Ausgabe 
26.7.1933 Frühausgabe
 
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m. 172 ^rühattsgabe

185. Jahrgang

Mittwoch, 2b. M1935

Lrfchernr tägltd), autza Sonntags und Feiertag» Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Blld - Die Scholle Moaatr-Vezugrpreis:

Mil 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Iustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt.

Zernsprechanschlüfse anter5ammelnummer2251. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Sieben.

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag: vrühl'sche Universtlätr-Vuch- und Steinöruderei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulftrahe 7.

Annahme oon Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für i mm^jöhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- Nlameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzoorschrift 20°/. mehr.

Chefredakteur.

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. WUH. Lange: für Feuilleton vr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für denAn- zeigenteil i.D. Th.Kümmel sämtlich in Gießen.

Feierliche Einführung des Leiters derLandeSsielleHesien-Aafsau für VollSauf klärung und Propaganda

Frankfurt a. 2TI., 22. Juli. Am Freitag, dem 28. Juli 1933, um 11 Uhr, findet im Jranffur- te r Schauspielhaus die feierliche Einführung des Leiters der Landesflelle Hessen-Nassau für Dolksaufklärung und Propaganda, Gaupropaganda­leiter Müller-Scheid, durch den Reichsstatl- halter in Hessen, Sprenger, und den Oberpräsi­denten der Provinz Hessen-Nassau, Prinz Phi­lipp von Hessen, statt. Zu dieser Einführung sind von den obengenannten Regierungsstellen ge­laden:

1. Die v e h ö r d en der Provinz Hessen-Nassau und des Landes Hessen (die Regierungs­präsidenten mit ihren hauptcesecenten, alle L a n d r ä t c bzw. Kreisdirektoren, die Vertreter beider Konfessionen, die Ober- bürgermeister und Bürgermeister der Städte über 10 000 Einwohner, die Polizei­behörden, die Spitzen der Universi­täten und übrigen Hochschulen, die Direk­toren der höheren Schulen, die Kreis - und Stadtschulräte der Volks­schulen). -

2. Die Gauleilungen der NSDAP, von Hes­sen-Nassau und Kurhessen mit ihren Hauptab­teilungsleitern, den Stäben der SA., SS. und HI., sowie alle Kreisteiter und Kreis­propagandaleiter. ,

3. Die Verleger, hauptschriftleiter und Korrespondenten aller in der Pro­vinz Hessen-Nassau und im Lande Hessen er­scheinenden Zeitungen und Zeitschriften.

4. Die Besitzer und Direktoren aller Lichtspiel­theater.

5. Die Intendanten und Direktoren der staat­lichen und städtischen Theater mit ihren Dramaturgen.

6. Der Intendant des Rundfunks und fein hauptableilungsleiter.

7. Die Spitzen aller wirtschaftlichen, kulturellen und sportlichen verbände und Vereine, soweit sie über die Grütze eines Kreises hinaus gehen.

Die obengenannten staatlichen und städtischen Be­hörden, sowie die verbände werden vom Oberpräsi­dium Kassel und der Regierung in Hessen in den nächsten Tagen eingeladen.

Versailles muß fallen!

Mutiges Bekenntnis eines englischen Lssiziers.

Mexiko, 25. Juli. (CAB.) Das ehemalige britische Mitglied der oberschlesischen Abstim- mungskommission Oberstleutnant Graham Seton Hutchison veröffentlicht in derDeutschen Zeitung von Mexiko" unter der Lieberschrift Versailles muh fallen!" einen Artikel, der sich in erfreulicher Offenheit mit dieser nicht nur für Deutschland, sondern für die Wieder­gesundung Europas so wichtigen Frage beschäf­tigt. 3n dem Artikel schreibt Oberstleutnant Hutchison, nachdem er sich als ausgezeichneter Kenner Deutschlands vorgestellt hat, u. a.:

Während wir Frontsoldaten versucht haben, die englisch-deutsche Brüderschaft neu zu knüp­fen, hat eine seelenzerstörende, heimtückische, listig ersonnene Lügenhche versucht, die deutsch­englischen Gefühle der Freundschaft wieder zu zerstören und aufs neue Feindschaft zu stiften.

Dcx rachsüchtige Beitrag von Ver­sailles tcat ein harter Schlag für unsere in den Schützengräben erträumten Hoffnungen.

Man sollte doch endlich dem großen deutschen Volke das Recht einräumen, fein Geschick nach eigenem Befinden zu regeln, selbst wenn die Gefahr besteht, daß die Hetzer, von denen uns Gott befreien möge, einen noch größeren Lärm verursachen. Kein Mensch, der auch nur wenig Kenntnis von der hitlerbewegung hat, kann sie als kriegslüstern ansprechen. Die Ziele Hitlers sind in erster Linie deutsches Leben und deutsche

Sitten.

3n Frankreich aber lauert die sprung­bereite Kriegsgefahr mit sieben Häuptern wie schon seit Jahrhunderten, lange bevor Deutsch­land ein geeintes Reich war.

Sollen wir heute annehmen, unsere Hochziele seien mit unseren Gefallenen begraben wyrden? Roch gibt cs ehrliche Männer in England.

Ich habe den eisernen Willen, die Wahrheit auszusprechcn und die Marktschreier, die Ver­führer, die politischen Kuppler bloßzu­stellen. Ich habe den Willen, alle blohzustellen, die aus wahrheitsliebenden Menschen Sklaven und Käuflinge machen wollen.

Ich liebe meine deutschen Freunde um ihrer Schwäche willen so gut wie wegen ihrer Stärke. Ich liebe sie nicht zum geringsten Teile, weil ich ihre Wunden lindern konnte. Ich liebe Deutschland, weil es die Kraft in sich entdeckt hat, aus der heraus die Wunden der Welt geheilt werden können-

Versailles muß fallen!

Oer Bau der deutschen Reichsautobahnen.

Generalinspekteur Dr.-Ing. Todt entwickelt sein Programm.

Berlin, 25. Juli. (WTB.) Bei einem Presse­empfang entwickelte der vom Reichskanzler ernannte Generalinspekteur des deutschen Straßenwesens Dr. ing. Todt sein Programm. Eingangs betonte er, daß er erst so spät zur Presse spreche, weil er die Zeit nach seiner Ernennung zunächst dazu verwen­den wollte, diejenigen Arbeiten, die schnell be­gonnen werden konnten, in Gang zu bringen. Das sei der Bau des ersten Teilstücks der deutschen Reichsautobahnen Frankfurt a. M. Heidel­berg Mannheim. Seine erste Arbeit sei ge­wesen, dieses Stück möglichst rasch in Angriff neh­men zu lassen. Dann führte Dr. ing. Todt weiter aus:

Die Ursache meiner Ernennung ist das Gesetz vom 27. Juni über die Reichsautobahnen. Der grund­legende Inhalt dieses Gesetzes ift die Errichtung einer allen Wegeunterhaltungspslichtigen über­geordneten Inspektionsstelle für das gesamte Gebiet des deutschen Straßenwesens. Damit ist der erste Schritt getan für die Beseitigung der uneinheitlichen Vielheit, die jeder ehrliche Straßenbauer ober Wegeunterhaltungs­pflichtige seit Jahren bedauert.

Der kommende Minter wird Zeil lassen, durch ein einheitliches Reichsgeseh die organisatorische Form des künftigen Straßenwesens zu schaffen. Das ist der allgemeine Inhalt dieses Gesetzes. Der besondere Inhalt ist die Schaffung, der Neubau dieses ganzen neuartigen Systems reiner Auto­bahnen durch die Reichsbahn.

Generalinspekteur Todt ging bann barauf ein, warum biejes neuartige System von Straßen, diese Nur-Autobahnen, geschaffen werden sollen. Man brauche nur einmal ein ober zwei Kilometer in einem Auto zu fahren, bann tauchten schon bie hinbernisse auf in Form von Kurven, oon Orts­durchfahrten, Bahnübergängen, Straßenkreuzungen, Schlaglochserien, in Form von Radfahrergruppen ober Heuwagen. UeberaU werbe bas zu schneller Fahrt befähigte Auto behinbert. Diese Behinberung, biese Gefährbung ber Insassen unb biefe Unzuläng­lichkeit der Straße gegenüber diesem Verkehrsmittel alle zwei Minuten werde nicht nur von einem kleinen Kreis empfunden, sondern von dem großen Kreis derjenigen, bie bas Auto benutzen. Wir zähl­ten heute schon 1,5 Millionen Kraftfahrzeuge in Deutschlanb, bie von ber Unzulänglichkeit ber alten Straßen betroffen würben. Dieser Zustanb wirb nicht bleiben. Es ist technisch nie so gewesen, baß ein Mißverhältnis zwischen ber technischen Entwicklung unb allem anberen bestehen blieb. Das Auto wirb sich bie Straße schaffen, bie es nach seiner technischen Entwicklung braucht. Rur taucht bie Frage auf: Wie? Seit bem Jahre 1926 würbe schon baran ge­arbeitet, bie Straße bem Autoverkehr anzupassen. AUerbings blieb diese Anpassung hinter ber Ent­wicklung zurück.

Da kam Reichskanzler Adolf Hitler. Mit seinem weitausschauenden Blick sagte er: Wir haben nicht Straßen zu bauen, die dem jetzigen Verkehr genügen. Die Entwicklung geht weiter.

was wir bauen, muh für Generationen ge­schaffen fein, unb diese Straßen müssen noch in 20 Jahren den wert besitzen, den sie heute haben, wir wollen nicht etwas schaffen, das bei Inbe­triebnahme schon 50 o. £). seines wertes ver­loren hat, sondern etwas, das auf Generationen hinaus seinen wert behält.

Das ist der Kerngedanke der großen Idee des Reichskanzlei Adolf Hitler über die Reichs­autobahnen. Zunächst werden 5 0 0 0 Kilo­meter in Angriff genommen: natürlich wird sich die Bauzeit auf eine längere Reihe von Jahren ausdehnen. Die Autobahnen werden

durch bie Reichsbahn ausgebaut bzw. burch ein Zweigunternehmen der Reichsbahn, und zwar aus folgenden Gründen: Die Reichsbahn war das einheitliche Verkehrsunter­nehmen des Reiches und soll es bleiben. Die Entwicklung des Kraftwagens hat es aber mit sich gebracht, daß der Güterverkehr von der Bahn abwanderte und auf das Automobil und die Straße überging. Diese Entwicklung kann gehemmt werden (was natürlich ist): der einzig richtige Weg ist aber die jetzige Lösung: Die unbehinderte Entwicklung des Au­tos und der Reichsbahn in einer Hand. Es ist der geniale Plan des Führers gewesen, hier alle Hemmungen zu beseitigen und dafür zu sorgen, daß die Reichsbahn an der Entwicklung des Autoverkehrs selbst interessiert wird.

Neben dieser Aufgabe ber Schaffung bes Netzes von Autostraßen so erklärte Generalinspekteur Dr.-Jng. Tobt weiter erstreckt sich mein Wir- fungstreis auf bas Gebiet bes allgemeinen Straßenbaues. Hier ist zuerst meine Ausgabe bie Vereinheitlichung ber D r g a n i [ a t i o n. Bekanntlich haben wir vielerlei Wegepflich- tige. Jeber kann tun, was er will.

Das Endziel ist jedoch nicht etwa die verreich- lichung des Straßennetzes. Die Straße ist dazu nicht geeignet.

Die Bau- und Verkehrsoerhältnifse sind überall ver­

schieden. Die Straße ist bodenständig und soll bodenständigmitderProvinz verbun­den bleiben. Aber in jeder einzelnen Provinz dür­fen nicht Hunderte von verschiedenen Wegcunterhal- tungspflid)tigcn vorhanden sein, sondern die Leitung muß in einer Hand liegen. Das wird eine Art Lan­desbauinspekteur sein, der innerhalb seines Gebietes verantwortlich ift, daß auch der allgemeine Straßenbau künftig nach allgemeinen Richt­linien und großzügig gestaltet werden kann.

Die schönste Organisation nützt natürlich nichts, wenn nicht die Finanzierung eine andere als bis­her wird. Jetzt ist cs so, daß für die Kostew Zuwendungen aus der Automobilsteuer geleistet werden, in der Hauptsache sind aber die Wcge- baupslichtigen selbst zur Llnterhaltung der Straßen verpflichtet. Früher war das Wcgeunterhaltungs- Pflichtigen-Geseh gerecht, denn der Wcgebenuher blieb bei seinen Fahrten meistens nur in seinem Kreise, und nur wöchentlich einmal vielleicht kam eine Postkutsche von weiterher. Heute ist das aber anders. Die Llnterhaltspslichtigen, also die Anlieger, haben die Kosten für die Straßen zu tragen, und die Fahrer aus der Ferne fahren, sie entzwei. Das muß anders werden.

Die wegebenuher also die Allgemeinheit müssen wegeunlerhalkspslichkig werden. Dann kommen wir aus der ewigen Not mit der Auf­bringung der kosten heraus und sind nicht Jahr für Jahr auf Almosen angewiesen, sondern

Ostpreußen zu dreivierlel frei von Arbeitslosen.

Oie Aufnahme jugendlicher Arbeitsloser aus dem 3Retd> in Sicht.

Königsberg, 25. Juli. (TU.) Der ost preu­ßische Abwehrkampf gegen bie 21 r - beitslofigteit hat jetzt mit 30 Kreisen flächen­mäßig drei viertel der Provinz frei von Arbeitslosen gemacht. Der Rest besteht zur Hauptsache aus städtischen Arbeitslosen, die noch un­tergebracht werden, und zwar vor allem in den Städten Königsberg und Elbing. 3m Hin­blick auf das sich ständig steigernde Tempo läßt sich schon jetzt voraussehen, daß am 1. August Arbeits­lose nur noch in diesen beiden Städten vorhanden sein werden. Das Ziel des Kampfes war ursprüng­lich, bis zum 1. Oktober die Arbeitslosigkeit in ber ganzen Provinz ; u beseitigen. Schon jetzt kann man sagen, daß dieses Ziel bereits am 15. August, d. h. rund 6 Wochen früher erreicht sein wird. Line Ausnahme dürfte ledig­lich Königsberg bilden; doch auch hier wird bis zum 15. August ber größte Teil der Arbeitslosen untergebracht sein.

Die weitere Organisation für die beiden Städte Königsberg und Elbing muß vor allem den technischen Anforderungen Rechnung tragen: Zug­gestellungen, Ausrüstung mit Kleidung unb Arbeits­gerät. Die nötigen Anordnunngen hierfür sind be­reits getroffen. Die Arbeitslosen werden durch aus- gewählte Führer auf ihre künftige Arbeit vorbe­reitet. Sie sind mit Heller Begeisterung bei der Sache, Helsen selbst mit, das notwendige Material unb die Ausrüskungsgegenstände zu beschaffen. Schon Ende August wird Offpreufoen in ber Lage fein, größere Transporte jugendlicher Ar­beitsloser aus dem Reich ; u überneh­men. Diese sollen durch das Land die Wiederver­

bindung mit dem Heimatboden bekommen und so in den ostpreuhischen Charakter eingegliebcrt werden.

Die von der Arbeitslosigkeit befreiten Kreise sind folgende: Pillkallen, Preuhifch-Lytau, Niederung, Lohen, Johannisburg, Braunsberg, wehlau, Dar- kehmen, Mohrungen, Heiligenbeil, Lyck, Preußisch- holland, Landkreis Elbing, Stuhm, Marienburg, ©erbauen, Neidenburg, Barfenflein, Treuburg, Landkreis Tilsit-Ragnit, Heilsberg, Marienwerder, Angerburg, Landkreis Insterburg, Rosenberg, Rös­sel, Sensburg, Ofterrobe, StaUupönen, Labiau.

Ohne Gondermittel!

Die Pressestelle des Oberpräsidiums in Königsberg teilt mit: Es ist in einem Teil der Presse die Meldung verbreitet worden, die bisherige Räumung der Kreise von Erwerbslosen sei in Ostpreußen dadurch ermöglicht worden, daß die ostpreuhischen Banken, insbesondere die öffent­lich-rechtlichen ostpreußischen Banken, Vorschüsse gegeben hätten auf Mittel, die von der Renten- oanMeditanstalt oder der Oeffa \\it Ostpreußen zugesagt feien. Diese Meldung ist von A bis Z unrichtig. Die bisher zur Bekämpfung der Erwerbslosigkeit in Ostpreußen in Gang ge­setzten Arbeiten find aus keinerlei Son­de r m i t t e l n für Ostpreußen finanziert worden. Auch ist keinerlei Bankvorschuß auf zu­gesagte Mittel der Rentenbankkreditanstalt oder der Oeffa dafür zur Verfügung gestellt worden. Die ostpreuhischen Arbeiten sind vielmehr aus den normalen Mitteln, insbesondere aus der Reichsanstalt finanziert worden, wie sie jeder anderen Provinz in gleicher Weise zur Verfü­gung stehen.

Frankreich erweitert seinen Kolonialbesitz.

Im Chinesischen Meere, etwa 600 Kilo­meter westlich oon den Philippinen, liegt eine Inselgruppe (fünf kleine Inseln unb ein Ko­rallenriff). Die Welt, so sagt man, sei aufgeteilt, unb bies stimmt wohl auch bis auf biese Inselgruppe. Keine ber Mächte, bie an ihr ein Interesse haben könnten, erhob Anspruch auf ihren Besitz, bis Frankreich sie 1930 kurzerhand an­nektierte. Nunmehr, ba sich seitens ber anberen Mächte kein Einspruch erhob, hat Frankreich biese Inbesitznahme sozusagen offiziell gemacht. Die Kriegsmarine unb bie Schulbuchverlage finb ange- rviesen worben, auf Lanbkarten unb in Schulbüchern bie entsprechenben Aenberungen vorzunehmen. Die Inseln Tempest, Loaita, Jtu Aba sowie bie von Chinesen bewohnte Thi-Tu unb bie Zwillings-Insel stehen fortan also unter ber Trikolore. Wirtschaftlich ist bieser neue französische Kolonialbesitz bedeutungs­los, s e i n e st r a t e g i s ch e B e d e u t u n g ist dafür um so größer. Bei den kommenben weltpoliti,chen Auseinandersetzungen, wie sie. sich aus den Inter­essengegensätzen der Mächte im fernen Osten unauf­haltsam entwickeln, wird cs wesentlich auch darauf ankommen, wer sich im Chinesischen Meer behauptet. Frankreich benötigt dort also eine brauchbare Flot­te n b a s i s. Die fünf Inseln sind hierfür zwar nicht von Natur gerade geeignet: ein entsprechender Aus­bau dürfte erhebliche Geldmittel erfordern. Indcß sind ihre Buchten geradezu ideale Häfen ins­besondere für U-Boote unb Wasser-

f (u g 3 e u g e , wie auch für kleinere Kriegsschiffe. Frankreich wirb wahrscheinlich alsbalb entsprechenbe Ausbauten vornehmen: es verstärkt bamit seine po­litische Geltung in jenem Abschnitt der Weltpolitik. Es wirb sich im Falle eines kriegerischen Konfliktes gewiß nicht im Chinesischen Meere vorherrschenb be­haupten können, aber es wirb seine auf ben fünf Inseln bereitgestellten Machtmittel in die Waagschale werfen.

Oie Juden

im früheren Deutschland.

Ein amerikanisches Urteil.

Berlin, 25. Juli. (WTB.) Der frühere amerikanische Generalkonsul in Deutschland (1905 bis 1915), T. St. John G a f f n e y , hat allen amerikanischen Abgeord­neten einen elf Seiten langen Artikel,Tatsachen über den Kampf der Nationalsozialisten gegen die deutschen Juden und ihren poli­tischen und wirtschaftlichen Einfluß" zugestellt, in dem er die Haltung des deutschen Volkes in der Iudensrage nachdrücklich verteidigt. Der Gene­ralkonsul kommt zu dem Schluß:

Tatsache ist, daß die Deutschen jahre­lang einen Zu st and duldeten, den kein anderes Volk sich hätte gefallen las­sen. Amerikaner, die diese Tatsachen mit den Verhältnissen in unserem Lande vergleichen, ver­stehen ohne Mühe, warum so viele Deutsche, und besonders die deutsche Jugend auf dem Lande,

immer mehr zu der Lieberzeugung kamen, daß nur ein Zentraleingriff helfen könnte, nachdem viele schmerzliche Maßnahmen nicht geholfen haben."

Generalkonsul G a f f n e h war einer der ersten Amerikaner, die sich nach dem Kriege gegen eine Ratifizierung des Versailler Diktates einsehten, gegen die Lüge von der deutschen Kriegsschuld protestier­ten und unter persönlichen Opfern in Artikeln und Vorträgen die deutschfeindlichen Kräfte in Amerika bekämpften.

Verhinderte Störung des Deutschen Turnfestes.

Stuttgart, 25. Juli. (TU.) Von Anhängern ber verbotenen Linksparteien war, wie amtlich mitgeteilt wirb, beabsichtigt, bas Deutsche T u r n f e st zum Anlaß einer besonderen intensiven illegalen Tätigkeit zu benutzen. Es sollten verbotene Schriften zur Verteilung gebracht, dar­über hinaus aber auch oon Provokateuren Stö­rungen ber öffentlichen Ruhe unb Drbnung ausge­löst werden. Die politische Polizei hat sich daher ver­anlaßt gesehen, in ber Nacht zum 25. d. M. rund 200 $ erfonen, bie ber Teilnahme an berartigen Umtrieben verdächtig waren, in Schutzhast zu nehmen. Die Durchführung ber Aktion verlief rei­bungslos. Es konnten große Mengen von verbote­nen Schriften unb eine geringe Anzahl von Waffen beschlagnahmt werben. Die Schutzhästlinge unb bas Material wurden sichergestellt.