Ausgabe 
28.4.1933 Frühausgabe
 
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Die Zesltnbüne auf dem Temvelboker Feld.

Der Ausbau der gewaltigen Tribüne, aus der die Reichsregierung, die Spitzen der Behörden, die geladenen 80 Arbeiteroertreter aus allen Teilen des Reichs und 13 000 Zuschauer Platz nehmen werden.

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GnindlegendeLrkläwngenimGießenerSladtrat.

3n der gestrigen feierlichen Eröffnungssitzung des neuen Gießener Stadtrats tour­ten wie in unserem gestrigen Bericht schon bemerkt von zwei Rednern des Stadtrates grundlegende Ausführungen zur Reuorien- tierung der Gieße n er Kommunal­politik gemacht.

Gtadtratsmitglied Hahn gab nach der Rede des Oberbürgermeisters Dr. Keller folgende ErklärungderNS. - Frak­tion ab:

Im Warnen meiner Fraktion danke ich Ihnen, Herr Oberbürgermeister, für die herzlichen Will- kommengrütze. Seien Sie versichert, daß wir, wie wir bereits durch Handschlag seierlichst gelobten, bemüht und bestrebt sein werden, jederzeit und in jeder Lage für unser geliebtes Gießen zu wirken und zu arbeiten.

Unser Hauptgebiet wird jetzt die Arbeit in den Ausschüssen sein. Vie parlamentarische Tätigkeit mit ihrem ewigen Kuhhandel und ihren un­fruchtbaren Rededuellen wird uns erspart blei­ben, denn wir besitzen die Mehrheit und können uns damit durchsetzen, wir werden und wollen daher in Zukunft gern die Verantwortung allein übernehmen und trogen.

Wir sind in der glücklichen Lage, bei unserer Stadt Gießen im großen und ganzen geordnete finanzielle Verhältnisse vorzusindc». Aber trotzdem müssen wir daraus hinarbeiten, die personellen und Sachausgaben weiter einzuschronken. Wir werden jedoch dabei bestrebt lein, Härten zu vermeiden

Der bei den Kommunen ausgeblähte Berwaltungs- apparat erforderte die Erhebung zu hoher Steuern Dies gereichte unserer Wirtschaft zu großem Schaden. Sie kann nur dann wieder auf­leben, wenn sie von der erdrückenden Steuerlast befreit wird Denn die durch über- mäßige Steuern von dem Marxismus angestrebte kalte Sozialisierung endete mit der kata­strophalen Arbeitslosigkeit, deren Beseitigung er uns überließ.

Unsere oberste Aufgabe wird es sein, die Aus­gaben zu den Einnahmen in das richtige Ver­hältnis zu bringen, genau so wie dies in jedem geordneten kaufmännischen Betrieb der Fall ist.

Wenn nach diesen Grundsätzen in dem Staat und den Kommunen in den Jahren nach dem Krieg gehandelt worden wäre, so wäre unser Vaterland nicht an den Rand des Clbgrunte ge­bracht worden. Wenn noch ein halbes Jahr in dieser unverantwortlichen Weise gewirtschaftet worden wäre, dann hätten wir einen zweiten Zu­sammenbruch Deutschlands erlebt, der sich nicht nur in finanzieller, sondern auch in politischer Hinsicht ausgewirtt hätte. Der Kommunismus mit all seinen Schrecken wäre uns sicher gewesen, und ob wir ihn dann je überwunden hätten, möchte ich bezweifeln. Daß der Arbeiter. Bauer und Bürger davon verschont blieb, ist das Werk eines unbekannten Soldaten, des großen Kanzlers, der trotz schier unüber­windlicher Hindernisse den Marxismus und Kom­munismus säst restlos niedergezwungen hat. Was heute noch von ihnen übrig ist. ist ein verschwin­dend geringer Teil, dem zur Heilung seiner po­litischen Gesinnung ein Kuraufenthalt in Ruß­land zu empfehlen ist.

Aber nicht nur die Vernichtung des Marxis­mus und Kommunismus erreichte Hitler, son­dern er brachte diesen üblen Mischmasch von nahezu 20 Parteien zum Verschwinden, den das sogenannte nationale Spießbürgertum fabriziert hatte. Diese Bierbankpolitiker, die ihr Vater­land für 30 Silberlinge verkaufen und deren Hantelns einzige Triebfeder ihr grenzenloser Egoismus ist. Ich denke dabei an diese armseligen Parteigebilde der Hausbesitzer. Mieter, Sparer­partei, und an die Wirtschaftspartei, an die Partei der Gärtner und Weinbauer, und wie sie alle heißen. Es fehlte nur noch, daß sich die Bäcker, Metzger Beamten und Schornsteinseger zu Parteien zusammengeschlossen hätten. Es ist klar, daß in einem Parlament, in dem jeder nur für sich möglichst viel herausschlagen teil!, keine Aufbauarbeit geleistet werden kann.

Darin unterscheiden wir Rationalsozialisten uns von den anderen Parteien, daß wir keine ein­seitigen Interessen vertreten.

wir erkennen das Privateigentum und den persönlichen Antcrnehmergeist an, wir verlangen aber auch vom Unternehmer, daß er sozial ist.

Der Marxismus konnte nicht zuletzt dadurch so hochkommen, daß weite Kreise des älnternehmer- tums die ureigensten Interessen der Arbeiter mit Füßen traten. Der Unternehmer regte sich oft darüber auf, daß der Arbeiter in die internatio­

nal eingestellten Gewerkschaften ging. Dabei han­telte er weit verbrecherischer, wenn er sich zu Trusts und Konzernen zusammenschloß. Denn der Unternehmer war sich immer bewußt, daß er da­mit Verrat an ter deutschen Sache beging, wenn er feii^ Werk in eine internationale Kapitalver- einigung überführte, während der Arbeiter oft nicht wußte, was er tat, wenn er einer Gewerk­schaft beitrat.

Wir vertreten, wie ich schon ausführte, keine einseitigen Interessen, sondern nur e i n Interesse und das ist das der deutschen Allgemeinheit Wer werden uns in all un­serem Tun und Handeln nur von unserem ober­sten Grundsatz leiten lassen:

Gemeinnutz gehl vor Eigennutz!"

Der wahre Rationalsozialist muß als Arbeiter die Interessen des Unternehmers und als Unterneh­mer die Interessen des Arbeiters, als Beamter die Interessen des Kaufmanns und als Kaufmann die des Beamten wahrnehmen können. Das ist eine Selbstverständlichkeit, wenn er sich darüber klar ist, daß es auf die Dauer dem einen nicht gut gehen kann, wenn der an­der e R o t leitet. Beispiele dafür brauche ich nicht anzuführen. Die Jahre, die hinter uns lie­gen. mögen uns für alle Zeiten eine Lehre sein.

Wenn wir uns bei unserer Tätigkeit den Ge­rechtigkeitssinn und die Objektivität wahren, wird es uns ein leichtes fein, zu verwalten. Denn das ganze Aolk steht hinter uns. Die Gleich­schaltung, die letzt in den Parlamenten oorgenom- men worden ist, gibt die politische Gesinnung des Volkes feit der kurzen Tätigkeit der nationalen Re­gierung gar nicht wieder Das Volk in der weitaus größten Mehrzahl denkt schon rassen- und bluts­mäßig und hat politisch nur noch eine Meinung

Der deutsche Querkopf, dieses Erdübel, an dem wir seit Jahrtausenden krankten und von dem schon Tacitus berichtete, indem er ausführte,es ist ein wahres Glück, daß sie immer untereinander hadern", beginnt zu verschwinden Der ewige Zwist unterein­ander hat aufaehört. Die deutsche Geschichte ist ein einziger deutscher Bürgerkrieg, er beginnt mit den Kämpfen der Germanen zur Zeit der Völkerwande­rung, der den Höhepunkt erreicht während des Dreißigjährigen Krieges, der 1813 die deutschen Bundesstaaten auf Seiten Napoleons kämpfen läßt und der uns in der Nachkriegszeit den Kampf aller gegen alle bescherte

Diese Zwietracht ist saft restlos beseitigt, und soweit sie es noch nicht ist, wird sie es noch allein durch den Rationalsozialismus und nur durch ihn.

Alle, die sich heute noch Volksvertreter eines an­deren Deutschlands wie des nationalsozialistischen nennen, sind es in Wirklichkeit nicht mehr. Sie werden es gewiß werden an dem kommenden Tag, dem l.Mai, dem Tag der Verbrüderung des Kopf - und Handarbeiters. Es wird ein Tag werden, wie ihn Deutschland noch nicht ge­sehen hat.

Diese wahre Volksgemeinschaft ist er­reicht worden durch den eisernen Willen, den unerschütterlichen Glauben und die grenzenlose Uneigennützigkeit un­seres Führers. Die Eigenschaften mögen uns Leitstern bei unserer Tätigkeit sein, dann wird sie zum Wohle unserer Heimatstadt ausschlagen.

Giadtratsmttglied Zimmer

erklärte in seiner Ansprache u. a.: Deutsch­land, nichts a l s Deutschland ist unser Wahlspruch. Deutschland nicht nur als Forde­rung, sondern als selbstverständl.chc Ver­pflichtung. Wir hanteln hier im Sinne des großen Deutschen, des Führers der deutschen Armeen im Weltkrieg, Generalfeldmarschalls von Hindenburg: das ganze Deutschland soll cs sein. Das ganze Deutschland ist berufen, mitzuarbeiten an dem Aufbau und Umbau un­seres Reiches. Wir handeln aber auch nach dem Bekenntnis im Deutschland-Lied: Einigkeit und Recht und Freiheit.

Einigkeil der Ration im Innern und nach außen, Recht als Grundlage des Staates und Freiheit des einzelnen, des Geistes und Freiheit der gesamten Ration nach außen.

Diese sollen und müssen die Grundlagen des Aufbaues sein, denn sie sind das Unter­pfand des Glückes. Wenn wir in diesem Sinne an die Arbeit gehen, grüßen wir die Führer des deutschen Volkes, den Reichspräsiden­ten, die Reichsregierung und die Re­gierung des Hessenlandes, das wir so sehr lieben.

Wir versprechen und geloben, zum Wohle und zum Besten der Stadt Gießen, seiner Wirtschaft und seiner Bevölkerung mitzuarbeiten. Unser Wunsch und Wille ist es auch, von hier aus

für unser Hesscnland und für unser Deutsches Reich mitzuarbeiten. Dir geloben, im Sinne unserer Wählerschaft unsere Pflicht im Stadtrat zu tun.

In dieser Stunde richten wir unseren Dank an Sie, Herr Oberbürgermeister. Sic haben weit ausschaucnd und klug bedacht die Interessen ter Stadt Gießen, seiner Wirtschaft und seiner Be­völkerung gewahrt, neben Ihnen aber auch die Beamtenschaft.

Dir erkennen das an, und wir wissen zu wür­digen, was es bedeutet, wenn unsere Stabt nach der Entwicklung in den verflossenen Jahren heute immer noch einigermaßen gut und wenn ihre Verwaltung vor allem sauber dasteht.

Dafür sagen wir Ihnen, Herr Oberbürgermeister, und der städtischen Beamtenschaft unseren Dank.

Wir werden immer eintreten für die Selbst­verwaltung. die dem deutschen Volke vor über 100 Jahren gewährt wurde. Wir bedauern an sich, daß wir heute ohne Wahl hier zusammen­kommen. Wir hätten uns gern zur Wahl gestellt. Dennoch erklären wir: An der Selbstverwaltung der Städte kann und darf man nicht Vorbei­gehen, denn sie ist die Grundlage unserer deut­schen Gemeinden. Für uns gilt immer ter Grund­satz:

hingebungsvoller Dienst am Gemeinwesen jum Dohle der Gesamtheit der Stadt Gießen, des Hessenlandes und des deutschen Vaterlandes.

Heil dem deutschen Vaterland! Heil dem lieben Hessenland! Hell der Stadt Dießen!

Die größten Kanonenjchtäge, die je hergcstellt wurden, werden vorbereitet.

Sprcäzitundcn vcr Redaktion.

11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bl» 17 Uhr Samstag nachmittag geschloßen.

Dir größte Seeschlacht der Weltgeschichte.

Oie Schlacht von Skagen und Hornsriff.

Nach Teilnehmerßerichten zusammengesiellt von Walter Falkenau.

Da im Maiende sich der Tag der Schlacht am Skagerrak wieder jährt, wird es unsere Lejer in einer Zeit, die sich die ehrfürchtige Erinnerung an die Großtaten aus der deut­schen Vergangenheit zur vornehmsten Pflicht gemacht hat, besonders interessieren, hier in einer ausführlichen Uebersicht den größten Tag der deutschen Flotte, den Tag von Stagen und Hornsriff vom 31. Mai 1916 nacherleben zu können.

Die Schlacht zwischen der deutschen und der eng­lischen Flotte, die an dem nebligen 31. Mai 1916 bei Hornsriff und Stagen tobte, ist die bis dahin größte Seeschlacht aller Zeiten gewesen, war die langersehnte Begegnung zwischen den beiden tampfbereiteften Flotten der Welt.

Unmittelbar vor Kriegsausbruch hatte während einer Mittelmeerfahrt ein englischer Admiral zu einem deutschen gesagt:The only two white na- tions, who can fight to sea. (Die einzigen beiden weißen Nationen, die zur See tämpfen können.) Er hatte das gesagt im Hinblick auf England und Deutschland. Dieser damals gehörte Ausspruch des hohen englischen Marineoffiziers hat dann am 31. Mai 1916 feine große Bestätigung gefunden. Mit besonderer Genugtuung konnten wir Deutschen sest- stellen daß auch die Presse Englands, in diesem Falle vornehmlich dieTimes" vom 26. Mai 1932 in ihrem Nachruf für Admiral von Hipper die große Leistung unserer deutschen Flotte in der Schlacht am Skagerrak vollkommen anerkennt. Es heißt dort:

Am 31 Mai 1916 fand die große Kraftprobe statt, die unserem Wohlbehagen einen schweren Schlag versetzte. In der Mitte des Nachmittags kam Hipper, der vor dem Gros der deutschen Schlachtflotte her- dampste, mit Deattys Schlachtkreuzer ins Gefecht. Wir hatten eine ungeheure Ueterlegenheit an Schiffen und Kanonen; doch dies nutzte uns nichts gegen die furchtbare Leistungsfähigkeit von Hip- pcrs Geschwader. Seine Geschützführer sanden schnell ihr Ziel und hielten es fest. DieQueen Mary" und dieIndefatigable" wurden inner­halb einer Stunde vernichtet, und Bcatty zog sich mit seiner praktisch geschlagenen Macht auf die .Grand Fleet zurück. Der Erfolg war ohne Vorgang in der britischen Seekriegs­geschichte."

Auch die übrigen Pressestimmen aus den da­mals feindlichen Ländern geben den großen Erfolg der deutschen Klotte frei­mütig zu.

3m Rachstehenden nun wollen wir versuchen, von verschiedenen Seiten aus sowohl in die Vor­bereitungen zu dieser größten Seeschlacht aller Zeiten als auch in das gigantische Ringen wäh­rend des Kampfes selbst hineinzublicken.

Bei den Ü-Booien vor der Schlacht.

Nur wenig ist bekannt, daß das Zusammentreffen ter englischen und der deutschen Schlachtflotte am Skagerrak kein zufälliges, sondern ein w o h l vor­bereitetes gewesen ist Am' 16. Mai schon wur­den alle Boote einer U-Boot-Flotille mit dem viel­sagenden Befehl hinausgeschickt, von der englischen Küste an bis hinüber zum norwegischen Felsen- gestein eine Aufklärungslinie auszulegen. Jedes Boot erhielt feinen bestimmten Abschnitt, von dem aus es alle gesichteten Bewegungen der britischen Seestreitkräste umgehend drahtlos der obersten Flottenleitung zu melden hatte. Der Befehl enthielt die Anweisung, nur nachts aufzutoucheu und eine Woche lang in diesem Abschnitt beobachtend zu ver­harren. Man suchte dadurch in Erfahrung zu brin­gen, ob in der östlichen Nordsee feindliche Schiffe kreuzten, die bei dem damals schon geplanten Aus­laufen der gesamten deutschen Hochseeflotte den Un­ternehmungen unverhofft schädlich werden könnten. Allen Kommandanten der U-Boote waren ver­siegelte Befehle mitgegeben, die sie erst am 31 Mai morgens öffnen durften. In diesen Be­fehlen dann waren die U-Boote angewiesen, sofort die englische Ostküste an,zu steuern, sich dort vor den Eingang einer Bucht oder Flußmün­dung zu legen und auslaufende englische Schiffe sofort unter Torpedofeuer zu nehmen. So lagen da­mals fünf deutsche U-Boote auf unsichtbarer Wacht vor dem englischen Kriegshasen Edinburgh, die Aus­fahrt von Scapa-Flow wurde von sechs deutschen Unterseebooten behütet, von Humber bis zur Themse hinunter waren es im ganzen vierzig U-Boote, die an Englands Ostküste zum Schutze Deutschlands auf Wacht lagen, die eine Sperre um Englands Küste nordfeezu herum gelegt hatten. 'Aller Voraussicht nach muhte dieser starke Einsatz deutscher Untersee­boote an der englischen Ostküste im Moment des Auslaufens der englischen Hochseeflotte ungeheuer gefährlich werden. Man rechnete im deutschen Flot­

tenkommando damit, daß diese U-Boole allein eine überzeugende Vorentscheidung herbeisühren würden.

Durch die eifrige Tätigtest der englischen Zci - ftörer, die die ganze Küste fieberhaft nach den beul scheu Unterseebooten absuchten, konnten diese auch nachts nur für wenige Stunden auftauchen, um die Batterien wieder auszuladen, um die stickige Lust, also denMief", aus dem Boot herauszulasscn. Schnell wurden die Masten aufgerichtet und das Chiffretelegramm an die Flottcnleitung gefunkt: Im Westen nichts Neues "

Nachdem diese Unterseeboote an der englischen Ostküste ihre furchtbare Sperrmauer aufgeridjtct hatten, lag es nun an der deutschen Flottenleitung, die englische Hochseeflotte aus ihren Schlupfwinkeln herauszulocken, sie bei der Ausfahrt durch den gut vorbereiteten Angriff der II Boote bereits erheblich zu schwächen und zu beunruhigen, um ihr bann unverhofft auf der Hohe der Nordsee mit der gesamten deutschen Flottenmacht im ent­scheidenden Kampfe zu begegnen.

Am Abend des 30. Mai 1916 erging au alle Un­terseeboote, die vor der englischen Osttüste lagen, der Funkspruch der o b e r ff e n deutschen Flottenleitung:

Rechnen mit Auslaufen feindlicher Streltkröste am 31. morgens."

Es war bekannt, daß die feindlichen Abhvr- ftationen die deutschen Funksprüche abfingen. Es war aber auch bekannt, daß es den Feindest oftmals gelungen war, die chiffrierten Funkjprüche auch zu entziffern, weil der Funkschlüffel der deutschen Ma­rine, wie Sir George Aston, ein leitendes Mit­glied des englischen Marine-Spionagedienstes im Weltkriege, später mitteilte, zweimal in die Hände der Entente gefallen fei. Einmal wollen ihn die Russen aus dem Wrack des deutschen Kreuzers Magdeburg" geborgen haben, zum anderen Riale soll es nach der Mitteilung Astons einem eng­lischen Taucher gelungen sein, in ein gesunkenes deutsches Unterseeboot einzudringen, das an einer seichten Meeresstelle lag. Der Taucher hat dort an­geblich in der Rocktasche des gefallenen U Boot Kom­mandanten den deutschen Funkschlüssel gefunden.

Wenn auch der deutsche Funkschlüssel nun in ge­wissen Zeitabständen immer wieder abgeändert wurde, so war mit erhöhter Wahrscheinlichkeit doch damit zu rechnen, daß der ausgezeichnete englische Spionagedienst auch im Besitze des Schlüstels fein konnte, der in der Zeit während der '.Borbereitungen- zur Skagerrak-Schlacht im Gebrauch war. Die deutsche Funkstation in Neumünster fing am 30. Mai 1916 die Funksprüche einiger englischer Minensucher auf, die van Scapa Flow aus ip die Nordsee eindrangen. Und deutsche Unterseeboote, die nahe des Firth of Forth lagen, meldeten das Aus­laufen eines kleinen Teils der englischen Flotte. Darum beschloß Admiral Scheer, der Komman­deur der deutschen Flottenstreitkräfte, einen Vor­stoß in d i e Nordsee zu wagen, um den ge­meldeten Engländern zu begegnen. Hierbei nun setzte bas geglückte Täuschungsmanöver gegen ben eng­lischen Funkspionagebienst ein, bunt) bas es bann tags barauf gelang, bie englische Flotte zu über raschen. Die englische Abhörstcstion war mit so emp- finblichen Apparaten versehen, baß sie sogar die mit schwächsten Energien zwischen Wilhelmshaven und ter Jade im Jodebusen lag dos Flaggschiff Admiral Scheers gewechselten Funksprüche der deutschen Flottenkommandos abhören konnte. Das war den Deutschen bekannt. So wurde auch am 30. Mai von dieser englischen Station ein Operationsbefehl Ad­miral Scheers an die Schiffe der leichten Kreuzer flottille, die unter Befehl Admirals von Hipper stand, oufgefangen und wie Sir Aston später zugab auch entziffert. Aus Grund dieses abge­hörten Operationsbefehls erhielten die Kommandan­ten der englischen Schlachtslotte Jellicoe und Becstti) den Befehl zum Auslaufen. Admiral Scheer jedoch teste damit gerechnet, daß feine Funksprüche vom Stinte abgehört und entziffert werden würden. Er ließ daher von der Funkstation Wilhelmshaven einen anderen, völlig veränderten Befehl aussenden. Die­ser richtige, also gültige Befehl wurde von ben Eng. länbcrn darum als Täuschung empfunden und nicht beachtet, weil sie annahmen, daß die maßgebenden Befehle Scheers von seinem Flaggschiff, also vom Jade-Busen aus, gesandt würden. Dieser zweite, vom Feinde unbeachtete Befehl enthielt die A n - Weisung zum Auslaufen der qefamten deutschen Hochseeflotte. So war die Täuschung der Engländer vollkommen geglückt. Niemand unter der gesamten englischen Admiralität war daraus ge­faßt, daß Admiral Scheer hinter den Kreuzern unter 'Admiral Hippermit der gesamten deutschen Hochseeflotte in See gestochen war. Die Engländer glaubten, es nur mit der Kreuzerflottille Hippcrs und einigen begleitenden Torpedobooten zu tun zu haben, als sie in der Frühe des 31. Mot bei dich, teftem Nebel in die Nordsee ausliefen.

(Fortsetzung folgt.)