Ausgabe 
26.8.1933 Erstes Blatt
 
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Wandern und Reisen Bäder und Sommerfrischen.

Wanderfahrten.

LichNonnenrolhLaubachGrünberg.

Don unserem Ausgangspunkt Lich wandern wir kn östlicher Richtung blauen Ringen nach, die uns über den bewaldeten Rehkvpf am Dirkenweiher vorbei nach Ronnenroth bringen. Das -Zeichen leitet uns weiter über eine aussichtsreiche Höhe, mit Blicken nach dem Hohen Vogelsberg, später durch viel Wald nach dem schmucken Städtchen Laubach, wo wir dem gräflichen Schloß und Park einen Besuch abstatten. Auch sonst bietet das alter­tümliche Städtchen manches Sehenswerte. Run- mehr, ohne Zeichen, gehen wir auf der Straße nach Lauter, von der wir überraschend schön« Fernblicke genießen, später durch das rei^nde Brunnental hinauf zum hochgelegenen Grünberg, das ebenfalls viel Interessantes in seinen Mauern birgt. Wanderzeit 5 Stunden.

CaldernRimbergDagoberlshaufenMarburg.

Aeußerst lohnend wegen der prächtigen Fern­sicht ist ein Besuch des östlich von Marburg ge­legenen Rimbergs, der in Form und Höhe unserem benachbarten Diinsberg gleicht und der am besten von Caldern aus zu besteigen ist. Don der Sta­tion Caldern führen uns rote Striche, die uns auf der ganzen Strecke begleiten, durch das male­risch gelegene Dorf in den Wold. In bequemen Windungen steigen wir in die Höhe und erreichen in etwa 45 Minuten den Gipfel des Berges, den ein hölzerner Turm krönt. Die Aussicht von diesem in die Ferne, auf die umliegenden Berge, auf Täler, friedliche Dörfer und das schöne Lahn- tal ist entzückend. Die Zeichen führen uns nun abwärts durch Dagobertshausen, einen kleinen Weiler von vier Gehöften, auf die Caldener Straße, die wir bei derBlauen Pfütze" wieder verlassen, um den Landweg nach Marbach ein­zuschlagen. Rach einiger Zeit erreichen wir bei dem Kurhaus das als Sommerfrische bekannte, reiz­voll gelegene Marbach. Durch das enge Marbach- tälchen gelangen wir in der Ketzerbach nach un­serem Erdziel, der alten Musenstadt Marburg. Wanderzeit knapp 4 Stunden.

Besuch im Nahetal.

Äon Dr. Heinz Stephan.

Mit allen übrigen Nebentälern des Rheins kann sich die Nahe getrost an Schönheit und Ro­mantik messen. Schon vom Strom aus verlockt der Anblick der Nahemündung zu einem Besuch dieses mit Burgen und Weinhängen geschmückten Talschnittes. Sehenswert an der Mündung die alte Rhein- und Weinstadt Dingen, das eigentliche Tor des Nahetales, eine Stadt, er­füllt von echt rheinischem Leben, mit zahlreichen geschichtlichen Erinnerungen. Am anderen Nahe­ufer Bingerbrück überragt von der Elisenhöhe, ein anmutiger Ort mit der nahen Burg Rhein- stein, die herrliche Ausblicke ins Dheintal bietet.

Der elfte bedeutende Ort, dem wir bei der Wanderung flußaufwärts begegnen, ist Strom­berg an einem kleinen Seitenschnitt der Nahe gelegen, ein typischer Hunsrückort, Geburtsstätte desDeutschen Michel", infolge seines großartigen Waldreichtums und seiner beschau­lichen Ruhe für Erholung besonders geeignet Weltberühmt Bad Kreuznach, die internatio­nale Badestadt mit Kureinrichtungen, die ihres­gleichen suchen. Ein Glanz stück der Stadt ist der Kurpark mit Kurhaus und Radium-Inhala- torium. Wertvolle Funde birgt das Heimat­museum, darunter prachtvolle Fußbvdenarbeiten in römischem Mosaik. Nicht minder bekannt Bad Münster am Stein, dessen Kurerfolge sich denen der Nachbarstadt Kreuznach würdig anreihen. Bad Münster am Stein ist der Ausgangspunkt zahlreicher reizvoller Wanderungen ins Alsenz- tal zur Ebemburg mit Denkmal für Franz von Sickingen und Hutten. Weiter gelangt man zu den Trümmern der weitläufigen Qlltenbaumburg. Rechts von der Alsenz liegen der Lemberg mit prächtiger Aussicht und die Ruine Mont­fort, aus der Talsohle grüßt das altersgraue Pfalzstädtchen Obermoschel. Lohnend ist der Auf­stieg zu dem gewaltigen Bergmassiv des Donners­berges, der als höchster Berg der Pfalz einen einzigartigen Rundblick gestattet.

Gerade die kleineren Seitenschnitte des Rahe­tales bieten erhebende Eindrücke landschaftlicher Schönheit. So begegnen wir im mittleren Glan­tal in Meisenheim einem mittelalterlichen Stadtbild von eigenartigem Reiz. Man darf nicht vergeffen das alteSchloh zu besuchen und dieSchloß- kirche mit berühmten Denksteinen. Wieder am immer idyllischer werdenden Flußbett der Rahe liegt Sobernheim, eine altertümliche Stadt, die künstlerisch vollendete Bauwerke beherbergt. Eingebettet in schroff emporsteigende Bergwände, überragt von der alten Schlohruine Kyrburg, wird Kirn mit Recht als die schönstgelegene Stadt an der Rahe bezeichnet. Die eindrucksvolle Umgebung lockt zu lohnenden Ausflügen durchs

Hahnenbachtal nach Burg Callenfels, die malerisch auf schroffen Felsenklippen steht, und weiter zum Schloß Wartenstein. Bon hier aus führt der Weg bergauf zu Schloß Dhaun.

Hinter Kirn, das selb t schon bedeutende Mela- phyrsteinbrüche aufweist, beginnt die bekannte Achatindustrie des Rahetales. Weltruf als Sih traditioneller Edelstein- und Halbedelsteinschlei» fereien haben Ober ft ein und Idar, die aber auch schon allein wegen ihrer herrlichen Lage zu den Perlen des Fluhtales zählen. Unter den alten Schloßruinen der Stadt Oberstein steht die berühmte Felsenkirche. Die Schwesterstadt Idar bietet in ihrer Gewerbehalle einen anschaulichen Ueberblick über den Reichtum des Landes an Edelsteinen in vorbildlich auf gemach ter und reichhaltiger Ausstellung. Bon beiden Städten aus ist das Hochland des Hunsrücks in we­nigen Stunden erreichbar. Hier erheben sich, dicht aneinandergedrängt, die höchsten Berge des

Hunsrücks. Den großartigsten Rundblick genießt der Wanderer vom Erbeskopf aus. Weit über die Berge der Pfalz, ja bis zum Odenwald, reicht der Blick von diesem höchsten Gipfel des Hunsrücks. Im Südwesten taucht das Saarland, im Rorden die Kette der Eifelberge auf und in nächster Rähe, um den Berg her, hebt sich ein Bild in mannigfaltigen Formen und Flächen.

Weiter flußauf, wo die Landschaft immer eigenwilliger wird und dem Fluß oft nur durch Felsschroffen den Lauf zum Rhein gestattet, zeigt Birkenfeld, die Hauptstadt des kleinen zu Oldenburg gehörigen Ländchens, sein gemütliches Häuserbild. Die kleine Residenz bietet neben dem imposanten Schloß manche baulichen Sehenswür­digkeiten. Roch weiter auswärts,' wo der Fluß zum kleinen hellen Gebirgsbach wird, liegt, um fein altes Schloß geschart, Rohselden-Türlismühle, ein Erholungsort von bestechenden Vorzügen der nahen und weiten Umgebung.

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Spaziergang durch Nürnberg.

Zn der Stadt der Meistersinger.

Am 2. und 3. September findet in Nürnberg der erste Reichsparteitag der NSDAP, im neuen Reich statt.

Ehrwürdige, hochgiebelige Häuser säumen den Straßenzug ein, auf dem ich emporstrebe und der zuletzt in einen kleinen Platz über­geht, in den einige Gäßchen einmünden. Wind­schief steht ein alter dreistöckiger Fachwerkban, der GasthofZum Maulbeerbaum" da. Ge­radeaus und zur linken Hand erhebt sich auf steilem Hügel die alteKaiserburg von Nürnberg". Durch schmale, nur von eigen­artig ausgewachsenen Sandsteinfelsen unter­brochene Anlagen, führen eine Straße und ein Fußpfad noch höher hinan zur Burg selbst.

Bevor man durch den hohen gewölbten Tor­bogen eintritt, lädt ein breiter Altan mit einer Anzahl Bänke zum Verweilen ein. Ich aber rücke an die alte verwitterte Steinbrü­stung vor und blicke herab auf Nürnberg. Scharf zeichnen sich die charakteristischen Türme der Sebalduskirche, der Lorenzer- und Jakobskirche ab, links daneben taucht der zarte Turm der Frauenkirche auf. Weiter drüben das Gebäude des Hauptbahnhofs und das neue Stadttheater. Unter mir aber ein Gewirr von Straßenzügen und Gäßchen, ur­alten Häusern und Häuschen mit roten, brau­nen und grauen Dächern und angerußten Schornsteinen das typische Antlitz Alt- Nürnbergs.

Und nun geht's zwischen zinnenbewehrten Mauern durch Torbogen, vorbei an derHä­senburg" und dem gegenüberliegendenSinn­wellturm", in den Vorhof der Burg, die im 12. Jahrhundert von Barbarossa erbaut und zur Residenz erhoben wurde, vorbei auch am Tiefen Brunnen" in den verträumten Burg­hof mit seiner alten Linde, von der eigentlich nur noch ein Stumpf vorhanden ist. An der Ostseite der Burg erhebt sich der halbverwit­terteHeidenturm", während etwas außer­halb von ihr der fünfeckige Turm seine mäch­tigen Formen emporschiebt. Trotz der alles eher denn einheitlichen Schöpfung, da ja eine Reihe von Jahrhunderten an der Gestaltung der Kaiserburg gearbeitet haben, ist dennoch eine wunderbar künstlerische Einheit erzielt, die den Beschauer sofort gefangennimmt. So diente die Burggräfliche Feste, der alte Teil der Burg, teils alsVorhut", teils auch als eigentlich Residenz. Die von Hans Bchaim 1494 erbauteKaiserstallung" war ein Korn­haus, das noch heute mit seinem mächtigen roten Dach und den sechsfachen Reihen von Luken imposant wirkt.

Auf einer gegen Norden zu liegenden Mauerbrüstung wird der Abdruck zweier Pferdehufe gezeigt,' die daran anknüpfende Sage erzählt vom kühnen Raubritter Eckelein, der, als er auf der Burg gehängt werden sollte, mit seinem Pferde in kühnem Sprunge den an dieser Stelle vorbeiführenden Stadt­graben übersetzte und sich dermaßen vor dem Henkerstode rettete. Die Nürnberger müssen sich aber seit dieser Zeit sagen lassen:sie hän­gen keinen, sie hätten ibn denn zuvor!"

Noch werfe ich einen Blick auf das Festner- tor, besehe wieder dieEiserne Jungfrau", die Folterkammer mit ihren unheimlichen Werk­zeugen der Inquisition, und treffe auf zwei, drei hohe hölzerne Tore, die in ihrer ganzen Länge den schwarzen Doppeladler auf gelbem Grunde zeigen, Wappentiere vergangener deutscher Kaiserpracht.

Nun hinab von der Burg auf anderem Pfade. Gilt es doch, Albrecht Dürer, Nürn­bergs größtem Sohne, einen Besuch zu ma­chen. In der Winklerstraße verkündet eine

Tafel an einem bescheidenen alten Haus, daß hier im Hinterhause, am 21. Mai 1471, Al­brecht Dürer als Sohn eines aus Ungarn ein­gewanderten Goldschmiedes zur Welt kam. Es gibt übrigens ein zweites, fast unbekanntes Dürerhaus", heute Burgstraße 27, in dem Nürnbergs größter Meister seine Kindheit verlebte und seine ersten Zeichnungen schuf. Erst als er schon berühmt war durch viele Ar­beiten im Auslande, ersteht er (1509) das allen Besuchern Nürnbergs so bekannteAlbrecht- Dürer-Haus" in der ehemaligen Zisselgasse, jetzt Albrecht-Dürer-Straße. Mit scheuem Tritt steigt man bis zum Erker in den zwei­ten Stock, in dem Dürer zu malen pflegte. Mit liebevollem Kunstsinn sind allenthalben im Hause Skizzen, Zeichnungen und Bilder des Meisters an den Wänden aufgehängt und die einzelnen Zimmer in ihrer alten Einrich­tung so belassen, als ob keine Jahrhunderte zwischen dem Einst und Jetzt lägen.

Nun über den Weinmarkt, vorüber an der Sebalduskirche mit dem berühmten Sebaldus- grabe, zum schönsten Platz Nürnbergs, dem Adolf-Hitler-Platz", der von Sehenswürdig­keiten geradezu überfüllt ist. Seine Umrah­mung durch alte, schmalbrüstige Pätrizierhäu- ser, die edle Frauenkirche mit ihrem prächti­gen Portal, der reich ausgestatteten Vorhalle, der daraus gesetzten Michaelskapelle und dem figürlichen und architektonischen Schmuck, die berühmte Kunstuhr mit demMännleinlau­fen", der zierliche Schöne Brunnen mit kunst­vollem schmiedeeisernem Gitter, dasGänse­männchen" von Pankraz Labenwolf, einem Schüler Peter Vischers, all dies gestaltet den Platz zu dem vielleicht schönsten Bilde einer deutschen Stadt.

Es gibt in Nürnberg eine derartige Fülle des Sehenswerten, daß man bei auch nur oberflächlichstem Betrachten gut ein paar Tage daraus verwenden muß. Da wären vor allem das alte Rathaus mit den alten Brunnen in den drei Jnnenhösen, die wohlerhaltenen Häuser ehemaliger berühmter Nürnberger Söhne, dasHans-Sachs-Hans", dasGro- land-Haus", dasPellerhaus", dasTopler- haus", dasNassauer-, Palm-, Pilatus- und Pirckheimer Haus" und das Geburtshaus des Kosmographen und Seefahrers Martin Be­tz a i m.

Nach einem kurzen Besuche imBratwurst- glöckle" geht es auf dem malerischenHenker­steg" über die Pegnitz, in deren Fluten sich die alten hochgiebeligen Fachwerkbauten frühe­rer Jahrhunderte spiegeln, zur Lorenzkirche, der größten, schönsten und bedeutendsten Nürnbergs (1439 bis 1477). Die wunderbaren Glasmalereien, der Hauptaltar, derEng­lische Gruß" von Veit Stotz, der Hängeleuch­ter Peter Vischers, das berühmteSakra­mentshäuschen" Adam Krafts, die präch­tigen Gobelins, Kirchenstühle und sonstige Schnitzwerke und Skulpturen fesseln den Be­sucher im höchsten Maße.

Ergriffen von der Fülle der Schönheiten die­ser unvergleichlichen Stadt, stimmt man in des Meistersingers Hans Sachs Lobspruch ein, der mit den Worten schließt:Aus daß sein Lob grün, blüh' und wachs', das wünscht von Nürnberg Hans Sachs". R.

Taten für Sonntag, 27. August.

1576: der italienische Maler Tizian in Venedig gestorben (geboren 1477); 1770: der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel in Stuttgart ge­boren (gestorben 1831); 1928: Unterzeichnung des Kriegsächtungspaktes.

Nie Arbeitsbeschaffung im Regierungsbezirk Wiesbaden.

WSN. F r a n k fu r t a. M., 24. Ang. In Durchführung des Reichsgesetzes zur Beseiti­gung der Arbeitslosigkeit vom 1. Juni 1933 wurden der Provinz Hessen-Nassau von der Reichsregierung durch die Deutsche Gesellschaft für öffentliche Arbeiten (Oeffa) zur Arbeitsbeschaffung 12 Millionen Mark zur Verfügung gestellt. Hier­von entfallen auf den Regierungsbezirk Wies­baden 7,5 Millionen. Davon werden von der preußischen Staatsverwaltung zur Arbeits­beschaffung innerhalb ihres stattlichen Arbeits­gebietes 600 000 Mark für eigene Zwecke ver­wendet.

Der Kreis Wetzlar hat Tiefbau - und Flußregulierungsarbeiten in Höhe von 200 000 Mk., die Stadt Wetzlar solche in glei­cher Höhe und außerdem 150 000 Mk. für Ge- bäudeinstandsetzungsarbeiten ange­meldet. Im Ober tau nu s kreis sollen für 225 000 Mk. Arbeiten zur Herstellung und Aende- rung von Gas- und Wasserleitungen geschaffen werden. In Oberursel soll eine Teilkanali­sierung mit Kläranlage und Melioration von Gru- bengelande ausgeführt werden. Objekt 200 000 Mk.

Der Bezirksverband Wiesbaden be­absichtigt, zur Vergrößerung seiner Wafserkraft- anlage am Rehbach oberhalb Driedorf bei Her­born im Westerwald eine Talsperre mit einem Fassungsvermögenvonl Mil­lion Kubikmeter Wasserinhalt zu bauen. Von den auf rund 600 000 Mk. veran­schlagten Gesamtkosten entfällt der weitaus über­wiegende Teil (etwa 450 000 Mk.) auf Erd­arbeiten mit 80 000 Erwerbslvsentage- werken, so daß 400 Erwerbslose auf 40 Wochen Arbeit und Verdienst erhalten können. Außerdem beabsichtigt der Dezirksverband für 100 000 Mk. Instandsetzungen an Gebäuden vorzunehmen.

Im D i l l k r e i s sind Instand- setzungsarbeiten von verschiedenen Ge­bäuden in Höhe von etwa 100 000 Mark vor­gesehen. Im Main-Taunuskreis sollet für 50 000 Mark Gebäudeinstandsetzungsarbeiten zur Ausführung kommen. Für die Instand­setzung von Kirchen usw. sind 40 000 Mark für evangelische und 78 000 Mark für katholische vorgesehen. Für die Ergänzung und Instand­setzung der öffentlichen städtischen Gebäude in Idstein sind 60 000 Mark zur Verfügung ge­stellt usw.

Zur Durchführung und Aeberwachung der Ar- beitsbeschafsungsmaßnahmen und zur Förderung der öffentlichen und privaten Arbeitsbeschaffung ist vom Reichsarbeitsministerium ein Ausschuß unter dem Vorsitz des Treuhänders der Arbeit, Präsident der Industrie- und Handelskammer für das Rhein-Mainische Wirtschaftsgebiet, Dr. Q uer in Frankfurt a. M. gebildet worden. Der Aus­schuß tritt ein für eine gleichmäßigeLlnter- verteilung der Arbeitsmahnahmen innerhalb des Rhein-Main-Gebietes und hat die Aufgabe, die besonders förderungswürdi­gen Projekte feftzustellen und dafür besorgt zu fein, daß möglichst viele Firmen bei der Zuteilung der Aufträge berücksichtigt werden.

Strafkammer Gießen.

Ein Kaufmann aus Frankfurt stand in einer Berufungsverhandlung wegen eines Jagdvergehens vor Gericht. Er soll während einer auf seinem gepachteten Jagdgebiet ab­gehaltenen Treibjagd einen Hasen geschossen haben, der noch etwa 30 Meter weit auf das Jagdgebiet seines Nachbarn zu laufen ver­mochte. Der Hund des Jägers folgte dem Ha­sen, würgte ihn und brachte ihn zurück; aller­dings nicht bis auf das Gebiet des Jägers, der den Hasen schoß. Wie vier Zeugen unter Eid aussagen, soll der Jagdpächter das Tier selbst geholt haben, was ein Jagdvergehen im Sinne des § 292 des Jagdgesetzes darstellt. Der Staatsanwalt sah, obwohl der Angeklagte jede Schuld bestritt und für feine Unschuld auch Zeugen beizubringen bereit war, den Tat­bestand des Jagdvergehens als erfüllt an und beantragte die kostenpflichtige Verwerfung der Berufung des Angeklagten. Dieser beantragte entweder Freispruch, oder aber Vertagung zum Zwecke einer weiteren Zeugenverneh­mung. Das Gericht schloß sich dem Antrag des Staatsanwalts an und verwarf die Berufung.

Ein junger Mann aus Villmar an der Lahn, der sich in Friedberg für einige Tage während seiner dortigen Tätigkeit ein Zim­mer gemietet hatte und es nicht bezahlte, mar wegen Betruges angeklagt. Er wurde freige­sprochen, da ihm ein Betrug bzw. eine Be­trugsabsicht nicht nachzuweisen war. Als strafmildernd wurde berücksichtigt, daß er in Notlage gehandelt hatte.

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