Ausgabe 
28.4.1933 Erstes Blatt
 
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1. Deutschland darf während der näch­sten 10 Jahre seine Rüstungen nicht über das Versailler Niveau hinaus erhöhen:

2. während dieser zehn Jahre soll die Ständige Abrüstungskommission die st ungen in allen Ländern sorg fällig und ständig über­wachen. Der Korrespondent fügt hinzu, der Haupt­grund für die Vertagung der allgemeinen Ab- rüstungskommijsion sei der Wunsch der Franzosen und Amerikaner gewesen, die anderen Regierungen bezüglich ihrer Haltung gegenüber diesen neuen Plänen zu sondieren.

An dieser Meldung ist alles unklar bis auf das Bestreben Frankreichs, den Grundsatz der Gleichberechtigung Deutschlands in herausfordernder Weise zu ignorie­ren. Der versuch, denguten Willen" Frankreichs mit Vorschlägen zu beweisen, ist für Deutsch­land undiskutabel und scheint nach den an­deren aus Washington heute vorliegenden Rachrich­ten auch dort keinen Erfolg gehabt zu haben.

Kunst und Wissenschaft.

Rooellen von Adam korillon.

WER. D a r m st a d t, 27. April. Die S t a a t s- presse stelle teilt mit:

Zum 12. Mai dem Tag, an dem der große hessische Heimatdichter Adam Karrillon 80 Jahre alt wird, erscheinen zwei Novellen von ihm, die nicht für den Handel bestimmt sind.

1.Cs waren mal drei Gesellen." Heraus- gegeben in Verbindung mit der Gesellschaft Hes­sischer Vücherfreunde, Darmstadt (Graf von Har­denberg). Preis 3,75 Mark.

2. Vier Novellen:

Zwei, die nicht zusammen sollten. Zwei, die sich auseinander grollten. Zwei, die nicht ohne Grund sich haßten. Endlich zwei, die zusammen paßten." Privatdruck derMainzer Presse" (Professor CH. H. Kleukens). 500 Exemplare. Neines Ha­dernpapier. Gebunden in Ganzpergament-Schale (Ernst Rehbein).

2edes Exemplar vom Verfasser signiert. Dis zum 5. Mai eingehende Bestellungen werden na­mentlich zugeteilt. Jeder, der sich mit mindestens 10 Mk. an derAdam-Korrillon-Chrung" betei­ligt, erhält ein Exemplar dieser Ausgabe. Die ein­gehenden Beträge fließen nach Abzug der reinen Herstellungskosten derAdam-Karrillon-Spende" zu, die am 12. Mai imWeißen Saale" des Kur­fürstlichen Schlosses zu Mainz überreicht wird. Einzahlung, die allein als Bestellung angesehen wird, erbeten auf Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 4085 der Städt. Sparkasse Mainz (fürAdam- Karrillon-Spende"). Wünsche und Anschrift deut­lich angeben! Lieferung Anfang Mai 1933.

Aus aller Welt.

Unglücksfall im Berliner Zoo. Lin Kind vom Bären angefallen.

2m Berliner Zoologischen Garten hat sich ein UnglüdSf all zugetragen, dessen Opfer ein neunjähriger Knabe geworden ist. Das Kind, Her­bert Kasper, hatte, ohne daß es von jemandem bemerkt worden war, das Vorgitter des Zwingers, in dem der große Alaskabär untergebracht ist, überstiegen und das Tier mit Brotresten und Nüs­sen gefüttert. Der Knabe ist dann plötzlich von dem Bären gepackt worden, der sich in den rechten Unterarm festbiß und ihn an das Ge­stänge des Gitters heranzog. Auf die Schreckens­schreie des unglücklichen Knaben eilte ein in der Nähe befindlicher Besucher herbei, der mit Auf­bietung aller Kräfte versuchte, dem Tiere sein Opfer zu entreißen. Mit Mühe gelang es ihm, den bewußtlosen Knaben aus seiner furchtbaren Lage zu befreien. Herbert Kasper, der von dem Personal des Zoos sofort auf die Rettungsstelle und nach erster Hilfeleistung von dort in das Achenbach-Krankenhaus gebracht wurde, ist der Sohn eines seit langem arbeitslosen Ehepaares. Wie die Direk­tion des Zoos erklärt, ist es das erste Mal, daß sich in Berlin ein derartiger Unglückssall ereignet hat. Die Zoo-Verwaltung hat durch Vorgitter alles ge­tan, um solche Vorfälle nach Möglichkeit zu ver­hindern. Das Befinden des bedauernswerten Kna­ben ist außerordentlich ernst. Der rechte Unterarm mußte im Krankenhaus amputiert werden, doch hoffen die Aerzte, das Kind, das einen außerordent­lich starken Blutverlust erlitten hat, am Leben er­halten zu können.

Der Mörder eines Hiller-Jungen richtet sich selbst.

Vor einigen Tagen war der Arbeiter Paul Papst unter dem dringenden Verdacht, im 2uni 1932 an der Ermordung des Hitlerjungen Hans H o f s m a n n beteiligt gewesen zu fein, in Berlin vorläufig festgenommen worden. Er gab die ihm zur Last gelegte Straftat gegenüber dem erdrückenden Beweismaterial sofort zu. Be­vor er dem Polizeigefängnis zugeführt werden konnte, benutzte er einen unbewachten Augen­blick im Toilettenraum im Hause der SA - Gruppe Berlin-Brandenburg, um aus dem Fen­ster zu springen. An den Folgen des Sturzes ist Papst, der einen schweren Bruch der Wirbel­säule erlitt, gestorben. Die Leiche wurde dem Schauhause zugeführt.

Schweres Autounglück. Drei Tote, ein Schwerverletzter.

2n Niederujezd bei Leipnik (Tschechoslowakei) kam es zu einem furchtbaren Autounglück, dem dreiMenschenleben zumOpfer fie­len. Eine Person wurde s ch w e r ve r le h t. Ein Lastauto war mit einer Ladung von Zinn und anderen Metallen auf dem Weg nach Mährisch- Ostrau, als der Wagen, der von einem ^jähri­gen Chauffeur gesteuert wurde, die steilabfallende Straße bei Niederujezd herunterfuhr. Der Chauf­feur verlor die Herrschaft über den Wagen. Das Auto sauste den Abhang hinunter und über­schlug sich mit der schweren Last. Die drei Arbeiter und der Chauffeur wurden unter dem Wagen begraben. Der Wagen ist vollständig zer­trümmert. Nach dem Gutachten der Sachverstän­digen muß der Wogen in dem Augenblick des iln» glücks mit 100 Kilometer Geschwindigkeit gefah­ren fein.

Roosevelts Dank an diePhöbus" Vesahung.

Präsident Roosevelt empfing die drei Aeberlebenden des LuftschiffesAkron" und hörte ihren Bericht an. Als ihm der Erste Offizier W i l e h über die Rettungsaktion des deutschen TankdampfersPhöbus" berichtete

und vor allem darüber, daß der deutsche Kapi­tän Dalldorf fein Schiff meisterhaft manöve- riert und die Geretteten wie Brüder behandelt habe, wandte sich Roosevelt zu seinem Vetter, dem Marine-Anterstaatssekretär Roosevelt, und sagte daß er beabsichtige, Kapitän Dalldorf und der gesamten Besatzung derPhöbus" eine aner­kennende Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Er werde dem Kavitän außerdem einen per­sönlichen Brief schreiben.

Empfänge

beim Hessischen Staatspräsidenten.

Darmstadt, 27. April. (WSR.) 2m Laufe des Mittwoch empfing der Staatspräsi­dent Vertreter des Hessischen Kleingarten-Bau­vereins, des Verbandes evangelischer kirchlicher Frauenvereine für Hessen und Vertreter der Lederwaren-2ndustrie des Offenbacher Bezirks.

Die ImWnationalen in der nationalen Front Reichsminister Hugenberg und Iraktionsführer Schmidt-Hannover vor der Reichstagsfraktion.

B e r l i n , 27. April. (WTB., Der deutfchnatio- nalen Reichstagsfraktion erstattete Reichsmini­ster Dr. Hugenberg einen Bericht über die politische Gesamtlage. Er schloß seine Ausfüh­rungen mit folgenden Worten: Ruhe und Glauben an den Rechtsstaat sind die Grundlagen des wirtschaftlichen Lebens. Die Ver­suche untergeordneter Organe, diese Grundlagen zu gefährden, sollen nach den Erklärungen der maßgebenden Führer in kürzester Frist abgestellt werden. Der echt Deutschnationale, der die har­ten Kämpfe der letzten 14 2ahre mit dem mar­xistischen System durchgekämpft und allen Ver­suchen der Hineinziehung der deutschnationalen Bewegung in den schwarzroten Sumpf widerstan­den hat, ist derjenige, der mit aufrichtigster Be­geisterung den Umschwung der Dinge in Deutsch­land begrüßte. Tlm so mehr hat er aber auch ein Recht darauf, als gleichberechtigter Kämpfer um die deutsche Zukunft anerkannt Und behandelt zu werden. Das nehme ich selbstverständlich für meine Freunde in An­spruch. 2n dieser Frage kann und wird niemand von mir ein Kompromiß verlangen. Es bedarf eigentlich keiner Versicherung, daß ich hiermit stehe und falle."

Oer Iraktionöführer

Abg. Schmidt-Hannover.

betonte, die Arbeit Dr. Hugenbergs chabe in einer Zeit gärender Umbildungen und schwerster wirt­schaftlicher Notlage die er st en Grundlagen zum Wiederaufbau und zur Entschul­dung der Landwirtschaft und für die Neu­ordnung der ganzen deutschen Wirtschaft gelegt. An­

gesichts dieser Tatsachen müßten jetzt die gegen seine Person gerichteten Angriffe, die sich von sach­licher Kritik weit entfernen, gerade im Interesse der Landwirtschaft nachdrücklichst zurückgewiesen wer­den. Wirtschaftspolitik dürfe heute nicht von den Forderungen der Propaganda bestimmt werden. Die übergroße Bereitwilligkeit von Wirtschaftsver­bänden, sich nicht legitimierten Kommissaren demü­tigst zu unterwerfen, werde von jedem aufrechten nationalen Stampfer, nicht zuletzt auch von jedem Nationalsozialisten mit der gebührenden Gering­schätzung betrachtet werden. Für die vor uns lie­genden Arbeitsaufgaben sollte allen Front­kämpfern eine von der Regierung gesetzlich geregelte Vorzugsstellung eingeräumt werden. Ebenso sei die Ehrenliste derjenigen, die gegen den Poung-Plan käwpften, ein'besserer Wert­messer für nationale Zuverlässigkeit als ein noch in letzter stunde erworbenes Parteimitgliedsbuch. Er bedauerte die tiefgreifenden Auseinander­setzungen im Stahlhelm, die der gesamt- nationalen Bewegung nicht förderlich sein könnten. Es sei, so sagte er, offen ausgesprochen, worum es heute geht: Für Dr. Hugenberg sind nicht ministe­rielle Personalfragen das Entscheidende. Entschei­dend ist für ihn, ob eine auf Erfahrung aufgebaute, einheitliche Wirtschaftspolitik getrie­ben werden kann oder nicht; entscheidend ist aber vor allem für Dr. Hugenberg und die deutschnatio­nale Bewegung, ob unsere deutschnationalen Kämp­fer, die seit 1918 in der vordersten Linie standen, n 1.5 gleichberechtigte Kameraden der nationalen Front auf allen Gebieten des politischen und wirtschaftlichen Lebens anerkannt werden oder nicht.

Zolltvaffenstillslan- und Kriegsschuldenmoratorium?

Die Einleitung der Weitwirtschastskonferenz.

Paris, 26. April. (WTB.) Der Washing­toner Sonderberichterstatter desMatin" will melden können, die Sachverständigen der verschie­denen Länder dächten an den Abschluß eines Zollwaffen st ill st andes für diLDauer der Weltwirtschaftskonferenz. Dieser Zollwaffenstillstand würde dem Stabilisie- rungssah des Pfundes und Dollars nicht Rechnung tragen, da dieser erst im Verlaufe der Konferenz festgesetzt werden dürste. Macdonald Hobe Herriot erklärt, er habe sich wegen der Stabilisierung des Pfundes nicht binden wollen, um sich nicht seiner besten Waffe für die spätere Regelung der Schuldenfrage und die Vertretung der englischen 2nteressen auf der Weltwirtschaftskonferenz zu berauben. 2n unter­richteten politischen Kreisen verlautet, Präsident Roosevelt habe im Laufe seiner Besprechungen England und Frankreich ersucht, formelle Er­klärungen einzureichen, daß beide Länder nicht in der Lage seien, die Mitte 2uni fäl­ligen Kriegsschuldenzahlungen zu lei­

sten. Diese Erklärungen sollen an den amerikani­schen Kongreß weitergeleitet werden, der dann die Entscheidung über die weitere Behandlung der Angelegenheit treffen müßte.

Rach einer Meldung der Associated Preß aus Washington ist Präsident Roosevelt bereit, die Frage einer Revision der Kriegsschulden nach der Weltwirtschaftskonferenz in Er­wägung zu ziehen. 2m Weißen Hause sei jedoch heute von autoritativer Seite betont worden, daß der Präfident auf keinerlei Verein­barung eingegangen sei, die einen Auf­schub der Ratenzahlungen vom 15. 2uni zum Ge­genstand gehabt oder irgendeinen Plan zur Rege­lung der Schuldenfrage festgelegt habe. Der Sprecher des Repräsentantenhauses, Raineh, gab vor Vertretern der Presse die Erklärung ab, er perfönlich sei gegenjedesKriegsschul- denmoratorium. Sollte der Präsident je­doch einen derartigen Aufschub beantragen, so werde er die Regierung unterstützen.

Aus der provinzialhaupistadl.

Oer 1. Mai

der Tag der nationalen Arbeit.

Von Hermann Wagner, Kreisleiier der NSÄO. Gießen.

Die Erhebung des 1. Mai zum nationalen Feiertag hat in allen Teilen des deutschen Volkes einen starken Widerhall gefunden. Zum ersten Male begeht das gesamte deutsche Volk ohne Unterschied der Berufe diesen Tag in festlicher Weise. War er vorher ein Tag, der dem Klassen­kampsgedanken diente, der die Gegensätze im Volk vertiefte und die natürlichen Bindungen zwischen den werteschaffenden Ständen zerriß, so ist er heute der sichtbarste Ausdruck dafür, daß ein Volk sich wieder gefunden hat, daß es Klassenhaß und Standesdünkel überwunden hat.

Wir denken heute an die 60er 2ahre des vorigen 2ahrhunderts, als der Allgemeine Deutsche Arbeiter-Verein gegründet wurde, in dessen § 1 der Satzungen stand:Wir wollen auf legalem Wege den Klassenhaß und den Standes­dünkel zum Wohle des deutschen Vaterlandes überwinden." Der damalige deutsche Bürger unterließ es, dem suchenden deutschen Arbeiter ein Führer und Wegweiser zu sein, so kam der 2ude und wurde der Verführer. So ist es zu verstehen, daß eine auf nationalem Boden ste­hende Bewegung in die Hände des internatio­nalen. jüdischen Marxismus abgleiten konnte. Der Kampf und das Sehnen des deutschen Ar­beiters nach sozialer Besserstellung, nach po­litischer Gleichberechtigung, der ungeheure Kamps um die Standwerdung eines großes Teiles un­serer Volksgenossen sand bei dem politisch gleich­gültigen und durch Vorurteile eingeengten Volke kein Verständnis. So kam es, daß die lebendigen Energien, die in dieser Bewegung steckten, nicht dem Staate und Volke nutzbar gemacht und dort sest verankert wurden. Es ist die Schuld unserer Väter, daß sie es zuliehen, daß der deutsche Ar­beiter durch den Marxismus ganz bewußt aus der Volksgemeinschaft herausgerissen und zum internationalen Proletariat herabgewürdigt wurde.

Wir erleben jetzt den großen Augenblick, daß der deutsche Blutsbruder in die Gemeinschaft seiner Na­tion zurückkehrt. Er will wieder verwurzelt werden in feinem Volkstum und anerkannt werden als

Volksgenosse. Erkenne, du deutscher Arbeiter, das Gebot der Stunde: Es gibt außerhalb deines Vol­kes keine Macht und keine Organisation, von der du jemals Hilfe erwarten kannst. Erkenne, daß die internationale Solidarität, an die du bisher ge­glaubt haft, noch niemals bestanden hat. Als nach dem November 1918 die Feinde unsere Heimat be­setzten, da zogen dieArbeiter im Waffenrock" nicht etwa ein mit der Internationale auf den Sippen, sondern sie sangen begeistert ihre National­hymne. Sie kamen nicht, um auf Grund der inter­nationalen Solidarität den wahnsinnigen Druck des Verbrechens von Versailles von dir und deinem Arbeitsplatz, der deutschen Wirtschaft, zu nehmen, sondern sie kamen und erpreßten Tribute, die dich um deine Arbeit brachten.

Und erkenne, du deutscher Bürger, Bauer und Unternehmer die Größe des Augenblicks, wo neben dir Schulter an Schuller dein Blutsbruder, der deutsche Arbeiter, marschiert. Erkenne, daß dies die Krönung des gigantischen Werkes unseres Führers Adolf Hitler ist, daß er Mann zu Mann und Gruppe zu Gruppe brachte und aus den Parteien, Ständen und Klaffen wieder ein Volk schuf, das sich zu den ewigen Quellen seines Blutes und feiner Rasse zurückfand. Erkenne, du deutscher Bürger, daß der deutsche Arbeiter heute als ein Suchender in die Gemeinschaft seines Volkes zurückkehrt, daß ihn nichts mehr trennt von dir, daß er in dir nicht denBourgeois" undUnterdrücker" erblickt, son­dern nur den Volks- und Schicksalsgenossen. Heute gilt es mehr denn je, zusammenzustehen, einer für den andern und gemeinsam das Fundament zu bauen, auf dem ein Volk leben kann.

Die Deutschen aller Stämme und Stände haben alles Trennende und Gegensätzliche beseitigt und rei­chen sich die Hände zur gemeinsamen Arbeit am Wiederaufbau unseres Volkes und Staates zur nationalen Arbeit!

Taten nir Freitag, 28. April.

1799: Rastatter Gesandtenmord. 1853: Der Dichter Ludwig Tieck in Berlin gest. 1896: Der Geschichtsschreiber Heinrich o. Treitschke in Berlin gestorben.

Bornotizen.

Tageskalender für Freitag: Stadt­theater: 20 bis nach 22.30 Uhr,Liselott".' VfB. 08, 20.30 Uhr, Vereinsheim, außerordentliche Haupt­versammlung. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:

Wenn die Liebe Mode macht". Astoria-Licht- piele, Seltersweg:Schritt und Tritt".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute abend Erstaufführung der OperetteLiselott", Operette in 6 Bildern von R. Keßler, Musik von Eduard Künnecke. Spielleitung hat Paul W r e d e, musikalische Leitung Kapell­meister Fritz E u j 6, Einstudierung der Tänze und choreographische Leitung Ballettmeister Ewald B ä u l f e. Mitwirkende: Damen: Flemming in der Rolle der Liselott, Schubert-Jüngling, Wielander, Walther-Lederer; Herren: Link mann vom Reu- ßischen Theater in Gera, der jetzt in der Rolle des Hasenklein mit großem Erfolg gastierte, Dielen, Eggemann, Fassott, Fierment, Geiger, Hamel, Hey- ser, Kühne, Michel, Dolck, Wahlen, Wrede. Die Erst­aufführung ist die 28. Vorstellung im Freitag- Abonnement. Operettenpreise. Spieldauer von 20 bis nach 22.30 Uhr. Eine Wiederholung des köstlichen Schwankes:Hasenklein kann nichts dafür" von Mahner Mons mit Ludwig Sin f mann vom Reußifchen Theater in Gera als Gast in der Titel­rolle des Schneidermeisters Titus Hasenklein als Fremdenvorstellung zu ermäßigten Preisen. Spiel­dauer von 19 bis 21.15 Uhr.

Prof. Or. Rud. Herzog Kanzler der Landesuniversität.

Von der Pressestelle der älniversität Gießen wird mitgeteilt:

Der ordentl. Professor an unserer Landesuni­versität Dr. Rudolf Herzog wurde durch das Hessische Gesamtministerium zum Kanzler der Landesuniversität ernannt.

Das Kanzleramt, das an der Landesuniversität seit ihrer Gründung besteht, war seit 1. April 1888 regelmäßig mit dem Rektoramt verbunden.

Die Wiederherstellung des selbständigen Kanz­leramts durch das Hess. Gesamtministerium kommt einer durch den Rektor der Landesuniversität dem Herrn Staatspräsidenten vorgetragenen Anre-- gung entgegen.

Mit der Ernennung ist, wie aus Darmstadt noch gemeldet wird, eine finanzielle Belastung für die Staatskasse nicht verbunden.

Schulgebete im nationalen Staat.

Zur Ausgestaltung des Schulgebets im Sinne der Verfügung des hessischen Ministers für Kultus und Bildungswesen geben wir auf Wunsch den Text eil iger Gebete wieder, wie sie seinerzeit von Staats­minister Frick in den thüringischen Schulen ein­geführt wurden.

1. Gebet.

Herr Gott, du wollest mit starker Hand in dieser Zeiten Grauen

die Heimat, das deutsche Vaterland tief in die Herzen uns bauen.

©ott, laß uns wachsen rein und groß, einst hohen Dienst es zu walten, des freien Volkes lichteres Sos in starken Händen zu halten."

. 2. G e b e t

Hör an, o Herr, der Kinder Flehn, laß unsre Arbeit vorwärts gehn.

Gib unseren toten Kriegern Ruh', die Witwen und Waisen tröste du. Und gib uns Deutschen wieder Kraft, Die Freiheit uns und Frieden schafft." 3. Gebet.

Vater, in deiner Allmacht Hand steht unser Volk und Vaterland. Du warst der Ahnen Stärke und Ehr', bist unsere ständige Waffe und Wehr.

Drum mach' uns frei von Betrug und Senat, mach uns stark zu befreiender Tat.

Gib uns des Heilandes heldischen Mut, Ehre und Freiheit sei höchstes Gut.

Unser Gelübde und Sosung stets sei: Deutschland erwache, Herr, mach' uns frei! 4. Gebet.

Vater im Himmel,

ich glaube an deine allmächtige Hand, ich glaube an Volkstum und Vaterland, ich glaube an der Ahnen Kraft und Ehr', ich glaube, du bist unsere Waffe und Wehr. Ich glaube, du strafst unseres Sandes Verrat und segnest der Heimat befreiende Tat.

Deutschland erwache zur Freiheit!"

5. Gebet.

Vater stn Himmel,

ich glaube^an deine Allmacht, Gerechtigkeit und Siebe.

Ich glaube an mein liebes, deutsches Volk und Vaterland.

Ich weiß, daß Gottlosigkeit und Vaterlandsverrat unser Volk zerreißen imb vernichten.

Ich weiß, daß trotzdem in den Besten die Sehnsucht und die Kraft zur Freiheit wohnt.

Ich glaube, daß diese Freiheit kommen wird durch die Siebe des Vaters im Himmel, wenn wir an unsere eigene Kraft glauben.

Arbeiter-Lied*)

Es pfeift von allen Dächern den Feierabend aus. Es ruhen die Maschinen, mir geh n müd' nach Haus. Daheim ist Not und Elend, das ist der Arbeit Sohn. Geduld, oerrat'ne Brüder, schon wanket Judas Thron.

Geduld und ballt die Fäuste, sie hören nicht den Sturm, Sie hören nicht sein Brausen und nicht die Glock' vom Turm, Sie kennen nicht den Hunger und hören nicht den Schrei: Gebt Raum der deutschen Arbeit, für uns die Straße frei.

Ein Hoch der deutschen Arbeit, voran die Fahne rot, das Hakenkreuz muß siegen, vom Freiheitslicht umloht. Es kämpfen deutsche Männer Für eine neue Zeit, Wir woll'n nicht ruhn noch rasten. Bis Deutschland ist befreit!

Nebenbeschäftigung von Lehrkräften an Volks- und höheren Schulen verboten.

Der hessische Minister für Kultus und Dil- dungswesen teilt mit:

Lehrer, die eine volle Stelle verwalten, dür­fen in Zukunft nicht mehr nebenamtlich tätig sein (z. B. Privatschulen, Polizei- und Heeres- fachschulen usw.).

*) Das vorstehende Sieb wirb beim Staatsakt in Darmstabt am 1. Mai gemeinsam gesungen. D. Red,

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