Ausgabe 
26.8.1933 Erstes Blatt
 
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rcichischcn Konflikts und einer ehrlichem Zu­sammenarbeit der Mächte an der wirtschaftlichen Neuordnung im Donauraum gelegen ist. Aber in Paris wird man sich auch darüber klar werden müssen, daß ohne den aufrichtigen Wil­len zur gemeinsamen Lösung der Schwierig­keiten im Donauraum Frankreich auch das weitcrgreifcnde Ziel der Bereinigung der französisch-italienischen Jntercssenkonfliktc, die es sich vom Abschluß des Vicrcrpaktö in er­ster Linie versprochen hat, niemals wird er­reichen können.

Geht man auf die wirtschaftspolitische Seite des Donauraumproblems ein, die hier bei früheren Gelegenheiten schon erschöpfend be­handelt wurde, so ergibt sich immer wieder die unumstößliche Tatsache, daß weder die Nach­folgestaaten der alten Habsburger Mon­archie unter sich, noch Frankreich oder Italien zu einem natürlichen Ausgleich ihrer wirt­schaftlichen Interessen kommen können. Weder sind Oesterreich und die Tschechoslowakei in der Lage, den gewaltigen Ueberschuß an land­wirtschaftlicher Erzeugung Ungarns, Rumä­niens und Süöslawiens aufzunehmen, noch finden die Jndustrieen der Tschechoslowakei und Oesterreichs für ihre hochwertigen Er­zeugnisse in den bedürfnislosen und wenig kaufkräftigen Agrarländern des Südostens einen ausreichenden Markt. Auch Italien und Frankreich sind weder willens noch in der Lage, ohne Beeinträchtigung ihrer eigenen Interesse hier cinzuspringcn. Nur Deutsch­land mit seinem gewaltigen Absatzgebiet eines 60-Millioncn-Volkcs kann hier den not­wendigen Ausgleich bieten. Ohne Deutsch­land gibt es kein Mitteleuropa, ohne Deutschland auch keine gesunde wirt­schaftliche Neuordnung im Donauraum. Dar­über können auch provisorische Maßnahmen wie die Ausgestaltung des österreichischen Frei­hafens in Triest oder ein interner Güteraus­tausch zwischen Italien, Oesterreich und Un­garn nicht hinwegtäuschen. Die natürlichen Wege der Wirtschaft lassen sich nicht ungestraft versperren oder umleiten. Das wird man auch eines Tages in Wien einschen, mag man heute auch noch so bockbeinig sich gegen Gründe der wirtschaftlichen Vernunft und der politi­schen Moral sperren.

Ein Wirtfchastsplan Mussolinis?

Welche Abmachungen wurden in Riccione getroffen?

London. 26. Aug. (WTD. * Funkspruch.) Daily Mail" veröffentlicht eine Meldung ihres römischen Korrespondenten, worin Einzelhei­ten über einen angeblichenPlan Mus­solinis zur Konsolidierung derLage in Mitteleuropa enthalten sind. Die Ueber- einkünfte, die der italienische Premierminister in seinen Unterhaltungen mit dem ungarischen Mi- nisterpräsidenten G ö m b ö s und dann mit Doll­fuß erreicht habe, seien hauptsächlich wirt­schaftlicher Natur. Italien gewähre Oester­reich eine Freizone im Hafen von Triest. Es werde der Einfuhr österreichischer Waren Vorzugsbehandlung angedeihen lassen. Es werde eine größere Menge Waren i n O e st e r- reich kaufen, das für alle kontrollierten Or­ganisationen die Hauptversorgungs­quelle für importierte Fertigwaren werden solle. Ungarischem Weizen soll ebenfalls Vorzugsbehandlung gewährt werden. Ferner yabe Italien Ungarn versprochen, den Teil der ungarischen Maisernte abzuneh­men, über den nicht anderweitig verfügt werde. Mussolini betrachte dies alles als einen ersten Schritt zur Vorzugsbehandlung auch der ande­ren Donaustaaten.

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Als Ergebnis der eben abgeschlossenen ö st erreich-ungari sch en Wirtschafts­verhandlungen wird bekannt, daß das Ausfuhrkontingent für österreichi- sches Schnittholz von ursprünglich jähr­lich 5000 auf jetzt 12 000 Waggons erhöht wird. Das Ausfuhrkontingcnt für ungarischen Weizen wurde mit 1,2 Millionen Doppel­zentner festgesetzt. Von Oesterreich soll auch das Zugeständnis der Einfuhr von rund 750 000 Doppelzentner ungarischen Mehls ge­macht worden sein.

Teilnahme ausländischer Dip'o- maten am Aürnberger Parteitag.

Nürnberg, 25.Aug. (WTB.) Die aus­ländischen D i p lo m a t e n, die am Rcichs- parteitag der NSDAP, teilnehmen werden, treffen am Freitag, den 1. September, in Nürnberg in einem Sonderzug ein. DcrKom- mandant dieses Sonderzugs ist SS.-Gruppen- sührer Erbprinz zu Waldeck-Pyr­mont. In Begleitung der Diplomaten wer­den sich der Chef des Protokolls Graf von Bassewitz und Legationssekretär von Mumm befinden. Der Sonderzug, der vom Freitag bis Sonntagabend am Nordbahn­hof steht, dient den Diplomaten zur Wohnung und besitzt Schlafwagen und Sa­lons. Am Bahnsteig werden Nadivanlagen mit Lautsprechern ausgestellt. Direkte Telephon­leitungen werden in einzelnen Wagen gelegt. Zum Herbstappell selbst werden die Di­plomaten in Pritavautos am Luitpoldhain Vorfahren und bei der Aufstellung wie bei der Abnahme der Herbstparade 1983 zugegen sein. Des weiteren nehmen die Diplomaten an der Kulturtagung teil, wo der Führer seine große Rede halten wird, die einzige Rede, die im Rundfunk Übertagen wird. Anschließend begibt sich das diplomatische Korps zur Fest­ausführung derMeistersinger von Nürnberg" ins Opernhaus.

Um ein einheitliches Bild der Herbstparade 1983 zu gewährleisten, ist für sämtliche SA.- und SS.-Einhciten des Deutschen Reiches die zahlenmäßige Teilnahme genau festgelcgt. An­gehörigen der SA., SS. und des Stahlhelms, die nicht an der Herbstparade tcilnchmcn, ist es strengstens untersagt, zum Reichs- partettag nach Nürnberg zu kommen.

Oer Reichelernährungsminister mahnt zur Gläubigerdisziplin.

Berlin, 25. Aug. (ERB.) Wie der Deut­sche Landhandelsbund mittcilt, hat der Retchs- ernährungSminister dem Deutschen Landhan-

dclsbund e. V., Berlin, in einem Schreiben folgendes mitgcteilt:

Das gleichmäßige Interesse der Landwirt­schaft, ihrer Gläubiger und der gesamten Wirtschaft bedingt es, daß die Getreide­ernte entsprechend den bestehenden Verwer- tungsmöglichkciten allmählich auf den Markt gebracht wird und daß ein von der Gläubigerscite ausgehender Druck auf die Landwirte in der Richtung von überstürz­ten Verkäufen in den ersten Monaten nach der Ernte vermieden wird. An die Gläubigcrkreise ergeht daher das Ersuchen, von einer Massierung der Fällig­keiten von Forderungen an Land­wirte in den ersten Monaten nach der Ernt» abzusehen und die Fälligkeiten der For­derungen entsprechend dem Fortschreiten der Verwertungsmöglichketten der Ernte aus- einanderzuzichcn. Der Deutsche Land­handelsbund c. 93., Berlin, hat seine Mitglie­der angewiesen, der Aufforderung des Retchs- ernährungsministcrs, strengste Gläubi­gerdisziplin zu halten, unbedingt Folge zu leisten.

Fahndungsaktion bei Großberliner Verwaltungsstellen.

Berlin, 25.Aug. (TU.) Wie wir von zu­ständiger Stelle erfahren, hat eine auf Er­suchen des Staatskommissars Dr. Lippert durchgeführte Aktion des Geheimen Staats- polizciamtes bei städtischen Verwal­tungsstellen, vor allem Wohlfahrts­ämtern und Steuerkassen, die mit dem Publikum besonders viel zu tun haben, zu einem äußerst befriedigenden Ergebnis ge­führt. Es ist gelungen, umfangreiche i l l e g a l e Zersetzungsschriften insgesamt über zwei Zentner sicherzustel­len. 40 Personen sind verhaftet wor­den, von denen 15 ins Konzentrationslager überführt wurden. Unter ihnen befindet sich ein Stadtassistcnt, bei dem man kommunisti­sches Material beschlagnahmt hat. Einige Be­amte und Angestellte befanden sich unbefugter­weise im Besitze von Amtswalter- und Partei­abzeichen.

Spaniens Interesse für Andorra.

Madrid, 25. Aug. (TU.) Der spanische Außenminister veröffentlicht eine Presse­erklärung, in der es heißt, die Vorgänge in Andorra seien darauf zurückzuführen, daß sich das Volk von Andorra eine eigene Mei­nung bilde. Außerdem sprächen auch wirt­schaftliche Interessen mit. Spanien verfolge die Vorgänge mit großer Aufmerk­samkeit, denn die Lage sei interessant

und delikat. Spanien und Frankreich hät­ten dort völlig gleiche Rechte, der Bischof von Urgel genau so, wie der französische Präfekt von Perpignan. Eine einseitige Min­derung dieser Rechte sei für Spa­nien unannehmbar. Französische Gen­darmen seien freilich nicht zum erstenmal in Andorra eingerückt, doch wäre es wünschens­wert, daß sie nun bald wieder fortgtngen.

Oer Reichsjugendführer fordert Erfüllung der Aufgaben gegenüber Schule und Elternhaus. Berlin, 26. Aug. (LNB.-Funkspruch.) Der Iugendsuhrer des Deutschen Reiches, Baldur von Schirach, Hal eine Anordnung an die verantwortlichen Führer der 3 u - genbverbänbe erlassen, bafür zu sorgen, baß alle beulschen Jungen unb Mädchen auch ben Aufgaben gegenüber Schule unb (Elfern ganz nachkommen. Heber- anffrengung von schwächeren Jungen unb Mö­bels beim Dienst soll vermieden werden.

Kunst und Wiffenschaft.

Dr. Castelle Reichsleiler des Bertragsamtes im kampfbund für deutsche Kultur.

Die Neichsleitung des Kampfbundes für deutsche Kultur teilt mit: Zum Reichslci- ter des Vortragsamtes im KfDK. wurde Dr. Friedrich Castelle ernannt. Er ist ermächtigt, im Einvernehmen mit den Lan- dcsleitungcn des Kampfbundes die Vortrags­ämter zu organisieren und für das ganze Reich zu vereinheitlichen. Dabei ist die Gesell­schaft für Volksbildung in Berlin, deren Ein­gliederung in den KfDK. beschlossen worden ist, entsprechend ihrer örtlichen Leistungsfähig­keit in die Bortragsarbeit der Landesstellen einzubeztehen.

(Ernennungen der Reichsleitung des Kampfbundes für deutsche Kultur.

Die Neichsleitung des Kampfbundes für deutsche Kultur teilt mit: Zum Reichsleiter der Fachgruppe Musik wurde Prof. Dr. Stein, Direktor der Staatlichen Hochschule für Musik, Berlin, ernannt. Zum Reichsleiter der Fach­gruppe Körperbildung und Tanz mit den Untergruppen Gymnastik, Kunsttanz, Volks­tanz und Gesellschaftstanz wurde Dr. D o d e ernannt, der gleichzeitig Reichsleiter der Fach­schaft Gymnastik und Tanz im Reichs­verband der Deutschen Turn-, Sport- und Ghrn- nastiklehrer im Rationalsozialistischen Lehrer­bund ist.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Karl Elbs +.

Nachruf von E Lehmann, Direktor des Instituts für Mineralogie und stellvertr. Dekan der phil. Fakultät.

Rasch und unerwartet hat am 24. August der unerbittliche Tod den Geheimen Hofrat Prof. Dr, Karl Elbs aus deu Reihen des Lehr­körpers unserer Alma water gerissen, in denen er fast 40 Jahre als eine der markantesten Persönlichkeiten gestanden und über 85 Jahre in treuester Pflichterfüllung und lebendiger Hingabe seines Lehramtes gewaltet hat. Zn aufrichtigem Schmerz stehen wir an der Bahre dieses ausgezeichneten Forschers und Lehrers, des aufrichtigen und warmherzigen Kollegen, des lieben, prächtigen Menschen, dem unser Gießen und das Hessenland eine zweite Hei­mat geworden ist.

Karl Elbs wurde am 13. September 1858 in Alt-Breisach i. Baden geboren, studierte und promovierte in Freiburg i. Br., habi­litierte sich dort 1883 und wurde 1888 ebenda zum außerordentlichen Professor ernannt. Als 1898 die Universität Gießen zur Besetzung des Lehrstuhls für physikalische Chemie, eines der ersten für diesen jungen Zweig der Chemie an deutschen Universitäten begründeten Lehr­stühle, einen Vertreter suchte, der zugleich be­fähigt sein sollte, besondere Zweige der orga­nischen und angewandten Chemie zu lehren, da fiel die Wahl aus den jungen Freiburger Gelehrten, der bereits damals eine Reihe be­achtlicher physikalisch chemischer Arbeiten ver­öffentlicht hatte, und dessen bekanntes Buch Die Akkumulatoren" soeben erschienen war. Im Jahre 1913 wurde Karl Elbs dann als Nachfolger von C. Naumann der Lehrstuhl für Chemie und die Leitung des chemischen Insti­tuts an unserer Universität übertragen, die er bis zu seiner Emeritierung am 1. Oktober 1929 inne hatte.

Elbs wissenschaftliche Arbeiten gingen aus von der organischen Chemie, aber schon sehr früh wandte er sich den elektro-chemischen unb vhnsikalisch-chemi- schen Fragen zu. Zumal die Erforschung elektro­technischer Vorgänge dankt ihm viele ihrer wichtigen praktischen Fortschritte. An erster Stelle sind hier die bahnbrechenden Arbeiten auf dem Gebiete der elektrolytischen Reduktion und Oxydation zu nen­nen. Mit zahlreichen Mitarbeitern hat er an vielen aromatischen Verbindungen diese Wege verfolgt. Ge­nannt seien ferner die mit O. Schönherr ausgeführ­ten Untersuchungen über die Bildung der Ueber- schwefelsäure und ihrer Salze. Die Ermittlung der Eigenheiten dieses verwickelten Vorganges in einer umfassenden, für alle späteren Untersuchungen grundlegenden Weise gestaltete sich für Wissenschaft und Technik gleich wertvoll. Zusammen mit feinem Schüler Franz Fischer gelang Geheimrat Elbs die elektrolytische Darstellung des Bleidisulfats und da­mit auch die experimentelle Bestätigung einer sehr lange ungeklärten, wichtigen wissenschaftlichenFrage. Seine experimentellen Erfahrungen auf diesem Gebiete hat Elbs in dem BucheUebungsbeispiele für die elektrolytische Darstellung chemischer Prä­parate" niedergelegt. Aus der sehr erfolgreichen Zeit seiner organisch-chemischen Arbeiten stammen Die synthetischen Darstellungsmethoden der Kohlen­stoffoerbindungen".

Elbs' wissenschaftliches Lebcnswcrk hat in gleicher Weise der chemischen Wissenschaft und der chemischen Industrie wertvollste Förde­rung gebracht und hier wie dort vielfache An­erkennung gefunden. Die Deutsche Bunsen- Gesellschaft für angewandte und physikalische Chemie, deren erster Vorsitzender er in den schweren Jahren 1918 bis 1920 war, hat ihm

am 70. Geburtstag den anläßlich der 23. Haupt­versammlung hcrausgegebenen Band wissen­schaftlicher Arbeiten gewidmet. Hier heißt es in der Einleitung:Wer an den früheren Jahresversammlungen der Bunsen-Gesellschaft teilgenommen hat, der erinnert sich noch gern an Elbs' wissenschaftliche Mitteilungen, an die feinen wertvollen Beobachtungen, die sie be­sonders fesselnd machten, wie an die herz­erquickende Frische und die lapidare Knapp­heit, mit der er vortrug und die Hörer in fei­nem Bann zu halten wußte." Und mehr als durch äußere Ehrungen wird diese Anerken­nung dargetan durch die Tatsache, daß wohl an hundert seiner Schüler in den großen che­mischen Werken Deutschlands, wie der Badi­schen Anilin- und Sodafabrik,- den Höchster Farbwerken u. a. Aufnahme fanden, und daß unter diesen Schülern Namen zu verzeichnen sind, wie Geheimrat Franz Fischer, der be­kannte Leiter des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Kohleforschung, Dr. O. Schönherr, der Forscher auf dem Gebiet der Salpetersäure- gcwinnung aus Luft, Prof. K. Brand, Direk­tor des pharmazeutischen Instituts in Mar­burg und mancher andere. Mehr als äußere Ehrungen zeugt von der Leistung des üahin- gegangenen Forschers die Tatsache, daß dar­aus eine enge Freundschaft mit zahlreichen hervorragenden Fachgenossen erwachsen konnte. Seitens der Großherzoglich Hessischen Staats­regierung fand diese Leistung Anerkennung in der Ernennung zum Geheimen Hofrat im Jahre 1908.

Mit ganzer persönlicher Hingabe widmete sich Elbs der Leitung des ihm anvertrauten chemi­schen Instituts, und bis ins hohe Alter blieb er mit jugendlicher Begeisterung akademischer Leh­rer. Reben den pädagogischen Fähigkeiten und der Gabe, ein reiches Wissen in lebendig-anschau­licher und geistig-anregender Form anderen zu vermitteln, waren es ganz besonders die Eigen­schaften, die so recht den eigentlichen und tiefen Kern seines Wesens ausmachten das rein menschliche Verstehen und die wahre Herzensgüte die ihn zu einem der beliebtesten Lehrer un­serer Hochschule machten. Er hat es wie wenige verstanden, der lernenden Jugend nicht nur ein trefflicher Lehrer, sondern auch ein väterlicher Freund und Berater zu fein. Ihm war es ge­geben, mit der Jugend zu fühlen, ihm lag es am Herzen, ihr zu helfen. So kann es nicht verwun­dern, daß ein Band herzlicher Gemeinschaft ihn mit seinen Mitarbeitern und Schülern verbunden hat, das gar oft über deren Lehrjahre hinaus zum Band der Freundschaft wurde.

Unb mit gleicher Hingabe unb Treue fühlte sich Elbs mit dem engeren Kreis der Kollegen verbun­den. Man mochte zu ihm kommen, womit und wann man wollte, stets fand man ihn hilfsbereit, zuversicht­lich, liebenswürdig. Und wieviel Gutes die Universität Gießen ihm auch verdankte, er selbst suchte niemals Dank, Anerkennung, Geltung. Echte Bescheidenheit paarte sich als weiterer Grundzug feines Wesens mit der Herzensgüte und aufrechten Gesinnung. Förmlichkeit und Aeußerlichkeit waren dem allzeit schlichten Manne zuwider, Ehren und Würden lehnte er ab, das Wirken in der Stille im Dienst feiner Wissenschaft war ihm Lohn und Ehre genug.

So trat er auch im öffentl.ichen Leben nie her» vor. Aber schwer litt er in den letzten Jahren um seines Vaterlandes Schmach und Schande und be­grüßte mit jugendlich heißem Herzen die Stunde der inneren Freiwerdung seines Volke» in den Tagen des nationalen Aufbruches.

Elbs war kein Stubengelehrter und kein Stuben­hocker. Er war ein lebensbejahender und lebens­froher Mensch, den es in jungen Jahren hinaufzog auf manchen Alpengipfel, der bis ins hohe Alter

in offenen Sinnen Wald und Flur der Heimat durchstreifte, der mit als einer der ersten in Frei­burg dem Schneefchuhsport huldigte, der lebhafte» Interesse mit gründlichem Wissen verband auf ben Gebieten der Botanik und der Mineralogie. Auch diese enge Naturverbundenheit bildete einen charak­teristischen Zug seines Wesens.

Im Kreis seiner Familie fand Karl ElbS reiches Glück. Aber auch tiefes Leid ist ihm hier nicht erspart geblieben. Wohl am schwer­sten hat ihn der Verlust seiner Tochter ge­troffen, an der er mit besonderer Liebe hing und die ihm in blühenden Jahren entrissen wurde, und es bedurfte seiner ganzen Lebens­energie, diesen Schlag zu überwinden. Moch­ten ihm dabei auch die beiden Enkel helfen, denen nun seine besondere Liebe und sein gan­zer Stolz galt, ganz überwunden hat er die­sen Schmerz wohl nie.

Ein lieber, prächtiger Mensch, ja das war Geheimrat Elbs in all den Jahren, in denen er mit uns wanderte und mit uns wirkte. Als dem lieben, prächtigen Menschen werden wir ihn über das Grab hinaus ein dankbares Ge­denken bewahren.

Arbeit! Dienst! Pflicht!" im Gießener Stadttheater.

Aus dem Stadttheater-Büro wird uns ge­schrieben:

Die Kreisleitung der NSDAP, bringt am Dienstag, 29. August, ein Propagandastück des Pg. Heinrich Bartholomäus, Gießen, im Stadttheater Gießen zur Erstaufführung. Das Schauspiel:Arbeit! Dienst! Pflicht!" unter der Spielleitung von Intendant Hanns Kö­nig und unter Mitwirkung der Mitglieder des Ensembles des Stadttheaters wurde am 22. August in Darmstadt mit großem und star­kem Erfolg in Anwesenheit des Ministerpräsi­denten Prof. Dr. Werner uraufgeführt. Arbeit! Dienst! Pflicht!", ein Stück Leben und Erleben unserer Gegenwartstage, ein Appell an die Abseitsstehenden, eine Botschaft an unsere Brüder: steht nicht beiseite, sondern mit uns für alle, für Deutschland. Albert Mengels Einzelschicksal ist unser aller Schick­sal. Auch wir glaubten einst anwelt­beglückende" Ideen politischer Irrlehren. Das Gcmeinschaftserlebnis, die deutsche Idee fin­det wieder Eingang bei Albert Menge! und bei uns.Arbeite und diene Deinem Volke, dann tust Du Deine Pflicht!" endet das Mo­tiv dieses Bekenntnisstückes.

Bartholomäus spricht von allen und für alle,' drum sollen auch alle diesen Theater­abend besuchen. Die Kreisleitung hat daher für diese Veranstaltung Preise von 0,30 bis 1,50 Mark festgesetzt. Vorverkauf der Karten an der Theaterkasse ab Montag von 10 bis 13 Uhr, sowie Dienstag außerdem von 16 bis 17 Uhr: Vorverkauf im NS.-Buchladen "im Hause Soldan, Seltersweg, sowie bei den Amtswaltern der Ortsgruppe Gießen. Beginn der Vorstellung: 20.15 Uhr.

Schwerhörige und Theaterbesuch!

Aus dem Stadttheater-Dureau wird uns ge­schrieben:

Es gibt unter den Theaterfreunden eine große Zahl, die infolge Schwerhörigkeit oder eines son­stigen Hörfehlers das Theater nur ungern bzw. überhaupt nicht besuchen. Die Intendanz beab­sichtigt nun, in der kommenden Spielzeit die Schaffung von sogenanntenSchwerhörigen- Plätzen", um allen den Theaterbesuch zu einer Quelle ungetrübten Genusses zu machen. Da die technischen Vorbereitungen hierzu mit erheblichen Unkosten verknüpft sind und eine solche Anlage nur in Frage kommen kann, wenn sich eine be­stimmte Anzahl schwerhöriger Theaterbesucher fin­det. bittet oie Intendanz bereits jetzt um Mel­dung solcher Theaterbesucher, die Interesse für ein Abonnement eines solchen Schwerhörigenplatzes haben.

Einladung

zum Stadttheater-Abonnement.

Die Bürgermeisterei lädt in unserem heutigen Anzeigenteil zum Abonnement auf die Vorstel­lungen im Gießener Stadttheater ein. Die Abon­nement-Karten sind gegenüber den Tagespreisen bis zu 20 Prozent im Preis ermäßigt. Die An­meldungen zum Abonnement müssen bis spätestens 10. September erfolgt sein. Interessenten feien auf die Bekanntmachung der Bürgermeisterei be­sonders hingewiesen.

Gießener Wochenmarktpreise.

* Gießen, 26. Aug. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Landbutter, das Pfund 1,30 Mark, Kochbutter 1, Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (inländische) 9, Wirsing (grün), das Pfund 8, Weißkraut 6 bis 8, Rotkraut 10 bis 12, Gelbe Rüben 8 bis 10, Rote Rüben 10, Bohnen (grün) 15 bis 20, Bohnen (gelb) 15 bis 20, Erbsen 20 bis 25, Mischgemüfe 10, Tomaten 15 bis 20, Zwiebeln 10, Kürbis 6, Pilze 25 bis 35, Kar­toffeln (neue) 3 Pf., der Zentner2,30 bis 2,50 Mark, Frühäpfel 20 bis 30, Falläpfel 6 bis 8, Pfirsiche 35 bis 40, Preißelbeeren 30 bis 35, Birnen 15 bis 20, Zwetfchcn 10 bis 15, Mirabellen 16 bis 20, Reine- Hauben 15, junge Hähne 80 bis 90, Suppenhühner 70 bis 80, Tauben, das Stück 40 bis 50, Blumen­kohl 5 bis 40, Salat 5 bis 10, Salatgurken 4 bis 40, Einmachgurken 1 bis 3, Endivien 10 bis 15, Ober- kohlrabi 5 bis 8, Lauch 5, Rettich 5 bis 10, Sellerie 5 bis 10, Radieschen, das Bund 10 Pf.

Bornotizen.

Tageskalender für Samstag: Turnhalle, Heuchelheim, 20.30 Uhr, Werbeabend aus Anlaß des 13. Frauen-Wettumens des Be­zirks Hessen. Lichtspielhaus, Bahnhofstr.:Cs war einmal ein Musikus".

Tageskalender für Sonntag:

Oberh. Museum und Gailsche Sammlungen (Al­tes Schloß), 11 bis 13 Uhr, Ausstellung: Der Stadtkirchenturm. Markusgemeinde. Hardt, Ge­meindefeier, 15 Uhr. Bootshaus Verein Ruder­sport, 13. Herbst-Regatta, Dor rennen: 8.10 Uhr: Hauptrennen: 14.45 Uhr. Heuchelheim, ab 7.30 Uhr, 13. Frauenwettumen des Bezirks Hessen. Waldesluft am Flughafen, 15.30 Uhr. großes öf­fentliches Volksfest mit Kinderbeluftigungen; abends Tanz. Lichtspielhaus, Bahnhofstr.:Es war einmal ein Musikus".

* * Sperrung des Riegelpfads. Die Po­lizeidirektion Gießen teilt mit: Wegen Straßenbau­arbeiten ist der Riegelpfad zwischen Ludwigstraße und Ebelstraße für den Verkehr mit Fahrzeugen aller Art auf die Dauer einer Woche polizeilich ge» sperrt worden. Die aufgestellten Sperrschilüer lind zu beachten.