Ausgabe 
28.2.1933 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhauptstadt.

Provinzialverband oberhessischer Geflügelzüchter.

Der Provlnzialverband oberhessischer Geflügel- -üchter hielt am Sonntag im Dolkshaus in Dll- xl ferne diesjährige Hauptversammlung ab. Der Vorsitzende, Sean Kolter- Dad-Rauheim, be- grüßte die Vertreter der Vereine und widmete besondere DegrüßungSworte dem Vertreter des Landwir.sch af.skammer-Ausschus.es, Herrn Cb:r- fctretär Philipp, und dein Dors.henden des Landesverbandes Hess scher Geflügelzüchter, Herrn Ackermann - Sprendl.ngen.

Hieraus erstattete der Vorsitzende den De- 'chaftsbericht. Herr Kolter wies hierbei beson­ders aus den Bezug der Dundesringe hin und empfahl den Züchtern, ihren Tieren unbedingt diesen R.ng anzulegen, da hierdurch die Ein­nahmen des Bundes vermehrt werden und dem­entsprechend auch den Züchtern wieder Bundes- Ehrenpreise zufliehen können. Vach einer Zusam­menstellung des Herrn Ackermann waren den Provinzen Oberhcssen und Starkenburg über 2C00 Mark an Dundesehrenpreisen zugeflossen.

Die Rcchnungsablaae erstattete der Rechner, Herr Reinhardt^ Schlitz. Die Rechnung schloß mit einer Einnahme von 838,52 Mark und einer Ausgabe von 681,39 Mark, so daß ein Kassen­bestand von 157,13 Mark verblieb. Als Rech- nungsprüfer wurden die Herren Baer- Ridda und R a d e tz k y - Lich gewählt. Dachdem ti; Rcch- nung geprüft und .Anstände sich nicht ergeben hatten, wurde von den Rechnungsprüfern Ent­lastung beantragt, die einstimmig erteilt wurde.

Es folgte dann die VorstandswahÜ Hier wurde vorher ein Antrag Wieseck behandelt, der die Vorstandsämter so verteilt wissen will, bah aus jedem Bezirk ein Vertreter als Beisitzer dem Vorstand angehören soll. Dieser Antrag wurde angenommen. Bei der Wahl des 1. Vorsitzenden des Rechners und des Schriftführers wurden die seitherigen Herren, und zwar Sean Kolter Bad-Rauheim, zum 1.Vorsitzenden: H. Rein-' Hardt II., Schlitz zum Rechner und Lehrer Stoll, Altenburg, zum Schriftführer ein­stimmig wiedergewählt. Zur Wahl der Vertreter der einzelnen Bezirke in den Vorstand wurde ein Vorschlag F e l s i n g, Ostheim, angenommen, der besagt, daß der jeweilige Dezirksvorsitzende dem Vorstände angehört. Es gehören hiernach als Vertreter der Bezirke dem Vorstande an: Riehm, Lollar, für den 1.Bezirk: Södler Rieder-Gemünden, für den 2.Bezirk: Rühl- m a n n, Himbach, für den 3. Bezirk: Gutmann, Vilbel, für den 4.Bezirk: Maul, Beienheim, für den 5. Bezirk: Säger, Ober-Hörgern, für den 6. Bezirk. .

diesjährige Provinzialgeflügelausstellung fallt nach dem Schauplane des Landwirtschafts- 'ammer-Ausfchusscs in den Kreis Lauterbach. Da sich auster hem Verein Schlitz niemand um die Schau beworben hat, wurde sie diesem 'Her­ein übertragen. Ms Termin wurde die Zeit vom 19. bis 21. Januar 1934 bestimmt.

Unter .Anträge" wurde zunächst ein Antrag des Vereins Grünberg auf Zuteilung zu einem anderen Bezirk verhandelt. Rach längerer De­batte für und gegen diesen Antrag wurde der Antrag obgelehnt. Ein weiterer Antrag des Vereins Wieseck, welcher die Herabsetzung des Beitrages forderte, wurde ebenfalls abgelehnt. Ein Antrag, gleichfalls vom Verein Wieseck, der auch die Provinzialausstellung an kleineren Orten abgehalten haben will, fand dadurch seine Erle- digung, daß die Hauptversammlung alljährlich den Ort, in dem die Provinzialausstellung abge­halten werden soll, bestimmt.

Unter »Verschiedenes" stand die Aufnahme des Kleintierzuchtvereins Rödgen zur Debatte. Aach- dem verschiedene Redner für und gegen die Auf­nahme gesprochen hatten, wurde der Verein Röd­

gen ausgenommen unter der Bedingung, dast er feine Ausstellungen in Rödgen abhält.

Hieraus schlost der Vorsitzende mit Worten des Dankes die Versammlung.

Talen für Dienstag, 28 Februar.

1683: der französische Physiker A. F. Rene de Reaumur in La Rochelle geboren; 1833: der preußische Generaifeldmorschall Alfred Graf von Schliessen in Berlin geboren; 1925: Friedrich Ebert, deutscher Reichspräsident, in Berlin gestorben.

Pornotizcu.

Musbern Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute abend zum erstenmal der -schwank:Da stimmt etwas nicht" von Franz Ar­nold. Spielleitung: Heinrich Hub. 21. Vorstellung im Dienstag-Abonnement. Gewöhnliche Preise. An­fang 20 Uhr; Ende 22.30 Uhr. Morgen, Mittwoch, bleibt das Theater geschlossen.

e

Haus und Schule. Am Freitag fand im Sohannessaal ein Familienabend des Bundes Haus und Schule statt. Frau Land­gerichtsrat Strack und Pianist Hahn leiteten ibn durch einen Snstrumcntalvortrag für Har­monium und Klavier stimmungsvoll ein. Hier­auf hielt Pfarrer A u s f e l d einen Lichtbilder­vortrag überGustav Adolf". Einleitend zeigte er einige Bilder aus der Reformationszeit, um bann Gustav Adolfs Feldzug in Deutschland von dec Landung des Königs bis zu seinem Tode bei Lützen in Wort und Bild vorzuführen. Dabei schilderte er Gustav Adolf als Retter des Prote­stantismus' und als Vorbild wahren Bekenner- mutes und selbstloser Opferwilligkeit. An ge­eigneten Stellen des Vortrags brachte Fräulein Stammle r, von Herrn Hahn begleitet, einige Lieder wirkungsvoll zu Geher. Pfarrer Lenz spielte mit seinem Posaunenchor Gustav Adolfs KampfliedVerzage nicht, du Häuflein klein". Das gemeinsam gesungene, vom Posaunenchor be­gleitete LutherliedEin feste Burg" blldete den eindrucksvollen Schluß des interessanten und schön verlaufenen Abends.

Eisenbahnverein Gießen. Der Eifenbahnverein Gießen hielt am Sonntagnach­mittag seine Jahreshauptversammlung im »Aqua­rium" ab. Dor Eintritt in die Tagesordnung ge­dachte der Vorsitzende, Reichsbahnobersekretär A l t h a u S, der im vergangenen Sabre verstorbe­nen Mitglieder und der Opfer der Explosionskata­strophe in Reunkirchen. Dem von dem Vorsitzen­den erstatteten Geschäftsbericht war zu entnehmen, dast die Mitgliederzahl des Vereins auch im ver­flossenen Sabre zugenommen hat. Der Verein zählt jetzt über 100j Mitglieder. Auf dem Ge­biete der Mitgliederfürsorge hat der Eisenbahn- Verein Gießen auch im vorigen Sahre wieder se­gensreich gewirkt. Heber 200 kranke und er­holungsbedürftige Mitgliederangehörige, insbe­sondere Kinder aus Arbeiterfamilien, wurden aus Mitteln der Dereinsfürsorge in mehrwöchige Kur­aufenthalte entsandt. Der von dem Kassierer, Deichsbahnsekretär Loos, erstattete Kassenbe­richt wies eine Einnahme von 2338,32 Mk. und eine Ausgabe von 2310,27 Mk. auf. Rach dem Bericht des Kassenprüsers wurde dem Kassierer, sowie dem Gesamtvorstand Entlastung erteilt Für vier satzungsgemäst ausscheidende Vorstandsmit­glieder wurden Reichsbahnamtmann Dörr, Deichsbahn-Düteroberin peltcr S ch a r b t, RcichS- bahnbelriebsassistent Rommel und Krankenkon­trolleur im Auhestanb Donorius neu ge­wählt. Das langjährige Vorstanbsmitglieb Franz D e p p l e r wurde aus Anlah deS Aebertritts in den Ruhestand unter ^Überreichung einer Ehren­urkunde zum Ehrenmitglied ernannt. Am Schluß hielt der Vorsitzende der ReichSbahn-Spar- und Darlehnskasfe Frankfurt a. M., Herr Doyen- tobt, einen aufschlußreichen Vortrag über die Mitgliedschaft bei diefer Kaffe und wies auf be­sondere Vorteile hin.

Das WnsmiMe - hier wirds Ereignis..

Tatsachenberichte aus dem Reich des Okkulten.

Gesammelt und nacherzählt von F X Schlichters.

ii.

Hellsehen Fernsehen.

Auf diesem Gebiet sind uns eine Unzahl ver­blüffender und prägnanter Fälle überliefert. Zu- wollen wir aus dem Mtertum ein beson­ders einprägsames Ereignis erzählen, so wie es von P h i l o st r a t u s, dem Diogra-Hcn des Philosophen Appollonius von Thyana in Kappabozien, berichtet unb von Sueton be- ftäiigt wird. Dieser Appollonius hat im Sahre 96 n. Ehr. auf übersinnliche Weise die Er­mordung des Kaisers Domitian mit- ertebt und zwar in Ephesus zu gleicher Zeit, als diese Tragödie sich in Rom abspielte-

Wie Apollonius, so erzählt der Biograph, mittags hier in den Hainen am Tystus einen Dortrag hielt, lieh et plötzlich furchtsam die Stimme sinken, starrte dann in die Ferne. End­lich trat er erregt einige Schritte vor unb rief: Stoß ihn nieder, den Tyrannen! Rieder mit ihm!" Ganz GphesuS war bei diesem Vorgang anwesend u.ib ganz Ephesus war entsetzt Apollonius schwieg noch, als ob er den Aus- geng eines Ere gaisses abwarte. Endlich jubelte er:Seid getrost, der Tyrann Domitian ist heute getötet worben! Was sage ich: heute?! Setzt bei Pallas Athene, in eben diesem Augenblick!" Die Anwesenden hielten dies für Wahnsinn. Er aber sprach:Sch wundere mich nicht, daß ihr dieser Rachricht, die noch nicht einmal ganz Dom weih, feinen Glauben schenkt. Aber jetzt sie wird bekannt in Rom: Rom tanzt!" Die Epheser blieben ungläubig, bis endlich Eilboten mit der Rachricht eintrafen, die des Apollo­nius' Ferngesicht voll bestätigte. Denn die Er­mordung Domitians, bet Tag, die Stunbe, bie Mörder, die et durch Zuruf ermuntert: alles wat richtig und genau so, wie er es während feines Vortrages gesehen und hinbgetan ...

Ein klassischer Lall des Fernsehens, älnd ab­solut nicht vereinzelt dastehend.

Aus dem Mittelalter wird uns von einer großen Anzahl von Personen, Frauen, Männern und Kindern, erzählt, die bie furchtbare Gabe gehabt haben sollen, es einem jeben Menschen ansehen zu können unb zu müssen, falls fein £ob in nächster Zeit auf normale ober gewalt­same Art bevorstand. Etwas ähnliche- erzähtt

man sich auch von dem großen schwedischen Ge­lehrten unb Mystiker Swebenborg, der heute noch unvergessen ist. Für ein unerklärlich scharfes Hellgesicht dieses Mannes, das nicht unmittel­bar mit Tob. aber doch mit einet riesigen Kata­strophe zu tun h"f besitzen wir leinen geringeren Gewährsmann und Bürgen als Smma.iuel Kant. »Die folgende Begrven^eu", vermelbet er, ^scheint mit die große Beweiskraft zu haben unb be­nimmt allem erdenklichen Zweifel bie Aus­flucht." Unb zwar ist es dieses Begebnis: Cs war im Sahre 1753, als Swedenborg gegen Ende des Seplembermonats am Samstag um 16 älhr aus England kommend, zu Gothenburg ans Land stieg. Er begab sich in eine Gesellschaft, entfernte sich um 18 Uhr ein wenig aus ihr, kam aber dann blaß und außer sich zurück ins Zimmer. Gr stammelte: eben jetzt sei ein wilder Dtand in Stockholm am Cübermalm über fünfzig Mellen entfernt von Gothenbutg! ausgeb rochen und greife rasend um sich; das §au$ eines feiner Freunde liege bereits in Asche, sein eigenes Haus sei In Gefahr. Erst um 20 Mr beruhigte er sich: gottlob: der Brand ist gelöscht, die dritte Tüt von meinem Hause! Dieses Gesicht des Mhstllers brachte nicht nur bie Gesellschaft, sondern alsbald ganz Gothen- burg in Aufregung. Man gab gleich dem Gou­verneur Rachricht. Zu diesem wurde Sweden­borg am nächsten Tage berufen, und hier be­leb rieb er genau den Brand, seinen Anfang, seinen Verlauf, fein Ende alles mit ge­naueren Zeitangaben. Cs wurde Mont g abeib. Dann traf eine Estafette in Gothenbutg em, bie von bet Kaufmannschaft zu Stockholm während bes Branbes abgeschickt worben wat. Sn ben Driesen würbe bet Brand auf bie gleiche Art beschrieben, wie ihn Swedenborg gesehen hatte. Am Dienstag meldete sich beim Gouverneur ein königlicher Kürrier: nun erfuhr man ge­naue Einzelheiten unb baS Ende des Brandes. AlleS verhielt sich aufs Haar genau so, wie es Swedenborghellgesehen" hatte ...

Ein wahrhaft klassischer Zeuge für die tat­sächliche Möglichkeit des Hellsehens ist Goethe. Man erinnert sich: er schied von Sesenheim... Sn solchem Drang und Verwirrung konnte ich doch nicht unterlassen, Friederiken noch einmal zu sehen. Es waren peinliche Tage, deren Sv-

Jnnerung mir nicht geblieben ist. Als ich ihr die Hand noch vom Pserd reichte, standen ihr u^e Tränen in ben Augen, und mit war sehr übel zumute. Run ritt ich auf dem Fußpfade gegen Drusenhelm, und da überfiel mich eine der sonderbarsten Ahnungen. Sch sah nämlich, nicht mit den Augen des Leibe-, sondern deS Geistes, mich selbst denselben Weg zu Pferde wieder ent- fjegenfommen. und zwar in einem Kleide, wie iQ es nie getragen, es war hechtgrau mit etwas ®olö. Sobald ich mich aus diesem Traum auf- schuttelte, wat die Gestalt ganz hinweg. Sonder­bar ist es jedoch, daß ich nach acht Sahten irr Dem Kleide, das mir geträumt hatte und daS ich nicht aus Wahl, sondern aus Zufall gerade trug, mich auf demselben Wege fand, um Frie- detiken noch einmal zu besuchen ..

®in Hellgesicht ist, wie Caroline von Wol» zogen, geh. von Lengefeld, erzählt, auch Schil­ler einmal geschehen. Schiller hatte dieRäu- bet" geschrieben und auf der Bühne erlebt und toeilte darauf in völliger Zurückgezogenheit auf dem Gut Bauerbach.Ein halbes Jahr lebte er so, größtenteils mit sich und der Ratur, un­bekannt und unerkannt von selten des Geiste-, in den rauhen Umgebungen. Ein einziger Freund In Meiningen, Re in Wald, der in der Folge fein Schwager wurde, kannte die Sage des gc- heimnisvollen Fremdlings: dieser, als Bibliothe­kar, versorgte ibn mit Büchern und besuchte ihn auch zuweilen. Mit dem Verwalter des Gutes spielte et Schach und machte oft Spazier- gänge mit ihm. Auf einer dieser Wanderungen durch die Wälder hatte er eine sonderbare Qnjnung, die ihm immer merkwürdig blieb. Auf dem unwegsamen Pfade durch den Tannenwald, zwischen wildem Gestein, ergriff ihn das Gefühl, daß hier ein Toter begraben liege. Dach wenigen Momenten fing der ihm folgende Verwalter die Erzählung von einer Mordtat an, bie mfi diesem Platze vor Sahten an einem reisenden Fuhrmann verübt worden, dessen Leichnam hier eingescharrt sei ..."

Goethes LebenSkreise haben sich deS öfteren berührt mit denen des seltsamen Pfarrers und Physiognomikers" Sohann Kaspar La v a ter, von dem dessen Schwiegersohn und Biograph Geßner berichtet:Mehrmals sagte mir der selige Lavater, wie er oft mit Zuversicht geohnet habe, daß er auf gewalttätige Weise sterben werde. Ganz bestimmt, sagte er mir, ich gewarte ost, daß nach mir werde geschossen werden. Et nahm für sicher, daß er gewalttätig fterben werde, unb zwar um der Freimütigkeit werde sterben müssen, mit der er stets seine Ueberzeugung ver­trat." Lavater, Pfarrer in Zürich, wurde dort im Sahre 1799 auf der Straße, wie er sich für einen Bedrohten einsehte, von einem französi­schen Soldaten über den Haufen geschossen: er starb an dieser Verwundung 1801, nach langen furchtbaren Qualen ...

Das stärkste aller bisher aufgetauchtenMe­dien' soll angeblich der im Sahre 1886 verstor­bene Schotte Daniel D. Home gewesen fein. Der Berner Universitätsproseffor Petry erzählt von ihm in seinem WerkBlicke in das verbor­gene Leben des Menschrngeistes": Home war 1866 in London öfters mit dem berühmten Tra- giker Fechter, einem Spiritualisten, zusammen. Eines Tages streckte er plötzlich seine Hand aus und drückte stark auf Fechters Brust. Dieser" bat ihn, die Hand zurückzuziehen, weil sie ihm Schmerz verursache, aber Home konnte es eine Zeitlang nicht. Als er sie wegnahm, war die berührte Stelle an Fechters Hemd blutig, und doch war kein Blut an dessen Brust oder an Hom es Hand. Während sie ben Blutfleck betrach­teten, verschwand er. Danach bäumte sich der

Disch wie ein Pferd, unb Home behauptete, er habe da- Gefühl, Fechter drohe Gefahr, wenn er äu Pferde fei Der Tragiker reiste nach Deutschland auf ben Kriegsschauplatz, und a!6 man ihm eines Morgen- wie gewöhnlich sein Pferd vorführte, schauderte ihn, und er erklärte, cS nicht beftefgen zu wollen. Den gleichen Mor­gen entlehnte ein Freund von ihm da- Pferd und erh.ett wenige Stunden nachher einen Schuß durch die Brust ...

Die bekannten Fälle von Hell- und Fernsehen sind zahllos, sie lassen sich unmöglich alle auf- zählen. W.r betreten unser Jahrhundert mit der Betrachtung eines Ereignisses, da- der ita­lienische Parapsychologe Professor D o z z a n o nutgeteilt hat. Sn Pari- lebte um 1900 eine Lady A.. der aus einer Tasche 3600 Franken ge­stohlen worden waren. Sie zog eine Hellseherin ju Rate, die erklärte, daß eine Person aus der Dienerschaft das Gelb gestohlen habe. Sie wei­gerte sich zwar, die Person näher zu bezeichnen, da sie nicht- mit der Polizei zu schaffen haben wollte, erklärte jedoch mit Bestimmtheit, es handle sich um eine männliche Person, die *toei Sa^re später hingerichtet werden würde. Tat­sächlich: zwei Sahre darauf wurde wegen Morde- ein ehemaliger Bedienter der Lady hingerichtet, der. wie sich dann einwandfrei herausstellte, auch den Diebstahl begangen hatte ...

Sn aller Erinnerung dürfte noch bas schreck­liche Hochbahnunglück sein, baS sich am 26- September 1908 am Gleisdreieck zu Berlin zutrug. Mit diesem Unglück ist ein .Hellgesicht" verknüpft, das sechs Sahre später Dr. Mat­ti e s e n au- Rostock in der Zeitschrift der Lon­doner Gesellschaft für Psychische Forschung ver- ösfentlichie. nachdem man Zeugen gesucht, gefun­den unb eingehend ausgeforscht hatte. ES han­delte sich um folgendes:

Ein Fräulein Frieda GenteS, bie In der Alexanderstrahe einen Zigarrenladen innehatte, sah am Vormittag des 26. September 1908 in ihrer Wohnstube mit den Augen deS Geistes plötzlich ihre Schwester Elsa, Angestellte eines Berliner Kaufhauses im Westen der Stadt, vor sich mit zur Hälfte blauem Gesicht. DieVisio- närin7 ersckrak heftig, denn sie wußte: das be­deutete Tool sie hatte diese Erfahrung schon einige Male machen müssen. Es erfuhren vor dem kommenden schrecklichen Ereignis von diesem Gesicht: eine Friseuse, eine Stiefschwester unb ein Stiefbruder deS Fräulein Gentes, die diesen Bruder flehentlich bat, dochzur Mutter und zur Schwester in die Dlücherstraße" zu eilen, um zu sehen, was geschehen sei. Die Mutter aber Mar nicht anwesend, sondern ins Kaufhaus ge­gangen und hatte ihr Tochter Elsa gebeten, doch heute nicht zum Mittagessen nach Hause zu kom­men, da sie Einkäufe machen und bann aus­wärts speisen wolle. Elsa GenteS kam aber auS nie geklärten Gründen dieser Bitte nicht nach unb machte sich später auf den Weg nach Hause, und zwar stieg sie in die Hochbahn in jenen Wagen, der am Gleisdreieck infolge falscher Weichenstellung von einem entgegenkommenden Zuge gerammt und aus der Höhe auf die Straße gestoßen wurde.

Shr Dame als der einer Toten wurde erst am nächsten Tage bekannt. Als ihre Schwester Frieda aber die ersten Gerüchte von dem furcht­baren Unglück vernahm, war sie, entgegen aller Wahrscheinlichkeit, sogleich der erschütterten Ueberzeugung. es sei auch ihrer Schwester daS Schlimmste geschehen, so daß sie ihre Angehörigen beschwor, sofort nachHuforschen. Und wirllich wurde von den Angehörigen die Leiche der Elsa Gentes noch am Tage deS Unglücks im Leichen- schauhaus aufgefunden ... (Forts, folgt)

S.J.-fport

DerbandSspiel-Ergebniffe aus dem Gau GießemWetzlar.

Dezirkskkas se I (Gruppe Lahn): VfB. Gießen-Wallau 42 (22); Wetzlarer SV.1900 Gießen 5:0 (1:0); FrohnhausenBreidenbach 4:4.

Bezirk-klasse II: SC. Wetzlar-Rieder- girmesAßlar 2:3 (1:2) (20 Minuten vor Schluß abgebrochen, Platz nicht mehr bespielbar); Löhn­berg-SV. Wetzlar 2 5:1; DissenbergOberbiel 9:1 (5:1); LeihgesternDaubringen (Daubringen nicht angetreten); 1900 Gießen 2Steinberg 0.-9 (0:3).

Gauklasse I: AllendorfLöhnberg 2 (Löhn­berg nicht angetreten); WerdvrsObemidorf 52; SteinbachButzbach 2 0:5 (0:2); Garbenteich Wieseck 5.-0 (2:0); HeuchelheimRiederweisel 4:1 (3:0); DutenhofenVfB. Gießen 3 4:3 (2:3); Großen-Duseck1900 Gießen 3 2.-0 (1:0).

DfB. Gießen.

DfB. I wallau I 4:2 (22).

Dor vielen Zuschauern entspann sich am Sonn­tag auf dem Waldsportplatz zwischen VfB. Gie­ßen und Wallau ein zum Teil recht dramatischer Kampf. Wallau gab einen beachtlichen Gegner ab. DfB. war durch Balser: Wilhelm, Leutheuser: Lehrmund, Knaus, Feuster: Schmidt. Bischoff, Fehling, Haupt unb Ritter vertreten.

Da- Spiel begann mit leichter Überlegenheit der Wallauer. Sie drängten immer wieder zum Tor, aber erst als Leutheuser den aufrüdenben Gästen einmal nicht nachsetzte, war der erste Er­folg für sie fällig. Die Gäste erfreuten sich aber der Führung nicht lange. 12 Minuten später brachte Haupt einen halbhohen scharfen Schuß an, der Tormann hielt den Ball hinter der Linie, der Schiedsrichter pfiff Tor, der Tormann schlug das Leder wieder in das Feld, das dann endgültig von Mattern in das Reh gejagt wurde. 1:1! Durch den Erfolg ermutigt griffen nun die VfBer ener­gischer an. Wallau wehrte sich sehr. Shr Angriff wurde nicht müde, das Gießener Tor zu beren- nen. Sn ausgeglichenem scharfen, ideenreichen Kampf vergingen die Minuten. Chancen wurden ausgelassen. Unter großem Beifall schoß Haupt das zweite Tor, nach dem der Tormann heraus- gclaufen war und nicht rechtzeitig genug zurück- kchren konnte, um den Erfolg zu verhindern. Haupt, schwer bedrängt, hatte sich den Ball nicht nehmen lassen. Kurz vor Halbzeit glichen die Gäste aber doch aus. Die Verteidigung war auch diesmal nicht ganz auf dem Posten; andererseits lieh sich Balser ben Ball entwischen und unter dem Körper in das Tor rollen.

Die zweite Halbzeit unterschied sich wesenllich von der ersten. Dor dem Wechsel fach man auf beiden Seiten schöne Leistungen. Setzt aber wurde, ausgeglichen zwar, aber doch sehr nervös ge­spielt. Beide Parteien blieben zunächst ohne Er­

folg. Während der letzten zehn Minuten gingen die Grünweißen sehr aus sich heraus, schufen brenzliche Situationen vor dem Gästetor, deren eine wiederum Haupt geschickt auszunühen ver­stand. Es sollte aber nicht beim 32 bleiben. We­nig später lief der Tormann einmal leichtsinnig toeit aus seinem Tor, so daß Wilhelms flacher scharfer Schuß leichten Weg in das Retz hatte. Kurz vor Schluß leistete sich Knaus ein Foul, sicherlich nicht sehr böse gemeint unb gleich be­reut, es brachte ihm aber doch die Herausstellung ein, die u. E. Leutheuser längst zuvor hätte tref­fen müssen.

Bester Mann auf dem Platz war Haupt. Er hatte einen großen Tag. Drei Tore gingen allein auf fein Konto. Die Grünweihen haben den Sieg in Anbetracht ihrer, wenn auch nur leichten, tech­nischen Ueberlcgcnljeit, verdient. Die Gäste stell­ten eine eifrige, sympathische Mannschaft, deren linker Flügel sehr stark beschäftigt und der (bes­sere) rechte Flügel stets vernachlässigt war. Die Gäste hinterliehen einen guten Eindruck.

Don den Platzverhältnissen schweigt deS Sän­gers Höflichkeit. Der Schiedsrichter konnte nicht immer überzeugen.

Aus dem Mitielrheinkreis der OT.

wichtige Tagungen.

Wegen der am 12. März in Preußen statd- findenden Gemeindewahlen ist der 101. ©auturn» tag der Hessenturner in Gießen auf den 19. März verlegt worden. Der Feldberg- fest-Turntag, der ebenfalls für den 12. März angesetzt war, findet nunmehr am 26. März in Frankfurt a. W.-Griesheim statt.

Lleberreichung des Hindenburgpokals an Wolf Hirth.

Der Reichspräsident empfing am Montag den Flieger-Diplomingenieur Wolfram H i r t h (Lei­ter der Segelfliegerschule in Grunau bei Hirsch­berg t Schlesien) unb überreichte ihm den Hin- denburgpokal für die beste Leistung im Segel­fluge im Sahre 1932. Der Preis ist Hirth am 15. Februar 1933 von dem Preisgericht unter Vorsitz des Ministerialdirektors Dr., ing. e. h. Brandenburg zuerkannt worden. Hirth hat eine Reihe wertvoller Flüge, teils größere lleber- lanbflüge, teils längere Sauerflüge, ausgeführt und durch sein Studium den thermischen Segel- flug, d. h. den EeAelslug unter Ausnutzung der atmosphärischen Warmeströmungen, hervorragend gefördert. Mit dem Hindenburapreis ist eine Prämie von 2000 Mark verbunoen. Hirth, der jüngere Bruder des bekannten Vorkriegsfliegers Hellmuch Hirth, hat bereits im Sahre 1929 den Hindenburgpokal für die beste Leistung mit Mo­torsportflugzeug erhalten.