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26.8.1933 Erstes Blatt
 
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Nr. 199 Erstes Blatt

185. Jahrgang

Samstag, 2b. August 1933

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Preis für I mm höh« für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re­klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspsennig, Platzvorschrift 20, mehr.

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Dr. Friede. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. WUH. Lange; für Feuilleton vr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den An­zeigenteil i. B. TH.Kümmel sämtlich in Biesten

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Oer Donauraum.

Es ist kein Zufall, daß die politische Stille, die nach alter Tradition während der Spätfommertagc zu herrschen pflegt und auch in diesem ereignis­reichen und schicksalhaften Jahre im großen und ganzen ihre entspannende und gleichzeitig belebende Wirkung nicht verfehlt haben dürfte, mehrfach unter­brochen wurde durch diplomatische Aktionen, die in engem Zusammenhang stehen mit der G e st a 1 - tung des österreichischen Problems. Das Wiener Kabinett hat in seinem Kampf gegen den Nationalsozialismus nicht locker gelassen. Es hat sich nicht mit dem Verbot der Partei und der Ausweisung ihrer Führer begnügt, sondern sich durch eine Bundesoerordnung vom 16. August das Recht zur Vermögensbeschlagnahme von verbotenen Parteien und Privatpersonen, die deren Ziele för­dern, genommen und bedroht ferner jedeoffenkun­dige, auf welche Weise immer, Unterstützung öster­reich-feindlicher Handlungen" mit dem Verlust der österreichischen Staatsangehörigkeit. Das sieht fast wie eine Kopie deutscher Regierungsmaßnahmen aus. Nur übersieht man dabei in Wien geflissentlich, daß sich diese gegen die ins Ausland geflüchteten und nun von dorther aus sicherem Hinterhalt ihre vergifteten Pfeile gegen das neue Reich sendenden Drahtzieher des Marxismus und Kommunismus richten, während das Kabinett Dollfuß sich nicht scheut, die gleichen scharfen Waffen wirtschaftlicher und bürgerlicher Existenzvernichtung gegen die Füh­rer des nationaleif Deutschtums ins Feld zu führen, die nichts weiter wollen, als das Selbstbestimmungs­recht des österreichischen Volkes. Denn gerade dem widersetzt sich die Regierung Dollfuß, wenn sie sich hartnäckig gegen die Ausschreibung von Neuwahlen sträubt und blind an der Fiktion festhält, als ob nur sie, der letzte Hort eines gründlich mißverstandenen Oestereichertums, das Land vor dem Chaos bewah­ren könne. Wenn sieChaos" sagt, meint sie damit den Verlust ihrer eigenen Parteiherrschaft. Die Ent­wicklung im Reich, wo die Machtergreifung des Na­tionalsozialismus kurz vor dem Abgleiten in einen Verzweiflungskampf aller gegen alle, an dessen Ende der Bolschewismus die Ernte seiner Zersetzungs­arbeit zu halten hoffte, Volk und Staat auf neue gesunde Grundlagen gestellt hat, diese Entwicklung ist wohl der beste Beweis dafür, wie töricht die Anmaßung des christlich-sozialen Regimes in Oester­reich ist, wenn es glauben machen will, allein das österreichische Problem lösen zu können.

Die an Mißerfolgen reiche Geschichte des in St. Germain geschaffenen Numpfösterreichs, die auf jedem Blatt erschütternde Beispiele eigener Hilflosigkeit und wachsenden wirtschaftlichen Elends trotz aller internationaler Bemühungen aufweist, sollte auch dem engstirnigsten Legitimisten und Anschlußgegner die Augen darüber geöffnet haben, daß ohne Deutschland und schon gar nicht gegen Deutschland eine Lösung des österreichischen Problems möglich ist. Niemand sieht heute in der Anschlußforderung eine aktuelle Frage der Tagespolitik, auch nicht der österreichische Nationalsozialismus. Die Entfchluß- losigkeit der Weimarer Nationalversammlung und ihre Angst vor Vergeltungsmaßnahmen der Sieger haben einst den günstigen Augenblick zur Errichtung des großdeutschen Reiches ungenützt verstreichen las­sen. Aber was damals aus mangelndem Vertrauen in den eigenen Selbstbehauptungswillen versäumt wurde, ist nicht unwiederbringlich verloren. Wir haben die feste Zuversicht, daß naturgegebene Zu­sammenhänge stärker sind als kurzsichtige Verbote, die blinder Eigennutz und schändliche Verleugnung des Selbstbestimmungsrechts der Völker den Sie­gern in die Feder diktierten. Eine politische Kon­stellation, die gekennzeichnet wird durch die fast unbeschränkte Hegemonie Frankreichs auf dem euro­päischen Kontinent, versperrt vorerst unseren öster­reichischen Brüdern den Weg ins Reich, aber poli­tische Konstellationen wechseln, bis dahin ist es unsere Aufgabe, das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken und der Einsicht zum Siege zu verhelfen, daß ohne die einzig wirkliche Lösung des öster­reichischen Problems ein Friede in Mitteleuropa unb eine vernünftige, den Interessen Aller gerecht werdende Wirtschaftsordnung im Donauraum un­denkbar ist.

Ein Hauch dieser Erkenntnis schwang auch un­verkennbar in der letzten Aussprache mit, die der österreichische Bundeskanzler Dr. Dollfuß mit Mussolini in Riccione, dem italienischen Adria­bade, hatte. Wie erinnerlich hat sich Italien seiner­zeit der diplomatischen Demarche in Berlin, die England und Frankreich für notwendig hielten um unter Berufung auf den Diermächtepakt ihre von Herrn Dollfuß offenbar kräftig geförderte Besorg­nis über die wachsende Spannung zwischen Deutsch­land und Oestereich zum Ausdruck zu bringen, nicht angeschlossen. Aus der amtlichen Mitteilung über die Aussprache von Riccione geht trotz der sehr vorsichtigen Formulierung doch soviel hervor, daß Mussolini auch in Zukunft nicht beabsichtigt, sich an irgendwelcher einseitig gegen Deutschland ge­richteten und in Berlin mit Recht als Unfreundlich­keit empfundenen Aktion zu beteiligen. Auch scheint er entschieden gegen eine Intervention des Völker­bundes zu fein. Es ist ja bekannt, wie wenig Zu­trauen das faschistische Italien zu der praktischen Wirksamkeit der Völkerbundsinstitution hat, aber auch in Genf selber dürfte man nach den blamablen Erfahrungen bei früheren Gelegenheiten nicht be­sonders darauf aus sein, in den deutsch-österreichi­schen Konflikt hineingezogen zu werden. Wir wissen, daß Italien trotz seines betont freundschaftlichen Verhältnisses zum nationalsozialistischen Deutsch­land nach wie vor ein entschiedener Gegner des Anschlusses ist, weil es von ihm eine Gefährdung seiner eigenen Interessen befürchtet. Mit dieser Einstellung, mag sie noch so unbegründet fein, muß man rechnen. Es kann sich also immer nur um die

Wie Ausländer das neue Deutschland sehen.

Nie Wahrheit über Berlin. Ein englischer Journalist drückt fein Erstaunen aus über die Wandlung der letzten Monate.

London, 26. Aug. (WTB. Funkspruch.)Die Wahrheit über Berlin", so ist ein Artikel des vor­maligen langjährigen Berliner Korrespondenten des Daily E x p r e ß", Selkirk Panton überschrieben, der darin schildert, wie er seinerzeit zwei Tage, be­vor Adolf Hitler die Hakenkreuzflagge über dem Kanzlerpalais in der Wiihelmstraße hißte, glücklich war,die dekadente st e und entarte ft e Stadt der dekadenten und entarteten Nachkriegs­welt" zu verlassen und wie er jetzt sieben M o nate später bei seiner Rückkehr nach Berlin mit eigenen Augen b i e umwälzenben Der - änberungen feststellen konnte, bie Hitlers na­tionale Erhebung in Deutschland Hauptstabt zu- ftanbe gebracht hat. Ponton zieht einen Vergleich zwischen Berlin Eberts, Stresemanns unb Brünings unb dem Berlin Adolf Hitlers und feiner Braun­hemden und kommt zu dem Schluß:

Das Berlin von heute ist dasselbe wie vor sieben Jahren, aber ohne die Dekaden,; und die moralische Entartung einer rückgradlosen Stadt. Berlin ist dieselbe Stadt wie vor Hitler, hinzugekommen ist aber Arbeitsbeschaffung, Hoffnung, Glaube und Vertrauen in die Zukunft, die Hitlers Sieg Deutsch­land gebracht hat. Unter allen bewegt sich ein Strom des neuen Geistes des Hitlertums Aus einer inter­nationalen Stadt ist Berlin eine nationale Stadt geworden. Die Menschen sind vielleicht ärmer als zuvor; aber sie gehen in den Straßen mit mehr Geist umher. Es gibt mehr Arbeit, es gibt mehr glückliche Gesichter. Die Nazi-Sturmtrup- pen legen keineswegs die aus Sieg geborene An­maßung an den Tag. Sie mischen sich unter die Menge und scheinen eins mit dem Volk. Be­züglich der Nazi-Umzüge, die Frankreich zum Anlaß genommen hat, um fein Militärbudget zu erhöhen, stellt der Korrespondent fest, er habe in den sieben Tagen in Berlin nicht ein ein­ziges iSirk 1 iches Zeichen des preußi­schen Militarismus gesehen. Was bie Stel­lung ber Iuben betreffe, so stellt der Korrespon­dent fest, daß ber Kursürstenbamm noch voll von Iuben fei unb baß sie ganz unbehelligt blieben.

Financial News" veröffentlicht unter der Lleberfchrift ^Hitlertum in Praxis" Ein­drücke über Deutschland. Es wird betont, daß für den ausländischen Besucher Deutschland das Bild größerer Buhe bietet, als vor einigen Jahren. Selbst diejenigen, die das Naziregime am wenig­sten liebten, würden die Ansicht bestätigen, die ein bekannter Industrieller in Köln dem Verfasser des Artikels ausgesprochen habe, daß, wenn heute Neichstagswahlen stattfänden, 80 Prozent der Wähler für Hittier stimmen würden. Die gegen­wärtige Negierung sitze, wie der Verfasser be­tont, für Jahre hinaus sicher im Sat­tel. Er rät, Kapitalsanlegern, die eine Neise nach Deutschland beabsichtigten, sich nicht durch beun­ruhigende Gerüchte beeinflussen zu lassen. Das Land sei ruhig und die Leute seien freundlich. Roch nie so höflich behandelt"

Ausländer auf einem deutschen Esperanto- Kongreß.

W e l p a r (Sauerlanö), 25. Aug. (CNB.j Auf Einladung des Esperanto-Vereins Welpar weilte eine Anzahl ausländischer Espe- rantisten auf der Burg Blankenstein zu einer Tagung. Interessant war es, zu hören, wie diese Gäste über unser Vaterland urtei­len. Ein japanischer Universitäts- Professor aus Tokio erklärte, daß es ihm hier so gut gefalle, daß er noch längere Ze in Köln bleiben wolle. Er fühle sich nicht wie im Ausland. Ein englischer Richter aus Hastings äußerte sich dahin, man habe ihm allerhand Schreckensgespenster an die Wand gemalt und ihn davor gewarnt, nach Deutschland zu fahren. Er sei aber im Ausland noch nie so höflich behandel worden, wie jetzt in Deutschland. Er freue sich, daß er gerade mit Deutschland durch Esperanto in Beziehungen getreten sei. Ein italie­

nischer Industrieller aus Genua meinte, er sei bereits anderthalb Wochen in Deutschland und müsse besonders die Ordnung und Disziplin im Lande b ew u n d e r n. Verglichen mit den Zuständen in Italien, könne er keinen Unterschied fin­den. Er habe auf seinen nächtlichen Gängen durch Großstädte die vollste Sicherheit

gefunden. Ein französischer Gencralinspektcur für öffentliche Arbeiten aus Algier er­klärte, er sei mit der Erwartung hicrberge- kommcn, einen ganz entgegengesetzten Volks­charakter zu finden. Er habe aber ein I je­den s w ü r di g c s und herzliches Volk ge­funden.

3ur Verlegung der Reichsführertagung des Stahlhelms.

Berlin, 25. August. (Priv.-Tel.) Der Stahlhelm-Pressedienst schreibt zu der Verschiebung der Reichsführcrtagung fol­gendes:Auf Wunsch des Führers und Reichs­kanzlers Adolf Hitler hat der Stahlhelm- Bundcsführer die für den 9. und 10. Septem­ber angesetztc Reichsführertagung in Hanno­ver auf den 23. und 24. September verlegt. Diese Nachricht löst bei dem einzelnen Stahl- hclmer einiges Bedauern aus, weil der im Zusammenhang mit der Führertagung ge­plante Aufmarsch selbst sich erklärlicherweise aus organisatorischen Gründen nicht mitver­legen ließ und darum ausfallen mußte. Es sind nicht politische Gründe, die dieses Be­dauern Hervorrufen; denn die politischen Auf­gaben der Stahlhelm-Aufmärsche in ihrer be­sonderen Form sind erledigt, seitdem die Ein­gliederung des Stahlhelm in die national­sozialistische Wehrfront erfolgt ist. Aber der Stahlhelm-Aufmarsch in Hannover hatte für die Kameraden des Stahlhelm die Bedeutung, daß sie noch einmal in alter Form zusammen­kommen wollten, um Abschied zu nehmen. Für diesen Abschied trafen sie ihre Borbcvei- tungen und auf dieses letzte Zusammensein in altöcrtrautcm Kreise hatten sie sich gefreut.

Dann aber das wußten sie mußte es an

eine neue Aufgabe Herangehen, bie bem Stahlhelm innerhalb ber nationalfozialistifchen Wehrsront ge­stellt ist. Doch höher als alle fchöncn Feierpläne steht ber Wunsch bcs Führers. Es ist im Solbaten- Icben nun einmal fo, baß Feiern tm Hintergrunbe zu stehen haben unb bie Ausgabe den Vorrang oerbient. So wollen wir auch bie neue Entwicklung ansehen. Darum richtet sich bas ganz besondere Interesse auf bie Führertagung in Hannover, bie Klarheit über bie künftige Arbeit ber Stahlhelmer bringen soll. In Godesberg hat ber Führer in ein- gehenben Ausführungen feine politischen Gebanken vor ben Führern ber SA., SS. unb bes Wehr­stahlhelm bargelegt. Von allen beteiligten Wehr- stahlhelmern hören wir, baß ber Eindruck seines Auftretens ein außerordentlich starker gewesen ist. Nun, da durch das allmähliche Hineinwachsen in die nationalsozialistische Wehrfront jede einmal viel­leicht vorhanden gewesene Reserve geschwunden ist, möchte man wünschen, daß auch der ganze Stahl­helm teilhaben bars an diesem Erleben. Es besteht jedenfalls der starke Wunsch, daß der Führer vor den gesamten Führerkameraden des Stahlhelm feine Worte von Godesberg wiederholen möchte, damit fie alle die Klarheit, den Entschluß und die innere Festigkeit und glühende Freude zur Mitarbeit auf neuen Wegen finden können, wie es den in Godes­berg versammelten Führern bcschieden roar/*

Das mlernalivnaleWeizenMommeil unterzeichnet

London, 26.Aug. iTU.) Die Internatio­nale Wcizenvercinbarung ist am Freitag um 22.30 Uhr von 23 Staaten unterzeich­net worden. Für Deutschland zeichnete Botschaftsrat Dr. Ritters. Im Artikel 1 stimmen die vier Hebers eeausfuhr- l ä n d e r einer Anpassung ihrer Aus­fuhr an einen Weltbedarf von 560 Millionen Busbels, während der Zeit vom 1. August 1933 vis zum 31. Juli 1984 zu. In Artikel 2 einigen sie sich, in dem darauf­folgenden Jahre 1934/35 die Ausfuhr um 15 v. H. zu verringern und einen etwai­gen Mehrbedarf an Ausfuhrweizen unter sich zu verteilen. Die Donauländer verpflich­ten sich in Artikel 3 auf eine Höchstausfuhr- mengss für 1933 34 von 50 Millionen Bush eis mit dem Vorbehalt, daß dieser Betrag im Be­darfsfall auf 54 Millionen Bushels erhöht werden darf. In Artikel 4 sagen sie für 1934/35 eine Höchstaussuhrmenge von 50 Millionen Bushels zu und versprechen auch, die Anbau­fläche in dieser Zeit nicht zu erhöhen.

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Der Abschluß der Verhandlungen über die Ein­schränkung der Weizenproduttion in den Export­ländern ist ein verspäteter Erfolg der Weltwirtschaftskonferenz, die sich in ihrem letzten Stadium nach Ausschaltung der Währungs- und Zollfragen nur noch mit der Pro­duktionsregelung hatte beschäftigen können und von der WeIenkonferenz überlebt wurde. Das Hauptverdienst an dem jetzigen Ergebnis wird dem Vorsitzenden der Weizenkonferenz, dem kanadischen Premierminister Bennett, zugeschrieben, der vor allem den Goldpreis von 12 Goldfranken für

den .Doppelzentm-r als bie ©runblage für bie Durchführung des ganzen Abkommens durchzu- sehen verstand. Allgemeine llebereinstimmung konnte über die Ausfuhrbeschränkung er­zielt werden, für die sich insbesondere auch die Donauländer und Nußland aussprachen.

Rußland hat sich allerdings nur für ein Jahr zur Beschränkung seiner Weizenausfuhr bereitgefunden. Es wird also nötig sein, mit der Sowjetregierung für das nächste Jahr über eine neue Vereinbarung ;u verhandeln. Die Zusage von Rußland, das zum erstenmal in dieser Frage Entgegenkommen gezeigt hat, ist auf den naheliegenden Umstand zurückzu- führen, daß Rußland in diesem Jahre kaum über einen wesentlichen Weizenex. portüberschuß verfüge. Schweden und Dänemark haben für ihre Regierungen das Recht vorbehalten, innerhalb von 14 Tagen von dem Abkommen zurückzutreten. Eine Reihe anderer Länder, namentlich Holland, Finnland, Estland, Lettland, Portugal, die Tschechoslowakei und die Tür- fei wohnten der Konferenz nur als Seebad), t e r bei, können dem Abkommen aber nachträglich beitreten.

Alle übrigen Länder binden sich definitiv. Insbesondere hat auch der italienische Vertreter bereits gestern abend die Zustim­mung seiner Negierung zu der Annahme des Grundprciies erhalten und der österrei­chische Vertreter konnte die von ihm vor­gebrachten Vorbehalte zurückziehen. So ist durch das Abkommen eine gewisse Aussicht auf die im allgemeinen Interesse liegende Erhöhung des Preisniveaus, das die Arbeit der Landwirtschaft wieder lohnend gestalten soll, gegeben.

zweitbeste Lösung handeln, die bei der gegen­wärtigen politischen Konstellation für das österrei­chische Problem möglich ist. Auch Italien sieht das österreichische Problem im größeren Zusammen­hang des Donauraums und es wünscht für eine alle interessierten Nationen befriedigende Beseiti- gung ber wirtschaftlichen Schwierigkeiten, wie sie aus ber Auseinanberreißung ber habsburwlchen Doppelmonarchie unb ber Grenzziehung ber Pari­ser Vorortverträge entstauben finb, bie Zusammen­arbeit der Kontrahenten des Viermächtepaktes, in­dessen wie schon gesagt nicht im Sinne 'ines ein­seitigen Drucks auf Berlin, wie ihm überhaupt wohl eine wirtschaftspolitische Flurbereinigung als der gangbarste Weg für eine mciicrgretfenbe Ver­ständigung der Donaustaaten oorzuschweben scheint.

Damit sind frühere Pläne, die Deutschland auszuschließen strebten, ad acta gelegt. Von Prag aus hatte man früher einen Jnterefsen- zusammenschluß der 51 leinen Entente «Rumäniens, Südslaviens und der Tschecho­slowakei) mit Oesterreich und Ungarn vorgeschlagen. Der Plan fand natürlich die warme Unterstützung Frankreichs, das mit

ferner Hilfe die eigene Herrschaft auf dem Balkan zu stabilisieren hoffte. Der Plan schei­terte am Widerstand Italiens, das in die­sem Zusammenschluß der Nachfolgestaaten un­ter französischer Aegide eine Bedrohung seiner Adriaflanke sehen mußte. Aber ebensowenig zeigte sich Ungarn geneigt, sich auf eine wirtschaftliche Vereinigung mit den drei Staa­ten einzulassen, von denen cs ihm in Trianon geraubtes Land zurückzufordern hat. Ganz un- diskutabel war diese Kombination natürlich auch für Deutschland, das durch eine am Inn und an der böhmischen Grenze errichtete Schranke hermetisch vom Südosten abgcsperrt worden wäre. Ein von Rom geförderter Plan, der die Gruppierung der Süüostmächtc durch das Einbeziehen von Deutschland und Italien zu erweitern suchte, fand natürlich den schärf­sten Widerstand Frankreichs. So ist man auf diesen Wegen nicht weitcrgekommen. Neue Aussichten, wie man den Schwierigkeiten bei­zukommen vermöchte, sieht nun Mussolini in der Ausnützung der Möglichkeiten, die der Viererpakt für eine Zusammenarbeit der

Unterzcichnermächte im Donauraum bietet. Worauf tm Einzelnen Mussolinis Absichten hinauslaufen, kann man dem Eommuniquö oon Riccione nur andeutungsweise entneh­men. Es geht von dem Grundsatz der Unab­hängigkeit Oesterreichs aus und weist dann mit Nachdruck auf die Notwendigkeit einer Politik der Zusammenarbeit Mit den Nachbarn Ungarn, Italien und Deutschland hin. Itatieniiche Blätter haben dies weiter dahin ^vnutert, daß man sich in Rom vorerst eine wirtschaftliche Annäherung zwischen Oester- reich und Ungarn, sodann eine Neuordnung dcrBeztchungen dieser beiden zu den Staaten der Kleinen Entente und schließlich auch zu Deutsch­land und Italien vorstellt. Das ist also ein weiter Rahmen, der vielerlei Möglichkeiten in sich ichließt. Ter Viermächtcpakr findet hier seinen ersten Prüfstein. Mussolini hat sich er­boten, als ehrlicher Makler die Fäden zu knüpfen. Ob ihm das gelingen wird, h ingt fast ausschließlich oon dem guten Willen Frank­reichs ab, das bislang noch nicht gezeigt hat, oaß ihm an einer Beilegung des deutsch-öfter«