Doktor Gmdes Ehe.
Originalroman von 3- Echneider»Zoerfil.
24 Fortsetzung Nachdruck oerbotenl
,^Za. Die Freundschaft datiert schon aus der Iu- genb,)rit." Ihre Stimme war jetzt nicht mehr m Mindesten verängstigt. Es war ja alles so gut ab» gelaufen.
„Vielleicht lassen Sie uns noch einen Blick in das Zimmer des Herrn Montrey tun, Fräulein Moore?"
„Gewiß!" sagte sie lächelnd.'Was sollte man schon bei diesem finden?
Die Sonne warf einen breiten, blendend Hellen Streifen in den kleinen Raum, der in tadelloser Ordnung war. Lena öffnete bereitwilligst die Schranktüren und erblaßte bis an den Ansatz der Haare. Mit einem Griff hatte der Kommissar nach den Handschuhen gefaßt, die auf dem Querbrett lagen. Ihre Sprache war deutlicher, als jeder andere Beweis es hätte sein können: sie waren blutbefleckt!
Verzweifelt schüttelte Lena den Kopf. „Er ist es Nicht gewesen!"
„Worum nicht?" sagte der Kommissar und wog fie in der Hand, als wolle er damit die Schwere der Schuld beurteilen. „Das ist unerwartet rasch gegangen. Wir brauchen Sie nicht mehr länger zu belästigen, Fräulein Moore."
Sie hörte es kaum. Ihr Kopf drohte zu bersten. Sßcnn die Herren noch länger blieben, glitt sie ihnen einfach vor die Füße. Sie kam sich als das unseligste Geschöpf vor, dem je eine Frau das Leben gegeben hatte. Warum hatte sie nicht gesagt, daß Dick sein Zimmer versperrt halte? Warum hatte sie fich überhaupt nicht von vornherein geweigert, in Grudes Abwesenheit jemand hereinzulassen?
Sie vergaß für den Gruß der Herren zu danken unb ließ sie durch das Mädchen nach der Flurtür begleiten. Kaum glitt diese ins Schloß, lief sie nach dem Sprechzimmer und drehte die Scheibe des leie- phons: 202 046.
„Hier Wellenberg", sagte eine Stimme aus dem Hörer.
„Herr Doktor! —"
„Was gibt es, Lena?"
Er bekam keine Antwort mehr. Auch als er selbst noch einmal bei Grude anläutete, blieb alles still.
Er sprang auf den Flur, riß Hut und Mantel herab und sagte einer gerade des Weges kommen» den Schwester, daß er dringend nach der Mariahilfer Straße müßte, man könne ihn Dort erreichen, wenn man ihn etwa durchaus benötigen sollte.
•
Dick saß am Steuer des Wagens, der vor dem Krankenhause stand und hatte ein Zeitungsblatt auseinandergefaltet, in welches er derart vertieft schien, daß er sogar die Schritte überhörte, die fi.)
dem Auto näherten. Erft, als ein bemützter Kopf sich durch das Fenster streckte, sah er auf. „Noch immer keine Gewißheit, Herr Kommissar?"
„Doch, Herr Hauptmann!"
„Wirklich?" meinte er erstaunt. „Das is aber schnell gangen." Etwas in dem Ton des Beamten gefiel ihm nicht. „Darf man wissen? —"
„Freilich! —" Der Kommissar nahm ein Paar blutbefprißte Handschuhe heraus und hielt sie ihm entgegen. ,Lhr Eigentum, Herr Hauptmann? —"
Dick war eine Sekunde lang verblüfft. Dann besah er sich die hellen Dinger von allen Seiten. ,La) glaub' beinahe selber, daß es die meinig’n sind! Wo hab'n Sie's denn gefund'n, Herr Kommissar?"
„In Ihrem Schrank!"
„Soo! — Da hätf ich's also besser versteck'n soll'n."
„Das hätten Sie tun sollen, ja. — Sie bekennen sich also zur lat?" suchte ihn der Beamte zu überrumpeln. Aber er hatte sich verrechnet.
Dick machte sein unbefümmertetftes Gesicht. „Aber gar net, Herr Kommissar! Weil da zufällig ein paar Blutspritzer dran sind, desweg'n muß ich's doch net gleich g'roefn sein. Ich hab' überhaupt die Madien schon ein paar Monat lang nimmer z' G'sicht kriegt. Ich hab' and) gar keine Sehnsucht darnach g'habt. Und daß 's einmal ein solches Ende nimmt, das hab' ich oorausgesehn."
„Ein gewaltsames Ende wollen Sie jedenfalls sagen, Herr Hauptmann?"
„3a, so ungefähr. —" Und als Grude eben die breite Treppe, die zum Gehsteig herabführte, her- unterflieg, rief er ihm fragend entgegen: „Wie geht's deiner Frau?"
Grude zwang die Tränen zurück, die ihm aus den Augen zu brechen drohten. „Sie ist nicht mehr zu retten!"
„Jkffas, na!" meinte Dick erschrocken, unb streckte dem Freunb die Rechte entgegen, der sie hilfesuchend zwischen seine kalten, zitternden nahm. „Kann ich naufgehen zu ihr? — Ich mein, ob's mich kennt, wann ich sie besuch'?"
Grube schüttelle ben Kopf. „Kennen wirb sie bich vielleicht schon. Aber geh lieber nicht. Dick! Das Sprechen strengt sie zu fehr an."
„Bloß auf ein paar Wort, Felix?"
Aber als er aus dem Wagen flieg, legte ihm ber Kommissar die Hand auf die Schulter. „Es tut mir sehr leib, Herr Hauptmann, aber in Anbetracht ber beinahe sicheren Gewißheit Ihrer Täterschaft kann ich nicht zulassen, daß Sie sich entfernen."
„Dann kommen ’s halt mit!"
Grude war derart verblüfft, daß er für ben Moment fein Wort zu sagen vermochte. „Was soll bas heißen?" brachte er nur hervor.
„Das sott heißen", erwiderte ber Kommissar, „daß Herr Hauptmann Montrey wahrscheinlich der Täter ist." Er nahm die Handschuhe heraus und hob sie als Zeichen des Beweises hoch.
„Dick!" sagte Grude unb schüttelte ben Freunb an beiden Schultern.
In diesem Augenblick wußte Montrey, daß er sich zur Schuld bekennen mußte, mochte daraus folgen, was wollte.
Mit einem abwesenden Lächeln schüttelte er Grubes Hände von sich und wandte sich dem Korn- rnissar zu. .Raffen's mich halt die paar Worte mit ber Mablen noch reb'n! Auskneif'n kann ich ja net. Und nüg'n tät’s ja doch nix mehr."
„Nein!" sagte der Kommissar streng.
Ehe Grude überhaupt recht zur Besinnung kam, verschwanden die beiden Beamten mit Montrey bereits hinter der Pendeltür des hohen, grauen Hauses. Für Sekunden legte Grude ben Kops gegen die kühle Scheibe des Wagenfenfters unb drängte den Schrei der Verzweiflung zurück, der sich ihm über die Lippen stehlen wollte.
„Dick also war der Täter!" Unb er hatte es aus keinem anderen Grunde getan, als aus lauterstem Erbarmen mit ihm! Nur aus Erbarmen! Es gab fein anderes Motto dafür. Und er hatte geglaubt, daß ber andere, für den Madien um Schonung gebeten hatte, ber Schuldige fei. Und nun dieses Ent» setzliche! Nichts hätte ihn fürchterlicher treffen fönnen.
Was tonnte er tun, um zu verhindern, daß Dick schwerster Strafe anheimfiel? Was tun, um ihn so viel als möglich zu entlasten? Die Handschuhe waren ihm zum Verräter geworden. Ein paar armselige, gelbweiße Glaces wurden zum Kronzeugen, die jegliches Leugnen unmöglich machten!
Er schleppte sich wieder die Stufen hinauf, welche zum Eingang führten, und sah Dick eben in Begleitung des Kommissars nach unten kommen. Beide Hände streckte er dem Freunde entgegen und suchte verzweifelt in dessen Gesicht zu lesen.
Montrey steifte die Schultern unb zwang sich zu einem Lächeln. „Es wirb net so gefährlich roerb’n, Felix. Mit ber Mablen hab ich gar nix reb’n können. Sie hat mich bloß ang'schaut."
„Hat fie bich erkannt?"
„Ich glaub net!! —" Und sich rasch gegen ihn neigend, flüstert« er: „Don ihr kommt kein Verrat nimmer! Und um mich brauchst dich net sorgen, Felitsche!"
Grude hörte alles nur mit halbem Ohr. Als er den Schlag öffnete, um einzusteigen, nahm der Kommissar bas Wort. „Ich möchte, um jedes Aussehen zu oermeiben, bitten, daß Herr Montrey jetzt gleich mit mir kommt. Ich denke, daß es so am besten ist."
„Sie meinen?" sagte Grude ungläubig.
„Daß du selber steuern sollst!" erklärte Dick und zeigte nach dem Führersitz. „Mußt dich halt eine Weile ohne mich behelf'n, Felix. — Auf Wieder- schau'n!"
Grubes beide Hände hielten ihn fest. „Du hast es für mich getan!"
„Für wen denn sonst?" Das Lächeln, das um Montreys Gesicht glitt, war nicht zu deuten. „Und
es reut mich net! Du darfst mir's glauben, Felitschef Ich tät's allemal wieder! Bloß oergeff'n sollst mich net!"
„Dick! —"
„Fahr jetzt!" gebot dieser. „Ich bin bereit, Herr Kommissar!" Grude zunickend, zog er den Hut weit in die Stirn.
Man durfte den Leuten kein Schauspiel auf offener Straße geben.
Gegen Mittag erwachte Madien aus ihrer tod- ähnlichen Besinnungslosigkeit unb bat, man mochte ihren Mann sofort verständigen, daß sie ihn zu sprechen wünsche. Eine Viertelstunde spater schon saß Grube an ihrem Bett unb hielt die schmalen Hande in ben seinen, die ihm einmal so unsagbares Leid bereiteten. „Du sollst nicht sprechen", mahnte er. „Ich will dir einen Zettel bringen, daraus sollst du schreiben, was du mich zu fragen wünschest!"
Sie sah ihn an unb ließ ben Blick über (eine Testalt hingleiten. „Hast du bich nach ihm erkundigt, Felix?"
Er nickte.
„Geht es ihm schlecht?"
„Es wird immerhin seine Zeit brauchen, bis er wieder auf dem Damm ist", gab er Bescheid. ..Die Wunde ist tief unb sitzt dicht neben dem Herzen."
Eine Weile sah sie nachdenklich vor sich hin. Ihre Finger zuckten in den feinen unb losten sich langsam von diesen los. „Ich hätte bei dir bleiben sollen, Felix! Unb bei unserem Kind! Ader das ist nun zu spät! Immer bereuen wir erst, wenn es nichts mehr zu ändern gibt."
„Du wirft wieder gesund werden, Madien." Seine fromme Lüge rief ein flüchtiges Lächeln in ihr Gesicht. „Widersprochen habe ich dir immer gern. Weißt du noch? Ach, ich bin nun einmal so! Die Hauptfach« ist, daß niemand erfährt, wer den Schuß abgegeben hat--"
„Die Polizei hat es bereits herausgefunden."
„Was? —"
Grude hielt sie mit Gewalt zurück, als sie hochschnellen wollte. Ihre Hand umklammerte die feine und zog ihn zu sich herab. „Wird er verurteilt werden?''
„Sicher!" bekräftigte er. „Soll ich für ihn sprechen, Madien?"
Er vernahm nur ein schmerzliches Stöhnen. ,Lch hätte dir das so gern erspart, Felix aber nun sollst du alles wissen, weil es nun doch kein Beschönigen mehr gibt. Wir haben uns geliebt."
Grube fuhr zurück. „Madien, du weißt nicht, was du sprichst."
„Doch, Felix! Schon als ich noch mit dir lebte, habe ich ihn gern gesehen und mich außer Haus mit ihm getroffen. Du hast gar nichts gemerkt, aber ich, mein Gott, ich weiß ja gar nicht, ob ich ihn wirklich geliebt habe. Er mich jedenfalls. Unb barum bitte ich dich um alles: Hilf ihm, wenn du ihm helfen kannst." (Fortsetzung folgt.)
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Karl Holzapfel, Gewerberat Ilse Holzapfel, geb. Welfe Dr. Wilhelm Holzapfel Melitta Holzapfel, geb.Köhler
Die Trauerfeier findet Montag, den 27. d. M, 14% Uhr, im Krematorium des Darmstädter Waldfriedhofes statt.
Darmstadt, Gleben, Frankfurt a. M„ Wiesbaden und Berlin, den 25. November 1933.
Mathilde Holzapfel, geb. Ebel Emilie Stronk. geb. Holzapfel
Amalie Holzapfel
Dr. Herrn. Holzapfel, Banksyndikus
Heute früh ist mein lieber Gatte, unser treuer Bruder. Vater und Grobvater
Eduard Holzapfel. Senatspräsideot i. R.
im 74. Lebensjahr unerwartet an Herzschlag verschieden.
Amfsverkiindigungen aus den oderhesflschen Kreisen.
Kreis Gießen.
Am 5. Dezember 1933 findet wie alljährlich eine Viehzählung statt. Die Leitung der Zählung ist dem Landesstatistj- schcn Amt in Darmstadt übertragen. Die Ausführung liegt ben Hessischen Bürgermeistereien ob. Eine Vergütung für die Mittvirkenben wird von Staats wegen nicht geleistet.
Di« nötigen Zähllisten unb Gemeinde- bogen wirb ben Bürgermeistereien bes Kreises das Landesstattstische Amt unmittelbar zusenben. Neu in die Gemeinde- bogen (letzte Selle) aufgenommen ist mit Rücksicht auf die Wiederholung der Edel- pelztterzählung zu Anfang Februar 1934 eine Frage nach dem Vorhandensein von Ebelpelztierfarmen. Ebenso erschien es zur Durchführung einer von Reichs wegen angeordneten Sondererhebung des Anbaues von Winterraps unb Wintergetreibe zweckmäßig, die dieser Erhebung entsprechenden Fragen mit der Viehzählung zeitlich zu verbinden. Die beiden hierfür bestimmten Vordrucke (in Weiß und Grün) gehen den Bürgermeistereien ebenfalls durch das Landesstatiftische Amt zu. Das weiße Exemplar dieser Vordrucke bleibt nach Eintrag der gewünschten Zahlen bei ben Akten der Bürgermeisterei, wo solches bei ber nächstjährigen allgemeinen Anbauflächenerhebung benötigt wird, während bas grüne Exemplar gleich- zeitig mit ben Biehzählungsergebnissen an bas Landesstatiftische Amt einzusenben ist. Diejenigen Bürgermeistereien, die bis zum 28. November 1933 nicht im Besitze der nötigen Zählpapiere und Vordrucke sind, wollen sich entweder mittels Fernrufs Nr. 2657 (Darmstadt) ober telegraphisch an das Lanbesstatistische Amt roenben.
Auf dem Gemeindebogen und der Zähl» liste sind Anweisungen ausgedruckt, wie die Zählung im allgemeinen durchzuführen ist. Die Bürgermeistereien wollen sich mit diesen Anweisungen vertraut machen und die Zähler eingehend belehren.
Die ausgefüllten Zähllisten unb die Urschriften der Gemendebogen sowie der grüne Anbauftächenerhebungsbogen find spätesten, bi, zum 10. Dezember b. 3. an das canbesstattstische Amt in Darmstadt abzulenben. Der Termin ist pünktlich einzuhalten unb barf nicht überschritten werben. 7178C
Reinschriften unb Abschriften ber Zähllisten brauchen nicht angefertigt zu werben, doch sind von ben Gemeindebogen Abschriften zu den Akten ber Bürgermeisterei ZU machen.
Das Kreisamt empfiehlt, die Anordnung der Zählung auf ortsübliche Weise be- kanntzumachen und die erforderlichen Maß- nahmen zur gewissenhaften Durchführung der Zählung alsbald zu treffen.
Kreis Büdingen.
Im Hinblick auf die bevorstehende Winterszeit sieht das Kreisamt sich veranlaßt, die Landwirte aufzufordern, ihre jungen Obstbäume in gehöriger Weis« gegen Hasenfraß zu schützen. Das Umwickeln' der Bäume mit Stroh, wie es vielfach üblich i[t, ist nicht genügend, da ber Hase dieses Schutzmittel beicht durchnagt; auch nisten sich im Stroh gern Obstbaumschädlinge ein. Einen wirklichen Schutz gewährt nur ein dichtes Umbinden ber Bäume mit Dornen ober bas Anbringen eines Draht- gitters. Bei ber großen Bebeutung, welche ber Obstbau hat, liegt es in dringendem Interesse ber ßanbroirte, an ihren Bäumen diese leicht und billig zu beschaffenden Schutzvorkehrungen änzubringen.
Hierbei weist das Kreisamt noch darauf hin, daß nach Artikel 2 des Gesetzes, in ber nach dem 1. Januar 1900 geltenden Fassung, den Ersatz des Wildschadens betreffend, Wildschaden nicht ersetzt wird, wenn er an Dbftbäumen und Baumschulen oorkommt, deren Eigentümer unterlassen hat, dieselben mit ber unter gewöhnlichen Umftänben zur Abwendung des Schadens ausreichenden Schutzvorrichtungen zu versehen.
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