Ausgabe 
27.3.1933 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhauptstadt

Buntes Allerlei

Industrie- und Handelskammer Gießen

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die Ruhe und Stetigkeit im Wirtschaftsleben emp­findlich gestört werden würde. Obwohl auch schon rein zahlenmäßig der Einzelhandel in den einzelnen Kammern gut vertreten sei, ständen die Kammern dem Gedanken durchaus freundlich gegenüber, auch den nicht handelsgerichtlich eingetragenen Einzel­handelsfirmen eine Vertretung in den bei den Kam­mern gebildeten Einzelhandelsabteilungen einzuräu­men. Zur Prüfung der Vorlage wird eine Kommis­sion aus fünf Herren gebildet.

Line Reufeslsehung der Linheilswerte auf den 1. Januar 1934 wird angesichts der feit 1931 eingetretenen Wertverschiebungen für unum­gänglich gehalten. Bei der Bewertung der Miet­wohngrundstücke soll von der Nettomiete' ausge- gongen werden, deren Begriff genau umschrieben werden muß. Als Bewertungsmaßstab für Villen und Fabrikgrundstücke soll nicht mehr der Wehr- beitragswert, sondern der gemeine Wert dienen. Auch eine Neufestsetzung der Multiplikatoren mit dem Ziel einer Vereinheitlichung für größere Ver­anlagungsbezirke ist anzustreben. Die Offenlegung der Einheitswerte ist beizubehalten, daneben sind aber auch Einzelmitteilungen notwendig.

Als das von der Kammer zu bestellende Mitglied für das Finanzgericht in Darmstadt wird Herr Bankdirektor Grießbauer bestimmt.

Nach einem Erlaß des Herrn Ministers des In­nern an die Provinzialdirektion und Kreisämter vom 7. Juni 1932 hatte der 1. November 1932 als äußerster Termin zu gelten, bis zu welchem

kommunale Steuervorauszahlungen erhoben werden dürfen. Wenn auch die Einstellung der Erhebung von Steuervorauszahlungen einem schon lange gehegten Wunsche der Handelskammer entspricht? so kann sie sich doch mit der Art der steuertechnischen Durchführung des Systemwechsels

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deshalb nicht einverstanden erklären, weil der Be­steuerung Werte zugrunde gelegt werden, die zwei Jahre zurückliegen, also in Wirklich­keit vielfach nicht mehr vorhanden sind. Den Steuer­pflichtigen ist aber auch nicht mit Steuernachlässen aus Billigkeitsgründen, oder mit Steuerstundungen gedient. Der steuerlichen Gerechtigkeit kann nur mit der Wiedereinführung des dreijährigen Durchschnitts Genüge geschehen.

Die vom Institut für Wirtschaftsprüfer aufgestellte Gebührenordnung begegnet sei­tens der Wirtschaft ernsten Bedenken. Auch die Kammer teilt diese Bedenken und gibt dem Ver­langen Ausdruck, daß ein gerechter Ausgleich zwischen den Interessen der Wirtschast und denen der Buchprüfer gesucht und gefunden wird.

In einer Denklchrift des Verein» der Tabak- industriellen von Gießen und Umgebung an den Herrn Reichskanzler und an den Herrn Hessischen Staatspräsidenten werden zur

Behebung der schweren Notlage in der Zigarrenindustrie

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AusstellungStadt und Land"

Oer Beginn der Gießener Frühjahrs Werbewoche.

Seit über sieben Jahren wird in Indien an dem Bau eines riesigen Wasserkraft­werkes gearbeitet, dessen bisher vollendeter Teil vom Bizekvnig kürzlich in feierlicher Weise eingeweiht wurde. Zunächst werden durch das Werk 13 große Städte des Pendschab des Fünfstromlandes sowie weite Landstrecken dieses Gebietes und einiger angrenzender Staaten mit Strom für industrielle und häusliche Zwecke versorgt werden, und wenn die beiden anderen Teile des großangelegten Planes, an deren Aus- ührung gearbeitet wird, erst fertiggestellt sind, wird das ganze, umfangreiche Pendschab mit einem Lleberfluß der billigen elektrischen Kraft so reichlich versorgt sein wie England.

Die Grundlagen für das gewaltige Unter- nehmen waren recht einfach In dem kleinen Gebirgsstaat Mandi im Bordwesten des Pend- schab-Gebietes fließen zwei Ströme parallel, der Uhl und der Rana. Durch einen Ausläufer des Dauladar-Gebirges werden die beiden Flüsse getrennt und der Rana verfolgt seinen Lauf rund 1000 Meter tiefer als der Uhl. Man mußte nun durch das zwischen den beiden Flüssen liegende Gebirge einen Tunnel bohren, um das Wasser des Uhl 1000 Meter hinab zum Rana stürzen zu lassen. Das Werk in seinem jetzigen Ausbau ermöglicht em Gesälle von 600 Meter und die Ausnutzung von 150 Kubikfuß Wasser in der Sekunde. Ist die Anlage vollkommen fertig, so wird das ganze Wasser des Uhl über ein Ge­sälle von 1000 Meter ausgenuht werden können.

So einfach wie die Ueberlegung, so schwer war die Ausführung, deren Kosten sich bis jetzt auf nahezu 1 00 Millionen Mark belaufen. Erschwerend fiel ins Gewicht, daß in weitem Umkreis von dem Entstehungsort des Kraftwerkes sich nicht die kleinste Ansiedlung befand. Daher mußte zuerst ein Dors angelegt werden, in dem die fünftausend Ar­beiter mit ihren Familien Unterkunft finden konnten. Für die Kinder mußten Schulen eingerich­tet werden. Krankheiten wie Cholera und Typhus

Ein indisches Riesenkrastwerk

Triumph der Technik im Iünfstromland.

Das Stadttheater in der Werbewoche.

2lus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: In der Werbewochc vom 26. März b.s 2. April gewährt die Intendanz allen auswärtigen Theaterbesuchern gegen Vor- zeiaung der Fahrkarten oder eines anderen AuS- weises auf allen Plätzen 20°/o Preisermäßigung »u allen Wochentagsvorstellungen. Als 25. Bor- stellung im Dienstag-Abonnement kommt morgen 20 Uhr unter der Spielleitung des Inten­danten Gerhart Hauptmanns SchauspielBor Sonnenuntergang" mit Intendant Dr. Rolf P r a s ch in der Rolle des Geheimrats Clausen zur Ausführung. Gewöhnliche Preise. Ende 23 Uhr. Mittwoch, 29. März, von 19.30 bis 22.30 Uhr, Wiederholung der Operetten-Reuheit: «Glückliche Reise" von Künnecke (Leitung: (W r e d e - M o e h l - B ä u l k e) als 24. Borstel- lung im Mittwoch-Abonnement. Operettenpreise.

Brand im Schiffenberger Wald.

Gestern gegen 14.30 Uhr bemerkten Spaziergän- gcr im Distrikt 110 im Schisfenberger Wald am Schreiberweg einen großen Waldbrand und benachrichtigten fofeyrt die Polizei. Die alar­mierte Feuerwehr rückte wenige Minuten spater aus. Unter Führung von Oberförster Lippe, der sofort zur Stelle war, wurde der Brand mit Reisig und Schippen ausgeschlagen. Eine große Anzahl Spaziergänger, Damen und Herren, war dabei behilflich. Der R a d e l h o l z b e st a n d m

Eine germanische Königshalle.

Eins der eigenartigsten Gebäude, die es auf deutschem Boden gibt, ist dieTor-Halle", die in Lorsch an der Bergstraße als der wichtigste Rest des dort im Jahre 763 gegründeten Reichs- klosters steht. Was an diesem uralten Denkmal besonders auffällt, das ist der farbige Schmuck der beiden Fassaden, die sich über den drei gleich hohen Torbogen erheben: es ist ein Mosaik aus weihen und roten Steinplatten von drei-- und sechseckiger Form. Die verschiedensten Deutun­gen sind unternommen worden, um dieses ehi> würdige deutsche Baudenkmal zu erklären, aber erst durch die Grabungen der letzten Jahre hat man erkannt, daß es sich hier um eine germanische Königshalle in Deutschland handelt, wie Prof. Friedrich Behn in derLefestunde" ausführt. Durch die Grabungen, die 1927 und 1928 auf dem Gebiete der Klosterkirche stattfanden, wurde die Torhalle in ein ganz neues Licht gerückt. Es erwies sich nun, daß der Bau nicht die Ein­gangshalle des Klosters war, to:e man bisher angenommen, sondern ursprünglich vollständig frei wie ein Triumphbogen im Borhof der Kloster­kirche stand. Die alten Wandmalereien, die im Innern der Kirche aufgedeckt wurden, offenbarten in ihren übereinanderliegenden Schichten eine zeitliche Stufenfolge von vorkarolingischer bis spätgotischer Zeit. Ebensowenig wie als Torhalle des Klosters konnte das Denkmal als Wächter­stube gelten, da es augenscheinlich der vornehmste Bau des Klosters war, und auch mit der Gruft­kapelle des ostkarolingischen Herrscherhauses, die hier für Ludwig den Deutschen errichtet wurde, hat der Torbau nichts zu tun, da diese Kapelle bei den Ausgrabungen in unmittelbarem An­schluß an den Ostchor wiedergefunden wurde. Es kann sich hier nur um eine Königshalle handeln, die dazu bestimmt war, den Fürsten aufzunehmen, wenn er das Kloster besuchte. Aehnliche Königs- Hallen der Germanen aus der Dölkerwanderungs- zeit sind anderweitig bekannt geworden: auch im Kloster Farsa in den Sabinerbergen gab es ein solchesPalatium", in dem die deutschen Kaiser bei ihren Romsahrten abstiegen. Die Torhalle von Lorsch, die am Eingänge der mittelalterlichen deutschen Baukunst steht, macht in ihrer Formen- spräche doch einen fremdartigen Eindruck. Gewiß ist das Borbild der römische Triumphbogen. und diese Ausnahme der Antike entsprach dem Geist der ..karolingischen Renaissance", die noch ganz organisch an die Kultur des Altertums an» knüpfte. Aber so klassisch-antik die Bauform ist, so unklassisch ist der Schmuck. Hier handelt es sich um orientalische Anklänge, die sich im Osten be­reits in viel früherer Zeit nachweisen lassen. Die persönlichen Beziehungen Karls des Großen zu dem Kalifen Harun al Raschid waren ein sichtbarer Ausdruck für diese Begegnung von Ost und West, w:e sie sich in der Sympathie der beiden größten Herrscher ihrer Zeit zeigte. Die- selben Zusammenhänge zwischen abendländischer Kultur und Kunst spiegeln sich in dem Lorscher Baudenkmal, das eine germanische Königshalle war.

in Berlin.

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Am gestrigen Sonntagvormittag wurde als Auftakt der Gießener Frühjahrs-Werbewoche die AusstellungStadt und Land" in der Turnhalle am Oswaldsgarten eröffnet. Zur fest­gesetzten Stunde hatten sich neben den Ausstel­lern und ihrem Personal zahlreiche geladene Gäste kinaesunden, aber auch Interessenten aus der Bür­gerschaft waren schon zahlreich erschienen.

Der Vorsitzende des Verkehrsvereins, Stadlratsmitglied Schmieder, leitete die schlichte Eröffnungsfeier mit einer kur­zen Ansprache ein, in der er allen an der Bor- bereitung der Ausstellung beteiligten Personen insbesondere den Borstandsmitgliedem Derwal- tungsoberinspektor Müller und Kaufmann L >eb, ferner den Ausstellern für die vortreff­liche Herrichtung der Stände den Dank und die volle Anerkennung des Berkehrsvereins übermit­telte. Ferner wies er noch in einem kurzen Rück­blick auf die großen Schwierigkeiten bei der 23er- anstaltung der Ausstellung auf das Bemühen hin. auch auf diesem Wege die enge Verbundenheit der Interessen von Stadt und Land zu betonen und vom Berkehrsverein alles zu tun, um der Wirt­schaft in Gießen und in Oberhessen neue Antriebs­kraft zuzuführen. Er betonte schließlich noch, daß der Berkehrsverein nicht Selbstzweck sei, sondern nur für den Dienst zum Besten der Allgemein­heit in Betracht komme, daß der Verein selbstlos arbeite und darum fein Wirken und feine Werke allgemeine Anerkennung, insbesondere auch durch Erwerbung der Mitgliedschaft durch alle Kreise der Geschäftswelt verdiene.

Bürgermeifter Dr. Hamm (Gießen) brachte als Vertreter der Stadt Gießen und als erster Bundesvorsitzender des Berkehrsbundes Oberhessen deren beste Wünsche für einen vollen Erfolg der Ausstellung zum Ausdruck. Er be­tonte dabei ebenfalls die Interessengemeinschaft von Stadt und Land, von Provinzialhauptstadt und Provinz, würdigte mit anerkennenden Wor­ten die Tätigkeit des unermüdlich schassenden Verkehrsvereins, wie auch die sehenswerte Her­richtung der Ausstellung und betonte in kurzen Worten die dringende Rotwendigkeit der unab­lässigen, regen Verkehrswerbung für unser Ober­hessen und dabei auch für Gießen.

Ein Rundgang durch die Ausstellung im Anschluß an deren Eröffnung durch den Verkehrsvereinsvorsihenden S ch w i e d e r brachte den Besuchern viel Interessantes. Die Ausstel­lung zeigt durch geschickte Ausnutzung des Rau­mes der Turnhalle einen vielseitigen Ausschnitt aus der heimischen Wirtschaft und den mannig-

u. a. die folgenden Vorschläge gemacht: Ermäßi­gung der Banderole für die Zigarren von 23 auf 20 d. $)., Befreiung der Banderole von der Umsatz­steuer und Wegfall der Ausgleichsteuer auf die Ein­fuhr von Rohtobak. Die Kammer wird diefen dring­lichen Wünschen der Zigarrenindustrie die erforder­liche Unterstützung angedeihen lassen.

Die Kammer hat sich durch den Hessischen In­dustrie- und Handelskammertag beim Deutschen Industrie- und Handelstag für Aufhebung der Gemeindebier st euer eingesetzt. Die prak­tische Durchführung des

landwirtschaftlichen Vollstreckungsschuhes bereitet besonders denjenigen Unternehmungen in Industrie und Handel, die vorwiegend Landkund­schaft haben, schwerste Sorgen. Es muß immer und immer wieder von den Vollstreckungsbehörden ge- fordert werden, daß sie bei der Handhabung der Verordnung nicht allein den Schuldnerschutz in den Vordergrund rücken, sondern daß auch die berech­tigten Ansprüche der Gläubiger die gebührende Berücksichtigung finden.

forderten ihre Opfer, und die Hindernisse, denen der Transport und die vorbereitenden Jngenieursarbei- ten begegneten, waren außerordentlich.

Im Februar 1926 konnte endlich mit den Arbeiten begonnen werden, aber erst zwei Jahre später konnte die Eisenbahn von ihrem Endpunkt Pathan- kot bis zur Stätte des zukünftigen Kraftwerkes durch- geführt werden, und während dieser zwei Jahre muhte alles Material über eine Strecke von 170 Kilometer auf Lastkraftwagen herbeigeschafft wer- den. lieber 3000 Tonnen Maschinen ujm. wurden aus diese Weise transportiert. Auf beiden Seiten des Gebirges mußten Wege angelegt werden, auf denen weitere 115 000 Tonnen Material herangebracht wurden. Da diese beiden Wege auf dem Gipfel des Gebirges nicht vereinigt werden konnten, war eine Bahnquerverbindung notwendig, die in 2300 Meter Höhe durch Granitfelsen gelegt werden mußte. Ebenso war die Durchstohung des Tunnels für die Wassermassen eine Arbeit, die an die Geschicklichkeit der Ingenieure und an die Ausdauer und Leistunas- fähigkeit der eingeborenen Arbeiter die größten An­forderungen stellte.

Auf einer Strecke von vier Kilometer erfolgte die Bohrung und immer wieder geschahen Einbrüche und Ueberflutungen durch große Wasser- massen. Infolge der häufigen Zusammenstürze muß­ten in dem Felsmassiv große Höhlungen ausgefüllt werden, von denen eine allein 10 000 Kilogramm Material erforderte. Im März vergangenen Jahres, über vier Jahre nach Beginn der Bohrung, stießen die beiden Tunnelenden mitten im Gebirge zusam­men. Die Arbeiten waren so genau ausgesührt, daß der Irrtum sich nur auf dreiviertel Zoll waagerecht und ein Zehntel Zoll senkrecht belief. Nun ist das größte Kraftwerk, das je von britischen Ingenieuren hergestellt wurde, schon soweit fertig, daß die Tur­binen bei 428 Umdrehungen in der Minute 132 000 Volt erzeugen, und der Triumph der Technik und der weißen Kohle ihren Siegeszug auch durch In­dien antreten können.

Ein merkwürdiger See in Afrika.

Daß gewisse Gebilde der Erdoberfläche durch außerirdische Vorgänge entstanden sind, war bis vor 40 Jahren unbekannt. Damals wurde der Meteorkrater des Coon Dutte beim Diable- Cannon in Arizona als eine Aushöhlung erkannt, die durch den Aufprall einer riesigen Meteor­masse entstanden sein muß. Seitdem hat man verschiedene solcher Krater mit mehr oder weni­ger Sicherheit bestimmt. Der Merkwürdigste unter ihnen dürfte der Bosumtwi-See im afrikanischen Ober-Guinea sein, über dessen nunmehr gelöstes Rätsel Dr. Richard Uhden in der Frankfurter WochenschriftDie Umschau" nähere Mitteilun­gen macht. Mitten im Urwald befindet sich ein fast kreisrunder, 60 bis 70 Quadratkilometer großer und 7,50 Kilometer im Durchmesser hal­tender See, dessen tiefster Punkt 73 Meter unter dem gegenwärtigen Wasserspiegel liegt. Die Ufer* wände fallen ringsum sehr steil ab und bilden eine vollkommene Hohlform, deren größte Breite 13 Kilometer ist. Da es im weitesten Umkreis keine Seen gibt und der Bosumtwi demnach ein völlig isoliertes Gebilde darstellt, hat man sich über seine Entstehung lange den Kopf zerbrochen. Für vulkanischen Ursprung sprechen keine An­zeichen, und das Seebecken kann erst in geologisch junger Zeit aufgetreten fein, da nirgends bisher Wasserläufe seine Ränder zu Durchschneiden ver­mochten. Durch einen Vergleich mit dem Arizona- Krater und durch Hinweis auf die ringförmigen Gebilde der Mond-Oberfläche, die man ebenfalls durch den Aufsturz von Meteoren erfärt, ist man nun zu einer befriedigenden Erklärung der Ent­stehung dieses seltsamen Sees gekommen. Aller­dings wurde Meteoreisen, das sich in der Um­gebung des Arizona-Kraters so reichlich findet, nirgends festgestellt. Der Bosumtwi-Meteor kann daher nicht aus Rickeleisen bestanden haben, son­dern muh von steiniger Beschaffenheit gewesen sein. Sehr interessant sind die Veränderungen in dem Gewässernetz, die der Meteor hervorgeruten hat. Das System des Buonim, eines Reben- flusses des Anum, wurde vollständig vernichtet, und statt dessen trat ein in sich geschlossenes System des Sees auf; auch fein Wasserhaushalt ist sehr merkwürdig. Die jährliche Regenmenge, die in diesem Gebiet etwa 160 Zentimeter beträgt, erhöht beständig den Spiegel des Sees, da div Verdunstung bet der hohen Luftfeuchtigkeit gering ist. Infolgedessen müssen die Eingeborenen immer wieder vor dem Steigen des Wassers zurückweichen. Da das Wasser vollkommen süß ist, nimmt man an, daß der See einen unterirdischen Abfluß hat, der jedoch nicht genügt, um das zuströmende Wasser ab­zuführen. Das Wasser des Sees dürfte daher in absehbarer Zeit den Kraterrand überfluten und eine Verbindung mit dem Anum Herstellen. Die Ein­geborenen, die um den See herumwohnen, die Aschanti, halten ihn für heilig und behaupten, häufig auf dem Wasserspiegel einen Fetisch in Ge­stalt eines weißen Wesens zu sehen, dessen Erscheinen von Getöse und Aufwallen des Wassers begleitet sein soll.

faltigen Beziehungen zwischen Stadt und Land. Die Firmen Reinig (Seltersweg) und Hen­sel Rachf. (Walltorstraße) sind mit Stahl­waren, Erzeugnissen der Kleineisenindustrie usw. der verschiedensten Art für Stadt und Land er­schienen. Das Konfektionshaus C. Frensdorf zeigt Bekleidungsstücke aller Art, die Firma Reumeyer läßt ihre Schuhwaren sehen: beides unter sportlichem Gesichtspunkt mit entsprechender Erweiterung sieht man in dem Stand des Sport- Hauses Schwan. Don der Firma Elektro lux werden Staubsauger usw. gezeigt. Die Gie­ßener Gasvereinigung und die Gemein­schaft der Elektrofirmen zeigen Heiz-, Koch- und Heißwassergeräte usw. in vielsältiger Aus­wahl. Für Rähmaschinen suchen die _ Firmen Singer und Seim, für Polstermöbel die Firma G. Bau und für Oefen die Firma Sommerlad das Interesse zu Wecken. Tep­piche und Tapeten zeigt die Firma Zaubert. Mit Musikapparaten usw. ist das Musikhaus von Ernst C h a l l i e r erschienen. Das Gebiet der Landwirtschaft wird in vielseitiger Weise von dem Universität-Tierzuchtinstitut Oberer Hardthof, von der Eier-Ver- wertungsgenossenschaft, vom Hof- gut Winnerod und von der Molkerei Grieb nicht mit theoretischen und ähnlichen Dingen, sondern mit Sachen der Praxis, der Er­zeugung und des Verbrauchs gezeigt. Zigarren und alle Tabakwaren halten die Firmen Loeb, M o e s e r und Chambre in der Ausstellung zur Schau und zum Kauf bereit. Für das ge­werbliche und das kaufmännische Schaffen zeigen die Vogtsche Handelsschule, das Büro- bedarfshaus Vogt und die Firma Rie­derhausen & C o. viel Sehenswertes und Interessantes, auch den Besuchern, die für der­artige Dinge nicht selbst Verwendung haben. Ein gemütliches Ausstellungs-Restau­rant, das von Frau Schmuck geführt und gut versorgt wird, bietet den Besuchern die Möglichkeit, sich bei einer Erfrischung ausruhen zu können. An musikalischer Unterhaltung fehlt es in der Schau ebenfalls nicht. Die Ausstel­lung war gestern nachmittag bereits stark besucht und sand allenthalben mit Recht volle Anerken­nung.

Die Besichtigung der Ausstellung ist dis ein­schließlich 2. April täglich von 10 bis 19 Uhr ununterbrochen möglich.

Riemand sollte versäumen, diese Schau zu besuchen! Die Landbevölkerung möge am nächsten Mittwoch bei ihrem Besuche des Pferdemarktes auch diese Ausstel­lung aufsuchenl

lieber die Sitzung der Industrie- und Handels­kammer Gießen für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach, die am 23. März in Gießen stattfand, wird uns von der Kammer folgender Bericht über­mittelt:

Vor Eintritt in die Tagesordnung gedenkt der Herr Vorsitzende der großen und gewaltigen Ereig­nisse der letzten Monate. Er gibt der Ueberzeugung Ausdruck, daß

der große Sieg der nationalen Bewegung Ordnung und Sauberkeit bringen und der Wirtschaft die Grundlage geben werde, auf der sie aufbauen kann.

In den vergangenen Jahren bat es hieran vielfach gefehlt, und bei der großen Unsicherheit einerseits und der steuerlichen Uederlastung anderseits sind un­endliche Schäden angerichtet worden und zahllose Betriebe zusammengebrochen. Der Herr Vorsitzende erinnert in diesem Zusammenhang an das Wort des großen Preußenkönigs:Der Berg ist über­schritten, nun wird es leichter gehen", und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß sich dies nun auch von^der weiteren Entwickelung sagen lassen möge. Fer­ner berichtet der Herr Vorsitzende über den Besuch der Präsidenten der hessischen Industrie- und Han­delskammern bei dem Herrn Staatspräsiden­ten, der den oorgetraaenen Wünschen der Wirt­schaft nachdrückliche Förderung zusagte.

Der Versammlung wird der Entwurf einer Ein­gabe des Hessischen Industrie- und Handelskammer­tages an den Herrn Staatspräsidenten vorgelegt, in welcher zum Ausdruck gebracht wird, daß durch die geforderte

Errichtung von Einzelhandelskammern

die bisherige harmonische und gedeihliche Zusam- . menarbeit von Industrie, Großhandel und Klein­handel in den Kammern unterbrochen und damit I

dem betreffenden Distrikt, der etwa 208 Hektar groß ist. dürfte nach Angabe der Oberförfterei zu zwei Dritteln vernichtet sein. Bei dem Ablöschen des Brandes wurde eine Tabak­pfeife ohne Deckel gefunden, fo daß anzu­nehmen ist, daß dieser Waldbrand auf Fahr­lässigkeit zurückzuführen ist. Um 15.40 Uhr rückte die Wachmannschaft der Feuerwache von der Brandstelle ab.

Lauterbach ebrf den Reichskanzler und den hessischen Staatspräsidenten.

WSR. Lauterbach, 25. März. In der gest­rigen Gemeinderatssihung wurde ein nationalsozialistischer Antrag eingebracht, dem­zufolge Der seitherigeHohhausplatz", auf dem das Kriegerdenkmal von 1870/71 steht, in Adolf - Hitler - Platz" umbenannt wer­den soll. Ferner beantragte die nationalsozia­listische Fraktion, in Anbetracht der Beziehungen, die den neuen hessischen Staatspräsidenten durch seine frühere Tätigkeit in Lauterbach mit unserer Stadt verbinden, Professor Dr. Werner zum Ehrenbürger der Stadt zu ernennen. Der Ge­meinderat nahm beide Anträge einmütig gegen die Stimmen dreier sozialdemokratischer Gemeinde­räte an.

Sprechstunden der Redaktion.

11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samslag nachmittag geschlossen.