Ausgabe 
28.6.1933 Frühausgabe
 
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Rr. 148 SeüVauSsabe

185. Jahrgang

Mittwoch, 28. Juni (933

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

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Dr. Friedr Wilh. Lange. Derantworilich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange, für Feuilleton Dr H.Thyr.o»; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den An» zeigenteil i.D.TH.Kümmel fämtlich in (ßießen-

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Pofifdfedfonto;

Sranffurt am Dia in 11686.

RMriffsgesuch des Reichswittschastsministers Hugenberg.

Eine Entscheidung erst heute zu erwarten.

Berlin. 27. Juni. (OB.) Reichswirlschafts- minisler Dr. hugenberg Hal. wie wir erfahren, heule nachmiliag dem Reichspräsidenten fein Rücktrittsgesuch überreicht. Die Entscheidung des Herrn Reichspräsidenten über das Rücktrittsgefuch Dr. hugenbergs ist, wie wir hören, er ft für morgen,u erwarten.

Die wir von zuständiger Seite erfahren, wird Staatssekretär Meißner heute abend zum Vor­trag beim Reichspräsidenten nach Reudeck fahren.

Am Donnerstag wird der Reichspräsident auf feinem Stammsitz den scheidenden britischen Bot­schafter Sir horace Rumbold in Abschieds- audienz empfangen, wenn in den letzten Tagen er­neut Gerüchte über einen schlecht en Gesund- heitszusfand des Reichspräsidenten aufgetaucht find, so dürste die Tatsache, daß der Reichspräsident seineArbeif in keiner weise unterbricht, der beste Beweis für das Gegenteil sein.

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Sn politischen Kreisen der Reichshauptstadt wird betont, daß neben dem Dorgehen gegen die deutschnationalen Rcbenorganisationen und den von dem Parteivorstand der Deutschnationalen Front gefaxten Beschluß, diese Partei auszu- "lösen, in erster Linie das Memorandum Dr. Hugenbergs in London und ferner» hin die Differenzen mit führenden nationalfo ziali st ischen Wirtschafts- Politikern über Grundfragen der deutschen Wirtschaft den Entschluß Dr. Hugenbergs Herbei­geführt hätten. Man weist besonders auf das Zinsproblem hin, das seit Monaten der schärfste Streitpunkt zwischen Dr. Hugenberg und seiner Umgebung einerseits und den national­sozialistischen Wirtschaftspolitikern andererseits gebildet habe.

Echo der presse.

Berlin. 27 Juni. (ERB.) Der Rücktritt des Reichswir.sch,.stsm.n sters und Reichscrnahrungs- Ministers Dr. hugenberg wird ebenso wie die Selbstauslösung der Deutschnationalen Front von der gesamten Presse in größter Aufmachung wiedcrgegeben. Der .,D ö l k- Beo b." sagt Die Führer der DDF- haben mit diesem bedeutungs­vollen Beschluß einer Entwicklung Rechnung ge­tragen, die nicht mehr a u f z u h a l t e n ist und deren Fortgang zum besten des deutschen Bolkes in immer weiteren Kreisen erkannt wird. Die großzügige Auffassung des Führers zeigt aufs neue, daß die nationalsozialistische Be­wegung die Berufung in sich fühlt, den Reuauf- bau des Reiches mit allen Kräften un­seres Volkes in Angriff zu nehmen, die guten Willens sind, sich unter der Führung Adolf Hitlers dem großenGanzen einzuordnen. Einzig und allein das Zen­trum steht noch abseits, um sich in unfruchtbarer Verständnislosigkeit einer Entwicklung zu wider­setzen, die bisher alle Widerstände erfolgreich überwinden konnte und weiter überwinden wird.

DieD A Z." meint, daß diese Entwicklung nicht unerwartet komme. Denn die Ge­dankenwelt des Rationalsozialismus und die Ge­dankenwelt des politischen Gebildes, das die Deutschnationale Volkspartei unter Führung Hu° genbergs geworden sei, beruhten eben doch auf entgegengesetzten Weltanschauungen. Mit Hugen­berg verlasse eine starke und eigenwil­lige Persönlichkeit, ein Mann, der das Prädikatftur" eher als Ehrentitel denn als Kränkung empfunden habe, die wirtschaftlichen Ministerien.

DieDeutsche Zeitung" spricht von einem Ereignis von historischer Bedeutung. Das deutsche Bolt dürfe allen Beteiligten dankbar sein, daß sie diesen Schritt in diesem Augenblick getan hätten. Dies gelte insbesondere für den Reichskanz­ler Adolf Hitler, der wieder ein Zeugnis wahrhaft staatsmännischer Größe ab­gelegt habe. Sein Ausruf dürste richtunggebend dafür fein, in welchem Geist auch die Eingliederung der DNF. in die große staatstragende Bewegung erfolgen werde: In dem Gei st e der gegen»

I fettigen Achtung und der aufrichtigen Freundschaft, wie er für den gemeinsam zu führenden Stampf für Deutschlands Zukunft maß­gebend sein solle.

DieBoss. Z t g." weist auf das Krästeverhält- nis hin, das sich in den letzten Monaten immer mehr zu Gunsten der Nationalsozialisten verschoben habe. Hugenberg habe jetzt die Konsequenzen gezogen. Freiwillig, denn der Reichskanzler habe bis zur letzten Stunde an dem Bündnis vom 30. Januar festgehalten. Wichtiger sei, daß, nachdem der Totalitätsanspruch der Nationalsozialisten oer wirklicht sei, einePolitikderBersöhnung und des ungehemmten Aufbaues be­ginnen könne. Die äußere Revolution nähere sich ihrem Ende. Die innere Revolution, die Revolutionierung des deutschen Menschen, das Rin­gen um neue Lebensformen auf allen Gebieten werde fortschreiten. Aber sei das noch Revolution, sei es nicht schon zugleich die zweite, die fruchtbare Phase der Evolution, für die Hugenberg durch sei­nen freiwilligen Entschluß die Bahn freigemacht zu haben sich rühmen dürfe?

Der .Börsen - C o u r i e r" führt aus, jetzt Mitten sich die parteimäßig auseinanderstrebenden Kräfte und deutschnationalen Führer aus den richtigen Weg z u r ü ck g e f u n d c n. Selbst­verständlich bedeute das neue Bündnis die ab­solute Unterordnung der neuen Hospitanten der bisherigen DR F unter die Führerschaft Adolf Hit­lers. Seit dem Abend des 27. Juni sei aus der nationalen Deichstagsmehrheit die nationalsozia­listische Einheitsfront des politischen deut­schen Lebens geworden^

DasB. T." meint, im Zusammenhang mit den 'N der vergangenen Woche erfolgten Maßnahmen gegen einzelne deutschnationale Organisationen werde dieser Schritt des Ministers Hugenberg als das Signal für das Ende der alten Parteien überhaupt betrachtet Auch in i Zentrumskreisen dürfte man sich über diese Bedeutung des Vorganges klar sein. Gestern waren auch führende Zentrumspolitiker zu einer Aussprache über die für alle Parteien gleichmäßig ernste Lage I versammelt.

Selbstauslösung her Jeutschnalivnalen Front.

Aach Abschluß eines Freunbschaftsabfommens mit der NSDAP.

Berlin, 27. Juni. (TU.) Die Reichspresfestelle der RSDAP. teilt mit:In'vollem Einvernehmen mit dem Reichskanzler und in Erkenntnis'der Tat­sache, daß der Parteien st aat überwun­den ist, hat die Deutschnationale Front heute ihre Auslösung beschlössen. Sie wird bei den nötigen Maßnahmen für Abwick­lung nicht behindert werden.

Die ehemaligen Angehörigen der Deutschnationalen Front werden vom Reichskanzler als volle und gleichberechtigte Mitkämpfer des na­tionalen Deutschlands anerkannt und vor jeder Kränkung und Zurücksetzung geschützt, das gilt insbesondere für alle Beamte und An- g e ft e I H e n. Die wegen politischer vergehen i n hast befindlichen ehemaligen Mitglieder der Deutschnationalen Front werden unverzüglich

in Freiheit gesetzt und unterliegen keinerlei nach­träglicher Verfolgung.

Die Fraktionen des Reichstages und der Landtage der RSDAP. und der bisherigen Deutschnationalen Front sichern eine einheitliche Stellungnahme durch Abordnung von einem oder mehreren Mitgliedern der ehemaligen Deutsch­nationalen Front in die Vorstände der Fraktionen der RSDAP. (Reichstag und Preußischer Landtag je zwei). Sinngemäß wird in den gemeind­lichen Selbstoerwaltungskörpern ver­fahren.

vorstehendes ist vom Herrn Reichskanz­ler unterzeichnet, sowie von den Herren v. Winterfeld, Freiherrn v. Freytagh- Loringhoven und Dr. poensgen als Ver­treter der vormaligen Deutschnationalen Front."

Adolf Hitler begrüßt den Stahlhelm im neuen Bund mit SA. und SS.

Ein Ausruf des Führers.

Berlin, 27. Juni. (TU.) Reichskanzler Adolf Hitler erläßt folgenden Aufruf:

Nationalsozialisten!

SA.- u. SS.-Männer! Männer des Jungstahlhelm!

Ein seit 14 Jahren unentwegt verfolgtes Ziel ist nunmehr erreicht worden. Mit der Unterstellung des Jung^tahlhelms unter meinen Befehl als ober­ster SA.-Führer, sowie der Eingliederung des Bun­des Scharnhorst in die Hitlerjugend ist die Eini­gung der politischen Kampsbewegung der deutschere Nation vollzogen und beendet. SA., SS., ST. und HI. werden nun­mehr für alle Zukunft die einzige Organisation sein, die der nationalsozialistische Staat als Träger der politischen Jugend- und Männererziehung kennt.

Es war verständlich, wenn in den Jahren nach der Revolution an den verschieden st en Stellen unseres deutschen Vaterlandes der Wi­derstand gegen die Novemberverbrecher und ihr un­heilvolles Regiment versucht wurde. Unabhängig voneinander, ohne sich gegenseitig überhaupt zu kennen, standen Männer auf, und organisierten Parteien und Verbände, zum Kamps gegen den marxistischen Staat. Sie alle haben ohne Zweifel das Beste gewollt.

Allein, wenn Deutschland gerettet werden sollte, dann konnte das nur durch eine Bewegung und nicht durch 30 geschehen. Die Zukunft unseres Volkes hängt nicht davon ab, wie viele Verbände für diese Zukunft eintraten, sondern davon, ob es gelingt, das Wollen der Vielen einem einzigen Ziel unterzuordnen und da­mit in einer Bewegung schaqfähig zusammenzu­fassen. So, wie die deutsche Reichswehr einst ge- Aioungen war, trotz aller Verdienste der einzelnen Freikorps diese zu beseitigen, um dem deutschen Volk wieder eine einzige Armee zu geben, so war die nationalsozialistische Bewegung nicht minder ge­zwungen, ohne Rücksicht auf Verdienst oder Nicht­verdienst, die zahllosen Bünde, Vereine oder Ver­bände zu beseitigen, um dem deutschen Volke endlich eine einheitliche Organisation seines politischen Willens auszubauen.

Zahlreiche beste Deutsche haben diese Aufgabe nicht verstanden und viele andere wollten sie nicht begreifen. Heute ist der Sinn und damit die Not­wendigkeit dieses ungeheuren Kampfes für jeden klar, der unser Volk liebt und an seine Zukunft glaubt. So mußten wir in den zurückliegenden Jahren zahlreiche Verbände einfach aus diesen Er­wägungen heraus zerschlagen, und so werden wir auch das Entstehen jedes neuen Ver­bandes, der wieder nur die alte Zersplitterung fortsetzen würde, verhindern.

Die Unabänderlichkeit dieses Entschlusses (egt aber bie Pflicht auf, gerecht 3U fein. Wir wollen daher als Deutsche und Nationalsozialisten ehrlich den Unterschied anerkennen, der zwischen an­deren Verbänden und dem Stahlhelm bestand. Wir wollen zugeben, daß sich in diesen als dem Lunde der deutschen Frontsoldaten Hunderttausende deutsche Männer zusammenfanden, die damit d e m System entzogen wurden. In der Stunde der Wende des deutschen Schicksals aber bekannte sich der 1. Bundesführer zur nationalsozialistischen Revo­lution. Nunmehr hat dieser auch die letzte Kon­sequenz aus der geschichtlichen Entwicklung ge­zogen und verfügt, daß, abgesehen von Traditions­verbänden der alten Frontsoldaten, der gesamte junge Stahlhelm in die SA., der Scharnhorstbund in die Hitlerjugend eingeliebert und mit unterstellt werden.

Meine SA.-Führer und SA.-Kameraden! Die­ser Entschluß wird einst in der deutschen Ge­schichte als sehr seltener Beweis für ein wirklich großherziges nationa­le ö Denken gewertet werden. Was sonst viel­leicht nach jahrelangen Ortungen ober langen Kämpfen, die wiederum deutsche Kraft verbraucht hätten, gelungen wäre, ist durch die einsichtsvolle Tat eines Mannes, der seit dem 30. Januar 1933 in treuer Verbundenheit neben mir im Kabinett sitzt, entschieden worden. Der weitere Beseht daß der Traditionsverband der alten Frontkämpfer künftig feine andere Parteizuge­hörigkeit mehr anerkennen würde, als die zur nationalsozialistischen Bewegung gibt mir endlich die Möglichkeit, das Verbot der Mit­gliedschaft unsererseits aufzuheben.

Angesichts dieser großen Entwicklung drängt es mich, zuerst euch meinen alten Kampfkameraden der Partei, der SA. und der SS. aus übervollem Herzen zu danken für die grenzenlose Treue, die ihr mir in guten und schlimmen Tagen so viele Jahre hindurch gehalten habt euerer Standhafktigkeit ist dies mit in erster Linie zuzuschreiben. Ihr seid einst die fanatischen Kämpfer gewesen gegen das alte System und ihr seid heute die unerschütterliche Garde der nationalsozialistischen Revolution.

Zum Zweiten aber will ich nunmehr auch Jenen danken, die aus freiem Willen den sicherlich nicht leichten Entschluß das Verzichts auf ihre stolze Selbständigkeit im Interesse der höhe­ren Gemeinschaft ausgesprochen haben. Ich be­grüße damit zum ersten Male die nunmehr in unseren Reihen Mitmarschierenden des Jungstahl­helm. Ich befehle daher auch vom brütigen Tage an, sämtlichen Führern, SA.» und SS.-Männern,

die in unsere Gemeinschaft eingetretenen Männer des Stahlhelm als Kameraden auszu­nehmen und damit einzufchließen in den ewigen Bund, der uns umfaßt und nie gebrochen werden soll. Was immer auch die Vergangenheit an Er­innerungen birgt, für mich und für euch gilt n u r die große Zukunft, der wir uns verpsl.ch- tet haben. Wenn es uns gelang, im Laufe vieler Jahre Millionen ehemaliger Marr ist en zu be­kehren, zu uns zu führen und in unsere Reihen aufzunehmen, dann muß und wird es uns erst recht möglich fein, nationale Männer, d e aus einem anderen Lager kommen, um uns b:c Hand zum Bunde zu reichen, als Freunde und Kameraden aufzunehmen. Ich ec- warte daher von jedem Rationalfozialisten. daß er die Größe dieser historischen Entwicklung er­kennt und durch sein eigenes Verhal­ten mithilft, die neu Hinzugekommenen in kürzester Zeit aufs innigste mit uns zu verschmelzen.

SA., SS.- und ST.-Männer, unsere herrliche nationalsozialistische Bewegung und unser dem- sches Volk Sieg-Heil!

München, den 26. Juni 1933.

Adolf Hitler.

Gegen die Miesmacher.

Ein Erlast

des preußischen N^nistcrpräsidenten.

Berlin, 27. Juni. (ENB.) Amtlich. Der preußische Ministerpräsident und Minister des In­nern Göring hat an die Nachgeordneten Behör­den seines Amtsbereiches folgenden R nnii> erlaß gerichtet:

»Es ist in letzter Zeit verschiedentlich beobachtet worden, daß Beamte, Angestellte »nd Arbeiter in der Unterhaltung mit anderen P-r Ionen Aeußelungen bekunden, die geeig­net sind, Unzufriedenheit über die von her nationalen Regierung getroffenen Maßnahmen zu erzeugen und Mißtrauen zu säen. Es handelt sick' nm Personen, die man mit dem Ausdruck M i e s- madjer" fressend kennzeichnen kann. Ich bitte, sämtliche Beamten, Angestellten und Arbeiter daraus hinzuweisen, daß künftig in solchen Methoden eine Fortsetzung ber marxistischen H eße erblickt wird und Miesmacher daher als ver­kappte Marxisten angesehen werden, die sich auf diese Weise noch immer in marxistischem Sinne betätigen. Ich bitte ferner sämtliche Beamte, Angestellte und Arbeiter, denen Personaldienst-Aus- sichtspslichten obliegen, aus solche Fälle zu achten und mir die betreffenden Personen unoer Züglich namhaft zu machen. Ein Unterlagen dieser Anzeigen werde ich als eine betonte So­lidaritätserklärung mit diesen Wuh- lern und Hetzern erblicken.

Straßensammlungen werden verboten

Berlin, 27. Juni. (CRB.) Das Reichsmini­sterium des Innern gibt folgendes bekannt:3n ber letzten Zeit haben bic Straßensamm­lungen. deren Ertrag zu politischen Zwecken oder zur Verwendung durch politische Organisationen bestimmt ist, vielfach zu Anzuträglichkeiten geführt, gegen die mir ein Einschrei ten im Inter­esse der öffentlichen Sicherheit und Ordnung not­wendig und wünschenswert ersch int. Ich tzestatte mir daher die Anregung, derartige Sammlungen von Haus zu Haus, auf Straßen oder Plätzen, in Gast« oder Vergnügungsstätten oder anderen öffentlichen Orten allgemein zu verbieten.

Der bayrische Wirtschaftsminifter zurückgetreien.

München, 27. Juni. (ENB.) Der bayrische Wirtschaftsminister Graf von Quadt-Jsny hat sein Rücktrittsgesuch eingereicht. Der Reichsstatthalter genehmigte auf Vorschlag des Ministerpräsidenten den Rücktritt. In seinem Rück- trittsschreiben erklärt Graf von Ouadt Jsny, der der BVP. an gehört, u. a daß die Gründe, die >hn zu seinem Entschluß bestimmt haben, außerhalb seiner Person und außer­halb seiner Tätigkeit als Staats- m i n i st e r lägen, vielmehr einzig und allein in der Belastung der Beziehungen zwischen den staatlichen stellen und den politischen Kreisen zu suchen leien, aus denen er, der Minister, gekommen sei. Minisler- prädent S i e b e r l hat ihm Dank und Anerkennung für seine loyale Mitarbeit ausgesprochen und ihm die besten Wünsche für sein weiteres Wohlergehen zum Ausdruck gebracht. Die Führung des Wirt- fchaftsministeriums übernimmt bis auf weiteres der Ministerpräsident.

Die französische Presse zum Rücktritt Huaenberas.

Paris, 28. Juni. (WTB.-Funkfpruch.) Die ge- samte Preße beurteilt bis jetzt nur in Ueberschriiten die Rücktrittserklärung Dr. Hugenbergs als dem Sieg der Nationalsozialisten über die Nationalisten, der die Auflösung der alten deutschen konservativcn Partei zur Folge habe. Der Berliner Korrespondent des ..Petit P a r i s i e n" schreibt, die national- sozialistische Regierung sei jetzt von jedem rück­ständigen Einfluß bei der Durchführung des sozialistischen Teiles ihres Programmes befreit. Der Berliner Korrespondent desI o u r n a I" meint u. a., der Rücktritt Hugenbergs und der Tod seiner Partei würden notwendigerweise die Oppo­sitionsströmung stärken. Nichtsdestoweniger sei nicht xu bestreiten, daß die Hitler-Anhänger genügend Reserven hätten, um dem Lande ihre Energie aufzuzwingen.