Ausgabe 
28.7.1933 Erstes Blatt
 
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bei man es auch anderwärts begrüben wird, daß die starke Betonung der Revisionsnotwen­digkeiten sich nicht nur auf den Vertrag von Trianon bezieht, sondern ausdrücklich von der wirksamen und gründlichen Abänderung der ungerechten Ariedensverträge" gesprochen wird.

Damit wird zugleich dem Vier-Mächte-Pakt sein eigentlicher Sinn, Werkzeug einer konstruktiven Friedenspolitik zu sein, wieder verliehen. Sind auch die Einzelheiten der in Rom gepflogenen Unterhaltungen zwischen Musso­lini und Görnbös noch nicht bekannt, so erhalten sie ihre grundsätzliche Bedeutung durch das eindeutige Bestreben des italienischen Regierungschefs, den die gesamte europäische Politik lähmenden Zustand einer Aufspaltung Europas in zwei Lager, das derSiege r" und derBesiegte n", sich nicht verewigen zu lassen.

Randnote.

Ein reiner Militärvertrag, wie er jetzt zwischen Moskau und Paris abgeschlossen wer­den soll, widerspricht den» Sinn und Satzung des Völkerbundes, aber Frankreich hat mit seinen öst­lichen Freunden etwa ein halbes Dutzend solcher militärischen Geheimverträge, und diese Staaten haben unter sich ein volles Dutzend abgeschlossen. Je furchtbarer in Rußland sich der Bankerott des marxistischen Sozialismus offenbart, umso mehr sind die roten Zaren im Kreml auf außenpolitische Erfolge angewiesen. Der russisch-französi­sche Nichtangriffspakt würde in einem Handelsabkommen, das vor allein Waffenlieferun­gen Frankreichs vorsieht, und in einem M > l i t a r - vertrag die Zustände wieder herstellen, die vor dem Kriege in Europa herrschten. Daß über einen solchen Militärvertrag verhandelt wird und fran­zösische und polnische'Militärs ihn betreiben, wurde schon seit einiger Zeit auch von der sehr besorgt ge­wordenen englischen Presse behauptet. Die plötzliche Rückreise des russischen Botschafters Alphangs nach Paris, sowie die Anwesenheit des russischen Botschafters L i t w i n o f f unter einem Pseudonym in Frankreich wurde mit solchen Paktvorbereitungen in Zusammenhang gebracht. Man scheint in Frank­reich, wie einst P o i n c a r 6, Rußlands Hilfe zu erwarten und den Russen Kredite angeboten zu haben, jedenfalls lassen die englischen Einwande gegen eine solche Paktpolitik nichts an Deutlichkeit zu wünschen übrig. Diese Entwickelung ist eine Folge des gänzlichen Versagens der Abrüstungspolitik. Der Präsident der Abrüstungskonferenz, Henderson, hat jetzt etwas sehr offenherzig erklärt, was Frankreich wünscht. Natürlich die unbedingte Erfüllung des Versailler Vertrages durch Deutsch­land, also die Vernichtung der Gleichbe­rechtigung. Natürlich das Verbot von Organi­sationen, worunter für Deutschland jeder Turn- und Sportverein fallen soll. Natürlich Sonderrecht für Frankreich, das erst nach vier Jahren vielleicht die ganz außerordentlich schweren Geschütze ab­schafft! Und selbstverständlich wird Frankreich diese Abrüstung" nur dann vornehmen, wenn Frank­reich feststellt, Deutschland sei technisch, moralisch und finanziell abgerüstet. Henderson trägt diese Forderungen mit dem Ernst eines marxistischen Methodistens.^edigers vor. Er wagt nicht einmal, an­zudeuten, daß diese ihm offiziell mitgeteilten fran- zösischen Forderungen die endgültige Abkehr Frankreichs von der Abrüstungskon­ferenz .sind und Frankreichs neue Russenverbin- düng erklären.

Beklemmungen in Wien.

Wien, 27. Suli. (WTB.) Gömbös' Be­such bei Mussolini wird hier mit größter Aufmerksamkeit verfolgt. Die Presse hält jedoch mit eigener Meinung vielleicht auf höhe­ren Wink vorläufig zurück. Bur imNeuen Wiener Journal" wird von besonderer diploma­tischer Seite darauf hingewiesen, daß die rö­mischen Besprechungen wiederum zeigten, wie Italien zur Zeit Zentrum der mitteleuro­päischen Politik geworden sei und von dort aus auch die Initiative zur praktischen Arbeit bei der Neuordnung der politischen und wirtschaft­lichen Berhältnifse im Donau-Raum zu er­warten sei.

Bemerkenswert erscheint die Auffassung die­ser besonderen diplomatischen Seite über die An­kündigung eines angeblichen Militärver­trags zwischen Frankreich und Ruß­land. Man kann nur hoffen, heißt es, daß Frankreich sich nicht tatsächlich verleiten läßt, aus unbegründeter Furcht vor einem durch den Frie­densvertrag von Versailles bekanntlich vollständig entwaffneten Deutschland mit den Bolschewisten zu paktieren.

Weitere Entlastung in Vorbereitung.

Berlin, 27.Juli. (END.) Nach derNa­tionalsozialistischen Korrespondenz" soll Staats­sekretär Reinhardt vom Reichsfinanzministe­rium ein Gesetz zur Verminderung der Arbeitslosigkeit für den kommenden Herbst planen. Darüber hinaus soll bereits ein wei­terer großzügiger Plan zur Verminde­rung der Arbeitslosigkeit in Vorbereitung sein, mit dessen Verwirklichung im Frühjahr 1934 be­gonnen werden solle. Außerdem beabsichtige Staatssekretär Reinhardt, im kommenden Frühjahr mit einer grundlegenden Ver­einfachung des gesamten Ste^r- w e s e n s herauszukommen. Schon für den Herbst sei eine durchgreifende Steuererleich­terung für die Landwirtschaft geplant, die wahrscheinlich in einer Herabsetzung der Um» sahsteuer für die Landwirtschaft von 2 auf 1 Pro­zent bestehen werde.

Aus dem Kommunaldienst entlasten.

Berlin, 27. Juli. (WTB.) Zu einer Pressemel­dung, wonach das Verfahren gegen den früheren Präsidenten des Deutschen Städte- t a g e s , Dr. Mulert, eingestellt worden Jei, er­fahren wir folgendes: In dem Beschluß der Staats- anwaltschaft wird ausdrücklich daraus hingewiesen, daß die Verträge, die Mulert unter bewuß­ter oder unbewußter Kenntnis des ehrenamtlichen Vorsitzenden des Deutschen Städtetages abschloß, zu den Vorschriften der Notverordnung vom 6. Oktober 1931 im Widerspruch standen und daß diese Hand­lungsweise vom moralischen Standpunkt aus zu verurteilen sei. Das Verfahren gegen Dr. Mulert ist lediglich aus formalrechtlichen Grün­den eingestellt worden. Mulert hat sich trotz seines bis dahin die Bezüge eines Reichsministers bedeu- tend übersteigenden Gehaltes u m 11000 Mark bereichert. Wegen dieses unerhörten Vorganges ist Dr. Mulert fristlos entlassen worden.

Köln, 27. Juli. (ERB.) Wie die Stadtverwal­tung Köln mitteilt, ist der frühere Oberbürgermeister der Stadt Köln Adenauer auf Grund des § 4 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufs- beamtentums entlassen worden.

Der künftige Reichsbischof.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Wehrkreispfarrer Ludwig Müller, dessen Wahl zum Reichsbischof nach der nunmehrigen endgültigen Feststellung des Ergebnisses der Kirchenältesten­wahlen gesichert ist.

Berlin, 27. Juli. (WTB.) Pfarrer H o s s e n s e l d e r hat an Wehrkreispfarrer Lud­wig Müller einen Brief gerichtet, in dem es heißt, daß dieGlaubensbewegungDeut- sche Christen in allen unmittelbar und mittel­bar zu wählenden Körperschaften die unbe­dingte Mehrheit haben werde. Dadurch dürfe die von den Deutschen Christen geforderte Wahl Pfarrer Müllers zum Reichs­bischof als gesichert gelten.

Synodalwahlen in Preußen am 18. August.

Berlin, 28.Juli. (TU.) Der Evangelische Ober- kirchenrat hat für den Bereich der Preußischen Lan­deskirche die Wahlen zu den Provinzial- s y n o den aus den 18. A u g u st festgesetzt.

Hitlerjugend deutscherIliegernachwuchs

Berlin, 27. Juli. (TU.) Zwischen der Hit­lerjugend und dem Deutschen Luft­sport-Verband ist eine Vereinbarung ge­troffen worden, die von größter Bedeutung für die künftige Gestaltung des deutschen Flugwesens insofern ist, als sich hier fortan nur der wird betätigen können, der durch die Hitlerju­gend gegangen ist. Die Vereinbarung sieht zunächst eine Vorbereitungszeit für Jugendliche zwischen dem 12. und 16. Lebensjahr hauptsächlich auf sportlichem Gebiete vor. Die eigentliche Vor­bildung erfolgt zwischen dem 17. und 18. Lebens­jahr auf den Fliegerschulen der HI. in den Orts­gruppen des DLV. und in Luftfahrtlehrgängen.

Insgesamt werden 17 Fliegerschulen der HI. im ganzen Reich eingerichtet. Die Jugendlichen durchlaufen zunächst einen Ausbildungslehrgang von drei Monaten auf der Vorschule und bei Eignung einen Fortbildungskurs von nochmals drei Monaten. Wer eine solche Fliegervorschule nicht besuchen kann, wird, soweit er Mitglied der Hitlerjugend ist, durch die Iugendlehrgänge die gleiche Ausbildung erhalten können, die freilich 24 Monate dauert. Außerdem besteht noch die Mög­lichkeit der Teilnahme an Luftfahrtlehrgängen an gewerblichen Berufsschulen, höheren Schulen usw.

Der Prozeß

gegen den Reichstagöbrandstister.

Berlin, 27. Juli. (ERB.) Von zuständiger Stelle wird mitgeteilt:In Verbindung mit einem Presseempfang des Herrn bayerischen Staatsministers der Justiz Dr. Franck ist irr­tümlich verlautbart worden, daß der Pro­zeß gegen den Reichstagsbrand st ifter van der Lubbe Ende November oder Anfang Dezember vor dem Senat des Reichsgerichts statt- finoet. Demgegenüber wird amtlich noch einmal mitgeteilt, daß mit der Hauptverhandlung in der Sache van der Lubbe in der ersten Hälfte des September zu rechnen ist.

Aus aller Welt.

USA.-£uMd)iffINacon" kommt nach Europa.

Zuverlässig verlautet aus Sevilla, daß das amerikanische LuftschiffM a c o n demnächst eine Curopareise unternimmt. Der amerikanische Konsul soll sich mit der Luftfahrt­behörde in Sevilla bereits in Verbindung gesetzt haben, um Auskünfte über die Landungsmög­lichkeiten zu erhalten.

vor Balbos Start nach Irland.

Wie aus Shoal Harbour (Neufundland) ge­meldet wird, beabsichtigt General B a l b o am Samstag um 7.30 Uhr MEZ. mit seinem Flug­geschwader nach Irland zu starten. Die endgül­tige Entscheidung hängt allerdings von den Wet­terberichten ab, die im Augenblick noch ungün­stig lauten.

Die Königin von Belgien verehrt den heiligen Rock in Trier.

Trotz der hochsommerlichen Hitze hält der Zu­strom der Pilger zum Hl. Rock in Trier unverändert an. In den letzten Tagen erschien über­raschend Königin Elisabeth von Belgien im Trierer Dom, wo sie in Begleitung ihres Hausgeistlichen und einer Hofdame den Hl. Rock verehrte.

Hitzewelle über Frankreich und England.

Die große Hitzewelle, die seit geraumer Zeit über Frankreich lagert, hat im Laufe des Donnerstag noch zugenommen. Das Barometer zeigte schon gegen 10 Uhr 31 Grad in Paris und stieg im Laufe des Nachmittags auf fast 36 Grad.

Am Donnerstag war auch der bisher cheiheste Tag dieses Jahres in London. Die Temperatur stieg bis zu 33,5 Grad Celsius. Bisher sind vier Todesopfer infolge Hih- schlags gemeldet worden. Am Nachmittag setzten schwere Gewitter ein, die in einzelnen Stadt­teilen Londons erhebliche Verwüstungen an- richteten.

vom Schnellzug erfaßt. Fünf Tote.

In der Nähe von Turn-Severin überfuhr nachts der Bukarester Schnellzug einen Bauernwagen, der die Schienen überquerte. Die fünf Insassen des Wa­gens und die zwei Pferde wurden inStückezer- rissen.

Woran erkennt der Arzt die Krankheit?

DKGS. In der Jugendzeit der Menschheit sah man in der Krankheit ein selbständiges geisterhaftes We- en, das vom Menschen Besitz nahm und ihn krank machte. Deshalb mußte diesemDämon" mit Be­schwörungen der Aufenthalt im menschlichen Leibe unbehaglich gemacht und er ausgetrieben werden. 2luf die Art der Krankheit kam es dabei nicht we­sentlich an. Dieser Geisterglauben ist auch im soge­nannten kultivierten Europa noch nicht ausgestorben, wie dasBesprechen" und ähnliche Beschwörungen zeigen. Aber im großen und ganzen sind doch die Menschen jetzt überzeugt, daß Kranksein nichts ande­res ist, als Leben unter veränderten Bedingungen und daß diese Veränderung der Lebensbedingungen je nach Art der Erkrankung verschieden ist. Die Krankheitserkennung ist die Grundlage der Behand­lung, auch wenn eine weitverbreitete Glaubensge­meinschaft Kranksein nur als Glaubensirrtum be­trachtet und deshalb das Streben nach Krankheits­erkenntnis als bedeutungslos verwirft. Mit dem For­schen nach der Ursache und den Bedingungen einer Krankheit hat die Wissenschaft der Heilkunde im eigentlichen Sinne begonnen. Und der Krankheits­erkennung (Diagnostik) ist im Unterricht der wer­denden Aerzte ein sehr großer Raum gewidmet.

Wie erkennt nun der Arzt die Krankheit? Die wenigsten Krankheiten beginnen ganz plötzlich: last immer gehen ihllen Vorboten in Form irgendwelcher

Holst die Rot lindem!

Die Arbeitslosenziffer fällt! Wer dankt nicht beim Lesen dieser Worte dem Führer des deutschen Volkes für das großartig angelegte Arbeits­beschaffungsprogramm, das schon jetzt die ersten Früchte zeigt. Roch liegt die Arbeitskraft von Millionen volksgenoffen brach und wartet, für die Wiedergefundung der nationalen Wirtschaft eingesetzt zu werden. Wenn sich auch schon viele Hände neuer­dings wieder regen, so müssen doch alle gangbaren Wege beschritten werden, um die Arbeitslosig­keit noch weiter einzudämmen. Lines der vielen eingesetzten Wittel ist auch die große Ar­beitsbeschaffungslotterie. Die Gewinne der Lotterie ermöglichen es dem glücklichen Gewin­ner, die Wark wieder umzusehen und dadurch Volksgenossen zu Arbeit und Brot zu­rückzuführen. Aber auch die, denen das Glück nicht hold war, haben das erhebende Bewußtsein, daß ihr Einsatz nicht verloren ist, sondern restlos dem großen Werk der Arbeits­beschaffung zugute kommt. Ls ist daher nationale pflicht eines jeden Deutfchen, an der Arbeitsbeschaffung milzuwirken durch kauf von Losen, die in allen durch Plakate kenntlich gemachten Geschäften erhältlich sind.

Störungen voraus. Daher bietet die sachgemäße Be­fragung des Kranken nach Aenderungen seines Be­findens oft wertvolle Hinweise auf die Art der Er­krankung. Der Kranke, der seinem Arzte Beschwerden oder frühere Erkrankungen verschweigt, handelt ge­gen sein eigenes Wohl. Außer auf die Kenntnis der Vorgeschichte gründet sich die Krankheitserkennung auf die Untersuchung des Kranken. Ihr Beginn und ein sehr wichtiger Teil ist das Anschauen des Kranken auf seinen Ausdruck, seine Hautfarbe, die ganze äußere Beschaffenheit, kurz aus alles, was man an einem Menschen äußerlich sehen kann. Von einigen berühmten Aerzten wie vomalten Heim" wird be­hauptet, daß ihnen der äußere Anblick -und der Ge­ruch eines Kranken zur Krankheitserkenntnis häufig genügt habe. Den meisten Aerzten ist diese Gabe der Schau" in so hohem Grade nicht gegeben. Sie wür­den pflichtwidrig handeln, wenn sie nicht auch die anderen Mittel der Untersuchung zu Rate zögen.

Die auch jedem Laien bekannten Arten der Unter­suchung durch Beklopfen und Behorchen der Lungen und des Herzens, der Betastung des Leibes, der Fiebermessung und Pulszählung, um nur einige der wichtigsten zu nennen, sind auch jetzt noch die unentbehrlichen Grundlagen einer gewissenhaften Untersuchung. Aber die außerordentliche Verfeine­rung der Hilfsmittel wie des Mikrofkopes, der Blut­druckmessung, des zahlenmäßigen Nachweises der festen und flüssigen Bestandteile des Blutes und an­derer Körperflüssigkeiten und vor allem die Entwick­lung der Untersuchung mit Röntgenstrahlen hat es möglich gemacht, über den Zustand fast jedes Körper­teiles bestimmte Aussagen zu machen und darnach seine krankhafte Störung zu beurteilen. Grade diese hohe Entwicklung der Üntersuchungsmöglichkeit hat aber auch überzeugend bargetan, daß die von Kur­pfuschern mit einem Schwall von angeblichen Beweisen angepriesenen Untersuchungsmittel, wie Augendiagnose, Nackenhaarbeschau und Pendelunter­suchung um nur einige zu nennen, zum Ziele der Krankheitserkennung nicht brauchbar sind.

In der Regele ist jede Krankheit um so leichter deutbar, ie vollkommener sie ausgebildet ist. Ein Unterleibstyphus, über dessen Fieberverlauf wochen­lange Aufzeichnungen vorliegen und bei dem etwa eine große Milzschwellung nachweisbar ist, kann kaum verkannt werden; ein Lungentuberkulöser mit offenkundigen Zerstörungen der Lunge und Bazil­lenbefund im Auswurf ist ohne weiteres als solcher und auch nach dem erreichten Grade der Erkrankung zu bestimmen. Bei beiden Kranken kann aber >m Beginn der Krankheit die Erkennung außerordent­liche Schwierigkeiten barbieten. Die Typhuserkran­kung kann mit bem Bilbe eines Darmkatarrhs ober einer Lungenentzündung, die Tuberkulose als Blut­armut ober als Magenleiben austreten; ein Gallen­blasenleiben ist ohne längere Beobachtung oft nicht vom Geschwür bes Zwölffingerbarms zu trennen. Daher kann bem Arzte fein berechtigter Vorwurf gemacht werben, wenn er grünbliche Untersuchung vorausfetzt gegebenenfalls erst nach einer gewissen Beobachtungszeit fein Urteil über einen Krankheits­fall abgeben zu können erklärt. Am allerwenigsten ist ber Kurpfuscher zu einem solchen Urteil berechtigt, der in ber Regel auf bas Erraten der Krankheit aus Aeußerungen des Kranken angewiesen ist, wenn er ber Krankheit nicht überhaupt eine Phantasiebezeich­nung unterschiebt.

Eine weitere Schwierigkeit kommt aus einer ganz anderen Richtung. Wenn ein Kranker, etwa nach amerikanischem Vorbild,am laufenden Bande" auf Zustand und Wirken aller Köprteile genauestens untersucht worden ist, so ergibt dieBilanz" dieser Aufstellung, also die Summe aller Untersuchungs­

ergebnisse noch nicht ohne weiteres das Krankheits- bild. Diese Ergebnisse sind zwar die notwendige Grundlage zur Erkennung;fehlt leider nur das geistige Band". Ihre Wertung und Zusammen- fügung zum Bilde der Krankheit bedarf der schöpfe­rischen durch Erfahrung geschulten ärztlichen Kunst. Wissen, Erfahrung und Schau müssen zusammen­wirken, wenn dem Kranken geholfen werden soll; sie vereinen sich in b e m Arzt, ber zu gedeihlicher fleißi­ger Arbeit noch das Gottesgeschenk der Begabung und den Willen zu helfender Liebe erhalten bat.^

Reichswehr wieder in Gießen

Drei Wochen lang fehlle ber Soldat in unserer Stabt. Auf bem Trieb unb auf den Militärschieß- ftänben war es sehr still gewesen in der letzten Zeit. Die Truppen weilten zu einer Hebung im Regi- mentsoerbanb auf bem Truppenübungsplatz Alten- grabow bei Magbeburg.

Heute kehrten sie wieder zurück in die Garnison. Reichliche drei Wochen schwerer Dienst lag hinter den Mannschaften, als sie heute morgen gegen zehn Uhr auf dem hiesigen Güterbahnhof eintrafen. Sq- fort wurde mit dem Ausladen begonnen, und wenig später marschierten die Mannschaften, voran die Musikkapelle, durch die Hammstraße, über den Horst- Wessel- und den Hindenburg-Wall, durch die Gar­tenstraße, die Kaiserallee und durch die Licher -Straße zur Kaserne. Die 3. Kompagnie bog am Stadttheater ab und marschierte durch die Neuen " Bäue nach der Kaserne am Landgraf-Philipp-Platz.

Eine stattliche Menschenmenge hatte sich zum Empfang am Bahnhof eingefunden, viele Einwohner säumten die Straßen, sahen mit Stolz und Bewun­derung auf die Soldaten, die, braungebrannt, in gleichem Schritt und Tritt, in gewohnter Disziplin und guter Haltung durch die Straßen marschierten. Die Jugend nahm naturgemäß wieder stärksten An­teil an dem Einzug der Truppen. Die Bevölkerung bewies aufs Neue, daß sie sich mit der Reichswehr eng verbunden fühlt.

Tränkt die Tiere reichlich!

Der Gießener Tierschutzverein, Hen- selstraße 10, schreibt uns:

Auf das Tränken wird in der Tierpflege oft zu wenig Wert gelegt. Manches Pferd würde bei der gleichen Futtermenge besser ernährt aussehen, wenn es Gelegenheit hätte, während der Mahlzeit etwas Wasser zu sich zu nehmen. Beim Füttern auf der Straße erhält eine große Anzahl von Pferden auch hinterher kein Wasser. Da das trockene Futter den Durst erhöht, hört manches Pferd vor Durst auf zu fressen. Wenn nur irgend Wasser erreichbar ist, sollte das Pferd nach der Mahlzeit ausgiebig ge­tränkt werden. Ein genügend getränktes Pferd kann besser arbeiten, als ein durstendes. Auch den Ket­tenhunden stelle man immer Wasser zur Verfügung unb gebe ihnen währenb ber Sommerhitze einen schattigen Platz. Dasselbe gilt für bie Kaninchen. Käfigvögel bürfen ebenfalls nicht ber heißen Sonne ausgesetzt werben, wie bas öfters in guter Absicht geschieht. Die Tiere leiben unter ber prallen Sonne.

Oer Ausreise-Sichtvermerkzwang nur Kontrollmaßnahme.

In einer Besprechung, bie heute im Reichs- minifterium des Innern zwischen den be­teiligten Reichsressorts unb einer Reihe ber größe­ren beutschen ßänber ftattgefunben hat, ist ein­hellig festgestellt worden, daß der Ausreisesichtver­merkzwang für Reichsangehörige lediglich eine in politischer und steuerlicher Hinsicht notwendige Kontrolle des Reiseverkehrs nach dem Auslande bezweckt, aber nicht diesen Ver­kehr selbst unterbinden soll. Eine solche Unterbin­dung des Reiseverkehrs kommt schon im Hinblick auf die mit verschiedenen fremden Staaten ge­schlossenen Reiseoerkehrsab kommen nicht in Betracht, durch die übrigens auch der deutschen Wirtschaft er­hebliche Vorteile, u. a. insbesondere in Form zu­sätzlicher Warenbestellungen, zufließen. Die zustän­digen Behörden werden erneut angewiesen werden, bei der Handhabung der Bestimmungen über den Ausreisesichtvermerkzwang diesen Gesichtspunkten Rechnung zu tragen.

Ausländer im deutschen Reiseverkehr.

Von zuständiger Seite wird mitgeteilt: In letzter Zeit ist mehrfach die Behauptung aufgestellt wor­den, Ausländer könnten auf Grund ihres inter­nationalen Führerscheins zwar den eigenen aus dem Ausland mitgebrachten Wagen führen, aber keine anderen. Dazu ist zu bemerken: Ausländer können auf Grund ihres internationalen Führerscheins jeden ausländischen ober beutschen Wagen in Deutschland führen, ber ^inen inter­nationalen ober einen beutschen Zulassungsschein hat.

Ferner hat eine Berliner Zeitung bie Behaup- tung aufgestellt, jeber Ausländer müsse, um einen beutschen Wagen in Deutschlanb fahren zu bürfen, sich erst auf eine beutsche Fahrschule begeben. Dazu wirb mitgeteilt: Auslänbern, bie einen über ein Jahr alten auslänbischen Führerschein besitzen ober nachweisen, baß sie über ein Jahr im Besitz einer auslänbischen Fahrerlaubnis finb, wird auf Antrag ber beutsche Führerschein erteilt. Der Besuch einer Fahrschule wird ebensowenig verlangt wie bie Ab­legung ber Führerprüfung. Lebiglich Kenntnis ber wichtigsten beutschen Verkehrsvorschriften wirb ge- forbert. Jeber Äuslänber kann also mit seinem Wagen ober mit fremben Autos unbesorgt unb ungehinbert in Deutschland reisen. Es werben ihm keinerlei Schwierigkeiten gemacht, wenn er biefe wenigen Bebingungen erfüllt.

Oie Besichtigung des Liniversitäts-Tierzuchtinstituts.

Neuregelung der BesichligungsmögNchkeil.

Nachbem in ben fast 9 Jahren seit ber Gründung das Universitäts-Tierzuchtinstitut Oberer Harbthof seither jeben Sonntag in der Zeit zwischen 14 unb 16 Uhr zur Besichtigung ohne vorherige Anmelbung freigegeben war es war gerabe zum Wall­fahrtsort für bie nähere Umgebung geworben bars nunmehr angenommen werben, baß es ber größte Kreis ber Interessenten kennt. Aus biesem Grunbe bie Führungen für bie Zukunft in ber an­gegebenen Zeit nichtmehr abgehalten.

Dies bedeutet natürlich nicht, baß überhaupt keine Besichtigungen mehr möglich finb. Interessenten können nach wie vor bie Jnstitutseinrichtungen kennen lernen. Nur bebarf es bazu in Zukunft bei Einzelpersonen sowohl wie bei Vereinen einer rechtzeitigen schriftlichen Anmelbung mit Angabe der Teilnehmerzahl unb gewünschten Besichtigungszeit, die streng eingehalten werden müssen.

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