Ausgabe 
28.3.1933 Erstes Blatt
 
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Wans Austritt aus dem Völkerbund.

Oie formelle Austrittserklärung in Genf überreicht.

Handlungen noch', doch lasse sich schon übersehen, daß eine Verschwörung des braunschwei­gischen Stahlhelms gegen die Regierung, insbeson­dere den Reichskanzler, unter keinen Um» ständen in Frage komme. Der Bund habe Auf­nahme geschlossener Verbände schon vor Wo­chen verboten und für Einzelaufnahmen äußer st e Vorsicht und längere Pro­bezeit angeordnet.

Gin Pressebericht.

Braunschweig, 28. März. (ERB.-Funk­spruch.) Zu den Vorgängen in Braunschweig schreckt dieBraunschweigische Landes­zeitung" unter anderem: Wenn nicht alle Anzeichen trügen, sind wir gestern in Braun­schweig mit knapper Rot in letzter Stunde einer blutigen Katastrophe entronnen. Hunderte von Marxisten, die sich bereits als Stahlhelmer wähnten, hatten sich bewaffnet, und es versteht sich von selbst, daß sie noch in der Rächt am Dienstag im ganzen Bereich der Lan­deshauptstadt in der Maske von Stahlhelmern Einzel-Aktionen gegen Rationalsozialisien und Deutschnationale unternommen hätten. Insgesamt waren nach den polizeilichen Feststellungen gegen Mitternacht im Ortskrankenkassengebäude außer 200 Stahchelmern 1100 Sozialdemokraten und Kommunisten versammelt. An den fünf Fingern seiner Hand kann man sich abzählen, was diese Zusammenballung verbitterter Marxisten für Fol­gen gehabt hätte. Mitten in den ruhigen und erhebenden Ablauf der nationalen Revolution platzt dieses grausige Abenteuer, das heute in ganz Deutschland Abscheu und Ekel auslösen wird. Es ist bezeichnend im höchsten Grade für uns Braunschweiger, daß sich die Vorgänge aus­gerechnet in unserer engeren Heimat abspielen mußten, in der der nationale Wille erstmalig entscheidend zum Durchbruch kam und in der Hitler die deutschen Etaatsbürgerrechte zuge- sprochen wurden. Aber das mag hingehen, und in diesem Falle wollen wir uns einmal frei von lokalem Patriotismus fühlen. Aber hoffen wir und darauf werden wir bestehen, daß sich ähnliches nie wieder und nirgends in Deutschland abspielt. Die Verantwort­lichen sollen die ganze Schwere einer strengen Strafe zu spüren bekommen. Diese Forderung wird, davon sind wir überzeugt, vor allem jeder aufrechte Stahlhelmmann zu seiner Sache machen, auf daß der schneidig« FrontsoldatengruhFront Heil", den gestern in kurzer Stunde der Verwirrung und Verirrung marxistischer Janhagel ausstieß, wieder zu Ehren komme.

Eine Entschließung des Reichsverbands deutscherpost- undTelegraphenbeamten

Berlin, 25. März. (WTB.) Der Verbandsvor­stand und der Verbanüsausschuß des Reichsver­bands deutscher Post- und Telegraphenbeamten hat eine Entschließung gefaßt, in der es heißt: Der Reichsoerband deutscher Post- und Telegraphen­beamten e. D., frei von parteipolitischen und kon­fessionellen Bindungen jeglicher Art, hat es stets als seine vornehmste Aufgabe betrachtet, im Inter­esse des Staats zu wirken und die berufenen Re­gierungen in allen auf das Wohl des Volks bedach­ten Maßnahmen nach Kräften zu unterstützen. Ge­treu diesem seinem Grundsatz stellt sich der Reichs- verband hinter die von dem Willen der V o l k s m e h r h e i t getragene nationale Volksregierung und gelobt, alles dafür einzuset­zen, daß das von ihr begonnene Werk der Wiederauf­richtung unseres nationalen und wirtschaftlichen Le­bens auf der Grundlage deutscher Kultur zu einem die Gesamtheit des Volkes förderndem Endergebnis geführt wird. An alle Mitglieder des Verbands er­geht die Aufforderung, Organisationsdisziplin zu> wahren und allen organisations- und staatszer­setzenden Kräften entgegenzuwirken. Die organi­sationspolitischen Grundlagen müssen hierbei hoch- gehalten werden.

Oie Hauptgemeinschast des Einzel­handels auf nationalsozialistischer

Grundlage.

Berlin, 28. März. (WTB. Funkspruch.) Seit einiger Zeit haben bereits Verhandlungen zwischen der Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels und der Reichsleitung des Kampfbundes des gewerblichen Mittelstandes der RSDAP. über ein Zusammengehen in wichtigen Fragen stattgefun- den. Diese Verhandlungen haben jetzt zu dem bin­denden Al kommen geführt, das u. a. an die Stelle des ersten Vorsitzenden der Hauptgemeinschast ein der RSDAP. ange­hörender Einzelhändler, und zwar Paul Trendemann, Berlin, in Firma Marzahn Rachf. G. m. b. H., Spandau, treten soll. Der Vor­stand der Hauptgemeinschaft hat weiterhin 51 Prozent der Sitze des Vorstandes solchen Einzelhändlern eingeräumt, die der RSDAP. angehören und vom Kampsbund genannt werden. Die nächste im April stattfindende Mitgliederversammlung wird end­gültig über dieses vorläufige Abkommen beschließen. Aus Anlaß der iUmgestaltung und der Eingliede­rung der Hauptgemeinschaft in den neuen Staat wird das Haus des Einzelhandels vom heutigen Tage die schwarzweihrote Fahne und die Haken­kreuzfahne hissen.

Dr Wagner, Kommissar der Spitzen­verbände der Aerzteschast.

Berlin, 27. März. (Täl.) Die Spitzenverbände der Deutschen Aerzteschast: Der Verband der Aerzte Deutschlands (Hartmann-Bund) und der Aerztevereinsbund, haben sich dem ersten Vorsitzenden des nationalsozialistischen deutschen Aerztebundes, Dr. med. Wagner, unterstellt. Dr. Wagner übernimmt als Kom­missar die Führung beider Spihenverbände mit absoluten Vollmachten. Dr. Wagner und die Vorstände der Spitzenverbände haben folgende erste Anordnung erlassen:

3n Durchführung ihres Beschlusses, Geist und Form der ärztlichen Verbände der poli­tischen Reuordnung anzugleichen, ersuchen die Vorstände des Aerztevereinsbundes und des Hartmannbundes ihre Llntergliederungen im Sinne der Forderung der deutschen Aerzte- schaft beschleunigt dafür Sorge zu tragen, daß aus Vorständen und Ausschüssen die jüdischen Mitglieder ausscheiden und Kollegen, die sich innerlich der Reuordnung nicht anschließen können, ersetzt werden. Ferner ist durch die Vorstände der kassen­ärztlichen Vereinigungen den Vor­ständen der Krankenkassen und den Versicherungs­behörden (Versicherungsämter, OberversicherungS-

Genf, 27.März. (TU.) Die japanische Re­gierung hat am Montagnachmiltag dem General­sekretär des Völkerbundes den Austritt aus dem Völkerbunde amtlich mitgeteill. Rach den Bestimmungen des völkerbundspakles wird jedoch der Austritt Japans erst nach Ab­lauf von zwei Jahren endgültig; bis dahin ble.bt Japan im Völkerbunde weiter im Vollbesitz seiner Rechte und Pflichten. Die japanische Regie­rung hat folgende Anweisungen gegeben:

1. Die Zahlung der Mikgliedsbeilräge an den Völkerbund wird eingestellt.

2. Die japanische Abordnung in Genf wird aufgelöst.

3. Die Wahrnehmung der japanischen Interessen wird der Gesandtschaft in Bern über­tragen.

4. Japan bleibt in d e r Abrüstungs - und in der wellwirlschaftskonferen; vertreten, wie Länder, die dem Völkerbund nicht angehören.

Die Krise, die zwischen Japan und dem Völker­bund entstanden war, seitdem sich herausgestellt hatte, daß der Mukdener Zwischenfall vom 18. September 1931 für Japan der Ai sg ngspunkt einer großangclegtcn militärisch°polili,.,en Aktion in der Mandschurei war, die es unabhängig von der Genfer Institution durchzusühren gedachte, hat mit der Wiedergabe der japanischen Au2trittserklä- rung nunmehr ihren lange erwarteten Abschluß gefunden. Die vorsichtig abwartende Taktik, die Japan seit Beginn der Krise in Genf verfolgte, zeigt, daß es sich nicht leichten He r z e n s zur Trennung von dem Bunde entschlossen hat, an dessen Gründung es selbst beteiligt war, in dessen Satzung es die G le i ch h e i t der Rasse durchgesetzt hatte, als dessen Mandatar es ehe­mals deutsche Kolonien verwaltet und in dem es 13 Jahre lang a l s ständiges Ratsmitglied in führender Stellung für die Regelung zahlreicher internationaler Fragen und Konflikte mitverantwortlich war.

Eine stattliche Anzahl kenntnisreicher, begabter und umsichtiger Diplomaten hat im Laufe der Zeit in diesem Gremium nicht nur die Meinungen des fernen Jnselreiches, sondern die Stimme Asiens

amt) gegenüber darauf zu dringen, daß jüdische und marxistische Vertrauensärzte beschleu­nigt ersetzt werden, gez. Dr. Staude r."

Ich ordne an, daß obigem Ersuchen unverzüg­lich Folge zu leisten und Vollzugsmeldung an mich (Anschrift: Rationalsozialistischer Aerztebund München, Hotel Reichsadler) zu er­statten ist. gez. Dr. Wagner, Kommissar." Gegen Lleberteuerung von Margarine

und Kunstspeisesett.

Berlin, 25. März. (WTB.) Im Hinblick auf die am 23. März 1933 erlassene Verordnung des Reichspräsidenten flut Förderung der Ver­wendung inländischer tierischer Fette und in­ländischer Futtermittel gibt der Reichskom­missar für Preisüberwachung bekannt, daß er die Preisbildung für Margarine und Kunstspeisefette in der nächsten Zeit mit ganz besonderer Aufmerksamkeit verfol­gen wird. Gegen äleberteuerungen wird mit allem Rachdruck, gegebenenfalls mit der Schlie­ßung von Betrieben, die ungerechtfertigte Preise für diese Lebensmittel fordern, vorge­gangen werden. Dor einer spekulativen, preis­treibenden Dorratseindeckung wird gewarnt, eine Rachversteuerung der Dorräte beim Handel ist bei Inkrafttreten der Ausgleichsabgabe für Margarine und Kunst­speisefette vorgesehen.

Kleine politische Rachrichten.

Der Vor st and des Deutschen Anwalts­vereins hat einstimmig beschlossen, sein Amt zur Verfügung zu stellen, um eine Neuwahl zu er­möglichen. Es soll sofort die Auflösung des Wahl­körpers, der Abgeoronetenversammlung des Vereins, herdeigeführt werden. Nack der Auflösung wird un­verzüglich die Wahl durchgeführt werden, so daß die dann dem gegenwärtigen Willen der Anwalt­schaft entsprechende Vertretung in der Lage ist, den Vorstand neu zu bilden.

Die für Anfang April angesetzt gewesene A u s - bildungsreise der deutschen Flotten- st r e i t k r ä f t e, die über Spanien und Portugal nach den Kanarischen und Kapverdischen Inseln führen und an der die sämtlichen großen Einheiten der deutschen Reichsmarine teilnehmen sollten, ist wegen notwendig gewordener Aenderungen des Ausbildungsprogramms der Flotte abgesagt worden.

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Der Reichsminister und Kommissar für das preu­ßische Ministerium des Innern, Göring, teilt mit, daß er am Montag Rittmeister von Morozo- wicz zum Kommissar zur besonderen Verwendung im preußischen Ministerium des Innern ernannt hat.

Durch die Auflösung der Reichszen­trale für Heimatdienst sind Ministerial­rat Dr. Strahl, Oberregierungsrat Krebs und vier Regierungsräte mit Wartegeld einst­weilig in den Ruhestand verseht.

Der Regierungspräsident teilt mit, daß gegen den Oberbürgermeister von Königsberg, Dr.Dr.h.c. Lohme y er, das Dienststrafverfahren eingeleitet und gleichzeitig seine vorläufige Dienstenthebung ausgesprochen worden sei.

Rach einer Unterredung des Leiters der bayerischen Studentenschaft, Gengenbach, mit dem kommissarischen Justizminister Dr. Frank hat der Justizminister den Leiter der Studentenschaft ermächtigt, den studentischen Der- bindungen und der Oeffentlichkeit mitzuteilen, daß das MensurverbotinDahernauf- gehoben ist und die Gerichte angewiesen sind, Vergehen gegen das Mensurverbot nicht mehr zu verfolgen.

überhaupt zur Geltung gebracht und manchen wertvollen Beitrag zur internationalen Arbeitsge­meinschaft geliefert. Man denkt an den früheren Botschafter und jetzigen Präsidenten des Haager Gerichtshofes A d a t s ch i, der jahrlang Bericht­erstatter für die Minderheitsfragen war und sich auf zahlreichen Tagungen mit Erfolg um einen gerechten deutsch - polnischen Ausgleich bemühte, sowie an seine Rachfolger in dieser Be­rich terstattungssunktion, den späteren Außenmini­ster V o s h i s a w a, der bei den Golassowitzer Zwischenfällen die Verantwortung Polens fest- stcllte, und den Botschafter R a g a o k a , der auf den letzten Tagungen dem deutschen Standpunkt in der Frage der polnischen Agrarreform volles Verständnis entgegenbrachte. Außerdem hat Ja­pan durch die beiden Llntergeneralssekretäre R i - tobe und S u g i m a r a , die nacheinander die Kultur- und die politische Abteilung des Völker­bundssekretariats leiteten, seine Rolle als Groß­macht und Kulturstaat betätigt.

Eine Hoffnung für den Genfer Bund, dem be­reits Rußland und die Vereinigten Staaten ferngeblieben sind, mag die Tatsache sein, daß in der Vergangenheit ähnliche Schritte nicht immer zum endgültigen Bruch geführt haben. Es steht zwischen Japan und dem Völkerbund nur die (Snttoialung, die die Mandschurei­frage auf Grund oes Lytton-Berichtes zwangs­läufig genommen hat, und eine endgültige Rege­lung dieser Frage innerhalb der nächsten zwei 3alyre erscheint nicht ganz ausgeschlossen.

Oeutsch.and und d»e japanischen Südseemandate.

Berlin, 27. März. (TU.) In der japanischen Presse sind Mitteilungen verbreitet worden, wonach am 24. März d. I. zwischen maßgeblichen deutschen und japanischen Stellen Vorverhandlungen über die Zukunft der vormals deutschen, jetzt von Japan verwalteten Südseeinseln be­gonnen haben sollen. Amtlich wird hierzu erklärt, daß solche Verhandlungen ni ch t ftattgefunben haben. Damit fallen auch die angeblich von bestimm­ten Persönlichkeiten abgegebenen Erklärungen über die Absichten der deutschen Regierung in Ansehung dieser Inseln in sich selbst zusammen. Die deutsche Auffassung ist erst vor einigen Tagen der deutschen Presse bekanntgegeben worden. An dieser Auffassung hat sich nichts geändert.

Aus Der provmzialhauptstavt.

Oer Reitsport beim Pferdemarkt.

Das Meldeergebnis.

Am morgigen Mittwoch finden auf dem Ge­lände an der Rodheimer Straße im Anschluß an den Pferdemarkt interessante reit» sportliche Darbietungen statt. Für die ausgeschriebenen Wettbewerbe ging eine statt­liche Anzahl von Meldungen ein.

Für das 3agdspringen der Klasse A haben sechs Herren gemeldet. Es sind dies die Herren Reinhard Eifer und Heinrich 3 ä g e r (Verein Wettertal), Walter Rumpf, Eugen Volk und Eugen Dietz vom Butzbacher Reiter­verein, sowie A. Walter (Verein Friedberg).

Für das 3agdspringen der Klasse L gingen 15 Meldungen ein. 3n diesem Wettbewerb ist die 4. Kompagnie des Gießener Bataillons allein mit 7 Mann vertreten. Ferner haben ge­meldet: Paul Hoffmann und Heinrich Hoff­mann (Verein Wettertal), Heinrich S ch u d t (Verein Rabenau), Eugen Dietz und Hermann Vissel (Verein Butzbach), A. Walter (Ver­ein Friedberg), Ludwig S ch ö m b s (Gießen). Hauptmann von Stockhausen (Gießen) hat ebenfalls zu dem Wettbewerb in dieser Klasse gemeldet.

3m Postillon-Rennen (Klasse 4) starten Eugen Dietz (Butzbach), Hermann Vissel (Butzbach) und A. Walter (Friedberg). 3n Klasse 5, Schleifenraub, wird der Butz­bacher Reiterverein auf den Plan treten.

Den Wettbewerben darf man mit großem (In­teresse entgegensetzen. Die Veranstaltung dürfte sich zu einem bemerkenswerten reiisportlichen Er­eignis für alle 3nteressenten der Pferdezucht und des Pferdesports gestalten. Bei dem schönen Wetter wird auch der Pferdemarkt den Besuchern viel 3nteressantes bringen.

Oie Gießener Frühjahrsmesse.

Prächtiges Wetter begünstigt die diesjährige Frühjahrsmesse. An den Rachmittagen, wie auch an den Ab.nden herrscht auf Oswaldsgarten leb­hafter Betrieb. Die Gießener Frühjahrsmesse vollzieht sich stets im gleichen Rahmen. Orgeln klingen so wie immer über den Platz. Mit alten Schlagern kann man ausreichendWiederhören" feiern. Es gibt auch vielerlei zu sehen. Eine Hexenschaukel läßt Geheimnisvolles vermuten, an der Bude der Sensationen bemüht sich ein Aus­rufer um die Aufklärung seiner Mitmenschen über die gcheimnisvollen Vorgänge hinter dem Zelt- vorhang, wenige Schritte weiter härt man von dem kühnen Fahrer an derSteilen Wand", der auch diesmal wieder seine halsbrecherische Kunst zeigt. Ein kleines Affentheater ist stets von Zu­schauern umlagert, die elektrische Autobahn hat ebenfalls immer viel Besuch, wahrend ein Laut­sprecher die Geräusche der Wagen zu übertönen versucht. Schießbuden, Zuckerwarenverkäufer, Ballonstände und vieles andere mehr sind auch diesmal wieder vertreten. Besondere Aufmerk­samkeit wird man u. a. auch den Liliputpferdchen entgegenbringen, welche die Besucher durch ihr munteres Wesen erfreuen. Es handelt sich um Tierchen zum Teil ostafrikanischer, zum Teil sibi­rischer Herkunft, die sehr gut proportioniert und tatsächlich nicht größer sind als ausgewachsene Schäferhunde. Das kleinste der Tiere ist nicht hi her denn 55 Zentimeter und kann ohne Mühe auf den Arm genommen Werdern Den Kindern bereiten die Tierchen besonderen Spaß, denn mit Recht kann man angesichts ihrer geringen Körper- ausmahe von lebendig gewordenen Schaukel- Pferdchen sprechen. Richt zu vergessen ist das Hippodrom, vor dem die Messebesucher immer wieder freundlich eingeladen werden, sich doch auch einmal im Reiten zu versuchen. Reben der Schaumesse sind auch wieder zahlreiche Verkaufs­buden aufgeschlagen.

gang". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Glück über Rächt".

Der Gleibergverein hält am kom­menden Samstag (16 älhr) auf dem Gleiberg auf Einladung des Landrats des Kreises Wetzlar als Aufsichtsbehörde eine außerordentliche Ge­neralversammlung ab, die sich mit der Ent­lastung des bisherigen Vorstandes, mit der Rech­nungslegung und der Dorstandswahl zu beschäf­tigen haben wird.

Nationalsozialismus und Lehrerschaft.

Am vergangenen Donnerstag hatte die Kreislei­tung des NS.-Lehrerbundes die Lehrerschaft in Staat und Kreis Gießen zu einem Vortrag im CafL Ebel eingeladen. Der Besuch war so stark, daß der etwa 250 Personen fassende Raum nicht ausreichte. Auch der Flur und die benachbarten Zimmer roaten dicht besetzt. Viele mußten wieder mmehren, weil sie auch dort keinen Platz mehr finden konnten.

Der Kreisobmann Dr. ch e n ß eröffnete wie man uns berichtet die Versammlung mit einer Ansprache überDeutschlands Golgatha und Auf­erstehung", in der er einen Rückblick auf den Lei­densweg des deutschen Volkes und den Kampf der deutschen Freiheitsbewegung gab. Die tiefere Ursache unseres wirtschaftlichen Zusammenbruchs liege in einem geistig-seelischen Verfall unseres deutschen Volkes, der sich auf allen Kultur- und Lebensgcbie- ten zeige. Die Glocken von Potsdam hätten die Auf­erstehung des deutschen Volkes eingeläutet. Nun sei es Aufgabe der nationalen Regierung und aller lebendigen Kräfte des Volkes, das wieder aufzu­bauen, was eine 14jährige Herrschaft der roten und der schwarzen Marxisten zerstört habe. Bei den Grundlagen müsse begonnen werden. Eine dieser Grundlagen sei die Heimat. Das Heimatbewußt-- sein und die Heimatliebe seien die Grundlage der Vaterlandsliebe.

Darum sei es auch kein Zufall, daß auf der Tagesordnung das Thema stünde:D c r Aufbau der Heimat und nationale Erdkunde", worüber Prof. Dr. Hänfen, Kiel, in eineinhalbftündigem Vortrag sprach. Nach einleitenden Worten über die Forschungsarbeit der erdkundlichen Wissenschaft wurden zwei Betrach­tungsweisen der neueren Geographie gefordert, nämlich. 1. Erdkunde als Gegenwartswissenschaft, d h. auf nationaler Grundlage, und 2. Erdkunde als gestaltende Wissenschaft. Grundlage aller erd­kundlichen Bildung fei der Heimatraum und der Heimatbegriff nach seiner Räumlichen und seelischen Seite. Die politische und Wirtschaftsgeographie muß bewußt auf den Zusammenhang und auf die Be­deutung für das Deutschtum hinausarbeiten. Grenz- und Auslandsdeutschtum müssen eine stärkere Ver­bundenheit mit dem Deutschtum des Mutterlandes erfahren. Eine der allerwichtigsten Fragen in der neueren Geographie sei die Behandlung des Volks­tums. Im Rahmen der Erdkunde als gestaltender Wissenschaft käme es darauf an, Landschaft und Volkstum in ihrer Wechselbeziehung zu erklären und dieseelische Landschaft" herauszuarbeiten. An Hand einiger Beispiele wurde der Bildungsoorgang bei Behandlung einer erdkundlichen Einheit dargestellt, und mehrere Arbeitsformen der Gestaltung (Selbst- schau in Verbindung mit einem besinnlichen Wan­dern, sprachliche Gestaltung, Gestaltung durch das Bild, ästhetische Bildbetrachtung, Karte und Atlas, zeichnerisches Gestalten, raumplastisches und wirk­liches Gestalten, musikalisches Gestalten) wurden eingehend besprochen. Zum Schluß seiner Ausfüh­rungen wies der Redner auf die deutsche Sendung und auf die Bedeutung der Bildungsarbeit für die Erreichung des nationalen Zieles hin.

Kreisobmann Dr. H e n h dankte dem Redner und sprach noch kurz überDie neue Lage und die Lehrerschaft". Er geißelte das Derhalten der bisherigen Führer der Lehrerschaft, die den Geist der Zeit nicht begriffen und darum abzutreten und einem neuen Geschlecht Platz zu machen hät­ten. 3n kurzen Worten ging er noch auf die Aufgabe des RS.-Lehrerbundes ein, der keine Standesorganisation sei, sondern Lehrer aller Kategorien umfasse und die einzige Aufgabe habe, auf dem Gebiet von Schule und Volkserziehung mitgestaltend am Reuausbau von Volk zu Staat mitzuwirken. Der Aufforderung, im RS.-Lehrer- bund an dieser Ausgabe mitzuarbeiten und Mit­glied zu werden, kam eine große Anzahl der Versammelten nach. Mit dem Hcrst-Wessel-Lied, das stehend von der ganzen Versammlung ge­sungen wurde, und einemSieg-Heil" auf das Vaterland und den Führer wurde die Versamm­lung geschlossen.

Konzert der Klavierschule Holzapfel.

3m Kranze der Gießener Musikschulen hak die Klavierschule von Frl. Holzapfel stets einen ehrenvollen Platz eingenommen. Die aus ihr hervorgegangenen Schüler zeigen bei wohl­gebildeter Technik als besonderes Merkmal wei­chen, doch modulationsfähigen Anschlag und gute Fassungsgabe, geübt an den Klaviermeistern der verschiedensten Stilrichtungen. Wie der musika- kalische Gesichtskreis bei den Kunstjüngern syste­matisch erweitert wird, zeigt das Programm, als ein Ausschnitt aus dem musikalischen Schaffen. Daß man 3oh. Seb. Dach einen so großen Raum einräumt, ist aus technischen und musikalischen Gründen nur zu begrüßen.

Don den Schülern, die am Sonntag vor die Oeffentlichkeit traten, eröffnete H. Reusch mit einem rhrythmifch fein pointierten Walzer von Durand das Konzert. Die kleine G. W a l len­se l l s gab den sauber gespielten Stücken von Bach und Kirchner schon ein recht beachtliches musikalisches Profil, und Liselotte (Bieter gab die Suite von Bach und Menuette von Beethoven mit guter Geläufigkeit und Klarheit wieder. Die dynamische Farbgebung wird noch reicher werden. Die von H. Schmidt vorgetragenen Stücke von Kwast ließen neben guter Technik auch musi­kalisches Eingehen in die Sache erkennen. Schlicht und mit natürlichem Ausdruck spielte Rose Stümpert ein Präludium von Bach und am ersten Klavier recht farbig Tänze von Dvorak. Das Bachpräludium, vorgetragen von Hilde Koch, zeigte Klarheit der Linienführung, und das Wendelssohnsche Stück Einfühlung in die romantische Welt dieses Meisters. Liselotte Er - l e r spielte teils solistisch, teils begleitend sehr geläufig ein Klavierkonzert von Dach, den zwei­ten Satz aus dem ck-mvU-Konzert von Men­delssohn und ein Scherzo von Schumann. 3hr Dortrag zeigte, daß sie sich in den Stil der ver­

Bornotizen.

Tageskalender für Dienstag.

schieden gearteten Werk« vollkommen eingelebt hatte, so daß die Eigenart der einzelnen Stücke deutlich in Erscheinung trat. Das Auswendig­spielen scheint z. Z. noch hemmend zu wirken. 3oachim Storck, technisch schon sehr weit ge­fördert, spielte sehr schon und stilvoll einen Satz

Tageskalender für Dienstag. au8 einer Bach-Suite, ebenso recht verinnerlicht Stadttheater. 20 bis 23 Ahr. »Vor < innenunter- 1 ein noch ganz im Brahmschen Geiste gehaltenes