Keine Abrüstung der Kolonialarmeen.
England/ Frankreich und Holland widersetzen sich.
Genf, 27. Febr. (Sil.) Der Hauptaus - schütz der Abrüstungskonferenz hat am Wontag mit grober Stimmenmehrheit beschlossen, sämtliche Kolonialtruppen von der vom Hauptausichutz bereits angenommenen Vereinheitlichung der Armeen auf ein Heeresshstem mit kurzer Dienstzeit und zahlenmäßig beschränkten Sruppenbeständen auszunehmen.
Die kolonialarmeen sind damit praktisch von allen künftigen Abrüstungvmatznahmen befreit worden.
Die großen Kolonialmächte England, Frankreich und Holland widersetzten sich energisch der Einbeziehung der Kolonialarmeen in die Vereinheitlichung der Heeresshsteme.
Der französische Kolonialminister E a r r a u t und der Luftfahrtminister Pierre Cot nahmen an der Sitzung teil. Die Vertreter Frankreichs und Englands erklärten, daß die Kolonialtruppen Polizeiaufgaben zu erfüllen hätten, die bei der vorgesehenen Herabsetzung der Dienstzeit auf acht bis neun Monate unmöglich durchgeführt werden könnten. Staatssekretär Eden hob hervor, die Kolonialtruppen des englischen Weltreiches
konnten unmöglich ihre schwierigen, größte Disziplin und Verantwortung erfordernden Aufgaben jungen Rekruten übertragen.
Die Vertreter Deutschland» und Italien» erklärte dagegen, daß die im Alutterlonde oder in der Röhe des Mutterlandes befindlichen Kolonialtruppen einen untrennbaren Teil der Heimatarmee darslellten und daher den gleichen Regeln wie diese unterworfen werden müßten.
Botschafter Nadolny machte den Hauptausschuß darauf aufmerksam, daß Frankreich im Weltkriege eine Million Kolonialtruppen eingesetzt hätte und daß die in Frankreich, oder in den nahegelegenen französischen Kolonien stationierten Kolonialtruppen im Kriegsfälle zu jeder Zeit und in gleicher Weise eingesetzt werden könnten, wie die übrige französische Armee.
Der Hauptausschuß lehnte jedoch zunächst mit 16 gegen 2 Stimmen (Sowjetruhland und Türkei) bei deutscher und amerikanischer Stimmenthaltung die Frage der Ausdehnung der Vereinheitlichung der Armeen auf die gesamten Kolonialtruppen und sodann mit 8 gegen 5 Stimmen (Deutschland, Italien, Ungarn, Bulgarien und Norwegen) die Ausdehnung auf einzelne Teile der Kolonialarmee ab.
Jord greist in die amerikanische VankenkrW ein. Drohende Moratorien in mehreren Staaten. — Oie Fords übernehmen die maßgebenden Banken von Detroit.
Detroit. 27. Febr. (DD.) Die amerikanische Danlentrise, die mit den Vorgängen im Staate Micyigan akut wuroe, zieht immer weitere Kreise. Sn allen Unionstaaten sind die zuständigen Stellen mit. der Frage des wirksamen Schutzes von Banbrn und Bankkunden beschäftigt. Wegen der sehr verstimmenden Wirkung auf die Börsen ist man mit der Verhängung allgemeiner Moratorien sehr zurüahalterw, doch haben die Gouverneure der Staaten Sndiana, Missouri, Arkansas und Wisconsin bereits grundsätzliche Bestimmungen über etwa notwendig werdende Moratorien erlassen. Sn den Staaten Aeuyork, Aew Serseh, Vermont. Sowa und Aebraska sind neue Gesetze angenommen worden, die den st ä a t - lichen Behörden größere Machtbefugnisse geben, um die Schließung von Banken abzuwenden und ihre Aeorganisie- r u n g nach der Liquidation zu beschleunigen. Sn verschiedenen Staaten ist geplant, die Z u r ü ck - ziehung von Spargeldern auf einenbe- stimmten Prozentsatz pro Monat zu beschränken und die Verwendung von kommerziellen Konten auf einen Betrag einzuschränken, der dem Durchschnittsbetrag der letzten Monate entspricht. Besonders kritisch ist die Lage i n Maryland. wo der Gouverneur eine dreitägige Schließung der Banken angeordnet hat, nachdem während der letzten Woche von Konten, die insgesamt 500 Millionen Dollar ausmachen, 1 3 Millionen Dollar abgehoben worden waren. Die Fondsbörse von Baltimore ist geschlossen. Sn Detroit beabsichtigt die Clearing-House Association die Ausgabe von Snterimsscheinen als Zahlungsmittel.Sm Zusammenhang mit der Bankenkrise ist der Präsident des Verwaltungsrates der Dational Citybank von Deuyork, Charles Mitchell,zurück- getreten.
Sn Detroit ist durch einen plötzlichen Entschluß Henry Fords, die beiden maßgebenden Bankengruppen, die First National Bank of Detroit und die GuardianNational Dank of Commerce, zu übernehmen und als Alleinaktionär möglicherweise zu verschmelzen, die ganze Bankensituation mit einem Schlage we'entlich verändert. Der Entschluß Fords
। war die Folge einer Reihe von Konferenzen I der beiden Nationalbanken-Gruppen, Die am Sonntagabend das Washingtoner ilLimatum annahmen. sich mit einem Darlehen in Höhe von 78 Millionen Dollar statt der geforderten 136 Millionen Dollar zu begnügen. Die beiden neu zu gründenden Danken würden damit nur über 8 250 000 Dollar Kapital statt über 11 Millionen Dollar verfügen.
Nachdem die beiden Baillengruppen daS Washingtoner Ultimatum angenommen hatten, veröffentlichten Henry und Edsel Ford in großer Aufmachung folgende Erklärung an die Depo sitenkunden und den Aufsichtsrat der beiden Dankengruppen: »Wir sind bereit, uns mit Shnen an der Gründung der beiden neuen Banken zu beteiligen. Das notwendige Gesamtkapital von 8 250 000 Dollar werden w i r aufbringen. Wir stützen uns auf die Erfahrung derer, die willens sind, die beiden Banken in einem Snstitut zu verschmelzen. das nach Grundsätzen geleitet wird, die wir als gesunde Dankmethoden ansehen. Wir sehen voraus, daß Sie zu uns das Vertrauen haben, die Männer als Leiter zu wählen, die künftighin allgemeines Vertrauen verdienen. Die auf diese Weise gebildeten Banken werden Snstitute darstellen, von denen erwartet werden darf, daß sie eine Wiedererholung der Sndustriestadt Detroit herbeizuführen in der Lage sind." — Die Regierung in Washington hat das Angebot Fords angenommen.
Kabineiiskrisis in Norwegen.
OSlo. 27. Febr. (CNB.-Funkspruch.) Die unter der Leitung des Bauernbündlers Hundseid stehende Regierung, die eine Fortsetzung des am 12. Mai 1931 gebildeten Kabinetts Kol - ft ab t ist. hat, da sie .m Sterling mit 67 gegen 80 Stimmen in der Minderheit geblieben ist, dem König ihre Demission überreicht. Man rechnet mit der Bildung eines Radikalen Kabinetts unter Führung des früheren Minister- präs'.denlen M o w i n d e I.
Die Kabinettskrise hat ihren letzten Grund in der schlechten Finanzlage Norwegens,die
2Reaumur.
Zum 250. Geburtstage eines berühmten Gelehrten.
Es gehört zu den Launen des Ruhmes, daß er bisweilen einem bedeutenden Forscher gerade durch eine Leistung Unsterblichkeit verleiht, die durchaus nicht im Mittelpunkt seines Lebens- Werkes steht, ja von ihm sogar nur so nebenbei vollbracht wurde. Dies ist bei dem französischen Gelehrten R 6 a u m u r der Fall, der am 28. Februar 1683 auf dem Schloß feiner Väter bei 2a Rochelle geboren wurde. Sein Dame ist für uns auf immer mit dem Thermometer verknüpft, dessen SOteilige Skala nach ihm genannt ist, und von dem, was er sonst noch in einem langen, arbeits- und erfindungsreichen Leben geleistet, ist nichts mehr in der Erinnerung geblieben. Dabei ist seine Arbeit am Thermometer nur die Verbesserung eines Prinzips, das schon lange vor ihm gefunden worden war. Reaumur hat nur — was allerdings von großer Wichtigkeit war — zwei wesentliche Punkte für die Beobachtung der Temperaturschwankungen, den Null- Punkt und den Siede-Punkt. genau festgestellt, Den Zwischenraum in 80 gleiche Abschnitte geteilt und diese Tellung auch noch unter dem Null- Punkt für die Kälte fortgeführt. Sein Thermo- meter, das mit Weingeist gefüllt war, verdrängte rasch das Snftrument des Danziger Wetterglasmachers Fahrenheit, dessen willkürliche und unpraktische Einteilung noch immer in den angelsächsischen Ländern hartnäckig benutzt vir). Nachdem dieses Thermometer Reaumurs statt deS Weingeistes eine Füllung mit Quecksilber erhalten hatte, blieb es bis zum heutigen Tage in Brauch, obwohl nicht lange danach der schwedische Astronom Celsius die bequemere 100-Teilung einführte. Sn der Geschichte der Technik ist R6au- murs Dame noch mit einer andern Erfindung verbunden, nämlich mit dem sog. Reaumur- Pcrzellan. Wie so viele Naturforscher jener Sage versuchte auch der französische Akademiker, dem Geheimnis der Porzellan-Bereitung auf die Spur zu kommen: er arbeitete mit chinesischem und sächsischem Porzellan, ohne aber Frankreich mit Liner solchen schönen Masse zu beglüden; dagegen wußte er ein fteinarliges, undurchsichtiges weißes Glas herzustellen, das unter dem Namen R6au- mur-Porzellan bei mancherlei kunstgewerblichen Arbeiten Verwendung gefunden hat.
Als ein überaus vielseitiger Gelehrter hat sich Reaumur in feinen zahlreichen Arbeiten erwie
sen, von denen sich in seinem Nachlaß noch 180 Abhandlungen ungeörudt vorfanden. Als Naturforscher machte er sich durch seine „G e - schichte der Snsekten" bekannt, die sich besonders durch einen anmutigen Stil auszeich- nete; auch mit dem Studium Der Muschelschalen hat er sich viel beschäftigt. Sn seinen physiologischen Experimenten war er der erste, der den Magensaft genau untersuchte, und vorn Studium des Wagens der Gänse kam er auf die Eigenschaften der Leber dieses Tieres, die sich durch Stopfen so außerordentlich vergrößern und wohi- schrneckend machen läßt. Sein Hinweis auf die Stopflebern der Gänse hat viel zu der Einführung der Gänselebe c-P astete in Straßburg und dann auch in Paris beigetragen. Don der Naturgeschichte tarn er merkwürdigerweise auch zu einem technischen Problem: als er die Kräfte untersuchte, durch die Zitterrochen und Sitteraal, ihre Schläge austeilen, erkannte er, daß es sich hier um etwas Aehnliches wie beim Magneten handeln müsse, und erfand im Anschluß daran ein einfaches Verfahren, um Eisen und Stahl magnetisch zu machen. Schließlich befaßte er sich mit den damals ebenfalls sehr beliebten Problemen der chemischen Herstellung von Kälte. Die bereits vorher gemachten Versuche, Kälte durch Auflösen von Salpeter im Wasser hervorzubringen, setzte er systematisch fori und ist damit einer der wichtigsten Vorläufer der heute so reich enttoidelten Kälte-Sndustrie geworden. Schließlich sei noch unter den vielen Arbeiten Reaumurs eine Abhandlung erwähnt, in der er sich mit dem besten Verfahren bei Wiederbelebungsversuchen befaßt. Nachdem er die beliebte Manier, die Ertrunkenen bet den Füßen zu fassen und sozusagen auf den Kops zu stellen, damit sie das verschluckte Wasser wieder von sich geben, abgelehnt hat, empfiehlt er zu diesem Zweck eine Tonne, in der man den Patienten hin- und be trollen soll. Auch empfiehlt er Einhüllen in warme Tücher. Als bestes Mittel will er aber die Verwendung von Tabakrauch erprobt haben, der mit einer Pfeife dem Ertrunkenen in den Magen geblasen werden soll. Dr. E. K.
Tonfilm: „Kampf um Blond".
Im großen Bereich des Kriminalfilms nimmt die Kategorie der Mädchenhänüler-Stücke seit langem eine Sonderstellung ein. Man hat das Motiv, von verschiedenen Seiten her, immer wieder mit Dor- liebe aufgegriffen. „Kampf um Blond" setzt gleich
mit dem Zusammenbruch der Weltwirtschaft auf6 engste verbunden ist. Auf die norwegische Wirtschaft mußte sich vor allem der mit der Schrumpfung des We.t Handelsvolumen zusammenhängende Rüdgang der Frachterlöse der norwegischen Schiffahrt und der katastrophale Sturz der Holzpreise verheerend auswirken. Denn Norwegen, das auf einer Fläche von der Gröhe Preußens nur 2,8 Millionen Menschen beherbergt, ist auf weltwirtschaftliche Betätigung im besonderen Maße angewiesen. Bereits im September vergangenen SahreS war angekündigt worden, daß das norwegische Budget für das Rechnungsjahr 1931/32 mit einem Defizit von 35 Millionen Kronen abschließen werde. Dieses Defizit sollte, wie die Regierung bei Vorlegung des neuen Haushaltsplanes im Storting Mitte Sanuar ankündigte, durch außerordentliche Sparmaßnahmen in der Verwaltung sowie durch Einführung einer 2proz. Umsatzsteuer für den Einzelhandel ab- gedeckt werden. Gegen diese Pläne unternahm Mowindel bei Eröffnung der Budgetdebatte am 1. Februar einen heftigen Vorstoß. Der Ausbruch eines offenen Konfliktes und der Regie- rungsrüdtritt konnten damals vermieden werden, da Mowindel auf die Einbringung eines radikalen Eegenentwurses verzichtete. Die Krise ist nun, im Zusammenhang mit einem erneuten Vorstoß Mowinckels, akut geworden und wirh voraussichtlich durch Bildung eines radikalen Kabinetts gelöst werden.
Meine politische Nachrichten.
Der Kommissar des Reiches für daS preußische Snnenminifterium hat angeordnet, daß künftig nichts gegen die Teilnahme von Polizeibeamten in Uniform an Veranstaltungen von Verbänden und Parteien einzuwenden ist, die hinter der Regierung der nationalen Erhebung stehen.
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Der Reichskunstwart Dr. Erwin R e d s ° lob ist vom Reichsinnenministerium mit sofortiger Wirkung beurlaubt worden: den Angestellten seines Büros wurde gleichzeitig die Kündigung ausgesprochen. Damit ist das Amt eines Reichskunst- warts vorläufig abgeschafft.
„Der Sungbenlf<556*, daS Organ bei Sungdeutschen Ordens, ist auf die Dauer von drei Wochen verboten worden.
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Die Bundeszeitung des Reichsbanners „DaS Reichsbanner" ist heute wegen Veröffentlichungen in der Dr.S auf die Dauer von zwei Monaten verboten worden.
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Die „Münchener Po st", das Blatt der Mün- chener Sozialdemokraten ist bis einschließlich 2. März verboten worden.
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Der Dberpräfibent von Ostpreußen hat die sozial« demokratischen Zeitungen .Lönigsberger Volkszeitung" mit Kopfblättern sowie die „Freie Presse" in Elbing bis zum 5. März einschließlich verboten. Gleichfalls hat der Oberpräsident das Zentrumsblatt „Kreiszeitung Heilsberg-Guttstadt" bis zum 1. Djärz einschließlich verboten.
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Der Aufsichtsrat der Berliner Der- kehrsgesellschaft (BVG.) beschloß in feiner jüngsten Sitzung nach dem Bekanntwerden des Urteils vom 25. Februar gegen den bisherigen BVG.-Direktor B r o l a t, diesen ohne Gewährung einer Pension fristlos zu entlassen.
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Auf Antrag des Verteidiaers, Rechtsanwalt Dr. Lütgebrune, der durch seine Berufung als Sonderkommissar in das preußische Innenministerium an der Ausübung der Verteidigung für die Gebrüder Lahusen (Bremer Nordwolle) ein st weilen verhindert ist, ist der Hauptverhandlungstermin im Prozeß gegen die Lahusens auf den 14. Mür§ vertagt worden. Die Staatsanwaltschaft hat sich diesem Antrag angeschlosfen.
Der Iugendführer Hubertus Prinz xtr Löwenstein, Mitglied der Zentrumspartet, hat fein Amt als Gauführer des von ihm für das Reichsbanner geschaffenen „Vortrupp schwarz-rot- gold" niedergelegt und seinen Austritt aus dem Reichsbanner erklärt.
Kampf um die Lustfahrt
Oie Frage der Internationalisierung sich nicht an der Aussprache.
Genf, 27. Febr. (WTD.-Funkspruch.) Der Luftfahrtausschuh der Abrüstungskonferenz hat über die S n t e r n a t i o n a l i f i e- rung der Zivilluftfahrt beraten. Schon die heutige Debatte zeigte, daß bei den Ländern, die im Laufe der letzten Sahre eine ziemlich ent- toidelie Zivilluftfahrt audgebaut haben, wenig Neigung besteht, sich auf irgendwelche Snter- nationalisierungpläne einzulassen. Die Vertreter Englands und Staliens machten gewichtige wirtschaftliche Bedenken geltend und gaben der Ansicht Ausdruck, daß auch eine Sn- ternationalifierung der Zivilluftfahrt ihre mißbräuchliche Benutzung zu militärischen Zwecken nicht ausschlieht. Der deutsche Vertreter, Mi- nifterialMteftor Brandenburg, erinnerte den Ausschuß wiederum daran, daß man sich auf einer Abrüstungskonferenz befinde und daß man wirkliche Abrüstungsmatznah- men treffen solle, ehe man sich mit der Frage der Zivilluftfahrt beschäftige. Deutschland werbe sich einer vernünftigen Kontrolle der Zivilluftfahrt und einer Reglementierung, wie fie von einem früheren Ausschuß bereits vorgefchlagen ist, nicht versagen. Es könne aber so lange zu dieser Frage nicht Stellung nehmen, als nicht einwandfrei seststehe, daß die Militärluftfahrt vollständig abgeschafft werde. Snsolgedessen werde er an der Diskussion über die Snternationalifietung vorläufig nicht teil- nehmen.
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der Zivilluftfahrt. — Deutschland beteiligt
Der Präsident, der spanische Delegierte d e M a- bariaga, warf in sehr erregten Ausführungen dem deutschen Vertreter vor, daß er den Arbeiten des Ausschusses Schwierigkeiten bereite und drohte sogar mit seinem Rücktritt als Präsident des Ausschusses.
Der italienische Vertreter unterstützte Brandenburg und erklärte, daß die italienische Delegation genauderselbenAuffassung sei wie die deutsche, daß man nämlich abrüsten solle.
Der deutsche Vertreter erwiderte sehr ruhig, er verstehe die Aufregung deS Präsidenten nicht. Seine (Brandenburgs) Auffassung fei Wohl begründet. Er habe lediglich auseinandergeseht, weshalb er sich nicht an einer Diskussion über das Snternationalisierungsproblem beteiligen wolle. Die Durchführung der Snternatinnalifie- rung w"rde, wenn sie überhaupt möglich fei. viele Sahre in Anspruch nehmen und das würde bedeuten, daß auch die Abschaffung der Militärluftfahrt und die Abrüstung überhaudt für eben fo lange Zeit vertagt werden. Sobald man wirklich feste, daß die AbrüftunaS« konfar^nz sich aut Abschaffung der Militärluftfahrt entschli^ste. fei auch Deutschland bereit, sich an einer Diskussion über die Sntemationalifierung der Zivilluftfahrt zu beteiligen.
Auch der holländische Delegierte erklärte, mit Brandenburg durchaus einverstanden zu sein.
mit einem kräftigen und bewegten Auftakt ein: mit der Flucht zweier Zöglinge eines Erziehungsheimes; die Flucht gelingt, und nun entwickelt suh der Kampf zwischen Verbrechern und Polizei zwar nach einem gewissen, von allersher festgelegten System — mit typischen Szenen, Episoden und Figuren —, doch immerhin so, daß die Spannung nicht nur nicht abreibt, sondern sich gegen Ende hm immer mehr steigert. Dieses Ende ist so „happy", wie es sich gehört; das Abenteuer der jungen Mädchen geht nochmal gut aus. Aber der Regisseur Jaap Speyer weih, was ex dem Publikum und der fttiminalftlm- Tradition schuldig ist: er versteht zu photographieren, er weiß die Kräfte gerecht zu verteilen, Flucht und Verfolgung mit raffinierten Ueberraschungen (die der geübte Kinobesucher allerdings kommen sieht) zu würzen, und er läßt beiden Parteien den Kampf wahrhaftig sauer werden. Das geht in einem Tempo, daß der Besucher kaum Zeit findet, verschiedene naheliegende Fragen aufzuwerfen, die leider unbeantwortet bleiben. Reu ist das Motiv, daß sich eine Couragierte Kriminalassistentin unter die verschleppten Mädchen eingeschmuggelt hat: sie wird von der jungen Ursula Grabley sympathisch $e» spielt, die wir aus dem „Schwarzen Husaren^ bereits kennen. Eine Anzahl meist bewährter Darsteller — Harry Frank, Mylong-Müntz, Harry Hardt, Beierle, Hertha v. Walther, Paul Heidemann, F. A. Lieven und Herta Kirchner — sind ferner an dem Film mit tüchtigen Leistungen beteiligt; er läuft seit gestern im Lichtspielhaus. —r—
Bridge-Olympia.
Die National Bridge Association in Neuyork veranstaltet demnächst ihre zweite Bridge-Olympiade,, an der über 100 000 Spieler aus 40 Ländern teilnehmen Weeden. Diese Olympiade kann sich also in ihren Ausmaßen mit der Eportolympiade sehr wohl messen, unb das ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, zu welcher Beliebtheit das Bridge in jüngster Zeit in allen Ländern der Erde gelangt ist. Das Turnier wird als Simultan-Spie! mit vereidigten Spielleitern in allen großen Städten der beteiligten Länder ausgetragen. Der WeltrneisterschaftspreiZ, eine Wanderlrophae, besteht aus zwei Statuen in Platin und brasilianischem Onyx. Außerdem sind für die - einzelnen Ländermeisterschasten Preise ausgesetzt, die in den ständigen Besitz der Sieger übergehen. Die Bridge-Prominenten des Neuyorker Spitzenver- einS, Danderbilt, Culbertson, Ligthner usw. haben die Olympia-Regeln auSgeardeitet. und nach
Schluß des Wetllampfes soll jeder Teilnehmer eine genaue Aufstellung über den Spielverlauf mit allen seinen Raffinessen erhalten. Der Kampfverlauf der Welt-Dridge-Olhmpia dürfte an Heftigkeit der Sportveranstaltung keineswegs nachstehen.
Kaschrngs-Geschichien.
Don Wilhelm von Hebra.
Auf einem Ball in einer schottischen Stadt folb* ten alle Gäste kostümiert erscheinen: als Personen auS Walter Scotts Romanen.
Ein Herr aber kam im allermodernsten Frack. Als der Arrangeur ihn zur Rede stellte, fragte der Herr:
„Haben Sie ScottS Romane gelesen?"
„Sa. Alle."
„Erinnern Sie sich dessen, daß er oft den «freundlichen Leser" apostrophiert?"
„Sa. Unb?“
„Und wissen Sie von ScottS großem Selbstbe- wußtsein?"
„Sa. Und?"
„Und war er Syrer Meinung nach davon überzeugt, daß er noch nach mehr als hundert Sah- ren gelesen wird?"
„Sa. Unb?“
„Und — ich bin der „freundliche Leser im Kostüm der Zeit um 1930.",
Der verstorbene Dichter Peter Altenberg wollte einen vornehmen öffentlichen Ball besuchen. Als Peter in der Garderobe seinen Mantel ab* legt, wird ihm gesagt: „Herren im Sakko ist der Eintritt nicht gestattet."
Peter zieht seinen Sakko aus und fragt: „Kann ich jetzt hinein?"
„Nein."
„Nein? Was soll ich denn noch ausziehen?"
Mein Freund Balthasar von Campenhausen, als „Campt" und als Original weit und breit bekannt, ist auf einem Ball.
Eine Dame sagt zu ihm:
„Sehen Sie sich das Mädchen dort an, tm blauen Kleid. Eie ist sehr hübsch, aber ganz und gar eine Puppe. Man hat das Gefühl, daß sie Mama und Papa sagt wie eine Kinderpuppe, wenn man ihr auf den Bauch drückt."
„Srrtum, Gnädigste, ich habe eS versucht, aber da sagte sie: „Lassen Sie mich In Ruhe," ( ,


