meldet, gegen Mittag ein ausländi­sches Flugzeug über Salzbergen, ging tief her­unter, stellte mehrmals die Motoren ab und um­kreiste dreimal die Anlagen der Ersag, Erdölwerk Salzbergen. Wie nach dem genannten Blatt weiter beobachtet wurde, soll es sich um ausländische Flie­ger handeln, die wahrscheinlich Bildaufnahmen von dem Erdölwerk ausgenommen haben. Die Direktion des Werkes benachrichtigte sofort die Luftpolizei von dem eigenartigen Vorfall.

Feuerüberfall auf eine SA.-Palrouille.

In Süssen bei Geislingen (Württ.) wurde nach einer Meldung derGeislinger Zeitung" auf eirte

SA.-Patrouille ein Feuerüberfall verübt. Der SA.-Mann Schwan, Süssen, der von seinen Kame­raden etwa 15 Meter entfernt war, wurde während seines nächtlichen Dienstes beschossen und am Fuß verletzt, so daß er ins Krankenhaus Geislingen ge­bracht werden mußte. Die Täter sind noch unbe­kannt, die Ermittlungen wurden ausgenommen.

Wegen Ermordung eines S2l.-Mannes zum Tode verurteilt.

Das Bamberger Schwurgericht fällte in dem Pro­zeß gegen den 22jährigen Dienstknecht Lorenz S ck; r i e f e r aus Gaiganz, der im Mai d. I. den SAi-Mann Wiesheier ermordet hatte, fol­gendes Urteil: Der Angeklagte Lorenz Schriefer wird wegen eines Verbrechens des Mordes zur Todesstrafe verurteilt, außerdem zu zwei Jah­ren Gefängnis wegen eines Verbrechens der fort­gesetzten schweren Körperverletzung und Aberken­nung der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebensdauer. Nach der Urteilsbegründung brach der Angeklagte zusammen.

Llly Beinhorn in Berlin.

Nach einem fast viermonatigen Flug, der E l l y Beinhorn rund um Afrika führte, kehrte die erfolgreiche Fliegerin jetzt wieder nach Berlin zurück. Trotz der Hitze, die auf dem Tempelhofer Feld lastete, hatte sich eine Menge von geladenen Gästen auf dem Flugplatz eingefunden. Den Flug­platz umsäumten viele Tausende Schaulustiger. Nach der Landung verließ die Fliegerin unter den Klän­gen des Deutschlandliedes und des Horst-Wesiel- Liedes die Maschine und begab sich zu der Ehren­tribüne, wo sie von dem Präsidenten des Aero-Klnds in Berlin begrüßt wurde. Danach wurde Elly Beinhorn vor das Mikrophon geführt, wo sie für die Wochenschau ein paar Worte sprach. Sie habe vor knapp vier Monaten Berlin verlassen. Der Flug habe sie in erster Linie in die ehemals deut­schen Kolonien geführt und, wie sie sagen zu können glaube, hätten sich die Deutschen in Afrika alle über diesen Flug gefreut. Man werde später aus dem reichen Bildermaterial, das sie von ihrem Afrika­flug mitgebracht habe, noch Einzelheiten über ihren Flug erfahren.

Verantwortlich für Politik: i. 33.: Ernst Blumschein.

Japanisches Mnonettenihealer.

Don Helmut Schreck.

Gewiß, sie haben unterdeß ein paar nackte Hallenscheunen samt Wellblechfirst neben die lack­roten Drücken der kirschbaumumsäumten Tempel­bezirke genietet; sie haben mittlerweile etliche Drahtstränge durch die anmutig sanfte Landschaft der zartgrünen Reisfelder gespannt; und sie haben die Welt der geschnitzten Löwenköpfe, der sechzehnblättrigen Chrysantheme und der heiligen Hirsche von Rara mit Staubsaugern, Rundfunk und Lärm durchsetzt. Aber aber sie haben ein anderes Sapan damit kaum berührt.

Ebensowenig wie ihre Betriebsamkeit an die Götter der Bambuswälder von Rikko, an die tausendjährigen Bergeichen der Rordinsel Hok­kaido und an das Lächeln des stillen rundhäup- tigen Buddha von Kamakura rührte ebenso­wenig hat ihre amerikanisch regsame Unruhe an die durch mehrere Sahrhunderte gefestigte Ueber- lieferung getastet, die das geheimnisvolle Spiel der Marionette noch in Sapan der Fernsprecher und Tonfilme als gleichnishaft empfindet.

Heut wie je hat sich dort die Puppenbühne behauptet.

Während die Kunst, die das Schicksal der Szene an ihren schwingend tänzelnden Fäden hält, im Lebensraum der weihen Rasse langsam zu verkümmern droht, hat sie im fernen Osten eine ursprünglichere Beziehung zum Zuschauer­raum bewahrt. Eine ständige Gemeinde besucht fast allabendlich jene spielerisch schlenkernde Welt, in der die Anmut gleich neben die Groteske tritt und der heitere Einfall noch um die Abgründe des menschlichen Daseins sprüht.

Freilich: wer die Geschichte der japanischen Schaukunst kennt, wird sich zunächst an die be­sonderen und eigentlichen Ausdrucksmittel eines Theaters erinnern, das sich mit keiner anderen Bühne vergleichen liehe, weil es der Rampe den strengen Stilwillen eines ganzen Volkes auf- zwang. Den Stilwillen eines Volkes, das kaum eine unserer abendländischen Gewohnheiten braucht, um sich selbst in den sparsam klaren Spiegelungen seiner Szene darzustellen.

Auch der Europäer, der Rippon nie betrat, weih davon.

Denn nicht umsonst haben die mannigfachsten Berichte den dämonischen dunklen Reiz jener

gespenstigen Maskenpuppen erwähnt, die ein stummer, schattenhaft huschender Schwarm von schwarz vermummten Lenkern umschwirrt, um vor aller Augen den Griff oder Schritt ihrer drei- viertel-lebensgroßen Geschöpfe zu führen, ihre Gelächter wie ihre Erschütterungen durch leise Hebeldrucke am Triebwerk der Mienen anzu­zeigen und so ihre Leidenschaften nachzubilden.

Und in £er Tat birgt jenes Spiel das stärkste Sapan:

Vom sagenhaften Ruhm seines Begründers Takemoto Chikuyu Gidahu getragen, der sich vor zweihundertfünfzig Sahren im Weichbild der Stadt Osaka niederlieh, bezeugt es noch heute die Pracht und die Gröhe, die ausgewogene und bis zu letzter Einprägsamkeit gesteigerte Kraft des klassischen Vorbilds. Dah es auch noch eine andere, volkstümlichere Form der japanischen Gliederpuppenkunst oab und mit geringer Wand­lung noch immer gibt, verblahte daneben.

Richtsdestoweniger: wer Sapan besucht, wird seltener dem adelig gezüchteten Theater des Ringho-tsukai" als den weniger erlauchten Auf­tritten desSto-Ayatsuri" begegnen, das höchst­wahrscheinlich aus fremden Kulturkreisen einwan­derte und sich erst allmählich dem Zuschnitt der neuen Wahlheimat anpahte. Einer Spielart der Puppenkunst also, die ihre hölzernen und toerg- gesüllten Schauspieler mit den Schnüren des Marionettenbeherrschers bändigt.

Die Verwöhnteren gehen zumeist daran vorbei. Sndeß: Zwischen den zierlichen Hausrat der Lack­tischchen und geflochtenen Matten geschoben, vom Hintergrund der Papierwände und Rohrgerüste und Schiebetüren begrenzt, entfaltet sich hier eine Bühne des kleinen Lebens, das sich im Spott und in der Rührung, im Abenteuer und im Alltag durch das phantastische Treiben der ruckhaft hüpfenden Faden-Männchen, der steif einher­trippelnden Draht-Damen und der bizarr wip­penden Stoff-Ungeheuer bestätigt sehen will.

Auf jeden Fall: vor dieser Szene fand sich ein Volk.

Sie wurde eine der echtesten Aeuherungen des ungeschminkt japanischen Daseinsgefühls. Ob­schon sie für Menschen spielt, die am Morgen in rasselnden Straßenbahnen zur Arbeit eilen, des Mittags über die Rolltreppen eines Waren­hauses steigen und in der beginnenden Dämme­rung auf die in Gelb und Hellrot und Blau flirrenden Flammengarben der Leuchtreklamen starren, die ihnen Rähmaschinen, Zahnpasten,

Motorräder, Zigaretten oder Lippenstifte emp­fehlen.

Run, mitten in diesem Ansturm, der aus dem Westen der Amerikaner heranbrauste, rufen den­noch und trotz alledem die alten verschrägt und gekrümmt ausgetuschten Schriftzeichen. Smmer noch locken die bunten Papierlaternen, deren ge­wellte Walzenröhren und Rundkugeln sanft und kühl im Rachtwind schaukeln. Und immer noch stehen die dichten Reihen der höflich vor dem Eintritt abgestreiften Sandalen vor den eng ge­stopften Schirmständern der Kassenschalter.

Stunde um Stunde verrinnt währenddessen im Snneren.

Und während der grünliche wässerige Tee, den man jedem Besucher reicht, in den getriebenen Metallkannen die Runde macht, weht Auftritt um Auftritt in wechselnder Folge nach dem Be- dünken der geschickten ernsten Fadenlenker vorbei, die dem ganzen Zuschauerraum sichtbar mit verschränkten Beinen über dem Kasten der win­zigen Rampe hocken und dort ihre Marionetten zu dem begleitenden Wort des Sprechers und nach dem Schrilltakt der Musik bewegen.

Atemlos hingegen folgt ihnen die treuste Ge­meinde: Denn unter ihren zauberhaft geübten Fingern erwacht die Tänzerin mit dem rad- speichenförmigen Schildkrötpfeil im pechschwarzen Haarschmuck zum Scheinleben eines Theater­abends. Wie desgleichen der schmalgesichtige Held mit den gewölbten Brauen, der silber­geschirrte Samurai, der ausgemergelte Rickschah- Kuli dabei erwacht: und wie überhaupt der ganze Menschenschlag eines Landes der zartesten Ehrbegriffe und reinsten Pflichtgesetze darin er­steht.

Draußen blinken die Verkehrszeichen einer Zeit, die straff und derb die Gepflogenheiten der weißen Völker einbürgern darf. Die alles Ge­tümmel noch rascher, alle Unrast noch ungestümer will ...

Der Raum dieser Marionetten - Bühne weiß nichts davon.

Wenn sie auch hier und da lächelnd die Ge­stalten eines westlichen Films übernahm die ' lebendige Empfindung ihrer Spieler und Zu­schauer ließ es unversehens doch etwas Sapani- sches werden.

Etwas, was zum Besitz und Eigentum einer Rasse wurde:

Einer Rasse, die noch im steifen Filzhut des! Abendlandes nie die geheimnisschwere Herkunft aus jenen Bezirken verleugnet, in denen dereinst Goldfifchteiche, Kirschblüten und Tempel schim­merten ...

Wege zur guten Ehe/"

Unter diesem Titel zeigt das Lichtspielhaus einen Lehrfilm der Gnom-Tonfilm GmbH., dem die folgenden programmatischen Sätze vorangestellt sind:Dieser Film will den Pfad zu Gesundheit und Glück in der Ehe weisen. Gesundheit und glück­liche kinderreiche Ehen sind der unersetzliche Schatz jedes Volkes. Wer für sie wirbt, wirbt für das Va­terland. Verständnis, Zartgefühl und das Glück der Mutterschaft: das ist der Weg zur guten Ehe." Der Film, in Form einer Spielhandlung, beginnt rein theoretisch mit einem längeren Vortrag des bekann­ten Professors 33an de Velde, der an Hand von Tabellen, Schemen und graphischen Darstellungen die physiologischen und psychischen Vorgänge er­örtert, deren Kenntnis für eine eheliche Gemein­schaft erforderlich ist; während mangelndes 33er» ständnis für solche Gegebenheiten nicht selten zu Schwierigkeiten und selbst zu Katastrophen im ehe­lichen Leben führen können. Der theoretischen Ein­führung folgt die praktische Nutzanwendung in Ge­stalt einiger, als typisch angenommener Fälle, die durch eine lockere Spielhandlung personell und sze­nenweise miteinander verbunden sind. Die Hersteller des Films Manuskript: Willi Haas und Adolf T r o tz ; Regie: Adolf Trotz find zwar nicht der Ansicht, mit dem, was hier vorgeführt wird, so etwas wie ein Allheilmittel oder einen Garantieschein für Glück in der Ehe geliefert zu haben; sie wollen Anregungen geben und weisen, in der Lösung der verschiedenen Fälle, darauf hin, wie manches geheilt, gebessert oder abge­wendet werden kann: durch die in jedem Fall zu­nächst Beteiligten selbst oder durch den Rat eines er­fahrenen, menschenkundigen, für die seelischen wie für die physischen Grundlagen jeglicher Gemeinschaft gleichermaßen aufgeschlossenen Arzt. Eine Reihe von namhaften und auf anderem Felde oft bewährten Darstellern setzt sich für die Spielhandlung ein; wir nennen an erster Stelle Theodor Loos, Olga Tschechowa, Alfred Abel, Hilde Hilde- brand und Walter Janssen. Aus dem Bei­programm: die neue Wochenschau und der Vor­spann zu einem neuen großen Spionagefilm der Ufa, der am Montag hier erscheinen wird.